Noch 30 Stunden

Ja, noch ungefähr 30 Stunden bis wir aufbrechen.

Ich bin ein bisschen hibbelig wegen des bevorstehenden Urlaubs, aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann hauptsächlich wegen der Autofahrt. Und nicht wirklich weil ich mich sorge, bei allem Respekt vor den – laut Google – 955 km, die da vor uns liegen; sondern weil ich mich freue.

Bei aller berechtigten Kritik am Autofahren und obwohl ich auch der Meinung bin, dass wir das alles in naher Zukunft deutlich einschränken müssen, fahre ich selbst einfach sehr gern. Ihr kennt meinen Background als Berufskraftfahrer, das kam ja alles auch nicht von ungefähr. Meine Prioritäten sind sicher ein wenig anders als die der meisten, die gerne fahren: Ich war nie jemand, der unbedingt besonders schnell fahren musste, ich hatte eigentlich immer mehr Bock drauf, große Autos durch kleine Lücken zu kriegen. Aber ja, ich hab auch bei jedem Mietwagen einmal testweise die Tachonadel nach rechts unten gedrückt, aber alle, die mit mir mal gereist sind, werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass ich da nicht den meisten Wert drauf lege …

Sven, Du schweigst! Jede Regel braucht eine Ausnahme und die 5:40 Stunden von Flensburg nach Stuttgart sind diese Ausnahme!

Natürlich kann man mir auch viel vorwerfen, wenn man’s eng sieht. Ich hab in meinem Leben auch schon ein paar hundert Euro in Außenaufnahmen meiner Fahrzeuge investieren müssen, wobei die einzige dreistellige Rechnung inzwischen aber auch fast ein Vierteljahrhundert her ist.

Warum ich da jetzt trotzdem ein paar Minuten drüber schreiben wollte – abgesehen vom Verarbeiten meiner inneren Anspannung der Fahrt wegen – ist, weil so eine Reise wie die am Samstag für mich nach all den Jahren auf Berlins Straßen, nach all dem Stau im Stuttgarter Kessel und nach all den Republikdurchquerungen für Fernbeziehung und Familienbesuche immer noch eines dieser kleinen Alltagswunder ist. Dass ich mich morgens in ein Auto setzen kann und durch ein bisschen Füßchendrücken abends am Meer in einem anderen Land sein kann und während der Fahrt die Kilometer runterrattern sehen kann auf dem Navi … das ist unglaublich schön. Ich finde das wirklich schön, es hat sowas überhaupt nicht spirituelles meditatives.

Und ja, schon klar: Ich hab die ganze Familie im Auto und kann nicht mal die Musik auf Anschlag drehen, es gäbe an dem Punkt noch Optimierungsmöglichkeiten für mich persönlich. 😉

Trotzdem ist unsere kleine Fahrgemeinschaft eigentlich eine sehr angenehme. Trotz der obligatorischen „Wann sind wir da?“-Fragen.

Wie gesagt: Ich sehe durchaus ein Ende für solche Fahrten am Horizont und vielleicht mag ich sie aber auch genau deswegen noch ein bisschen mehr. Ich werde mich am Samstag abend natürlich fragen, warum ich mir das eigentlich antue und trotzdem eine Woche später wieder ein bisschen hibbelig sein, wenn es zurück gehen soll. Menschen sind komisch und offenbar bin ich auch einer.

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Spezialfälle

Das Spätzle auf Autofahrten in Aktion, immer wieder schön …

„Mama. Es ist ja so. Wenn Du gehörlos wärst und dich von deinem Partner getrennt hättest. Dann könntest Du deinem Kind problemlos erlauben, Geige zu spielen, auch wenn es ganz furchtbar Geige spielt.“

Ich meine: Wo er Recht hat, hat er Recht.

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Fünf Vorfreude-Spinnen

… oder so.

Die letzte Arbeitswoche vor dem Urlaub hat begonnen und ich kann eine leichte Vorfreude nicht von mir weisen. Wobei es durchaus auch eine leicht besorgte Vorfreude ist, denn das, was wir letztes Jahr mit einigem Glück auf der Hinfahrt mit allerlei Backup geschafft haben – nämlich fast 1.000 km an einem Tag im Auto zurückzulegen – das ist jetzt für die Hinfahrt einfach der Plan. Wir werden schon ankommen, aber man darf sich als Fahrer bei der ganzen Chose ja trotzdem fragen, wann und wie. Nicht falsch verstehen: Ich mache das freiwillig, ich hab mich gegen einen Zwei-Tages-Plan entschieden, aber ob das eine gute Idee war, werden wir natürlich erst hinterher wissen. Naja, am Samstag dann. Wir werden sehen.

Aber wirklich begonnen hat die Woche mit einer Erinnerung, dass wir alle alt werden. Einer von uns aber mehr als die anderen, denn das Knöpfle hatte an seinem ersten offiziellen Kita-Ferientag seinen Geburtstag:

Und obwohl wir ja live mitkriegen, wie er älter, schlauer und manchmal sogar ein bisschen verständiger wird: Dass er jetzt älter ist als das Spätzle war als wir hier hergezogen sind, das ist für mich immer noch ein bisschen absurd.

Aber er hatte wie zu erwarten war viel Spaß am Bespielen der zahlreichen Geschenke. Die eigentliche Feier wird aus Termingründen bis nach dem Urlaub warten müssen, aber mit ein paar Spiderman-Spielzeugen mehr fällt das Warten offenbar gar nicht so ins Gewicht.

Im Grunde sind wir jetzt also schon hart in der Vorbereitungsphase, die Einkäufe enthalten längst auch Urlaubsequipment und der überraschend heute aufgetauchte Schornsteinfeger musste ein bisschen über allerlei Zeug steigen, weil wir gerade auf jenem Höhepunkt angelangt sind, an dem alles im Chaos versinkt, bevor es dann langsam wieder besser wird, bis zum Wochenende dann alle Sachen gepackt und verstaut und der Rest der Bude in einem Zustand ist, in dem man sich eine Rückkehr zumindest theoretisch vorstellen kann.

Und wenn wir schon bei Überraschungen sind. Ozie wurde heute Mittag überraschend von einer Spinne angefallen – was wortwörtlich und nicht als Angriff zu verstehen ist – und beim Rausbringen hab sie mir angesehen und glaube, wir hatten jetzt auch unseren ersten Run-in mit der sagenumwobenen Nosferatu-Spinne. Ich bin mir selbst ehrlich gesagt ziemlich unsicher bei so Klassifizierungen von Tieren, aber irgendjemand im Internet hat schon mal zugestimmt. Ihr dürft auch was dazu sagen.

Naja, wir sind beide keine Phobiker und wir leben auch ganz gut mit den Spinnenläufern, die hier im Gegensatz zu obiger Spinne wirklich häufig sind.

Ab jetzt dann noch ein bisschen Arbeit, Termine etc. pp. und dann geht es los nach Dänemark.

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Summertime

Sommerferien.

Letztes Jahr, vorletztes Jahr … das Wort Sommerferien war immer eines mit Donnerhall und schlechten Vorzeichen. In erster Linie natürlich wegen der eingeschränkten Betreuung der Kinder, diesbezüglich aber vor allem, weil sich das Zuhausebleiben eines oder beider Kinder schnell, binnen Tagen, zu einem Drama ausgewachsen hat. Das Spätzle kann so wie er ist einfach nicht damit umgehen, dass er den Tag über nicht viel zu tun hat und noch weniger kann er damit anfangen, wenn er was zu tun hat. Das wird sich nicht so schnell ändern, aber die Wellen, die das schlägt, werden niedriger.

Was aber auch nur deswegen klappt, weil er jetzt in Woche drei der Ferien am dritten Ort untergebracht ist. Einmal Sportcamp, einmal Parkourcamp und jetzt Ferienbetreuung in der Schule. Das Sportcamp kannte er, das hat ihn dieses Mal auch schon gelangweilt, das mit dem Parcour hat aus verschiedenen Gründen nicht so recht geklappt und am Ende war er nur zweieinhalb von Fünf Tagen da. Und die Ferienbetreuung an der Schule … es ist für uns der geringste Aufwand, aber schön ist das auch nicht. Die werfen da ein paar Jugendliche mit hoffentlich okayem Führungszeugnis in zwei offene Räume der Schule, mit etwas Glück findet jemand im Schrank ein Brettspiel und das ist dann der Tag. Vier bis acht Stunden, je nachdem was man gebucht hat. Bisschen übertrieben, natürlich, aber es ist wirklich traurig, dass da oft quasi nichts passiert und die Kids gelangweilt rumsitzen und ein bisschen malen. Kostet dafür halt nur 50 Euro die Woche, nicht 250 wie die Konkurrenz, die halt auch nicht immer Erfolg mit dem Spätzle hat. Und, man muss es zu den positiven Seiten packen: Oft treffen sich da dann doch KlassenkameradInnen, Spätzle kennt das Gelände und es ist halt alles etwas mehr Routine.

Was der Wechsel zwischen den Betreuungen natürlich auch noch mit sich bringt, ist völliger Irrsinn bei der Arbeitsplanung. Hier 8:00 bis 13:00 Uhr in Bingen, dort 8:30 Uhr bis 15:00 Uhr in Ingelheim und dann wieder 9:00 bis 16:00 Uhr in Wiesbaden. Hat uns beiden schon ein paar Minusstunden eingebracht, und wir haben die drei Wochen Kitaferien fürs Knöpfle ja noch nicht einmal erreicht. Wobei wir da dann richtig Urlaub haben und auch mal wegfahren, muss ja auch.

Inzwischen haben die Kinder angefangen, die schon lange auf dem Plan stehende Wand im Flur zu streichen, jetzt sieht es hier also endlich auch nach der Baustelle aus, nach der wir uns alle fühlen. 😉

Aber wie ich oben angedeutet habe: Es wird schon besser. Nur graduell und manchmal verlagern sich die Probleme auch nur, aber momentan sind wir nicht einfach schon nach der ersten Woche völlig fert … also natürlich sind wir völlig fertig, aber vermutlich wären wir das bei der Hitze und dem Leben allgemein auch einfach ohne Sommerferien.

Was bleibt noch so insgesamt zum Sommer zu sagen: Ach ja, manchmal fetzt Präsenzarbeit dann doch:

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Nach der Hitze ist vor der Hitze

Ich will es nicht überdramatisieren. Wir haben die Hitzewelle hier ganz gut weggesteckt. Natürlich haben wir nicht viel gemacht, aber das ist auch in Ordnung. Ich reihe mich aber gerne in die Reihe der Mahner ein und sage: So eine Hitze ist eine Naturkatastrophe und wir sollten sie nicht nur mit Bildern von Freibädern veranschaulichen. Ja, wir waren am Samstag wie geplant im Freibad und natürlich war das auch schön, es war Freizeit mit planschen. Aber es war tatsächlich weniger als netter Ausflug geplant, sondern im Wesentlichen als Bewältigungsstrategie. Für uns hat das funktioniert, wir haben sogar die Kinder weitgehend gut gelaunt durch die zwei Wochen bringen können, aber es war Arbeit.

Am späten Nachmittag des Samstags war ich noch ein paar Dinge bei Kaufland besorgen. Im Wissen, dass ich da 25 Minuten im klimatisierten Auto hin- und zurückfahren kann und es innen auch eine angenehme Temperatur hat. Das hat im Wesentlichen auch geklappt, obwohl deren Klimaanlage weit über der Belastungsgrenze war und ich nicht weiß, ob man da noch sinnvoll Schokolade hätte kaufen können. Beeindruckend war es aber aus Katastrophentourismus-Sicht. Ich bin dazu nach Bad Kreuznach gefahren und das haben wir am Tag danach in der ein oder anderen Top-Liste der heißesten Städte gefunden. Auf dem Weg ist das Außenthermometer am Auto – dem nicht immer komplett zu trauen ist – einen beachtlichen Anstieg von den 16°C unserer Garage auf deutlich über 40 hingelegt.

Bis 44°C sollte es noch reichen.

Als ich auf dem Parkplatz ausgestiegen bin, habe ich wirklich ein Hitzeempfinden erlebt, das ich außerhalb einer Sauna oder eines in der Sonne geparkten Autos innen nicht kannte. Der Wind war so dermaßen heiß, dass mir nur Haartrockner als Vergleich eingefallen sind. Es war unfassbar beeindruckend. Aber ich bin auch durchs Industriegebiet gefahren und hab darauf geachtet, ob irgendwo jemand mitgenommen werden muss, das war für unsere Verhältnisse hier sowas von drüber, ich verstehe nicht, wie sehr das weiter verharmlost wird.

Am Anfang fand ich die Abkühlung um runde 10 Grad gar nicht mal mehr so hilfreich. Ich war am Montag trotzdem fertig, aber inzwischen geht es. Dass für übernächstes Wochenende schon wieder 36°C angesagt sind, erfüllt mich aber ehrlich gesagt nicht mit übertriebener Freude.

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Zwei nackte Männer

Die Hitzewelle ist dabei, ihren Höhepunkt zu erreichen an diesem Wochenende. Vorerst. Meinetwegen auch ganz für dieses Jahr. Wir sind hier in Rheinland-Pfalz schon stark betroffen, die momentane Vorhersage für Samstag spricht von 39°C, je nach Ort sollen 40 aber nicht ausgeschlossen sein. Und wir haben ja seit fast zwei Wochen 33°C+x am Nachmittag.

Übrigens ist am Vortag um 23 Uhr bei 31°C ein scheiß Termin für einen verreckten Ventilator, aber das nur nebenbei.

Ich fühle mich ohnehin ziemlich mitgenommen bei dem Wetter, von Sommerstimmung kann da keine Rede sein. Eigentlich sind wir damit beschäftigt, uns und die Kinder vor Schaden zu bewahren. Ich bin gesundheitlich angeschlagen, das Spätzle verpeilt auch bei 35°C das Trinken und die Wohnung unter 25 zu kriegen ist seit Tagen nicht mehr möglich. Oft duschen und morgen gleich zur Eröffnung ins Freibad, arg viel bessere Ideen haben wir für die nächsten zwei Tage auch nicht.

Unser Nachbar gönnt sich seit gestern den ultimativen Lifehack, er schläft jetzt ein paar Tage in seinem Auto. Das ist an und für sich nicht so luxuriös, aber bei 33°C unterm Dach und nur 14 in der Garage … ich wünschte, wir hätten ein größeres und nicht mit Kindersachen vollgestopftes Gefährt. 🙂

Naja, hab mich vorher jedenfalls gleich mal 15 Jahre älter gefühlt, wie wir uns um 19 Uhr bei unfassbaren Außentemperaturen beide nur mit kurzer Hose und Handtüchern am Körper auf der Terrasse getroffen und gequatscht haben, während das Knöpfle planschenderweise den Garten unsicher gemacht hat. Glaubt mir, ich sehe, was für harte Privilegien wir neben unseren ganz eigenen Einschränkungen da haben, aber ich freue mich gerade wirklich sehr sehr sehr darauf, dass der Scheiß am Montag hoffentlich wieder in normalere Bahnen gerät. Vorerst. Klimawandel und so.

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25 Jahre

So. Das Klassentreffen ist vorbei.

Und was man schon mal sagen kann: Es hat die Latte für alle folgenden Treffen unglaublich hoch gelegt.

Ich hab vorweg ein sehr seltsames Gefühl bezüglich des Treffens gehabt und im Nachhinein weiß ich, dass ich damit auch nicht alleine war. Ich hatte zu niemandem aus dieser meiner ersten Gymnasialklasse/-stufe noch durchgehend Kontakt. Klar hatte ich ein paar Leute bei Facebook als Freunde und im Laufe der 25 Jahre habe ich sehr weit verteilt eine Handvoll der ehemals besten Freunde bei kurzen Treffen in Berlin wiedergesehen. Aber den Großteil der Anwesenden habe ich tatsächlich über zwei Jahrzehnte hinweg nicht gesehen, seltenst etwas online mitbekommen oder sie in manchen Fällen fast vollständig vergessen.

Dazu kommt, dass die Schulzeit für mich im sozialen Sinne durchaus eine gewisse Ambivalenz hatte. Ich hatte im Wesentlichen eine ausgesprochen schöne Schulzeit und das Gefühl, irgendwie schon mit den meisten gut ausgekommen zu sein, aber es gab schon auch immer wieder Phasen, wo ich mich mehr als Außenseiter gefühlt habe. Das hat viel mit den ganzen Komplexen bezüglich meines Übergewichtes zu tun, was halt in der Jugend und Pubertät nochmal ganz anders knallt. Trotzdem hatte ich da eine gute Zeit und einige gute Freunde.

Und nicht zuletzt leben wir in wirklich beschissenen Zeiten und wenn ich auf eines gar keinen Bock hatte, dann darauf, dass irgendwelche Leute, die ich in guter Erinnerung hatte, sich jetzt als AFD-wählende Vollpfosten rausstellen. Wie durch ein Wunder hat sich diese Befürchtung überhaupt nicht erfüllt.

Angesetzt waren eine Führung durchs Schulhaus mit dem aktuellen Schulleiter und danach ein Essen, das ausgerechnet von Andi organisiert worden war, der einen Tag vorher seine Teilnahme absagen musste, weil er geschäftlich nach China musste.

Die Führung war die erste positive Überraschung. Der Schulleiter hat sich als ein unfassbar gut gelaunter und engagiert wirkender Typ in unserem Alter rausgestellt, der uns mit Elan sowohl von Freuden als auch Nöten des aktuellen Betriebs erzählt hat, während uns nahezu alle Fachbereiche nochmal gezeigt worden sind. Wo sich dann auch gezeigt hat, was für eine seltsame Zeit 25 Jahre sind. Denn natürlich war mir das Gebäude so unfassbar vertraut und hat sich geradezu nach Zuhause angefühlt, während gleichzeitig so offensichtlich mehrere Schülergenerationen ins Land gezogen waren und das meiste was wir kannten, komplett über den Haufen geworfen wurde und jetzt nicht nur renoviert sondern komplett umgestaltet war. Der Höhepunkt war, dass wir einen meiner Ex-Mathelehrer getroffen habe, der – wie sich am Ende herausgestellt hat – uns ein bisschen mit dem zufällig kurz zuvor anwesenden Jahrgang von 1986 verwechselt hatte, von dem er eingeladen worden war und dann einfach die ganze Runde mit uns mitgelaufen ist. Aber meine Güte, hat der sich Mühe gegeben, alte Exponate erklärt und sich sogar nochmal ein Geodreieck gekrallt und die Tafel mit einer Signatur versehen, die ich mit unfassbar schlechten Matheklausuren verbinde.

„Damit die am Mondag no was zum putze hen!“

Danach dann in die Innenstadt. Ich will ehrlich sein, ich weiß nicht, wieso wir ausgerechnet einen Italiener mitten in der Innenstadt gewählt haben. Die Parkgebühren fürs Auto haben mich fast so viel gekostet wie das Essen und aus alter Gewohnheit hätte ich gesagt, dass wir auch da eine Nummer kleiner hätten absteigen können, aber das ist meiner persönlichen Geschichte geschuldet. Natürlich waren wir ja genau durch das was uns zusammengebracht hat – unser Bildungsabschluss – ein ziemlich priviligierter Haufen und natürlich hatte keiner von uns ein Problem damit, sich den Abend zu leisten.

Dennoch hat sich da schon gezeigt, dass es wirklich nicht die schlechteste Auswahl war, die sich da zusammengefunden hat, weil sich ausnahmslos alle lustig gemacht haben über den unfassbar protzigen Fuhrpark, der dort in der Gegend überall illegal abgestellt war und später am Abend – es war ja auch noch ein Deutschland-Spiel um 22 Uhr angesetzt – in endlosen Korsos durch die City getrieben wurde. Es folgten ein paar Bierchen und Wein am Palast der Republik, später dann auf dem Rathausplatz, wo wir sogar noch mit unserem Organisator in China gequatscht haben, sich der Rest der Gruppe dann langsam ausdünnte, bis ich mit den letzten drei Verbliebenen erst um 4.30 Uhr die Zelte abgebrochen habe. Um 5 Uhr war ich in meinem Hotel und mit Ausschlafen oder gemütlichem Frühstücken am Morgen war dann nichts mehr. Natürlich eine verpasste Chance, aber ich möchte die letzten Stunden in der gemütlichen Runde auch nicht missen. Insbesondere weil sich natürlich nach dem langen Abend mit dem ein oder anderen Gläschen erst die richtig lustigen – und bisweilen auch melancholischen oder politischen – Gespräche ergeben haben, die mich am Ende so viel besser auf eigentlich alle Anwesenden blicken lassen als ich es davor gedacht hätte.

Es wäre mit meinen Erwartungen völlig ok gewesen, wenn sich die Runde nach ein paar „Mein Haus, mein Auto, mein Pferd“-Geschichten mit vier Auserwählten um 23 Uhr höflich aufgelöst hätte, stattdessen sind wir danach noch 5 Stunden um die Häuser gezogen und es wurden mit allen mal mehr, mal weniger interessante Lebensgeschichten ausgetauscht und liebevoll kritisch in Erinnerungen geschwelgt. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich selbst vor 25 Jahren die ein oder andere schlechtere Party hatte als das jetzt.

*tränchenwegwisch*

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