Open World Games

Heute, in den 2020ern, bin ich stets ein bisschen geneigt, etwas ironisch zu sagen, dass ich gerne die großen Open-World-Games zocke. Wo immer man sich umhört im Netz, bei Gamern und Kritikern gleichermaßen, scheint es ein wenig so zu sein, dass alle es leid sind. Ein bisschen vereinfacht gesagt war Open World etwas, das im letzten Jahrzehnt cool war und Ubisoft hat das alles mit Assassin’s Creed kaputt gemacht. Außerdem ist es heutzutage doch auch gemein, die immer rarer werdende Zeit der Gamer, die mehr Spiele denn je haben, für ein einzelnes zu verschwenden.

Ja, aber …

1. Die Zeit ist vorbei

Dass Open-World-Spiele zwischen 2000 und 2020 ihre Hochphase hatten und vielleicht nie wieder so großen Anteil an den neu veröffentlichten Spielen haben werden, kann ich mir sogar vorstellen. Einfach weil die Spiele vor dieser Zeit quasi technisch nicht möglich waren und als Neuheit natürlich einen immensen Zulauf hatten, der so nicht wiederkommt. Denn diese Faszination kann selbstverständlich irgendwann nachlassen und ich glaube, dass viele der heute sehr lauten Kritiker mehr oder weniger aus meiner Generation sind und genau in diese Gruppe fallen, die damals mit GTA III angefixt worden sind und inzwischen 500 Spiele gespielt  haben, 1500 noch auf ihrem Pile of Shame haben und sich einfach freuen, wenn mal so ein knackig dicht erzähltes lineares Spiel kommt, das nach acht Stunden auch einfach fertig ist. Die wollen nicht mehr wie 2001 gucken, wie viele Autos man in eine Garage pferchen und anschließend explodieren lassen kann und natürlich auch keine 100 Hufeisen für einen Trank sammeln.

2. Die eigene Zeit fehlt

Tut sie das? Bei den Hardcore-Zockern sicher. Aber selbst auf Steam – der Plattform, die durch Sales und pure Masse verleitet wie keine zweite, sich eine gigantische Playlist zuzulegen, die man in seinem eigenen Leben gar nicht abgearbeitet kriegt, hat ein Großteil der Spieler weniger als 20 Games. Mein Steam-Rückblick 2026 zeigt mir einen Median von 4 in diesem Jahr gespielten Spielen pro User an. Diese Spieler werden zwar auch insgesamt weniger spielen als ich, aber vermutlich haben sie deutlich mehr Zeit pro Spiel als ich. Und ich wage zu behaupten, dass die meisten dieser Durchschnittsspieler gar nichts dagegen hätten, wenn die Spiele ihrer Wahl noch ein bisschen mehr Content zu bieten hätten.

3. Die Größe und die pure Zahl der Aufgaben hat alles kaputt gemacht

Ich kann da als Viel-Spieler erstaunlich gut relaten, aber dennoch war das doch ein logischer und auch ziemlich guter Schritt in der Branche. Als Spiele endlich rausgewachsen sind aus der Speicherplatzbegrenzung hat man halt erst einmal alles gemacht, was möglich war. So ungefähr zumindest. Natürlich haben wir heute zig Genres, die alle ihre eigenen Stärken und Ideen haben, darunter auch sehr technische oder erzählerisch lineare, für die eine Open World keinen Sinn macht. Aber wenn die lauten Kritiker heute meckern, dass „da jetzt auch noch eine Open World rangeklatscht wurde“, denn liegt das vielfach darin, dass das Spielprinzip erst einmal ein sehr logisches ist: Ein Spiel möchte eine glaubhafte Welt erschaffen, in der der Spieler agieren kann und wenn ich mir die einzige reale Welt da draußen ansehe, dann muss ein Spiel eine gewisse Offenheit bieten, um sie glaubhaft zu machen. Die Leben selbst der meisten Gamer spielen nicht in einem schlauchförmigen Keller. Ja, natürlich gibt es schlechte Open-World-Games, die besser anders gemacht worden wären, aber die Idee, dass ich in einer Welt eine gewisse Freiheit in der Bewegung habe, ist per se erst einmal logisch.

Meine Meinung

Ich persönlich fand den Schritt hin zu offenen Spielwelten einen immensen Fortschritt in der Entwicklung der Videospiele. Die hat natürlich auch manche nicht so schöne Blüten getrieben, das will ich gar nicht verneinen, aber es hat viele positive Effekte. Zum einen eben, dass man sich in einem Spiel verlieren kann. Das mag nicht der Wunsch jedes Spielers sein, aber die meisten Spiele erlauben es einem ja trotzdem, die Hauptgeschichte recht zügig durchzuspielen. Ich sehe einen Mehrwert darin, dass man optional in der Welt weitere Lore findet, zusätzliche Aufgaben erledigen kann oder einfach seine Zeit mit Erforschen verbringen kann. Die meisten Streamer da draußen beenden beispielsweise Red Dead Redemption II in unter 70 Stunden und stellen dem Spiel Bestnoten aus. Das mache ich ebenfalls, aber meine Runs haben je so um die 300 Stunden und ich hab mehrere gemacht, weil ich trotzdem manches verpasst hatte. Wenn man nicht zwanghaft Achievements sammelt und gleichzeitig keine Zeit hat, weiß ich nicht, wie man da drunter leiden kann. In einem entscheidenden Punkt muss ich allen Kritikern aber Recht geben: Wir haben jetzt gesehen, was möglich ist und wir brauchen wirklich nicht immer noch größere Maps. Ich würde gerne einen Schritt mehr in Richtung Tiefe sehen. Mehr begehbare Gebäude oder Dungeons, mehr Interaktionsmöglichkeiten etc., nicht einfach nur Fläche. Wobei es natürlich Ausnahmen gibt: Für Racing-Games wie Forza Horizon ist eine große Map zum Beispiel erst einmal ein Gewinn, weil es mehr unterschiedliche Strecken ermöglicht und RDR2 war auch nicht zu groß, weil die Landschaft da einfach der zweite Hauptdarsteller war und sie zudem einfach nicht leer oder generisch und langweilig war. Ich bleibe dabei: Ich mag Spiele, in denen ich mich frei umsehen kann und mir gefällt es umso besser, wenn das Spiel daraus auch einen Nutzen zieht und ich z.B. Aufgaben in freierer Reihenfolge angehen kann oder das Erforschen irgendwie belohnt wird. Und dann ist das für mich meistens schöner als eine stringent erzählte Geschichte. Aber ja, der Haken ist: Sowas kriegst Du nur hin, wenn dein Budget entsprechend groß ist, deswegen sind meine Favoriten da alles Triple-A-Games, auch wenn das andere Nachteile hat.
Ich hab mal über Rockstar Games gehört, dass deren Karten schon sehr früh in der Entwicklung weitgehend stehen und sie dann versuchen, die Geschichte in dieser Map zu verorten. Und die Ergebnisse sprechen für sich. Sicher, manche lineare Spiele haben fantastische Set-Pieces, die für genau diese eine Mission gemacht wurden und die fallen sicher mal überwältigender aus, als sie in einer Open World machbar wären. Aber gerade wenn die Karte nicht nur „rangeklatscht“ und dann mit einem Zufallstool mit generischem Kram vollgepinselt wurde, sondern die Geschichte sich mit plausiblen Wegen über das verfügbare Gebiet erstreckt, wenn auf diesen Wegen neue Biome mit neuem Loot auftauchen, die den Fortgang der Geschichte untermalen und gleichzeitig immer Platz zum Erforschen liefern, dann ist das in meinen Augen absolut unschlagbar.

Leave a Comment

Filed under

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert