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Überraschungen

Man wird im Leben oft genug überrascht, viel zu selten natürlich positiv. Das aber kann ich für meinen Teil nun mal ausnahmsweise verkünden. Nachdem meine Oma vor einem Monat gestorben ist, war die Zeit lange von Beerdigung und diesen und jenen Kleinigkeiten bestimmt. Ich würde gerne schreiben, dass die Trauer einen wichtigen Raum eingenommen hat – aber im Gegenzug zum Tod meiner Mutter vor dreieinhalb Jahren kann ich das nicht wirklich behaupten. Die Trauer um den Verlust meiner Oma hat sich in den letzten Jahren hier und da eingeschlichen, in denen sie immer mehr und mehr ihres Lebens an die Demenz verlor, zusätzlich gebeutelt durch Krebs und das ein oder andere Altersleiden kleineren Ausmaßes.
Ich war mir bei dieser Behauptung immer unsicher, aber jetzt, da es soweit war, konnte ich tatsächlich sagen, dass in diesem Fall der Tod die vielbeschworene Erlösung war und ich zumindest versucht habe, ihr das zu gönnen. Gerade weil sie in ihrem Leben viel für mich und andere getan hat, war es schön zu wissen, dass ihr zunehmendes Leiden nun ein Ende gefunden hat. Und ich hoffe sehr, dass es bei mir dereinst schneller gehen wird.

Aber selbstverständlich war der Tod meiner Oma nicht wirklich eine positive Überraschung. Ich mag ja bisweilen überpragmatisch sein, aber ganz so schlimm ist es um mich dann doch nicht bestellt. Ein Tod ist aufgrund seiner Endgültigkeit natürlich immer irgendwie tragisch.

Da ich die ganzem Ereignisse von Berlin aus mit einer gewissen Distanz betrachten muss, war ich nun aber tatsächlich dahingehend überrascht, dass wohl tatsächlich noch ein Erbe anfällt. Dass ein gewisses Vermögen vorhanden war, war mir zwar bekannt – allerdings haben Heim und sonstige Kosten im Laufe der Jahre dann doch an all dem genagt, so dass ich fast schon erwartet hatte, am Ende sogar noch die ein oder andere Rechnung zu begleichen, bzw. dass allenfalls ein Taschengeld übrig bleiben würde. Das allerdings scheint nicht zu stimmen.

Nachdem ich nun den Abschlussbericht ihrer Betreuerin gelesen – und dabei zufrieden festgestellt habe, dass offenbar wirklich allen Aufgaben Sorge getragen wurde – scheint doch selbst nach Begleichung der Beerdigungskosten und der Grabpflege für die nächsten Jahre ein in meinen Augen stattlicher Betrag übrig zu bleiben. Zwar ist bis jetzt vieles bezüglich weiterer Kosten und der Verteilung des Erbes noch unklar, aber rein nach den gesetzlichen Regelungen könnte es sein, dass ich demnächst einen Betrag erhalte, der immerhin mehrere Monatslöhne umfasst. Nichts, was einen große Sprünge machen lässt, doch aber eine erhebliche Erleichterung für jemanden wie mich, der nach wie vor ein festes monatliches Budget für Schuldenrückzahlungen hat (die sich dadurch aber vermutlich wirklich mal erledigt hätten).

In Anbetracht der Umstände kann ich mich darüber wirklich sehr freuen. Neben der traurigen Tatsache, dass ich meiner Oma dafür nicht mehr danken kann, bedauere ich vor allem die Pfleger und Zivis bei ihr im Heim. Denn so wie ich sie gekannt habe, wäre das Geld sonst im Laufe der Zeit bei ihnen gelandet – und das nicht zu unrecht.

Deswegen ist das gerade alles nur unverhofftes Glück für mich. Aber diesbezüglich hat meine Oma es schon früher immer voll rausgehabt, ich war ein Narr zu glauben, dass sich das mit ihrem Tod ändern würde.

Bleibt nur noch das eine – wie bei allen Verstorbenen zu selten gesagte – Wort übrig:

Danke!

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Eingetütet

Ich weiß, ich schreibe ein bisschen viel über Zahnarztbesuche im letzten halben Jahr. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, schließlich habe ich ein bis zwei davon monatlich. Wem das trotzdem auf den Keks geht, der kann sich jetzt ein wenig freuen – obwohl es schon wieder darum geht. Denn: Ein großer Teil davon ist abgeschlossen.

Gestern morgen war mein letzter Besuch auf hoffentlich lange Zeit beim Kieferchirurgen. Nach der Aktion letzte Woche stand nun noch das Ziehen der Fäden an und das war mit grob geschätzten 40 Sekunden im Behandlungszimmer der wohl kürzeste Zahnarzt-Besuch aller Zeiten. Was das angeht, setzt der sehr sympathische junge Mann dort wirklich Maßstäbe. Egal, was gerade ansteht: Sobald er im Raum ist, erfolgt keine halbe Minute später die Behandlung. Ob es nun nur ums Fädenziehen geht, das Setzen von Betäubungsspritzen oder gar die Extraktion von – wie bei mir zuletzt – sechs Zähnen. Chef ist da da – es geht los!

Ich glaube, vielen Leuten würde das nicht behagen – ich als Schisser und Weichei finde es klasse. Bevor man auch nur auf die Idee kommt, Panik zu schieben, ist man schon mittendrin. Im heutigen Fall war es so schnell vorbei, wie es angefangen hat:

„Setzen Sie sich doch hin und Mund auf, aha, sieht gut aus, Achtung, dass zieht jetzt kurz, aha, aha, oh, aha, so, das war es schon. Das war dann wahrscheinlich der letzte Termin hier, warten Sie bitte draußen noch kurz, wir geben ihnen noch einen Brief mit.“

Bei den „aha“ hat er Luft geholt, glaube ich.

Das Ganze wäre keine absurde Posse meines Alltags, wenn es das gewesen wäre. Denn ich, treudoof und wie jedes Mal angenehm beeindruckt – setze mich und warte. Auch am Tresen sind sie in dieser Praxis regelmäßig schnell. Doch Patient um Patient wird vor mir reingewunken.
Nach vielleicht 25 Minuten gehe ich mal zu den Herlfern und frage nach, ob sie meinen Brief vielleicht vergessen haben. Ist nicht böse gemeint, nur weil sie sonst doch so schnell sind …

„Der Brief? Ach. Den hab ich doch schon eingetütet. Den schicken wir doch …“

„Aber es hieß, ich solle warten.“

„Oh. Hmm. Blöd. Wollen Sie ihn gleich mitnehmen?“

„Nö, schicken Sie ihn ruhig wie geplant. Dann vergess‘ ich das schon nicht.“ 🙂

Zugegeben: Wenn der Termin schon nur 40 Sekunden (mit Wartezeit viereinhalb Minuten) dauert, wartet man ungern eine halbe Stunde umsonst. Bei meinem Zahnarzt in Stuttgart waren jedoch trotz Termin anderthalb Stunden Vorlauf keine Seltenheit. Und Fehler passieren sowieso immer mal wieder. So gesehen hab ich mich da trotzdem sehr gut aufgehoben gefühlt und bereue es auf eine sehr komische Art und Weise sogar, dass ich nun das letzte Mal da war.

Im Nachhinein bleibt also nur zu sagen, dass es echt eine gute Praxis ist, auch wenn ich froh bin, es hinter mir zu haben. Ehrlich.

Praxis Dr. Fischer und Dr. Schüler
Mehrower Allee 34
12687 Berlin

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Die Ersten …

In den letzten Tagen ist Mars One ein wenig durch die Medien gegangen. Zu Recht, wie ich finde. Ist es doch zweifelsohne derzeit das einzige Vorhaben, die Menschheit einen Schritt voranzubringen, über den man sich bisher noch nicht einmal im Ansatz Gedanken machen konnte: Das dauerhafte Verlassen des Planeten Erde.

Man darf natürlich skeptisch sein. Nicht nur bezüglich des Projektes selbst, dessen Ziele wahrlich überambitioniert erscheinen. Nein, auch ob der Idee, tatsächlich die Erde zu verlassen. Nicht nur, weil es hier so schnuckelig ist, sondern weil es natürlich eine Menge gesellschaftliche Fragen aufwirft, inwiefern die Menschheit reif dazu ist, alleine mit dem Gedanken umzugehen, dass sie mehr als diesen Planeten zur Verfügung zu haben. So sehr man anerkennen muss, dass wir immerhin ein paar Fortschritte machen, so bleibt doch bezüglich unseres eigentlichen Planeten eine verheerende Bilanz, was unser bisheriges Wirken angeht.

„Vielleicht wäre es besser, wenn die Menschheit sich selbst auslöscht, bevor sie in der Lage ist, den Planeten zu verlassen.“

Diesen Satz hab ich pessimistisch vor etwa 15 Jahren irgendwo notiert und er ist mir nicht mehr aus dem Gedächtnis gegangen. Und darüber nachzudenken lohnt sich sicher immer noch.

Abgesehen vom Nachdenken über unsere (zumeist) negativen Beeinflussung der Umwelt stellt sich bei einem Konolisationsprojekt natürlich auch eine wichtige gesellschaftliche Frage: Was bedeutet es für das Leben auf der Erde, wenn Menschen mit einem gewissen Einkommen notfalls die Möglichkeit haben, diesen Felsbrocken zu verlassen?

Alles spannend, aber das wollte ich gar nicht wirklich vertiefen. Da fehlt mir ganz ehrlich gesagt auch einiges an Grundwissen. Für mich als Laien viel interessanter ist die Frage, wie man sich auf eine Mission bewerben kann, die zwar historisch ohne Vergleich ist, dennoch den Abschied von ALLEM darstellt, was einem bislang noch als Gewissheit dienen konnte.
Die ersten Missionen von Mars One wären nämlich – zumindest voraussehbar – Einwegmissionen. Reisen zum Mars ohne eingeplante Rückkehr. Und damit so ziemlich die völlige Isolation von all dem, was man bislang kannte. Natürlich sind wir in der Lage, mit dem Mars und eventuell dort wohnenden Menschen zu kommunizieren. Aber die Entfernung von ca. 50 bis 350 Millionen Kilometern erschwert die Sache enorm. Vom Gedanken, dorthin zu telefonieren, kann man sich verabschieden, denn jede Antwort auf eine Nachricht würde etliche Minuten Wartezeit benötigen – und wir kommunizieren bereits mit der höchstwahrscheinlich schnellstmöglichen Geschwindigkeit – der Lichtgeschwindigkeit.

Darüber hinaus viel wichtiger: Kann sich überhaupt irgendwer vorstellen, den Rest seines Lebens außerhalb unserer Zivilisation zu verbringen? Da mag die künftige Station auf dem roten Planeten noch so gut ausgebaut sein und die Besatzung mit 40 Leuten vergleichsweise hoch: Nie mehr fremde Menschen treffen? Wirklich nie mehr?

Ich bin ja wirklich ein lichtscheuer Geselle und würde mich als Einsiedler bezeichnen. Aber zum einen hab ich immer noch das Internet, zum anderen habe ich die Gewissheit, mein Leben jederzeit ändern zu können. Wie muss es sein, nach drei Jahren festzustellen, dass alle 39 restlichen Mitbewohner auf meinem Planeten Idioten sind und man trotzdem nie wieder jemand anders zu Gesicht bekommt? Egal, was man macht …
Ich muss ehrlich sein: Ich glaube nicht daran, dass es Menschen gibt, die WIRKLICH bereit sind, diesen Schritt zu wagen.

Auf der anderen Seite kann ich nicht verleugnen, ein Interesse an der Sache zu haben. Und erst recht habe ich Bewunderung übrig für die Leute, die diese Aufgabe auf sich zu nehmen bereit sind. Und ich kann nur hoffen, dass niemand je dieses Risiko einzugehen gedenkt aufgrund eines Star-Ruhmes, von dem einem am Ende – auf dem Mars! – überhaupt nichts bleibt.

Man sieht also: Zu den entscheidenden Fragen, die diese geplante Mission mit sich bringt, will ich mir keine Meinung erlauben. Zu schwierig ist das Thema.
Sollte das Ganze allerdings tatsächlich irgendwann einmal Gestalt annehmen und durchgeführt werden, dann muss ich zugeben, dass die mitwirkenden Menschen, insbesondere natürlich die Astronauten, meinen Respekt haben. Denn gegen das bei Mars One geplante ist objektiv gesehen selbst die Mondlandung unwichtig und allenfalls ein halbgarer Versuch ohne nennenswerte Auswirkungen gewesen – so leid es mir für die Pioniere damals tut.

Vielleicht leben wir tatsächlich in einer Zeit, in der eine der größten wissenschaftlichen Leistungen vollbracht werden wird. Ich bin gespannt.

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Nu isses raus!

Raus? Was? Na zumindest mal mein halbes Gebiss. Und dank des unterwürfigen Gewinsels bei den Betäubungsspritzen auch meine Selbstachtung – aber sei’s drum!

In einem Anflug von organisatorischer Super-GAUness hatte ich den Zettel verlegt, auf dem stand, wann mein zweiter Zahnarzttermin zur Entfernung der kaputten 6 Zähne auf der rechten Seite ist. So Pi mal Daumen wusste ich, es war irgendwann am Wochenanfang Mitte Mai. Langzeitstudenten lachen über derart akkurate Planung, ich war das ganze Wochenende ein wenig hibbelig:

„Hab ich den Termin jetzt diese Woche, und vielleicht echt schon am Montag?“

Ich hätte am gestrigen freien Abend nach einem anstrengenden, aber sehr schönen, Wochenende gerne einfach ein paar Bier in den Morgenstunden getrunken und feierlich ausgeschlafen. Stattdessen war da dann ein eher verkrampftes Warten auf 8 Uhr – viel zu spät, ich war müde! – um umgehend beim Zahnarzt anzurufen. Und immerhin: Es war gut so.

„Ich muss gestehen, ich weiß nicht mehr genau, wann mein Termin bei ihnen war …“

„Um 9 Uhr.“

Gut, dass wir das Internet haben und ich nicht auf Verdacht erst um 9 Uhr zum Telefonhörer griff. 60 Minuten nach meiner Frage etwa setzte der Chirurg mit den Worten „da ist es besonders unangenehm“ die fünfte von sieben (oder waren es neun?) Betäubungsspritzen – ein Vorgang, der in mir die niedersten Instinkte zu wecken vermöchte. Vor einem Jahr noch zahnarztscheu lasse ich mich ja inzwischen beim normalen Bohren grundsätzlich ohne Betäubung behandeln. Das tut zwar auch mal ein bis zwei Minuten lang höllisch weh, aber meine Schmerztoleranz ist eben auf unterschiedlichen Gebieten unterschiedlich ausgeprägt. Und ich ziehe Bohren am offenen Nerv dem Stechen ins Zahnfleisch vor. Klingt irrational, ist für mich aber angenehmer.

(Im Übrigen ist das nicht eine pauschale Angst vor Spritzen. Ich mag sie nicht, ja. Aber nach meinem Beinbruch vor ein paar Jahren hab ich mir selbst welche in den Bauch setzen können und ich kipp auch beim Blutabnehmen nicht um. Im Mund geht halt gar nicht!)

Nachdem das erledigt war, bin ich eigentlich recht entspannt auf den Behandlungsstuhl gekraxelt. Dass der Rest easy werden würde, war mir klar. Im Grunde war ich eher versucht, einzuschlafen als nervös zu werden. Zu meinem Erstaunen fragte mich der Arzt, ob ich weniger rauchen würde, was ich verneinte. Im Gegenteil: Nach der letzten Zigarette vor der Praxis hatte ich mich noch geärgert, dass ich keine Bonbons mehr zum Überdecken hatte. Ich vermute, das hat dann die Tomatensuppe vom letzten Abend erledigt, bzw. die etwa 6 Zehen Knoblauch darin.
Ganz schmerzfrei ging der eigentliche Teil des Spektakels dieses Mal nicht vonstatten – obwohl selbst meine Nase zur Hälfte taub war – am Ende stand ich aber trotzdem nach kaum 45 Minuten im Gang und hab auf die Frage, ob es mir gut ginge, eloquent geantwortet, dass das zwar der Fall sei, mir aber just das Sprechen über diesen Umstand in Anbetracht von Schwellungen, Betäubung und Tupfern im Mund ein bisschen schwerfallen würde. Ich glaube, meine Wortgewandtheit wird von Ärzten wesentlich weniger geschätzt als von der Durchschnittsbevölkerung.

Die letzten 10 Stunden waren hart. Mal abgesehen von den psychischen Problemen, die das Essensverbot nach Zahnarztbesuchen jedes Mal bei mir auslöst, hatte ich mit der Zeit wirklich wirklich schlimme Schmerzen. Warum sie dort in der Praxis nicht einmal Rezepte für Ibuprofen 800 ausstellen, hab ich noch nicht rausgefunden. Die 400er, die sie stattdessen verschreiben (obgleich rezeptfrei billiger zu bekommen), nehme ich bei leichten Kopfschmerzen. Nach zweien davon konnte ich wenigstens schlafen.

Gut, jetzt bin ich wieder mehr oder weniger wach – vor allem aber (nach noch einer Tablette) schmerzfrei. Damit sollte ich das Wildeste hinter mir haben, ab jetzt geht es bergauf. Ein oder zwei kleinere Bohrereien an einem anderen Zahn werden nächsten Monat noch folgen, dann ist der unangenehme Marathon mit den Beisserchen wohl erst einmal vorbei für mich. Dann geht es noch an den Ersatz für das, was heute unter großem Knirschen aus meinem Kiefer entfernt wurde. Ich vermute, das wird halb so wild.

Und meine Uhr sagt mir gerade, dass es jetzt Kartoffelpüree gibt. Und das wird auch Zeit. Eigentlich wollte ich ja heute morgen vor dem Schlafengehen, vor 12 Stunden, noch kochen.

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Fünf Minuten

Fünf Minuten ist immerhin die Hälfte der Zeit, die Edmund Stoiber ungefähr braucht, um in einen Hauptbahnhof einzusteigen. Man kann die Zeit auch brauchen, um zum Beispiel, sagen wir … eine Bifi einzukaufen.

Begonnen hat alles mit einem schönen Herrentagseinkauf eines mir nicht näher bekannten jungen Mannes. Er stapelte ziemlich genau 10 Liter Bier, etwas Schnaps und Grillkohle aufs Band hier im Kaiser’s. Ein Einkauf, wie man ihn nur tätigen kann, wenn man seine Finanzen strikt im Griff hat. Seine Freundin legte deswegen ihren Einkauf – besagte Bifi – pflichtschuldigst gesondert aufs Band.

Der Kassierer nannte den Preis, es waren 1,39 €. War ja keine normale Bifi, sondern irgendeine von diesen Super-XXL-Rolls. Kann man sich ja mal rauslassen, der Freund würde bestimmt nicht mehr zur Nahrungsbeschaffung taugen in den nächsten 24 Stunden.

Statt nun kurz die offene Rechnung zu begleichen, rief die junge Dame „Oh!“, um daraufhin – tolle Wurst! – mit dem erbeuteten Snack wieder in den Tiefen des Ladens zu verschwinden. Sie ignorierte das Rufen ihres Begleiters („Hey, ich kann Dir auch …“) und war schneller außer Sichtweite als wir alle gucken konnten.

Der Kassierer blickte ratlos seinen letzten Kunden (den Freund) und seinen nächsten Kunden (mich) an und murmelte:

„Wenn ich jetzt wüsste, was genau sie vorhat, könnte ich ja schon einen Storno ausrufen, aber – was macht sie jetzt?“

Der Freund zuckte mit den Schultern:

„Keine Ahnung!“

Ich tat es ihm nach. Hätte sonst vermutlich auch unangenehme Fragen aufgeworfen.

Der Angestellte nahm das mit einem Stirnrunzeln locker und hat den Leuten hinter mir gleich verkündet, dass nebenan auch noch eine Kasse offen sei, ihm sei gerade die Kundin weggerannt. Verwunderung, Tütenrascheln, alles friedlich. Nach anderthalb Minuten unruhiger Stille tauchte Madame auch wieder auf und stellte sich nun mit einer neuen Bifi – dieses Mal das preisreduzierte Normalmodell – hinten an die trotzdem langsam anwachsende Schlange an. Ihr wurde bedeutet, gleich vorzugehen, der Kassierer rief daraufhin einem Kollegen zu, er möge mal bitte einen Storno ausrufen und so verging weitere Zeit mit dem Warten auf den Stornierungsbeauftragten.

5 Minuten, alleine um eine Bifi zu bezahlen. Slow Food fängt im Laden an.

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Komma inne Puschen!

Ein paar von Euch erinnern sich vielleicht noch: Ich hab im Februar ein eBook veröffentlicht. OK, schon gut: Ihr seid nicht ganz so vergesslich wie ich. 🙂

Nun ist eine feine Sache an Büchern ja, dass man damit Geld verdienen kann. Das tue ich auch und ich bin für den ersten Versuch ja bislang auch zufrieden. Man darf gerne drüber streiten, ob das schon viel ist, aber die mit weitem Abstand meiste Kohle waren die knapp 400 €, die alleine in den ersten 10 Tagen im Februar durch den Verkauf von rund 200 Büchern reingekommen sind.

Den Verkauf hab ich ja Amazon überlassen. Bei allem Für und Wider halte ich das nach wie vor für nicht die schlechteste Lösung. Es sind nunmal viele meiner Leser auch Amazon-Kunden und auf Anfrage hin gebe ich ja nebenbei auch einzelne Exemplare an die Leute raus, die so nicht rankommen. Auch der Einbehalt von 30% des Einkaufspreises seitens Amazon ist im Vergleich zu den Mitbewerbern auf dem Markt und erst recht zu den Verlagen bei Druckbüchern fantastisch. Klar, dafür machen sie auch wirklich nur die Zahlungs- und Versandabwicklung, aber das war auch genau das, was ich wollte. Auch wenn es bei großen Unternehmen wie Amazon immer gerechtfertigte Kritik geben wird – ich konnte das auch echt nicht alles alleine machen, ehrlich.

Um’s kurz zu machen: Für mich, der ich ein eigenes eBook veröffentlichen wollte, war das eine faire Sache – und ich hab weder davor beim Suchen, noch hinterher beim sporadischen Nachsehen eine bessere Alternative gefunden. So aberwitzig ich den Satz aus meinem Mund über einen internationalen Konzern auch finde: Nirgendwo sonst hab ich ein ausgewogeneres Kosten-Nutzen-Verhältnis für mich und die Leser gleichermaßen gefunden. Selbst attraktive Nischenangebote haben am Ende absurde Vertragsklauseln gehabt und bei den meisten Diensten hätten sich halt 90% ein neues Konto einrichten müssen, anstelle der vielleicht 5 Leute, die das jetzt bei Amazon gemacht haben.

Aber gut: Komma inne Puschen!

Es geht nämlich um einen kleinen Nebenkriegsschauplatz: Die von Amazon lassen sich echt Zeit …

Die Vertragsbedingungen für Autoren dort sind schon so gewagt: Nach Ende eines Abrechnungsmonats gibt sich der Händler satte 6 Wochen Zeit bis zur Auszahlung. Das ist nicht schlimm* und das weiß man als aufmerksamer Unterschreiber eines Vertrages ja auch vorher. Allerdings ist sogar Amazon selbst z.B. bei der Werbekostenerstattungs  ganze 2 Wochen schneller.

Von so engagierten Leuten wie meinen Chefs, bei denen es von meiner Abrechnung im Büro bis zur Lohnauszahlung selten länger als 5 bis 7 Tage dauert, wollen wir da mal gar nicht reden.

Aber, jetzt können wir den alten Adam Riese mal exhumieren: Abrechnungsmonat war der Februar. Der letzte Tag plus 6 Wochen ist gleich? Genau: 12. April. Und, ihr werdet es sicher schon erraten haben: Das Geld ist noch nicht da. Genau genommen kam 8 Tage nach diesem Tag eine Mail, in der mir die baldige Zahlung bestätigt wurde – mit dem Vermerk, dass es durchaus bis zu 5 Werktage dauern könne, bis das Geld dann auf dem Konto sei. Bei sehr großzügiger Auslegung zu Gunsten von Amazon sind wir heute bei Werktag 7.

Ich will da sicher kein Fass aufmachen. Ein paar Tage hin oder her … im Vergleich zur Kirchengemeinde, die meinen Zivi-Sold zahlen musste, ist das noch human. Die hab ich in den ersten drei Monaten ständig nerven müssen, bis sie mir mal halbwegs zeitnah (und vor allem auch den mir zustehenden Betrag) gezahlt haben.

Aber in Anbetracht der Tatsache, dass Amazon eben wirklich NUR die Bezahlung zu organisieren hat, sich dann ewig Zeit lässt und zusätzlich auch da noch überzieht … nee, also wirklich überzeugend ist das nicht. 🙁

Entscheidender inhaltlicher Nachtrag: Heute, am 2. Mai, ist die Kohle angekommen. Ohne, dass ich bislang interveniert hätte. Jetzt bin ich mal gespannt auf nächsten Monat. 🙂

*Wird wohl auf ewig getoppt bleiben von der VG Wort, die für eine nicht einmal transparente Abrechnung etwa 10 Monate braucht.

PS: 581 Wörter für einen Eintrag, der sagen soll: „Ich bin pleite, aber nicht alleine schuld dran.“ Ich hab’s eindeutig noch raus mit dem Rumschwurbeln! 😉

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Klein, ganz klein …

Ich hab irgendwann mal im Radio behauptet, ich sei ein vielseitig interessierter Mensch. Muss dann ja wohl stimmen, wenn’s im Radio erzählt wird. Eines meiner frühesten Interessengebiete ist zweifelsohne die Astronomie gewesen. Würde sagen, dass das bis ins zarte Alter von etwa sechs Jahren zurückreicht, eine Zeit, zu der ich wahrscheinlich noch Probleme damit hatte, alle Körperteile richtig zu benennen. Aber wie Kinder so sind – mit Prioritäten hatte ich’s nicht so.

Ich bin also von Kleinauf das Rechnen auf großen Skalen gewöhnt und bei aller Unbegreiflichkeit des Universums da draußen hatte ich zumindest irgendwie immer eine Größenordnung im Kopf, die ich weitgehend verstanden hab und die Sinn ergab. Aber auch das nur begrenzt, ist ja klar. Schließlich IST das alles einfach unbegreiflich und wird nicht arg viel einfacher für die Wahrnehmung, nur weil wir Worte wie „Lichtjahre“ oder „Billiarden“ erfunden haben und sie benutzen. Das hilft beim Rechnen, ansonsten nicht viel. Wir Menschen haben „das da oben“ nicht ohne Grund jahrtausendelang irgendwelchen Göttern in die Schuhe geschoben und uns für nicht zuständig erklärt.

So im Alltag denke ich zugegebenermaßen recht wenig über die Größenverhältnisse unserer Welt nach. In meinem Umfeld bin ich der größte Mensch, global unwichtig und auf’s Universum bezogen ist das unwichtig, was wir global nennen. So einfach geht das. Aber wenn mich dann mal was wirklich umhaut …

Dass unsere Galaxie – ihr erinnert euch: das rotierende Kreiseldings, in dem wir uns befinden und das am Himmel in dunklen Regionen wie ein helles Band aussieht – so Pi mal Daumen 200 Milliarden Sterne enthält, das hätte ich so in etwa gewusst. Und aus dem Matheunterricht weiß ich, dass das ziemlich viel ist. Nun gut, wow.

Und dann ist mir gestern bei Twitter dieses Bild über den Weg gelaufen. Lasst es in einem neuen Tab kurz laden, ich hab’s bewusst nicht eingebunden, weil es nur im Vollbildmodus Sinn macht. Es zeigt einen Ausschnitt aus dem Zentrum unserer Galaxie. Ein paar Ecken unserer Nachbarschaft, wenn man so will. Maximal vielleicht 50.000 Lichtjahre entfernt, kosmisch ein Witz.

Wenn einem, man muss vielleicht kurz drüber nachdenken, klargeworden ist, dass jeder helle Pixel auf dem Bild nicht nur eben ein Stern ist, sondern höchstwahrscheinlich ein eigenes System mit mehreren Planeten, Monden, Asteroiden, Kometen und weiß der Geier was für Dingen noch, die wir bislang nicht einmal um unseren eigenen Punkt herum ausgiebig erforscht haben …

Mich lassen diese Gedanken mit offenem Mund und sehr sehr klein zurück.

Da braucht man noch nicht einmal daran denken, dass es von diesen Galaxienzentren ja auch noch mal ein paar Milliarden gibt.

Manche Leute mag das ein bisschen deprimiert zurücklassen – immerhin liegt schon alles auf dem Foto weit außerhalb unserer Reichweite in den nächsten paar tausend Generationen. Sollte überhaupt je ein Mensch irgendwann auch nur in die Nähe von einem dieser Sterne kommen, so wird keiner von uns mehr auch nur irgendwas hinterlassen haben, es wird auch unsere Länder und Sprachen nicht mehr geben. Man muss sogar schon optimistisch sein, davon auszugehen, dass es dann noch Menschen geben wird. Das sind Skalen, die über die bisherige Kulturgeschichte hinausgehen.

Ein wenig Wehmut kann ich nachvollziehen. Aber all das bleibt am Ende zurück hinter dem grenzenlosen Staunen, in dessen Rahmen ich dann plötzlich wieder das kleine Kind bin – das das alles als gegeben hinnimmt und fasziniert vom Gedanken daran ist, was es da noch alles zu entdecken gibt.

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