So, Sonnenfinsternis haben wir auch geschafft. Vielleicht hasst mich mein 16-jähriges Ich ein bisschen arg dafür, dass ich die 1000 km bis zur Totalitätszone nicht einfach gefahren bin, aber ich hab genug mit meinem heutigen Ich zu tun, dass mit mir nochmal über drei Kilometer Schotterpiste mit neuen noch nicht eingelaufenen Einlagen in den Schuhen reden möchte.
Naja, es war im Grunde ja ein witziges Spiel. Seit zwei Monaten versucht man der Sonne aus dem Weg zu gehen, wo es irgendwie möglich ist; und jetzt dann an dem einen Tag möchte man einen möglichst guten Blick auf sie haben. Menschen …
Da wir hier in unserer Wohnlage ziemlich von Bergen eingekreist sind, hatten wir die Vermutung, dass wir dem späten Schauspiel so nicht folgen können würden und sind deswegen AUF einen der umliegenden Berge gefahren. War vielleicht gar nicht nötig, aber so genau überprüft haben wir es nicht. Am Ende sind wir wirklich noch ein ganzes Stückchen gelaufen, was selbst mit meinen Füßen nicht so das große Problem ist, die Kinder sind da eher ein limitierender Faktor. Bei Sonnenfinsternissen offenbar eher das Knöpfle. Was verständlich ist, er hat das Phänomen geistig auch noch nicht vollständig durchdrungen im Gegensatz zu seinem größeren astronomiebegeisterten Bruder.
„OHH! DIE SONNE IST JETZT EIN MOND!“
rief er nach einem Blick durch die Brille und vielleicht fasst das eine Sonnenfinsternis für Fünfjährige ganz gut zusammen.
Beeindruckend, dass es am Ende wirklich fast Volksfestcharakter hatte und auf jeder freien Lichtung, an jeder Straße am Hang, überall Leute standen und alle nur nach oben geguckt haben.
Ich hab mich einfach gefreut. Darüber, selbst mal wieder eine Sonnenfinsternis zu sehen und darüber, die erstaunlich ausgeprägte – aber stille – Begeisterung des Spätzles zu sehen.
Obwohl das jetzt eine partielle Finsternis war, kam mir das Dämmerlicht krasser vor als vor 27 Jahren. Nicht, dass es dunkler war, aber ich glaube, damals hatte ich größere Erwartungen. Auf die totale Finsternis am 11.8.1999 hatte ich mich fast ein Jahrzehnt lang gefreut, das ist was ganz anderes. Dennoch: Ich freu mich auf die nächste, auch wenn es eigentlich nur ein bisschen Licht und Schatten ist, was dann wirklich hier auf dem Planeten ankommt.



