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Wenn ich schon über Mode blogge …

… also im weitesten Sinne.

Drüben bei GNIT hab ich mich etwas amüsiert gezeigt über den engen Rock einer Fahrgästin, die kaum ins Auto gekommen ist wegen dem Teil – weil sie schlicht die Beine nicht soweit auseinander bekommen hat.

Aber ausgerechnet beim Schreiben ist mir eingefallen, dass ich das vom Prinzip her sehr gut kenne, tatsächlich hatte ich währenddessen beinahe sowas wie ein Phantomgefühl im Oberschenkelbereich.

Nun hab ich mich für Röcke nie so wirklich begeistern können, sondern hab meine Erfahrung eher der modischen Ausnahmeerscheinung der mittleren 90er zu verdanken – den tief getragenen Hosen. Einer der wenigen wirklich bescheuerten Trends, denen ich je gefolgt bin, wobei ich da durchaus gnädig mit mir selbst bin. Ich find’s von der Sache her albern, aber so war das halt und es hat mein ästhetisches Empfinden durchaus beeinflusst.

Für die, die zu jung waren – und alle mit anderen Peergroups damals: Es hat sich damals insbesondere unter Skatern der Trend entwickelt, die Baggypants nicht mehr da zu tragen, wo man Hosen gemeinhin trägt, sondern deutlich tiefer. Heute gibt es eine Menge Hosen, die den Schritt extra tief haben, um so etwas zu suggerieren, wir in den Anfangstagen haben uns die Hosen einfach tatsächlich nicht mehr über den Hintern gezogen, sondern sie darunter getragen.
Um das zu tun, brauchte man zum einen einen Gürtel, den man enger schnallen konnte und zum anderen natürlich vorzeigbare Unterwäsche, am besten Boxershorts. Denn obwohl man natürlich umso längere Oberbekleidung getragen hat … sagen wir es mal so: Man hat damals eine Menge über die Unterwäsche seiner Kumpels gewusst.

Wenn mir heute mal eine Hose rutscht, weil ich ein paar Kilo abgenommen hab, dann frage ich mich manchmal, wie ich das damals überhaupt hinbekommen hab – aber es ging. Man hat sich halt angewöhnt breitbeinig zu gehen, und das sieht auch nur halb so lächerlich aus, wenn für den Beobachter nicht ersichtlich ist, wo die Beine überhaupt anfangen.

Ich kann heute auch drüber grinsen, dass es Partyfotos gibt, auf denen man meine Unterwäsche sieht, ach Gottchen, zumal es mich wundern würde, wenn es die jemals bis ins Netz schaffen.

(Im Übrigen bin ich da sehr gelassen und höchstens neugierig, was irgendwelche alten Freunde mal auspacken, sollte sich irgendwann mal sowas wie Prominenz bei mir abzeichnen. Weiß man als Autor ja nie. Aber ich weiß, welche Klamotten ich getragen, welche Drogen ich genommen habe, mit wem ich Sex hatte und welche Fotos es theoretisch noch geben könnte. Und mit dem meisten könnte ich gut leben, heute noch. Kann also nicht alles falsch gewesen sein.)

Was mich an der Geschichte mit den tief getragenen Hosen aber immer fasziniert hat, war eben genau die auch bei GNIT anhand der Röcke thematisierte Bewegungseinschränkung. Für mich war das ein modischer Gag, doch ich war ja immer schon etwas phlegmatisch. Aber die entsprechenden Kumpels waren ja wirklich Skater – und da braucht man seine Beine ja eigentlich. Wie bei fast allem im Leben hab ich’s zudem auch bei der Geschichte nicht zu der Perfektion getrieben, die andere da erreicht haben. Ein damals nicht mit mir befreundeter Typ in der Schule hat die Hosen so tief getragen, bei dem müsste der Gürtel kurz oberhalb der Knie gewesen sein. Das verbot sich mir schon, weil ich bereits damals an Grenzen bei der Länge der Oberbekleidung gekommen bin. Und doch, auch der Typ war stets mit Skateboard unterwegs. Aber gut, es braucht auch Geheimnisse auf der Welt …

Ich denke nicht oft an die Zeit zurück. Außer wenn ich mir allzu beherzt die Hose hochziehe und mir empfindliche Körperteile kurz unsanft zusammendrücke. Diesbezüglich waren das damals nämlich auch Zeiten der Freiheit. Es gibt ja bei allem Vor- und Nachteile … 😀

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Wovor haben wir eigentlich Angst?

Die Saison beginnt wieder, jeden Tag aufs Neue machen sich afrikanische Flüchtlinge auf die mörderische Reise nach Europa. Sicher ein Kontinent, von dem ihnen zu viel gutes berichtet wurde, eine Reise, von der sie zu hohe Erwartungen haben. Und am Ende ist – selbst wenn sie die Reise überlebt haben sollten – nicht einmal das auch nicht ganz so goldene Leben in irgendwelchen Flüchtlingslagern ihr Problem, sondern meist die direkte Abschiebung oder die oftmals allumfassende Ablehnung der Einwohner dieser seltsamen Länder.

Und eines dieser seltsamen Länder ist das, das wir alle hier am besten kennen: Deutschland. Hier werden wieder jede Woche Flüchtlingsheime angezündet und es wird davor gewarnt, wie schlimm das doch alles ist mit diesen „Flüchtlingen“. Am Ende gar „Wirtschaftsflüchtlingen“. Was so dermaßen grotesk ist, dass einem dazu kaum was vernünftiges einfällt, weil es immer nur auf dieses billige „Wir gegen Die“-Ding rausläuft. Ist nicht parteiübergreifend inzwischen akzeptiert, dass Deutschland Zuwanderer braucht? Und eine Verjüngung? Selbst die Profikapitalisten der FDP wollen ja unbedingt weniger Einschränkungen, damit man hier besser Geld verdienen kann. Und dann kommen ein paar lächerliche tausend Leute, die nichts lieber tun würden, als endlich unter guten Bedingungen zu arbeiten – und wir schicken sie weg und verbieten ihnen das Arbeiten sogar noch, bevor sie abgeschoben werden. Kommen ganze Familien, wird gejammert, dass „die“ ja nur auf Kindergeld und Hartz4 geil wären, kommen junge Männer, wird gebrüllt, dass eigentlich arme Kriegsflüchtlingsfamilien versprochen wurden.

Selber den Arsch nicht hochkriegen, aber von den Ärmsten der Armen und den Verzweifeltsten der Verzweifelten fordern, dass sie gleichermaßen demütig wie tatendurstig, arm wie selbständig sind.

Und all das natürlich, weil „wir“ uns das nicht leisten könnten, oder – wenn man bereits ein paar Hemmungen weniger hat – weil die ja doch alle ziemlich dunkle Hautfarbe haben und im Dorf schon sehr auffallen würden. WTF, Deutschland?

Kleiner Einschub: Ja, ich schreibe das jetzt, weil es derzeit medial präsent ist, aber ich bin nicht so blöd, zu glauben, das wäre davor groß anders gewesen.

Ja, ich hab als denkender Mensch immer schon ein Problem mit Rassismus gehabt. Damit war ich lange Zeit keineswegs Verkünder einer Mehrheitsmeinung, und das obwohl ich nicht ’33 geboren wurde, sondern derzeit 33 Jahre alt bin. Den Grundgedanken zu entwickeln, dass es schon eine ganz coole Sache wäre, würden wir einfach alle Menschen als gleichberechtigte Menschen ansehen, war also nicht ganz so aufgezwungen und selbstverständlich, wie irgendwelche weinerlichen Schnullernazis heute behaupten, wenn sie mich als „Gutmenschen“ diffamieren.

Aber das Dumme an der Sache ist: Es läuft wirklich alles auf dieses „Wir gegen Die“ raus. Wäre es ok, dass nicht-weiße, nicht-deutsche Menschen einfach ein Teil unserer Gesellschaft sein könnten – könnten! – dann würden wir nicht nur Seerettungsboote zu entsenden, sondern auch ernsthaft versuchen, die Integration voranzutreiben. Ernsthaft!

Hier in Berlin vergesse auch ich bisweilen, wie wenig das mit den verschiedenen Kulturen teilweise verbreitet ist. So meinte eine Frau aus Sachsen neulich im Taxi zu mir, sie wäre in der U-Bahn „von so einem Zigeunerweib“ angebettelt worden, obwohl sie eigentlich dachte, „dass die im Fernsehen sich sowas nur ausgedacht hätten“. Tja, wie sollte ich mir Hoffnungen machen, dass diese – sonst eigentlich nette – Frau jemals kapiert, wie wichtig multikulturelles Leben außerhalb ihrer kleinen dörflichen Gemeinschaft in den letzten Jahrzehnten geworden ist?

Alle haben sie Angst, etwas „zu verlieren“. Da muss ich doch mal ehrlich fragen: WAS DENN?

Ist das Retten von tausenden von Leben nicht vielleicht wert, in der Bahn auch mal eine andere Sprache zu hören, die man nicht versteht? Ist es nicht ein beschissen vernachlässigbares Problem, beim Kindergeburtstag mal keinen Schweinebraten zu reichen, weil der beste Freund von Kevin-Florian nicht Max sondern Yussuf heißt?

Natürlich kosten Flüchtlinge, kostet Integration. Nicht nur Überwindung, sondern auch Geld. Das sollten auch wir Flüchtlingsunterstützer nicht kleinreden, das ist so. Punkt.

Ebenso einen Punkt können wir aber auch hinter die Aussage packen, dass wir „das“ nicht alles fernhalten können. Unser Wohlstand ist eng verknüpft mit vielen Ländern, aus denen heute Flüchtlinge zu uns kommen. Und natürlich können wir zwar einerseits billige Klamotten ankaufen, andererseits aber den Menschen verweigern, jemals unseren Lebensstandard zu erreichen. Aber dann sind wir halt Arschlöcher. Dann sind wir nicht besser als die absolutistischen Herrscher und Diktatoren, die wir hoffentlich auf Dauer in unsere Geschichtsbücher verbannt haben. Denn natürlich müssten wir unseren Wohlstand dann mit Waffengewalt verteidigen und uns in unser „Schloss“ Europa zurückziehen, während die Fremden von der Burgmauer aus erschossen werden. Und das ist leider keine weit hergeholte Metapher, die Menschen sterben an der EU-Grenze. Massenhaft. Stichwort: Festung Europa.

Ich schreibe das als Mitteleuropäer, Deutscher, Weißer. Beschäftigt in einem Niedriglohnjob, der dafür bekannt ist, dass Migranten ihn machen. Ich lebe je nach Monat dies- oder jenseits der Armutsgrenze, ich habe keinen Cent zu verschenken, wirklich nicht. Und auch mein Selbsterhaltungstrieb ist weitgehend intakt, ich werde mich auf Teufel komm raus dagegen wehren, unter die Räder zu kommen, ich will leben, und ich habe mich dabei an den Status quo gewöhnt, der mir immerhin mal ein Dach über dem Kopf, genug (überwiegend gutes) Essen, fließend Wasser, Strom, Internet etc. garantiert. Ich habe etwas zu verlieren.

Aber – und das möchte man Dorfsachsen mit begrenztem Blick über den Tellerrand zurufen – ich jammere hier auf hohem Niveau! Ich würde natürlich alles darum geben, mir diese Sicherheiten wenigstens zu erhalten.
Aber ich habe mich entschieden, kein egozentrisches Arschloch zu sein, das, nur weil es 2017 vielleicht 100 € mehr Steuern zahlen muss, einen Hass zu entwickeln auf Menschen, für die fließend sauberes Wasser bedeutet, dass sie nicht mit 40 sterben.

Ich bin in Deutschland geboren, lange nach dem letzten Krieg. Ich bin männlich, weiß, fett, arm und überlebe irgendwie. Ich erlaube es mir sogar, mit Blogs und Büchern irgendwie meinem persönlichen Traum nachzujagen. Und alles, was ich mir wünsche, ist folgendes:

Jede(r) auf der Welt sollte wenigstens dieses minimalste Glück erreichen können. Wenigstens einen Plattenbau in Marzahn, wenigstens alle paar Jahre mal eine schwarze Null auf dem Konto.

Wie kaputt muss man sein, Menschen noch viel weniger zu neiden? Wir reden hier von ein paar potenziellen Steuererhöhungen, nicht mehr.

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Heraus zum ersten Mai – im Taxi!

Manchmal gibt es so Entscheidungen, die man sich schwer macht.

Der erste Mai ist für mich jetzt 6 Jahre lang der einzige Feiertag gewesen, zu dem ich immer frei genommen habe. Alle anderen hab ich immer auf der Vielleicht-Liste gehabt. Ich bin schon an Weihnachten und Ostern gefahren, Silvester sowieso. Die meisten anderen Feiertage bemerke ich ohnehin immer erst zwei Tage vorher am Ladenöffnungszeitenschild am Kaiser’s. Aber am ersten Mai war Demo und abends vielleicht noch ein kleiner Umtrunk mit Freunden.

Ich hatte nicht vor das zu ändern, werde es dieses Jahr aber dennoch tun.

Zum einen ist da natürlich das mit dem Geld. Das ist rar gerade und der erste Mai ist zudem ein umsatzstarker Tag. Beides gute Argumente, aber keine, die mich in den letzten Jahren am Freimachen gehindert haben. Und irgendwie hätten wir uns die paar Bier in der Kneipe, die Falafel und die Taxifahrt nach Hause auch aus den Rippen leiern können, ich will jetzt ja auch nicht übertreiben.

Zum anderen ist da aber auch eine gewisse Unzufriedenheit mit der Linken in Berlin. Jetzt mal abgesehen von den wie bei allen Vereinen, Parteien und Bewegungen existenten Konflikten mit der eigenen politischen Überzeugung. Das letzte Jahr war voll mit linken Themen und bei keinem sieht es irgendwie gut aus. Der ganze Pegida- und Nazirotz, die fortlaufende Überwachungsaffaire und nicht zuletzt die Flüchtlingskatastrophen an der europäischen Grenze. Und ich weiß, dass das alle, die um 18 Uhr in Kreuzberg sein werden, interessiert und ich mit ihnen auf einer Wellenlänge liege, keine Frage.

Aber anstatt das zu thematisieren, wird auf die Straße gegangen wegen der Gentrifizierung.

Und um das klarzustellen: Die ist zweifelsohne ein riesiges Thema, gerade in Berlin. Das zu thematisieren ist großartig, und hey: selbst hier in Marzahn steigen die Mieten bereits heftig.

Trotzdem habe ich ein Problem mit dem Aufruf der radikalen Linken Berlin. Unter dem an sich wunderbaren Plakat mit der markigen Aufschrift „Wir sind ÜBERALL“ wird dann bemängelt, wie sozial schwache Gruppen „aus Kreuzberg, Friedrichshain, Neukölln verdrängt werden“, um daraufhin anzufügen:

„Jenseits der Innenstadtbezirke lebt man in den Plattenbausiedlungen von Hellersdorf, Marzahn, Köpenick, Neukölln-Britz ohne den Charme, den Berlin sich so gerne auf die Fahnen schreibt, in einem noch viel graueren Alltag, der nicht selten von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt ist.“

Und daran ändern wir bitte was genau, wenn wir Kreuzberg, Friedrichshain und Neukölln vor Luxusappartements beschützen?

Natürlich hab ich mir meine Bude in Marzahn auch aus Geldgründen gesucht, aber es würde mir ehrlich gesagt nach den Nazieskapaden der letzten Monate wesentlich besser gefallen, wenn einige Linke nach Marzahn ziehen würden, als dem Wunsch hinterherzuhecheln, für mich in Kreuzberg eine Wohnung zu finden. Wie kann man unter dem Motto „Wir sind überall“ auf die Straße gehen, um dort dann zu jammern, dass man seine Altbauwohnung in einem In-Bezirk nicht verlieren will?

Aber klar, dass in Marzahn die Welt nicht heil ist, liegt daran, dass hier die Fassaden ein paar Stockwerke höher sind, nicht etwa daran, dass selbst der radikalen Linken nichts besseres einfällt als das Wohnen in einem Außenbezirk gleich mal zu stigmatisieren und alles außerhalb des Einzugbereichs des eigenen Spätis vorsichtshalber aufzugeben, weil man dorthin ja 8 Stationen mit der S-Bahn fahren müsste. 16 Minuten Fahrtzeit ab Warschauer Straße, also bitte, wo leben DIE denn?
Und ratet mal, wer bei den Naziaufmärschen in Marzahn nicht sicher nach Hause kommt! Richtig, ich in Marzahn – weil die An- und Abreise natürlich aufs Ostkreuz optimiert wird.

Sorry, liebe Berliner Linke, ich bin in meinem Leben schon mehrere hundert Kilometer gefahren, nur um kleine Naziaufmärsche zu verhindern und ich hab auch oft genug gegen Gentrifizierung demonstriert – aber ich werde mich jetzt nicht auf den Weg in eure kleine Welt machen, um mir blödsinnige Vorurteile über mein Leben anzuhören, bloß weil ich nicht in Eure Nachbarschaft gezogen bin. Grüßt Eure Stuckverzierungen von mir, wenn Ihr an Eurem Fenster vorbeilauft!

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Stürmische Gedanken

Nun also Niklas. Der Sturm scheint ganz schön was angerichtet zu haben, aber so langsam fühle ich mich diesbezüglich irgendwie alt. Ich hab Niklas im besten Sinne ignoriert, so umfassend, wie es mir möglich ist. Und, mal ganz ehrlich: Diesbezüglich hatte ich alle erdenklichen Möglichkeiten: Ich musste nicht arbeiten und wohne in einem mehr als nur stabilen Haus, das zudem außerhalb meines Verantwortungsbereiches liegt; so lässt’s sich leben. Wenn Stürme nur bedeuten, dass man beim Lüften aufpassen muss …

Das ist verdammt viel Glück, muss man echt mal sagen. Und ich denke, es ist gut, sich das auch mal vor Augen zu halten. Nicht um sich selbst zu kasteien, sondern einfach mal, um die Perspektive geradezurücken. Ich hätte gerade genug Grund, um beispielsweise über meine finanzielle Lage zu jammern, aber ich kann so einen bescheuerten Sturm einfach ignorieren, weil er mich nicht betrifft. Wow!

Aber wenn ich sage, ich fühle mich bezüglich Stürmen alt, dann hat das natürlich auch mit der Vergangenheit zu tun.

Anfang 2007 hatten wir Kyrill, eine Art Jahrhundertsturm. Der hat mich insofern betroffen als dass er damals einen Schaden an einem Firmenwagen angerichtet hat und das eine äußerst heikle Sache war, weil ich den Wagen damals „nur so mittel legal“ für eine private Fahrt genutzt habe. Die kleinen Sünden der Vergangenheit …

Aber ich bin jetzt 33, ich hab sogar Lothar noch miterlebt – und das auch noch in Süddeutschland, wo es ziemlich heftig war. Am meisten erinnere ich mich daran, wie damals das Wasser auf der Straße in Stuttgart so hoch stand, dass es in den Bus reingeschwappt ist, mit dem ich damals von meiner Oma nach Hause gefahren bin. Weit ironischer aber war das, was meinem Vater passierte. Der war mit seiner Freundin auf Verwandschaftsbesuch im Elsass. In einem kleinen Dorf, weit abseits von allem, was gemeinhin Zivilisation genannt wird. Weites Land, wenig Gefahrenpotenzial. Aber ausgerechnet der einzige Baum auf dem Grundstück gehörte zu den mehreren Millionen Bäumen, die der Wind umgerissen hat. Und er traf beim Umfallen das Auto, das mich knappe 6 Jahre später das allererste Mal nach Berlin bringen sollte.

Vielleicht sollte man Stürme doch nicht unterschätzen …

PS: Ich weiß, dass auch durch Niklas Menschen gestorben sind. Und die konnten vermutlich nichts dafür und ich beabsichtige wirklich nicht, das irgendwie zu verhöhnen. Ich schildere nur meine eigenen Erfahrungen, die natürlich ganz andere sind als die der Betroffenen. Ich hoffe, niemand hat sich dadurch verletzt gefühlt.

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Dieses kapitalistische Gruseln

Ich befinde mich in einer äußerst dummen Position:

Ich habe wenig Geld, bin aber alt genug, mir über den Wert von Dingen bewusst zu sein.

Denn das führt tendenziell dazu, dass ich Dinge kaufe, die ich mir nicht leisten kann. Oder ist es vielleicht noch schlimmer, wenn man stattdessen Dinge kauft, bei denen man weiß, dass sie furchtbar sein müssen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber einen gewissen Gruselfaktor haben beide Möglichkeiten.

Wir alle wissen, dass Klamotten für 2,99 € vermutlich von Kindern genäht werden. Oder dass Lasagne für 1,50 € auch mal Einhuferfleisch enthält. Wir verdrängen das halt gerne, und vieles davon ist auch einfach so alltäglich, dass man jedes Gefühl verloren hat, was vielleicht unter irgendwie noch akzeptablen Bedingungen hergestellt worden sein könnte.

Und dann war ich gestern Abend zu einem Termin in einem Restaurant. Mal kein Presseinterview, ich musste also selbst zahlen. Dass es günstig werden würde, war vorher abgeklärt und ich war aus eingangs genannten Geldgründen auch dankbar darüber. Als ich dann die Karte gelesen hab, hab ich mich aber sehr aktiv darum bemühen müssen, meine Bedenken runterzuschlucken.

Das Restaurant (ich nenne jetzt keine Namen) war ein Italiener, es gab also auch Pizza. Kein sonderlich teures Essen, schon klar. Auch Meeresfrüchtepizza gab es, mein All-Time-Favorit. Ich bemühe mich ja, halbwegs wenig Fleisch zu essen; aber das eine Mal auswärts pro Quartal enge ich mir nicht irgendwie ein, da nehme ich alles, worauf ich Lust habe. Und Meeresfrüchte … es ist einfach sowas wie Liebe. Für gewöhnlich vergleichsweise teure Liebe. Ich bestelle in den seltenen Runden im Restaurant oder beim Pizzaservice immer das teuerste Essen. Da es dabei in der Regel auch nur um ein paar Euro geht, ist das nicht schlimm, aber eben auffällig. Gestern Abend dann suchte ich fast schon zielstrebig nach der „Frutti di Mare“ und fand sie neben einem Preis, der mir surreal erschien: Vier Euro.

Und das war kein Tippfehler. Die anderen Pizzen kosteten teilweise unter drei Euro.

Ich hab’s ausprobiert und erschreckenderweise auch tatsächlich eine Meeresfrüchte-Pizza bekommen.

Natürlich reden wir hier so oder so nicht von Sterne-Küche oder auch nur gehobenem Niveau. Natürlich war die Pizza auch nicht sonderlich groß. Aber es war eine Pizza mit Meeresfrüchten. Zu einem Preis, zu dem man sonst allenfalls eine von Großkonzernen zigtausendfach produzierte Meeresfrüchte-Pizza im Supermarkt bekommt – ungebacken, nicht serviert, ohne Raumkosten, ohne … WTF?

Ich meine: Das kann doch nicht aufgehen, selbst wenn sie billige Tiefkühlpizzen verwenden!

Ehrlich gesagt bin ich einfach nur schockiert. Aus dem selben Grund, aus dem ich als Taxifahrer über UberPop schockiert bin.

Ich weiß in dem Fall nicht, ob ich einfach nur schön dekorierte Scheiße gefressen hab oder ob der Kellner ein Sklave für einen Euro Stundenlohn war, aber ich weiß, dass ich mit der Sache irgendwas unterstützt habe, was ich nicht unterstützen will. Obwohl ich mich gerne einfach freuen würde, dass ich gut und günstig gegessen habe. Das ist das, was dieses „Nachdenken“ so furchtbar anstrengend macht.

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Die erste schlechte Rezension

Heute kam sie dann. Die erste schlechte Rezension zu meinem Buch bei Amazon. Die vierte Rezension dort und die vielleicht fünfzehnte all in all, wenn man die Presseberichte mitzählt. Es ist sicher ein schwieriger Balanceakt, darüber jetzt zu bloggen, weil es vielleicht den Eindruck vermittelt, ich messe einer für mich unschönen Meldung so viel Bedeutung bei. Das tue ich gar nicht – deswegen der Post auch hier im privaten und nicht im großen Blog drüben – aber dieses „Wie gehst Du mit Kritik um?“ ist ja immer schon eine interessante Frage an Menschen gewesen, die irgendwie in der Öffentlichkeit stehen und mit Kritik konfrontiert werden, das interessiert halt. Heute vielleicht nicht mehr ganz so viel, weil jeder mit einem Facebook-Account mal angepöbelt wird – aber für Journalisten ist das immer noch eine Top-Frage. Beziehungsweise Fragen, denn eigentlich sind es zwei Aspekte:

1. Interessiert mich das?

2. Was sage ich zu den „Vorwürfen“?

Letzteres ist natürlich nur interessant, wenn tatsächlich irgendwas substanzielles gesagt wird. Und da hab ich Glück, denn „XUnscarredX“ war so gesehen recht fair. Er fand das Buch halt langweilig, hatte sich mehr erhofft und entschuldigte sich abschließend sogar bei mir persönlich. Dafür kann man sich doch fast schon bedanken. Und seinen Seitenhieb, ihm würde sogar jetzt bei der Rezension langweilig, fand ich eigentlich sogar ganz amüsant. 😉

Interessiert mich das?

Ja. Im positiven wie im negativen Sinne. Im negativen Sinn kann ich Kritik nicht gut ausblenden. Nicht dass mir jeder Troll auf die Füße treten kann mit hirnlosem Gesabbel – aber Kritik in ihrer ehrlichen Form interessiert mich einfach. Ich bin’s als Blogger gewohnt, direktes Feedback zu bekommen und das bekomme ich eben auch von Leuten, die nicht meiner Meinung sind. Und andere Meinungen – da kommt der positive Teil – können ja auch dabei helfen, tatsächliche Fehler zu erkennen. Natürlich wünschte ich mir nur Positives, aber ich lebe nicht im Teletubbieland. Kein Buch auf der Welt gefällt allen und was bedeutet ein Stern schon bei jemandem, der nur einen oder fünfe vergibt?

Was sage ich dazu?

Kurz gesagt: Dumm gelaufen, aber da kann ich jetzt auch nix machen …

Tatsächlich ist die große Frage, ob die Geschichten, die ich erzähle, nicht eigentlich zu langweilig sind, immer wieder mal zu Gast in meinem Kopf. Ich erzähle halt „nur“ Alltagsgeschichten. Ich könnte mir bessere ausdenken, aber das hab ich in dem Buch halt nicht getan. Vor Jahren hab ich im Radio schon gesagt, dass sich Taxigeschichten in aller Regel darauf beschränken, was Fahrgäste tun oder sagen. Natürlich kann man sich da jetzt mehr Sex, mehr Crime oder mehr Promis vorstellen, aber in meiner Welt ist ein junger Mann, der seinen Penis mit Godzilla vergleicht, eigentlich immer für einen Lacher gut gewesen. Aber klar, für manche Menschen sind reine Erzählungen z.B. per se langweilig, die hätten lieber mehr Action. Und mit „Taxi Taxi“ hält die Berliner Nachtschicht dann halt vielleicht doch nicht ganz mit. So gesehen: Sorry, lieber XUnscarredX …

Kleiner Nachtrag:

Um genau sowas zu vermeiden, versuche ich immer irgendwie zu relativieren. Nicht, weil ich allen gefallen will, sondern weil ich nicht möchte, dass die Leute sich von einer Überschrift falsche Versprechungen machen. Natürlich sind Klappentexte wie Filmtrailer immer ein Best-of und natürlich berichten die Zeitungen lieber über Sex und Drogen als über Hans Baecker. In der Werbung den Spagat zu finden zwischen „Nicht alle erreichen, die es gut finden könnten“ und „Mehr Leute erreichen als es eigentlich interessiert“ ist nicht einfach. Und ich als Autor bin da eh nur eines der Rädchen im System. Ich sage auch immer allen Journalisten, dass ich die Fahrten besonders zu schätzen weiß, bei denen ich am Ende einfach irgendwie helfen konnte. Sucht den Satz mal in den Interviews …

Aber mal zurück zum Thema. Wenn ich eines offenbar ganz gut hinbekommen habe in den letzten Jahren, dann mit Kritik für mich selbst umzugehen. Das ist nicht automatisch passiert, das war wie so oft ein langer Prozess, auch einer mit vielen Diskussionen übrigens. Gerade weil man ja auch immer zwischen Trollen und ernsthafter Kritik unterscheiden muss. XUnscarredX werte ich nicht als Troll und wenn ich was aus seiner Rezension mitnehme, dann, dass es nicht falsch ist, sich Gedanken darüber zu machen, wen man wie erreicht, um Enttäuschungen zu vermeiden. Andererseits werde ich vermutlich trotzdem auch weiterhin Interviews freigeben, die mir stilistisch vielleicht nicht ganz gefallen, weil ich hoffe, damit deutlich mehr neue interessierte Leser zu gewinnen als fehlgeleitete zu enttäuschen. Es ist halt nicht alles ganz so einfach.

Und am Ende dann trotzdem noch ein kleiner Rant:

Wie „und kommt dabei nicht mal sympathisch rüber“? Sympathisch kostet mindestens zwei Euro extra! 😉

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Rezensionen und so …

Letzte Woche war ich bei PotsdamTV, um im Studio ein wenig über mein Buch zu plaudern. Das war auch alles ganz nett und ich bin dabei immerhin das erste Mal in nüchternem Zustand geschminkt worden. Was mit den Aufnahmen passiert ist, weiß ich derzeit nicht. Sie sollten ausgestrahlt worden sein, aber ich kann mit meiner 2Mbit-Bandbreite leider keine Videos von PotsdamTV anschauen …

Bei Youtube hab ich dann immerhin eine Rezension von ihnen gefunden:

Ich weiß, ich weiß … 😉

Aber ich möchte mich ehrlich bedanken. Die Leute waren alle nett und selbst falls mein sicherlich von genialen Verhasplern nur so strotzendes Interview verschollen sein sollte, war PotsdamTV immerhin ein guter Probelauf für meine Wenigkeit im Fernsehen. Und der war nötig, denn während ich dort im Flur stand, habe ich bereits mit Sat1 telefoniert. Aber dazu später mehr …

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