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Abhängig (2)

oder: Wie mich O2 über’n Tisch gezogen hat

Mein abermaliger Schnellcheck hat bestätigt, was ich befürchtet hatte: Das mit Abstand beste Angebot hatte ausgerechnet Congstar. Das ist moralisch wirklich nicht leicht für mich, denn Congstar ist bekanntermaßen eine Tochter der Telekom, und zu denen zu gehen, ist im Grunde nie eine gute Idee gewesen, spätestens dieses Jahr aber eigentlich völlig untragbar. Pest und Cholera eben. Aber, in Ermangelung wirklich gangbarer Alternativen: Wenn die Telekom doppelt so beschissen wie Vodafone ist (was angezweifelt werden darf, Vodafone ist halt nicht so blöd, mit dummen Plänen als erstes an die Öffentlichkeit zu gehen), ich aber bei denen nur ein Drittel des Preises zahle – hab ich dann am Ende nicht doch weniger Scheiße mitfinanziert?

Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass ich bei denen 3 mal mehr Datenvolumen bei jederzeit möglicher Kündigung für 12,99 € kriege.

Sogar eine Mitnahme der Rufnummer war nachträglich noch möglich, soweit alles gut. Dauert halt ein bisschen, ist ja logisch. Mindestens eine ganze Woche ohne Netz hätte ich so aushalten müssen. Dass ich ein paar Tage nicht auf dem Handy erreichbar bin, ist nicht wirklich schlimm – aber ohne Mails und Twitter? Ohne Tracker? Vergiss es!

Aber die Welt kennt Abhilfe. Warum nicht kurz eine Prepaid-Karte holen, für eine Woche sollte da ja der letzte Rotz funktionieren. Prepaid ist zwar so ein Wort, von dem ich dachte, es sei in Verbindung mit Handytarifen im letzten Jahrtausend bereits ausgestorben, jetzt war ich froh, dass es offenbar doch in einer Nische überlebt hat. Denn ich saß jetzt in einer Nische, in der das Konzept passend war.

Ich bin in unserem Einkaufscenter in den O2-Shop reingelaufen, kurz nachdem einer der Mitarbeiter einen Kasten Bier vom Rewe dort hineintrug. Find ich nicht unsympathisch, schien aber in Anbetracht der folgenden Ereignisse vielleicht nicht der erste an dem Tag zu sein.

Denn mein Anliegen war nicht so kompliziert: Eine Woche Internet, maximal. Telefonieren, Tarife, alles völlig wurscht!

Nun, zugegeben: Bekommen hab ich das, allerdings unnötig teuer. Denn – auch wenn es vielleicht lieb gemeint war – ich hätte ganz offensichtlich keine 10 € für eine Internet-Flat (witzigerweise mit einem vergleichbaren Volumen wie mein Vodafone-Vertrag bis dato) ausgeben müssen, wenn ich schon einmal 10 € Guthaben auf der normalen Karte hab. Bei einem Besuch im Netz bucht der O2-Prepaid-Salat nämlich automatisch eine Ein-Tages-Flat für 0,99 € – was auf eine Woche hochgerechnet ziemlich problemlos in 10 € drin ist. Ergo: 20 € gezahlt, 10 davon umsonst. Grummel. Es ist mir tatsächlich gerade egal, wie viel das kostet, aber umsonst das Geld zum Fenster rauswerfen wollte ich auch nicht. Das Fazit des gestrigen Tages kommt daher von Ozie:

„Eigentlich ist es ja praktisch, dass O2 sich so verhalten hat. Hab ich schon einen Anbieter weniger, bei dem ich mich umsehen muss, wenn ich mir demnächst einen neuen Vertrag besorge.“

Egal. Ich bin also am Wochenende weiter online. im dritten Teil geht es dann um die DHL und die Zukunftsaussichten.

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Abhängig (1)

oder: Wie ich meinen Handyvertrag wechseln wollte

Mein Handyvertrag nervt mich. Seit Jahren. Ich hätte ihn schon lange wechseln sollen, aber bei der ewigen Vertragslaufzeit hab ich nie den rechtzeitigen Absprung geschafft. Außerdem: Ist es nicht Jacke wie Hose? Von der Sache her ja: Es gibt keinen Mobilfunkanbieter da draußen, der mir wirklich passt. Insbesondere des Internets wegen. Jeder pfuscht da in dem Rest rum, das er Internet nennt, verbietet dies und jenes, nie wirklich im Interesse der Kunden. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Zum Telefonieren würde ich mit einer 25€-Prepaid-Karte ein halbes Jahr lang auskommen, das Netz aber ist inzwischen wichtig geworden. Und da wurde der Leidensdruck langsam zu groß.

Mein Vertrag bei Vodafone war seit Anbeginn der Zeiten teuer, inzwischen sind die da dermaßen ins Hintertreffen geraten, dass es nur noch weh tut. Zwar nutze ich das Netz unterwegs nicht im herkömmlichen Sinne viel – ich lade wirklich kaum was runter, surfe fast nie – dennoch ist die Limitierung auf 300 MB mit passabler Geschwindigkeit so begrenzt, dass ich sie jeden Monat ausgereizt habe. Mit Twitter und meinem Tracking-Dienst alleine, so mehr oder weniger. Ein paar Mails noch, das war’s. Und dafür dann 30 Steine im Monat – oder 35, so genau weiß ich das gar nicht mehr. Das ging einfach nicht mehr.

Also hab ich mir vor drei Monaten ein Herz gefasst und gekündigt. Ich hab festgestellt, dass die anderen Anbieter zwar immer noch einen an der Klatsche haben, es den ganzen Quark aber zumindest mal für wesentlich weniger Geld gibt. Bei Vodafone hätte ich so ab 80 € in etwa das bekommen, was ich haben wollte – zusätzlich zu irgendwelchem Stuss wie z.B. 100 MMS gratis.

Wer nutzt denn bitte MMS?

Da wäre mir ein beigelegter Werbe-Kuli ein größerer Mehrwert gewesen!

Abgesehen davon, dass ich nach meiner Kündigung erst einmal die Füße hochgelegt habe, passierte etwas, das ich so nicht erwartet hätte: Die von Vodafone haben das hingenommen. Einfach so. Haben nicht einmal einen Rückhol-Versuch gewagt. Was nur fair ist, ich aber von der Saubande nicht erwartet hätte. Hatte mein telefonischer Auftritt offenbar Wirkung gezeigt. Damals nämlich wollten sie mich eigentlich zwei weitere Jahre mit einem neuen Handy ködern. Stattdessen hab ich gekündigt. War wohl deutlich genug.

Aber gut. Vodafone war also lieb und ich war so verplant wie immer. Irgendwann im Sommer, da müsste ich dann mal schauen …

Am 24. Juni hab ich dann festgestellt, dass ich kein Netz mehr habe. Die Verbindung zu o.g. Kündigung war bei mir weniger präsent, als ihr Euch das jetzt wohl vorstellen könnt. Ich hab eine Weile gebraucht, bis mir klar war, dass es nun schon so weit war. Und jetzt? Neuer Anbieter? Kann ich die Nummer noch mitnehmen? Was jetzt? Wie lange das jetzt wohl alles dauert? OMG, OMG, OMG!

Später mehr.

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Wiedersehen

Ich freue mich sehr darauf, den heutigen Arbeitsanfang eine Weile nach hinten zu verschieben.

Nicht, weil ich das ohnehin gerne mal absichtlich oder unabsichtlich tue, sondern weil ich gestern überraschend von einem alten Freund kontaktiert wurde, der sich gerade in Berlin aufhält – und wir uns treffen wollen.

Ich muss dazu anmerken, dass es genügend potenziell ähnlicher Treffen geben würde, bei denen ich mir unsicher wäre und bei denen ich mir überlegen würde, ob ich sie mir wirklich geben will. Tatsächlich aber handelt es sich um einen Freund, den ich einfach dank der Wirrungen der Geschichte seit rund 10 Jahren nicht mehr gesehen habe. Hier und da mal eine Mail, so weit, so gut. Ganz verliert man den Kontakt in der heutigen vom Internet geprägten Welt ja auch nur selten.

Aber 10 Jahre nicht sehen … wir sind beide erst um die 30. Da ist das noch ein recht singuläres Ereignis. Sozusagen eine erste Wahrnehmung dessen, was das Wort „Lebenswege“ überhaupt umfasst.

Ich freue mich. Und fühl mich doch auf sehr komische Art sehr erwachsen … 😉

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Lesergewinnung, Level: Profi

Es folgt nun wieder die anstrengendste Saison des Jahres. Ich meine Ausnahmsweise nicht den Sommer – obwohl ich den mit seinen langen Tagen durchaus auch immer ein wenig im Verdacht hab, anstrengend zu sein. Nein, meine fünfte Jahreszeit ist die, in der ich die Meldungen für die VG Wort erstelle. Jedes Jahr gegen Mai/Juni geben sie bekannt, welche Texte die Mindestzugriffszahl für eine Auszahlung erreicht haben – und dann muss ich für jeden eine Meldung erstellen. Das sind im Grunde nur ein paar Klicks, ein bisschen Copy & Paste.

Wenn man denn nicht wie ich quasi an jedem einzelnen Tag des Jahres einen Text geschrieben hat, auf den das zutrifft. Im Ernst: Fürs Jahr 2012 vermeldete die VG Wort bei mir 348 relevante Texte. Wenn man da mal mit einbezieht, dass das ja nur diejenigen sind, die länger als 1800 Zeichen sind, dann muss ich wohl zugeben, dass ich eine Menge Quatsch ins Internet schreibe – und ihr den auch noch lest. 😉

Das Schöne ist natürlich: Ich kann mir nun einen Mindestbetrag zusammenreimen, denn auch die Auszahlungsstufen sind nun verkündet worden. Und, für alle Finanz-Stalker unter meinen Lesern: Eins ist sicher – es wird sich dieses Jahr zumindest in einem ähnlichen Bereich bewegen wie im letzten.

Nun aber zur Lesergewinnung. Kaum, dass ich angefangen hatte, ein paar Meldungen abzuschicken, bekam ich eine Mail. Von – richtig: der VG Wort. Besser gesagt von einer der Angestellten dort, die die Meldungen bearbeiten und mir zum Inhalt des oben verlinkten Artikels einige Erklärungen gegeben hat. Dazu die Quoten dieses Jahr und – und darauf wollte ich hinaus – den schönen Satz:

„Ansonsten…freue ich mich immer über Ihre Meldungen und lese in Ihrem Fall nicht um etwas zu prüfen, sondern weil ich ganz privat die Texte gerne lese (und es sehr interessant finde, als Fahrgast mal zu hören, was die andere Seite so zu sagen hat ;-)…“

Das kann jetzt nur noch getoppt werden, indem mein Bankberater mich mal auf meine Verwendungszwecke anspricht. 🙂

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Momente, in denen einem selbst Stuttgart irgendwie weltoffen vorkommt …

Dieses Wochenende war ausnahmsweise mal nicht von Arbeit bestimmt. Weder bezüglich schreiben, noch gar im Taxi. In meinem Terminplan stand mitten in der Nacht (11 – 18 Uhr) eine der Familienfeierlichkeiten, die eben manchmal anfallen. In diesem Fall ein verschobenes Pfingsttreffen, das verschiedenste Teile meiner angeheirateten Familie mal wieder an einem Tisch im Garten bei Kaffee und jeder Menge selbst zubereiteter Speisen zusammenbrachte.

Da sich inzwischen die eigene Generation umfangreich der Vermehrung widmet und die Abkömlinge zwischen Gebäck und Bäumen umhertollten, haben Ozie und ich uns für die Zigarettenpausen meist einmal ums Haus verzogen, man ist sich der Problematik ja bewusst.

Und so standen wir in der gleißenden Sonne, kniffen deretwegen die Augen zusammen und nahmen mehr schemenhaft wahr, dass eine Nachbarin dieser Kleinsiedlung mit einem Altersdurchschnitt von ungefähr 70 Jahren vorgefahren kam. Zunächst wurde sie unser kaum gewahr, dann weitete sie erschrocken Augen und Mund und rief uns über die nächstbeste Hecke zu, ob alles in Ordnung sei.

„Selbstverständlich. Der Rest sitzt hinter’m Haus und trinkt Kaffee.“

gab ich vermeintlich eindeutig zurück. Das aber beruhigte die resolute Dame kein bisschen und sie trat näher, um folgendes zu erfahren:

„Ist irgendwas schlimmes passiert?“

WTF? Was sollte denn passiert sein? Offenbar waren wir als junge Menschen ihr nicht mal per se unheimlich, also …“

„Ich mein ja nur, weil Sie hier beide … und dann in schwarz …“

DER war wirklich gut! 🙂

Wir machen uns ja nicht wirklich Gedanken über unsere gemeinhin etwas monochromen Auftritte. Vor allem aber kam noch niemand bislang auf die Idee, uns (und sei’s wie hier durch die Blume) zu fragen, ob wir einer Beerdigung wegen vor Ort wären. Aber da unterschätzt man als Berliner wohl gerne die Neugier der Menschen aneinander. Auch als wir zu Tisch zurückgekehrt waren, zeigten sich die Anwesenden wenig verwundert:

„Passiert Euch das nicht ständig?“

Nein. Nicht.

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Verschiebungen des Lebens

Ich habe die Befürchtung, mein 16-jähriges Ich würde mich hassen.

Nicht unbedingt vollständig. Ich denke sicher, der 16-jährige Sash würde sich erstaunt fragen, wo ich bitteschön eine Frau fürs Leben herbekommen habe – und anerkennend nicken, wenn ich ihm die Geschichte mit der WG, der Party und dem vielen Alkohol erzählen würde, die nun einmal die Grundlage für die nunmehr über 7 Jahre andauernde Geschichte war.

Beim Thema Ehe wiederum …

Aber darum geht es mir gar nicht. Es geht tatsächlich um die Kunst.

„Ich hoffe, dass ich niemals zu den langweiligen Erwachsenen gehören werde, die nur noch ihre alte Musik hören, oder noch schlimmer: Die ganze Scheiße, die im Radio läuft!“

(meine Worte, ca. 1997)

Ganz so schlimm ist es natürlich nicht gekommen. Zwar höre ich tatsächlich nicht mehr so intensiv und bewusst Musik wie früher, das Radioprogramm jagt mir aber immer noch einen Schauer über den Rücken. Und bei aller Vorliebe für altes gruseln mich die ganzen Ü30-Parties, bei denen Steinzeit-Dancefloristen auftreten, die ich schon kurz nach der Veröffentlichung ihrer zwei einzigen Hits in die Tonne treten wollte, aus der sie herkamen. Ebenso finde ich – zwar wesentlich seltener als früher, aber eben immerhin manchmal – noch neue Musik, die ich nicht ablehne. So lange es mir gefällt oder objektiv betrachtet neu und/oder mutig ist, hat es meinen Respekt. Und nur weil ich sowas seltener finde, stimme ich keinen Abgesang auf dieses Jahrzehnt an. Die 80er waren schließlich auch gruselig und haben doch eine Reihe meiner Lieblingsinterpreten großgemacht oder zumindest mal sozialisiert.

Nein, das Schlimme mit der Musik ist – und das würde der 16-jährige Möchtegern-Punk nicht verstehen – dass sie mir nicht mehr so wichtig ist. Dass ich sie seltener bewusst höre, dass sie nicht mehr die Wahl Nummer 1 unter den Kunstrichtungen ist.

Ich hab mir diese Gedanken gemacht, als ich heute im Taxi durch Berlin gecruist bin und die Anlage auf „Ohrenputzen“ gestellt hatte. Im CD-Player die Discover my Soul von H-Blockx, meiner Meinung nach im Übrigen eine zu Unrecht verurteilte Band, auch wenn die Songs nicht gerade ein Aushängeschild der Komplexität sind.

„Wann hat sich das das letzte Mal so gut angefühlt, den Song voll aufzudrehen?“

hab ich mich bei „Life is feeling dizzy“ gefragt.

Lange nicht mehr, zugegeben.

Und ich musste mir von dem neugierigen Naseweis aus dem Jahre 1997 die Frage vorhalten lassen, weswegen ich nicht öfter mal die Stereoanlage auf Durchzug stelle.

Mit den Nachbarn brauche ich mich nicht verteidigen. Die hätten eine Abreibung verdient – auch für den ganzen Ehekrach, den ich mir ungefragt anhören muss – und nach all den Jahren in der WG weiß ich auch, dass der erste Besuch der Cops wegen Ruhestörung völlig lächerlich und kostenlos ist.

Des Rätsels Lösung ist viel einfacher: Es stört mich selbst. Musik ist eine erstklassige Geschichte, um sich – wenn möglich unter dem Einfluss diverser Drogen – zurückzulehnen und sich ganz und gar seinen Gefühlen zu überlassen. Diese Momente waren zahlreich in meinem Leben und ich habe sie nicht gänzlich abgehakt. Aber darüber hinaus hab ich so viel mehr gefunden im Lesen und Schreiben.
Ich bin nicht multitaskingfähig. Zumindest nicht grenzenlos. Einen Zeitungsartikel überfliege ich auch mal kurz bei Musik im Hintergrund. Volle Power gute Musik und gleichzeitig gute Texte lesen oder schreiben ist aber nicht drin. Und deswegen trat die Musik zurück. 1997 hatte ich nach der Ausgabe des Spiegels jede Woche und ein paar Kleinigkeiten den Kopf frei für Musik. So schön das war, so wenig betrübt mich die Tatsache, dass mich heute rund um die Uhr das Internet mit seinen zahlreichen kreativen Schreibern umwirbt und mir zudem die Möglichkeit gibt, meine eigenen Worte hundert-, ja, tausendfach unter die Leute zu bringen. Musik lenkt mich da oft ab, Musik unterfordert mich. Immer möchte ich nebenher etwas anderes machen. Lesen oder schreiben z.B., doch ich kann es nicht.

Musikern wird es umgekehrt ähnlich mit der Literatur ergehen.

Und auch wenn die Musik zunächst näher am Herzen scheint, ist es kein schlechter Tausch für mich gewesen. Immerhin setzt die Fokussierung auf das geschriebene Wort bei mir ungleich mehr kreatives Potenzial frei – etwas, das bei meiner Begabung im musikalischen Bereich nur sehr schlecht aufgehoben wäre …

Und weniger Freude an der Kunst kann ich mir nicht vorwerfen lassen. Liebenswerterweise wurde mir z.B. das Buch zur „Make good Art“-Rede von Neil Gaiman als Geschenk von meiner Wunschliste zugesandt, ein in meinen Augen wortgewaltiges Meisterwerk (hier als Video eingebettet), das mich jetzt umso mehr erfreut, wo ich es – neben dem Bett liegend – immer wieder hervorkramen und darin stöbern kann (Obwohl ich so langsam auf das Level komme, den Text auswendig zu können).
Neben so vielem anderen ebenfalls empfehlen könnte ich die zwar in die Jahre gekommenen, deswegen aber fast noch überraschenderen „Sterntagebücher“ von Stanislaw Lem, ein Buch, das die faszinierende Eigenschaft hat, umso witziger zu werden, je intelligenter und belesener man ist. Mir selbst – bislang allenfalls im Mittelfeld der Skala angeordnet – hat es mehr Spaß gemacht als das ein oder andere Konzert, das mein 16-jähriges Ich nicht missen wollen würde.

So gesehen lächele ich heute ein wenig über mein altes (junges) Ich – wie so ein drecksreaktionäres Arschloch damals.

Der Unterschied ist: Ich tue das nicht aus Gehässigkeit oder weil ich mich jetzt für einen besseren Menschen halte. Ich habe inzwischen, anderthalb Jahrzehnte später, andere Interessen. Und das ist wohl völlig normal. Ich möchte ebensowenig wieder 16 sein wie der Typ damals gerne 31 gewesen wäre. So ist das Leben.

Mein heutiges Ich hat dann aber doch einen Vorteil: Es hat sowohl auf Konzerten Stiefel in die Fresse bekommen, als auch ehrfürchtig vor schönen Worten geweint. Das betrachtend bin ich gespannt, was mein 46-jähriges Ich dereinst übers Bloggen und meine aktuellen Bücher denken wird.

Aber bevor ich mich da hineinsteigere, höre ich ein wenig Musik. Die H-Blockx-CD müsste hier irgendwo liegen …

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Drossel komm raus!

Auch wenn die Spatzen die Geschichte der Drossel schon von allen Dächern pfeifen: Der Vollständigkeit halber sei auch hier noch einmal erwähnt, dass man sich an der Petition für die Einführung eines Gesetzes zur Netzneutralität beteiligen sollte.

Das kann man hier auf der Seite des Bundestages tun.

Allen nicht so ganz mit der Netzpolitik vertrauten Lesern sei insbesondere dieser Artikel von Thomas Knüwer auf seinem stets lesenswerten Blog „Indiskretion Ehrensache“ empfohlen. Selbstverständlich arbeitet sich auch netzpolitik.org immer wieder ausführlich am Thema ab und auch einige andere Blogger (stellvertretend verlinke ich hier gerne Jörn) haben ihren Senf dazu ins Netz geschrieben.

Warum ich jetzt auch noch? Weil es wichtig ist!

Sicher, vordergründig geht es erst einmal nur um ein neues Tarifmodell der Telekom. Darüber kann man sich als Kunde vielleicht ärgern – schließlich wird’s eher teurer als billiger – aber gesellschaftlich gesehen könnte es doch kaum etwas irrelevanteres geben, oder?
Stimmt. Oben genannte Petition richtet sich entsprechend auch nicht gegen eine wie bekloppt auch immer daherkommende Preispolitik eines einzelnen Providers. Die sollen schön ihre Kunden mit dummen Tarifen vertreiben dürfen, alles kein Problem!

Wichtiger als die Abschaffung der Flatrate und eventuelle Mehrkosten für Vielnutzer ist bei den Telekom-Plänen nämlich das, was unter dem schönen Namen Netzneutralität jetzt ebenfalls der Abschaffung harrt. Bei der Telekom soll sich das zunächst so zeigen, dass man seine 75 bis ein paar hundert Gigabyte Datentransfer frei hat, spezielle telekom-eigene Dienste (z.B. im Rahmen ihrer T-Entertain-Pakete) nicht darauf angerechnet werden. Das aber ist nicht mal eben ein lustiger kleiner Marketinggag fürs eigene Programm, sondern bedeutet zum einen natürlich, dass fleißig geschnüffelt werden muss, woher die Daten kommen. Darüber hinaus kann sich die Telekom, so sie das Modell erst einmal eingeführt hat, natürlich von anderen Anbietern (z.B. Youtube) gut dafür bezahlen lassen, dass deren Webangebote auch weiterhin genutzt werden können. Das klingt so lange noch immer nach einem harmlosen Scherz, bis man sich mal vorstellt, dass kleinere Unternehmen keine Chance hätten, so einen Deal auszuhandeln. Oder Konkurrenzangebote zur Telekom, die selbige vielleicht überhaupt nicht haben will – ungeachtet des Preises.

In letzter Zeit wird die Netzneutralität immer öfter verletzt. Verschiedene Anbieter bremsen z.B. Filesharing-Angebote massiv aus und im mobilen Internet ist schon heute nicht mehr alles möglich. Anbieter wie Vodafone verbieten beispielsweise die Nutzung von Skype und Chats, so dass man gefälligst für Telefongespräche und SMS zahlt, die man sonst nicht bräuchte.

Die Einzelfälle sind aus rein wirtschaftlicher Sicht teilweise verständlich. Alles in allem gefährdet diese Verletzung der Netzneutralität jedoch das Internet als freies Medium insgesamt. Deswegen ist wirklich wichtig, dass diesem Treiben ein Riegel vorgeschoben wird. Deshalb ist es wichtig, die Online-Petition mitzuzeichnen und darauf zu hoffen, dass die Garantie der Netzneutralität alsbald Gesetzescharakter bekommt.

Auch wenn man sich vielleicht zunächst nicht betroffen fühlt: Fällt die Netzneutralität flächendeckend, könnte das bedeuten, dass unser Anbieter uns irgendwann e-Mails blockt, weil er ein Agreement mit der deutschen Post hat. Wir könnten vielleicht nur noch gegen Aufpreis zu Twitter, weil Facebook den Deal mit Vodafone hat – und unseren Freunden Links zu schicken, kann man sich auch sparen, weil man nicht sicher wüsste, ob die gerade noch die technische Möglichkeit haben, sich diese Seite anzuschauen. Es steht wirklich das Internet, wie wir es kennen, wie es uns hilft, wie es wichtig geworden ist, auf dem Spiel. Nicht bloß der Geldbeutel von Telekom-Kunden.

Deswegen: Mitzeichnen!

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