(kleiner anekdotischer Gesundheitssystem-Rant)
In einem Monat habe ich einen Arzttermin fürs Knöpfle. Dort wird mir mitgeteilt werden, dass die Befunde unauffällig waren, aber nicht so wirklich eindeutig. Und je nachdem wie die Laune der Neurologin ist, werde ich nochmal darum bitten müssen, eine Diagnose-Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Die, die wir fünf Termine zuvor angefragt hatten. Aber vermutlich müssen wir davor noch ein CRT machen.
Von vorne:
Das Knöpfle hat einen großen Kopf. Das überrascht niemanden, der mich mal gesehen hat und das ist seit vor seiner Geburt bekannt. Jetzt hat uns die Tatsache, dass er sprachlich nicht ganz so schnell ist (und da vermutlich auch extra Unterstützung braucht) in Kombination mit dieser altbekannten Tatsache vor einem halben Jahr ungefähr von der Kinderärztin eine hektische Überweisung in die Neurologie im örtlichen sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) eingebracht.
Zugegeben: Ungewöhnlicher Schädel + Kognitives Gedöns = potenzielles Problem
Wir verstehen das. Ehrlich gesagt haben wir eine Idee, natürlich ohne Profis zu sein, dazu müsste man aber einen Gentest machen. Und das ist natürlich nicht vorgesehen. Was an sich ok ist. Wir reden hier von einem super zufriedenen und allem Anschein nach gesunden Kind, das muss man nicht gleich anzapfen, bloß weil die Eltern …
Ja nee, WIR wollten ja gar nix. Die Kinderärztin hat gesagt, wir müssten mal. Und die im SPZ, die haben auch nicht wirklich Angst, zu invasiv oder zu aufwändig zu werden, die gehen nur schön der Reihe nach vor, weil die das „immer so machen“. Das heißt zum Beispiel, dass man eben nicht einen Termin kriegt, sondern fünf. Und die nacheinander. Und zwar im Abstand von hier mal zwei Wochen, da mal zwei Monaten. Immer so, dass einer Urlaub nehmen muss.
Das letzte bisher war jetzt am Anfang der Woche das Schlaf-EEG. Wisst Ihr, wie stressig ein Schlaf-EEG für alle Beteiligten ist?
Also ich bin dankbar für die medizinischen Möglichkeiten heutzutage, ich kann das nicht oft genug betonen, aber ein Schlaf-EEG bei einem Vierjährigen zu machen, einfach weil man das immer in der Reihenfolge macht, das ist völig bizarr. Das Kind bis nachts wachhalten, morgens zu früh wecken, dann bis zum Termin wachhalten … für Nichteltern ist das vielleicht nicht so ganz nachvollziehbar, aber wie soll man denn einen übermüdeten Vierjährigen auf einer halbstündigen Autofahrt wachhalten? Am besten alleine als Fahrer, wenn man gerade vielleicht nicht die Kapazitäten hat, um zu zweit Urlaub für so einen Spaß zu nehmen.
Es hat gut geklappt, das möchte ich schon ehrlich sagen: Lange wachbleiben ist fürs Knöpfle eh ein gängiger Wunsch und morgens kriegt man ihn mit mehreren Runden Frühstück zu fast allem. Und als er dann um 11:30 Uhr völlig fertig und mit gelverschmierten Haaren aus dem Untersuchungszimmer gewankt ist, seinen Kuschelaffen im Arm, da waren wir dann schon auch ein wenig stolz auf ihn. War ich auch vor drei Wochen während seiner einstündigen ergotherapeutischen Begutachtung ein Stockwerk höher. Und Sophie vor zwei Monaten, als …
Und das ist alles nur die Diagnose. Stellt Euch mal vor, da kommt noch eine Behandlung dazu.
Wir haben den ganzen Scheiß ja mit dem Spätzle wegen seines ADHS damals schon in ähnlicher Weise durchgemacht. Deswegen bin ich – wie vermutlich die meisten Betroffenen – immer sehr kurz vor einem Kinnhaken quer durchs Stammhirn des Gegenübers, wenn irgendwer von „Modediagnosen“ spricht, als ob man da mal nachmittags nach der Arbeit gegenüber zum Arzt geht und sagt, dass das Kind nicht auf einen hört und man jetzt Medikamente dagegen will.



Ich weiß nicht ob du dich schon mit KI intensiver beschäftigt hast oder wie du dazu stehst (du hattest es hier soweit ich mich erinnere noch nie thematisiert), aber hast du damit mal versucht was rauszufinden oder in die Tiefe zu gehen?
Gerade bei medizinischen Themen hat mir Chat GPT schon ziemlich geholfen fürs Verständnis und Zusammenhänge, von denen man als Nicht-Mediziner halt keine große Ahnung hat (mir ist natürlich bewusst dass es einen nicht selbst zum Arzt macht, ich sehe es nur als zusätzliche Infoquelle).
Ich hab mal spaßeshalber deinen Blogtext analysieren lassen, hat mir zumindest geholfen überhaupt grob zu verstehen worum es geht, und warum der Ablauf im SPZ ist wie er ist, und warum man einen Gentest zuletzt macht, etc. und welche Diagnosen in Betracht kommen.
Ich wünsche dir und deinem Sohn alles gute im weiteren Verlauf.
@Daniel:
Naja, fürs Hauptanliegen, nämlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit interner Abläufe in einer Institution, halte ich die gängigen KI-Modelle für nicht sonderlich zielführend, weil die Datenlage im Trainingsmaterial da so gut eigentlich nicht sein kann.
Was Diagnosen angeht ist es bestimmt besser, wobei man da an einen anderen Punkt kommt, den wir ja momentan im Grunde (mit manueller Internetrecherche) auch erreicht haben: Am Ende ist man aufs Interesse oder Wohlwollen der Ärzte angewiesen, ob sie Dinge in Betracht ziehen. Gerade wenn es am Ende eine Rolle spielt, ob man „den Stempel“ für eine Diagnose bekommt.
Aber ja, ich bin insgesamt eher skeptisch, was den derzeitigen KI-Hype angeht, auch wenn sie natürlich in einigen Dingen super hilfreich sind. Ich weiß einfach, wie selten ich Informationen nochmal überprüfe, obwohl es ratsam wäre und das nimmt bei selbstbewussten KI-Texten nochmal mehr ab, obwohl man damit die Grenzen zu totalem Unsinn unglaublich schnell erreicht je nach Thema.