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So geht das, #MaHe!

Wir hatten Befürchtungen gestern. Als getwittert wurde, die Antifa-Demo träfe sich vor der „Goldschmiede“ – ein sehr kleiner Laden am S-Bahnhof Marzahn – hatten wir 40 einsame Hansel vor Augen, umringt von mindestens 200 Polizisten. Stattdessen ist aber etwas sehr schönes passiert: Locker 500 Leute standen da, wir konnten uns farblich mit unseren schwarzen Klamotten der Mehrheit zugehörig fühlen und die Stimmung war gut.

Es hat nach wie vor etwas unwirkliches, den eigenen Kiez als Veranstaltungsort zu erleben, aber ich möchte ein fettes Danke an die vielen zugereisten Antifas richten, die – je nachdem, welchen Zahlen man glauben möchte – gestern dafür gesorgt haben, dass unsere Demo größer war als die der Nazis. Das war gut, wichtig, richtig – und vielleicht verhindern wir den braunen Spuk nächste Woche ja sogar mal wieder. Mir wäre viel daran gelegen.

Ganz ohne Kritik kann ich das Ganze aber nicht stehen lassen, sorry. Ich hab mich mal wieder in keinem Redebeitrag wiederfinden können. Da steckte am Ende dann doch immer dieses „Ihr arme Marzahner!“ dahinter, das den Bezirk eiskalt in Nazis und Unbeteiligte aufgeteilt hat und stets ein wenig arrogant klang. Ich will nicht das Engagement der Zugereisten in Frage stellen und freue mich über jeden, der da war; aber die Rhetorik hat auch den Faschos in die Hände gespielt, die ja weiterhin behaupten, die „wahre Meinung des Volkes“ vor Ort zu repräsentieren. Ein Bewusstsein dafür, dass das ebensowichtig wie andere Kommunikationsnormen ist, scheint noch nicht vorhanden zu sein. Denkt da mal drüber nach.

(Siehe hierzu auch meinen Artikel Außerirdische in #MaHe)

Die Demo war spaßig, überwiegend lautstark, am Ende hat also eigentlich alles gepasst. Ein wenig angefressen hinterlassen mich allerdings die Naziprolls an der Raoul-Wallenberg-Straße. Dass sich ein Haufen Vollpfosten an eine Antifa-Demo ranpirscht und dann rumproletet … das kommt vor. Dass sie allerdings bis auf ziemlich wenige Meter herankommen – ohne dass irgendwo ein Polizist in der Nähe ist, das ist schon erstaunlich.
Es ist jetzt nicht so, dass ich mich um die Gesundheit von Nazis sonderlich schere. Schon gar nicht um die von solchen Spezialfällen, deren Tagesform davon abhängt, ob es das Bier beim Aldi gerade im Sonderangebot gibt. Aber wir hatten da konservativ geschätzte 500 Antifas, 20 Nazis und null Polizei dazwischen. Und das für weit mehr als 30 Sekunden. Dass da kein Rettungswagen kommen musste, ist wirklich ausnahmslos dem ruhigen Gemüt (und sicher auch der Überraschung) auf unserer Seite zu verdanken gewesen. Die polizeiliche Organisation hinterlässt mich hier wirklich einmal mehr mit einem Fragezeichen auf der Stirn.

Zudem: Raoul-Wallenberg-, Ecke Lea-Grundig-Straße? War da nicht was?

Ja. In den letzten Wochen kam es neben den Demos vermehrt zu Angriffen von Nazi-Hools auf vermeintliche Gegner. Und zwar fast immer zwischen der Lea-Grundig-Straße und dem Freizeitforum (100 m entfernt). Ist das vielleicht „nur“ eine Clique besoffener Nazis, die da den Kiez terrorisiert?

Aber wie dem auch sei: Es ist erschreckend, dass die sich inzwischen sicher genug fühlen, um auch zahlenmäßig weit überlegene Gruppen zu provozieren, vielleicht sogar anzugreifen. Das ist nicht mehr normal. Auch „hier draußen“ in Marzahn nicht!

Für nächste Woche wird schon mobilisiert, und das ist gut so. Das heute war – insbesondere nach letztem Montag – toll. Aber das muss auch so weitergehen! Nazis sind hier kein kleineres Problem als anderswo! Marzahn bleibt bunt!

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Musik, Laune, diese Geschichten

Ich gebe ja zu, dass es mich ein wenig überrascht hat, dass der Song „Edge of a Revolution“ von Nickelback ist. Ich bin ein bisschen draußen aus der Musikszene und tue mich schwer mit dem Erkennen von Stimmen. Wie mit Gesichtern ja auch. Fiese Combo übrigens. Aber egal, wir waren bei dem Song und bei Nickelback.

Ich hab mit der Band nicht viel am Hut, eine Hardrockband wie viele andere halt. Hab sie wie die meisten hierzulande durch „How you remind me“ kennengelernt und ich war sicher nicht der einzige, der den Song totgehört hatte, bevor das Radio ihn unerträglich gemacht hat. Was schade ist, denn wenn man mal ehrlich ist, dann war es eigentlich eines der schönsten und reflektiertesten Liebeslieder überhaupt und hatte den Erfolg schon irgendwie verdient.

Inzwischen ist die Band ja vor allem im Internet zum Synonym für die schlechteste Band aller Zeiten geworden – was wohl zurückzuführen ist auf einen Presseartikel, der der Band diesen Status verliehen hat, weil die Single „Someday“ wie ein billiger Abklatsch von „How you remind me“ klang und das tatsächlich ein sehr durchschaubarer Versuch war, an alte Erfolge anzuknüpfen. Aber um ehrlich zu sein: Obwohl ich gerne meine Aversion gegen Mainstreammusik hege und pflege: Wenn auch nur 10% der Bands an die musikalische Qualität von Nickelback rankommen würden, wäre die Welt vermutlich eine bessere. (Ja, ich mag einfache Riffs. 🙂 ) Wie alles andere kann man’s mögen oder nicht, mir liegt nichts daran, diese – wie gesagt: für mich eher unwichtige – Band in den Himmel zu loben. Aber ich gestehe auch, dass ich mir damals das Album „Silver Side up“ gekauft habe und noch vor der Single-Auskopplung von „Never again“ gut gefunden hab, dass mal wer auf anschauliche Weise musikalisch häusliche Gewalt thematisiert, ohne dabei nur einer feinen aber kleinen Subkultur anzugehören.

Und nun „Edge of a Revolution“. Ich geb’s ja zu, ich hab den Song im Radio gehört. Star FM spielt ihn in den letzten Wochen rauf und runter. Hey, ein zumindest in Ansätzen kapitalismuskritisches Lied, das den NSA-Skandal am Rande anspricht und auf äußerst massentaugliche Weise die Wichtigkeit einer Änderung in die Welt schreit … so gut muss sich Punkrock in den 70ern angefühlt haben. Auch wenn ich mich inzwischen schwer damit tue, den Optimismus des Titels zu teilen.

Ich gebe zu: Musik wirkt zumindest bei mir wirklich. Vielleicht nicht so stark wie Literatur, aber natürlich hab ich meine Playlists, die mich in die ein oder andere Stimmung versetzen können. Und, obwohl Mainstream, „Edge of a Revolution“ schafft es schon, einen mal wieder mitzureissen, das Maul aufzumachen und sich nicht alles gefallen zu lassen. Etwas, das in Anbetracht der globalen Massenüberwachung wirklich mal raus muss. Und heute muss ich mir sowieso ein bisschen der sonst spärlichen Wut aufbewahren, denn wie letzte Woche wollen auch heute wieder Nazis durch meinen Kiez ziehen, was ich aus ungefähr 33 – 45 Gründen (wenn nicht mehr) für absolut verhindernswert halte.

In diesem Sinne: What Do we want?


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Banken, ey!

Ganz ehrlich, man braucht ja nicht einmal kapitalismuskritisch sein, um Banken bescheuert zu finden. Und ich will jetzt nicht rumjammern, dass mir meine Bank kein Geld gibt. Da kann ich ja zumindest in Ansätzen noch nachvollziehen, was sie für Gründe haben. Nein, erschreckend finde ich deren „Flexibilität“, die man im eigentlichen Wortsinne von massiven Betonblöcken weit eher demonstriert bekommt.

Ich bin ja eigentlich ein guter Kunde im Bankensinne. Nicht, dass ich fett Kohle gebunkert hätte, quatsch! Im Gegenteil: Ich bin seit nunmehr über 10 Jahren immer im Minus. Aber ich zahle dafür dick Zinsen und wenn es mal spitz auf knapp läuft, hab ich jeden Betrag ranschaffen können. Mein Scoring bei der Schufa muss exorbitant sein für meine Wohngegend, denn obwohl ich nie Geld auf dem Konto hab, zahle ich alle Schulden gnadenlos zurück – und das mögen die fast mehr als Reichtum.

Das Dumme ist, dass man diesem System nicht mit gesundem Menschenverstand kommen sollte.

Ich hab nun nämlich was total vernünftiges gemacht: Einen Termin. Und das eben nicht, weil ich Geld brauchte, sondern weil ich mir dachte:

„Hey, schön, dass das mit dem Dispo soweit klappt, aber ich will ihn ja auch mal loswerden.“

Ich will also der Bank meine Schulden zurückzahlen. Freiwillig. Dass interessiert selbige auch so arg, dass sie meiner Beraterin einen Typen vom Finanzcenter beiordnen. OK, eigentlich verständlich, denn wo sollen denn die schönen Zinsen bleiben? Aber ich will’s ja bewusst mal aus Kundensicht beschreiben.

Also: Ich hab da einen niedrig vierstelligen Dispo, unregelmäßige Einkünfte (wovon die meisten für die Bank nichtig sind, weil kein Gehalt) und ebenso unregelmäßige Ausgaben. Immer wenn ich knapp bei Kasse bin, reize ich meinen Verfügungsrahmen halt aus. Da bin ich sicher ein bisschen blöd im Kopf, aber in Marzahn sicher einer gesunden Mehrheit angehörig. Also möchte ich eine Rückzahlung. Schrittweise, irgendwie – vor allem aber flexibel. Wenn ich mal mehr Kohle hab, zahle ich gerne etwas mehr ab, ansonsten eher sehr wenig. Aber immerhin.

Nun ja. Wie ich erwartet habe, geht das nicht. Und das ist kein Witz. Das Institut, das ich damit beauftragt habe, meine Finanzen zu verwalten, kann das nicht. Denn dafür gibt es kein „Produkt“. Ein Kredit wäre ein solches Produkt, bei dem man geliehenes Geld mit verschiedensten Regelungen zurückzahlen kann. Sowas kriege ich nicht, da nur ein Drittel meines Einkommens von der Bank als „Gehalt“ und damit als Einkommen angesehen wird. Mein Dispositionskredit ist auch so ein Produkt, aber dafür zahle ich weit höhere Zinsen, also kann man das nicht flexibel kürzen. Wenn man’s mal so auf den Punkt gebracht hat, fragt man sich, ob man gerade in einem Douglas-Adams-Roman lebt.

Und ich bin ja ein netter Kunde. Ich würde für mehr Flexibilität sogar noch mehr Zinsen zahlen, nur will das die Bank nicht. Und spätestens da muss man sich wirklich fragen, ob sie dort noch alle Tassen im Schrank haben.

Das Einzige, was ich nicht will, ist – und damit hab ich den Finanzberater binnen eines Satzes auf Stumm geschaltet – mir irgendwo mit 2% Zinsen etwas ansparen, um einen Dispo mit 10% Zinsen zu tilgen. Dass das clever ist, hat er auch unmittelbar eingesehen, kurz nachdem er seine Provision für den Altersfürsorgevertrag davonflattern sehen hat. Mit nahezu unglaublicher Kulanz hat die Bank sich nun abgerungen, einen Abbau meiner Schulden

(„Ach, Schulden würde ich das eh nicht nennen …“ – O-Ton des Finanzberaters!)

also ein monatliches Kürzen des Dispos anzubieten. Ist nicht flexibel, aber doch immerhin etwas – oder?

Das dachte ich anfangs auch. Nun wurde mir dann allerdings gesagt – und das sollte man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen! – dass es für eine derartige Rückführung normalerweise keine freiwillige Option gibt. „Das System“ würde das also von sich aus als Zwangsmaßnahme der Bank auffassen und meine Bonität herabstufen. Nicht, dass die bombig wäre, aber ich vermute stark, dass das auch einen Eintrag bei der Schufa bedeutet. Und da gibt es zumindest angeblich keine Möglichkeit, das zu umgehen. Will heißen: So lange ich Schulden habe, ist alles ok. Wenn ich sie aber freiwillig abbezahlen will, dann wird mir das negativ ausgelegt – einfach, weil für so einen offenbar absurden Fall keiner mal ein Kästchen mit einem Haken ins Formular programmieren wollte.

Also ehrlich: Verarschen kann ich mich auch alleine!

Was ich nun vorhabe, ist schwierig. Aber in meinen Augen die sinnvollste Lösung: Ich kratze von überall so schnell wie möglich alles verfügbare zusammen. Ich beschaffe mir Kohle vom Geschäftskonto bei meiner anderen Bank, arbeite und laufe notfalls am Ende mit einem Sack Kleingeld dort ein. Und dann gleiche ich das Konto aus, verkünde, dass ich jetzt auch das Geld für eine Altersvorsorge hätte und lasse mir einen weiteren Termin geben. Zur Kontokündigung. Wem ich mein Geld anvertrauen soll, so ich mal welches habe, weiß ich nicht. Wem ich es aber einfach niemals gönnen würde … herzlichen Glückwunsch, Berliner Sparkasse! Den Negativpreis unter Aasgeiern muss man sich erst einmal erarbeiten!

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Unendliches

Wie ich ja schon öfters erwähnt habe, fröhne ich seit meinem Einnisten in der Blogosphäre auch wieder meinem liebsten Kindheitshobby – der Astronomie. Nach wie vor nur als Zuschauer, bzw. Leser, aber das ist ok. Teleskope sind teuer, in Raumanzügen sehe ich fett aus und in Berlin findet sich selten eine sternklare Nacht. Da ist das Internet doch hochwillkommen. Und es tut sich einiges da draußen; gerade und in nächster Zeit.

In zwei Wochen, an meinem Geburtstag (12.11.) wird beispielsweise die Rosetta-Sonde (über die hab ich hier schon mal geschrieben) ihren Lander Philae auf dem Kometen Tschurjumov-Gerasimenko absetzen.

Kurz davor wird Alexander Gerst, der derzeitig einzige Deutsche im All, die ISS wieder verlassen. Was außerordentlich schade ist, denn seinem Twitter-Account zu folgen, war eine wahre Freude in den letzten Monaten. Kaum einer hat je glaubhafter gesagt, dass er die Rückwärtssalti beim Zähneputzen vermissen wird. 😉
Noch humorvoller rund ums Weltall twittert nur noch @DLR_next, das sollte man sich eigentlich auch nicht entgehen lassen.

Am aktuellsten und zugleich traurigsten ist die Explosion der Versorgungsrakete für die ISS heute Nacht. Obwohl nur Sachschaden (das aber sicher ordentlich) entstanden ist, zeigt das doch auch mal wieder, wie schwer uns die ganze Raumfahrtgeschichte noch fällt. Immerhin ging es dabei um eine fast schon belanglose Aufgabe: Zwei Tonnen Material in eine 400 km hohe Umlaufbahn zu bringen. Für sich gesehen reichlich unspektakulär. Trotzdem hat der Optimismus dieses Mal nur 6 Sekunden angehalten:

Hoffen wir, dass alles andere gut klappt.

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Wenn zwei sich streiten

… sitzt der gesunde Menschenverstand weinend in der Ecke.

In Köln ist gestern eine Demo von Hooligans gegen Salafisten eskaliert und hat damit für Schlagzeilen gesorgt. Ich, wie immer zu spät aufgestanden, hab mich gefragt:

„Hä? What the Fuck?“

Aber ja: Vereinsübergreifend hatten sich Hools verschiedener Fußballvereine zu einer Anti-Salafisten-Demo getroffen und das Ganze ist letztlich zumindest in Teilen eine Nazidemo gegen Ausländer geworden. Inklusive Krawallen und vieler vieler unschöner Szenen. Das ist natürlich scheiße, aber das ganze Sujet ist wieder einmal schwieriger als gedacht. Auch jetzt, nach vielen Stunden, komme ich über das WTF nicht hinaus.

Zum einen haben wir da den Salafismus, bzw. dessen neofundamentalistische Auslegung der heutigen Islamisten. Ein vermutlich in weiten Teilen wahnhafter Haufen Gotteskrieger, der teilweise allen Spielarten des Terrors aufgeschlossen ist, um den Planeten in die vorgestrige Zeit zurückzubomben.

Zum anderen sind da die Hooligans, doch auch hier vor allem jene, die sich innerhalb rechtsextremer Kreise bewegen oder gar auf organisierten Neonazistrukturen aufbauen.

Nun ist es schwierig, im Angesichte so großer Idiotie den größten Feind zu finden.

Hooligans an sich sind nicht zwingend rechts. Aber sie haben das Problem, dass selbst ihr ursprüngliches Weltbild (grob vereinfacht: Wir sind alle harte Kerle, kloppen uns gegenseitig und wer gewinnt, ist der King!) viele Parallelen zu rechtem Gedankengut in sich trägt und demnach von Neonazis prima instrumentalisiert werden kann und hier wohl auch wurde. Trotz allen Ehrenkodizes, die es vielleicht zur Gründungszeit der Gruppen mal gegeben haben mag.

Und dass die heutigen Salafisten den Islam so auslegen, dass die Ungläubigen getötet werden müssen, ist leider auch nur schwer zu verhindern, denn wie (zumindest fast) jede Religion tendiert auch der Islam zu einer deutlichen Abgrenzung zwischen Gläubigen und Ungläubigen, was den Fundamentalisten immer irgendwie als Rechtfertigung für dieses oder jenes herhalten kann.

Und so gesehen ist es in meinen Augen absolut verständlich, gegen den Islam – und noch spezieller gegen die Salafisten – zu demonstrieren. Darüber hinaus ist es aber auch ebenso grundsätzlich falsch, dass sich irgendein Nazi oder auch nur Hool zum vermeintlichen Rächer aufschwingt.

Da es nach mehreren Jahrzehnten schlechten Fernsehprogramms ja offenbar immer eine schwarz-weiß-Entscheidung geben muss, möchte ich einen Lösungsvorschlag in den Raum werfen:

Sowohl Nazi-Hooligans als auch Salafisten sind uneingeschränkt scheiße. Und als Gegenentwurf möchte ich ein atheistisch-humanistisches Weltbild anbieten. Ob man Leuten den Tod an den Hals wünscht, weil sie an was anderes glauben oder eine andere Hautfarbe haben, ist egal – man ist in beiden Fällen ein Idiot.

Und als humanistischer Atheist kann man zumindest versuchen, weder ein Idiot noch ein Arschloch zu sein. Ich kann mit Hooligans prima leben, so lange sie sich untereinander kloppen. Ich finde das nicht toll oder erstrebenswert, aber im Grunde mit der persönlichen Freiheit vereinbar. Ich kann auch mit Moslems oder sogar Christen leben, so lange sie sich nur selbst ihrem eigenen Wahn unterwerfen. Ich finde das auch völlig bescheuert, aber so lange sie ihrer tatsächlich existenten Umwelt nicht zu sehr auf den Zeiger gehen, gönne ich ihnen diese Marotte. Ich kann grundsätzlich der Freund jedes Menschen auf diesem Planeten sein und bin das eigentlich auch, so lange er sich nicht dadurch disqualifiziert, dass er Fremden seine persönlichen Macken zur Vorschrift machen will. Ob das nun ein Ungläubiger ist oder die eigene Ehefrau.

Religion und Rassismus sind zwei fast annähernd gleich dumme und inzwischen überholte Gedankenkonstrukte, die der Welt schaden. Und sie schenken sich nichts. Wo die Religiösen an der Macht sind, morden und foltern sie und schließen Menschen aus ihrem Rechtssystem aus (nur als Beispiel: Homosexuelle). Und wo die Rassisten an der Macht sind, werden „Fremde“ getötet. Manchmal auch nur passiv, man sehe sich nur die Flüchtlingskatastrophen an den Grenzen der EU an.

Nun, gestern in Köln gab es keine direkte Auseinandersetzung zwischen Nazis und Salafisten, sondern nur Nazis. Dementsprechend verurteile ich, was dort passiert ist. Bei einem Aufeinandertreffen hätte ich vermutlich beiden nur viel Spaß gewünscht …

(Ja, man wird vielleicht etwas zynisch bei so vielen Idioten um einen herum …)

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Wenn nicht schön schön ist.

Eingang zum KZ Sachsenhausen, Quelle: Sash

Eingang zum KZ Sachsenhausen, Quelle: Sash

Es ist lange her, dass ich das letzte Mal eine KZ-Gedenkstätte besichtigt habe; gerade stelle ich sogar fest, dass es inzwischen 17 Jahre sein müssten. Damals war das Dachau, gestern dann war es Sachsenhausen.

Eine ziemlich spontane Entscheidung, den intrafamiliären Ausflug mitzumachen. Eigentlich hatte ich viel zu wenig Schlaf, aber ich habe es nicht bereut. Obwohl ich mich selbst zwar durchaus für ganz gut informiert übers Dritte Reich halte, war der Besuch alles andere als nur informativ. Obwohl ich mich durchaus mit Schaudern an die durch die weißen Kiesel so unfassbar unpassend und dadurch verstörend blendende Atmosphäre in Dachau erinnern kann, habe ich gestern neben den überwältigend vielen Detailinformationen zum Lager selbst auch wieder mal ein wenig über mich gelernt. Denn ja, man wird älter und im besten Falle auch das, was gemeinhin „weiser“ genannt wird.

Natürlich ist mir die Unmenschlichkeit der Nazizeit immer schon ein Begriff gewesen und ein guter Teil meiner Überzeugungen auch als Nachgeborener speist sich aus dem Wissen, dass kaum etwas schlimmer wäre als eine Wiederholung dieser Barbarei. Tatsächlich aber ist mir dieser Besuch mehr als alle vorhergehenden vergleichbaren unter die Haut gegangen. Nun bin ich kein Psychologe, aber ich glaube, dass das insbesondere daran liegt, dass ich im Vergleich zu früher wesentlich mehr mit dem Wesen des Todes anfangen kann, da ich inzwischen ja selbst einige Familienmitglieder verloren habe. Das alles hab ich gut weggesteckt, aber ich glaube, irgendwie verändert sowas dann doch. Mir jedenfalls ist beim Anblick eines Portraits eines Verstorbenen inzwischen anders zumute als das noch vor 10 Jahren der Fall war. Und an Portraits Verstorbener mangelt es ja keiner Gedenkstätte für Naziverbrechen.

Obwohl wir gestern ohne Führung und ohne Infomaterial einfach reingelaufen sind, kann ich Sachsenhausen eigentlich nur Bestnoten verteilen. Eine gleichermaßen würdige Gedenk- wie auch informative Lehrstätte! Natürlich wären zur vollständigen Erfassung mehrere Tage notwendig gewesen, aber ich schätze, die Informationsflut ist Teil des Konzepts – zumindest fände ich es legitim zu sagen, dass niemand nach ein paar Stunden aus einem ehemaligen KZ kommen sollte und der Meinung sein, jetzt ja alles verstanden zu haben und alles zu wissen. Alles wissen über jahrelanges Leid von 200.000 Menschen, wie anmaßend das auch wäre!

Abgesehen von der tollen Umsetzung des Ganzen bleibt vor allem die Erkenntnis, dass der Ausflug nach Sachsenhausen genau deswegen schön war, weil er weit davon entfernt war, schön zu sein. Es war bedrückend in jeder Hinsicht, aber ich glaube, dass das vielleicht auch so sein sollte.
Auf dem Gelände waren natürlich unzählige Touristen. Die meisten aus dem Ausland. Und für meine bedrückte Stimmung schienen sie alle ein wenig zu disneylandmäßig unterwegs zu sein, zu fröhlich, zu lustig. Um so schöner war diese eine Wand in einer der Baracken anzusehen. Im Gegensatz zu all den anderen Wänden zeigte sie nicht die Bilder der Getöteten, erzählte nicht die Geschichte zerstörter Leben, sondern bot Besuchern die Möglichkeit, ihre Meinung zu hinterlassen. Und die – alle in englisch verfassten – Zettel waren es, die mir dann doch noch die Tränen in die Augen trieben, die ich zuvor so erfolgreich verdrücken konnte.

„a truely disturbing experience“

war auf einem Zettel zu lesen, die meisten anderen schlossen sich dem an. Und der Rest bekundete den Willen zum Widerstand und dass sich das nie wieder wiederholen dürfe.

Dass ich als ausgemachter Antifaschist den Glauben an die Menschheit in einem ehemaligen KZ wiedergewonnen habe, ist zwar zutiefst ironisch, aber hoffentlich auch ein Schlag in die Fresse für alle Neonazis.

Nie wieder!

PS: Und besucht die Gedenkstätte Sachsenhausen. Und da der Eintritt schon umsonst ist: Lasst eine Spende da!

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Why privacy matters

In einem der scheinbar fast ausnahmslos sehenswerten TED-Talks hat Glenn Greenwald (Der Journalist, der viele der Snowden-Daten veröffentlicht hat) wunderbar erklärt, was an Massenüberwachung und der damit einhergehenden Abschaffung der Privatsphäre so schlimm ist. Wie die Überschrift schon vermuten lässt, ist das Video auf englisch, aber das ist wieder mal ein Beispiel für ein Video, für das es sich lohnt, seine Englisch-Kenntnisse zu strapazieren.

Um das nicht zu einem weiteren eher unbedeutenden Link werden zu lassen, möchte ich auch kurz ein paar Worte über Privatsphäre verlieren:

Ich bin seit geraumer Zeit sehr privat und öffentlich im Netz unterwegs. Nicht nur, dass ich trotz aller politischer Statements auch meine Privatadresse (schon aus rechtlichen Gründen) veröffentliche: Nein, ich schreibe auch hoch intime Details meines Lebens hier nieder. Fotos aus meiner Wohnung, Blogtexte über meine Beziehung, wie verträgt sich sowas bitte mit einem Recht auf Privatsphäre?

Nun, um es mal ganz anschaulich zu sagen: Ihr wisst von mir nur, was ich Euch zu sehen erlaube. Vielleicht erscheint es dem ein oder anderen dumm, dass ich über meine kaputten Zähne oder die Umstände meines ersten Treffens mit Ozie etwas schreibe – aber das liegt dann lediglich an einer anderen Gewichtung, welche Details des Lebens man selbst für schützenswert hält. Ich habe einfach nicht den Anspruch, von meinen Lesern als perfekt funktionierende Maschine wahrgenommen zu werden. Ich habe Fehler, ich mache welche und ich finde es als Person „in der Öffentlichkeit“ einfacher, über diese zu reden, als ein Abbild meinerselbst zu schaffen, bei dem ich immer aufpassen muss, ob sich mein reales Ich noch mit den Online-Texten verträgt. Das hat zum Teil seinen Ursprung tatsächlich alleine darin, dass ich gewisse Sachen öffentlich mache. Wie sollte ich zum Beispiel glaubhaft über die schlechte Bezahlung von Taxifahrern schreiben, ohne Zahlen zu veröffentlichen? Ja sicher, einige Kollegen machen das – was auch ok ist  – aber sie tun das auf Kosten der Transparenz und im schlimmsten Fall ihrer Glaubwürdigkeit. Ich habe da eine andere Entscheidung gefällt, aber das heißt nicht, dass mir das grundsätzliche Problem privater Daten in der Öffentlichkeit nicht bewusst wäre. Ich habe z.B. auch keine Abneigung gegenüber Menschen, die sich online besoffen in entwürdigenden Situationen präsentieren, mir wäre das hingegen zu peinlich. Obwohl ich betrunken echt niedlich bin, da könnt Ihr alle fragen!

Abgesehen von der politischen Brisanz staatlicher Überwachung (die Greenwald in seinem Beitrag ausreichend darlegt) ist auch die private Dimension nicht zu unterschätzen. Der Journalist hat in obigem Video gesagt, jenen, die meinten, nichts zu verbergen zu haben, vorgeschlagen zu haben, ihm doch einfach mal alle Passwörter für all ihre Mailkonten zu schicken. Damit er sich dort mal umsehen und – falls es ihm legitim erscheine – Teile der Mails veröffentlichen könne. Und ist es nicht glaubhaft, dass niemand das gemacht hat?

Ich selbst denke mir oft, dass meine Mails „eigentlich ja belanglos“ sind. Ach ja, irgendwann vor 9 Jahren hab ich Ozie erstmalig geschrieben, dass ich sie liebe – wayne?
Andererseits: WTF? Da hab ich auch Freunden Hilfe in schwierigen Situationen angeboten, mit Hinz und Kunz geflirtet, Dinge erzählt, die eben doch nur für diesen einen Empfänger bestimmt waren.

Und wenn wir von den Mails weggehen: Haben wir nicht alle mal aus Sensationsgier auf bild.de-Links geklickt, oder uns vielleicht gar mal irgendwo auf einer Pornoseite mehr als ein Bild angesehen und damit für findige Ermittler ein viel zu genaues Bild von unseren Präferenzen hinterlassen? Will ich wirklich, dass bei Bedarf ein Polizist rausfinden kann, dass ich mal Musikvideos von Schlagersängern angesehen habe, gegen die ich doch sonst immer wettere?
Und was uns allen eigentlich eher als Verschwörungstheorie erscheint, habe ich auf Umwegen schon erlebt:

„Sie hen‘ da ja naggiche Bilder druff!“

schrie der liebenswerte Polizist bei der Durchsuchung meines PC’s damals laut durch die WG; wohlwissend, dass meine Freundin und heutige Frau anwesend war. Na, bei wie vielen Lesern hätte sowas zu einer Beziehungskrise geführt? Und wenn NSA und co. einfach alles speichern, ist es ja erst einmal auch egal, ob es da um Downloads des letzten Jahres oder der letzten Woche geht.

Am Ende geht es ja auch nicht darum, ob man bei Facebook postet, dass man gerade diese oder jene Folge von „The walking dead“ ansieht. Sowas schreiben wir gerne mal und das ist ok für die meisten. Aber will man wirklich, dass ein ominöser Geheimdienstapparat im Hintergrund mitloggt, dass wir an unsere Freunde zeitgleich eine Nachricht senden, welchen Schauspieler wir scharf finden? Und dass das in Beziehung gesetzt wird zu einem vielleicht längst beigelegten Ehestreit von vor drei Tagen via Whatsapp?

Wie kann es bitte in Ordnung sein, dass all das abgespeichert wird? Ich veröffentliche mein Leben freiwillig und meine terroristischen Aktivitäten halten sich zumindest vorübergehend in engen Grenzen. Ich schreibe nur gerne und biete meinen Lesern bewusst einen (begrenzten) Einblick in mein Leben. Aber selbst ich würde mir wünschen, dass ich nach Abschluss dieses Textes einfach mal sorgenfrei bei Wikipedia Infos über Depressionen einholen, bei Amazon Gummibärchen kaufen und bei Youporn nach Videos von Frauen in Latex suchen könnte, ohne damit ein schwer verdächtiges Profil bei der NSA zu bekommen.

PS: Latex ist nicht wirklich der Fetisch meiner Wahl, aber wie gesagt: auch meine Transparenz hat Grenzen. 😉

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