@sashbeinacht

Ich wollte mal ein kleines bisschen Werbung für dieses sympathische kleine soziale Netzwerk namens Twitter machen. Also nicht, dass die mich jetzt bezahlen würden. Ich bin in letzter Zeit einfach gerne da. Und wenn, dann – ich muss es ja gestehen – lange!
Wenn ich um die frühe Mittagszeit mal schon halbwegs wach bin und nicht so recht weiß, was ich mit meiner vielen Freizeit anfangen soll, weil ich mich zu längeren Blogeinträgen oder gar Geschichten für Bücher nicht aufraffen kann, dann vergeht schon mal einige Zeit, bis ich meine Timeline wieder schließe und mich davon abwende, mir möglichst absurdes aus den Fingern zu saugen.

Twitter hat lange Zeit unter meinen Online-Aktivitäten eine geringe Rolle gespielt, aber im Moment – das muss nicht ewig so sein – ist es mein liebstes soziales Netzwerk. Trotz – oder gerade wegen – der geringen Möglichkeiten. Deswegen isses natürlich nicht neu und von vielen weiß ich ja, dass sie schon vor mir bei Twitter waren. Aber mal was dazu sagen, wollte ich jetzt da ich Twitter vermehrt nutze, eben doch mal.

Die Erfinder von Twitter hatten ja eigentlich schon eine ziemlich bekloppte Idee mit ihrer Begrenzung auf nur 140 Zeichen pro Tweet. Und dann, dass man Leuten einfach einseitig folgen kann: Ist zwar inzwischen Standard auch bei Facebook und G+, aber so radikal wie bei Twitter wird es kaum umgesetzt. Das hätte das Ganze auch schnell langweilig machen können, aber das wurde es nicht.

Dass man bei Twitter nicht jedem gleich folgt, der das bei einem selbst tut, gehört dazu. Wenngleich ein Haufen Bots und noch mehr SEO-Werbestrategen das immer noch für ein tolles Konzept zu halten scheinen. Und das ist gut. Denn nicht jeder, für den man sich interessiert, interessiert sich andersrum für mich – oder umgekehrt. Und während es irgendwie schon peinlich ist, bei Facebook Sascha Lobo zu liken, bloß um seine Kolumnen nicht zu verpassen, folge ich ihm auf Twitter ohne Bedenken. Dass er im Gegenzug mir nicht folgt, finde ich eher beruhigend 😉
Dann die Begrenzung auf 140 Zeichen: Ich hab selten etwas gesehen, das Menschen mehr beflügelt hat und merke es auch langsam selbst. Tweets, insbesondere die guten und unterhaltsamen, sind eine ganz eigene Kunstform geworden. Viele haben eine ganz eigene Grammatik, eine ganz andere Funktionsweise als Sprache in anderen Bereichen. Das verwirrt am Anfang ein bisschen, aber es funktioniert und macht die Sache nicht weniger gut!
Und die Geschwindigkeit ist atemberaubend. Natürlich verbreiten sich auch bei Twitter sinnfreie Mems schneller als alles andere, aber je nach Zusammenstellung der Timeline erfährt man Dinge maximal Minuten, wenn nicht Sekunden, nachdem sie passiert sind. Das Leben ist allgemein schnell und man muss es nicht übertreiben, aber wenn ich wissen will, ob Facebook seine Datenschutzrichtlinien gerade wirklich umschaltet, erfahre ich das schneller bei Twitter als bei Facebook selbst. Maßgeblich daran beteiligt ist natürlich das Retweeten, das noch kompromissloser und einfacher als das Teilen bei Facebook passiert und hier sogar ganz uneitel ohne das im eigenen Namen zu tun oder noch etwas ergänzen zu können.

Ich hab eine Weile gebraucht, ja. Und als Blogger mit einer Monster-Software wie WordPress als Standard hatte ich an soziale Netzwerke auch Erwartungen, die Twitter nicht gerade übererfüllt hat. Mir kam Facebook schon lächerlich funktionslos vor, da musste ich mich bei Twitter ja fragen, ob die nicht zufällig vergessen haben, für mich die 2010er-Version freizuschalten. Außer faven, retweeten und mal eine Message schreiben kann man da ja nix. Selbst das Profil hat bloß 140 Zeichen und Fotoalben gibt es auch nicht. Aber das hat dem Dienst nicht geschadet und er sorgt für unglaubliches Amusement und schnelle Verbreitung von Wissen. Oder beides. Oder nix davon und man verfolgt nur mit, ob andere den Tatort gerade genauso scheiße finden wie man selbst.

Ich jedenfalls will es nicht mehr missen und kann es nur empfehlen. Und auch wenn ich den Text damit begann, dass das Werbung sein soll: Das war jetzt ausnahmsweise keine eigennützige Folgt-mir-alle-Bettelei. Ihr findet mich dort wenn ihr wollt unter dem Namen in der Überschrift. Tatsächlich ist das gerade aber vielleicht doch eher eine Liebeserklärung als eine Werbeunterbrechung  …

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Als ich ein Arschloch war …

Im Allgemeinen bin ich ja ein eigentlich recht leicht liebzugewinnender Mensch. Ich achte auf meine Umwelt, die Menschen um mich herum und selbst im Taxi verprügele ich nur selten meine Fahrgäste. Spaß beiseite: Ich hab noch keinen verdroschen!

Aber – ein paar wenige kennen mich so – ich war auch mal anders.

Nein, der typische Schul-Rowdy war ich nie. Glaube ich zumindest. Aber es gibt Menschen, die bleibende Schäden durch mich erlitten haben. Die meisten allerdings verdient.

Als „Fettsack“ der Klasse bin ich oft genug Opfer gewesen. Ich habe Spott, Hänseleien und dergleichen mehr zur Genüge abbekommen. Das Problem der meisten meiner Gegner war: Ich war nicht nur fett, sondern auch groß und stark. Mit Entsetzen nahm meine Mutter vor zig Jahren zur Kenntnis, dass ich einem Jungen namens Goran aus meiner Klasse ein blaues Auge verpasst hatte. Was kaum jemand wusste war indes, dass er dieses bekam, als ich bereits am Boden lag und einer meiner verteidigenden Fußtritte ihn glücklicherweise so treffsicher in die mich verhöhnende Fresse traf, dass ich noch heute ein wenig von der Genugtuung zehren kann, wenn ich nur daran denke.

Kinder sind Arschlöcher. Und als solche sind sie sehr effektiv. Da hab ich eben keine Ausnahme gemacht. Wenn ich etwas in dieser Hinsicht bereue, dann höchstens, dass mein zeitweiliger Freund Thomas von mir einen Bleistift ins Bein gerammt bekam, dessen Spitze er wahrscheinlich noch heute vorzeigen kann. Die anderen hatten die Schläge ins Gesicht und die Stühle auf den Kopf (kein Witz, so war ich wirklich drauf!) verdient.

Wie man in mir gut erkennen kann: Nicht aus jedem verhaltensauffälligen Kind wird ein Psychopath. Allerdings kann ich bestätigen, dass äußerst brutale Mordfantasien in meinem Leben als (kindliches) Arschloch durchaus vorgekommen sind. Ich vermute, die Fachwelt wird es erschrecken, dass das etwa zeitgleich mit dem Aufkommen von „Killerspielen“ nachgelassen hat …

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Gratis Scheiße! Freut euch!

Bösartig, Irrational, Lügend, Demokratiefeindlich: Noch eines der freundlicheren Backronyme, die mir für die BILD einfallen.

Ich weiß, dies ist nur einer von zigtausend Texten, die heute landauf und landab über die kostenlose BILD veröffentlicht werden, die in knapp 41 Millionen Haushalte flattern wird. Und natürlich bin ich auch nicht der einzige, der sich kritisch äußert. Da könnte ich es also eigentlich auch lassen? Nein.

Denn ich bin überzeugt davon, dass die BILD nach wie vor eine der größten Gefahren für diese Gesellschaft darstellt und ich halte das nicht für einen Zufall. Man sollte zwar nie Bösartigkeit vermuten, wo auch Blödheit als Erklärung reicht, die Grenze überschreiten das Blatt und der zugehörige Konzern jedoch zu regelmäßig. Und so sehr diese angebliche Zeitung auch immer öfter belächelt und marginalisiert wird – genau darin liegt auch ihre Gefährlichkeit.
Mir geht es nicht um irgendeine Rache, weil die BILD mit mir politisch nicht auf einer Wellenlänge liegt. Das bin ich bereit zu ignorieren. Nein, wirklich schlimm an dem Blatt ist die Selbstverständlichkeit, mit der es alleine aufgrund der Auflage und eben jener belustigenden Akzeptanz ganz tief in die Gesellschaft eingreift.

Na klar, wer hat noch nicht gelacht über Artikel wie „Frau verwechselt Globus mit Kopf des Nachbarn“?

„Lustig, Schenkelklopfer! Siehste: Nehm ich doch nicht ernst!“

Aber bei wievielen Menschen bleibt z.B. nach der beispiellosen und mitunter nicht weniger faktenfreien „Berichterstattung“ der letzten zwei Jahre eine schlechte Meinung über Griechen? Einfach so, bei Leuten, die von Finanzpolitik nicht den Hauch einer Ahnung haben, dank Bild aber immer treffsicher über irgendwelche irrelevanten Luxus-Rentner und korrupte Beamte in Athen informiert wurden?
Und die ganz hartgesottenen Fans berufen sich dann darauf, dass sie die Zeitung ja nur des guten Sportteils wegen lesen. Ein Sportteil, in dem bildblog vor Jahren beispielsweise eine Bundesliga-Tabelle mit mehr als 150 Fehlern (!) gefunden hat.

Und die BILD arbeitet systematisch mit Vereinfachungen, Überspitzungen und wenn es mal nach hinten losgeht, dann war ja alles nur Spaß und der Boulevard funktioniert eben so. Da mag ich als unbedingter Vertreter der Pressefreiheit auch ein ganzes Stück weit mitgehen, aber die Grenzen, an denen sich BILD stößt, sind keineswegs nur die des guten Geschmacks, sondern regelmäßig die des Rechtsstaates an sich.

Die BILD verletzt ungefähr täglich (!) das Persönlichkeitsrecht von Menschen. Viele davon, meist Beschuldigte in einem Strafprozess, werden zwar von manchen Lesern nicht als schützenswerte Individuen eingeschätzt, aber schon an dieser Stelle zeigt sich, wie die perfide ständige Aushöhlung von Normen das Gesellschaftsklima ändern. In Dubio pro Reo? Auf’s Maul! Man wundert sich kaum noch, wenn irgendwo ein „Sex-Verbrecher“ mitsamt Foto von sich und seinem Wohnhaus in der BILD abgedruckt wird. Die meisten empörten Leser kriegen dann gar nicht mehr mit, dass der Mann noch gar nicht verurteilt und am Ende unschuldig war – und jetzt trotzdem in seinem Dorf nicht mehr leben kann.

An dieser Stelle zeigt sich oft auch, dass die BILD gerade bei solchen „großen Meldungen“ nicht den Hauch einer Recherche anstellt. So wurde neulich aufgrund einer einfachen Namensverwechslung eine Bloggerin von der Zeitung für tot erklärt – und weil man davon ausging, dass es sich um die richtige Person handele, hat man bei der Redaktion gleich noch Details aus ihrer Vita dem real existierenden Todesfall zugeschrieben.
Und auf der anderen Seite kämpft der Springer-Verlag, dem die BILD zugehörig ist, mit allen Mitteln für das Leistungsschutzrecht und jammert herum, wie schlimm es sei, wenn die Leute „aus dem Internet“ Fotos und Texte klauen.

Natürlich landet die BILD auch mal einen Treffer. Sicher haben sie auch schon mal einen Skandal aufgedeckt oder einen Politiker zu Recht in Bedrängnis gebracht. In weit mehr Fällen allerdings geschah das entweder mit fragwürdigen Methoden oder die Eigenleistung der BILD war überschaubarer als sie selbst verkündet. Denn auch in keiner anderen Zeitung werden derart viele Exklusiv-Meldungen verkündet, die in Wirklichkeit weder exklusiv, noch aktuell, in den schlimmsten Fällen aber sogar völlig haltlos sind – und somit exklusiv nur in dem Sinne, dass sich niemand anders getraut hätte, diesen Datenmüll auf Papier zu drucken.

Nein, die BILD ist nicht einfach irgendein doofes Käseblatt, das man nicht ernst nehmen muss. Die BILD ist eine angebliche Zeitung, die wiederholt, planmäßig und mit einer perversen Arroganz darauf hinwirkt, die Gesellschaft in ihrem Sinne zu beeinflussen. Und trotz sinkender Auflage schafft sie es immer wieder. Da werden anlässlich von Fußballspielen Nationen gegeneinander aufgehetzt, den Menschen Angst vor Ausländern gemacht, in dem man die Namen von Verbrechern in Achmed und Mohammed ändert und Menschen werden zu Freiwild gemacht, weil der BILD nichts daran liegt, dass sich in Deutschland Gerichte damit befassen, Straftäter zu verurteilen. Persönlichkeitsrechte werden mit Füßen getreten, Existenzen zerstört und nach 10 Jahren mit der BILD unterm Arm rutscht dann doch vielen mal ein „Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass …“ heraus.

Nein, bei mir wird heute keine BILD im Briefkasten liegen. Ich habe meinen Widerspruch rechtzeitig abgesendet. Und vielleicht kann man bei der Reichweite der Zeitung schon froh sein, dass es noch mehr als 200.000 andere auch so gehalten haben. Dennoch wird das Land heute geflutet mit gedruckter Scheiße in Multi-Millionenauflage und neben den an dem Projekt direkt beteiligten Schaumschlägern im Diekmann-Gewand werden sich wahrscheinlich auch ein Haufen Menschen finden, für die „Geil, für umme!“ ein Grund ist, dieses Hetzblatt zu lesen. Ich für meinen Teil habe nicht den Hauch eines Verständnisses dafür und ich betrachte jeden, der die BILD verteidigt, als potenziell gefährlich. Und Blödheit alleine entschuldigt das in diesem Fall kein Bisschen!

Links:

bildblog
Spiegeloffline mit einem Tipp
Lukas Heinser im Freitag über die Abstumpfung durchs ständige BILD-Lesen
Stefan Niggemeier darüber, wie die BILD Ausländerfeindlichkeit fördert

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Die Erleichterung des Vampirs

Sommersonnenwende, 21. Juni, Sommeranfang, der längste Tag des Jahres!

Ich habe Verständnis dafür, dass die meisten sich darüber freuen, ich freue mich hauptsächlich, weil die Nächte nun wieder länger werden. Dass ich mich nach dreieinhalb Jahren Nachtschicht inzwischen als Vampir bezeichne, ist keine Neuerung für die Leser meiner Blogs, es fällt mir dennoch schwer, es nicht immer wieder anzureissen.

Es ist unbestritten, dass sich die Sonnenstrahlung positiv auf die Psyche auswirkt – das kann selbst ich bestätigen. Ich hatte sogar im letzten Winter sowas ähnliches wie eine kurze Winterdepression. Allerdings in harmlosem Ausmaß, genügend positive Energie hält meine Psyche allgemein ja dann doch bereit. Dass ich das Licht nicht brauchen oder sogar mögen würde, will ich folglich gar nicht herbeifaseln, wenn ich mich über meine Nachtschwärmerei auslasse. Es ist schön, dass es den Sommer gibt und ich bin wirklich froh, dass ich in Mitteleuropa lebe, wo sowohl die Tageslänge als auch das Klima im Wechsel der Jahreszeiten so vielfältig ist. Wir leben in einer Gegend, in der wir Schneeballschlachten und Freibadbesuche genießen können, ohne dafür in ferne Länder fahren zu müssen. Und die maximalsten -20°C und +40°C hierzulande sind mir eigentlich auch genug – mehr Extreme müssen nicht sein und ich bin froh um alles, was deutlich dazwischen bleibt.

Dennoch habe ich die Nacht immer mehr geliebt als den Tag! Dafür gibt es rationale und weniger rationale Gründe.

Mein Biorhythmus entspricht zwar sicher nicht unbedingt dem derzeit „aufgezwungenen“ meiner Nachtschichten, aber ich war eben auch noch nie jemand, der gerne früh ins Bett ist und es früh wieder verlassen hat.
Dann ist die Nacht gleichermaßen ruhiger und origineller. Ich bin irgendwie ja eine Art Teilzeit-Misantroph: So sehr ich auch „mit Menschen zu arbeiten“ schön finde, so sehr können mir auch alle gestohlen bleiben, die ich nicht kenne – und man trifft nachts einfach weniger. Wenn man aber welche trifft, dann sind es meist interessantere Menschen oder Menschen, die gerade einen interessanten „Tag“ haben. Durch die doch eher exklusive Atmosphäre der Nacht ergibt sich so selbst bei der Arbeit eine wesentlich geringere Konzentration an 08/15-Erlebnissen.
Bei aller außer Konkurrenz stehenden Freude an den Auf- und Untergängen unseres Zentralgestirns und der damit einhergehenden Dämmerung: Wenn ich nur Tag und Nacht optisch vergleichen sollte, würde ich der Nacht insbesondere in der Großstadt immer den Vortritt lassen. Die scharfen Kontraste und das viele Unsichtbare lassen die Welt nachts wesentlich strahlender und vielseitiger erscheinen – ja, wahrscheinlich auch vielseitiger, als sie eigentlich wirklich ist!
Bei der Arbeit schätze ich es, dass die Dunkelheit die Anonymität noch einmal verstärkt und die Details unwichtig werden. Ich mache mir bei Dunkelheit natürlich weniger Gedanken um Schmutz im Auto, meine unsaubere Rasur und mit ziemlicher Sicherheit wirkt sich das umgekehrt auch auf meine Kundschaft aus, die aus dem Dunkel heraus sicher offener ist.

Und wenn ich dann am Schreibtisch sitze, umgibt mich nur das Surren meines PC’s. Tobende Kinder, schreiende Nachbarn, der Verkehr vor der Türe – all das taucht meist erst nach Sonnenaufgang auf und verstummt mit Eintritt der Nacht. Sicher, mich stört es dann mitunter beim Schlafen, aber so lange mir der Schlaf zum Ausruhen reicht, ist mir das lieber, als auf die ruhige Stimmung beim Schreiben zu verzichten. Mindestens 80% der Blogeinträge und der Geschichten, die ich schreibe, entstehen zwischen 23 und 5 Uhr und das ist kein Zufall.

Deswegen freue ich mich darauf, das nächste halbe Jahr wieder jeden „Tag“ ein paar Minuten zu gewinnen. Ich werde mich über jede Schicht freuen, die ich im Dunkeln beginnen und/oder beenden kann und ich glaube so langsam daran, dass sich das nicht so schnell ändern wird – trotz allem Ärger, den so ein Nachtleben natürlich auch mit sich bringt.

Wichtig zu sagen ist allerdings: Ob man sich auf der Sonnenseite des Lebens befindet, hängt nicht alleine von der Neigung der Erdachse und der damit verbundenen Tageslänge ab. Das ist etwas, das jeder von uns für sich erreichen kann, wann und wo man sich auch befindet. Deswegen gönne ich euch den langen Tag heute auch und ich hoffe, ihr habt auf eurer Seite des Planeten Spaß und genießt die rare Zeit. Hier drüben ist jedenfalls alles in Ordnung … 🙂

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Noch nicht immun

Ich bewege mich ja mit meinen Blogs inzwischen durchaus im kommerziellen Bereich. Ich schalte Werbung und streue auch mal ein paar Ref-Links ein. Das ist kommerziell, keine Frage. Andererseits bin ich immer noch fest davon überzeugt, dass das himmelschreiend blöd wäre, würde ich nicht trotzdem hauptsächlich gute, interessante oder witzige Sachen schreiben. Denn in erster Linie schreibe ich für mich als Beschäftigung und für euch Leser zur Unterhaltung. Und daran wird sich hoffentlich nie was ändern und ich bin da auch guter Dinge. Denn jedes einzelne Mal, wenn ich Anfragen kriege, rollen sich mir die Zehennägel hoch:

„[…] und möchte mich mit dieser E-Mail erkundigen, ob Ihr Portal sashs-blog.de Werbemöglichkeiten wie Linkeinbuchungen ermöglicht.“

Schon alleine, dass mein Blog als Portal bezeichnet wird – oder oft auch als „Forum“ – weckt in mir den Drang, einmal längs über die Tastatur zu kotzen. Die Verteidigungsreflexe gegen allzu blöd inhaltsleere Werbeblogs sitzen also noch da, wo sie sein sollten! 🙂

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[Irgendwas dramatisches|Witz mit Luft]

Ach, was hätte das für eine angenehme Nacht werden können gestern: Ein bisschen Fußballsehen, ein bisschen Taxifahren und ein bisschen Schreiben. Das mit dem Fußball hat sogar halbwegs geklappt, ansonsten musste ich einsehen, dass ein eklatanter Mangel an etwas nicht ganz unwichtigem mich von den meisten Dingen, sogar vom Schlafen, abhielt: Luft.

Asthma ist eine blöde Geschichte, allerdings neige ich da auch nicht zu Überdramatisierungen. Ich selbst hab ein eigentlich eher leichtes Belastungsasthma – und das seit zig Jahren. Vor meinem Umzug wusste ich nichtmal, dass es Asthma ist, hätte nie über Medikamente nachgedacht und mir gedacht:

„Ach, wirklich Kondition hatteste ja nie …“

War eine super Sache, festzustellen, dass man in akuten Fällen mit so einem blöden kleinen Spray  tatsächlich sofort wieder Luft hat. Hat mich ehrlich fasziniert und es trägt sicher dazu bei, dass ich der Medizin alles in allem mit einer gewissen Bewunderung gegenüberstehe. Dummerweise hat alles Grenzen und meine hab ich gestern erreicht. Ich hab zwar mein Medikament gehabt, allerdings verschleppe ich gerade zusätzlich zum Asthma auch noch eine Bronchitis. Und wer ein wenig Ahnung vom Thema hat, wird feststellen, dass das eine ultrafiese Kombination ist, selbst wenn die Einzelzutaten nicht sonderlich wild sind. Da selbst ich mich im Grunde noch als fit und gesund bezeichne, hat es mich auch runtergezogen wie sonstnochwas, nicht mehr atmen zu können. Irgendwo lauert da so eine archaische Erstickungstod-Panik und die hat mich gestern nach jedem zweiten Husten (und man bedenke nochmal: Husten während einer Bronchitis!) erwischt. Das Spray half bald nicht mehr und war letztlich fast alle. Super, so um 0 Uhr! So hab ich die Nacht mit einer Unterbrechung in der Rettungsstelle des UKB verbracht. War natürlich währenddessen alles andere als lustig, im Nachhinein betrachtet aber ok.

Natürlich hat das alles Stunden an Zeit gekostet, die ich lieber hier und da und vor allem woanders verbracht hätte, aber ich möchte an dieser Stelle das Unfallkrankenhaus auch loben: Sehr entspannte Atmosphäre, nettes und kompetentes Personal und nicht zuletzt haben die ja einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach. Ich mein‘ ja nur!

Das erste Mal seit 15 Jahren hat man mir nicht ziellos im Arm rumgestochert, sondern auf Anhieb eine Ader für den Zugang gefunden. Das erste Mal hatte ich einen Arzt, der jünger war als ich, dem ich aber voll vertraut hab und der zudem sympathisch und witzig war. Dass man – während das Personal die anderen Patienten versorgt – außerhalb akuter Gefahr auch mal ein Weilchen rumliegt, kann ich akzeptieren. Sollte es ein nächstes Mal geben, denke ich an mehr Lektüre, ansonsten hat das gepasst und ich bin letzten Endes da rausgelaufen mit einem Haufen guter Ideen, brauchbarer Medikamente und meinen Facharzt-Termin in 2 Wochen könnte ich nach dieser Nacht bedenkenlos absagen, die haben wirklich alles gemacht, was irgendwie noch sinnvoll und schon möglich war.

Abgesehen von dem Moment, in dem mir bewusst wurde, dass ich wieder durchatmen kann (der sich anderthalb Minuten nach Behandlungsbeginn eingestellt hatte), war das sicherlich lustigste der Arzt, der mit schreckverzerrtem Gesicht in den Warteraum stürmte, bis er erkannte, dass das Japsen nach Luft weder von mir noch von einem anderen Patienten stammte, sondern von irgendeiner heulenden Trine im Spätabendprogramm, das der Fernseher wiedergab. Wachsam sind ’se also auch! 🙂

Der Ruhe wegen gibt es hier jetzt aber leider auch keine Zitate wie 2008 in Kreuzberg.

Gemeckert wird immer viel und ich tue das auch gerne. Ich könnte das Hämatom in der Armbeuge jetzt zur Körperverletzung hochstilisieren, wegen ein bisschen Rumliegen in einem leeren Raum an einem Inhalator auf die böse „Apparate-Medizin“ schimpfen oder mich aufregen, dass die Frau in der Röntgenabteilung zweifelsohne nahtlos von der NVA über einen Metzger zum UKB gewechselt hat. Aber das fände ich unfair, denn ich weiß die Arbeit der Leute dort sehr zu schätzen. Und ich möchte statt der nervigen Dinge lieber den Arzt nicht vergessen, mit dem ich auf dem Flur noch rumgescherzt hab, dass man um 7 Uhr Morgens auch als Nachtarbeiter mal müde wird und heim möchte und er das sicher irgendwoher kennt. Oder eine der letzten Begegnungen: eine Schwester kam mit den Unterlagen für meinen Hausarzt und wollte mir noch Medikamente mitgeben:

„Und dann hab ich hier noch … oh, Scheißendreck!“

Daraufhin verschwand sie wortlos und kam drei Minuten später mit der richtigen Packung wieder. Passiert. Und hier wie überall: Die Nachtschicht ist die coolere! „Gerne wieder“ wäre natürlich trotzdem ein unehrlicher Abschluss.

Die Luft fürs Schreiben dieses Blogeintrags wurde ihnen präsentiert vom Unfallkrankenhaus Berlin.

PS: Bitte keinen Aufstand jetzt! Ich lebe, ich atme und ich trinke sogar immer noch Cola. 🙂

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Juhu! Leistungsschutz!

Das seit gestern (vorgestern?) öffentlich rumliegende Intelligenzfragment mit der Bezeichnung Referentenentwurf eines Siebenten Gesetzes zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes hat mich trotz meiner weitläufig bekannten Friedfertigkeit nur nicht auf die Palme gebracht, weil die Exemplare in unserem Haushalt noch zu wenig tragfähig sind.

Etwas, dass man diesem „Entwurf“ auch nachsagen kann.

Das Leistungsschutzrecht ist wieder da und mitsamt einiger anderer blöder Ideen sorgt es bei mir so langsam für die Befürchtung, unsere Regierung weiß was, von dem wir noch nicht wissen. Irgendetwas so wichtiges, dass es jetzt völlig egal ist, was für einen Blödsinn man fordert oder umsetzt, weil es eh keine Rolle mehr spielt. Anders ist das nicht mehr zu erklären!

Aber worum geht es? Wie sich das schon anhört: Das Leistungsschutzrecht – klingt ja erst mal nicht schlecht. Leistung kann man doch mal schützen, oder?

Probleme gibt es aber sowohl mit der Idee des Leistungsschutzrechtes an und für sich – als auch mit dem jetzt vorliegenden Entwurf.

Die Idee:

Ich habe mich mit der Idee vor einiger Zeit schon mal polemisch auseinandergesetzt, trotzdem auch hier nochmal:

Das Leistungsschutzrecht ist ein Wunschgesetz, das auf Initiative deutscher Zeitungsverlage auf den Weg gebracht wurde. Die Verlage stellen seit geraumer Zeit einige bis alle ihrer Texte auch online und kostenlos zur Verfügung. Das machen sie im Grunde freiwillig. Ein bisschen verdienen sie sogar daran, schließlich schalten sie beispielsweise Werbung auf ihren Websites. Viele Besucher kommen über Suchmaschinen und andere Links aus dem Internet auf die Verlagsseiten.

Das klingt soweit erst einmal nach Friede-Freude-Eierkuchen. Ist ein Text gut, wird er überall verlinkt, die Leute gehen auf die Seite der Verleger und generieren dort Einnahmen. Damit die Verleger diese Einnahmen auch bekommen, sorgt z.B. das Urheberrecht dafür, dass man fremde Texte nicht einfach woanders veröffentlichen darf.

Nun haben die Verleger aber ein Problem: Das Geld, das sie verdienen, ist zu wenig. Statt daraus aber zu schließen, dass sie vielleicht zu schlechte Texte veröffentlichen, oder dass sie ihre guten Texte nicht mehr kostenlos vertreiben sollten, gucken die Verlage sich um und stellen fest: Mensch, andere verdienen im Internet ja ganz gut, da wollen wir auch was davon.
So zielten die ersten Ideen auch hauptsächlich darauf, große Suchmaschinen dafür zahlen zu lassen, dass diese mit kleinen und automatisch generierten Textstückchen (so genannte  „Snippets“) auf die Seiten der Verlage locken. Das ist so, als würde ich in meinem Taxi den Kunden einen Werbeflyer eines Hotels geben und sagen: „Übernachten sie dort!“ Am Hotel angekommen würde der Portier dann zu mir sagen: „Danke für den Kunden, ich bekomme jetzt noch 50 Cent dafür, dass sie unseren Werbeflyer verwendet haben.“

Würden wir diese Logik zur Staatsraison erklären, wäre Deutschland die erste formelle Idiotie des Planeten!

Die Verlage nutzen dabei eine kleine Lücke im Urheberrecht, die zum einen Zitate eines urheberrechtlich geschützten Textes in einem eigenen Kontext erlaubt, zum anderen aber auch die Snippets, die bisher schon wegen ihrer Länge und der damit einhergehenden geringen „Schöpfungshöhe“ niemals zu beanstanden waren. Zu Recht, denn solche Kurzausrisse können ja allenfalls genutzt werden, um überhaupt auf einen Text aufmerksam zu machen – und im Internet ist Aufmerksamkeit dank visit- und klickbasierter Bezahlung bares Geld wert!

Der aktuelle Vorschlag:

Der vorliegende Entwurf bestätigt nun eigentlich alles, was man dem Leistungsschutzrecht von Vornherein unterstellt hatte. Neben o.g. Idiotie wäre das vor allem das Schaffen einer größeren Rechtsunsicherheit im Umgang mit Pressetexten.

Es fängt damit an, dass der Entwurf bei strenger Auslegung  einen Verstoß nunmehr schon bei winzigen Textfragmenten, mitunter einzelnen Worten oder Wortkombinationen sehen würde. Unklar ist dabei z.B., inwiefern wenigstens eine Überschrift in einem Hinweis eingebettet sein dürfte oder was ist, wenn man einen Text verlinkt, der um bei Google gefunden zu werden (sic!) die volle Überschrift in der Link-URL enthält.
Suchmaschinen – die naturgemäß keine eigenen Texte zu Suchergebnissen verfassen und damit nicht unters Zitatrecht fallen, könnten künftig theoretisch alle Verlinkungen auf leistungsschutzrechtlich gesicherte Texte unterlassen, weil ihnen sonst eine Abmahnung droht.

Der zweite große Stolperstein ist das „gewerblich“ im Text. Das Ganze gilt „natürlich nur für gewerbliche Nutzer“. Aber die Unterscheidung zwischen privat und gewerblich ist bei Blogs z.B. seit langem ein Streitthema. Ein Flattr-Button, eine Werbeeinblendung – und wenn sie nur 2,12€ im Monat einbringen – können schon einen gewerblichen Blog ausmachen und sollen es nach dem aktuellen Entwurf auch. Aber es geht noch weiter: Man kann auch unkommerziell bloggen, es aber dennoch gewerblich tun, wenn man sich beim Bloggen mit seinem normalen Beruf beschäftigt. So gesehen könnte mein Taxiblog GNIT als gewerblich gelten und ich nicht nur als Nutzer von Pressetexten abgemahnt werden, sondern meinerseits für meine Texte das Leistungsschutzrecht in Anspruch nehmen und Leute abmahnen, die die Artikel von mir via Facebook (zu meinem Nutzen!) weiterverbreiten. Doch wie unterscheidet man, welche Texte privat sind oder nicht? So fragt Kai Biermann auf zeit.de auch:

„Wobei sich natürlich die Frage aufdrängt, wie der Leser eines Blogtextes wissen soll, ob der Autor zu den gleichen Themen auch als Journalist arbeitet. Zumindest wenn der Autor nicht so bekannt ist wie eben Stefan Niggemeier.“

Ob dieses Zitat nach dem Leistungsschutzgesetz legal ist? Keine Ahnung! Derzeit ist es durchs Zitatrecht gedeckt. Rechtsanwalt Thomas Stadler weißt in seiner Kurzanalyse darauf hin, dass die Gesetzesbegründung sich ausdrücklich auf ein BGH-Urteil zu Tonträgern beruft, das „kleinste Tonfetzen“ bereits als schützenswert sieht.

Udo Vetter weist zuletzt noch darauf hin, dass die zu erwartenden Abmahnwellen zumindest indirekt dafür sorgen dürften, dass die Menschen sich weniger zu veröffentlichen trauen und vor allem scheuen werden, aufgrund dieser unklaren Rechtsfragen über geschützte Zeitungstexte zu reden und sie ggf. öffentlichkeitswirksam zu kritisieren – dass also quasi über die Hintertür auch noch in die Meinungsfreiheit eingegriffen wird.

Fazit:

Als Fazit kann ich als Blogger schonmal sagen, dass mir diese Idee auf den Zeiger geht. Viel wichtiger aber ist, was dieses Leistungsschutzrecht, wenn es denn so oder so ähnlich kommen sollte, gesamtgesellschaftlich bewirken würde. Und da das Konstrukt bereits die Wort gewordene größte anzunehmende Blödheit zwischen zwei Buchdeckeln darstellt, sehe ich da schwarz. Nico Lumma beispielsweise schreibt, dass das Leistungsschutzrecht als einziges recht gut erkläre, warum in Deutschland keine finanzstarke Internet-Elite existiert. So kann man es auch sagen.

Peinlich daran wird vor allem werden, dass im Falle eines Durchkommens dieses Entwurfes erstmal reihenweise die Einnahmen der Verlage selbst sinken würden, falls haufenweise Blogger und Google – und das kann man allen, auch dem Unternehmen, eigentlich nur empfehlen – es fortan unterlassen würden, auf geschützte Texte hinzuweisen. Aus Angst vor Abmahnungen. Eine interessante Idee hatte dazu @donaupiratin auf Twitter:

„[…] dass das #lsr sich gar nicht gegen das Internet, sondern gegen kleine und mittlere Zeitungsverlage richtet?“

Eine gar nicht so dumme Idee, wobei es sich im Endeffekt nichts schenkt, wer an Lizenz- oder Abmahngebühren wegen kleiner Textfragmente pleite geht: Blogger oder Lokalzeitung.

Wie so oft bei schwarz-gelben Ideen zum Internet wäre das Ergebnis möglicherweise verheerend und keineswegs so harmlos, wie es Christopher Keese, seines Zeichens einer der Hauptbefürworter des Ganzen aus dem Axel-Springer-Verlag, unter presseschauder.de munter verkündet: Dass das ja eigentlich voll toll sei, schon alleine weil Blogger damit jetzt ja auch was verdienen könnten.

Die meisten Geldverschiebungen dank dieses Gesetzes werden sich aber sicher nicht aufgrund irgendwelcher Lizenzen für Texte ergeben, denn die meisten Nennungen von Texten erfolgen im Rahmen einer Kritik oder eines Hinweises, wer kauft sich dazu den ganzen Text? Das Internet bedient sich in solchen Fällen gerne und völlig zurecht kommentierter Verlinkungen! Nein, verdienen an der Sache werden in erster Linie Anwälte, die an harmlose Blogger horrende Abmahnungen wegen lächerlicher Zitate verschicken, mit denen die Verleger ohnehin Geld verdient haben.

Die Verlage überschätzen ihre Relevanz maßlos und glauben, es sich erlauben zu können, auf die paar wenigen Leute zu zielen, die sie für wichtig erachten und unterstützen. Der Schuss wird (auch) nach hinten losgehen und dann ist das Geschrei unter den jetzt so siegessicheren Arschgranaten umso größer!

Lieber lasse ich mir kostenlos ins Taxi kotzen, als diese Gesetzesentwurfsscheiße gutzuheißen!

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