Bettgeschichten

Ich hab ein neues. Mit schwarzem Bettlaken. Hui! Ende.

Bett. Quelle: Sash

Bett. Quelle: Sash

Sehr informativ, ich weiß. Der Grimme-Preis ist mir nahezu sicher.

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Wiedersehen

Ich freue mich sehr darauf, den heutigen Arbeitsanfang eine Weile nach hinten zu verschieben.

Nicht, weil ich das ohnehin gerne mal absichtlich oder unabsichtlich tue, sondern weil ich gestern überraschend von einem alten Freund kontaktiert wurde, der sich gerade in Berlin aufhält – und wir uns treffen wollen.

Ich muss dazu anmerken, dass es genügend potenziell ähnlicher Treffen geben würde, bei denen ich mir unsicher wäre und bei denen ich mir überlegen würde, ob ich sie mir wirklich geben will. Tatsächlich aber handelt es sich um einen Freund, den ich einfach dank der Wirrungen der Geschichte seit rund 10 Jahren nicht mehr gesehen habe. Hier und da mal eine Mail, so weit, so gut. Ganz verliert man den Kontakt in der heutigen vom Internet geprägten Welt ja auch nur selten.

Aber 10 Jahre nicht sehen … wir sind beide erst um die 30. Da ist das noch ein recht singuläres Ereignis. Sozusagen eine erste Wahrnehmung dessen, was das Wort „Lebenswege“ überhaupt umfasst.

Ich freue mich. Und fühl mich doch auf sehr komische Art sehr erwachsen … 😉

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Nachschlag zu #Neuland

Großes Kino gestern mal wieder: Beim Besuch von Barack Obama in Berlin sagte Angela Merkel (Unsere Kanzlerin, für die RTL-Zuschauer) unter anderem folgendes:

Nochmal als Text:

„Das Internet ist für uns alle Neuland und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung natürlich mit völlig neuen Möglichkeiten und Mö … völlig neuen, äh, Herangehensweisen, unsere Art zu Leben in Gefahr zu bringen.“

Gut. Was darauf folgte, war vorherzusehen und ist steht heute wahrscheinlich gedruckt in jeder Zeitung: Ein Shitstorm auf Twitter ergoss sich über Merkel, es wurden Witze unter dem Hastag #Neuland gepostet, die überwiegend natürlich die Medienkompetenz unserer obersten Repräsentantin durch den Dreck zogen. Muss man nicht gut finden, allerdings – und dazu kommen wir noch – ist das nicht alles gewesen.

Nachdem die Timelines voll waren mit lustigen Bildchen und Sprüchen zum Thema, meldeten sich auch Kritiker. Der Tenor war im Großen und Ganzen der, dass das ja SO nicht gemeint war. Natürlich hätte die Kanzlerin Ahnung vom Netz, und jetzt wegen eines Wörtchens so rumzumachen, sei kindisch. Andere formulierten das noch einmal mehr um. Der Regierungssprecher Steffen Seibert, seines Zeichens selbst Twitterer, ließ folgendes verlauten:


Als Text:

„Zur Neuland-Diskussion: Worum es der Kanzlerin geht – Das Internet ist rechtspolitisches Neuland, das spüren wir im polit. Handeln täglich.“

Aha. Dieser – zweifellos als Schadensbegrenzung gedachte – Schnellschuss verschlimmert die Sache jedoch nur. Man darf nicht vergessen, dass der Austausch zwischen Merkel und Obama in dieser Woche überschattet war von der Affaire um PRISM. PRISM ist ein Überwachungsprogramm des amerikanischen Geheimdienstes NSA und hat – die genauen Umstände sind noch dabei, ermittelt zu werden – das bestätigt, was viele lange befürchtet hatten: Geheimdienste überwachen das Internet ziemlich umfänglich, insbesondere unsere e-Mails und die ganzen Social-Media-Plattformen sind alle nicht sicher. Keine Überraschung, aber schlimm, weil es jetzt alle wissen.

Merkels Anbiedern an Obama, indem sie „das Internet“ zu einer neuen Sache erklärt, bei der halt alle noch irgendwie am Gucken sind, wie man das dort so macht, ist diplomatisch verständlich. Gruselig, aber diplomatisch verständlich. Unser Regierungssprecher schiebt jetzt nach, dass es ihr ja eigentlich „nur um rechtspolitische“ Fragen geht. DAS hingegen ist wirklich eine Farce!

Nicht nur bedient er damit dieses alte Klischee, dass das Internet ein rechtsfreier Raum sei, er bestätigt quasi auch noch, dass die Regierung(en?) das so empfinden. Dabei ist diese These völliger Quark: Das Internet ist eben nicht dieses „Neuland“, in dem irgendwelche Eingeborenen komische Dinge tun und die Gesellschaft da jetzt irgendwie gucken muss, wie man da Fuß fassen kann. Im Internet gelten die gleichen Rechte wie außerhalb. Seine Supranationalität macht die Umsetzung derselben manchmal schwer, ebenso die schiere Größe und dezentrale Ausrichtung. Aber: Das liegt auch daran, dass gerade die Regierung ständig dabei ist, dieses Thema nach hinten zu verschieben und zu verschlafen. Und statt zum Beispiel wirksame Datenschutzregelungen zu verabschieden, beteiligen sich alle Staaten munter an deren Aushöhlung. Weil das Internet ja ein ach so freier Raum ist.

Merkel wanzt sich an die ran, die ohnehin Angst vor dem Netz haben, Seibert schiebt für die „Internetgemeinde“ nach, dass wir ja nun eigentlich damit auch nicht gemeint sind. Aber wo bleibt aus Regierungskreisen die Antwort darauf, dass hier vielleicht millionenfach massiv in die Grundrechte eingegriffen wird?

Richtig, Grundrechte!

Das Internet gibt es jetzt seit rund 20 Jahren. Seit mindestens 10 Jahren (sehr konservativ geschätzt) ist unübersehbar, dass es aus der Welt nicht mehr eben kurz verschwinden, sondern seine Verbeitung und Bedeutung sich ausweiten wird. e-Mails sind keine freakigen Nischenlösungen mehr, sondern wahrscheinlich die meistgenutzte Kommunikationsform. Weltweit und in Deutschland. Und Politik, Polizei und Geheimdienste finden es völlig normal, die zu überwachen?

Wie wäre wohl die Reaktion, wenn es um „stichprobenartige“ Brieföffnungen oder „flächendeckende“ Durchsuchung von Handtaschen gehen würde?

„Das Internet“ ist kein Neuland. Es hat Milliarden Benutzer, und es werden mit jedem Jahr mehr. Und rechtspolitisches Neuland ist es allenfalls, weil die Regierungen ihre Zeit damit verbringen, im Internet ein solches zu sehen und lieber von Verlagslobbyisten vorgelegte Gesetze durchzuwinken und es kleinzureden; als die weltweite Vernetzung endlich als gegeben anzuerkennen und sich mit den Folgen ergebnisoffen zu beschäftigen. Im Übrigen durchaus Folgen, die klassisch konservative Themen einbeziehen. Thomas Knüwer zieht in seinem Blogeintrag von gestern z.B. nicht nur lustige Vergleiche, sondern stellt (einmal mehr) fest, wie fatal sich diese Internetangst seitens der Regierung auch auf die Wirtschaft auswirken könnte wird. Ebenso sieht das auch Patrick Beuth bei zeit.de.

An der Kommunikationsform muss wohl noch gearbeitet werden. Es ist kein Wunder, dass die verballhornende Kritik alleine – gerade in Anbetracht der Weltfremdheit unserer Kanzlerin – kaum dort ankommt, wo sie gehört wird. So fordert denn auch der Tagesspiegel, es wäre Zeit, zu zeigen,

„dass Merkels Aussage auch jene betrifft, die an ihrem Rechner noch nie über eine Partie Minesweeper herausgekommen sind; dass es grundsätzlich darum geht, dass Privatsphäre auch in technisch vermittelten Lebensräumen Schutz genießt.“

In nicht einmal mehr hundert Tagen ist Bundestagswahl. Ich denke, deutlicher muss ich an dieser Stelle nicht mehr werden.


Kleines PS: Wie man mit dem Internet umgeht, was es ist, das MUSS man selbst rausfinden! Das können auch „wir“ netzaffinen Leute nicht mal eben erklären. Hab ich auch schon mal verbloggt.

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Lesergewinnung, Level: Profi

Es folgt nun wieder die anstrengendste Saison des Jahres. Ich meine Ausnahmsweise nicht den Sommer – obwohl ich den mit seinen langen Tagen durchaus auch immer ein wenig im Verdacht hab, anstrengend zu sein. Nein, meine fünfte Jahreszeit ist die, in der ich die Meldungen für die VG Wort erstelle. Jedes Jahr gegen Mai/Juni geben sie bekannt, welche Texte die Mindestzugriffszahl für eine Auszahlung erreicht haben – und dann muss ich für jeden eine Meldung erstellen. Das sind im Grunde nur ein paar Klicks, ein bisschen Copy & Paste.

Wenn man denn nicht wie ich quasi an jedem einzelnen Tag des Jahres einen Text geschrieben hat, auf den das zutrifft. Im Ernst: Fürs Jahr 2012 vermeldete die VG Wort bei mir 348 relevante Texte. Wenn man da mal mit einbezieht, dass das ja nur diejenigen sind, die länger als 1800 Zeichen sind, dann muss ich wohl zugeben, dass ich eine Menge Quatsch ins Internet schreibe – und ihr den auch noch lest. 😉

Das Schöne ist natürlich: Ich kann mir nun einen Mindestbetrag zusammenreimen, denn auch die Auszahlungsstufen sind nun verkündet worden. Und, für alle Finanz-Stalker unter meinen Lesern: Eins ist sicher – es wird sich dieses Jahr zumindest in einem ähnlichen Bereich bewegen wie im letzten.

Nun aber zur Lesergewinnung. Kaum, dass ich angefangen hatte, ein paar Meldungen abzuschicken, bekam ich eine Mail. Von – richtig: der VG Wort. Besser gesagt von einer der Angestellten dort, die die Meldungen bearbeiten und mir zum Inhalt des oben verlinkten Artikels einige Erklärungen gegeben hat. Dazu die Quoten dieses Jahr und – und darauf wollte ich hinaus – den schönen Satz:

„Ansonsten…freue ich mich immer über Ihre Meldungen und lese in Ihrem Fall nicht um etwas zu prüfen, sondern weil ich ganz privat die Texte gerne lese (und es sehr interessant finde, als Fahrgast mal zu hören, was die andere Seite so zu sagen hat ;-)…“

Das kann jetzt nur noch getoppt werden, indem mein Bankberater mich mal auf meine Verwendungszwecke anspricht. 🙂

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#000000

Momente, in denen einem selbst Stuttgart irgendwie weltoffen vorkommt …

Dieses Wochenende war ausnahmsweise mal nicht von Arbeit bestimmt. Weder bezüglich schreiben, noch gar im Taxi. In meinem Terminplan stand mitten in der Nacht (11 – 18 Uhr) eine der Familienfeierlichkeiten, die eben manchmal anfallen. In diesem Fall ein verschobenes Pfingsttreffen, das verschiedenste Teile meiner angeheirateten Familie mal wieder an einem Tisch im Garten bei Kaffee und jeder Menge selbst zubereiteter Speisen zusammenbrachte.

Da sich inzwischen die eigene Generation umfangreich der Vermehrung widmet und die Abkömlinge zwischen Gebäck und Bäumen umhertollten, haben Ozie und ich uns für die Zigarettenpausen meist einmal ums Haus verzogen, man ist sich der Problematik ja bewusst.

Und so standen wir in der gleißenden Sonne, kniffen deretwegen die Augen zusammen und nahmen mehr schemenhaft wahr, dass eine Nachbarin dieser Kleinsiedlung mit einem Altersdurchschnitt von ungefähr 70 Jahren vorgefahren kam. Zunächst wurde sie unser kaum gewahr, dann weitete sie erschrocken Augen und Mund und rief uns über die nächstbeste Hecke zu, ob alles in Ordnung sei.

„Selbstverständlich. Der Rest sitzt hinter’m Haus und trinkt Kaffee.“

gab ich vermeintlich eindeutig zurück. Das aber beruhigte die resolute Dame kein bisschen und sie trat näher, um folgendes zu erfahren:

„Ist irgendwas schlimmes passiert?“

WTF? Was sollte denn passiert sein? Offenbar waren wir als junge Menschen ihr nicht mal per se unheimlich, also …“

„Ich mein ja nur, weil Sie hier beide … und dann in schwarz …“

DER war wirklich gut! 🙂

Wir machen uns ja nicht wirklich Gedanken über unsere gemeinhin etwas monochromen Auftritte. Vor allem aber kam noch niemand bislang auf die Idee, uns (und sei’s wie hier durch die Blume) zu fragen, ob wir einer Beerdigung wegen vor Ort wären. Aber da unterschätzt man als Berliner wohl gerne die Neugier der Menschen aneinander. Auch als wir zu Tisch zurückgekehrt waren, zeigten sich die Anwesenden wenig verwundert:

„Passiert Euch das nicht ständig?“

Nein. Nicht.

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Dumm flattert gut.

Falter. Eine Krankheit. Zumindest, wenn man Ozie glauben darf. Während ich wenigstens gelegentlich ein wenig kindliche Faszination ob der größten regelmäßig in unserem Haushalt anzutreffenden Insekten entwickele, kann sie diese Tiere nicht ausstehen. Bei der Begründung kann ich sogar mitgehen, denn tatsächlich fallen die Viecher ja nicht nur durch ihre schiere Größe auf, sondern auch durch ihre Dämlichkeit auf. Ohne Rücksicht auf Verluste erkunden sie ihre Umgebung durch direktes dagegenprallen. Die unzähligen Tock-Tocks in einem befalterten Raum können nervig sein. Und dass einem selbst von so einem scheinsuizidalen Insekt eine Kopfnuss verpasst wird, ist auch recht wahrscheinlich.

Dennoch haben wir keine Ahnung, wo die Dose herkommt.

Eine Dose Insektenspray steht in unserer Haushaltswarenecke namens Saarland und beschäftigt uns hin und wieder. Bei einer bewegten WG-Vergangenheit wie der unseren reizt es einen hin und wieder, sich zu überlegen, wer denn wohl ein „Insektenspray-Typ“ gewesen sein könnte: Unsere Bio-Essen konsumierende und Capoeira-praktizierende Frohnatur? Wohl eher nicht. Der grummelige Pädagoge oder vielleicht doch der faule kommunistische Mechatroniker?

Wahrscheinlich aber war es Ralf.

Ozie und ich sind es jedenfalls nicht gewesen, denn bei aller Liebe zur gepflegten Selbstzerstörung käme es uns beiden komisch vor, Gift in Dosen zu kaufen und das dann in der Gegend rumzusprühen. Ozie geht seit jeher mit Gläsern und Postkarten auf Falterjagd, ich selbst komme nur selten auf die Idee, so ein Tierchen überhaupt zu vertreiben.

Die Geschichte mit den Faltern und dem Insektenspray freilich kulminierten zu einem gemeinsamen Höhepunkt gestern früh – so ganz grundlos erzähle ich diesen Schwenk aus unserem Alltag dann ja auch nicht:

Ozies Zimmer war wieder mal von einem riesigen Falter besetzt (nach Zeugenberichten war er ungefähr zwei bis drei Meter groß), Ozie selbst trotzte der Gefahr so cool es ging unter ihrer Bettdecke. Es tock-tockte am Fenster, draußen war es bereits hell. Als das Geräusch dann verstummte, war die Gefahr jedoch noch nicht gebannt. Der Falter hatte es leider nicht geschafft, herauszugelangen, sondern flatterte nun im Inneren des Heizkörpers unter dem Fenster und irgendwann schlief selbst Ozie ein.
Doch der Alptraum war nach dem Aufwachen nicht etwa vorüber, nein: Immer mal wieder meldete sich das Viech, stundenlang, immer von der selben Stelle aus, es hing dort offensichtlich fest. Tolle Wurst!

Da ganz offensichtlich keine Möglichkeit bestand, der Situation irgendeine positive Wendung zu verpassen, fiel der Entschluss, das arme Tier zu erlösen. Insektenspray sollte wenigstens schneller gehen als verhungern.

Wie grenzenlos doof man sein muss, um sich als Insekt irgendwo einzuklemmen? Nun, da sollte man besser Insekten befragen. Was meine Frage ist: Ist das Vorhandensein toter Tiere in Heizkörpern bereits ein Fall für die Wohnungsbaugesellschaft? Ich hab den leisen Verdacht, dass davon nix im Mietvertrag steht …

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Verschiebungen des Lebens

Ich habe die Befürchtung, mein 16-jähriges Ich würde mich hassen.

Nicht unbedingt vollständig. Ich denke sicher, der 16-jährige Sash würde sich erstaunt fragen, wo ich bitteschön eine Frau fürs Leben herbekommen habe – und anerkennend nicken, wenn ich ihm die Geschichte mit der WG, der Party und dem vielen Alkohol erzählen würde, die nun einmal die Grundlage für die nunmehr über 7 Jahre andauernde Geschichte war.

Beim Thema Ehe wiederum …

Aber darum geht es mir gar nicht. Es geht tatsächlich um die Kunst.

„Ich hoffe, dass ich niemals zu den langweiligen Erwachsenen gehören werde, die nur noch ihre alte Musik hören, oder noch schlimmer: Die ganze Scheiße, die im Radio läuft!“

(meine Worte, ca. 1997)

Ganz so schlimm ist es natürlich nicht gekommen. Zwar höre ich tatsächlich nicht mehr so intensiv und bewusst Musik wie früher, das Radioprogramm jagt mir aber immer noch einen Schauer über den Rücken. Und bei aller Vorliebe für altes gruseln mich die ganzen Ü30-Parties, bei denen Steinzeit-Dancefloristen auftreten, die ich schon kurz nach der Veröffentlichung ihrer zwei einzigen Hits in die Tonne treten wollte, aus der sie herkamen. Ebenso finde ich – zwar wesentlich seltener als früher, aber eben immerhin manchmal – noch neue Musik, die ich nicht ablehne. So lange es mir gefällt oder objektiv betrachtet neu und/oder mutig ist, hat es meinen Respekt. Und nur weil ich sowas seltener finde, stimme ich keinen Abgesang auf dieses Jahrzehnt an. Die 80er waren schließlich auch gruselig und haben doch eine Reihe meiner Lieblingsinterpreten großgemacht oder zumindest mal sozialisiert.

Nein, das Schlimme mit der Musik ist – und das würde der 16-jährige Möchtegern-Punk nicht verstehen – dass sie mir nicht mehr so wichtig ist. Dass ich sie seltener bewusst höre, dass sie nicht mehr die Wahl Nummer 1 unter den Kunstrichtungen ist.

Ich hab mir diese Gedanken gemacht, als ich heute im Taxi durch Berlin gecruist bin und die Anlage auf „Ohrenputzen“ gestellt hatte. Im CD-Player die Discover my Soul von H-Blockx, meiner Meinung nach im Übrigen eine zu Unrecht verurteilte Band, auch wenn die Songs nicht gerade ein Aushängeschild der Komplexität sind.

„Wann hat sich das das letzte Mal so gut angefühlt, den Song voll aufzudrehen?“

hab ich mich bei „Life is feeling dizzy“ gefragt.

Lange nicht mehr, zugegeben.

Und ich musste mir von dem neugierigen Naseweis aus dem Jahre 1997 die Frage vorhalten lassen, weswegen ich nicht öfter mal die Stereoanlage auf Durchzug stelle.

Mit den Nachbarn brauche ich mich nicht verteidigen. Die hätten eine Abreibung verdient – auch für den ganzen Ehekrach, den ich mir ungefragt anhören muss – und nach all den Jahren in der WG weiß ich auch, dass der erste Besuch der Cops wegen Ruhestörung völlig lächerlich und kostenlos ist.

Des Rätsels Lösung ist viel einfacher: Es stört mich selbst. Musik ist eine erstklassige Geschichte, um sich – wenn möglich unter dem Einfluss diverser Drogen – zurückzulehnen und sich ganz und gar seinen Gefühlen zu überlassen. Diese Momente waren zahlreich in meinem Leben und ich habe sie nicht gänzlich abgehakt. Aber darüber hinaus hab ich so viel mehr gefunden im Lesen und Schreiben.
Ich bin nicht multitaskingfähig. Zumindest nicht grenzenlos. Einen Zeitungsartikel überfliege ich auch mal kurz bei Musik im Hintergrund. Volle Power gute Musik und gleichzeitig gute Texte lesen oder schreiben ist aber nicht drin. Und deswegen trat die Musik zurück. 1997 hatte ich nach der Ausgabe des Spiegels jede Woche und ein paar Kleinigkeiten den Kopf frei für Musik. So schön das war, so wenig betrübt mich die Tatsache, dass mich heute rund um die Uhr das Internet mit seinen zahlreichen kreativen Schreibern umwirbt und mir zudem die Möglichkeit gibt, meine eigenen Worte hundert-, ja, tausendfach unter die Leute zu bringen. Musik lenkt mich da oft ab, Musik unterfordert mich. Immer möchte ich nebenher etwas anderes machen. Lesen oder schreiben z.B., doch ich kann es nicht.

Musikern wird es umgekehrt ähnlich mit der Literatur ergehen.

Und auch wenn die Musik zunächst näher am Herzen scheint, ist es kein schlechter Tausch für mich gewesen. Immerhin setzt die Fokussierung auf das geschriebene Wort bei mir ungleich mehr kreatives Potenzial frei – etwas, das bei meiner Begabung im musikalischen Bereich nur sehr schlecht aufgehoben wäre …

Und weniger Freude an der Kunst kann ich mir nicht vorwerfen lassen. Liebenswerterweise wurde mir z.B. das Buch zur „Make good Art“-Rede von Neil Gaiman als Geschenk von meiner Wunschliste zugesandt, ein in meinen Augen wortgewaltiges Meisterwerk (hier als Video eingebettet), das mich jetzt umso mehr erfreut, wo ich es – neben dem Bett liegend – immer wieder hervorkramen und darin stöbern kann (Obwohl ich so langsam auf das Level komme, den Text auswendig zu können).
Neben so vielem anderen ebenfalls empfehlen könnte ich die zwar in die Jahre gekommenen, deswegen aber fast noch überraschenderen „Sterntagebücher“ von Stanislaw Lem, ein Buch, das die faszinierende Eigenschaft hat, umso witziger zu werden, je intelligenter und belesener man ist. Mir selbst – bislang allenfalls im Mittelfeld der Skala angeordnet – hat es mehr Spaß gemacht als das ein oder andere Konzert, das mein 16-jähriges Ich nicht missen wollen würde.

So gesehen lächele ich heute ein wenig über mein altes (junges) Ich – wie so ein drecksreaktionäres Arschloch damals.

Der Unterschied ist: Ich tue das nicht aus Gehässigkeit oder weil ich mich jetzt für einen besseren Menschen halte. Ich habe inzwischen, anderthalb Jahrzehnte später, andere Interessen. Und das ist wohl völlig normal. Ich möchte ebensowenig wieder 16 sein wie der Typ damals gerne 31 gewesen wäre. So ist das Leben.

Mein heutiges Ich hat dann aber doch einen Vorteil: Es hat sowohl auf Konzerten Stiefel in die Fresse bekommen, als auch ehrfürchtig vor schönen Worten geweint. Das betrachtend bin ich gespannt, was mein 46-jähriges Ich dereinst übers Bloggen und meine aktuellen Bücher denken wird.

Aber bevor ich mich da hineinsteigere, höre ich ein wenig Musik. Die H-Blockx-CD müsste hier irgendwo liegen …

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