Category Archives: Medien

Immer auf die Bösen!

Es gab im wunderbar recherchierten „1414-Bild-Artikel-Dings“ einen Fehler. Den hat bildblog bereits aufgedeckt. Das brauche ich nicht zwingend widerkäuen, da man bildblog immer lesen sollte. Die Absurdität des Ganzen zeigt sich aber auch am unteren Rand der Foto-Serie:

Quelle: bild.de

Quelle: bild.de

OK, was lernen wir daraus? Wer ein Auto anzündet, ist ein Chaot. OK, das kann man meinetwegen so nennen, wenngleich ich selbst da finde, dass die Bild es sich zu einfach macht.

Schuld (und damit ja wohl auch ein Chaot) ist man auch, wenn man nicht verhindert, dass Chaoten Autos anzünden.

Wenn man aber nicht verhindert, dass Chaoten Autos anzünden, fotografiert und das Ganze dann meistbietend an eine Boulevardzeitung verscherbelt, die nicht einmal interessiert daran ist, was genau passiert ist, dann ist man… ein Leser-Reporter.

Ernst gemeinte Frage: Was ist bitte schlimmer?

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Beim Barte der Proleten!

Wenn man sich auf bild.de ein wenig umsieht, gelangt man irgendwann bestimmt zu diesem fantastischen Artikel. Hier haben wir ein schönes Beispiel einer „übergeigten Überschrift“, wie Kai Diekmann es so schön bezeichnet hat. Denn ob Beck seinen Bart abrasiert für einen guten Zweck, das ist wohl noch nicht raus. Der arme Parteichef hat diese spaßige Aussage bei einer Mai-Kundgebung auf eine Frage hin gemacht. Im normalen Sinne „verkauft“ Beck seinen Bart ziemlich sicher nicht. Ich könnte mir auch keine gesteigerte Nachfrage an Barthaaren eines mittelmäßig bekannten Bundespolitikers vorstellen. Aber vielleicht bin ich nur nicht kaputt genug dafür.
Wer sich denkt, das war der Witz, der irrt leider. Denn diese kleine Spitze gehört zu einem sich wahrscheinlich in den kommenden Tagen ausweitenden haarigen Eisberg. So wartet Bild nun mit diesem Artikel auf:

Quelle: bild.de

Quelle: bild.de

Ja, das war schon der Inhalt (außer dem Hinweis, dass es sich um eine Montage handelt, und jeder Menge Werbung findet sich nichts weiter auf der Seite). Ein rasierter Kurt Beck, und – zack! – gewinnt die SPD die Wahl!

Kann man mit Becks Bart nicht noch andere Sachen machen? Klimaprobleme lösen, ins All fliegen oder sparsam reisen? Wie? Keinen Plan, ehrlich! Aber wie soll dieser blöde Gesichtsteppich die Wahl gewinnen? Danke bild.de!

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Der Benzin-Wahn bei bild.de

Benzin ist in den letzten Jahren ganz schön teuer geworden, nicht wahr? Also ein bisschen zumindest? Naja. Schön, dass wir für derartige Wächteraufgaben die Bild haben. Auch jetzt wendet sich Bild in Form ihres Kommentators Oliver Santen an die Öffentlichkeit und wettet mit uns, dass Super bis Pfingsten auf 1,50 € hochgehen wird. Als bildblog-Leser kommt einem nicht nur der ständige rapide Preisanstieg, sondern sogar die Zahl bekannt vor. So gesehen beginnt der Kommentar heute auch ganz richtig: „Auf manche Dinge im Leben ist leider Verlass“.

Beeindruckend sind aber die Opfer, die Bild anführt. Von den Pendlern kein Wort. Kein Wort zu Fuhrunternehmen oder gar der Industrie. Das alles sind Bereiche, in denen man davon ausgehen kann, dass eine Benzinpreiserhöhung wirklich negative Folgen hat. Und bild.de führt tatsächlich die Familien an, die auf den Pfingstausflug verzichten müssen, weil er zu teuer geworden ist. Wegen des Benzins.
Wegen des Benzins?
Wer hat sich über die Kosten von Benzin mal Gedanken gemacht? Niemand? Dann machen wir das mal zusammen. Also, wo wohnt unsere Familie? Ich nehme mal Berlin. Da habe ich mich vorher über die Spritpreise informiert. Wenn ich gut wegkomme, dann tanke ich hier für 1,38 € etwa. Ich habe vor, mit meinen virtuellen Kindern einen kleinen Ausflug nach – keine Ahnung! – Hamburg zu machen. Das sind einfache Strecke 280 Kilometer (laut dieser Tabelle hier), womit wir hin und zurück auf 560 Kilometer kommen. Dann wollen wir noch ein bisschen durch die Stadt gurken. Also brauchen wir Sprit für insgesamt ca. 700 Kilometer.
Leider haben wir diesen alten Spritfresser, bei dem wir auch über die Autobahn auf einen Verbrauch von 12,0 l/100 km kommen. Das macht 84 Liter Sprit. Ein Haufen Holz. Im wahrsten Sinne des Wortes, aber das ist ein paar Millionen Jahre zu lange her um mich als Bild-Leser aufzuregen…
Derzeit kostet mich mein Sprit in Berlin also 84 x 1,38 € = 115,92 € Oh wie billig!!! Gott sei Dank hat der Spritpreis noch nicht angezogen!
Nach der Bild-Prognose müsste ich in Zukunft aber 84 x 1,50 € = 126 € bezahlen. Oh wie teuer! Schade, dass die Bild recht hatte!
Im Ernst: Das ist eine Differenz von fast genau 10 €. Wer würde das nicht gerne sparen? Aber für dieses Rechenbeispiel haben wir einmal die komplette Republik in einer altersschwachen Mühle durchquert, die an Halterkosten 200 € im Monat kostet. Kommt es da auf einen Zehner im Jahr an?
Ich wage zu behaupten, dass keine Familie in ganz Deutschland keinen Pfingstausflug macht, weil ausgerechnet das Benzin zu teuer ist! Wer eine kennt, kann sich gerne bei mir melden, damit ich das korrigieren kann.
Ach ja, auch wenn der Sprit mancher Orten schon weit über 1,43 € liegt, wette ich doch lieber nicht mit Herrn Santer. Aus Erfahrungen lernt man…

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Die Welt am ersten Mai

Ich wollte – möglichst im Vorfeld irgendwelcher Probleme – darauf hinweisen, dass die einseitige Berichterstattung durchaus schon lange im Gange ist. Dabei ist der Mai erst fünf Stunden alt. Ein wenig irritiert hat mich zum Beispiel dieser Artikel der Welt Online.

Gut, wenn die Polizei davon ausgeht, dass es dieses Jahr keine Krawalle geben wird. Skeptisch bin ich aber beim Ton des Artikels. Wir erfahren hier, dass dieses Jahr viele „gewaltbereite Linksautonome“ nach Hamburg anstatt wie sonst üblich nach Berlin fahren würden. Ich teile diese Einschätzung, aber mehr als dass „einige Störer“ dort schon Polizisten angegriffen haben sollen, könnte vielleicht interessieren, warum denn die bösen Autonomen dort sind. Dort findet nämlich dieses Jahr ein bundesweiter Nazi-Aufmarsch statt, zu dessen Verhinderung einige linke Gruppen aufgerufen haben. Bin ich der einzige, der hier vermutet, dass den „Randalierern“ bloß keine sinnigen Motive unterstellt werden sollen? Das mit dem Nazi-Aufmarsch ist nunmal keine Rand-Info, sondern laut dem Artikel der Hauptgrund für das Ausbleiben der Krawalle (und Existenzberichtigung für den Artikel).

Aber gut, was erwarte ich eigentlich? Und als Zusatzinfo wollte ich noch geben, dass – nach allen Quellen, die ich dazu finden konnte (so einseitig sie auch sind) – berichtet wurde, dass die Flaschensammler aus HartzIV-lern rekrutiert werden sollen und dabei nicht einmal das in jedem Supermarkt übliche Pfand von 8 Cent pro Flasche bekommen sollen. Nur so nebenbei zum sozialen Charakter des Ganzen. Ich bin trotzdem gespannt auf die Demo heute Abend.

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Zu Amstetten

Wie viel perverser kann eine Meldung noch werden?
Da sperrt jemand seine Tochter im Keller ein, vergewaltigt sie und zeugt mir ihr noch ein paar Enkel/Kinder. Das Ganze im Verlauf von 24 Jahren. Das mag der Gipfel menschlicher Entgleisungen sein, aber ich frage mich immer noch, weswegen die Medien das so gezielt ausschlachten. Versteht mich nicht falsch, es ist ein recht einzigartiges Verbrechen, und natürlich hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, über alles informiert zu werden, was so in der Welt passiert.
Aber trägt es der Informationsgewinnung wirklich bei, überall den Täter (auch noch unzensiert) zu zeigen? Fälle wie dieser zeichnen sich – auch das frei nach den Berichterstattern – dadurch aus, dass sie eben nicht so leicht entdeckt werden.
Ermittlungspannen mögen geschehen sein, und das ist natürlich traurig. Aber irgendwie stellt sich scheinbar niemand die Frage, ob das Verließ auch gefunden worden wäre, wenn es eine Durchsuchung bei dem Mann gegeben hätte.
Ist das wieder eine jener Vorbereitungen für einen erneuten Angriff von Schäuble, der uns versichert, dass so etwas nie wieder geschehe, wenn man nur zulässt, dass Kameras in den Wohnungen hängen?
Wenngleich ich klarstellen möchte, dass ich keinerlei Verständnis – oder noch absurder: Sympathie – für den Täter habe, so frage ich mich dennoch, was die breit mobilisierte Öffentlichkeit jetzt davon hat. „Besser einmal zu viel als einmal zu wenig eine Meldung machen“ wird da im Fernsehen empfohlen. Und das, wenn „Abweichungen vom Normalen“ erkenntlich sind. Geht’s eigentlich noch?
Stehen in den nächsten Monaten wieder irgendwann mal die Cops in meinem Zimmer, nur weil ich öfter auf der Straße stehe und eine rauche (statt es in meinem Zimmer zu tun), und wir als drei erwachsene Menschen zusammen wohnen? Ich meine, das ist auch eine „Abweichung vom Normalen“.
Wann wird die Welt endlich verstehen, dass es eine absolute Sicherheit nicht gibt? Jedes noch so perfide Überwachungssystem hat bisher versagt, wenn es darum ging, alles zu verhindern, was ihm nicht gepasst hat. Menschen sind nun einmal intelligent und finden Lösungen, Restriktionen zu umgehen. Und sollten wir je in einem Staat leben, der selbst derart perfide organisierte Grausamkeiten wie die hier vorliegende verhindern kann, dann glaube ich, dass das  so sehr in die Privatsphäre aller Menschen eingreifen müsste, dass ich da ums Verrecken nicht leben wollte.
Ich denke, ich kann es nicht einmal in Worte fassen, was ich den Opfern dieser Tragödie alles gutes wünsche, damit sie mit dem Erlebten wenigstens klarkommen. Dass Berichte mit Klarnamen und Belagerungen des Hauses von der Presse wenig dazu beitragen, das kann ich aber mit Sicherheit sagen!

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Nachtrag zum ICE

Zum Artikel über Wagner gerade eben:
Was ich gerade noch gar nicht gesehen hatte, das ist die tolle Fotomontage, die Bild zum Artikel über das Unglück verwendet. Meisterhaft. Man kann es sich richtig gut vorstellen:

Quelle: bild.de

Quelle: bild.de

Besonders bitte ich zu beachten, wie mehrmals dasselbe Schaf fliegen lernt, wie hoch der Triebwagen fliegt und dennoch Funken sprüht, und natürlich die gewaltige elektrische Entladung, die zwischen Stromabnehmer und Tunneldecke vonstatten geht. Es ist davon auszugehen, dass sie entsteht, weil die Schafe an der Tunnelwand reiben 🙂

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Es wagnert im Tunnel von Fulda

Nach einiger Zeit relativer Langeweile hat sich Franz Josef Wagner mal wieder zu einer journalistischen Meisterleistung durchgerungen. Diese kann und will ich nicht unkommentiert lassen:

Lieber ICE,

Ah! Endlich keine Rentner mehr!

eine kleine Schafherde soll Dich zum Entgleisen gebracht haben.

Ja, davon habe ich gehört. Absurd, aber warten wir mal ab, was sie dazu schreiben wollen.

Tage wird es brauchen, Dich aus dem Tunnel zu bergen. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert als ein paar Knochenbrüche von Fahrgästen und ein paar tote Schafe.

Also irgendwie finde ich Knochenbrüche nicht soo unbewegend. Haben sie mit den Verletzten gesprochen? Sehen die das ähnlich? Und die Schafe sind immerhin tot. Wollte ich nur mal anmerken…

Das wirklich schlimme Opfer bist Du. Du, ICE, bist ein zerstörter Gegenstand, Du bist ein Ding, das sich nicht mehr bewegen kann. Auf grauenvolle Weise bist Du tot.

Also quasi wie die Schafe, nur schlimmer!? Im Gegensatz zu den Schafen wird es ein leichtes sein, den ICE wieder dazu zu bewegen, sich zu bewegen. Wetten?

Wenn ich in einen ICE stieg, dann bedeutete es für mich Schnelligkeit, Pünktlichkeit, modern.

Wie nennt man eigentlich dieses grammatikalische Verbrechen? Ich weiss es ernstlich nicht, aber ich finde, dass es sich grausam anhört.

Mit 200, 250 km/h hast Du Deutschland durchrast und, das darf ich nicht verschweigen, Du bist das schönste Fahrzeug Deutschlands – Du bist ein Pfeil.

Er hat es durchrast und ist ein Pfeil. Harrrr! Warum dürfen sie das nicht verschweigen? Hat Onkel Mehdorn irgendwelche Zahlungen in Aussicht gestellt, oder wie soll ich mir das vorstellen?

Und dann kommt der Tunnel von Fulda.

Kurz rekapituliert: Du hast das Land durchrast, du bist ein schöner Pfeil, und dann kommt der Tunnel… Wenn ich in meiner Kindheit einen solchen Aufsatz geschrieben hätte, wären meine Lehrer mit eben jenem Aufsatz zum Bildungsminister gerannt, um höhere Bildungsausgaben durchzuboxen.

Mit gebrochenen Augen, sterbend, guckst Du uns an. Du kannst nicht mehr fahren.

Wenn sie sich umschauen würden, lieber Franz Josef Wagner, dann würden sie einige sterbende Schafe mit gebrochenen Augen und Knochen sehen, die nicht mehr laufen können.

Du bist für mich nicht mehr der ICE, der mich durch Nacht und Wind zu meinen Terminen, Rendezvous, nach Hause bringt. Ich habe Angst, mich auf Dich zu verlassen.

Sie sollten aber auch darauf verzichten, auf Schafen zu ihrem nächsten Rendevouz zu reiten, die lassen sich nämlich manchmal von unzuverlässigen Zügen überfahren. Verdammt, jetzt haben sie mich dazu verführt, einen ähnlich bescheuerten Quatsch zu schreiben. Wo soll das hinführen? Was wollen sie? Ein ICE-Denkmal in Fulda. Oder vielleicht auf dem Tempelhofer Feld? Um zu betrauern, dass die Mobilität im Lande sinkt? Wollen sie Schafe verbieten?

Herzlichst

Ihr F. J. Wagner

Naja, das musste ja noch sein. Und warum wird der ICE wie alle anderen nach ihrer Kolumne gesiezt?
OK, beenden wir das Ganze und verbleiben mit dem obligatorischen Gedanken nach einer Wagner-Kolumne: „Was war das denn eben?“

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