Geld

Geld ist ja so eine Sache. Es macht bekanntlich alleine nicht glücklich, wobei man diesen Spruch oft auch mal sagt, während man an das Geld anderer Leute und deren Umgang damit denkt.

Wie die geneigten Leser hier wissen, ist mein finanzieller Background immer recht begrenzt gewesen – und er wird es wahrscheinlich noch eine Weile sein. Ich bin mir nicht zu fein, Zahlen zu nennen, alleine: es ist sehr unstet. Ich vermute, im Monatsmittel lande ich bei irgendwas zwischen 1000 und 1500 € bei Fixkosten von derzeit rund 700 €. Das ist nicht viel, aber ich habe in den letzten zwei Jahren geschafft, ungefähr so viel zu verdienen, wie ich brauche. Die Kohle ist zwar am Ende immer alle, dafür kann ich vor mich hinleben, ohne im Supermarkt die Preise vergleichen zu müssen. Und das ist für mich der Bereich, wo Luxus anfängt: Wenn ich mir nicht ständig Sorgen machen muss, ob ich mir dieses oder jenes leisten kann. Sicher: Größere Neuanschaffungen stellen einen bei so einem Lebensstil auf eine Probe, glücklicherweise hab ich ja auch gelegentlich unerwartete Einkünfte oder bekomme gar Sachgeschenke. Klappt also.

Wie sehr das klappt und wie sehr man sich daran gewöhnt, ist mir jetzt bewusst geworden, da es das mal nicht mehr zu tun scheint. Das soll jetzt aber nicht als Betteleintrag verstanden werden, denn es steht gerade einfach das Erbe meiner im April verstorbenen Oma noch aus. Das sind ein paar Tausender und die bekomme ich auf jeden Fall. Aber gerade diese in Aussicht stehende Zahlung hat halt auch ein bisschen Schluderei Einzug halten lassen. Statt mal zur Abwechslung etwas mehr zu arbeiten oder sich beim Geldausgeben zusammenzureissen, war oft der Gedanke „Ach, wenn das Erbe dann kommt …“ im Weg.

Das ist – wie gesagt – gar nicht schlimm, weil es ja tatsächlich kommen wird. Ziemlich bald sogar. Aber momentan hab ich den Salat auf den Konten. Dies konnte nicht abgebucht werden, jenes auch nicht, und verfügbar ist kein Betrag, der auch nur für eine der Sachen reicht.

So hab ich früher dauernd gelebt, heute weiß ich nicht, wie ich das ausgehalten hab. Hier was verschieben, da was umbuchen, mal etwas Geld aus der Monatskasse als Vorschuss nehmen … geht ja alles bis zu einem gewissen Grad. Und mal ehrlich: Irgendwas eine Woche zu spät überweisen? Boah, tragisch!

Aber mir ist mal wieder bewusst geworden, wie sehr das an einem nagen kann. Sicher, nach Jahren an Übung arrangiert man sich damit, tatsächlich ist es ein enormer Stressfaktor, insbesondere wenn es einen mal plötzlich und überraschend trifft. Und das sage ich jetzt, dem Geld sonst so wurscht wie nur möglich ist, der eine Menge Möglichkeiten diesbezüglich hat und zumindest in den meisten Monaten zumindest gefühlt weit jenseits der Armutsgrenze lebt.
(Und zudem jetzt gerade auch selbst schuld ist und beim zweiten Nachdenken über die eigene Blödheit lachen kann)

Wisst Ihr, was?

Das ist ziemlich scheiße!

Ich halte Geld nicht per se für schlecht, eine bessere Alternative fällt mir auch nicht ein. Aber es ist schlecht, welchen gesellschaftlichen Stellenwert das hat. Das ist auch das Problem mit ALG2 und Konsorten: Ja, sicher, es reicht irgendwie zum Überleben. Das will ich nicht abstreiten und mir ist bewusst, dass wir es da in Deutschland recht gut haben. Und ich hab’s erst recht gut! Ich glaube, ich bin insgesamt wirklich zufriedener als der Durchschnitt hierzulande. Aber kein Geld über zu haben, belastet unnötig viel. Es ist den meisten Menschen peinlich, arm zu sein. Arm sein bedeutet fast überall automatisch ein Verlierer zu sein. Selbst mit meiner Kohle kriege ich mitleidige Blicke in der Bank. Deren dämlicher Finanzcheck stellt nämlich jedes Mal fest, dass ich meinen (natürlich statistisch ermittelten) Bedarf gar nicht decken kann. Aber klar, statistisch hab ich ein Auto, das mich 300 € im Monat kostet. Und ich hab natürlich nur keines, weil ich es mir nicht leisten kann. Dass ich mit meiner Verkehrsanbindung gar nicht einsehe, 300 € mehr zu verdienen, nur um mir ein Auto anzuschaffen, das steht halt in keinem Plan. Überhaupt ist sich die Welt da draußen einig, dass man bei allem, was man tut, das Maximum rausholen muss. Ist schließlich Geld, und Geld ist wichtig!

Für 300 € mehr müsste ich rund 5 bis 6 Tage mehr Taxi fahren im Monat. Das sind 5 bis 6 Tage, in denen ich das besagte Auto wieder nicht ernsthaft nutzen könnte. Die Rechnung geht nicht auf für mich, sorry.

Ich hab natürlich im Umkehrschluss auch wenig Geld, um es den bedürftigeren Menschen zukommen zu lassen. Da bleibt es dann halt bei Kleinigkeiten. Dem Obdachlosen 2 € statt 50 Cent geben oder zwei Kippen statt einer. Dem arbeitslosen Kumpel sagen, dass er jetzt gefälligst mitkommt in die Kneipe und ich seine drei oder vier Bier ohne weiteres zahlen kann. Vor allem aber klarstellen, dass es keine Schande ist, kein Geld zu haben. Sowas kommt vor, ob unverschuldet oder nicht. Einen ganz großen Anteil an den Problemen der Armen tragen die, die nicht arm sind. Und zu denen will ich sicher nicht gehören.

Die wohl weisesten (weil mit Humor vermittelten) Gedanken zum Thema tauchen meiner Meinung nach übrigens bei Douglas Adams‘ bekanntestem Buch, Per Anhalter durch die Galaxis*, bereits auf Seite 1 auf:

„Dieser Planet hat – oder besser gesagt, hatte – ein Problem: die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten.“

Das sollte man öfter mal bedenken.

*ein Amazon-Link, ich brauch Geld. 😉

6 Comments

Filed under Vermischtes

Merkel, PRISM und co.

Dass ich jetzt nicht gerade ein sonderlich begeisterter Fan der CDU bin, wissen alle hier. Das ist keine persönliche Geschichte, aber was die Merkel da gerade abliefert, ist doch Bullshit!

Viele verstehen nicht, wie man an Angela Merkel etwas auszusetzen hat. Die ist ja immer nett und selbst an einer besonnenen Handlungsweise gibt es ja wenig auszusetzen. Das Schlimme ist meines Erachtens nach, wie sehr diese scheinbare Besonnenheit aalglatter Ignoranz Vorschub leistet. Der von mir sehr geschätzte Medienjournalist Stefan Niggemeier hat in einem aktuellen Blogeintrag einmal ein aktuelles Interview auseinandergenommen.

Und das Ergebnis ist erbärmlich. Ja, erbärmlich.

Ich gestehe Merkel eine eigene Meinung zu und man kann es sogar positiv bewerten, wenn sie diese nicht andauernd in die Tagespolitik einbringt. Muss man nicht, kann man aber.

In Anbetracht der aktuellen Vorkommnisse könnte sie sich aber ebenso gut über das Grundgesetz hocken und draufkacken. PRISM, Tempora, all die Scheiße, die Edward Snowden jetzt ans Licht der Öffentlichkeit befördert hat, ist unter Umständen nicht mehr als der Abgesang auf unsere gesamte westliche Kultur. Rechtsstaatliche Prinzipien wie die Unschuldsvermutung und die Privatsphäre werden mit Füßen getreten, das Vorgehen der (sicher nicht nur ausländischen) Geheimdienste ist vielleicht nicht unerwartet gekommen, in bestätigter Variante jedoch jeden Hitler-Vergleich wert. Mit der grenzenlosen Überwachung des Internets werden nicht nur Gesetze gebrochen, sondern auch Werte in die Tonne gekloppt, mit denen wir bislang Kriege gerechtfertigt haben. Die Sache ist so groß und so unfassbar, dass eine Bundeskanzlerin hier nicht im Entferntesten die Wahl hat, sich aus der Geschichte davonzustehlen.

Tut sie aber. Und das macht einen fertig.

Ich habe in Niggemeiers Text vielleicht ein wenig mehr gelesen als der Durchschnittsinteressierte. Ich hab die Fassungslosigkeit registriert, die Ohnmacht, dieses nicht in Worte zu fassende WTF-Feeling. Und ich kenne das. Sehr gut sogar.

Es ist nämlich genau das Gefühl, das bei mir hervorkommt, wenn es um Gewaltanwendung geht.
Ich mag Gewalt nicht, ich verabscheue sie. Vollkommen und absolut. Und ich bin sicher, dass, würden nur Menschen wie ich existieren, Gewalt obsolet wäre. Obwohl ich tief im Innern Choleriker bin.

ABER: Ich weiß, wie es ist, ohnmächtig zu sein! Ich habe in meinem Leben viele Leute kennengelernt, die Steine und Molotow-Cocktails geworfen haben. Menschen wie ich. Liebenswerte Menschen, gute Freunde, nette Babysitter, geduldsame Partner in Beziehungen, alles erdenklich liebe, was man sich vorstellen kann.
Aber hier und da – und bei manchen auch dauerhaft – kam das Gefühl auf, mit aller Vernunft nichts mehr erreichen zu können, sich nur noch so verteidigen oder ausdrücken zu können.

Das ist nicht schön. Für keinen der Beteiligten. Und es ist so erbärmlich unzureichend, dahinter nur persönliche Probleme oder Gewaltgeilheit zu sehen. (was nicht ausschließt, dass das in Einzelfällen zutrifft)

Ich fühle das gerade auch. Aber ich kann mich zurückhalten, ich bin dann eben doch mit mehr Gelassenheit gesegnet als viele andere. Dennoch lasse ich mich denen zurechnen, die bei der RAF damals als „klammheimliche Unterstützer“ bekannt geworden sind. Mit dem Unterschied, dass es heute nicht mehr klammheimlich ist.

  1. Weil ich es blogge
  2. Weil es ohnehin gespeichert wird

Wäre ich naiv genug zu glauben, dass man dieses Problem mit einer Bombe lösen könnte, dann würde ich sie legen. Nicht obwohl, sondern weil ich ein sozialer und denkender Mensch bin.

PS: Ausgerechnet heute hat sich Merkel dann natürlich zu Wort gemeldet und umfassende Aufklärung gefordert. Jede Wette, dass sie sich da voll reinhängt jetzt … 😉

10 Comments

Filed under Medien, Politik

Und das mir …

Eine gewisse Neugier bei technischen Dingen bringe ich ja mit. Ganz sicher. Aber heute auch nicht mehr überall. Selbst Computer können mal anfangen, zu nerven. Sicher baue ich mir meine Grafikkarten selbst ein und lasse Betriebssysteme nicht vorinstallieren, wenn es sich nicht aus irgendwelchen Gründen anbietet. Da bin ich doch eigentlich versiert und interessiert genug.

Dachte ich.

Denn was bei PCs nach wie vor zutrifft, sieht bei meinem Handy schon wieder ganz anders aus. Ich bin mit den Dingern nie so richtig warm geworden, denn als sie noch kein Internet hatten, waren sie für mich entsetzlich langweilig und ich habe sie nie benutzt. Mein allererstes Handy hab ich mir erst zum G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm besorgt, weil es ein wenig fahrlässig gewesen wäre, den Cops mit ihren Funkgeräten einen Vorteil zu verschaffen. Danach hab ich es erst wieder aus der Schublade geholt, als ich mit Taxifahren angefangen hab. Und von da an ging es schnell Richtung Smartphone.

Aber im Gegensatz zu Computern, die ich halbwegs fachgerecht zerlegen kann, waren auch die neuen Handys für mich eher Spielzeuge, nicht die lustigen erforschenswerten Teile, die ich anno 2000 in meinen Maxi-Tower geschraubt habe. Folglich war ich jetzt ein wenig aufgeschmissen, als mein wunderbares Telefon nicht mehr das gemacht hat, was es sollte. Und im Laufe der Woche wäre ich schon zufrieden gewesen, wenn es wenigstens gebootet hätte.

Zwei oder drei Packstationssendungen werde ich wohl verpasst haben, weil deren blöde Mobile-TAN auf’s Handy gegangen wäre, aber keines der hier anwesenden Geräte meine SIM-Karte angenommen hat. Also zumindest nicht mit meinen Fertigkeiten – und ja, eine Karte einlegen kann ich gerade so noch … 😉

Nein, mein Handy hat sich standhaft gewehrt. Es hat den Bootvorgang kontinuierlich verwehrt und – was noch viel schlimmer war – das ließ sich nicht einmal lösen, indem ich einfach das Betriebssystem neu aufgesetzt habe. Zu Win98-Zeiten hab ich das noch monatlich gemacht – schon damit die Registry schön schlank bleibt. Inzwischen bin ich zwar vielleicht noch nicht ganz DAU, aber doch nur Nutzer der Geräte. Und was hat mich das gefuchst, dass bei diesen Scheiß-Handys formatieren nicht bedeutet, alles runter zu haben, was stört.

Da mein Telefon standardmäßig eine unsinnig veraltete Android-Version mit sich bringt, wenn man es z.B. bei Amazon kauft, war es bereits im Vorfeld von den netten Leuten gerootet und mit einem echt empfehlenswerten Cyanogenmod-ROM ausgestattet. Die schwierigste Arbeit war mir damit tatsächlich abgenommen worden, aber jetzt, da es Probleme machte, mussten ich und Ozie uns erst einmal reinfuchsen in die ganze Materie. Custom-ROMs, Rooting, Flashing und all die CWMs und stable Versions, die einem da auf dem Weg begegnen. Das ist das selbe wie mit den Internet-Bauern: Da kann einem niemand mal eben in einer halben Stunde erklären, wie das alles geht …

Folglich waren es auch eher so rund 20 Stunden Arbeit. Alleine für mich. Die Zahl der neu aufgesetzten Betriebssysteme in meinem Leben hat sich während der Zeit locker verdoppelt. Und ich hab gelernt, viel gelernt. Dennoch hätte ich es mal wieder nicht geschafft ohne die Hartnäckigkeit von Ozie. Und eben den Leuten, denen ich das Handy zu verdanken habe!
Ein äußerst geduldiger Mensch hat seinen Feierabend damit eingeleitet, mir am (Festnetz-)Telefon haarklein irgendwelche simplen Konsolen-Befehle zu buchstabieren, die ich, ganz ehrlich, längst selbst beherrschen hätte sollen. Aber nicht einmal das brachte etwas. Eine komplette Nacht Schlaf ausgelassen, saß ich immer wieder an Rechner und Handy und hab mit der Zeit die Hoffnung fast aufgegeben, das Teil nicht aus der Hand geben zu müssen. Was sollte ich nur heute Abend während der Arbeit tun!?

Dass ich nach locker 36 Stunden Wachphase jetzt noch lustig daherblogge, ist unter anderem auch der Verdienst eines Typen, den ich erst einmal für bekloppt hielt. In einem Forum im Netz schrieb er ein Posting zum Thema und sein Lösungsvorschlag hatte ganz offensichtlich nicht im Ansatz mit dem eigentlichen Problem zu tun. Aber er schrieb, es würde funktionieren. Und immerhin sah sein Problem am Ende eines langen Leidenswegs ähnlich aus wie meines. Ausprobiert haben wir es am Ende nur, weil es eigentlich auch nur noch um einen Download, ein ROM-Flash und um ein bisschen Dateienschubsen ging – alles Dinge, die wir hundertfach hinter uns hatten und auf die es am Ende einfach nicht mehr ankam.

Und siehe da …

Nein, so ganz klar ist mir immer noch nicht, wie das geklappt hat. Eine grobe, mehr philosophische als wissenschaftliche Erklärung mal außen vor gelassen. Aber es zeigt, dass es sich lohnt, am Ball zu bleiben. Vielleicht schaffe ich das hier und da ja auch mal wieder ein bisschen mehr.

6 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes

Besuch

Ich mag neue Technik. Ich hab sie immer schon gemocht. Gelegentlich blitzt sogar noch dieser alte kindliche Spieltrieb auf, diese Faszination neuer Möglichkeiten. Wie atemberaubend es doch 1996 war, als sich am alten Pentium I meines Vaters plötzlich dreidimensionale Spielwelten auftaten. Gut, es waren vielleicht nur 400×300 Pixel, aber: Wow!

Als der Schwob, seines Zeichens mein hoffentlich einziger Bruder*, sich gestern auf den langen Weg von Stuttgart nach Berlin aufgemacht hat, um mich das erst zweite Mal in fünf Jahren zu besuchen, hab ich mir kurzerhand den Facebook-Messenger auf dem Handy installiert, um unterwegs mit ihm Kontakt halten zu können. SMS ist dann ja doch ein wenig überholt. Und wie praktisch es doch war, dass die Ortungsfunktion im Messenger standardmäßig angeschaltet ist:

[…]

„Naja, schätze mal ihr schlaft. Dann verpasst Ihr hoffentlich nicht Euren Ausstieg nachher.“

[…]

„Ja, haben gepennt. Und kein‘ Plan, wo wir sind.“

„Halle (Saale). In einer Stunde seid ihr da …“

Deswegen tracke ich mich bei der Arbeit auch selbst: Ich hab nunmal Spaß an solchen Spielereien. Da ist die Spielwelt zwar noch nicht in 3D, dafür bildet sie aber auch noch die Wirklichkeit ab. Ich freu mich drauf, wenn beides auf einmal erschwinglich wird.

Ich hab die Tage also Besuch und folglich recht wenig Zeit. Passiert. Immerhin nur selten.

*einer davon reicht, glaubt mir. 😉

11 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes

Abhängig (3)

oder: Wie mein Postbote den Kuli entdeckt

Zeitlich war das gestern reichlich konfus. Um 13.55 Uhr klingelte es Sturm, ich habe die Nacht vorzeitig beenden müssen. Um rechtzeitig zur Tür zu kommen, hat es allerdings nicht gereicht. Einen leisen Verdacht hatte ich: Könnte das schon die DHL mit meiner Congstar-SIM gewesen sein? Meine Buchung lag zwar erst 36 Stunden zurück und die Nachricht, dass meine alte Nummer am 2. Juli wieder verfügbar sein würde und die SIM etwas früher kommt, war noch keine 24 Stunden alt.

Beim Aus-dem-Haus-Watscheln zum O2-Shop (siehe Teil 2) hing dann tatsächlich ein entsprechender Zettel an der Türe. Da wir – wie man ja jeden Tag überall sieht – eine wahre Terrorismusschwemme seit Einführung des Handys hatten, ist die persönliche Identifizierung ja notwendig, weswegen die DHL mich um Rücksprache wegen eines Termins bat. Soweit, so erwartbar.

Wir sind trotzdem erst zu O2, da die Freischaltung der Karte ja trotzdem erst nächste Woche, und damit zu spät für einen Internet-Junkie wie mich, erfolgen würde.

Kaum dass wir allerdings zu Hause am Küchentisch schnallten, dass O2 mich über selbigen gezogen hatte, klingelte es abermals. Wieder die DHL. Hui: Zweiter Zustellungsversuch in 5 Stunden, nicht schlecht! Muss man mal ehrlich sagen. Aus dem Aufzug schwang sich ein grauhaariger Rentenanwärter und breitete die Arme aus:

„Er ist anwesend! Wahnsinn!“

Ich scheine einen gewissen Ruf in Postkreisen zu haben. Das freut mich. Ähnlich euphorisch ging die ganze Prozedur weiter. Er nahm meinen Ausweis entgegen, überließ es dann aber größtenteils mir, vorzulesen, was darauf geschrieben stand, denn er hatte „die falsche Brille dabei“. Richtig ulkig wurde es, als ihm der Kuli runtergefallen ist. Ich war zwar so nett, ihn aufzuheben, um den armen Mann mit der falschen Brille nicht die Suche zu überlassen – das hat aber nichts daran geändert, dass sich die Mine besagten Schreibgerätes nun nicht mehr ausfahren ließ. Gute drei Minuten hat der gute Mann mit aus dem Mundwinkel hängender Zunge an dem Kugelschreiber rumgefummelt, bis er – mehr schlecht als recht – damit schreiben konnte.

Mein Bedarf an Unterhaltung war nach dieser Begegnung jedenfalls gedeckt für den Tag.

Und nun sitze ich hier – nach einem etwas aus dem Ruder gelaufenen Mittagsschlaf – und bin wieder online. Zwar nur mit der Tages-Flat, weil es auch noch einen Buchungsfehler bei O2 gab (Ganz großes Kino, Jungs! Und dafür hab ich eine halbe Stunde in eurem Laden verbracht!) – aber immerhin!

Meine alte Nummer wird voraussichtlich am 2. Juli wieder freigeschaltet, ab da ist dann wieder alles wie bisher. Die Nummer, die ich jetzt habe, gebe ich nicht weiter, das verwirrt bloß. Und so wichtig, dass man damit nicht eine Woche warten könnte, ist nichts. Außer das mit dem Internet, wie man sieht …

19 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes

Abhängig (2)

oder: Wie mich O2 über’n Tisch gezogen hat

Mein abermaliger Schnellcheck hat bestätigt, was ich befürchtet hatte: Das mit Abstand beste Angebot hatte ausgerechnet Congstar. Das ist moralisch wirklich nicht leicht für mich, denn Congstar ist bekanntermaßen eine Tochter der Telekom, und zu denen zu gehen, ist im Grunde nie eine gute Idee gewesen, spätestens dieses Jahr aber eigentlich völlig untragbar. Pest und Cholera eben. Aber, in Ermangelung wirklich gangbarer Alternativen: Wenn die Telekom doppelt so beschissen wie Vodafone ist (was angezweifelt werden darf, Vodafone ist halt nicht so blöd, mit dummen Plänen als erstes an die Öffentlichkeit zu gehen), ich aber bei denen nur ein Drittel des Preises zahle – hab ich dann am Ende nicht doch weniger Scheiße mitfinanziert?

Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass ich bei denen 3 mal mehr Datenvolumen bei jederzeit möglicher Kündigung für 12,99 € kriege.

Sogar eine Mitnahme der Rufnummer war nachträglich noch möglich, soweit alles gut. Dauert halt ein bisschen, ist ja logisch. Mindestens eine ganze Woche ohne Netz hätte ich so aushalten müssen. Dass ich ein paar Tage nicht auf dem Handy erreichbar bin, ist nicht wirklich schlimm – aber ohne Mails und Twitter? Ohne Tracker? Vergiss es!

Aber die Welt kennt Abhilfe. Warum nicht kurz eine Prepaid-Karte holen, für eine Woche sollte da ja der letzte Rotz funktionieren. Prepaid ist zwar so ein Wort, von dem ich dachte, es sei in Verbindung mit Handytarifen im letzten Jahrtausend bereits ausgestorben, jetzt war ich froh, dass es offenbar doch in einer Nische überlebt hat. Denn ich saß jetzt in einer Nische, in der das Konzept passend war.

Ich bin in unserem Einkaufscenter in den O2-Shop reingelaufen, kurz nachdem einer der Mitarbeiter einen Kasten Bier vom Rewe dort hineintrug. Find ich nicht unsympathisch, schien aber in Anbetracht der folgenden Ereignisse vielleicht nicht der erste an dem Tag zu sein.

Denn mein Anliegen war nicht so kompliziert: Eine Woche Internet, maximal. Telefonieren, Tarife, alles völlig wurscht!

Nun, zugegeben: Bekommen hab ich das, allerdings unnötig teuer. Denn – auch wenn es vielleicht lieb gemeint war – ich hätte ganz offensichtlich keine 10 € für eine Internet-Flat (witzigerweise mit einem vergleichbaren Volumen wie mein Vodafone-Vertrag bis dato) ausgeben müssen, wenn ich schon einmal 10 € Guthaben auf der normalen Karte hab. Bei einem Besuch im Netz bucht der O2-Prepaid-Salat nämlich automatisch eine Ein-Tages-Flat für 0,99 € – was auf eine Woche hochgerechnet ziemlich problemlos in 10 € drin ist. Ergo: 20 € gezahlt, 10 davon umsonst. Grummel. Es ist mir tatsächlich gerade egal, wie viel das kostet, aber umsonst das Geld zum Fenster rauswerfen wollte ich auch nicht. Das Fazit des gestrigen Tages kommt daher von Ozie:

„Eigentlich ist es ja praktisch, dass O2 sich so verhalten hat. Hab ich schon einen Anbieter weniger, bei dem ich mich umsehen muss, wenn ich mir demnächst einen neuen Vertrag besorge.“

Egal. Ich bin also am Wochenende weiter online. im dritten Teil geht es dann um die DHL und die Zukunftsaussichten.

10 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes

Abhängig (1)

oder: Wie ich meinen Handyvertrag wechseln wollte

Mein Handyvertrag nervt mich. Seit Jahren. Ich hätte ihn schon lange wechseln sollen, aber bei der ewigen Vertragslaufzeit hab ich nie den rechtzeitigen Absprung geschafft. Außerdem: Ist es nicht Jacke wie Hose? Von der Sache her ja: Es gibt keinen Mobilfunkanbieter da draußen, der mir wirklich passt. Insbesondere des Internets wegen. Jeder pfuscht da in dem Rest rum, das er Internet nennt, verbietet dies und jenes, nie wirklich im Interesse der Kunden. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Zum Telefonieren würde ich mit einer 25€-Prepaid-Karte ein halbes Jahr lang auskommen, das Netz aber ist inzwischen wichtig geworden. Und da wurde der Leidensdruck langsam zu groß.

Mein Vertrag bei Vodafone war seit Anbeginn der Zeiten teuer, inzwischen sind die da dermaßen ins Hintertreffen geraten, dass es nur noch weh tut. Zwar nutze ich das Netz unterwegs nicht im herkömmlichen Sinne viel – ich lade wirklich kaum was runter, surfe fast nie – dennoch ist die Limitierung auf 300 MB mit passabler Geschwindigkeit so begrenzt, dass ich sie jeden Monat ausgereizt habe. Mit Twitter und meinem Tracking-Dienst alleine, so mehr oder weniger. Ein paar Mails noch, das war’s. Und dafür dann 30 Steine im Monat – oder 35, so genau weiß ich das gar nicht mehr. Das ging einfach nicht mehr.

Also hab ich mir vor drei Monaten ein Herz gefasst und gekündigt. Ich hab festgestellt, dass die anderen Anbieter zwar immer noch einen an der Klatsche haben, es den ganzen Quark aber zumindest mal für wesentlich weniger Geld gibt. Bei Vodafone hätte ich so ab 80 € in etwa das bekommen, was ich haben wollte – zusätzlich zu irgendwelchem Stuss wie z.B. 100 MMS gratis.

Wer nutzt denn bitte MMS?

Da wäre mir ein beigelegter Werbe-Kuli ein größerer Mehrwert gewesen!

Abgesehen davon, dass ich nach meiner Kündigung erst einmal die Füße hochgelegt habe, passierte etwas, das ich so nicht erwartet hätte: Die von Vodafone haben das hingenommen. Einfach so. Haben nicht einmal einen Rückhol-Versuch gewagt. Was nur fair ist, ich aber von der Saubande nicht erwartet hätte. Hatte mein telefonischer Auftritt offenbar Wirkung gezeigt. Damals nämlich wollten sie mich eigentlich zwei weitere Jahre mit einem neuen Handy ködern. Stattdessen hab ich gekündigt. War wohl deutlich genug.

Aber gut. Vodafone war also lieb und ich war so verplant wie immer. Irgendwann im Sommer, da müsste ich dann mal schauen …

Am 24. Juni hab ich dann festgestellt, dass ich kein Netz mehr habe. Die Verbindung zu o.g. Kündigung war bei mir weniger präsent, als ihr Euch das jetzt wohl vorstellen könnt. Ich hab eine Weile gebraucht, bis mir klar war, dass es nun schon so weit war. Und jetzt? Neuer Anbieter? Kann ich die Nummer noch mitnehmen? Was jetzt? Wie lange das jetzt wohl alles dauert? OMG, OMG, OMG!

Später mehr.

2 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes