Category Archives: Vermischtes

Lett‘ it be

Er sah mich verstohlen an, deutete auf meine Feierabendkippe und fragte:

„Cigarette?“

Ich hab ihm eine gegeben. Er war ein Typ um die 50, in kurzen Hosen und Sandalen bei 11°C mit einem leicht verwaschenen „We will rock you!“-Aufdruck vor der Silhouette von Freddie Mercury auf dem T-Shirt. Ich hätte ihn längst vergessen, wie er mir da am Bahnhof Schöneweide als nur einer von vielen Leuten über den Weg gestolpert ist. Ich erinnere mich aber, weil er fünf Minuten später neben mir stand, offensichtlich umgekehrt von seinem Fußmarsch in Richtung Adlershof.

Dieses Mal faltete er schwankend einen S- und U-Bahn-Plan von Berlin aus, deutete auf den S-Bahnhof Landsberger Allee und fragte mich etwas in einer Sprache, die ich nicht verstand. Gut, es war offensichtlich, dass er da hin wollte, aber betrunken wie er war, quasselte er mich fortwährend zu, bis er stolz mit beiden Daumen auf sich zeigte und sagte: „Lettland!“

Von Schöneweide fährt eine S-Bahn zur Landsberger Allee, allerdings nicht montagmorgens um 3 Uhr. Da ist Ost-Berlin eben mal mehr Osten als Berlin. Also hab ich mir gedacht: Bevor der Typ jetzt doch noch in die falsche Richtung wandert, verklickerste ihm den Weg mit der Straßenbahn. Die M17, dann die M6 – so schwer isses ja nicht – zumal es meine Bahnen waren und zumindest auch die Umsteigehaltestelle dieselbe sein würde. Das konnte ich ihm zuvor schlecht erklären, da die Straßenbahnen ja auf den S- und U-Bahn-Karten nicht abgebildet sind …

Als ich ihm in der M17 den Plan zeigte, winkte er ab und tat so, als hätte er alles verstanden:

„Rhinstraße. Jaja. Rhinstraße!“

Also hat er sich hingesetzt und ist eingeschlafen. Und natürlich ist er nicht wieder aufgewacht. Also hab ich ihn ernsthaft wachrütteln müssen, als es ans Umsteigen ging. Was man halt so macht für Fremde, die einen um eine Zigarette anschnorren. Die anderen Fahrgäste in der Bahn haben mich schon komisch angeschaut, so heftig musste ich den Kerl durchschütteln.

Als er dann etwas verplant mit mir ins Freie getapst ist, hab ich ihm nochmal eine Kippe angeboten und versucht, ihm zu erklären, dass er jetzt die M6 von diesem Bahnsteig nehmen müsse und dann in 10 Minuten am Ziel sei. Er lächelte, deutete mit einem Arm die Rhinstraße Richtung Süden – wo wir herkamen – und fragte:

„Sechs?“

„Ja, sechs, M6!“,

meinte ich und wies ihn auf den Bahnsteig, sowie seine eigentliche Fahrtrichtung gen Westen hin. Er aber widersprach mir, deutete weiter Richtung Süden und machte mir mit Händen, Füßen und vereinzelten Wortfetzen „verständlich“, dass sein Ziel nur ein paar hundert Meter in diese Richtung läge. Und dann ist er davongewankt.

Vielleicht musste er nicht zum S-Bahnhof. Vielleicht war er nicht einmal Lette. Ich hab nicht den Hauch einer Ahnung. Ich hoffe jetzt, wo ich in meiner warmen Wohnung am PC sitze, einfach mal, dass er noch angekommen ist, wo er hinwollte. Sonderlich sicher bin ich mir dabei aber nicht …

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Kleine Ironie des Schicksals

Das Magazin meiner Hausbank möchte offenbar gerne ein Interview mit mir zu meinem Buch führen. Das Magazin jener Bank also, die die Einnahmen aus meinen Buchverkäufen nicht als Einkommen anrechnen kann, und mir deswegen eine eigentlich sinnige Umschuldung von Dispo- auf Privatkredit verweigert.

Ich bin ja mal gespannt, ob gedruckt wird, was ich sage, falls wir tatsächlich aufs Thema Finanzen (bei einem Bank-Magazin …) zu sprechen kommen sollten …

😉

PS: Das Interview ist inzwischen Geschichte. Über Finanzen haben wir nicht geredet. Leider. 🙂

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Die Bundesjugendspieldebatte

Unglaublich, welchen Furor die Petition und der Blogeintrag von „Mama arbeitet“ alias Christine Finke gerade auslösen. Sie fordert als Mutter die Abschaffung der Bundesjugendspiele, weil sie unnötig demütigend und pädagogisch überholt seien. Neben viel Unterstützung bekommt Finke auch eine Menge Anfeindungen zu hören. Das ist erst einmal nicht so schlimm, schließlich kann man bei jedem Thema unterschiedlicher Meinung sein. Auf der anderen Seite sieht man dann doch recht deutlich, wie unterschiedlich die Argumente verteilt sind. Finke gegenüber werden viele pauschale Vorwürfe gemacht und nicht zuletzt wird sie auch persönlich angegriffen – während sie einfach nur die Negativaspekte der Bundesjugendspiele aufzählt und sie dadurch in Frage stellt. Und das ist doch erst einmal für sich ein wertvoller Diskussionsbeitrag.

Außerdem sehe ich sie durchaus im Recht. Es geht ihr ja auch ganz ausdrücklich nicht darum, dass Kinder keinen Sport machen sollen oder nicht auch mal verlieren lernen sollten. Und niemand hat gesagt, dass man Matheklausuren dann auch abschaffen sollte, weil Kinder dabei unterschiedlich abschneiden. Ebenso sind sportliche Wettkämpfe was tolles, um sich auszuprobieren, seine Fähigkeiten zu testen, etc. pp. Kann man alles machen, will niemand verbieten, ganz egal, was einem die eigenen Beißreflexe da einreden wollen.

Ich weiß recht wenig über die Bundesjugendspiele heute und meine Schulzeit liegt nun ja auch schon ein Weilchen zurück. Bei uns jedenfalls war es ungefähr so unsinnig wie möglich: Man musste in drei Disziplinen antreten: Rennen, Springen, Werfen. Fertig. Das wurde davor nicht gesondert trainiert, mit etwas Glück haben die Lehrer irgendwann in den letzten Wochen davor wirklich mal einen Tipp gegeben, wie man beim Weitsprung besser wird. Aber von der Sache her war das Glückspiel und Verlassen auf die körperliche Kondition. Ich hab während der ganzen Schulzeit z.B. nie die Chance bekommen, herauszufinden, wie viel Anlauf ich beim Weitsprung nehmen sollte. Da war ja eine Linie …

Nun ist es so: Mit schlechten Noten kenne ich mich aus. Hatte ich in allen Fächern schon. Ich hab jahrelange Erfahrung als Klassenschlechtester in Mathe und war zeitweilig sogar mit einem Lehrer gesegnet, der das gerne mal zynisch kommentiert hat. Aber die Bundesjugendspiele sind ein Spezialfall gewesen. Denn zum einen konnte ich mir selbst bei einer Matheklausur immer noch die Hoffnung machen, irgendwie auf die Lösung zu kommen. Und wenn nicht: Während des größten Stresses, der Klausur selbst, merkte das keiner.
Beim 100-Meter-Lauf hat jeder gesehen, wie langsam ich war. Nicht mal nur meine Klasse, auch der Deutschlehrer am Maßband beim Weitsprung, die Kumpels aus der Parallelklasse und nicht zuletzt die Süße aus der Elften, in die ich heimlich verknallt war. Zudem wusste ich das vorher. Ich musste extra zu einem Sportplatz am anderen Ende der Stadt fahren, obwohl mir vorher klar war, dass es nix bringt. Beim Laufen und Springen würde ich letzter bis vorletzter werden, und durch etwas mehr Kraft beim Werfen werde ich am Ende noch zwei andere hinter mir lassen. Das war in der vierten Klasse so und hat sich bis zur elften nicht geändert.

Das Ganze hat mir nix gebracht, wirklich. Obwohl ich bei aller Unsportlichkeit den Sportunterricht im Wesentlichen gemocht habe. Ich mochte Leichtathletik und Geräteturnen nicht, ok. Aber ich war ein guter Gewinner oder Verlierer bei Teamsportarten. Wo war da das pompöse Gedöns mit Unterschrift vom Bundespräsidenten? Und das Pendant dazu ist nicht eine Matheklausur, nein, wirklich nicht! Das Pendant ist ein Kurzgeschichten-Wettbewerb, verpflichtend für alle – inklusive Vorlesen der Geschichten in der Schulaula oder vielleicht auf dem Hof, eventuell sogar mit der Nachbarschule zusammen. Das dürfen sich die, die sich jetzt aufregen, weil sie Urkunden bei den Bundesjugendspielen gekriegt haben, mal überlegen.

Ich will ehrlich sein: Mich hat das nicht umgebracht. Ich hatte sogar vergleichsweise wenig Angst vor dem Event, weil ich wirklich sehr nette Klassenkameraden hatte und teilweise selbst unter den richtig guten Sportlern Unterstützung fand. Ein guter Freund, 4 Klassen schneller als ich, ist sogar mal freiwillig mir mir mitgelaufen, um mich zu motivieren und anzuspornen.

Trotzdem war das rückblickend einfach nur dumm und unsinnig demütigend.

Und etlichen ist es noch schlimmer ergangen. Siehe Christine Finke, der damals sogar unsinnigerweise vermittelt wurde, sie sei unsportlich.

Vielleicht hätte ich ja auch mehr Sport gemacht ohne solche Erfahrungen. Ich will das nicht behaupten, aber die Theorie drängt sich irgendwie auf.

Ebenso drängt sich abschließend die Frage auf: Sind die Positiverfahrungen der sportlicheren Kinder ebenso umfangreich, so bestimmend für ihre Schulzeit, so erinnerungswürdig? Ich habe meine Zweifel.

Dementsprechend hab ich die Petition einfach mal mitgezeichnet. Muss natürlich nicht jeder so halten wie ich – aber persönliche Anfeindungen der Petitionserstellerin sind ungeachtet dessen einfach mal nur völlig daneben!

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„Wir würden uns freuen“

Ich wurde mal wieder gefragt, ob ich nicht heute Abend schon mit meinem Taxi an Filmaufnahmen mitwirken will. Einfach so. Mehr Infos habe ich im Grunde nicht bekommen. Ich habe geantwortet, dass es leider nicht geht, dass ich einfach ein Auto meines Chefs nehme und damit mal eben einen auf Schauspieler mache. Mir wurde folgende Antwort zuteil:

„Hallo Sascha,
wir haben mit anderen Taxifahrern gefilmt und keinem haben wir gesagt 
dass sie kostenfrei für uns fahren. […]“

Daraufhin habe ich nun folgendes geschrieben:

„Hallo XY,

inzwischen hat sich das Thema wohl erledigt und ich hoffe, Ihr habt einen Kollegen gefunden, der Euch helfen konnte. Das würde mich sehr freuen.
Ich möchte nur nochmal kurz einen Hinweis geben, warum ich der Mail keine Priorität eingeräumt habe:
Ich mache als Blogger „was mit Medien“ wie Ihr. Und auf der anderen Seite arbeite ich als angestellter Taxifahrer. Da ich über meine Arbeit schreibe, werde ich oft gefunden, wenn Leute aus welchem Grund auch immer nach Taxifahrern suchen. Das ist ok, das mag ich auch. Erschreckenderweise hab ich bisher aber von fast allen Medienschaffenden eines mitbekommen: Sie versuchen, was sie auch kriegen können, irgendwie umsonst rauszuschlagen – obwohl allen klar sein dürfte, dass Dienstleistungen ihren Preis haben.
Versteh das bitte nicht falsch, ich weiß, dass Ihr ebenso wie ich aufs Geld schauen müsst. Und das ist ok. Aber vom kleinen Regionalradio bis zu Sendungen mit Joko fragen mich Leute einfach mal an, ob ich nicht mitmachen will. Aber wirklich niemand sagt wenigstens mal „die Auslagen übernehmen wir“. Es geht nicht drum, dass ich erwarte, dass ich durch ein paar Fernsehauftritte reich werde, ich bin nicht bescheuert, ich weiß, dass das ein hartes Business ist. Aber JEDES EINZELNE MAL hab ich nachfragen müssen, ob ich wenigstens die Unkosten gedeckt bekomme. Und nicht selten (Ja, auch bei einem Herrn Joko Winterscheidt im Auto) wurde mir gesagt, dass „dafür“ „leider kein Budget“ eingeplant ist. Und deswegen bin ich skeptisch und manchmal vielleicht ein wenig gemeiner als ich es eigentlich sein will.
Ich kenne beide Seiten: Ich publiziere und ich gehe als Angestellter einer Arbeit nach. Und ich hab das Gefühl, dass im erstgenannten Bereich keiner sich auch nur die Mühe macht zu überlegen, was zweiteres vielleicht für die Beteiligten bedeuten könnte: Wir arbeiten nicht, um zufällig mal als Statisten entdeckt zu werden, sondern um unseren Lebensunterhalt zu verdienen.
Egal, ob wir unsere Arbeit für Spätheimkehrer oder Filmemacher leisten.
Gerade der Taxitarif ist öffentlich einsehbar und berechenbar. Wenn die teilnehmenden Fahrer bezahlt werden, warum wird das nicht kommuniziert? Immer wenn Kreative mich anfragen, muss ich als Bittsteller auftreten und meinen eigentlich wohlverdienten Lohn erbetteln. Und das ist unglaublich stressig!
Fragt Ihr auch Eure Kameramänner einfach nur an, ob sie Lust auf das Projekt hätten? So ganz ohne Hinweis auf Entlohnung oder wenigstens Spesenübernahme?
Ich mag naiv sein, aber ich schätze: Nein.
Ganz ehrlich: Ändert das! Ändert dieses Kommunikationsverhalten!
Ich hab schon bei einigen Projekten mitgemacht, obwohl klar war, dass die Entlohnung gering oder quasi inexistent sein würde. Das ist ok; ich weiß, dass ich nicht als einziger aufs Geld schauen muss.
Aber egal ob als Blogger oder Taxifahrer – ich werde jeden Tag gefragt, was ich nicht alles machen würde. Umsonst, vielleicht umsonst, vielleicht gegen eine Aufwandsentschädigung, vielleicht für ein paar Euro, vielleicht für ein gutes Honorar. Aber nie wird das kommuniziert. Deswegen ignoriere ich solche Anfragen inzwischen eigentlich immer. Und eigentlich finde ich das selber schade, weil ich mich der Kunst und der Kultur nicht weniger verbunden fühle als meinem Geldbeutel. Ich mag’s nur nicht, wenn man mich verarschen will.

Wie gesagt: Ich hoffe, es haben sich interessierte Kollegen gefunden. Ich wünsche auch ganz ehrlich viel Glück mit dem Filmprojekt! Aber diese Gedanken musste ich einfach noch loswerden.“

Ich bin doch kein Depp, der 10.000 € dafür haben will, dass er einmal in eine Kamera grinst. Aber wie oft ich schon dieses „Komm einfach kurz mit deinem Taxi vorbei …“ gehört oder gelesen habe …

Im Übrigen trifft das auch auf Stellenanzeigen zu. „Lohn nach Vereinbarung“ … ja nee, is‘ klar!

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Blumen

„Blumen? Blumen sind bunt und sterben schnell. Damit wären sie hinreichend erklärt.“

– Ozie.

Wir sind wohl beide keine sonderlich überzeugten Blumenfreunde hier. Wobei ich anmerken möchte, dass ich Blumen deswegen nicht irgendwie schlimm finde – aber so unachtsam, wie ich meine gewohnte Umgebung betrachte, fallen mir Blumen im Haushalt meist erst nach dem Verwelken auf, was ihren Daseinszweck irgendwie einschränkt.

Nun aber hatte ich von einer Taxikundin eine schöne und reich dekorierte Schnittblume geschenkt bekommen. Irgendwas rosenartiges in rot und gelb. Ich sollte sie „meiner Freundin oder Frau“ schenken. Die Kundin selbst gab zu, sie im Laufe des Abends auch geschenkt bekommen zu haben („Ja, ich weiß, weiterverschenken … sowas macht man eigentlich nicht.“), nun aber wollte sie noch in eine weitere Kneipe, und da störe sie das Gestrüpp nur.

Ich tat wie mir geheißen, woraufhin sich das Gespräch entspann, aus dem obiges Zitat stammt. Noch viel wichtiger aber als dieses Zitat war ein dazugehöriger Gedanke von Ozie, den ich mal als Empfehlung weiterreichen möchte:

Schnittblumen sind kurzlebig in ihrer Schönheit und die Freude über sie ist im Normalfall zumindest begrenzt. Sind halt Blumen und keine Haushaltsroboter. Insofern ist es doch eigentlich eine tolle Idee, eine Blume während ihrer kurzen Restlebensdauer unter möglichst vielen Menschen hin- und herzureichen. So als Kettengeschenkblume oder so. Man könnte zumindest mal drüber nachdenken.

Vorzeitiges PS: Falls dieser Blogeintrag für das Aussterben des Floristenhandwerks gesorgt haben wird, werde ich mich rechtzeitig entschuldigt gehabt haben – versprochen!

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Wir müssen reden. Über Hochzeiten.

Noch gar nicht so lange her ist der 15.5.15, ein Tag, so bedeutend, dass wieder einmal im Radio erzählt wurde, dass das ein beliebter Hochzeitstermin wäre – schon alleine, weil selbst der bekloppteste Ehemann der Welt sich so ein Datum merken könne. So für sich gesehen mag das seine Richtigkeit haben, aber wie so oft ist die Realität komplizierter. MERKEN kann man sich einen solchen Tag sicher gut. Wenn es also darum geht, beim gemeinsamen Sektempfang nicht ins Stammeln zu geraten, dann … na, meinetwegen: Heiratet an solch Tagen mit Schnapszahlen! Aber lasst Euch gesagt sein, dass es noch besser geht.

Ich stand ja mit Ozie vor genau diesem Problem: Einer der Tage, der uns prima in den Kram gepasst hätte, war der 11.11.2011. Ja genau, sowas werden alle, die das lesen, nicht noch einmal erleben. Was für eine Chance!

Nein. Nicht.

OK, um mal ehrlich zu sein: Natürlich war es anfänglich Trotz: Wie jedes Pärchen wollten wir unbedingt anders sein, es nicht so billig handhaben, den 11.11.11 einfach verstreichen lassen. Wir waren eindeutig zu cool für „sowas“. Pah!

Inzwischen sind wir mehr als 3 Jahre verheiratet. Natürlich kein Rekord, aber um Rekorde sollte es da sowieso nicht gehen. Ich möchte dennoch mal klarstellen, dass neben der Entscheidung, eine wunderbare Frau zu heiraten der mindestens zweitbeste Plan war, es nicht am 11.11.11 zu tun, sondern am 18.11.11.

Ja, das ist scheiße zu merken! Bei besagten Sektempfängen kann ich also schonmal nicht punkten. Aber …
Aber?
Ja, ABER:

Der erste geile Punkt ist, dass man sich das Datum vielleicht nicht merken kann, es aber für das Wesentliche der ganzen Geschichte – der Beziehung, die nun eine Ehe ist – viel mehr hilft, an den Tag erinnert zu werden, wenn es soweit ist. Der 11.11. ist Karnevalsbeginn, der 12.11. mein Geburtstag, den Tag kriege ich auf jeden Fall mit. Und mit einer Woche Vorwarnzeit vor dem eigenen Hochzeitstag werde ich nie Amazon-Prime-Kunde werden müssen – während all die, die am 11.11. geheiratet haben, der Grund sind, warum es 24h-Blumenläden gibt. 😉

Der zweite geile Punkt ist dann, das quasi niemand eine Woche nach so einem Welttermin heiraten würde!
Meine Hochzeit hat das nicht erforderlich gemacht, aber ich wette, dass Festsäle, Kutschen, Pferde, Torten und all das eine Woche nach einem „Tag der Tage“ für einen Appel und ein Ei zu haben sind. Man nimmt also die wesentlichen terminlichen Vorteile mit, heiratet aber quasi in der Nebensaison. Wie geil ist das denn bitte?

Ich meine das ernst: Natürlich sind gut merkbare Tage hilfreich – aber wer das voll ausnutzen will, heiratet eben genau dann NICHT, sondern ein bisschen später.

PS: Abgesehen davon sollte man seinen Hochzeitstermin natürlich ohnehin nicht nach dem Kalender auswählen, sondern aufgrund besserer Argumente. Dem Rentenplan oder bevorstehender Strafprozesse etwa, bei denen man gegeneinander aussagen müsste. Aber das ist ja wieder ein anderes Thema.

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Wenn Kunst das Leben zerstört

Ich habe in den letzten Tagen bestürzt mitverfolgt, wie die Stadt Palmyra in Syrien vom IS attackiert wurde. Ich war nie in Palmyra, ich kenne dort niemanden und ehrlich gesagt habe ich vor den Meldungen über das Vorrücken des IS Palmyra nicht einmal gekannt. Wie das halt so ist in einer für einzelne Menschen doch sehr großen und unüberschaubaren Welt. Ebenso ist Palmyra natürlich ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um den IS anzugehen, schließlich hat diese Terrororganisation schon viele Menschenleben gefordert, was natürlich in keiner Relation zu eventuell zerstörten Ruinen steht.

Andererseits finde ich das Vorgehen des IS gegen Kunst und Kultur als sehr bezeichnend für ekelerregende Weltanschauungen, auch wenn da einzelne Akte des Vandalismus natürlich im Prinzip hinter Tötungen von Menschen zurückstehen müssten.

Aber man muss leider sagen, dass das Töten von Menschen weltweit leider eine gewisse Normalität ist. Abgesehen von der recht bescheidenen Kriminalität in sicheren Staaten wie unserem ist das Töten unliebsamer Gegner im Krieg gang und gäbe. So erschreckend es auch sein mag, es ist ein relativ vertrautes Motiv, Menschen wegen ihrer Herkunft oder ihrer politischen Überzeugung umzubringen. Ganz einfach, weil sie eine konkrete, ggf. akute, Gefahr darstellen. So lösen wir Menschen Konflikte zumindest bisher leider.

Das Vernichten von Kunst und Kultur hingegen mag zwar insgesamt auch nicht selten sein, ist aber wesentlich mehr den ganz großen Bewegungen und Staaten vorbehalten. Vermutlich nicht grundlos, denn einzelne Soldaten im Schlachtfeld kümmert in der Regel sicher mehr das eigene Überleben und weniger die Auslöschung ganzer Kulturen. Man beseitigt im Kampf Gefahren, nicht Ideen.

Wir in Deutschland haben da ja Erfahrung. Unter Hitler wurde „entartete“ Kunst vernichtet, und auch die DDR war zumindest mal bemüht, militaristische Denkmäler abzureissen und Straßen umzubenennen.

Nun kann ich, dank eigener politischer Befangenheit, nicht verhehlen, froh zu sein, nicht in einer Straße zu wohnen, die z.B. nach Hitler benannt ist. Andererseits sehe ich die Welt nicht nur als politischer, sondern auch als interessierter Mensch. Zumindest mir hilft es, die Vergangenheit zu verstehen, indem ich ihre Spuren finde. Klar, seit Hitler existieren Massenmedien, da muss man eine Straße nicht nach geschichtsträchtigen Personen benennen. Aber unser Wissen über das Mittelalter, die Antike, die Ursprünge unser selbst, sind nur lückenhaft überliefert. Wer da recherchieren will, Dinge herausfinden, der ist auf die überlieferten Kunstwerke angewiesen. Weil wir sonst kaum etwas haben. Und natürlich werden die Spuren umso dünner, je weiter wir in die Vergangenheit blicken wollen, es geht bei Wehklagen um die Verluste von Kulturschätzen nicht um persönliche Pettitessen. An sowas hängt unser aller Verständnis von der Welt, in der wir leben!

Dass der IS Kulturdenkmäler zerstört, ist natürlich genauso logisch.  Ihnen geht es ja eben nicht darum, die Welt zu erklären, wie sie ist – sondern darum, alles aus der Welt zu schaffen, was ihrer irrationalen Überzeugung widerspricht. Es geht nicht darum, was man aus der Geschichte lernen kann, es geht darum, wie man die tatsächliche Geschichte um das bereinigt, was der eigenen Ideologie nach nicht existieren darf – obwohl es das natürlich tut. Und deswegen halte ich den IS auch genau wegen Palmyra und Nimrud für viel schlimmer als einige andere ebenso verachtenswerten Gruppen:

Es reicht ihnen eben nicht, eine wie auch immer geartete Opposition aus dem Weg zu räumen. Darüber hinaus versuchen sie nämlich, die Geschichte zu ihren Gunsten zu verändern, sie versuchen, falsche Wahrheiten zu etablieren. Kurzfristig betrachtet ist das eine Kleinigkeit neben all den Morden, das gebe ich zu. Langfristig aber ist das eine viel erschreckendere Strategie, die man nur bei Bewegungen findet, die schon seit jeher für ihren Vernichtungswillen bekannt sind: Religionen.

Es geht nur darum, dass Kunst – welcher Art auch immer – für Menschen mit religiösen Wahnvorstellungen unerträglich ist, wenn sie nicht in deren Raster passt. Sie fühlen sich angegriffen und beleidigt deswegen, um nix mehr als diesen Blödsinn geht es. Und dafür vernichten sie Kunst, die uns allen ein besseres Verständnis unserer Geschichte liefern könnte, uns zeigen könnte, was Menschen in der Vergangenheit besser oder – sehr wahrscheinlich! – schlechter gemacht haben. Die Leute haben sich in ein irrationales Glaubenssystem verirrt, das unser Leben ärmer macht. Die sind wirklich kaum besser als Nazis, und das will was heißen. Sich von jahrtausendalter Kunst so im eigenen Leben gestört fühlen … gibt es dafür eine Diagnose?

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