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Blabla – ein Kommentar

So, die Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg (und Rheinland-Pfalz, aber ich kann ja nicht über alles schreiben) ist nun also Geschichte. Und auch das Ergebnis ist gewissermaßen Geschichte. 58 Jahre CDU-Regierung sind damit aller Wahrscheinlichkeit nach vorbei. Es ist kaum davon auszugehen, dass die SPD plötzlich auf die Idee kommen wird, sich doch als Juniorpartner einer großen Koalition zur Verfügung zu stellen.

Die Wahl wurde wie so viele als „Schicksalswahl“ betitelt, und spätestens das ist der Punkt, an dem ich dazwischenrufen möchte: Halt!

Wie ich schon im vorherigen Beitrag klargestellt habe: Ich begrüße es. Ich finde es gut, dass die CDU (die ja immer noch stärkste Partei ist!) einen vor den Latz geknallt bekommen hat, und ich saß gestern Abend tatsächlich ähnlich ungeduldig vor dem PC wie bei der Bundestagswahl 1998 vor dem Fernseher, um mir die neuesten Hochrechnungen und Auszählungen reinzuziehen. Fast ein bisschen viel Interesse an einer Landtagswahl für Revoluzzer wie mich, was?

Nun ja, man fühlt sich der Heimat dann doch ein wenig verbunden, und nach ewigem Wahlkampf und einigen Aufregern beschleicht ja auch mich manchmal doch der Funken einer Hoffnung, dass sich etwas ändern wird. Natürlich ist das nur von kurzer Dauer, aber das kann ich ja jetzt auch mal als Trost an die Anhänger der CDU weitergeben: Keine Panik, die Welt geht wegen dieser Wahl nicht unter! Aber es wird trotzdem viel passieren!

Vielleicht klappt das mit S21 jetzt nicht so richtig (wobei ich nicht weiss, ob das wirklich noch reversibel ist) und vielleicht bekommt Stuttgart dank der Grünen noch mehr Radwege und 30er-Zonen. Das Ende der Wirtschaftswunderzeit läutet diese Wahl sicher nicht ein, denn diese Zeit ist nunmal ohnehin längst vorbei.
Es mag vielen plötzlich in der Opposition gelandeten Mitschwaben unbehaglich vorkommen, aber die Welt ist nicht anders, weil jetzt in BaWü die Grünen plötzlich eine Volkspartei sind, sondern dieses Wahlergebnis spiegelt neben den Aufhängern der näheren Vergangenheit (S21, Fukushima, Brüderle – um nur 3 Katastrophen zu nennen) einfach einen Wandel wieder, der längst im Gange ist.

Und der ist beileibe nicht wirklich schön.

Baden-Württemberg ist wie Bayern bisher in der Situation gewesen, dass das landeseigene Leben stets Referenzmodell war. Das bleibt es in Deutschland vorerst auch, egal wer regiert. Die Wirtschaft ist im Süden Deutschlands seit Jahren deutlich besser aufgestellt als im Rest, der Wohlstand ist vergleichsweise hoch. Natürlich kann es sein, dass sich das ändern wird. Für so mutig halte ich die Grünen indes dann auch nicht. Die Änderungen, die dazu notwendig sind, sind zu tief, um sie mal eben in einer Legislaturperiode umsetzen zu können. Wichtiger ist aber eigentlich: Es wird BaWü diesbezüglich nicht anders gehen als den anderen Bundesländern, ja als anderen Staaten sogar.

Dass eine einzige – noch dazu konservative – Partei die Regierungsgeschäfte seit über einem halben Jahrhundert ohne Unterbrechung mitgestaltet, ist zunächst einmal mathematisch sehr unwahrscheinlich, lässt beim genaueren Hinsehen allerdings allenfalls eine gewisse Selbstzufriedenheit der Bevölkerung erkennen, weniger das Potenzial der Partei selbst.

In den letzten 58 Jahren ist nicht nur Europa als supranationale Größe auf die Bühne der Weltpolitik getreten, nein ebenso hat sich der kalte Krieg verflüchtigt und es hat sich nicht nur gezeigt, dass anderswo auf diesem Planeten plötzlich Konkurrenz für die deutsche Wirtschaft erwächst – es setzte sich auch zunehmend die Erkenntnis durch, dass mancher Fortschritt auf Kosten der Umwelt teuer erkauft wurde. Natürlich ist diese Entwicklung trotz CDU nicht am Ländle vorbeigegangen, aber man könnte es als Zeichen werten, dass erst ein GAU in einem japanischen Atomkraftwerk die Wahlergebnisse beeinflusst, wenngleich es 25 Jahre zuvor einen Super-GAU gab, der sogar die Region selbst betroffen hat.

Bei allen politischen Signalen, die die Wahl jetzt angeblich aussenden soll – und wenn meinetwegen Merkel und Westerwelle letztlich darüber stolpern – die Welt ändert sich nicht, weil die Grünen in BaWü 24 Prozent kriegen. Ungeachtet der Katastrophe in Fukushima wird z.B. die Umwelt ein größeres Thema werden müssen. Wenn uns der Planet unter dem Arsch wegschmilzt, gibt es – so bedauerlich es für Weissach und Sindelfingen sein mag – langfristig keine Schutzzonen für schwäbische PS-Schmieden.
Darüber hinaus zwingt die Globalisierung innerhalb unseres geliebten Kapitalismus uns die Frage auf, wie wir auf dem gesamten Kontinent eine Versorgung unserer Arbeitnehmer garantieren sollen, wenn fernöstliche Staaten dieselbe Produktivität durch Sklavenhaltung wesentlich billiger erreichen.

Mittelfristig wird auch das Schwabenland als Insel der Seeligen und als Arbeitsplatzmekka der Ingenieure aufwachen müssen und sich dieser Welt stellen, die sich in den letzten 58 Jahren nunmal rapide gewandelt hat, und deren Probleme nicht auf Dauer mit der Hofierung von DAX-Unternehmen zu lösen sind.

Meine Befürchtung ist ja, dass das tatsächlich just jetzt passiert, und letztlich ausgerechnet die „linke“ Regierung dann dafür verantwortlich gemacht wird.

Abgesänge auf die schwäbische Wirtschaft im Falle eines rot-grünen Wahlsieges fanden sich selbst außerhalb der CDU-Seite schon vor der Verkündigung des amtlichen Endergebnisses zuhauf im Internet, und wahrscheinlich werden sie mittelfristig Recht behalten. Auch wenn das meiner Meinung nach den Kern der Tatsachen verfehlt, so lange eine harmlose Partei wie die Grünen dafür verantwortlich gemacht wird.

Ihr merkt schon: Eigentlich sehe ich dieses Wahlergebnis nicht als wichtig an.
Das stimmt aber auch nur bedingt. Ich sehe es als Zeichen, dass sich vielleicht (vielleicht ist das auch nur purer Aktionismus) inzwischen auch in den Köpfen der Menschen langsam was verändert.

Wir freuen uns alle über den Status Quo, den wir in Deutschland haben: Ein halbwegs funktionierendes Sozialsystem, und wenn man dessen Nutzer mal aussen vor lässt, dann kann sich auch unser Gesundheitssystem und z.B. unsere Bildung durchaus zumindest in ihren Grundzügen sehen lassen. Dazu haben wir einen abartigen Wohlstand erreicht, der es selbst mir als Niedriglöhner ermöglicht, den Lebensstandard meiner Eltern im selben Alter trotz ihrer damals „guten“ Arbeit locker zu überbieten. Das schätze ich durchaus, aber ich bin Realist genug, um zu vermuten, dass sich dieser Standard nicht aufrecht erhalten lassen wird. Nicht unter den aktuellen Bedingungen, egal ob ich von der CDU oder den Grünen regiert werde.

Das Problem ist, dass die meisten Menschen da draussen genau das glauben – zum Beispiel, weil ihnen das 58 Jahre lang von der CDU erzählt worden ist. Und selbst wenn wir in 50 Jahren noch immer Atomstrom zu 20ct/kWh beziehen, dann werden wir andersweitig mehr Steuern zahlen, um die Entsorgungskosten zu finanzieren.
Wir – und dieses wir beinhaltet mich und wahrscheinlich alle meine Leser! – leben insgesamt immer noch weit über unsere Verhältnisse, wenn wir davon ausgehen, dass uns eigentlich global daran gelegen ist, eine gewisse Gleichheit  unter den Menschen zu etablieren. Derzeit können wir unseren „Luxus“ auch nur damit finanzieren, dass anderswo billige Arbeit geleistet wird, bzw. die Natur zerstört wird, und uns somit in Zukunft nicht als „Kapital“ zur Verfügung steht. Und das kann nicht ewig gehen, dauerhaft unbegrenztes Wachstum ist bei einer Endlichkeit des Systems (Erde) nicht möglich!

Der Gedanke schockiert viele Menschen, die jetzt ein halbes Jahrhundert ewiges Wachstum kennen, die es eingeimpft bekommen haben. Das reicht nicht nur so weit, dass wir bekloppte Glühbirnen verbieten (!) mussten, sondern darüber hinaus bis zum irrationalen Verhalten, aufgrund dieses Verbotes die blöden Teile auch noch zu hamstern.

Vielleicht ist diese Wahl ein Zeichen dafür, dass langsam ein Umdenken einsetzt. Vielleicht ist es auch nur ein Zeichen dafür, dass noch beklopptere Leute noch beklopptere Vorstellungen haben, und beispielsweise den Wert ihres Grundstückes steigen sehen, wenn das AKW in der Nachbarschaft nicht mehr in Betrieb ist. Ich weiss es nicht. Unser aller Schicksal (auch nur das aller Schwaben) ändert die gestrige Wahl in BaWü sicher nicht. Wahrscheinlich ändert sie wie auch mein Freudentag 1998 gar nichts, bzw. manches zum Schlechteren. Ungeachtet dessen ist es an der Zeit, den Tellerrand auch im bergigen Süden des Landes mal zu überblicken und sich Gedanken darüber zu machen, ob es wirklich noch zeitgemäß ist, die Grünen als realitätsfremde Ökospinner und die SPD als Wirtschaftsfeinde wegen der Gewerkschaftsnähe zu brandmarken. Und wenigstens dazu könnte das Wahlergebnis ja beitragen…

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Wer die Wahl hat…

Ich könnte hier jetzt zigtausend Worte linker Propaganda loswerden. Es ist Landtagswahl in Baden-Württemberg, meiner alten Heimat. Natürlich hoffe ich auf eine Mappus-Schlappe und auf eine Veränderung in vielen Dingen. Tatsache ist aber auch, dass just eine meiner größten Freuden, die Abwahl von Helmut Kohl als Bundeskanzler am 27.9.1998 (ja, das hab ich auswendig hingeschrieben!), mich letztlich auch maßlos enttäuscht und in meiner zynischen linken Weltsicht bestärkt hat.

Aber ich habe den Wahl-o-Mat für die Landtagswahl natürlich auch mal angeschmissen, und das Ergebnis für meine höchsteigene Person möchte ich niemandem vorenthalten. Die Liste entspricht im Übrigen nicht wirklich dem, was ich wählen würde – dazu bin ich z.B. zu wenig Kommunist, auch wenn ich mit denen viele Einstellungen zu Sachfragen teile.

Von 84 möglichen Punkten bekamen bei mir:

71 – DKP
70 – RSB
68 – Die Violetten
67 – Die Piraten
65 – Die Linke
61 – Die Grünen
57 – ödp
55 – Die PARTEI
52 – SPD
52 – BüSo
51 – Volksabstimmung
49 – BIG
47 – AUF
44 – PBC
41 – NPD
41 – FDP
36 – CDU
35 – REP

Wer will, kann ja gerne ermitteln, wo ich was angekreuzt habe 🙂

Liebe Schwaben, liebe Badenser!
Bitte bereitet dem Dauerspuk ein Ende! Kickt Mappus!

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Brüderle und die Atomkraftwerkle

Da wacht man noch vor dem Wecker auf und nutzt die Zeit, um mal wieder bei Twitter in die Timeline zu sehen. Und alle schreiben sie von Brüderle und einem Wahlkampf-Patzer…

Nun musste ich kurz mal nachsehen – das hab ich dann der Übersichtlichkeit bei Spiegel Online gemacht. Und siehe da!

Ich muss ja sagen, dass mich die Tatsache nicht überrascht, dass das AKW-Moratorium den Wahlkämpfen geschuldet ist. Im Grunde ist mir dieser Gedanke noch lieber als die Option, dass die Kraftwerke tatsächlich akut eine größere Gefahr darstellen als sie es ohnehin tun. Ich hab ja neulich schon mal was dazu geschrieben. Wobei sich die beiden Optionen immer noch nicht ausschließen müssen 🙁

Aber man darf es doch wohl eine Frechheit sondersgleichen nennen, was Brüderle da von sich gegeben hat. Einfach mal auf einem Treffen mit der Wirtschaftselite zu sagen, dass sie sich schon keine Sorgen machen müssten, die Entscheidungen der Regierung sei wegen des Drucks der Wahlen auch mal irrational – das hat das berühmte „Gschmäckle“ und kann ja böswillig auch so gelesen werden, dass dieses ganze „Wir handeln verantwortungsvoll“ doch nur Lügen fürs blöde Volk sind.

Immerhin hat Brüderle sich damit selbst einen Ausweg geschaffen: Jetzt wo man weiss, dass er die Wahrheit je nach Publikum verdreht, kann er ja immer wieder behaupten, er habe doch die andere Seite belogen und nicht die aktuellen Zuhörer.

Respekt, Schwarz-Gelb! Ihr seid nicht zufällig Entlaufene aus einem Monty-Python-Film, die sich bei der Kreuzigung vordrängeln wollen, oder?

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Gewaltig einen an der Klatsche

hat ja scheinbar die ganze Welt.

Ich hab mir all die Tage gedacht, ich sollte nochmal was zu den Ereignissen in Japan schreiben. Was heisst schon: „sollte“? Die ganze Welt schreibt darüber. Die Folgen von Erdbeben und Tsunami, das Leid der Leute, die nicht so recht unter Kontrolle zu bringenden Reaktoren und die Reaktionen darauf. Also nicht die physikalischen Reaktionen auf die bisher ausgetretene Strahlung, sondern die politischen Konsequenzen in Punkto Kernenergie… aber ich musste einfach!

In Deutschland sind die ersten Meiler bereits vom Netz gegangen. Das ist meiner Meinung nach eine großartige Sache und lässt für die Zukunft hoffen. Aber auch wenn mir das Ergebnis prinzipiell gefällt, muss ich doch mal unserer Regierung – allen voran der Kanzlerin – attestieren, dass sie in in Sachen Argumentation sowas von [Überschrift] hat.

Ich hab einen gewissen Respekt vor den Leuten da oben. Nicht explizit wegen ihrer Stellung, sondern weil sie einen beschissenen Job haben, den ich sicher nicht machen wollte.

Aber so langsam frage ich mich, wo eigentlich diese verdammt bekloppten Islamisten bleiben, wenn man sie einmal für einen Anschlag brauchen könnte. Ich bin schlicht zu feige dafür, so viel Ehrlichkeit muss sein. An moralischen Bedenken liegt es wirklich nicht mehr, dass ich mein Auto nicht mit C4 bepacke, statt mit Fahrgästen…

Wie kann sich jemand mit ein bisschen mehr im Kopf als einem Hohlraum jetzt hinstellen und sagen, man müsse deutsche Kernkraftwerke überprüfen?

Vor 25 Jahren haben wir hier ein nettes Einmaleins strahlender Lebensmittel gehabt, weil ein Atomkraftwerk dank technischer Schwächen und menschlicher Fehler mehr oder weniger explodiert ist. Über Jahrzehnte hinweg war die Anti-Atomkraftbewegung die lauteste Untergruppe der Naturschützer, und wenn sie nicht für Heiligendamm 2007 ein paar Polizisten mehr gebraucht hätten, um auch noch mein Auto zu verkratzen, dann wären die Castor-Transporte auf Ewig die größten Polizeieinsätze dieser Republik gewesen. Im langen Lauf der Jahre hat sich eine kleine Partei, gespeist aus einem Pool von RAF-Sympathisanten und Steinewerfern, im Namen des Umweltschutzes bis beinahe zur Unkenntlichkeit ihres Profils in der deutschen Politik hochgeschlafen, um am Gipfel, bei einer Regierungsbeteiligung, letztlich den Stein ins Rollen zu bringen, mit der Spaltung von Atomen zugunsten sauberer Energie Schluß zu machen.

Die ganze Zeit über waren die Argumente der jetzt Regierenden stets dieselben: Man könne nunmal nicht verzichten und außerdem sind die deutschen Reaktoren ja sicher.

Der „Ausstieg aus dem Ausstieg“, der kürzlich beschlossen wurde, folgte ebenfalls der einzig heranziehbaren Logik: So gefährlich ist es ja – zumindest bei uns! – nicht.

Trotz ewiger Demos, trotz Streitereien im Parlament, trotz des Ärgers um Asse, trotz der immer wieder auftauchenden Problematik, dass man nicht weiss, wohin mit dem Müll, trotz alledem war die Minimalantwort immer: Nicht aufregen, bei uns ist es ja nicht so gefährlich.

Und jetzt ist in Japan gelinde gesagt die Kacke am Dampfen. Das hat erstmal einen Scheiß mit uns hier zu tun. Unser Land ist bei weitem nicht so erdbebengefährdet, und selbst ungünstigste Prognosen sehen ernstlich kein Szenario vor, dass z.B. das Kraftwerk Biblis von einem Tsunami erwischt werden könne…

Und JETZT auf einmal ist es nicht nur möglich, zumindest ein paar Reaktoren herunterzufahren, ohne wieder in der Steinzeit zu landen, NEIN! Nun muss auch plötzlich „überprüft“ werden, ob die Teile sicher sind. Mal abgesehen davon, dass die blödsinnige Herleitung des Moratoriums über das Atomgesetz läuft und nur für Notfälle in Deutschland möglich zu sein scheint, muss man sich als Mensch mit einem halbwegs intakten Verstand doch fragen:

Was haben die bitte bisher überprüft?

Natürlich ist mir klar, dass Merkel jetzt für all die Dumpfbeutel Wahlkampf machen muss, die tatsächlich nach 30 Jahren Schimpfen auf die Ökospinner Kernkraft ausgerechnet heute für gefährlich halten – und morgen dann wieder nicht mehr. Aber selbst wenn man davon ausgeht, dass das Ganze nur dazu dient, nach 2 Landtagswahlen das Moratorium wieder einzukassieren, um dann unbeirrt weiter die Laufzeiten zu verlängern, kann man doch diese grunddumme Begründung als ausreichend erachten, die nächsten Regierungsgespräche per Dekret ins Abklingbecken von Neckarwestheim zu verlegen. Nette Planscherunde , wo Mama Merkel ihren Quietscheguido zwischen den Brennstäben durchtauchen lassen kann…

Mich nervt Pauschalschelte von Politikern immer ein bisschen, auch wenn ich selbst von den meisten nicht viel halte. Aber die Dreistigkeit dieser Parlamentsamöben hinterlässt mich momentan echt sowas von schockiert.

Hey bitte, da wird man jahrzehntelang abgefrühstückt mit einem

„Mecker nich, ich kenn mich in Physik besser aus als wie du!!!“,

und kaum kriegt Onkel Harry im Ausland eine schlechte Note, heisst es dann:

„Hmm, ich hab zwar Recht, aber ich guck besser nochmal nach…“

Da sind doch Kindergartendiskussionen auf der Basis von fliegendem Sand stichhaltiger!

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Propaganda

So, jetzt haben wir den Salat. Bzw. die Japaner bald keinen mehr? Das Fehlen von Salat ist in meiner dunklen Kindheitserinnerung zumindest so in etwa das, was ich mit dem Reaktorunglück in Tschernobyl verbinde…

Ich werde mich hüten, irgendwelches technische Gefasel über die Vorgänge in und um die Reaktoren von Fukushima von mir zu geben. Mein Wissen über Kernkraftwerke ist ähnlich begrenzt wie das eines jeden durchschnittlichen Wikipedia-Lesers, und ich erwarte derzeit alles andere als vernünftige Informationen über die Situation vor Ort.

Aber ja, ich hab dann dennoch was zu sagen…

Ebenso wie sicher rund um den Planeten gerade ein Haufen engagierter Wissenschaftler daran arbeitet, Informationen zu bekommen und den weiteren Verlauf der ohnehin sehr unglücklichen Ereignisse in Japans Norden positiv zu beeinflussen, dreht sich die Erde weiter und an allen Ecken und Enden dieses runden Planeten mit grenzenloser Oberfläche wird weiter Politik betrieben. Und ja, da werden wir bald ziemlich derbe von betroffen sein.

Schließlich stellt dieses Unglück einmal mehr in Frage, ob die Nutzung von Kernenergie noch zeitgemäß ist.

Auch wenn ich oben im Text Tschernobyl erwähnt habe, möchte ich jetzt nicht bloß eines explodierten Reaktorgebäudes wegen Panik verbreiten. Ob die Vorgänge in Fukushima jetzt um den Faktor 100 ungefährlicher sind als 1986 in der Sowjetunion, etwa vergleichbar oder hundertmal schlimmer – ich gehöre nicht zum Kreis derer, die das einschätzen können. So wie sicher ein Großteil der Leute, die sich jetzt dazu zum Thema melden.

Fakt scheint jedoch mal ganz konservativ betrachtet zu sein, dass ein Ereignis, dass alle hundert, vielleicht alle zweihundert Jahre auftritt, dafür gesorgt hat, dass an einem AKW radioaktive Strahlung entweicht. Ob das jetzt unkontrolliert geschah oder wegen eines regulierenden Druckablassens, spielt im Ergebnis keine Rolle.
Und unabhängig davon, ob das jetzt schon ein Super-GAU ist, oder nicht einmal einer werden kann, man muss ja wohl zugeben, dass es nicht ganz unerheblich ist, wenn ein Teil eines Gebäudes explodiert, der mit ziemlicher Sicherheit nicht aus Designgründen existierte.

Schon gestern habe ich bei Twitter (fragt mich nicht bei wem, ich habs aus den Augen verloren) einen Tweet gelesen, der sinngemäß lautete:

„Jede Wette: „Es ist in Anbetracht vielen Opfer taktlos, die Ereignisse für plumpe Anti-Atomkraft-Propaganda zu nutzen.““

Dass plumpe Propaganda nicht hilfreich ist, ist klar. Nicht umsonst ist der Begriff „plumpe Propaganda“ ein kleines Bisschen negativ konnotiert. Traurig ist, dass diese Argumentation kommen wird.

Als ewiger Nörgler bin ich jetzt sicher nicht gerade der geeignetste Mensch auf dieser Welt, um zu Sachlichkeit aufzurufen. Aber ich möchte mal klarstellen, dass jede weitgehend politische Äußerung zum Thema, ob pro, ob contra, den Tatbestand der Pietätlosigkeit erfüllen wird. Ebenso wie es einige unangemessen finden würden, jetzt noch drauf rumzuhacken, dass es „vorhersehbar“ war, ist für andere sicher der Gedanke unerträglich, dass bereits darüber gefaselt wird, dass das ja überall sonst nicht hätte passieren können.

Zudem ist Pietät sicher nett, aber ohnehin dazu verdammt, zeitlich begrenzt zu sein. Es besteht wahrscheinlich sogar ein Konsens über alle politischen Lager hinweg, dass gerade vergleichbare Katastrophen in der Vergangenheit letztlich wenigstens einen kleinen Vorteil hatten: Sie konnten dazu genutzt werden, daraus zu lernen. Ob im Einzelnen die richtigen Schlüsse gezogen wurden – das mag ein anderes Thema sein.

Darüber hinaus birgt eine derartige „Argumentation“ die Gefahr, dass kleingeredet wird, dass es die Anti-Atomkraft-Bewegung seit Ewigkeiten gibt und sie sich jetzt nicht plötzlich meldet, um auf irgendeinem Trittbrett mitzufahren. Bloß weil man es seit 15 Jahren mal mehr und mal weniger geschafft hat, diese Leute zu überhören, braucht man sich jetzt nicht wundern, wenn sie nicht still sind, wo mal tatsächlich etwas passiert, vor dem seit Ewigkeiten von ihnen gewarnt wird.

Es mag sein, dass die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Unfalls in Deutschland so niedrig ist wie sonst kaum wo. Aber es ist zum einen ziemlich überheblich zu glauben, die Japaner hätten sich über ihre Reaktorsicherheit keine Gedanken gemacht, und zum anderen ist dieser vielleicht vorhandene Vorsprung auch nicht gerade einer, den man mal eben verspielen sollte.

Ich bin ein eiserner Verfechter der Theorie, dass es eine absolute Sicherheit nicht gibt. Und ich bin so pragmatisch, deswegen unschöne Dinge als gegeben hinzunehmen. Aber wir reden bei Kernkraftwerken nicht darüber, wie eine Lösung der Probleme im Detail gewichtet wird – wir haben keine!
Katastrophen – so selten sie sein mögen – haben stets das Potenzial zu großflächiger Ausdehnung, und noch dazu werden Unmengen an hochgefährlichem Müll produziert. Müll, der so lange gefährlich ist, dass wir nicht nur nicht wissen, wie wir ihn unterbringen sollen, sondern noch nicht einmal, wie wir zukünftige Generationen davon in Kenntnis setzen könnten, dass er gefährlich ist.

Selbst unsere nicht gerade aktionsfreudige Regierung unter Mama Merkel will immerhin „nur“ eine Laufzeitverlängerung und nicht etwa ein dauerhaftes Festhalten an dieser sonst ja recht cleveren Form der Energiegewinnung.

Kurzum: Ich finde, gerade wenn etwas mieses wie jetzt in Japan passiert, sollt man darüber diskutieren, ohne dass einem was von Pietät erzählt wird, bloß weil es gerade (wie immer) schlecht passt.

Ungeachtet meiner persönlichen Abneigung gegen die Kernkraft an sich hoffe ich natürlich, dass das jetzt in Fukushima so glimpflich wie nur irgend möglich ausgeht und möglichst wenige Menschen und sonstige Lebewesen geschädigt werden, und die Geschichte doch eher ein zu lautes Rascheln im Blätterwald ist. Daran glauben tue ich allerdings gerade nicht so recht – zumal die derzeitigen Infos ausschließlich vom Betreiber und von der japanischen Regierung kommen – die mir als seriöse Quellen doch ein wenig zu sehr ins Geschehen involviert sind.

Falls jemand das Geschehen ausreichend findet, die Kernkraft zumindest nicht weiter zu unterstützen, dann kann ich nur empfehlen: Atomausstieg selber machen und Anbieter wechseln! (Hey, ich hab Propaganda versprochen!)

Hier aber noch ein paar informative Links:

Das PhysikBlog erläutert den Ablauf in AKWs und die Problematik der Kernschmelze anschaulich und unterhaltsam.

Physiker Jörg Rinds sucht nach Fakten und Links – nicht nach Meinungen.

Die Antiatompiraten tickern live Fakten aus Japan und Berichte von der Demo um Stuttgart.

Beim Spiegel tickert es auch.

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Wissenswert

Wer sich wie ich bisweilen fragt, warum so viele Regierungsgebäude groß und klobig gebaut sind, warum die heiligen Hallen der Politik um einiges höher ausfallen als die privaten Kellerräume, der weiss seit heute: Es ist wohl ein Kompromiss zugunsten der Reinigunskräfte, damit diese im Falle abtretender Minister nicht noch eine Schleimspur von der Decke wischen müssen.

Das war es eigentlich, was ich zur Causa Guttenberg noch zu sagen hatte.

Link zum Spiegel-Artikel

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Verkaufsoffene Demokratie

Ich war ja geradezu schockiert, als ich vorhin mit Ozie beim Abstimmen für den Volksentscheid zum Gesetzentwurf über die Berliner Wasserverträge an unserem Wahllokal angekommen bin. Ich musste noch niemals anstehen, um einen Stimmzettel abzugeben!

Das wiederum lag wahrscheinlich auch daran, dass wir dank krankheitsbedingt umgestaltetem Schlafrhytmus zu einer für uns eher untypischen Uhrzeit dort waren. Mit einiger Skepsis würde ich nämlich behaupten, dass zu dieser Abstimmung ohnehin fast nur Befürworter gehen, und ich in unserer Umgebung die größte Chance für ein 50%-Ergebnis der Antwort „JA“ dort vermute, wo nach der chemischen Formel von Wasser gefragt wird. Aber man darf gespannt sein. Der Berliner Senat hat sich ja mal wieder nicht mit Ruhm bekleckert im Vorfeld, aber das mag auch deswegen meine Meinung sein, weil ich meist auf der anderen Seite stehe 😉

Aber wenn man sich mal durchliest, was B like Berlin über die seriösen Werbemethoden schreibt…

Ich bin jedenfalls vor allem mal gespannt wegen der Wahlbeteiligung. Ich hab meine Zweifel, dass sie ausreicht, aber ich hoffe natürlich. Vielleicht ist es von Vorteil, dass heute mal wieder verkaufsoffener Sonntag ist, und die Leute sozusagen auf die Straße gehen müssen. Jawohl: Müssen! Wann sonst gibt es bei Netto schließlich 10% auf alles?

Das Peinliche ist, dass ich eben selbst noch kurz drüben war, um die Getränkevorräte aufzustocken. Da geht es wirklich zu wie in einem durchschnittlichen Ameisenhaufen. Ganze Großfamilien scheinen ihren Ausflugstag zu nutzen, um im Discounter endlich mal wieder eine ganze Palette Vollmilch kaufen zu können. Daneben trudelt eine Kompanie Hardcore-Alkis durchs Getränkelager im Wissen, heute pro Bierflasche zackige 5 Cent zu sparen. Abgerundet wird der Irrsinn, der sich sonst wenigstens auf 6 Wochentage verteilt, durch die Rentner, die offenbar doch auch nachmittags wach sind, und auf armlangen Einkaufszettel jede einzelne Pralinenschachtel vermerkt haben, die sie an ihre Großfamilie aus Alkis und Vollmilchmüttern in der nächsten Dekade zu verschenken gedenkt. Zwischen den ganzen Großeinkäufern wirken die Sammler von homöopathischen Mengen an Biokäse doch recht verloren, kämpfen an der Kasse aber doch recht verbissen um einzelne Positionen und behaupten sich dank ihrer wesentlich leichteren Einkaufswagen beim Kolonnenhopping umso mehr.

War da wirklich wer abstimmen? Und wenn ja: Macht das was aus. Ich bin irgendwie verstört gerade. Vielleicht hätte ich im Bett bleiben sollen.

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