Cyberpunk 2077

Jahr der Veröffentlichung: 2020
Genre: Open-World-FPS / RPG
Stunden bisher gespielt: ca. 600

Setting: Du landest mit einer von drei auswählbaren Hintergrundgeschichten als SöldnerIn im Night City des Jahres 2077. Du sollst mit deinem Freund Jackie einen wahnwitzigen Heist begehen, bei dem Du in einem schwerbewachten Hotel einen experimentellen Biochip des größten Konzerns der Welt stiehlst. Du überlebst nur knapp und hast fortan ein ziemlich großes Gesundheitsproblem. Um dein Leben und das eines Terroristen zu retten musst Du mehr über die Technik des geklauten Chips rausfinden und dringst dabei immer tiefer in die dunkle Welt von Night City mit seinen Problemen und seinen politischen Verflechtungen ein. Im DLC „Phantom Liberty“ musst Du darüber hinaus noch die Präsidentin retten.

Cyberpunk 2077 ist ein Ausnahmespiel. Es hat einen außerordentlich schlechten Start hingelegt, als es unfertig auf den Markt kam (und ich es vorbestellt hatte), weil es so kaputt war, dass sogar Sony es eine Zeit lang aus dem Store genommen hat; legte dann aber einen an ein Wunder grenzenden Wiederaufstieg hin, indem es von CD Project Red über Jahre gepatcht und geupdatet wurde und steht inzwischen als ein Spiel da, das fast unisono von allen, die es gespielt haben, als eines der besten aller Zeiten bezeichnet wird. Wow!

Und um ehrlich zu sein: Dieses Wow-Gefühl hatte ich schon beim Start mit Version 1.0. Ich hab es wie gesagt vorbestellt gehabt und hatte das große Glück, als PC-Spieler von deutlich weniger Problemen betroffen gewesen zu sein als beispielsweise diejenigen, die es auf einer Last-Gen-Konsole spielen wollten. Meine Ausstattung dazu war allerdings auch hart an der Grenze. Mein PC war Ende 2020, Anfang 2021 zwar noch nicht sonderlich alt, aber trotz sorgfältiger Komponentenwahl ein Budget-Build und Budget-Builds geraten bis heute mit Cyberpunk an ihre Grenzen. Raytracing beherrschte mein System ohnehin nicht, aber wir reden hier sowieso nur von mittleren Einstellungen auf 1080p bei 30 – 50 fps. Trotzdem hab ich ein paar hundert Stunden so gespielt.

Was Cyberpunk aber auch im unfertigen Zustand so großartig gemacht hat, waren natürlich zum einen die Story, die wirklich bei den ganz Großen mitspielt, auch wenn ich sie oben bewusst spoilerarm gehalten habe. Dazu kam eine unfassbar deepe, glaubwürdige und riesige Welt, eine faszinierendere Stadt als Night City war um den Zeitraum der Veröffentlichung quasi nicht vorstellbar. Ich gehörte eigentlich von Anfang an zu den Leuten, die das Setting gar nicht besonders gerne hatten, aber die Atmosphäre inklusive der unzähligen Details und Anspielungen auf Politik und Popkultur der Gegenwart ist derart einnehmend, dass man manchmal vergisst, dass man sich im Wesentlichen schießend durch diese Welt bewegt und die Entscheidungen vergleichsweise kleinteilig sind. Nicht so irrelevant, dass sich ein Wiederspielen nicht lohnen würde, aber jenseits von Geballer und cineastischer Inszenierung waren die Dialoge – obgleich überdurchschnittlich gut geschrieben – nicht das Highlight des Spiels.

Aber auch die Shooter-Mechanik kann sich absolut sehen lassen. Ich hab Schwierigkeiten, da Favoriten zu bestimmen, ich spiele gerne die Far-Cry-Reihe, aber auch Doom, GTA, Rage 2, Wolfenstein 2 und alle fand ich manches Mal während des jeweils aktuellen Durchspielens überlegen. Und so ging es mir auch mit Cyberpunk. Ob man sie jetzt wirklich gleich ganz oben ansiedelt, ist sicher Geschmackssache, aber ich hab auch Verrisse darüber gelesen, bei denen ich bis heute nicht weiß, wie die an dieses offensichtlich komplett andere Spiel gekommen sind – vielleicht über eine Konsole. Ich jedenfalls finde die Mechanik und auch gerade das Trefferfeedback so knackig, dass ich da echt nichts drauf kommen lassen will.

Das Gesamtsetting ist eher düster und dystopisch, aber auch die kleinen Comic Reliefs machen das Spiel liebenswert. Egal, was einem im Einzelfall auch mal nicht gefällt: Das Spiel hat eine fantastische Welt, inzwischen eine brauchbare bis sehr gute Technik und Story und Atmosphäre können einen echt mitziehen und eintauchen lassen in eine Umgebung, die keine Sandbox ist. Man merkt jeder Ecke ihre handgestaltete Qualität an, alles ist durchdacht und am Ende sehr stimmig. Wenn man vom verkackten Start absieht ist Cyberpunk 2077 genau das, was Gaming Anfang der 2020er zu leisten in der Lage war – und das ist eine ganze Menge, ob mit oder ohne Raytracing.

Kleiner Nachtrag noch zur Grafik: Dass das Spiel ein unverschämt gutes Aussehen hat, ist nichts neues und das wird vermutlich auch noch gelten, wenn ein Jahrzehnt vergangen ist.

  1. Negativ dazu anmerken muss ich: Es gibt viele Situationen, in denen in Außenbereichen keine Schatten angezeigt werden und während ich eigentlich niemand bin, der an kleinen Details rumnörgelt, frage ich mich schon, warum das niemand bemängelt, denn in meinen Augen macht das viele Situationsaufnahmen extrem flach und unrealistisch. Und das in einem Spiel, das seit Jahren hergenommen wird, um irgendwelche grafischen Verbesserungen zwischen „Ray Tracing Ultra“ und „Pathtracing“ zu zeigen, ich blick’s nicht.
  2. Das Spiel hat einen fantastischen Fotomodus, in dem man dank der krassen Spielwelt und den vielseitigen Einstellungen unglaubliche Bilder erschaffen kann. Und da hab ich mich durchaus auch schon drin verloren und z.B. das Bild oben für einen CDPR-Fotowettbewerb erstellt und bin auch – obwohl ich da echt nicht der Typ für bin sonst – der Versuchung erlegen, meinem wohl einzigen Crush der Videospielgeschichte, Judy, einen zwischenzeitlichen Platz auf meinem Desktop zu schaffen:

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