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Krankengedanken

Ach ja, bin ich mal wieder krank. Ihr als Leser habt irgendwie Glück, dass eines der ersten Symptome jeder Krankheit bei mir ein festwachsen an der Tastatur ist. Peinlich wird’s dann im Fieberdelirium – aber das gedenke ich erstmal nicht zu erreichen.

Krank sein hat in diesen Tagen ja schöne und schaurige Seiten. Schaurig ist es natürlich, weil man sich wie Hohlgebäck mit Cremefüllung fühlt, schön ist es dagegen aus einigen anderen Gründen.

Man hat zum Beispiel eine Ausrede, um nichts machen zu müssen. Nicht dass meine Verpflichtungen gerade irgendwie überhand nehmen würden, aber allein der Gedanke an totale Verantwortungslosigkeit hilft manchmal. Dazu ist gerade ein beschissenes Wetter auf der anderen Seite des Fensters, und bei aller Liebe zum Winter ist es schön, in der warmen Wohnung zu sitzen.

Aus Gemütlichkeitsgründen reduziere ich in den letzten Tagen die Zimmerbeleuchtung auf 2 Kerzen und den Monitor, was sicher Augenärzte erschüttern würde, mich aber sehr viel mehr entspannt als andere angeblich entspannenden Dinge. Grundsätzlich würde ich gerne ein Foto posten, aber mein Schreibtisch sieht gerade aus, als hätte eine internationale Messi-Vereinigung dort ihr Vereinsheim errichtet, und das ist mir dann doch zu peinlich. Malt es euch aus und freut euch 😉

Eigentlich würde ich gerne aufräumen, aber ich bin in der letzten Phase des Zimmer-Lebens angekommen, und das ist jene, in der der Auszug gedanklich schon so nahe ist, dass man der Meinung ist, Aufräumen lohnt nicht mehr. Ist ein Trugschluss, kann ich euch jetzt schon sagen – aber wenn man krank ist, kann man seinem Gehirn auch mal ein paar Patzer verzeihen.

Die letzten 2 Stunden habe ich damit zugebracht, mit Nico bei einer Kanne Tee Scrabble zu spielen. Es ist wohl dem Schlafrhytmus von Nico geschuldet, dass ich ausnahmsweise mal gewonnen habe…

Ca. 300 Gramm Honig habe ich in den letzten 2 Tagen vernichtet, was im Umkehrschluss erlaubt zu behaupten, dass ich sehr viel Tee getrunken habe. Ich trinke wahnsinnig gerne Tee, bin aber im Normalfall zu faul, mir welchen zu machen. Noch ein Vorteil des Krankseins. Einzig ein paar psychische Schäden vom Honig werden bleiben, aber das hat ein wenig damit zu tun, dass es sich um Dr. Krieger’s Bienenhonig handelt. Der Gedankensprung bedarf an dieser Stelle der Erklärung, dass ich nebenbei FarCry zocke, und ein gewisser Krieger dort der Erschaffer von genetisch vermatschten Super-Kämpfern ist. Sollte ich also doch noch hohes Fieber bekommen, werde ich mich wahrscheinlich gegen Bienen mit Raketenwerfern durchsetzen müssen. Kann ja nicht überall Frieden sein, nicht wahr?

Mein Arzt hingegen hat heute einen labilen Eindruck hinterlassen. Immerhin war er dieses Mal da. Ich kann ihn wirklich sehr gut leiden, aber es ist im Allgemeinen wenig vertrauenserweckend, wenn der Arzt ins Behandlungszimmer kommt und vor sich hinsagt:

„Hände waschen und dann Sash begrüßen…“

Im Gegensatz zur Panik all seiner Vorgänger bezüglich dieses Lasters ist es niedlich, dass er jedes Mal aufs neue zu entdecken glaubt, ich sei Nichtraucher. Dafür hat er andere Macken. Er ist scheinbar der festen Überzeugung, mein Bluthochdruck sei aufs Taxifahren zurückzuführen. Das ist nicht nur theoretisch durch eine Stunde Fahren mit mir zu widerlegen, sondern auch dadurch, dass ich beim ersten Besuch die Prüfung noch gar nicht geschafft hatte.

Die Krönung meines Besuches waren dann seine Bedenken, ich hätte die Medikamente dagegen nicht etwa aus Verplantheit irgendwann vergessen, sondern ich sei besorgt, weil in der Liste der Nebenwirkungen Impotenz aufgeführt ist. Zur Verdeutlichung ein Dialogausschnitt:

Sash: „Ich hab’s einfach irgendwann verpennt. Nebenwirkungen habe ich überhaupt keine bemerkt.“

Arzt: „Nicht, dass sie Angst haben, die Frau läuft ihnen weg.“

Sash: „Da mache ich mir gerade wirklich keine Sorgen!“

Arzt: „Denn: Übelnehmen tun sie’s uns ja doch!“

Naja, vielleicht wollte er einfach mal mit jemandem drüber reden…

Und jetzt ist es wieder spät in der Nacht. Während ich beim Arzt war, haben die Elektriker unser Flurlicht notdürftig repariert und in Aussicht gestellt, dass in den nächsten zwei Monaten mal einer vorbeikommt und in der Küche eine größere Luke für den Sicherungskasten aus der Betonwand schlägt. Na denn, wenn’s sein muss…

Mal ganz im Ernst: Wie sollte einem langweilig sein, nur weil man sich irgendeinen Virus eingefangen hat?

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Pflichturlaub, gerichtlicher

So, einige Spartenleser da draussen warten wahrscheinlich sehnsüchtig auf Neuigkeiten aus der Ex-Vermieter-Ecke. Die gibt es – und zwar nicht zu knapp. Gestern kam ein ordentlich vollgepackter Brief vom Stuttgarter Amtsgericht in unseren Briefkasten geflattert, und der hatte es tatsächlich in sich. Einige Neuigkeiten.

Zunächst scheint Dieter (unser Ex-Vermieter und Beklagter) meine Art von Humor irgendwie gerne zu unterstützen. So hat er über seinen Anwalt beantragt, die Frist zur Klageerwiderung zu verlängern. Klar könnte das eine Art Strategie sein, uns möglichst nicht frühzeitig zu informieren, welche Gesetze sie noch aus dem Hut zu zaubern gedenken, um die Rechtmäßigkeit unserer Forderung in Frage zu stellen. Lesen lässt es sich allerdings wie ein Armutszeugnis, das nur konsequent fortführt, was er immer gemacht hat: „I mach des später mal…“

Sein Anwalt attestiert sich gleich auch noch Überforderung, und das liest sich dann auf Amtsdeutsch wie folgt:

„Wegen Arbeitsüberlastung sowohl des in dieser Sache alleinig sachbearbeitenden Unterzeichners als auch des auf Beklagtenseite bearbeitenden Beklagten, der aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit häufig auswärts sich aufhalten muss, konnte die zur Fertigung der Klageerwiderung notwendige Besprechung noch nicht durchgeführt werden, soll aber so rechtzeitig fertig werden, dass die beantragte verlängerte Frist eingehalten werden kann.“

Man könnte auch schreiben, dass Dieter seine Unterlagen nicht zusammengesucht bekommt und den Anwalt genauso vertröstet wie uns auch…

Sollte dieser Schrieb – wovon man ja besser ausgehen sollte (insbesondere, wenn man das schriftlich in der Öffentlichkeit äußert) – wahrheitsgetreu wiedergeben, was da gerade in Stuttgart abgeht, dann ist das erstklassig, weil das bedeutet, dass selbst der Anwalt der Gegenseite aktuell noch nicht um das Ausmaß der Absurditäten und aber auch der rechtlichen Grundlagen Bescheid weiss.

Sie fordern einen Aufschub bis zum 15. Oktober, und dies hat das Gericht bewilligt. Davor werden wir also leider nichts genaues erfahren, es sei denn, sie schmeissen – was wir immer noch für möglich halten – das Handtuch doch noch, bevor es ernst wird.

Dann aber kommt der Schrieb des Gerichts selber, und der besagt, dass es – was jetzt ja nur folgerichtig war – eine mündliche Verhandlung geben wird.

Ich hab, soweit ich weiss, schon mal irgendwo geschrieben, dass ich eigentlich nicht sonderlich Lust darauf habe. Und irgendwie dann doch…

Mündliche Auftritte sind nicht wirklich mein Ding. Ich rede ungern vor vielen Menschen und ich bin Realist genug, um zu wissen, dass das auch Auswirkungen auf das hat, was ich sage. Ich bin in meinem persönlichen Auftreten ein schüchterner Mensch und eigentlich bin ich überhaupt nicht konflikttauglich.

Auf der anderen Seite bin ich dadurch auch immer in der Lage, Contenance zu wahren und mich recht gut auszudrücken. Das mag jetzt nicht gerade eine atemberaubende Eigenschaft sein, die meine Ernennung zum Bundeskanzler wahrscheinlich macht – zum Alleinstellungsmerkmal in dieser Verhandlung wird es dennoch reichen.

Außerdem bin ich in dieser speziellen Geschichte inzwischen sowas von angepisst, dass ich – ihr als Blogleser habt vielleicht eine leise Ahnung davon – nur darauf brenne, dass irgendjemand meine Ex-Vermieter mal auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Wie üblich spielen bei mir die persönlichen Motive eher eine untergeordnete Rolle. Zu gewinnen habe ich in dem Fall zwar 1000 € plus x, aber wenn ich ehrlich bin, dann geht die Kohle als Schuldenrückzahlung an meinen Vater – bei dem es eigentlich nur eines Anrufes bedürfte, um die Schulden ohne Zahlung zu nullen. Mein Gewinn ist also ein etwas besseres Gefühl…

Ich habe nur so ein unbestimmtes Gerechtigkeitsempfinden, das mich innerlich zerreissen würde, wenn Dieter und Petra mit der Sache durchkommen würden. Dabei geht es nicht ums Geld, denn ob jetzt potenziell von uns verursachte Schäden nicht vielleicht die Kaution wieder aufwiegen würden: Möglich! Dass ich 4 Jahre in einer Bruchbude gelebt habe? Hab ich gerne gemacht! Waren geile Jahre! Das Verhältnis zu Dieter war – wie oft erwähnt – super. Nur bin ich ein bisschen empfindlich, was die Einhaltung von Regeln angeht. Damit meine ich nicht zwingend das deutsche Gesetz, denn auch hier gehen mir einige Regelungen gehörig gegen den Strich. Aber wenn ich mit jemandem ausmache, dass man das alles locker klärt, dann erwarte ich das auch.

Ich halte die Verhandlung jetzt für eine für mich wichtige Sache mit Lerneffekt, und insofern hat die Geschichte ihre guten Seiten, egal wie sie ausgeht. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich gerne vor Gericht gegangen bin, nur um ein paar lächerliche Kröten einzutreiben…

Aber gut, weiter im Text:

Wir haben also einen Verhandlungstermin!

Und der… ja der hat mich einfach nur darin bestätigt, dass die Sache nach meinen Vorstellungen verläuft…

11.11.2009

Nein, ich bin kein Karnevalsfreund, und auch wenn es mich irgendwie freut, dass die Verhandlung mich dazu bringt, meine alte Heimat früher als geplant wiederzusehen, so sehe ich das noch realistisch unter dem Punkt, dass die Urlaubsrücklagen zu dieser Zeit sicher noch weniger gut aussehen als zum Januar, wo ich die Reise sowieso in Betracht gezogen hätte.

Aber auch als Nichtanhänger allen Aberglaubens hat der 11. November für mich doch eine gesonderte Bedeutung. Zum einen bietet sich mir so die Gelegenheit, in Stuttgart – mit einer Menge alter Bekannter und Freunde, wie ich hoffe – in meinen Geburtstag am 12. November reinzufeiern. Das alte Konzept „Entweder Siegesfeier oder Frustbesäufnis“ kommt hier einmal mehr zum tragen – wenngleich ich hoffe, nicht selbst getragen werden zu müssen. Naja, wozu gibt es Taxen? 😉

Und ein bisschen Glückstag ist der 11.11. seit letztem Jahr dann ja doch für mich persönlich… das war nämlich der Tag, an dem ich meine Ortskundeprüfung bestanden habe, und damit den Weg freigemacht habe für meinen derzeitigen Beruf. Und wenn mir der 11.11.08 bisher über 10.000 € eingebracht hat – warum sollte es am 11.11.09 nicht wenigstens für 1.000 € reichen? 😉

Leute, ich freue mich somit auf ein absehbares Ende der ganzen Gerichtsgeschichte und auf eine schöne Reise in meine alte Heimat, verbunden mit Familienwiedersehen und einer hoffentlich fetten Feier in meiner Stammkneipe! Und all das passiert auf jeden Fall, selbst wenn das Gericht nicht zu meinen Gunsten entscheidet…

Win-Win-Situationen sind irgendwie geil!

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Oktober

Schon wieder Oktober?

Es ist wirklich kaum zu glauben, dass die Zeit so schnell vergeht. Wenngleich ich eigentlich gute Laune ob des gerade aufziehenden Herbstes habe, so bin ich dennoch ein wenig erschrocken. Oktober. Im Oktober 2007 bin ich nach Berlin gezogen. Zwei Jahre ist das jetzt her. Wenn ich ehrlich bin, dann ist es gefühlsmäßig sogar schon länger her, aber wenn ich mir dann konkret vor Augen halte, dass die alte WG seit zwei Jahren nicht mehr existiert, dann ist es doch eine erstaunlich lange Zeit. Und bin ich hier nicht dennoch erst irgendwie neu?

Oktober heißt auch, dass ich inzwischen seit 4 Jahren mein Leben mit Ozie teile. Auch hier verschwimmt die Zeit davor in der Wahrnehmung, aber wenn ich so darüber nachdenke, dann ist es doch eine verdammt lange Zeit. So alt bin ich ja schließlich auch noch nicht…

Ich habe eigentlich nicht vor, wie letztes Jahr gleich eine Zusammenfassung deswegen zu schreiben, aber der Herbst ist einfach meine Zeit, um ein Resumée zu ziehen.

Dieser Oktober ist für mich dabei eigentlich sehr angenehm. Ich bin zufrieden, und in vielen kleinen und großen Momenten meines Lebens sogar das, was ich glücklich nennen würde. Vor einem Jahr hatte ich noch keinen Job, ja noch nicht einmal die Ortskundeprüfung bestanden. In der WG hatten wir enormen Stress mit Ralf, und das sind schon Dinge, die das Wohlbefinden eingeschränkt haben. Wenngleich ich mich damals auch nicht nur unwohl gefühlt habe.

Aber ein bisschen ziehen mich die Gedanken im Oktober auch immer wieder mal zur alten WG, die ich bisweilen durchaus vermisse. Ich bin so oft froh, dass ich hier meine Ruhe habe und der Stress sich auf selbst verursachten beschränkt. Auf der anderen Seite fehlt selbst mir – und ich war der, der sich bei Parties immer in sein eigenes Zimmer gesetzt hat, um in Ruhe Musik zu hören – auch manches Mal der Trubel und die verschiedenen Menschen.

Naja, einsam wird der Monat dennoch nicht. Denn zunächst einmal ist Nico ja seit ein paar Tagen wieder im Land – und auch wenn er auf seinen Auszug hinarbeitet, gehe ich stark davon aus, dass er uns den Oktober über noch erhalten bleibt – ob wir wollen oder nicht 😉

Zum anderen stößt morgen für eine bislang undefinierte Übergangszeit A. zu uns, den ich aus alten Zeiten zwar nur vom gelegentlichen Sehen her kenne – aber wozu hat man eine große Wohnung? Also ist mal wieder Vierer-WG angesagt! Finanziell schaden kann es wie immer nicht.

Aber trotz der sentimentalen Grundstimmung dieses Eintrages kann ich nicht sagen, dass ich mich nicht auf den Herbst und Winter freue. Ja, es wird wieder grau und trüb und regnerisch – aber hey, ich sag es immer wieder gerne: Nachts ist die Stadt bunter!

In diesem Sinne: Viel Spaß mit dem Oktober!

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Raaaaaalf!

So, ein Dreivierteljahr ohne Ralf haben wir nun hinter uns. Und auch wenn ich damit Ralf, seine Angehörigen sowie eventuelle Anhänger seinerseits ein wenig enttäuschen muss: Es ist mir gut bekommen, der WG geht es blendend, ebenso den Bewohnern und wir wünschen ihn uns nicht zurück.

Die Begründungen, über ihn zu schreiben, werden mit der Zeit immer fadenscheiniger, um so mehr freue ich mich, dass derletzt wieder einmal eine solche ins Haus geflattert kam.

Mit einem letzten Kraftakt haben wir uns inzwischen von Vattenfall als Stromversorger verabschiedet und sind nun bei Naturstrom. Die Gründe für einen Ökostrom-Anbieter liegen auf der Hand und es tut mir im Nachhinein leid, dass wir aus purer Bequemlichkeit so lange mit dieser Entscheidung gewartet haben. Aber gut, nun ist es endlich gemacht!

Infolgedessen flatterte derletzt die Abschlussrechnung von Vattenfall ins Haus, und diese belegte eindrucksvoll, was wir mit unserem Mitbewohner „verloren“ haben:

Stromfresser Soziopath, Quelle: Sash

Stromfresser Soziopath, Quelle: Sash

Nun sollte ich zwar anfügen, dass ins Vorjahr auch eine Übergangsphase mit Nico und Ralf reinspielt, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Ozie seit der Umstellung etwa ihren PC wieder regelmäßig nutzt (auch wenn der recht wenig verbraucht), kann man das wohl beiseite legen.

Klar, wir verbrauchen immer noch viel Strom. Das ist unbestritten, und wenigstens zum Teil durch die WG in ihrer Existenz als solche zu erklären:

  • Wir kochen überwiegend einzeln
  • Es ist fast rund um die Uhr jemand wach (Licht)
  • Irgendein PC läuft immer

Dazu kommt natürlich, dass ich viel wasche, weil ich wenige Klamotten habe, dass wir spülen und trocknen unseren Maschinen überlassen, oder dass wir (Generation Download) den PC auch mal 24/7 laufen lassen, obwohl niemand da ist. Weil wir faul sind, ich gebe es ja zu…

Dennoch hat es keiner von uns geschafft, Ralfs Verbrauchsgewohnheiten zu erreichen. Denn de facto bezieht sich die Rechnung bei beiden Zahlen auf einen 3-Personen-Haushalt. Nur lässt jetzt keiner zusätzlich zum PC auch noch einen Röhrenmonitor 24/7 laufen. Keiner nutzt die Zeit, in der der Backofen vorheizt, um kurz einen Spielfilm zu schauen. Keiner verweigert sich dem Einsatz von Energiesparlampen und lässt das Licht dann dennoch 5 Monate (!) am Stück brennen. Und es würde auch niemand auf die Idee kommen, den Backofen zur Küchenheizung umzufunktionieren, damit der Hefeteig auf dem Fensterbrett besser geht…

Ich vermute, wir zahlen für Strom gerade genauso viel wie Ralf. Zu dritt…

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Stuttgart Foto Reload

Auf den letzten Eintrag hin hat Basti nach der Außenansicht des Hauses gefragt. Nun gut, ein Bild gibt es hier zwar schon im Blog – aber ich füge es gerne noch mal ein. Dann hab ich mir gedacht: Mache ich doch einen kurzen Rückgriff auf den Zustand der Bude. Gleich vorneweg:

Ich hab viel mehr Bilder, die zeigen, was wir alles unmögliches gemacht haben. Unordentliche Zimmer, Siff und Saufgelage. Von der sauberen Wohnung haben wir leider keine Bilder gemacht – sonst würde ich sie gerne anfügen. Hier sind ein paar Bilder und Bildausschnitte, die sich wirklich nur mit der Wohnung und dem Haus als solches beschäftigen, ohne dass wir als WG dabei irgendwas verbrochen haben. Insofern einseitig – aber deswegen nicht unrealistisch.

Von den ganz harten Sachen wie den offen in der Küche endenden stromführenden Kabeln habe ich gerade keine Bilder gefunden. Aber irgendwo gibt es welche…

Und noch was: Wie im letzten Eintrag schon angesprochen: Wir (und das trifft auf die meisten WG-Bewohner zu) haben die Bude irgendwie trotzdem und dennoch geliebt. Nicht vergessen, auch wenn’s schwerfällt! 😉

Zunächst einmal das Haus von außen:

2009-09-20-wg-hausaussen

Das Haus in der Teichstr. 2007, Quelle: Sash

Der WG gehörte übrigens alles ab da, wo es schräg wird. Wenn man nicht das ganze Haus schräg findet… Man beachte den abgeblätterten Putz und insbesondere die Verkleidung des kleinen Lochs direkt unterm Giebel. Da kam man zwar von der Wohnung aus nicht direkt ran, aber es handelt sich hier auch um Styropor. Von der Rückseite (mit meinem Fenster) gibt es leider keine Fotos.

Als Detail kann ich noch den Eingangsbereich anbieten:

Näheres zum Zustand der Fassade 2007, Quelle: Sash

Näheres zum Zustand der Fassade 2007, Quelle: Sash

Dazu gibt es eigentlich gar nichts zu sagen. Wenn man allerdings die Dachkonstruktion noch näher unter die Lupe nimmt…

Bitte:

Interessante Stützkonstruktion, Quelle: Sash

Interessante Stützkonstruktion, Quelle: Sash

Das wird übrigens sicher bis heute so sein… das ist NICHT temporär! Aber gut, gehen wir doch ins Haus…

Das Treppenhaus:

Modernes Ambiente - ansprechend restauriert, Quelle: Sash

Modernes Ambiente - ansprechend restauriert, Quelle: Sash

Zu beachten sind hier die im Hintergrund gelagerten Rigipsplatten und Türen – auch hier kann man bei 4 Jahren nicht von einer temporären Lagerung sprechen. Aber das Treppenhaus war so oder so famos.

Nun folgt hier ein Detail, dass ich unserem Vermieter nicht wirklich anlasten kann, geht es doch um den Bau des Hauses. Selbiges existierte offenbar schon eine Weile, als das Treppenhaus eingebaut wurde. Warum?

Seht selbst:

2009-09-20-wg-treppenhausfenster

Decke/Boden meets Fenster, Quelle: Sash

Das ist kein Scherz. Die Treppenhausfenster begannen beim ersten Treppenaufgang, wurden dann von einer Decke verdeckt und erstreckten sich bis zur nächsten Etage…

Aber das hat bei der gefühlten Sicherheit im Treppenhaus auch keinen negativen Eindruck mehr hinterlassen:

Die Wand im Treppenhaus 2007, Quelle: Sash

Die Wand im Treppenhaus 2007, Quelle: Sash

Aber gut, altes Gemäuer eben. Was will man machen? Ich bedauere es zwar, dass es kein Foto von der einen Metallstange im Keller gibt, die das ganze Haus zu stützen scheint (es sieht bedenklicherweise wirklich so aus!), aber eigentlich geht es bei all dem ja mehr um die Wohnung. Das Ambiente ist feinstens, das haben jetzt alle sehen können. Kommen wir also zu den wenigen inner-wg-lichen Fotos:

Wo war das nochmal? Quelle: Sash

Wo war das nochmal? Quelle: Sash

Bei diesem schönen Bild weiss ich leider wirklich nicht mehr, wo es aufgenommen wurde. Ich vermute, es war noch im Treppenhaus, aber alleine die Tatsache, dass ich das nicht sicher sagen kann, sollte zu denken geben.

Aber es gab auch noch schöne Beispiele im Flur:

Über meinem alten Zimmer im Flur, Quelle: Sash

Über meinem alten Zimmer im Flur, Quelle: Sash

Abdeckungen für elektrische Verwurstungen waren zumeist Fehlanzeige in der Wohnung. Bei einzelnen Steckdosen in der Küche übrigens auch. Das Bild hab ich mir allerdings erspart…

Zu guter Letzt kommen wir noch kurz zum Küchenboden:

Der Küchenboden in seiner ganzen Pracht 2007, Quelle: Sash

Der Küchenboden in seiner ganzen Pracht 2007, Quelle: Sash

So sah es an vereinzelten Stellen in der Küche aus. Die Splitter flogen dann lose in der Küche rum, Leute die barfuß liefen, bla keks. Man könnte es als nervig empfinden. Im Übrigen: Ja, dieser Boden ist dreckig! Man darf allerdings nicht vergessen, dass natürlich niemand auf die Idee gekommen ist, den Boden in irgendeiner Art zu versiegeln. In den kleinen Unebenheiten setzte sich also permanent Dreck fest. Glaubt mir, das ist beim besten Willen nicht ewig sauberzuhalten…

Tja, ich hoffe, euch hat der Ausflug in die großzügig ausgestattete Wg gefallen, in der wir 9,00 € / m² Miete gezahlt haben…

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Kaution reloaded

Das Gerichtsverfahren um die Kaution der alten Wohnung schlägt so langsam Wellen hier im Blog und es beschäftigt mich gerade ziemlich. Ich habe mir die alten Einträge zum Thema eben noch einmal durchgelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese ein nur sehr unvollständiges Bild auf die ganze Geschichte werfen. In manchen Ecken fehlen Begründungen, Erklärungen und der Blick aufs große Ganze – und natürlich ist das Ganze ein wenig einseitig, weil ich eigentlich immer nur geschrieben habe, wenn mich die Sache gerade genervt hat.

Ich möchte hier versuchen, das komplette Mietverhältnis mit all seinen Kuriositäten auseinanderzunehmen, sodass abschließend eine Meinungsbildung darüber möglich wird – auch wenn sie vielleicht zu meinen Ungunsten ausfällt. Was ich allerdings nicht erwarte.

Für die Erklärung des Mietverhältnisses meiner Wenigkeit muss ich auch das der WG noch einmal aufrollen. Das heisst: Der Part, der derzeit vor Gericht verhandelt wird, beschreibt den Zeitraum vom 1.1.2007 bis zum 15.10.2007. Alles davor dient dem besseren Verständnis dieses besonderen – und nicht immer nur schlechten – Verhältnisses.

Begonnen hat alles im Herbst 2002. Damals sind Jörg und Sven, zwei enge Freunde meinerseits, über persönliche Kontakte zu einer Wohnung gekommen. Die Wohnung lag im obersten Stockwerk eines 200 Jahre alten Hauses im Stuttgarter Osten. Sie kannten René, den Sohn des Vermieter-Ehepaars, und so ergab es sich, dass sie in diese Wohnung einziehen konnten. Die Wohnung hatte 34 m², 2 Zimmer plus Küche und Dusche und war in einem fragwürdigen Zustand – aber hey! – erste Wohnung nicht mehr bei Mami! Die Miete betrug 340 € warm.

Im Herbst 2003 kam erstmals ich mit ins Gespräch. In der Wohnung neben den beiden wohnte „der Alte“ – der Vater des Vermieters. Aus Altersgründen zog er ins Erdgeschoss des selben Hauses. Sven und Jörg haben mit dem Vermieter geredet und beschlossen, mit Steffi, einer Bekannten, in diese – wesentlich größere Wohnung umzuziehen. Nun boten sie mir und Felix – einem Freund von Sven – die kleine Wohnung an. So sollte es dann kommen. Die neue Wohnung kostete bei unklarer Größe (etliches war baulich verändert, überall Schrägen, kein Grundriss) 720 € warm.

Nun bewohnten ab Herbst Felix und ich die kleine Wohnung im 2. OG, Sven Jörg und Steffi die große (die sich sogar noch aufs Dachgeschoss darüber erstreckte). Unter uns wohnten die Söhne des Vermieters und im Erdgeschoss der Vater. Der Vermieter selbst bewohnte mit seiner Frau das Nachbarhaus.

Interessant an dieser „Gründung der großen WG“ war vor allem, dass die große Wohnung komplett zu renovieren war. Und komplett bedeutet komplett. Die Küche – der mit Abstand größte Raum in der Wohnung (Küche, Esszimmer, Wohnzimmer und Flur in einem) hatte noch keinen Boden, es musste hier und da gestrichen und tapeziert werden, etc. pp. Insbesondere beim Einbau des Küchenbodens halfen Jörg und Sven etliche Wochen mit und wurden damit belohnt, dass sie nur eine geringere Kaution zu bezahlen hatten. Zudem wurde im Mietvertrag natürlich angemerkt, dass die Wohnung unrenoviert übergeben wurde, und so auch wieder abzugeben sei. Desweiteren kündigte Dieter für die nächsten Monate bauliche Veränderungen an, insbesondere den Einbau dreier Dachfenster im obersten Geschoss.

Im Laufe der Zeit wuchsen die beiden Wohnungen zu einer WG zusammen, was aber im Mietvertrag nicht berücksichtigt war. Lange Zeit gab es zwei Mietverträge, und alle Bewohner hatten den jeweiligen unterzeichnet.

Bereits im ersten Jahr ging der in Eigenarbeit verlegte Küchenboden zu Bruch. Der Untergrund war uneben, weswegen die uneingelassenen Terracotta-Fliesen wackelten und an den Rändern splitterten. Unser Ansprechpartner in Wohnungsdingen war Dieter – seine Frau Petra hatte mit den Reparaturen nie was am Hut und Dieter war öfter da. Er wurde darüber informiert, er ärgerte sich auch, erkannte aber, dass es sicher am Verlegen des Bodens lag und die Worte „Scheiße, i hen dengt, des hält“ gingen in die WG-Geschichte ein. Die weiteren gravierenden Mängel der Wohnung kamen auch zur Sprache, letztlich wurde das aber mit einem „I mach des, wenn i mit meine Modore ferdig ben!“ seitens Dieter geklärt. Also so in etwa. Er hatte nie Zeit, aber auch unser Interesse war eher unzureichend. Die Bude bezog auch ihren Charme aus der Verratztheit.

Im Winter 2004/2005 kam dann ein wichtiger Schritt. Die WG war menschlich zusammengewachsen, aber baulich trennten uns zwei Wohnungstüren. Da wir den obersten Stock bewohnten – also außer uns niemand dort vorbeikam – fragten wir bei Dieter ein wenig unschuldig an, ob wir eine Wand ins Treppenhaus ziehen könnten, um die Wohnungen zu verbinden. Es folgte der Satz von Dieter, für den ich ihm bis heute sehr dankbar bin:

„Machte, was’r wollet, i stell euch’s Maddrial!“

Das beschreibt das Mieter/Vermieter-Verhältnis ganz gut. Wenn es irgendwas gab, dann fragte man nach, man klärte Dinge per verbalem Handschlag und mit Materialunterstützung eines Werkstattinhabers. Ebenso locker ging es eigentlich bei der Miete zu. Natürlich verzichtete Dieter nicht auf sein Geld, aber wenn es mal knapp war, dann kam die Miete mit 2 Wochen Verspätung bar gegen Quittung. Eigentlich ein sehr wünschenswerter Zustand.

Uns war klar, dass die Wohnung über dem Stuttgarter Mietspiegel liegt – und das bei miserabler Ausstattung – aber es war WG-Konsens, dass wir 100 bis 200 € im Monat dafür zahlten, alle Freiheiten der Welt zu haben. Dies wurde insbesondere dadurch begünstigt, dass die Söhne unter uns im gleichen Alter waren, der „Alte“ schwerhörig und unser Vermieter-Ehepaar nicht ohne Stolz verkündet hat, sie hätten ihr Schlafzimmer nicht ohne Grund nicht zu unserem Haus hin ausgerichtet…

Die Schäden in unserer Wohnung wurden eigentlich nie behoben. Für Kleinigkeiten erhielten wir Unterstützung in Form von Werkzeugen, aber eigentlich war es das schon. Wenn mal eine Heizung leckte, wurde der Alte hochgeschickt, der dann ein bisschen gewerkelt hat, aber die großen Dinge blieben ungeklärt. Z.B. der Küchenboden. Aber wir waren jung und bescheuert und für uns war es damals noch ein Grund für eine Party, als wir festgestellt haben, dass die Kabel, die in der Küche aus der Wand hingen, tatsächlich Strom führten. Wir haben zur Warnung einen Lampion hingehängt und Dieter Bescheid gesagt. Und der… der wollte das „demmnächscht amol“ machen.

Im Sommer 2005 gab es einen neuen Mietvertrag. Die Fluktuation in der WG war so hoch, dass es einfach nervig wurde, neue Mitbewohner immer wieder bei Dieter vorzustellen und auf einen Termin zu hoffen. Zumal bei Vertragsunterzeichnungen ja auch Petra dabei sein musste. Sven übernahm die Wohnung als Hauptmieter und bei Bedarf stellte er Untermietverträge aus. Wir durften nun also auch noch ein- und ausziehen lassen, wen wir wollten, alles war perfekt.

Es gab einmal Ärger wegen Beamtenbesuch bei einer Party, was allerdings eher so eine Kleinstadtgeschichte war. Dieter, Petra, die Söhne und der Alte haben gar nix ernstlich mitbekommen. Aber Petra hatte Angst um ihr Ansehen in der Nachbarschaft, sodass es tatsächlich zu sowas wie einer Abmahnung gegen Sven kam, was allerdings ein bedauerlicher Einzelfall bleiben sollte.

Im Oktober 2005 kam es zu einem Zwischenfall, der das Verhältnis sogar zwischen uns und Dieter nachhaltig schädigte. Bei einer (fantastischen 😉 ) Party wurde die Haustür mitsamt Scharnieren aus der Wand gebrochen. Die Schuldigen wurden nie zweifelsfrei benannt, aber wir gehen immer noch davon aus, dass es die Freunde von Freunden von unseren Freunden waren – kein Stammbesucher der WG hat jemals derartigen Mist gebaut. Dieter stellte uns eine recht saftige Rechnung aus. De facto haben er und sein Sohn in einer halben Stunde das Scharnier ausgetauscht, auf unserer Rechnung fanden wir nachher 4 Meister- und 2 Lehrlings-Stunden, was uns zuzüglich Material fast 200 € kosten sollte, obwohl nie zur Debatte stand, dass wir als Mieter ernstlich was mit dem Schaden zu tun hatten.

Bei der Gelegenheit bekamen wir auch eine neue Haustüre – was seit Monaten schon im Gespräch war – wobei es sich allerdings um die alte von Dieters Haus nebenan gehandelt hat, der sich eine – hübsche, wohlgemerkt – neue hat einbauen lassen. Dass die Tür nicht passte, und in der Hauswand von da an ein Loch von vielleicht 80 x 30 cm geklafft hat, das erst Monate später geschlossen wurde… das war irgendwie schon normal.

Als Sven dann im Juli 2006 seinen Auszug verkündete, war das Verhältnis auf der einen Seite zwar schon wieder in Ordnung, auf der anderen Seite waren die beiden Vermieter froh darum, dass ich den Part des Hauptmieters zu übernehmen gedachte. Ich habe bis dahin schon meist die Gespräche mit Dieter übernommen und zudem mochte Petra – die immer nur als aufbrausender Part bei Problemen in Erscheinung trat – mich offensichtlich mehr als Sven. Das war jedenfalls kein schlechter Schritt. Wenngleich es sicher auch daran lag, dass die beide nicht so recht dran glaubten, dass wir als WG immer gemeinschaftlich entschieden haben.

Als Svens Auszug im Raum stand, erwähnte Dieter, dass er vorhat, die Heizkosten wegen der Energiepreise anzupassen, was ernstlich unseren Widerstand auf den Plan rief. In der Erwartung, dass er dies im neuen Mietvertrag mit mir umsetzen wolle, haben wir uns erstmals kundig gemacht, einen Mietspiegel besorgt und uns vorbereitet. Dieter behauptete zwar nach wie vor, dass die Wohnung „eher zu billig“ sei, aber unsere Vermutungen bestätigten sich. Was gar nicht verwunderlich war, da Dieter ja zum Beispiel – und das ist kein Witz – wirklich nicht wusste, wie groß die große Wohnung eigentlich ist.

Bei unseren Berechnungen haben wir die Wohnungsgröße sowie die Ausstattung zu Dieters Gunsten aufgerundet und kamen auf das Ergebnis, dass die Wohnung mit ihren 860 € Kaltmiete exakt 50% über dem Stuttgarter Mietspiegel lag. Das ist exakt die Grenze zwischen Mietpreisüberhöhung und Mietwucher, die Grenze zwischen (eventuell) Ordnungswidrigkeit und Straftat. Diesen Mietpreis haben wir immer akzeptiert, gedachten auch nicht, daran was zu ändern – aber der geneigte Leser versteht vielleicht, weswegen wir als finanziell ständig klamme WG Einwände gegen eine Erhöhung unter den gegebenen Umständen hatten.

Derart bewaffnet haben wir dem neuen Mietvertrag aber gelassen entgegengesehen.

Sven zog bereits im August aus, der Vertrag lief allerdings noch bis Dezember 2006 auf ihn. Das stellte kein Problem für uns dar, da Sven zum einen in der Nachbarschaft eine neue Bleibe hatte, zum anderen auch nicht zu befürchten war, dass wir in seinem Namen irgendwelchen Mist bauen. Im Laufe der Monate kam es dann zur ersten Wohnungsbesichtigung seitens Dieter und Petra. Die beiden führten sich auf wie Feuer und Wasser, und es war geradezu niedlich, wie sie sich wiedersprachen. So zeigten wir den beiden beispielsweise den demolierten Küchenboden (ja, der war da immer noch kaputt!) und Petra fing an zu fauchen, dass das ja nicht verwunderlich sei, so oft wie wir hier Party gefeiert hätten etc. Dann kam Dieter und meinte lapidar: „Naja, aber laut’m Herschdeller solltet da LKW drüber fahre könne…“ Kurzum: Während uns ein zwei kleinere Mängel angelastet wurden, ging Dieter mit einer dicken Liste nach Hause, auf der stand, was er alles in den nächsten Monaten in den Wohnungen zu beheben hatte. Zum Beispiel den Austausch eines Küchenbodens, das Fliesen eines Klos, die Befreiung einer Dusche von Schimmel, Feuchtigkeit im Dach etc.

Kurios war, dass wir hier das erste Mal erfahren haben, warum in einem der drei Klos die Heizung nicht funktioniert:

„Die hen i amol abklemmt, weil d’r Druck net g’reicht hat…“

Von seit 3 Jahren versprochenen Dachfenstern war da schon nicht mehr die Rede…

So langsam kommen wir also an den Punkt, an dem ich die Wohnung übernommen habe. Es gab eines der berüchtigten Treffen im Nachbarhaus unter einem kleinen angebauten Dach, das den örtlichen Behörden wegen schon lange abgerissen hätte werden müssen. Petra palaverte locker über die Schulden ihrer Söhne und den aktuellen Fuhrpark (diese Familie besitzt ja 54 motorisierte Sitzplätze für höchstens 8 Leute) und so wurde bei Kerzenschein Svens Mietvertrag gekündigt und geklärt, dass die Kaution auf mich überschrieben wird.

Der Mietvertrag für mich kam damals noch nicht zustande, weil – soweit ich mich erinnere – gerade keine Vordrucke zur Hand waren. Das war nicht weiter schlimm, schließlich war es bis zum Jahreswechsel noch zwei oder drei Monate hin, und bis dahin würde man das schon klären. Alles war wieder wie früher! Planlosigkeit, Freundlichkeit und keine überbordende Genauigkeit. Eigentlich nicht schlecht.

Dann aber kam die Terminnot. Dieter und Petra schafften es trotz mehrmaliger Anfrage nach einem Termin nicht, sich mal für eine halbe Stunde mit mir zusammenzusetzen, um den Vertrag klarzumachen. Zum einen waren wir froh darum, weil sich damit natürlich auch die Frage nach der Erhöhung der Nebenkosten aufschob und keiner von uns Bock hatte, gleich zum wiederholten Einstand einen Streit vom Zaun zu brechen. Zum anderen waren wir vielleicht ein wenig naiv und zu gut für diese Welt – aber dass eine rechtliche Handhabe nie schlecht ist, war uns ja durchaus auch bewusst.

Und es wurde 2007…

Während alle WG-Bewohner sich irgendwo ins neue Jahr soffen, erlosch quasi der Mietvertrag für unsere Wohnung. Unter den gegebenen Umständen fürchteten wir zwar nicht gerade eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch oder etwas ähnlich fieses, aber natürlich hatten wir Bedenken. In der Folgezeit (unter mehrmaligem Nachfragen nach einem Termin für die Vertragsunterzeichnung) haben wir durchaus recht genau darauf geachtet, dass die Miete pünktlich war und die Parties nicht allzu sehr aus dem Ruder liefen. Mit Erfolg.

Nebenbei muss ich aber anmerken, dass wir die Situation aufgrund ihrer Absurdität durchaus als tierisch komisch empfanden. Witze darüber waren an der Tagesordnung.

Bereits im Frühjahr standen dann alle Zeichen auf Auszug. Während davor noch die Option bestanden hätte, dass nur ich mit Ozie nach Berlin ziehe, zeichnete sich schnell ab, dass alle bisherigen Bewohner die WG verlassen würden. Irgendwann gegen Semesterende bei Ozie. Wir haben Dieter vielleicht 5 Monate vorher informiert, und obwohl wir von ihm die Zusage hatten, dass das so in Ordnung wäre, haben wir das Mietverhältnis ordnungsgemäß mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten schriftlich gekündigt. Der Mietvertrag war damit mehr oder minder in Übereinkunft mit beiden Seiten gestorben. Für die paar Wochen noch?

Unsererseits begann jetzt das große Betteln. Da es dieses Mal einen endgültigen Auszug geben sollte – zudem einen, bei dem man nur schwerlich im Nachhinein noch mal kurz zum Renovieren vorbeikommen kann, beharrte ich auf einer erneuten Wohnungsbesichtigung, um zu wissen, um was wir uns noch kümmern müssten. Auch dies geschah sicher 5 Monate vor dem Auszug. Dazu dauerte es Wochen, bis er uns für unsere neue Wohnungsbaugesellschaft eine Mietschuldenfreiheit mit einer Unterschrift bestätigte. Und ja: Ich meine wirklich Wochen! Und dennoch ist die Unterschrift seitens Petra ausgeblieben – ohne übrigens dass es Fragen zur Tatsache der Mietschuldenfreiheit gegeben hätte. Es war eine Formalie, mehr nicht.

Ebenso wie zuvor die Vertragsunterzeichnung gestaltete sich nun die Wohnungsbegehung als schwierig – nein, als unmöglich. Wir haben mehrmals erwähnt, dass wir weit weg ziehen, und eventuelle Renovierungsarbeiten zwingend vorher erledigen müssten. Irgendwann (wahrscheinlich von meinen Anfragen genervt) meinte Dieter:

„Alles, was ihr heh g’macht hen, müsset’r richde!“

Danke! Naja, immerhin hatten wir ein Jahr zuvor eine Wohnungsbesichtigung, also ließen sich einige der zweifelsohne zahlreichen Schäden ausschließen. Das bitterste war, die ins Treppenhaus eingezogene Wand wieder einzureissen. Ein paar Tage später kam dann von Dieters Seite (offenbar auf Petras Anweisung hin) noch der Wunsch dazu, die Wohnung sei besenrein zu übergeben, Bad und Klo geputzt. Wow! Überraschung!

Im Gegenzug sei erwähnt, dass Dieter von den sicher 7 oder 8 Mängeln, die er beheben sollte und wollte, keinen behoben hatte. Einmal kam sein Sohn zu uns hoch und hat angefangen, die Dusche vom Schimmel zu befreien. Wohlgemerkt: Angefangen. Die Situation blieb offen mit einem „Haltet die Dusche frei, ich mach des demnächst!“, was wir zwei Monate später übergingen und dort unser Pfand einlagerten.

Der Umzug gestaltete sich schwer, da wir letztlich  zu dritt eine vollgestellte Wohnung mit 120 m² Bodenfläche auflösen mussten. Die Anzahl der Helfer war überschaubar, wenn auch deren Engagement groß! Unsere Zeitpläne gerieten täglich durcheinander, und dennoch schafften wir es am Ende. Selbst ein paar Kleinigkeiten richteten wir, und seit der Alte die Bude bewohnt hatte, war sie nie so sauber.

Die Schlüsselübergabe war natürlich für den allerletzten Nachmittag geplant. Das war eigentlich nicht nötig, da es sich sowieso nur um eine symbolische Geschichte handelte, da ich die Nacht danach noch alleine in der Wohnung verbracht habe. Aber damit enden die Kuriositäten natürlich nicht. Im Laufe des Nachmittags – den wir noch schwer am Putzen waren – erfuhren wir dann, dass Petra einen Autounfall hatte. Nicht, dass ich ihr da eine Absicht unterstelle, aber es war bezeichnend, dass sie – die sich nur einmal pro Schaltjahr mit der Wohnung beschäftigt, nun der Grund war, dass die Übergabe/Besichtigung nach hinten verschoben werden musste.

Dies ist keine lächerliche Nebensächlichkeit, da uns in der Wohnung selbst die Malerfassungen gehörten, und wir die artig verpackt und im Bus verstaut hatten. Der Abend bot einfach recht wenig Licht für eine Besichtigung…

Es kam zunächst wie es kommen musste. Petra hatte noch beschissenere Laune als sonst und tobte sich von einem Zimmer ins nächste und bemängelte, dass wir nicht gestrichen hätten, die Dübellöcher müssten wir auch noch zuspachteln etc. Die Krönung des ganzen war ein kurzer Dialog von solch primitiver Einfachheit, dass ich ihn bis heute nur schwer vergessen kann:

Sash: „Sorry Petra, aber dass wir das machen, war nicht ausgemacht.“
Petra: „Ach, des steht alles im Mietvertrag!!!“
Sash: „Wir haben keinen…“

Danach war es ruhig, bald ist Petra auch verschwunden, und wir haben mit Dieter alles weitere in Ruhe bequatschen können. Zwei Dinge hatte er zu bemängeln, und zwar ein Spiegel an einer Tür – der wirklich nicht mehr abging. Da müsste er das Türblatt ersetzen – aber das würde 50 € kosten. Dann fehlte an der wegen des Schimmels nicht mehr genutzten Dusche eine Plastikklinke – wahrscheinlich nicht mal im zweistelligen Bereich.

Dieter bekam Adresse, Kontonummer, bla keks. Alles nett und friedlich. Die Zählerstände wurden für Unklarheiten notiert und nach ein paar schweren Stunden des Abschieds, ein paar Bierchen in meiner Stammkneipe, einmal Verschlafen, einem Verspäteten Auftauchen des Fahrers und vielen vielen Gedanken, die alle nichts mit einer Kaution zu tun hatten, bin ich nach Berlin aufgebrochen.

7 Tage später sind die Nachmieter in die kleine Wohnung eingezogen.

Ja, und dann folgten 5 und 6 Monate später unsere Anfragen per Brief. Beantwortet wurde nur die zweite, wesentlich aggressivere mit der Bitte um „ca. 4 Wochen“ Geduld, bis dahin hätten sie die Endabrechnung – die wegen der „doch zahlreichen Schäden und Hinterlassenschaft“ so lange angedauert hat.

Ziemlich exakt ein Jahr nach diesem Brief haben wir den Mahnbescheid beantragt. Mehr Geduld ist nicht.

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Neuigkeiten aus dem Vermieter-Land

So ungefähr kurz vor Ablauf der Frist oder so haben wir mal wieder was aus dem Süden gehört. Wer nicht wissen sollte, um was es geht, der möge sich an der Kategorie Feinde/Vermieter gütlich tun.

Naja, atemberaubende Neuerungen sind es nicht: Sie haben einen Anwalt.

Grundsätzlich ist das natürlich eine normale Geschichte, nur hatten wir eigentlich gehofft, dass ein Anwalt ihnen gleich abraten würde, es auf ein mündliches Verfahren ankommen zu lassen. Die Hoffnung ist noch nicht ganz gestorben – noch warten wir auf Antragstellung und Begründung der beiden. Dann wissen wir wenigstens, aus welcher Richtung der Wind wehen wird.

Das mit dem mündlichen Verfahren ist jetzt nicht unbedingt unsere Wunschvorstellung, aber natürlich machbar. Einen gewissen Reiz übt die Sache zudem auch auf mich aus, da ich nach wie vor von der Richtigkeit unserer Forderung überzeugt bin, und es auf jeden Fall zu einem nicht zu verachtenden Spektakel zu werden verspricht, wenn sich die beiden für ihre teils gravierend suspekten Methoden zu verantworten versuchen.

Dass natürlich immer auch die Chance besteht, dass wir das Verfahren verlieren werden, ist mir bewusst. Ich bin allerdings sicher, dass es den Versuch wert ist, und im Zweifelsfall hat man immer noch was fürs Leben gelernt…

Und außerdem bedeutet ein Gerichtstermin einen Heimatbesuch. Im Idealfall sogar großzügig bezahlt 😉

Habe irgendwie die Befürchtung, unser Ex-Vermieter teilt diese Leichtigkeit derzeit nicht mit mir. Sei es drum.

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