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Internet? Hallo?

(Update am Ende des Artikels)

Man soll ja nicht im Vorfeld schon jammern. Zuversicht ist eine Tugend und außerdem weiss man ja, dass man als Überbringer schlechter Nachrichten als erster geköpft wird. Also nein! Natürlich ist bei der Online-Petition für ein Verbot der Vorratsdatenspeicherung noch nichts verloren. Bis heute Abend um 24 Uhr ist noch Zeit, mitzuzeichnen.

Aber auch wenn gerade mehr neue Zeichner dazukommen als irgendwann sonst in den vergangenen 3 Wochen, ist das doch ein Armutszeugnis. Ich meine: 50.000 Leute? In 3 Wochen? Das ist so Pi mal Daumen das, was ich demnächst an Blogbesuchern in dem Zeitraum habe.

Das mag eine unglaubliche Zahl sein, wenn sie in der Schlange vor einem vor dem Klo stehen, aber für eine Online-Petition zu einem Thema, das zumindest im politischen Spektrum links unserer derzeitigen Regierung kaum strittig ist unter nachdenkenden Menschen?

Ich weiss ja auch, dass diese Petition vielleicht nichts und im besten Falle nicht viel bewirkt.

Aber falls man irgendwann in der Zukunft doch mal genötigt ist, unfähige Politiker aus dem Bundestag rauszuprügeln, dann wird das viel mehr Spaß machen, wenn man ihnen dabei erzählen kann, dass man es ja auch anders versucht hat 😉

Ich hoffe einfach mal, dass alle die das lesen, die Petition schon mitgezeichnet haben. Wenn nicht, dann überlegt mal, warum eigentlich nicht.

Online-Petition

zeichnemit.de

Update: Irgendwie sind einige Zahlen bei der Petition durcheinandergerutscht, oder es liegt an der groben Regelung mit den „50.000 Mitzeichnern binnen 3 Wochen“. Ich weiss es nicht. Tatsache ist, man kann immer noch mitzeichnen (Kann man sowieso noch bis nächsten Monat, nur wird es dann wahrscheinlich noch weniger bringen als nichts) und ich kann es nur jedem anraten. Heute klappt das nämlich 🙂
Wer noch eine Entscheidungshilfe braucht, kann es ja auch mal mit Sascha Lobo probieren.

Update 2: Strike! Die 50.000 wären erledigt. Nu mal sehen…

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An die Angsthasen

Dass ihr das nicht lesen werdet, ist leider zu befürchten. Das hier ist nicht der Leitartikel der FAZ und nicht einmal eine Verbalentgleisung eines grenzdebilen Dampfplauderers auf Seite 2 von Deutschlands meistgehasstem Klopapier. Es ist nur ein Blogeintrag. Damit ist ja auch schon alles gesagt.

Euren Einsprüchen gegen fast mein gesamtes Leben und den weltweit größten Kulturbetrieb aller Zeiten ist in der Regel gemein, dass sie über „das Internet“ berichten und beginnen, zwar eine Grenzlinie zwischen euch und denen zu ziehen, die eine Maus bedienen können, dabei aber wahllos alle halbwegs plausiblen Unterschiede zwischen Schülern, Künstlern, Kleinkriminellen und Terroristen plattbügeln, um die vermeintliche Gefahr des weltweiten Netzes begründen zu können.

Da die menschliche Bandbreite an verachtenswerten Taten vom an sich harmlosen Beleidigen bis zum gezielten Einsatz von Massenvernichtungswaffen reicht, ist das was ihr Internet nennt, sicher nicht fehler-, kriminalitäts- oder gewaltfrei. Anstatt zu akzeptieren, dass es sich bei der Vernetzung der Menschen – hinweg über Nationen, Kontinente, Geschlechter, Stände und Systeme – letztlich nur um ein Spiegelbild und zugleich eine Fortführung der Gesellschaft(en) handelt, die ihr nun besser findet als „das Netz“, propagiert ihr wie letztlich alle vor euch, die noch gegen eure liebgewonnenen Spielzeuge (Handy, Fernsehen, Postkarte etc…) gekämpft haben, dass ausgerechnet dieses seltsame Internet jetzt der Untergang unserer Werte und Kultur oder wenigstens eurer Nachtruhe ist.

Diese Untergänge haben wir seit der Erfindung des Buchdrucks also regelmäßig und euer viel geliebtes und hoch gelobtes Leben im Deutschland eurer Träume wäre nie möglich gewesen ohne den anhaltenden Fortschritt.

Schon jetzt ist zu erkennen, dass das, wogegen ihr euch strebt, den nachfolgenden Generationen ein vielfach besseres Leben ermöglichen wird. Und wenn ihr mal ehrlich seid: So lange auch die DAX-Konzerne dabei mitverdienen, ist euch das doch im Prinzip auch Recht.

Wie viele Untersuchungen gab es eigentlich zur Frage, ob die französische Revolution durch ein fortschrittliches Postsystem begünstigt wurde oder worden wäre? Und trotz der erschreckenden Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus konnte sich das Radio letztlich durchsetzen, obwohl es garantiert in wesentlich gröberem Umfang zum Niedergang eines ganzen Kontinents beigetragen hat, als jedes andere Medium bisher.

Ist euch denn völlig entgangen, inwiefern das Internet zur Vereinfachung des Lebens beigetragen hat? Wie sehr es den Wissenschafts- und Kulturbetrieb bereichert und beschleunigt hat? Wie sehr es die Wirtschaft in jeder Sekunde fördert, wie sehr es Menschen hilft, in Kontakt zu bleiben, Kontakt zu finden?

Euer Problem ist nicht das Internet. Ihr habt Angst vor den Menschen. Als Notbehelf, um diese Argumentation zu entkräften, erfindet ihr die Web-2.0-Generation, die wenn nicht pädophil und terroristisch, dann doch wenigstens dumm, fett und gewaltbereit diesen ominösen virtuellen Raum bevölkert. Dieser Raum lässt sich in eurer Vorstellung dann einfach abschließen, der Schlüssel wird weggeworfen und das Problem ist erledigt. Das kann nicht funktionieren, weil die Menschen aus genau derselben Welt stammen wie ihr. „Das Internet“ ist keine große Sammlung von Freaks und Psychopathen, sondern in weit größerem Maße die Welt der Chefs und Politiker von morgen.

Stoppschilder gegen Sexualstraftäter, Twitter-Shutdown gegen Krawalle, Vorratsspeicherung gegen Terroristen und Facebook-Verbote gegen Datenmissbrauch! Wenn die Welt so einfach wäre, wie ihr sie in eurem Unwissen verkaufen wollt, dann würden wir doch längst den Frieden auf Erden haben. Wir könnten Zäune in Fußgängerzonen stellen, die Telefone verbieten, überall Kameras in die Wohnungen der Menschen hängen und die deutsche Post zerschlagen. Ist das die Welt, wie ihr sie euch vorstellt? Ich glaube nicht, aber das ist das, was ihr meiner Ansicht nach und der Ansicht vieler Millionen Menschen nach vorschlagt.

Ist es nicht eigentlich die pure Unwissenheit, die euch treibt?

Wer von euch hat schon einmal mit einem Blogeintrag mehr bewegt als mit einem Leserbrief an den Spiegel? Wer von euch hat mal einen alten Schulfreund via Facebook wiedergefunden, wie viele geschäftliche Kontakte habt ihr bei Google+ schon geknüpft? Wer hat seine Urlaubsbilder bei Picasa mal auch den Leuten zeigen können, die für einen Dia-Abend zu beschäftigt waren? Wer von euch hat seine Freunde mal via Twitter schnell und problemlos zu einem Feierabend-Umtrunk eingeladen? Wer von euch hat schonmal mit seiner eigenen Homepage ein Bewerbungsgespräch vermittelt bekommen? Wer von euch hat schon einmal eine wissenschaftliche Arbeit mit frei verfügbaren Quellen aus dem Internet verfeinert oder Aufnahmen der alten Schulband irgendwo bei myspace wiedergefunden, die als verschollen galten?

Jede Wette, dass ich alleine auf meine persönliche Positivliste mehr Punkte setzen kann, als euch überhaupt Terroranschläge einfallen, die seit der Erfindung des Computers verübt wurden!

Ich finde es unangemessen, auf Probleme mit schönen Utopien voller Blümchen und niedlicher Tierchen zu antworten. Der Grund, warum ich es in gewisser Weise hiermit tue, ist der: Das Internt IST eben das eine wie das andere! Es ist ein so heterogener Raum, eine so große Vielfalt, dass es ohnehin Schwachsinn ist, es immer mit einem Wort zusammenzufassen.

Wenn ihr wirklich der Meinung seid, das Telefon gehöre abgeschafft wegen der vielen obszönen Anrufe, die man damit tätigen kann: OK, dann seid ihr einfach Idioten! Wenn ihr aber tatsächlich Angst habt, dann kann ich nur raten, es mal auszuprobieren. Irgendwann stellt man nämlich fest, dass es neben bild.de und isharegossip.com noch ein kleines bisschen weitergeht im Internet. Oder würdet ihr wirklich auch Deutschland abreissen, nur weil hier in Berlin-Marzahn ein paar hässliche Plattenbauten stehen?

(Liebe Stammleser: Ich weiss, euch langweile ich vielleicht damit. Aber falls ihr mir wenigstens zustimmt, dann verbreitet den Text irgendwo, man muss es einfach immer mal wieder sagen!)

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Im Internet geboren

Also ich weiss nicht, wie es euch Lesern geht. Ich bin nicht im Internet geboren. Genausowenig wie der Terroranschlag in Oslo, über den sich Hans-Peter Uhl jetzt mittels derartig undifferenziertem Quatsch und in Tateinheit mit Gedankenverkorksung und doppelblöder Blindheit ein Urteil erlaubt hat.

Aber ja: Mit der Zeit habe ich gelernt, mit dem Netz umzugehen. Wie üblich ein wenig unkonventionell und behelfsmäßig, aber ich hab es zum Hardcore-User gebracht, ohne in der Steinzeit meiner Computer-Kenntnisse auf Dialer hereingefallen zu sein. Ein einzelner Virencrash eines PC’s geht auf mein Konto, aber ich hab auch noch nie versehentlich eine Pornoseite geöffnet, wie das allenthalben passieren soll, sondern wenn dann absichtlich. Ich nutze das Internet mittlerweile zur Kommunikation in jeglicher Hinsicht, kaufe dort auch ein und suche nach Unterhaltung.

Dafür braucht es gewisser Grundkenntnisse, die ich inzwischen – wie beim Autofahren – kaum noch von natürlichen Reflexen unterscheiden kann. Was ist das Internet? Wie bediene ich einen Browser und was sind Webseiten und was kann man auf ihnen alles anstellen? Ganz ehrlich: Das sind keine Fragen, die irgendjemanden heutzutage noch beschäftigen sollten. Vielleicht muss man nun wirklich nicht wissen, was gerade der superaktuelle Trick ist, um sich gegen die neueste Spionagesoftware des US-Militärs zu wehren, ohne gleichzeitig das Filesharing unterbrechen zu müssen – aber als ganz wichtige Grundlage sollte man vielleicht wissen, wie man danach (oder ggf. eben auch nach Unterhaltung, Pornos oder Nachrichten) sucht.

Ich bin auch hier allenfalls Amateur. Ich muss jeden Befehl für Google, der über die Anführungszeichen hinausgeht, nachschlagen. Aber wenn es nötig ist, tue ich es. Und ich weiss, wie. Ich bin wirklich kein arroganter Nerd, der meint, die restliche Welt müsse dieselben Interessen haben und ich halte nach wie vor Deutsch für eine schönere Sprache als html. Aber überlegt mal bitte selbst, wann ihr das letzte Mal derart unbeholfen etwas in eine Suchmaschine eingegeben habt:

www.betriebsanleitung datenfunk in kölner taxen de.

Das ist kein Witz. Das ist eine reale Suchanfrage bei Google gewesen, mit der man dann auch noch auf GNIT landen kann. Im Ernst: Das ist abgesehen von der erschreckend korrekten Rechtschreibung nur noch durch Drogen oder eine langjährige CDU-Mitgliedschaft zu erklären. Man sollte meinetwegen allen Menschen einen Grundkurs in Internetnutzung geben. Aber in dem Stadium dürfen die da noch nicht alleine rein, ehrlich. Das ist viel zu gefährlich, sonst labern die am Ende alle so einen Schrott wie der Uhl.

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Oslo

Dass die Terroranschläge von Oslo nicht an mir vorübergegangen sind, ist klar. Das Thema ist allerdings ganz ehrlich gesagt eine Spur zu vielseitig und groß, als dass ich mir hier wie etliche Journalisten die Blöße geben möchte, mein gefährliches Halbwissen mit der Welt zu teilen.

Mir ist einiges sauer aufgestossen in den letzten Tagen, von dem Anschlag selbst bis hin zur Berichterstattung auf allen Kanälen. Ich hab es bisher vermeiden können, wie üblich mit Zynismus auf eine verwirrte Öffentlichkeit einzuprügeln. Wäre vielleicht nicht angemessen gewesen. Aber ich hab den Umgang verschiedenster Medien damit gesehen und festgestellt, dass es auch die professionellen Schreiber oftmals nicht wirklich hinbekommen.

Ich möchte an dieser Stelle einen Text zum Nachdenken verlinken, ein Text über Terroranschläge und Doppelstandards, geschrieben von Ali Arbia in seinem sehr empfehlenswerten Blog zoon politikon:

Terroranschläge und Doppelstandards (in alle Richtungen)

Es lohnt sich.

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Gefahr, Gefahr!

Ich weiss, dass in „meiner“ Straßenbahn – der M6 – vor einiger Zeit ein Übergriff stattgefunden hat. Wie sollte es mir auch entgehen, wo ich zwar die Boulevardblätter meide, aber die Polizeipressemeldungen abonniert habe?

Dass die BVG Sicherheitspersonal einsetzt, ist mir also ebenso wenig unbekannt wie auch die Tatsache, dass man selbiges so gut wie nie antrifft. Ich kenne die Fürs und die Widers bei all der Debatte um die Sicherheit in diesem Land und ich bin immer noch dagegen.
Ich weiss: Es passiert eine Menge Scheisse in diesem Land, eine Menge Scheisse in Berlin, und wenn in unserem Haus Windeln aus dem Fenster geschmissen werden, dann darf man davon ausgehen, dass auch in Marzahn eine Menge Scheisse passiert.

Aber Sicherheit schränkt ein.

Gewiss: Es ist eine Gratwanderung, und die Menschen bewerten es unterschiedlich. Aber ebenso wie der ein oder andere unter uns „unbegründet“ Angst hat, fühlen sich andere „unbegründet“ eingeengt.

Mir ist das heute einmal mehr bewusst geworden. Ich hab meine Schicht beendet und mir zur Feier des Wochenendes einmal mehr ein Feierabendbier an der Tanke geholt. Ich trinke gerne ein Bier in der Bahn auf dem Heimweg, und bei der geschätzten Zuschauerzahl von etwa 4 Leuten sollte ich damit auch nicht unangemessene Werbung für den Alkoholkonsum machen. Aber das ist natürlich kein Grund, die Hunde zurückzupfeifen:

Zwei Stationen nach mir stiegen 2 Sicherheitsleute „im Auftrag der BVG“ ein. Ich muss ihnen das eigentlich Selbstverständliche zu gute halten: Sie haben nichts gemacht.
ABER: Sie haben die Situation in der Bahn kurz überschaut und dabei festgestellt, dass da ein 2-Meter-Brecher mit Bierflasche sitzt und sich zielstrebig sowohl neben, als auch hinter mich gesetzt. Da mich die Evolution noch nicht mit Augen im Hinterkopf ausgestattet hat, kann ich es nur vermuten, aber ich meine: Ja, sie haben geschaut, was ich mit meinem Smartphone so alles anstelle.

Und das ist zum Kotzen!

Keine Frage: In einer brenzligen Situation bin ich froh im den ein oder anderen „professionellen“ Helfer. Aber es kann nicht sein, dass zahllose Menschen tagein tagaus mehr oder weniger bespitzelt werden, nur weil sie vielleicht gerade nicht ins Klischee der braven Überwacher passen! Zumal diese Profis den Anschein erweckt haben, sie seien auch eher notleidende Hartz4-ler als ausgebildetes Personal. Ob sie also in einer Gefahrensituation hilfreich gewesen wären, wer weiss?

Ich möchte an dieser Stelle mal anmerken, dass ich auch schon als „Sicherheitspersonal“ für Banken Überweisungsanlagen transportiert habe, zwar schick mit Hemd und quasi Uniform, dafür aber null ausgebildet oder auch nur irgendwie anders ausgestattet als der Rest der Menschheit – und nein, ein Führungszeugnis braucht man auch nicht bei jeder dieser Tätigkeiten…

Ich akzeptiere, dass es eine gewisse Infrastrukur für Sicherheit geben sollte. Aber muss ich als normaler Mensch deswegen auf eine ungestörte Bahnfahrt verzichten? Sicher, man kann diese Frage mit ja beantworten – man sollte sich aber klarmachen, dass Menschen wie ich erst deswegen zu einem Sicherheitsrisiko werden könnten…

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Identitätskrise

Kaum ist Google+ in nennenswertem Umfang auf dem Weltmarkt für Eitelkeiten, im Bereich der sozialen Netzwerke, halbwegs angekommen, schon steht die erste Krise ins Haus. Eine Art Identitätskrise. Zum einen fragen sich natürlich die Nutzer, was aus Google+ wird, andererseits gibt sich Google selbst schon alle Mühe, dem Ganzen eine gewisse Richtung zu geben.

Scheinbar löscht Google einzelne Nutzerprofile, wenn diese den Eindruck erwecken, sie würden keinen Klarnamen enthalten. Und so super-social, wie das alles nunmal ist, schwappt eine mehr oder minder große Welle durch die digitale Bude. Alte binäre Haudegen fühlen sich an eine Zeit erinnert, als das selbe Thema offenbar im Usenet durchgenudelt wurde, ein Großteil der Leute schaut indes fasziniert zu, weil sich bisher scheinbar niemand Gedanken darüber gemacht hat.

So schrieb plomlompom sich in Rage über diese Ungerechtigkeit und forderte die User auf, Pseudonyme zu nutzen, woraufhin sich etliche Gegner aufschwangen und klarstellten, dass es sich hierbei überhaupt um gar kein Problem handeln würde. Mehrfach wurde auf Googles Hausrecht verwiesen und darauf, dass man ja woanders spielen gehen könne, wenn man keinen Bock hat, sich mit Klarnamen zu melden.

Das wiederrum rief Sascha Lobo auf den Plan, der eine Lobesrede auf die freie Namenswahl in der digitalen Öffentlichkeit hielt und die Meinung vertrat, dass das mit dem Hausrecht albern sei, weil Google schließlich als eines der großen sozialen Netzwerke durchaus so etwas wie „die Öffentlichkeit“ sei.

Verschiedenste Kommentatoren versammelten sich auf verschiedensten Posts und proleteten munter ihre Fürs und Widers heraus. Die Debatte ging vom Hausrecht zum Telemediengesetz, vom Stalker bis zum unterdrückten Diktaturbekämpfer und natürlich auch jeweils wieder zurück.

Ich wollte mal meine Meinung dazu kundtun:

Ich kenne ja als Blogger die Vor- und Nachteile pseudonymen Daseins. Ich selbst blogge zwar seit geraumer Zeit mehr oder minder unter Klarnamen, weil mir die Anonymität zu anstrengend war, aber ich habe natürlich viel mit Pseudonymen um mich herum zu tun.

Als Negativbeispiel fällt mir da beispielsweise ein altkluger Vollspaten ein, der mit seinem psychotisch anmutenden Geschreibsel seit einem Jahr meint, er müsse Unwahrheiten über mich in seinem bedeutungslosen Kleinstblog von sich geben, während er sich fälschlicherweise für clever genug hält, seine Identität zu verschleiern.

Auf der anderen Seite stehen die vielen hundert Leute, die in meinen beiden Blogs kommentieren und dies in großer Zahl völlig ohne Klarnamen unter frei gewählten Pseudonymen tun und dabei im Grunde nie ernsthaft den Eindruck erwecken, als würde ihnen eine Verletzung der Netiquette in den Sinn kommen.

Bei allem Ärgernis, das minderbemittelte Trolle im Netz auslösen können: Überwiegend scheint die Sache mit den Pseudonymen gut zu funktionieren. Hier greift auch eines der Argumente vieler Verteidiger der Pseudonym-Idee: Viele Menschen haben sich eine Identität im Internet (oder auch im Reallife-Freundeskreis) zugelegt, die nichts mit dem offiziellen Namen zu tun hat. Und warum sollte man ihnen das verbieten? In sozialen Netzwerken geht es um zwischenmenschliche Kommunikation ohne vertraglichen Charakter. Eine Identifizierbarkeit muss ja nicht zwingend gegeben sein.

Folglich vertrete auch ich die Ansicht, dass Google gut daran täte, Pseudonyme zu erlauben, auch wenn sie so dämlich klingen, dass man um den Verstand des Benutzers fürchtet.

Die Menschen, die sich (und was ist in sozialen Netzwerken anderes zu erwarten?) eine Identität zulegen, die ihnen am Herzen liegt, werden sich kaum in Wildwest-Manier durchs Netz schlagen. Schließlich sind auch Pseudonyme für die Personen dahinter und die Personen gegenüber wichtige Teile der Kommunikation – ebenso wie der eigene Name.

Ja, Ausnahmen bestätigen die Regel. Die LoVeRbOy_SEXY_38(cm;)) dieser Welt werden damit vielleicht Teil des Internets (oder hier: Teil des Netzwerkes) bleiben und in ihrer Anonymität hier und da rumtrollen. Ich wage aber zu bezweifeln, dass sie jemand ernst nehmen muss. Zumal das Aussieben bei Google+ (wie auch bei Facebook übrigens) nach offenbar nicht allzu cleveren Parametern vorgenommen wird, die es immer erlauben werden, sich als Hans Wurst anzumelden, auch wenn man Kunigunde Veilchen heißt.

Google selbst sollte es egal sein, unter welchem Namen sich die Nutzer durchs Netz bewegen. Für den Konzern sind alleine die Verknüpfungen und Vorlieben interessant, um sie für die Werbung zu verwenden. Dabei spielt der Name so oder so keine Rolle, wenn Google nicht morgen plant, auf Postwurfsendungen umzusatteln. Erzwingen kann man das nicht, man kann es nur versuchen. Aber der Versuch ist vielleicht so dumm nicht.

Man muss sicher keine Stalkingopfer oder unterdrückte Minderheiten in anderen Ländern bemühen, um pro Namensfreiheit zu argumentieren, aber wenn man sie dann letztlich auch noch auf der richtigen Seite verbucht, dann sollte klar sein, dass Google+ gut daran tun würde – und im Übrigen auch wesentlich mehr Benutzer finden und binden wird,- wenn jeder seinen Namen selbst wählen kann.

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Heraus!

„Heraus zum ersten Mai!“

Was nervt mich diese Parole. Ich finde es immer schade, wenn aus Traditionsgründen sinnvolle Ansichten in gestrige Worte verpackt werden. Heraus. Heraus? Kein Mensch außerhalb von Hannover oder einschlägigen K-Gruppen wird doch das Wort noch ernsthaft so verwenden…

Ich bleibe einen Lösungsvorschlag zur Umschreibung schuldig, aber wie jedes Jahr starte ich ein wenig zwiespältig in den ersten Mai. Natürlich werde ich heute Abend auf der Demo in Kreuzberg sein, und da ich sogar öffentlich dazu stehe, kann ich ja auch zugeben, dass ich gerne dazu auffordere, es mir gleich zu tun.
Sicher kann man auch auf eine der zahlreichen anderen Demos hier oder anderswo gehen, an der mangelnden Auswahl soll es ja nicht liegen an diesem Tag.

Es ist ein wenig traurig, dass der erste Mai so sehr zu einem Folklore-Tag verkommen ist. Da möchte ich auch gerne die DGB-Demos in einen Topf mit der bösen revolutionären 18-Uhr-Demo am Kotti werfen. Ob man jetzt zum ersten Mai geht, weil man mit ein paar Freunden Würstchen essen will oder weil man sich mit den Bullen zu kloppen gedenkt: Im Grunde ist beides gleichermaßen bescheuert!

Dennoch finde ich es ärmer, nicht hinzugehen.

OK, klar: Wenn man zufrieden ist mit der Welt, wie sie ist, dann kann man das machen. Für diese Einstellung indes fehlen mir die Worte…

Ganz ehrlich: Ja, ich bin froh, in Deutschland zu leben! Je mehr man Deutschland mit dem Rest der Welt vergleicht, desto besser gefällt es einem hier. Die Politik hier ist in so vielen Punkten am fortschrittlichsten oder zumindest nahe an der Spitzengruppe. Das weiss ich zu schätzen, aber ich gehöre zu den Menschen, die sich für Kakao entscheiden, wenn sie die Wahl zwischen 3 Arten Durchfall als Morgendrink bekommen.
Es ist auch nicht so, dass ich undankbar bin für alles, was ich habe – aber selbst in unserem reichen, satten Sozialstaat ist noch einiges im Argen.

Hey, hier und heute – in Deutschland 2011, werden immer noch Frauen schlechter bezahlt als Männer. Es gibt einen Haufen Menschen, die trotz Vollzeit-Arbeit in Armut leben und Menschen, die wegen ihrer Herkunft diskriminiert werden. Es gibt Menschen, die sich beschimpfen lassen müssen, weil sie keine Arbeit finden oder weil sie homosexuell sind. Immer noch werden in der Politik ernsthaft Arbeitsplätze in der Automobilindustrie munter gegen Umweltzerstörungen hochgerechnet und mit ein paar fragwürdigen Ergebnissen wird eine Abschaffung der Privatsphäre schöngeredet. Hier und heute noch brechen ausgerechnet Polizisten vielerorts massiv und organisiert das Grundgesetz und gleichzeitig versteht ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung nicht, was das bedeutet, weil das zu viel Textverständnis erfordern würde.

So vorbildhaft dieses Land im ein oder anderen Bereich sein mag: Es gibt genügend Gründe, gelegentlich den Arsch hochzukriegen und wenigstens mal seine Meinung zu sagen!

Ich finde es ein wenig schade, dass die meisten Leute erst dann demonstrieren, wenn es ihnen selbst an den Kragen geht. Man findet in der Geschichte eine Menge Hinweise, dass das zu spät sein könnte. Nach wie vor kann ich nur sagen, dass ich mit meinem eigenen Leben zufrieden bin, und mir eigentlich angenehmeres vorstellen könnte, als mit  10.000 verschwitzten Menschen ein paar Straßen langzutrotten und von sensationsgeilen „Journalisten“ fotografiert zu werden.
Ich komme mit meinem Leben schon klar – so wie es jetzt ist, und wahrscheinlich auch so, wie es in 10 Jahren, ungeachtet der Wahlausgänge sein wird. Aber verdammt: Ich bin doch nicht der Maßstab der Dinge. Es geht so vielen Leuten ernsthaft dreckig hier!

Außerdem wäre es doch schön, wenn nicht jede Kritik untergehen würde, nur weil sich die paar Hansel auf einer Demo unter Würstchenesser und Steinewerfer subsummieren lassen!

Deswegen werde ich heute Abend einmal mehr in Kreuzberg sein, und bei der Demo mitlaufen. Es ist mir doch scheißegal, ob 500 Leute das als Aktionsplattform sehen, um ein bisschen Katz-und-Maus mit den Cops zu spielen. Ich werde da sein, damit sich vielleicht mal jemand fragt, warum da noch 10.000 andere Leute mitlaufen!

Und abgesehen davon: Es ist nach wie vor ein Gerücht, dass die Verantwortlichkeit bei den Krawallen so einseitig ist…

Insofern:  Heraus zum ersten Mai – egal wie scheiße das klingt!

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