15. Mai 2012 · 07:46
Nach meinem gestrigen Telekom-Bashing gab es fürchterliche Kritik. Und zwar ausgerechnet aus der eigenen Redaktion. Ozie beschied mir, dass ich die Telekom nicht genug fertig gemacht hätte in meinem Eintrag. Und – wie immer natürlich – hatte sie Recht. Die Tatsache, dass ein paar Stoffel vom rosa Riesen hier geklingelt haben, lässt sich bei weitem toppen durch das, was sie bei geöffneter Tür so von sich gegeben haben.
Das (inzwischen ja fast schon eingespielte) Ritual zwischen meiner besseren Hälfte und den Wunderverkäufern läuft so ab, dass Ozie beim Klingeln in Erwartung eines wichtigen Paketes vom Herd lossprintet und während ihr Essen sich langsam in Holzkohle verwandelt, zufällig einen Blick auf die nicht wirklich schicken Telekom-Ausweise der mitunter sonderbaren Randexistenzen vor ihrer Nase wirft. Ein bedauerndes und mildtätiges Kopfschütteln ihrerseits, dann folgt der obligatorische Verteidigungsmonolog:
„Aber Sie wissen doch gar nicht, worum es geht! Wir haben nämlich die Leitungen hier neu gemacht …“
Aha. Dieses „Sie wissen doch gar nicht“ kommt beim fünften kaum noch überzeugend, ganz ehrlich.
Die erste Kandidaten war gleich besonders nett. Ihren massigen Körper vor Ozie aufbauend fragte sie ganz im Verhörton:
„Gehören Sie etwa auch zu denen, die sich von uns abgewandt haben?“
„Äh, ich war noch nie Telekom-Kunde …“
„Das finde ich auch nicht in Ordnung!“
Kann man ja mal probieren. So stelle ich mir die „Kundenbeziehungen“ in Gefängnissen vor. Aber im Drohen war ein Kollege von ihr wesentlich besser. Ozie verneinte ausdrücklich ein Interesse und bekam patzig zu hören:
„Na dann bekommen Sie aber auch kein digitales Fernsehen!“
Ätschibätsch!
Man sollte dazu erwähnen, dass die Umstellung auf digitale Übertragung zu diesem Zeitpunkt kurz bevorstand. Ich will nicht wissen, wie viele alte Omas die mit diesem „Argument“ überzeugt haben. Dass sich bei uns Kabel Deutschland um die nötige Verkabelung bereits vor einiger Zeit gekümmert hat, sei nur am Rande erwähnt.
Andere versuchten es mit anderer Erpressung:
„Tja, momentan liegen Sie ja auf der Nebenleitung. Bei uns würden Sie dann auf die Hauptleitung geschaltet!“
Schön zu wissen, dass die Telekom mit ihrer Quasi-Monopolstellung als Netzbetreiber dafür verantwortlich zeichnet, dass wir hier beschissen lahmes Internet haben. Sich darüber auch noch lustig zu machen, geht an meinem Sinn für Humor völlig vorbei, tut mir leid. Deswegen werde ich trotzdem nix kaufen!
Andere waren zwar offensichtlich nicht so gut informiert, haben aber gleich ganz besondere Wünsche geäußert:
„Wie viel zahlen Sie denn derzeit für Telefon und Internet?“
„Ich glaube, das geht Sie nichts an.“
„Aber ich muss ohnehin mal ihre Telefonrechnung sehen, damit ich erkenne, ob sie auf der Haupt- oder Nebenleitung liegen …“
Klar. Würden sie freundlicherweise gleich noch unser Telefon betatschen, um herauszufinden, ob es mit den Richtlinien der Telekom – zu der ich im Übrigen nicht wechseln werde! – kompatibel sind? Und rufen Sie kurz ihre Familie an, dann können die gleich mit reinkommen, ich mach‘ sowieso gerade Kaffee.
Manchmal lassen sich aber sogar Telekom-Mitarbeiter vor Ort inspirieren. Wir haben an unsere Wohnungstür einen Aufkleber unseres Öko-Stromanbieters geklebt, um nervige Vetreter gleich zum vorbeilaufen zu bewegen, die uns total tollen und neuen Strom andrehen wollen. Der etwas nach Psychopath aussehende Telekomler meinte zur Begrüßung mit Blick auf den Aufkleber:
„Naja, Natur-Telefon kann ich ihnen leider nicht anbieten …“
Um auf humorvolle Art durchscheinen zu lassen, wie sehr mich dieses blöde Wort jetzt dauernd an Natursekt denken lässt, verbleibe ich mit einer Bitte an die Telekom:
Verpisst euch!
