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Die erste Lesung

Ich hab’s geschafft. Bei 170 nochmal in den fünften Gang runtergeschaltet, damit er mich nicht abschüttelt, bei 210 km/h fetzten wir dann im Gleichtakt über die nachtleere A9, was für ein Spaß! Natürlich hätte er mich eiskalt stehen lassen können und noch 100 Sachen mehr aus seinem Aventador rausholen können, da hätte ich in meinem Passat Diesel die Rücklichter des eleganten Lamborghinis nur einmal sehr sehr kurz gesehen. Aber wer immer da vor mir meine grob geschätzt nächsten 25 Jahresgehälter ausfuhr, war ein fairer Spieler: In den 120er-Zonen fuhr er unter Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit auf die rechte Spur, danach war wieder Flucht nach vorne angesagt, ein bisschen Spaß muss sein.

Ich bin nicht unter die unvernünftigen Raser gegangen, aber nach dem langen Tag gestern hat das kleine Necken mit dem Supersportwagen auf dem Weg Richtung Berlin bei mir noch einmal die Höchstkonzentration ins Cockpit zurückgeholt und mich vor der schleichenden Müdigkeit nach 18 Wachstunden gerettet.

Und auch den Tag endgültig vergoldet, denn ja: Ein bisschen hat auch das Autofahren dazugehört.

Eigentlich hatte ich vor allem meine allererste Lesung als Autor. Dem ein oder anderen schreibenden Mitleser mag das jetzt wie eine Petitesse erscheinen, für mich war es das mitnichten. Seit ungefähr der 10. Klasse hab ich mich selbst in der Schule immer vor Referaten gedrückt. Das ging damals gerade noch so – um die Jahrtausendwende war die Idee, dass Schüler sich selbst präsentieren können müssen in Baden-Württemberg noch eher ein seltsamer reformpädagogischer Ansatz, sowas hat man damals lieber ein bisschen belächelt als ausprobiert. Da hätte man ja eher noch die Grünen gewählt …

Ich hab also seit Ewigkeiten nicht mehr vor Leuten gesprochen und war damit eigentlich auch zufrieden. Publikum hatte ich ja trotzdem, irgendwo hier hinter meinen 0,3 m² Bildschirmfläche.

Nun hab ich aber ein Buch geschrieben und neben mir sitzt jetzt auch noch ein Verlag im Boot, der sich Mühe gibt, dass dieses Buch nicht morgen wieder von allen vergessen ist. Und so ein Verlag macht dazu nun halt genau das, was man zu diesem Zwecke halt macht: Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Presse …
Ich auf der anderen Seite finde es aber auch nicht nur toll, dass eine handvoll scheinbar nimmermüder Emons-Mitarbeiter sich so wuselig um mein Buch kümmert – ich halte es grundsätzlich ja auch für eine gute Idee, mal was anderes zu machen, mal neues kennenzulernen. Da komme ich als ewiger Urlaubsaufschieber eh nur viel zu selten dazu. Also hatte ich schon vor Monaten das Angebot des Verlags angenommen, während der Leipziger Buchmesse im Canito in Leipzig zu lesen. Aus meinem Buch, vor echten Menschen. Hätte ich mir so ja nie ausgedacht.

Leipzig, Symbolfoto. Quelle: Sash

Leipzig, Symbolfoto. Quelle: Sash

Aber nicht nur das: Ich hatte die letzten Wochen auch Zeit, mich mit einem netten jungen Mann vorzubereiten, der mir dann als Moderator (neudeutsch für: Mensch ohne Lampenfieber) bei der Sache zur Seite stehen würde. Yeah! \o/
Wir haben beide auch Überlegungen angestellt, testgelesen, uns quasi wie Profis verhalten – wobei am Ende die Generalprobe platzte, weil wir beide krank waren. Unser Konzept war also eher so mittel ausgereift, aber wir hatten gute Laune. 🙂

Zur Anreise hab ich mir dann o.g. Passat bei einer Autovermietung hier ums Eck rausgelassen. Ich hätte eine Bahnfahrt plus Hotelübernachtung haben können, aber als ich dann die Hotelpreise zur Buchmessenzeit gesehen hab, hab ich im Verlag angefragt, ob ich nicht vielleicht weniger von ihrem Geld verprassen und im eigenen Bett schlafen dürfe. Leipzig ist ja nun von Berlin aus nicht aus der Welt.

Und ich durfte:

Reisegefährt, Quelle: Sash

Reisegefährt, Quelle: Sash

Mir hätte ein Golf gereicht, in der Klasse gab’s aber nix mehr – und im Vergleich zum Hotel war dieses wirklich sehr sehr schnuckelige Kistchen dann immer noch ein Schnäppchen. Ein bisschen verliebt war ich ja auch schon vor dem Rennen auf der A9.

Leipzig war toll – da gab es alte Häuser, Tapas, Frühlingsrollen und Parkplätze. Und bekanntlich bin ich schon mit weniger zufriedenzustellen. 😉

Als ich und mein furchtloser Moderator eine halbe Stunde vor Beginn schon wohlgenährt das Canito betraten, um zum Who-is-who der Verlagsbelegschaft zu stossen, stellte sich dann auch langsam meine inzwischen schon vermisste Panik ein. Der kleine Raum war voll und die Leute guckten so, als wollten sie ernsthaft zuhören. Die Vorstellung, dass das von Vorteil sein könnte, teilte ich nicht unbedingt. Das von einem lieben Blogleser persönlich vorbeigebrachte Bier („Wie versprochen aus’m Hipster-Laden!“) hätte ich besser gleich vor der Lesung getrunken, aber wenn ich danach noch zu fahren gedenke, halte ich mich an diese 0,0-Promille-Geschichte. Das wuselige Durcheinander sagte mir so wenig zu, dass selbst das einzige Bild aus dem Canito verwackelt ist:

Inside the Canito, T: -10 minutes. Quelle: Sash

Inside the Canito, T: -10 minutes. Quelle: Sash

Meine Befürchtungen bewahrheiteten sich zunächst. Mein Kopf nahm die Farbe überreifer Tomaten an, ich übernahm mal eben die Schweißproduktion eines halben Kontinents und atmete hörbar schwer ins Mikrofon. Nach den ersten paar Holperern aber geschah dann doch etwas unerwartetes: ein paar von den mich anstarrenden Gesichtern lächelten. Lachten bisweilen laut. Oder warfen ein, dass sie kein Problem mit Berliner Straßennamen hätten. WTF, Leipzig!?

Aber im Ernst: Es wurde richtig gut. Auch wenn ich mir nach wie vor ein bisschen hilflos durchs Programm tapsend vorkam, war die Stimmung ausgelassen, viele lauschten geradezu gebannt und der ein oder andere spontane Witz kam tatsächlich als Witz an. Am Ende haben wir die Stunde Lesezeit sogar noch etwas überzogen, um noch eine Geschichte vorzulesen, die ich davor nur einmal angeschaut hatte. Die Leute kauften ein paar Bücher und es hagelte fast ein bisschen arg viel Lob. Von Leuten, die nur zufällig da waren und ebenso von welchen, die mir attestierten, „schon GAAANZ anderes“ bei Lesungen erlebt zu haben.

Laut offiziellem Setting war ich vielleicht sowas wie der Star des Abends, aber ich muss den Kelch ehrlich weiterreichen an Peter Hanss, der während des Abends alleine das Restaurant betrieben hat. Und mit alleine meine ich alleine: Von der Küche bis zur Bedienung! 0.0

Nach allem, was ich gesehen und probiert habe, kann man also auch wenn jetzt bald die Lesungszeit zu Ende ist, im Canito sehr gut einkehren. Ebenso übrigens beim Vietnamesen direkt daneben. Für Interessierte:

Canito
Gottschedstraße 13
04109 Leipzig

Da ich um 9.00 Uhr bereits aufgestanden war, war ich dann trotz all der interessanten Leute und all dem leckeren Essen froh, um 23:00 Uhr bereits den Heimweg antreten zu können. Mit Innenstadtverkehr und tanken dauert die Fahrt halt selbst mit kurzfristigem Lamborghini-Jagen zwei Stunden.

Eine Wiederholung, also ein paar weitere Lesungen, könnte ich mir durchaus vorstellen. Bis sich das ergibt, ist allerdings trotzdem keine Ruhe zu erwarten. Der nächste Pressetermin ist vermutlich keine 12 Stunden mehr entfernt und ab demnächst gibt es in ausgewählten Buchhandlungen sogar GNIT-Bobbycars! (Einself!) 😀

Ich muss ehrlich sein: In Kombination mit der langwierigen Erkältung die letzten Wochen war das alles anstrengend. Und wird es noch ein paar Tage bleiben. Aber es macht doch auch einen Heidenspaß, dieses Autoren-Dings mal wirklich durchzuziehen. Für alle, die jetzt neidisch sind, hab ich aber auch noch was im Repertoire: Vor der Rückgabe des Autos hab ich mich heute morgen so richtig schön auf die Schnauze gelegt und mir das Knie aufgeschürft wie so ein 10-Jähriger. Rutschiger Glasboden und so. Alles Gute ist also auch hier nie beisammen. Aua.

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Clipboard-Gefühle

Das Buch ist raus, das Buch läuft. Soweit zumindest meine Einschätzung.

Aber mit Einschätzungen ist das so eine Sache. Beim eBook damals hatte ich alles selbst im Griff, ich kannte die Verkaufszahlen sehr schnell, hatte meinen Umsatz im Blick, alles sehr direkt eben. Wenn man ein Buch mit einem Verlag zusammen veröffentlicht, dann sind all die geschäftlichen Sachen vorrangig verlagsintern oder eben gar nicht in Echtzeit erfassbar. Da ist vieles plötzlich intern. Der Verlag hat mir zwar eine Zahl der Verkäufe zum Verkaufsstart genannt, aber auf wie viele Buchhandlungen und oder Barsortimente sich das wie aufteilt, weiß zumindest ich nicht. Und ich will auch nicht wie der letzte Honk jeden Tag eine Mail an den Verlag schicken.

Also behelfe ich, behelfen wir beide uns hier mit dem, was wir haben: Amazon-Verkaufsränge, Verfügbarkeiten, Barsortiment-Trends etc. Das ist natürlich unzureichend. Ich kann nicht einmal größenordnungsmäßig einschätzen, wie viele Bücher inzwischen über den Ladentisch gegangen sind. Was schade ist für einen Nerd, der sich gerne selbst informiert!

Aber, und das ist das Schöne, bisher deutet alles darauf hin, dass es gut läuft. Nicht exorbitant, denn natürlich bin ich mit ein paar Taxigeschichten nicht mal eben auf dem Weg, 50 Shades of grey vom unverdienten Thron zu schubsen. Obwohl das Wort „ficken“ in meinem Buch natürlich auch auftaucht.

Von Weltbestseller oder dergleichen hab ich ja nicht einmal geträumt – aber eine solide Resonanz scheint sich zumindest abzuzeichnen. Ich will das auch nicht im Einzelnen breittreten, denn das hat Ozie und mich nächtelange Gespräche gekostet, das lässt sich nicht runterbrechen. Wir könnten falsch liegen, aber wir glauben nicht, dass es so ist. Das Buch verkauft sich also hier und da. Schön. Sehr schön sogar!

Und doch kommt dann – bei mir, aber manchmal sogar bei Ozie – das auf, was wir inzwischen Clipboard-Gefühl nennen. Und das geht zurück auf die von mir gerne immer wieder erwähnte „Make good Art!“-Rede von Neil Gaiman, während der er erklärt, wie er stets das Gefühl hatte, mit einer Art Betrug davonzukommen, und fürchtete, dass eines Tages ein Mann mit Clipboard vor seiner Tür stehen könnte („I don’t know why he had a clipboard …“) und ihm erzählen würde, dass es nun vorbei sei und er sich nicht mehr einfach Dinge ausdenken und sie niederschreiben könne. Sondern was richtiges, echtes, tun müsse.

Ich kenne das Gefühl schon lange, aber es scheint auch verbreitet zu sein. Man macht ja „nur“ Kunst oder wie immer man das im Einzelnen nennen mag und irgendwer wird das schon aufdecken. Ich hab „nur“ ein Buch geschrieben und irgendwann wird schon wer merken, dass da „nur“ Taxigeschichten drinstehen, dass „nur“ ich das geschrieben hab, dass „nur“ meine Leser dieses Buch kaufen …

Eben wie es davor „nur“ ein eBook und „nur“ ein Blog war.

Das ist natürlich Bullshit. Für den Erfolg eines Buches ist relevant, dass es verkauft wird. Keine Sau interessiert sich dafür, wer es aus welchem Interesse getan hat. Abgesehen von mir vielleicht, aber tatsächlich spiele ich da so gesehen als Autor eine Nebenrolle. Jeder Bestseller wurde „nur“ geschrieben, alle kochen sie nur mit Wasser, selbst die ganz Großen.

Aber das Gefühl bleibt. Habe ich nicht Amazon „verarscht“, indem ich an Tag 1 dutzende Leser zum Buchkauf dorthin geschickt habe? Ist der positive Trend beim Barsortiment nicht ein Hoax, weil jetzt Amazon krampfhaft versucht, neue Bücher irgendwoher zu kriegen? Habe ich als Blogger das System Buchmarkt getrollt?

Nein.

So verkaufen sich Bücher eben. Jeder Autor bringt Fans mit – und wenn es sich anbietet, gibt jeder hier und da mal ein Interview, was letztlich nur den Zweck erfüllt, das Buch zu promoten. Mache ich auch gerade. Mit kuriosesten Medien (außer der Bild). Unecht ist bei der Sache vieles. Hier und da das Interesse der Journalisten, dort mal meine Freude über Aktion XY. Was jedoch nie wirklich unecht sein kann, ist der Erfolg. Nicht, dass das jemand in den falschen Hals bekommt: Jeder Leser sollte sich am Ende freuen über das Buch. Aber ob die Leute es kaufen, weil sie mich mögen, weil sie mich interessant finden, weil das Buch grandios ist, weil alle drüber reden, weil sie selbst Taxi fahren … nichts davon ist irgendwie ein Betrug oder eine unverdiente Aufwertung. Und trotzdem sitze ich mit meinem Clipboard-Gefühl da und denke:

„Fuck, das ist nur einer meiner Texte, wehe die finden das irgendwann mal raus!“

In Wahrheit können sie das natürlich gar nicht. Denn ich hab den Text als gutes Buch ausreichend getarnt. 😉

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Der erste Fehler im Buch!

Womit man sich als Autor – aber auch als Verlag, als Lektor und als Leser – anfreunden muss, ist, dass jedes Buch Fehler enthält. Bücher sind fast immer mehrere hundert Seiten lang und kein noch so begabter Autor oder noch so gut geschulter Lektor schafft es, das alles mit gleichbleibender Qualität durchzugehen. Glücklicherweise geht es eben den Lesern genauso. Entweder der Fehler wird übersehen oder es wird eben nur einer davon im ganzen Buch gefunden und verursacht dann höchstens ein Schmunzeln und nicht gleich Ärger.

Wie viele Fehler sich in meinem gestern veröffentlichten Buch finden lassen, weiß ich nicht. Einer jedoch ist mir schon aufgefallen; und das, weil es der wohl groteskeste Fehler in einem Buch ist, der mir je untergekommen ist. Wie er entstanden ist, weiß ich indes nicht. Ich hab hier jede Menge verschiedene Versionen des Buches auf dem Rechner, die nach verschiedenen Dursichten von meiner Lektorin und mir abgespeichert wurden – und in keiner, nicht einmal in der letzten Version ist besagter Fehler enthalten. Vielleicht hat sich ein Setzer einen Scherz erlaubt oder so …

Warum jetzt aber der Aufriss um einen Fehler?

Weil er wirklich herrlich absurd ist!

Man kennt ja so handelsübliche Fehler. Man vertippt sich, vergisst einen Buchstaben, schreibt versehentlich ein Wort doppelt oder kommt nach drei Korrekturen des Satzes mit der Grammatik durcheinander. Mit etwas Pech findet sich für jeden dieser Fehler auch ein Beispiel in meinem Buch – und Ihr dürft mir die gerne mitteilen, dann gebe ich die an den Verlag weiter, damit das ggf. in der zweiten Auflage bereinigt wird.

Und jetzt dieser Fehler. Es geht um den allerletzten Absatz im Kapitel „Osama und Lisa“, in dem es heißen sollte:

„Zudem war ich heilfroh, dass Lisa und ich uns bereits geküsst hatten, bevor ihr Freund aus dem Haus kam und mir das ansehnliche Trinkgeld überreicht hatte.“

Die Profis merken schon: Selbst das ist grammatikalisch etwas fragwürdig. 🙁

Aber das macht überhaupt nix, denn wenn man das Buch auf Seite 63 aufschlägt, steht dort folgender Satz:

„Zudem war ich heilfroh, dass Lisa und ich uns bereits geküsst hatten, bevor ihr Freund aus dem Haus McDonald’s und mir das ansehnliche Trinkgeld überreicht hatte.“

Richtig: Das zeitlich nicht wirklich passende „kam“ wurde – quasi nahezu sinngleich – durch „McDonald’s“ ersetzt. Ich freue mich über Erklärungsversuche oder Verschwörungstheorien zu diesem Fehler!

PS: Wer also den bescheuertsten Fehler aller Zeiten sein Eigen nennen will, sollte noch ein Buch aus der ersten Auflage erwischen … 😉

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Wie ich GNIT zwischen zwei Deckel presste

Dass morgen mein Buch erscheint, ist wohl das, was man ein teilweise offenes Geheimnis nennen könnte. Bei Amazon ist es seit Wochen vorbestellbar, seit gestern klebt hier unten dran der Banner und dem ein oder anderen hab ich’s auch schon gesagt. Der große Rest aber dürfte jetzt überrascht sein. 😀

Dabei ist in den letzten Monaten wirklich viel passiert. Das fing schon damit an, dass mir der Emons-Verlag im Nebensatz einer Mail mitteilte, dass mein Buch der Sachbuch-Toptitel in diesem Quartal sein würde. Der entsprechende Bereich des Katalogs, der an die Buchhändler ging, begann mit 2 Doppelseiten über mein Buch. Außerdem wurde zwischendrin beschlossen, dass „Gestern Nacht im Taxi“ nicht nur Arbeits-, sondern wirklich Buchtitel werden sollte. Wow! Dieser Name hat Ozie und mich vor viereinhalb Jahren wache Nächte gekostet, weil die Auskopplung nicht der x-te „Taxi-Blog“ oder irgendwas mit „online“ werden sollte. Und jetzt fand mein Verlag den Titel selbst fürs Buch gut genug. Wie gesagt: Wow!

buchtaxi495

Genau genommen hat das mit dem Buch also genau hier in diesem Blog seinen Anfang genommen, zumindest vom Namen her.

Dann war da dieses Cover vom Verlag, das seit dem ersten Entwurf so ziemlich unverändert übernommen worden ist. Genau sowas hatte ich mir gewünscht. Und einen kleinen Promo-Text für einen Katalog von mir machte Emons prompt zum Klappentext. An Ego-Streicheleien gefehlt hat’s so gesehen auch ohne Leser-Lob nicht. 😉

Auf das Buch bin ich natürlich furchtbar stolz und zudem bin ich stolz darauf, dass ich es geschrieben habe, ohne nebenher GNIT stillzulegen oder einfach nur die Texte von dort zu verwursten. Hab ich in Teilen natürlich gemacht, aber eher in sehr kleinen. Darüber hinaus denke ich aber trotzdem jedes Mal beim Lesen, dass ich jetzt natürlich gerne dies oder das anders formulieren würde – ich sollte mich auch lieber in die Riege jener Autoren einreihen, die einen fertigen Text nie wieder lesen.

Aber selbst an dieser Front gibt es Neuerungen: Ich bereite mich mit einem sehr netten Moderatoren auf eine Lesung vor, obwohl ich Lesungen bisher eher argwöhnisch gesehen habe. Ich verspreche mir da ehrlich gesagt bis heute nicht sehr viel von, aber wenn ich schon mal an dem Punkt bin, warum nicht einfach jede Erfahrung mitnehmen, die geht?

Vorerst geht’s in altbekannte Richtungen: Ein paar Interviews geben und die Blogs vorbereiten. „Projekt zweite Auflage“ nennen Ozie und ich es – den Versuch, daran mitzuwirken, dass die ersten Bücher schneller über den Ladentisch gehen als der Verlag erwartet hat. Und obwohl ich darin gerne nur eine ehrgeizige Challenge mit Emons sehe – es ist ja nun nicht wirklich uneigennützig: Natürlich hoffe ich auch, mit dem Buch ein bisschen Geld zu verdienen. 🙂

So langsam neigt sich auch die letzte, richtig lange, To-Do-Liste dem Ende zu, ein Karton mit frisch gedruckten Büchern steht im Flur und das fühlt sich alles richtig an. Morgen ist dann der große Tag, ich hab mir schon mal frei genommen. Denn wer weiß, vielleicht geht’s jetzt ja erst richtig los …

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Niveaulimbo im Aufzug

Es ist ja schon ermüdend, morgens rauszugehen und trotz der eigentlich guten Einkaufsmöglichkeiten nicht zu finden, was man will. Gemeinhin zieht man sich für sowas eine Hose an und versucht auch sonst, wenigstens grenzwertig sozialkompatibel zu wirken – was ja nicht für jeden Menschen einfach ist. Noch dazu, wenn man Nachtschichtler und damit früh morgens schon müde ist.

Und wenn man dann so unverrichteter Dinge in den Hausflur zurückstapft, sich nix böses denkt und einfach wieder in die warme Wohnung will … stinkt der Aufzug gotterbärmlich.

Ich bin hier einiges gewohnt bin von den Nachbarn ringsum: Töpfe, Windeln, Brot, Blut und Polizei. Dennoch muss man auch mal vor Augen halten, dass das vereinzelte Höhepunkte sind, kein durchgehendes Problem und vermutlich nicht einmal den selben Verursachern zuzuordnen.

Sich Hundescheiße ausgerechnet im nur zwei Kubikmeter großen Fahrstuhl von den Schuhen abzustreifen zeugt dennoch von einer gewissen Menschenfeindlichkeit. Sowas könnte ich durchaus persönlich nehmen …

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Mal wieder etwas Französisch

Es gibt ein paar Dinge, die nun wirklich die allerwenigsten meiner Leser wissen. So zum Beispiel, dass mir jetzt auf Anhieb kein lustiger zweideutiger Witz mit „Französisch“ einfallen will, obwohl es doch so nahe liegen würde.
Nein, im Ernst: Französisch war meine erste Fremdsprache, und nicht nur das: ich hätte um „Haaresbreite“ sogar das „französische Abi“ gemacht. Davon merkt man nicht mehr viel, wenn man mir heute eine Frage auf französisch stellt, aber es ist wahr. Meine Schule hat damals als eine der ersten diese Möglichkeit geboten und meine Eltern haben mich aufs Geratewohl in jenem französischen Zug angemeldet. Das nehme ich ihnen nicht übel, aber wirklich geklappt hat’s halt auch nicht. Ausgerechnet mit Französisch bin ich nicht sonderlich warm geworden – noch lange bevor ich mir mein hier schon oft erwähntes Mathe-Defizit eingetreten habe. Trotzdem hatte ich jahrelang extra viele Stunden „Franz“ und mit der Zeit dann auch andere Fächer in dieser Sprache. Was mich bei meiner Französisch-Schwäche zugegebenermaßen nur bedingt weiterbrachte.

Als ich dann die elfte Klasse wiederholen musste, hab ich zusätzlich den Absprung gewagt und das Ziel „Bac“, das Baccalauréat, sausen lassen. Ich bin in den Englisch-Zug gewechselt.

Ich hab das nie bereut. Ernsthaft. Wie bei Mathe hatte ich zwar auch gegen Französisch nichts, nur weil ich es nicht gut konnte, aber wirklich gefehlt hat es mir auch nicht. Ich wollte nunmal nicht in Frankreich studieren, kannte nur Franzosen, die auch deutsch konnten und war genug beschäftigt damit, einsprachig nicht auf die Schnauze zu fallen. Daran hat sich im Grunde nicht viel geändert.

Aber.

Ich hab mir in den letzten Jahren einfach so nebenher ein brauchbares Englisch zugelegt. Und es hilft mir jeden einzelnen Tag im Internet und jeden einzelnen Arbeitstag im Taxi. Es ist ja wirklich so: Fremdsprachen sind was tolles.
Dass ich für mein Englisch im Taxi gelobt werde, hat zudem wenig zu tun mit meiner perfekten Grammatik (die wo ich selbst im Deutschen nur so halb beherrschen), sondern mit der Aussprache und einem gewissen Grad an Spontaneität. Und zumindest das beherrsche ich im Französischen durchaus auch. Nur hat mein aktiver Wortschatz da über die Jahre so gelitten, dass ich kaum mehr frei reden kann und für die Bestellung eines Apfelsaftes locker 5 Minuten Vorbereitungszeit brauche. Was für 7 Jahre Unterricht echt bitter ist und zudem etwas kurios, wenn ich bedenke, wie viel ich verstehe, wenn französische Taxikunden in ihrer Landessprache lästern. Meist traue ich mich dennoch nicht, sie mit einem akzentfreien „au revoir“ (Auf Wiedersehen!) zu verabschieden, weil mir immer noch nachhängt, wie ich in der 6. Klasse der Oma meines Austauschschülers aus Grenoble ein schallendes „aujourd’hui“ (Heute) entgegengeschmettert habe.

Doch dann kam Ozie an und zeigte mir Duolingo.

Das ist eine sehr einfach gehaltene Website, mit deren Hilfe man Sprachen erlernen kann oder zumindest können soll. In kurzen Lektionen, bunt zusammengewürfelt, weit weg vom Frontalunterricht aus meiner Erinnerung. Eher spielerisch. Gamification ist das Stichwort, Ingo! Wie weit man damit kommen kann, weiß ich nicht. Weiter als ich es eigentlich sein sollte sicher nicht. Weiter als ich tatsächlich bin jedoch durchaus. Und so erarbeite ich mir Französisch in den letzten Tagen wieder zurück. Und Ozie macht dankenswerterweise mit. Für sie ist die Sprache komplett neu und so komme ich in die wirklich sehr komische Situation, ausgerechnet in Französisch ein paar Dinge erklären zu können. In Französisch! Hätte mir das vor ein paar Jahren mal wer gesagt!

Wie weit das gehen wird, weiß ich nicht. Vielleicht gebe ich es in zwei Wochen wieder auf, vielleicht gucke ich in einem halben Jahr TV5 und lese Houellebecq im Original. Oder alles dazwischen. Momentan fasziniert mich vor allem, dass ich das Interesse an der französischen Sprache zumindest kurzfristig wiederentdeckt habe. Und da sind zwei Dinge, die ich deswegen mal wieder anmerken muss:

  1. Das Internet ist geil!
    So viel Mist im Netz auch passiert; es vermag tolle Sachen zu leisten. Es sind Dinge möglich, die in meiner Kindheit, während meiner Schulzeit, nicht möglich waren. Sehr einfache, manchmal aber auch sehr komplexe Dinge. Ich liebe es, diese Entwicklung mitzuerleben!
  2. Bildung ist geil!
    Ich rante gerne über meine Schule, meine Lehrer und das verkrustete Bildungssystem zu „meiner Zeit“ rum. Sicher nicht zu Unrecht. Aber ich bin rückblickend so froh, es aufs Gymnasium geschafft zu haben, wo mir neben allen Fehlschlägen dann doch auch viel beigebracht wurde, selbst als ich eigentlich nicht so wirklich Bock drauf hatte. Dieses Glück hatten nicht alle mit ihrer Schule und ich muss rückblickend sagen, dass ich verdammt dankbar bin, selbst falls es sich nicht in einer Bilderbuchkarriere niederschlagen sollte.

Ich verbleibe mit einem netten „au revoir“ und bringe einfach noch eine weitere Lektion hinter mich. 🙂

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Kreditbearbeitungsgebühren 2

Es ist schon eine Weile her, dass ich die Sparkasse angeschrieben habe, damit sie mir meine Kreditbearbeitungsgebühren von anno dazumals zurückerstatten. Und, obwohl in einem historischen Finanzloch festsitzend, habe ich mich darum nicht weiter gekümmert. Der Brief war ja raus, die Bestätigung der Sparkasse war auch schon da und ich hatte anderes zu tun. Zum Beispiel Pläne machen, wie verdammt nochmal wir die nächste Miete überwiesen werden.

Aber siehe da: Der Aktionismus zum Ende des letzten Jahres war nicht umsonst. Die Sparkasse hat tatsächlich sang- und klanglos die Gebühren nebst Zinsen erstattet. Ohne weitere Formulare oder Nachfragen und nach erster Überprüfung durchaus auch in korrekter Höhe.

Ich könnte jetzt der Verzögerung wegen rumranten oder allgemein unzufrieden sein – aber das ist schon eine gute Sache und weit besser als ich es erhofft hatte. Und das Plus auf dem Konto hat uns immerhin eine kleine Entlastung beschert. Ich hoffe, dass wir da keine Ausnahme waren.

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