Dem Phantom sein Opa

Als ich das in den letzten Tagen alles geschrieben habe, habe ich eines nicht bedacht und auch noch keine Erfahrungen damit gemacht: Phantomgefühle. Das hat sich gestern Abend geändert.

Phantomschmerzen sind ja ein Phänomen, dass es bis hin zu einer gewissen popkulturellen Bekanntheit gebracht hat, aber über andere potenzielle Gefühle, die vermeintlich an amputierten Körperteilen wahrgenommen werden, wusste ich überhaupt nichts, obwohl das ein bisschen naheliegend ist, wenn man mal ganz ehrlich ist.

Und sie sind weird as fuck!

Und beängstigend.

In meinem Fall war es so, dass ich gestern beim Schlafengehen das Gefühl hatte, mein nun irgendwo anders rumliegender Zeh wäre so ein bisschen an den daneben gedrückt und ich wollte ihn gerne ausstrecken. An sich nichts dramatisches, aber als ich dann realisiert habe, dass ich das nicht kann, wäre ich beinahe in eine Panikattacke reingeschlittert. Denn so unbedeutend und harmlos das Gefühl an und für sich auch war: Dass ich es nicht beheben konnte, hat mich binnen ein oder zwei Minuten nahezu komplett um den Verstand gebracht. Wie so ein kleiner Juckreiz, bei dem man dann plötzlich realisiert, dass man den nun den ganzen Rest seines Lebens haben wird. Für immer,  in jeder Situation und man kommt da nicht raus und …

Nein, keine Panik!

Gehirn muss sich neu verdrahten, das ist ok und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht von Dauer. Außerdem hat in meinem Fall etwas sehr simples geholfen: Ich hab den Fuß auf den Boden gestellt und vorne belastet, quasi alle Zehen mal durchgestreckt. Und das schein dem Gehirn zu reichen. Ja, es kommt wieder. Auch jetzt, da ich das schreibe. Aber es gibt Abhilfe und nichts davon dauert ewig. Aber meine Fresse, hat mich das geerdet. Das kam so völlig aus dem Nichts, nach mehreren Tagen und war unfassbar beeindruckend. Darf meinetwegen gerne auch schnell wieder weggehen, aber die Panik werde ich wohl nicht nochmal bekommen.

Ach ja, und den Scheiß mit Phantomschmerzen möchte ich nach der Erfahrung gar nicht erst kennenlernen.

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Zurück aus dem Krankenhaus

So, da bin ich wieder!

Bislang scheint sich zu bestätigen, was ich im letzten Eintrag schon irgendwie vermutet hatte: So eine Zehenamputation ist machbar.

Nein, versteht mich nicht falsch: Das war ja kein Wunsch von mir, sondern eine pragmatische weil sinnvolle Entscheidung. Zumindest laut den Ärzten. Und ich weiß, dass das gerade psychisch einige andere Menschen nicht so leicht wegstecken würden, da hab ich sicher auch einen kleinen Bonus. Tatsächlich hat mir ausgerechnet die Anästhesistin auf dem Weg in den OP-Saal gesagt, dass sie persönlich es damals schon als traumatisch empfunden hätte, als ihr der Blinddarm entfernt worden war, weil das für sie irgendwie die Komplettheit oder Unversehrtheit ihres Körpers auf einen Schlag beendet, bzw. in Frage gestellt hätte. Ich kann das an sich ganz gut nachvollziehen, aber das ist sowas, das auf dem Weg mit chronischen Krankheiten irgendwie verloren geht. Oder zumindest bei mir verloren gegangen ist.

Ja, gerade sieht das total furchtbar aus mit der fetten Naht auf der Oberseite meines Fußes und dann die unnatürliche Lücke, die da auch bleiben wird … aber tatsächlich hat der Zeh zuvor schon immer an den Schuh gedrückt und war gebogen und mit viel Hornhaut versehen, ich war ohnehin in podologischer Behandlung. Ich hab da jetzt keinen normschönen Fuß eingebüßt und jeder, der sich im Schwimmbad vor meinem Körper ekeln will, kann das seit 4 Jahrzehnten an überdurchschnittlich viel Fett oder irgendwelchen Pickeln tun. Ich glaube, ich werde da einfach nicht viel fühlen, wenn es mal soweit ist, dass ich den Nicht-Zeh unfreiwillig anderen Menschen zeigen muss. Und es wird auch nie mehr so schlimm aussehen wie jetzt, wo die Fäden noch drin sind.

Spannend ist, dass es trotzdem erstmal eine Heilung wie aus dem Bilderbuch ist: Am Mittwoch Mittag die OP, am Donnerstag Nachmittag (nachdem das fast 26 Stunden wirkende Betäubungsmittel abgeklungen war) bin ich bereits alleine aufs Klo, am Folgetag für eine kalte Cola runter zum Kiosk gelaufen. Ohne Hilfsmittel. Da war es dann eigentlich gar nicht so überraschend, dass ich doch noch jetzt am Ende der Woche, am Sonntag Mittag rausgekommen bin aus dem Krankenhaus. Was sehr schön ist, denn wenn man mal die ganzen kleinen Verpeilungen dort hochaddiert, war es eigentlich ein veritables Desaster. Hat sich nicht so angefühlt, aber ich hab die ersten 20 Stunden aus Verpeilung keine Medis gekriegt, ich bin in nur 5 Tagen mindestens sechsmal mit falschem Essen beliefert oder vergessen worden. Da hat die linke Hand nicht gewusst, was die rechte tut und wie gesagt: hat sich insgesamt eher wie mein bester KH-Aufenthalt angefühlt, aber war grotesk.

Ganz gut geht’s mir aber noch nicht, muss ich ehrlich sagen. Ich weiß nicht, ob es die Infektion ist, die mir nachhängt, das einwöchige Rumliegen oder die Kombination aus beidem – ich bin jedenfalls brotfertig, ohne irgendwie viel gemacht zu haben. Selbst die Hand auf der Tastatur fühlt sich enorm schwer an. Morgen muss ich dann eine AU holen, sehen ob ich schon wieder Autofahren kann, und dann darf der Tag meinetwegen schon wieder enden. Allerdings freuen sich die Kids sehr, dass ich wieder da bin und das ist ganz ehrlich einfach total toll, so sehr es mich gerade noch anstrengt.

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Einer weniger

Ok, das sollte besser nicht der Beginn eines Abzählreimes werden,  aber erst einmal ist es wie es ist und das bedeutet, was im letzten Eintrag noch eher eine vage Möglichkeit war: Der Zeh ist ab. Amputiert vor ein paar Stunden, weil der Knochen bereits angegriffen war und es damit wohl eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit gegeben hätte, dass ich den ganzen Mist mit Entzündungen jetzt öfter mal gehabt hätte.

Was genau ich diesbezüglich fühle, kann ich gar nicht genau sagen, es ist ja nun glücklicherweise meine erste Amputation. Irgendwie war das nach Beratung mit den Ärzten eine pragmatische Entscheidung und auch wenn ich natürlich zwischenzeitlich nervös war, habe ich gerade nicht das Gefühl, dass ich das bereuen werde. Vielleicht wenn ich im Schwimmbad die ersten Kinder erschrecke, aber das ist gerade noch weit weg.

Jetzt hoffe ich natürlich, dass das mit der Heilung alles schnell läuft, aber nach all den weirden medizinischen Zwischenfällen in meinem Leben fürchte ich mich nicht wirklich vor dem Abheilen einer zugenähten Wunde. Und was Infektionen so mit einem anstellen hab ich letzte Nacht nochmal eindrucksvoll gezeigt bekommen: Trotz aller Fiebersenker bin ich immer wieder bei 40°C gelandet, eigentlich habe ich die Nacht nur gefroren, geschwitzt und mir zwischendurch den Tropf wechseln lassen. Das brauche ich nicht nochmal, dann lieber Zeh ab.

Naja, so sieht es aus. Ich hab 50 g abgenommen und mein rechter FlipFlop wird künftig wild umherschlackern. Denke, das ist ein würdiges Fazit für den ganzen Quatsch.

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Ich bin dann mal weg.

OK, weg nicht ganz. Eigentlich nur in Bad Kreuznach und das ist ja ums Eck.

Ausgerechnet der Zeh, der mir vor Jahren schon mal das Leben schwer gemacht hat, ist jetzt – offenbar – enorm entzündet, ungefähr auf die doppelte Größe angeschwollen (die Ärzte schreiben 4x) und fühlt sich so angenehm an wie sich das anhört. Ich könnte ja Fotos posten, aber meine Güte, ich kann nur stark hoffen, ihr habt irgendwelche akzeptierteren Fetische. Gummipelikane und indische Kleinwagen zum Beispiel.

Naja, ich hab Schmerzen, war heute in drei verschiedenen Notaufnahmen, weil ich immer weitergeschickt wurde, und am Ende stand halt ein

„Naja, wenn es wirklich so wichtig ist, was sie davor noch erledigen müssen, dann kommen sie morgen wieder.“

Und da sind wir jetzt. Ich hab angefangen mit Packen, wir haben unsere Woche geplant und morgen fahre ich das Knöpfle noch wegen eines eigenen Facharzttermins nach Mainz. Irgendwann später lass ich mich dann irgendwie zurück in die Klinik gurken und warte mal, ob die schnippeln oder sonstwas machen. Parallel dazu nehme ich gerade schon Antibiotika und halte die Füße in kaltes Wasser, vielleicht hilft das ja auch schon.

Wie der Plan aussieht, wisst ihr jetzt. Was dann wirklich passiert … ich sag mal so: Ich hoffe wenigstens, ich kann am Ende nicht ein Foto vom Zeh ohne Fuß posten.

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Sommerfest

Wenn man nicht mehr so viel dazu kommt die Straßen unsicher zu machen, bieten sich ja Firmenfeiern an, um mal ein bisschen Sozialleben zu imitieren. Heute hatten wir unsere in einem Hotel keine 25 Auto-Minuten von zuhause entfernt. War ganz gut, denn ich hab bis zur offiziellen Eröffnung noch Homeoffice gemacht. Und jetzt bin ich irgendwie ziemlich fertig, obwohl ich nicht wie früher bei den Feiern vom Taxihaus mit zwei Promille und den Öffentlichen heimgekommen bin.

Es ist dieser schwierige Spagat mit dem Älterwerden. An sich hätte ich schon gerne mal wieder eine richtige Party, die nicht im Wesentlichen ein Geschäftsessen ist, andererseits ist Essen in Vier-Sterne-Hotels halt schon auch was, was man sich mal geben kann, wenn die Firma zahlt.

Ich hab viel Glück mit den meisten Kollegen, mit denen ich täglich zusammenarbeite, auf alle in der ganzen Firma trifft das aber natürlich nicht zu. Ich hätte schon noch länger bleiben können, aber Politdiskussionen mit FDPlern sind wirklich anstrengend. Zumal nüchtern. Immerhin bin ich durch meinen langen Freitagsdienst am Ende eine Dreiviertelstunde „zu spät“ gekommen, was bedeutet, dass ich dieses Mal die Rede der Geschäftsführung verpasst habe, die legendärerweise eigentlich immer zu guten Teilen aus dem besteht, was nicht so gut lief. In der heutigen wurden wir offenbar ermahnt, das Ausräumen der Spülmaschine ein bisschen ernster zu nehmen. Wenn man es als Running Gag betrachtet, isses eigentlich super unterhaltsam.

Aber gut, ich bin wie eingangs erwähnt ein bisschen durch, aber das ist jetzt auch ok.

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Gehyptes Terabyte-Arrangement

Ich hatte gerade Zeit und hab tatsächlich fast live den neuen GTA-Trailer gesehen. Hatte für mich irgendwie ein bisschen was von der Sonnenfinsternis neulich: Alle rennen hin, es ist auch irgendwie was besonderes und trotzdem fehlt die Totalität ein bisschen.

Wie bei den meisten großen Medienereignissen ist es mir durchaus ein bisschen peinlich, dass GTA mich anspricht. Wow, ein riesiges Unternehmen hat mit einem Milliarden-Budget ein paar hübsche Effekte gemacht. Noch dazu in einer Welt, in der wir gerade wirklich wichtigere Probleme haben.

Richtig ernst nehmen kann ich das alles halt nicht. Zumal man ja ausgerechnet bei GTA auch wirklich nicht gerade die beste Gesellschaft hat, wenn man’s mag. Aber meine Güte, da draußen laufen auch Leute rum, die glauben, dass Christopher Nolan den Film erfunden hat oder dass sie Feministen sind, wenn sie das neue Album von Taylor Swift mögen. Ich beteilige mich an vergleichsweise wenig Mainstream-Quatsch und gut gemachte Open-World-Games in einem modernen Setting sind halt mein Ding. Und wenn man davon gelegentlich mal ein paar neue haben will, dann kommt man an den zwei Rockstar-Titeln im Jahrzehnt halt nicht vorbei. Ich hab das meiste was mich in die Richtung interessiert schon mehr als dreimal durchgespielt. So ganz riesig ist der Hype bei mir insofern ja auch nicht, als ich PC-Spieler bin und im besten Fall noch ein bis zwei Jahre warten muss, bis die Portierung kommt.

Aber ich hatte mit dem heutigen Tag, der Veröffentlichung des ersten Gameplay-Trailers, halt schon vor 10 Jahren gerechnet und auch wenn ich in der Zwischenzeit viele gute und sehr gute Games gezockt hab, ist auch für mich das neue GTA immer so ein bisschen der Silberstreif am Horizont gewesen. Das große Ding. Und massenmedial wird es das sein. Unabhängig von den Leaks jetzt und der sicher aufkommenden Kritik an irgendwelchen Kleinigkeiten im Trailer. Ich versuche echt immer nicht zu tief in die Gaming-Bubble abzutauchen und meine Vorliebe für Singleplayer-Spiele hilft da auch ganz gut, aber wie mein Youtube in den nächsten zwei Jahren aussehen wird, will ich mir gar nicht ausmalen. Vor allem, wenn man auch nicht zu sehr gespoilert werden will.

Was mich am meisten beeindruckt hat beim Anschauen des Trailers war, dass ich mich tatsächlich einfach gefreut habe. Mit dem bitteren Beigeschmack, dass es noch so lange dauert und dann aber auch, dass es jetzt vorbei ist mit all der Unsicherheit. Wie wenn man ein Weihnachtsgeschenk auspackt und es ist wirklich das, was man sich gewünscht hat, aber es macht gar nicht rundum glücklich. Oder wie eine Sonnenfinsternis eben: Geil und eine interessante Kollektiverfahrung, aber am nächsten Morgen ist halt trotzdem Arbeit.

Und ich hab auch immer noch ein bisschen Sorge, dass es als Spiel enttäuschen wird. Ich meine, wie soll es das auch nicht? Mit mehr als einer Milliarde Budget, einer Wartezeit von 13 Jahren und Vorgängern, die – ob man sie persönlich mag oder nicht – alle irgendwo im Olymp der Besten ihrer Art verweilen. Natürlich sah das alles super aus, aber am Ende ist der Teufel ja ein Eichhörnchen. Wie ist der Spagat zwischen Open World und Story, wie sehr dominiert dieses Mal der Multiplayer alles, oder auch ganz allgemein: Ist noch alles so wie es war und sein soll und trotzdem viel zu wenig neu? Ich werde es sehen.

Das wird auch alles nichts am Geschäft ändern und ich muss ehrlich sein: Ich werde es auch spielen, wenn die Kritiken eher so mittel sind und es wäre trotzdem etwas, bei dem mir der Preis egal ist. PC-Gaming ist softwaremäßig eh ein Hobby für Knauserer. Eine Spielstunde GTA V hat mich 2,9 Cent gekostet, wenn man – zu Recht – davon ausgeht, dass ich die seitdem hier eingezogenen Rechner auch für meine 230 anderen Spiele gekauft und angeschmissen hätte. Und der jetztige wird GTA VI packen, da hab ich keine Zweifel.

Ich weiß gerade nicht so recht, ob ich den Trailer vielleicht lieber doch nicht hätte sehen sollen. Aber um ehrlich zu sein: Es ist völlig egal.

In drei Monaten wird das Spiel beim Release zwei bis zwölf Rekorde der Unterhaltungsindustrie brechen, danach werden alle von der Gamestar bis Harald Glööckler eine total wichtige Meinung darüber haben und ich werd’s in zwei Jahren ganz in Ruhe hier auf meinem Rechnerchen spielen und mich freuen. Passt schon.

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Huhu, Überläufer!

Ich hab gerade was wirklich seltsames gemacht: Ich hab die Flughafentransferfahrt vom Urlaub bei GNIT gepostet.

Das gibt nur so mittel viel Sinn, aber naja, es hat ja schon was mit Taxis zu tun. Vor allem aber bin ich sehr gespannt, wer sich da noch so alles meldet. Wenn schon hier ein paar Dutzend Leser übrig geblieben waren, dann werden wir jetzt mit dem Link hierher wahrscheinlich überrannt. 😀

Ja, ich kann gerade auch nicht groß Zeit in all das hier stecken, aber um ehrlich zu sein: Trotzdem ist jeder Beitrag und jeder Kommentar hier irgendwie befriedigender als auf irgendwelchen Social-Media-Plattformen.

Naja, falls gerade jemand von GNIT digital rübergewatschelt ist: Huhu!

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