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Rettungsanker VG Wort

Die VG Wort lässt sich dieses Jahr Zeit. Wegen eines Rechtsstreits, bei dem es um die Tantiemenaufteilung zwischen Verlagen und Autoren geht – was mich nicht betrifft – ist die Auszahlung dieses Jahr irgendwie auf der Kippe gestanden, verschoben worden – man weiß es nicht so genau. Die Transparenz der Verwertungsgesellschaft ist nach wie vor in etwa mit der von Atombunkern zu vergleichen. Nur nicht verraten, wann warum und wie viel man zahlt oder was man sonst so macht!

Ich melde als einer von zigtausenden Autoren meine Texte dort, deren Zweitverwertung ist mir nämlich im Grunde schnuppe. Und wenn da ein Topf rumsteht, aus dem man als Autor öffentlich verfügbarer Texte pauschal Geld kriegen kann, dann nehme ich das gerne an – wenngleich ich es nach wie vor für eine gewagte These halte, dass man als Blogger tatsächlich eine Entschädigung in diesem Ausmaß bräuchte. Ich habe zumindest noch nicht wirklich gehört, dass jemand meine Texte weiterkopiert und an Bedürftige verteilt.

Aber ich muss ehrlich sein: Es ist verdammt schwer, sich das Schreiben zu finanzieren. Es ist zwar billig von den Materialkosten, es leidet aber enorm die Zeit darunter. Und zwar so viel, dass man sie ungern von seiner Freizeit abknappen will. So handhabe ich es auch, ich fahre seit GNIT erfolgreich ist wesentlich weniger Taxi. Ich würde gerne mehr arbeiten, aber was würde dann aus Blogs und Büchern?

Und da trotz allen Erfolgs Flattr, ein paar Ref-Links auf Amazon und ein bisschen Werbung bei Google eben auch höchstens ein Taschengeld abwerfen – bei GNIT und Sashs Blog zusammen etwas über 50 € pro Monat – bin ich doch recht froh, dass es die VG Wort gibt.

Die hat sich dieses Jahr wieder das große Sparen auf die Fahnen geschrieben und an allen Ecken gekürzt. Für die 1.500 Zugriffe auf einen Text gab es letztes Jahr noch 15 €, dieses Jahr einen Zehner. Bei der zweiten Stufe wurde nicht nur der Betrag auf 15 € gekürzt (von 20), sondern auch die Mindestzugriffszahl von 3.000 auf 6.000 erhöht. Und wie immer hat man das erst nach Ablauf des Jahres (die Zahlung jetzt ist für 2011!) erfahren und eine Aufstellung welche Texte nun welche Stufe erreicht haben, gibt es immer noch nicht.

Da ich über das Jahr hinweg hier und da wieder ein paar Euro leihweise aus meiner Kasse, aus der Haushaltskasse und vom Dispo in Anspruch nehmen musste, wartete ich also schon ein wenig wie auf glühenden Kohlen sitzend auf die Überweisung, bzw. den Brief, in dem steht, wie viel Geld es jetzt eigentlich ist. Und da war ich sicher nicht alleine.

Ziemlich einsam bin ich aber wahrscheinlich bei der Summe. Ich falle nach wie vor in eine goldene Lücke des Systems: viele Leser bei vielen langen Texten. So viel Glück haben die wenigsten Blogger. Und heute Nacht dann – ausgerechnet nachdem mein Wochenende so mies lief wie sonstnochwas – lag endlich der Brief im Briefkasten. Ich denke, die Blogger unter euch sollten sich jetzt besser festhalten:

Wow! Quelle: VG Wort

Ein paar Altlasten bin ich damit los, nächstes Jahr kommen dann die schwarzen Zahlen auch auf dem Konto … 😀

Das Geld hätte ich in der entsprechenden Zeit natürlich auch locker im Taxi machen können, aber so gefällt es mir doch besser. Und hey, deswegen muss ich auch mal ganz deutlich sagen: Danke, dass ihr alle meine Texte lest! Denn genau deswegen bekomme ich dieses Geld!

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Das Sozialarbeiter-Gen

Ich kann ja nicht anders. Und abgesehen davon, dass meine Geduld manchmal nervig ist, brauche ich sie ja auch. Gerade meine Arbeit besteht letzten Endes nicht daraus, Auto zu fahren, sondern mich mit Menschen zu unterhalten, eventuell nur zu kommunizieren, sie wenigstens aber zu ertragen. Aber man trifft eben immer wieder auf Leute, die einem alles davon schwierig machen. Oder unerträglich.

Aber man ist ja kein Arsch, man haut ja nicht ab …

Auftritt Manfred.

Ungeführ um 4 Uhr heute morgen wollte ich mir eine Cola und eine Schachtel Zigaretten beim Döner holen. Hab ich getan, auf dem Weg nach draußen quatschte mich Manfred vom einzig besetzten Stuhl im Außenbereich an:

„Sag mal, ich will auch nicht unhöflich sein oder so, aber haste mir vielleicht ein paar Kippen zu verkaufen. Wenn ich jetz‘ 5 Euro für eine Schachtel zahle, kann ick mir kein Bier mehr kaufen.“

Verständliches Ansinnen – und ich bin da auch nicht so. Hatte mir selbst zwar gerade genug Kippen zum Eigenbedarf geholt – aber was soll’s? Anderen Menschen geht es dreckiger als mir. Ich bin kurz rein, hab einen Fünfer in Kleingeld zusammengesucht, mir noch eine Schachtel gekauft und ihm rund die Hälfte auf den Tisch gelegt.

„Wat krisse?“

„Passt schon, freu Dich drüber!“

Manfred ist rund 32 Jahre alt, unweit meines Alters also, kahlrasiert von oben bis wahrscheinlich auch unten, trägt Brille und ist jetzt, da ich diesesn Text schreibe, ziemlich besoffen und hat Stress mit seiner Freundin – die ein Kind von ihm erwartet. So wie wir laut Medien alle in Marzahn leben.

Im Grunde ist Manfred aber ein netter Mensch und so reichte er mir auch gleich die Hand und stellte sich vor:

„Hi. Ich bin Manfred und ich hab echt’n schweres Schicksal!“

Bei mir ist das wie bei Gaffern an Unfallorte: ich kann nicht weghören. Also hab ich ein Bier geordert und mich zu Manfred gesetzt.

Und wie zu erwarten palaverte er munter drauf los, seine Beziehungskrise kannte ich, bevor er sich meinen Namen merken konnte. Leitplankenbau hätte er jemacht, und ihm käme es hierauf an – und zeigte auf Bizeps und schweißnasse Stirn. Mit dem Kopf arbeiten also, aha. Prima! Gemeinsames Thema! Hab kurz angerissen, dass ich schreibe und Taxi fahre – folglich hab ich jetzt seine Nummer. Um ihn anzurufen, damit er auch mal ein Buch schreiben kann. Klar, ich kenne diese besoffenen Fantastereien.

Aber: Boxen! Ob ich das kenne? Also Boxen wäre so total sein Ding. Dafür lebt Manfred. Sein fast 80-jähriger Trainer sei auch voll die harte Sau, die gerne mal Anfängern wie ihm Nägel in die Sandsäcke packt, um zu testen, wie „hart“ der Nachwuchs ist. Voll geil jedenfalls! Köpfchen eben, sagt er ja. Also Manfred. Und wie er als Security mal jemanden verdroschen hätte. Klar, der hatte es verdient, Messerangriff und so. Aber hey, noch 46 €, dann ist Manfred die Geldstrafe endgültig los und wert war es das – na klar – der hatte schließlich provoziert!

Während ich dann nach einer Stunde und drei Bier langsam versuche, mich loszureissen, muss er mir unbedingt noch die Geschichte seines Vaters erzählen, der Polizist ist, war und ist. Eigentlich sei er ja in Rente, höre aber immer noch den Polizeifunk ab, um zu den Einsätzen zu fahren. Konsequenzen hin oder her. Um seinem Vater zu gefallen, boxt Manfred ja auch.

„Mach meinem Körper Ehre!“

sagt Papa nämlich. Und immer nur trinken … da braucht es eben einen Ausgleich!

Ich hab nicht mal den Hauch einer Ahnung, in wievielen Punkten mir das alles widerlich und erbärmlich vorkam. Dabei war Manfred eigentlich trotz allem ein netter Kerl. Ich denke, ich werde ihn aber dennoch nicht anrufen. Mein Sozialarbeiter-Gen macht manchmal eben auch sehr lange Pause …

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9. Oktober – hach!

Den gestrigen Tag sollte man sich im Kalender anstreichen, denn das ist der Tag, an dem hier bei mir zuhause von Ozie die erste Bhut Jolokia gepflanzt wurde. Hach! Zugegeben: Unter all den Chilis, die hier gepflanzt und hochgezogen wurden, geht das gerne unter – zu Recht auch – aber irgendwie ist da doch so ein Kribbeln in mir …

Ich gestehe es gerne ein: Dass man eine leichte Sucht nach Capsaicin entwickelt, entspricht der Realität. Irgendwo in diesem Blog habe ich aber schon mal geschrieben, dass das noch weit hinter Kaffee die wahrscheinlich harmloseste Droge ever ist. Und bei den Jolokias geht es auch weniger um den tatsächlichen Gebrauch (Hallo, man muss dazu Handschuhe anziehen!), sondern mehr um das gute Gefühl, „es“ auch mal gemacht zu haben, einmal den heiligen Gral mit den eigenen fettigen Fingern betatscht zu haben.

Die Früchte gelten (je nachdem, ob man den nachfolgenden Rekord anerkennt) immerhin als Nummer 1 unter den Chilis, als schärfstes Gewürz aller Zeiten. Gewiss, die Anbaubedingungen in Marzahn geben ohnehin keine rekordverdächtige Frucht mit Millionen-Score auf der Scoville-Skala her, aber derbe brezeln werden die Teile wahrscheinlich dennoch … 🙂

Und auch wenn ich in fast allen Bereichen dem Pathos gerne fern bleibe, so reizt es eben doch, sagen zu können, man habe die schärfste Chili der Welt zu Hause großgezogen. Also hoffen wir mal, dass es eine der vier ausgesäten Pflanzen auch schafft!

Und ganz nebenbei war gestern – von uns beiden verpennt – auch der siebte Jahrestag von Ozie und mir. Sicher, ein belangloser Video-Abend mit Pizza vom Lieferdienst wird sicher nicht in die Annalen unserer Beziehung eingehen, aber vielleicht ist es ja auch besser, wenn man gar nicht mehr mitzählen muss, wie viele Jahre man schafft. Und wenn wir den Tag nur der Jolokias wegen als „scharf“ in Erinnerung behalten, dann ist das doch wenigstens etwas … 😉

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Schuld beglichen

Letzte Woche hab ich nach einem abendlichen Einkauf mal wieder meinen russischen „Freund“ getroffen. Wie eigentlich zu jeder Tageszeit war er mäßig bis übermäßig alkoholisiert und furchtbar begeistert, mich zu sehen.

Das hat noch nie auf Gegenseitigkeit beruht. Zugegeben, dank meines Schlafrhythmus bin ich hier auch schon um 7 Uhr betrunken einkaufen gegangen, aber jedes Treffen mit ihm stellt mich vor Probleme. Sprachprobleme. Der Kerl kann quasi kein Deutsch und kein Englisch. Und es interessiert ihn auch nicht, er spricht dann halt russisch – ganz gleich, ob es wer versteht.

Aber gut, ich kam schwer bepackt mit 2 Tüten und einem Kasten Bier aus dem Kaiser’s und er kam zufällig vorbei, fragte mich irgendwas und schielte so auffällig unauffällig auf meinen Kasten Bier. Ich hab eine der Flaschen gepackt, sie ihm in die Hand gedrückt, ihm auf die Schulter geklopft und ihm einen schönen Abend gewünscht. Keine Ahnung was er eigentlich von mir wollte – aber das Ergebnis fand er wohl ok.

Und er ist gegangen.

Hey, 80 Cent für ein Lächeln! Das ist ein guter Tarif. Außerdem hat er mir ja damals auch ein Bier ausgegeben. Vielleicht sind wir jetzt quit, vielleicht hab ich jetzt auch bei irgendeiner Mafia was gut. Keine Ahnung, ich versteh den Kerl ja nicht. Aber wie dem auch sei: Hat sich gut angefühlt, war also in Ordnung so 🙂

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Ich schwöre …

Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, dass ich mit der Hochzeit ein sicher nicht gerade unwichtiges Versprechen gegeben habe – noch dazu eines, bei dem mehr als bei allen anderen stets unklar ist, ob man es halten können wird. Dennoch habe ich am gestrigen Abend ein weiteres abgeben müssen, ebenfalls Ozie gegenüber. Wir nennen es

Das heilige Handschuh-Versprechen

Ich muss gestehen: Ich kann Handschuhe nicht sonderlich gut leiden. Ich erkenne ihre Nützlichkeit an, aber meist ertrage ich lieber ein wenig Leid, als sie zu tragen. Schnee zum Beispiel! Wie oft wurde mir in meinem Leben gesagt, ich solle doch Handschuhe anziehen, wenn es schneit. Aber die perfekten Schneebälle, die man seinem Bruder ins Gesicht schmeißt, bauen sich nunmal ohne Schutz!

Und wenn wir an Hygiene denken, dann sollte ich am Besten im Taxi Handschuhe tragen. Ich weiß selber, wie gerne ich in der Nase popel, was weiß ich da, welche Körperöffnungen die Hände präferieren, die mir mein Geld geben?

Die einschneidendsten Erfahrungen aber – und da kommen wir langsam zum eigentlichen Thema dieses Artikels – hab ich diesbezüglich mit Chilis gemacht. Als ich frische Habaneros zum Einfrieren kleingeschnitten habe, tat ich dies ohne Handschuhe. Mal abgesehen davon, dass nach dieser Entscheidung zwangsweise jedes Sexleben (ausgenommen eines mit Handschuhen) erlischt, wurde meine linke Hand bei diesem Experiment taub und dieser Zustand hielt rund einen Monat an. Ich habe nicht einmal eine Ahnung, wie das biologisch möglich war, aber es war eine beeindruckende Erfahrung. Ich bin da bei Chilis ja ganz relaxt. Unvergessen auch der Moment, in dem ich in eine Habi gebissen habe, um der Verkäuferin im KaDeWe zu beweisen, dass diese mitnichten so scharf sind, wie es sich gehört.*

Aber Ozie baut ja gerade für uns beide jede Menge Chilis an.

Ein Foto unserer Fuego-Chilis

Langsam reifen sie ab … Quelle: Sash

Die bislang ertragreichsten sind die Fuegos (siehe Foto), eine NuMex Suave ist fast abgeerntet und die Habaneros kommen so langsam. Aber wir denken über die nächsten Generationen nach. Und aus reinem Ehrgeiz – einfach um behaupten zu können, wir hätten das mal gemacht – wollen wir uns auch an die Bhut Jolokia wagen. Und die erfordert dann vielleicht doch etwas mehr Vorsicht als mein Draufgängertum im capsaicinhaltigen Universum normalerweise vorsieht …

Und deswegen hat Ozie mir im Gegenzug zur in Aussicht gestellten Aufzucht das Versprechen abgerungen, dass ich die Jolokia ausschließlich mit Handschuhen anfassen werde. Heiliges Handschuh-Versprechen eben. Ich werde es überleben – vermutlich genau wegen der Handschuhe 😉

*für eine Habanero war sie tatsächlich mild. Es hat keine halbe Stunde gedauert, bis nichts mehr brannte. Ich hatte mich dennoch etwas verschätzt, weil ich zuvor nur an der Außenseite der Frucht probiert hatte und Chilis das meiste Capsaicin nunmal rund um die Scheidewände speichern.

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Leider kein Budget

Was man mit der Zeit so erlebt beim Bloggen …

GNIT ist relativ erfolgreich, zumindest wenn man in den Maßstäben von Jobblogs rechnet. Und so melden sich irgendwann die „klassischen“ Medien.

„Mensch, da ist ein Taxifahrer, der gut schreiben kann – lass uns mit dem oder über den mal was machen!“

Das ist toll und es ehrt natürlich immer auch ein bisschen. Offenbar ist es also gut genug für die große Öffentlichkeit, nicht nur für einen kleinen Haufen eingeschworener Fans. Und im Ergebnis kann es wirklich angenehm sein. Mit einem Journalisten ein paar Cola zu trinken, eine Pizza zu essen und über das eigene Leben und die Arbeit zu reden. Zum Radio hat es mich auch schon verschlagen, dafür bin ich dann sogar länger wachgeblieben, weil die Sendung live war. Und auch das war eine angenehme Erfahrung.

Nun bringt es das Leben aber so mit sich, dass nicht immer alles bestens klappt. So hatte ich nun eine Anfrage einer Produktionsfirma, die für den RBB eine Show produziert. Es wäre schön, wenn ich als Taxifahrer mit den beiden Moderatoren so etwa zwei Stunden durch Berlin gondeln könnte. Der Termin wäre Montag um die Mittagszeit gewesen. Puh …

Nicht nur, dass ich da für gewöhnlich frei habe und schlafe – nein, das hätte auch bedeutet, eigens ein Auto zu holen (so überhaupt eines frei gewesen wäre), eine ganze Menge Umhergegurke und Anstrengungen. Schon ohne die Sendung an sich. Und im Mittagsverkehr mit zwei Profis für eine Sendung zu quatschen ist bei aller schönen Erfahrung immer noch Arbeit. Ein Honorar wäre natürlich nicht vorgesehen. OK, das hatte ich auch nicht erwartet und ohnehin noch nie eines bekommen. Aber eine Frage stellte ich dann doch: Kein Honorar wäre schon ok, aber die Kosten für die Fahrt würden sie doch sicher übernehmen, oder?

Die wirklich sehr nette Ansprechpartnerin versprach, nachzufragen und meldete sich ein paar Tage später wie eigentlich zu erwarten war mit der Info, es gäbe leider „absolut kein Budget“ für die Sendung, aber sie könnten gerne mal bei meinen Chefs nachfragen, ob die mir für die Sendung ein Auto zur Verfügung stellen würden. Aha.

Damit war die Sache für mich gestorben. Endgültig. Und ein bisschen genervt bin ich auch. Kostendruck ist zweifelsohne ein Problem, dem man irgendwie entgegentreten muss – aber „absolut kein Budget“? Kann es sein, dass die Medienmacher da draussen ein bisschen vergessen, dass auch den Gästen Unkosten entstehen? Und dass man vielleicht sogar als Taxifahrer oder Taxiunternehmer nicht mal eben alles stehen und liegen lassen kann, bloß um mal ins Radio zu kommen? Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass da jene pissige Arroganz der alteingesessenen Medien dahintersteht, die ihnen einredet, sie wären ja so toll, dass alleine eine Meldung vom Radio oder Fernsehen jeden Normalbürger begeistert aufspringen lässt und der für seine große Chance alles mitmacht. Wir wollen ja alle mal ins Radio und die tollen Leute da kennenlernen!

Teil der Anfrage war, ob wir „am besten irgendwo in Kreuzberg“ mit der Fahrt anfangen könnten, dort würden die Moderatoren nämlich wohnen. Ist schon praktisch, wenn man einen Taxifahrer kostenlos an Land zieht, denn dann muss man einem Herrn Joko Winterscheidt einmal weniger die Anfahrt bezahlen, nicht wahr?

Ich kann bloß allen raten, sich genau zu informieren, wenn die Medien wegen irgendwas anfragen. Manchmal sind da wirklich tolle Erlebnisse dabei und es macht viel Spaß. Manchmal allerdings ist es wohl eher so, dass sie irgendwelche Dummen suchen, die ihnen kostenlos Content liefern. Und das macht man als Blogger ohnehin ständig – und gerne. Aber zu eigenen Konditionen.

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In der Schleife der Zahnfee

Ich und Ärzte. Schwierig.

Nicht, weil ich ich Ärzte nicht leiden kann. Im Gegenteil. Ich schätze die Damen und Herren in Weiß sehr und gerade als Asthmatiker entwickelt man schnell Respekt vor der modernen Medizin, so beinahe wundervoll kommen einem die Möglichkeiten vor, plötzlich angenehmer leben zu können. Und ich gehöre auch nicht zu den Neidhammeln, die den Typen ihren Porsche missgönnen, die sich durch ein dröges und ewiges Studium quälen, um letzten Endes von Idioten zugequasselt zu werden, dass im Internet aber steht, Furunkel am Arsch seien viel besser mit Granderwasser zu heilen.

Dass das nicht blind-blöden Gehorsam verlangt, ist mir klar. Hätte Ozie vor 10 Jahren ihrem Arzt vertraut, hätte ich sie nie kennenlernen dürfen und mein derzeitiger Hausarzt ist auch eher für Krankschreibungen gut. Aber er überweist einen auch, wenn man mal was ernstes hat.

Meine Erfahrungen sind dabei aber eigentlich nicht die schlechtesten gewesen, meine Ärzte waren immer in Ordnung. Selbst die Zahnärzte. Dass ich das so einschätze, ist nicht weiter verwunderlich, schließlich hatte ich eigentlich die komplette Kindheit und Jugend über keine Probleme mit meinen Zähnen.

Leiden können habe ich es dennoch nie. Im Taxi komme ich gut damit zurecht, fremden Leuten auf die Pelle zu rücken – Ärzte hingegen dringen mir immer ein wenig zu weit in meine Komfortzone ein. Ein Zahnarzt, der seine Finger in meinem Mund hat und mich zum Putzen ermahnt, ist für mich ähnlich angenehm wie eine fremde Frau, die einen Penis in der Hand hält und sarkastisch meint:

„Hmm, naja. Bisschen klein, aber’s wird schon gehen.“

Das ist einfach auch ohne entsprechende Komplexe unlustig. Eine echte Phobie ist es wohl nicht, aber extremes Unbehagen. Und, ganz im Vetrauen: ich hasse Unbehagen! Dementsprechend lief der Zahnarzt spätestens nach meinem Auszug aus dem Elternhaus unter ferner liefen – was sich natürlich nicht unbedingt positiv ausgewirkt hat. Mit der mangelnden Kontrolle fiel auch das Putzen sparsamer aus und mein Gebiss ist nun nicht mehr in allzu gutem Zustand. Verticke mein Röntgenbild gerne als Negativbeispiel.

Aber gut, ernstlich Probleme hatte ich damit nie. Mein Lächeln ist zwar nicht mehr schön, aber wer hat schon noch was zu lachen auf dieser Welt? Abgesehen davon: Eitel war ich nun wirklich nie. Im Grunde haben die Komplexe bezüglich meines Gebisses nur die des Übergewichts wegen verdrängt und ich finde es ja ok, wenn es öfter mal was neues gibt. Zahnschmerzen hatte ich allenfalls mal einen oder zwei Tage lang und als erwachsener Mensch kennt man ja mit der Zeit die wirksamen Schmerzmittel …

So lief das alles auch ganz schnuffig und für mich ausreichend zufriedenstellend. Bis neulich.

Ich weiß nicht, wer schon mal einen Abszess am Kiefer hatte, aber ich kann garantieren, dass es ungeachtet der eingenommenen Schmerzmittel kein Spaß ist. Hätte man mich davor gefragt, dann hätte ich das Zufrieren der Hölle zeitlich deutlich früher eingeordnet als mein Einverständnis, mir durch einen Zahn in den Kiefer bohren zu lassen, um eitriger Plörre den Ablauf in meinen Mund zu ermöglichen. Ich kriege nämlich schon einen Würgereiz, wenn ich Blut schmecke und bin bei Schmerzen allenfalls so hart im Nehmen wie ein kleines Mädchen. Nur war es eben weit schlimmer, was ich die 24 Stunden zuvor durchgemacht hatte. Um es diplomatisch auszudrücken: Ich glaube seitdem nicht mehr daran, dass ich mich mit Schmerzmitteln umbringen kann …

Da landete ich also notgedrungen in einer Zahnarztpraxis, kurz vor Feierabend, und hab mich der Welt und insbesondere der Ärztin ergeben. Im Grunde ging es mir nur darum, die Schmerzen loszuwerden, ich hätte die Aktion nach dem ersten Besuch für beendet erklären können. Abgesehen von der kompetenten (wenn auch nicht schmerzfreien) Hilfe hat mich damals schon die Organisation der Praxis erfreut. Keine Wartezeit – und das war kein Einzelfall. Selbst für mich als Nachtarbeiter passende Termine am späten Nachmittag zu finden war bisher nie ein Thema.

Nach der zweiten Nachuntersuchung kam das Thema erstmals wirklich auf das, was bei mir noch alles machbar wäre, bzw. „nötig“. Dass mich eine Zahnärztin nach einer schmerzhaften Behandlung überzeugen könnte, ab jetzt doch regelmäßig zu kommen – ich hätte es nicht für möglich gehalten. Aber so war es. Vielleicht war es ihr Pragmatismus, das Ausbleiben böser Vorwürfe oder doch nur Sympathie. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich auf dem besten Wege bin, mir meine Beisserchen erneuern zu lassen. Gestern erst hatte ich wieder einen Termin und dieses Mal habe ich das erste Mal jemanden ohne Betäubung bohren lassen.

(Mal abgesehen davon, dass die Zähne schon fast hinüber waren: die Betäubungsspritzen ins Zahnfleisch finde ich ekliger als sich Habaneros ins Auge zu reiben. Und ich weiß, wovon ich rede. Zudem hatte ich auch mit Betäubung immer Schmerzen, wenn es an den Nerv ging.)

Es ist nicht so, dass mich die Sache nicht weiterhin vor harte Prüfungen stellt. Es müssen einige Zähne gezogen werden, ich war quasi überrascht davon, wie viele ich überhaupt habe, als ich das gelesen habe. Und das stellt mich wegen der Schwere des Eingriffs vor psychologische, organisatorische und ggf. finanzielle Hürden. Aber ich bin zuversichtlich. Und das hab ich letzten Endes wirklich nur meiner Zahnärztin zu verdanken. Auch wenn ich mir des begrenzten Nutzens dieses Links bewusst bin, wollte ich ihn doch einmal gesetzt haben:

Praxis Dr. Kornelia Schleife
Niemegker Straße 7
12689 Berlin

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