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Die Welt am ersten Mai

Ich wollte – möglichst im Vorfeld irgendwelcher Probleme – darauf hinweisen, dass die einseitige Berichterstattung durchaus schon lange im Gange ist. Dabei ist der Mai erst fünf Stunden alt. Ein wenig irritiert hat mich zum Beispiel dieser Artikel der Welt Online.

Gut, wenn die Polizei davon ausgeht, dass es dieses Jahr keine Krawalle geben wird. Skeptisch bin ich aber beim Ton des Artikels. Wir erfahren hier, dass dieses Jahr viele „gewaltbereite Linksautonome“ nach Hamburg anstatt wie sonst üblich nach Berlin fahren würden. Ich teile diese Einschätzung, aber mehr als dass „einige Störer“ dort schon Polizisten angegriffen haben sollen, könnte vielleicht interessieren, warum denn die bösen Autonomen dort sind. Dort findet nämlich dieses Jahr ein bundesweiter Nazi-Aufmarsch statt, zu dessen Verhinderung einige linke Gruppen aufgerufen haben. Bin ich der einzige, der hier vermutet, dass den „Randalierern“ bloß keine sinnigen Motive unterstellt werden sollen? Das mit dem Nazi-Aufmarsch ist nunmal keine Rand-Info, sondern laut dem Artikel der Hauptgrund für das Ausbleiben der Krawalle (und Existenzberichtigung für den Artikel).

Aber gut, was erwarte ich eigentlich? Und als Zusatzinfo wollte ich noch geben, dass – nach allen Quellen, die ich dazu finden konnte (so einseitig sie auch sind) – berichtet wurde, dass die Flaschensammler aus HartzIV-lern rekrutiert werden sollen und dabei nicht einmal das in jedem Supermarkt übliche Pfand von 8 Cent pro Flasche bekommen sollen. Nur so nebenbei zum sozialen Charakter des Ganzen. Ich bin trotzdem gespannt auf die Demo heute Abend.

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Zu Amstetten

Wie viel perverser kann eine Meldung noch werden?
Da sperrt jemand seine Tochter im Keller ein, vergewaltigt sie und zeugt mir ihr noch ein paar Enkel/Kinder. Das Ganze im Verlauf von 24 Jahren. Das mag der Gipfel menschlicher Entgleisungen sein, aber ich frage mich immer noch, weswegen die Medien das so gezielt ausschlachten. Versteht mich nicht falsch, es ist ein recht einzigartiges Verbrechen, und natürlich hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, über alles informiert zu werden, was so in der Welt passiert.
Aber trägt es der Informationsgewinnung wirklich bei, überall den Täter (auch noch unzensiert) zu zeigen? Fälle wie dieser zeichnen sich – auch das frei nach den Berichterstattern – dadurch aus, dass sie eben nicht so leicht entdeckt werden.
Ermittlungspannen mögen geschehen sein, und das ist natürlich traurig. Aber irgendwie stellt sich scheinbar niemand die Frage, ob das Verließ auch gefunden worden wäre, wenn es eine Durchsuchung bei dem Mann gegeben hätte.
Ist das wieder eine jener Vorbereitungen für einen erneuten Angriff von Schäuble, der uns versichert, dass so etwas nie wieder geschehe, wenn man nur zulässt, dass Kameras in den Wohnungen hängen?
Wenngleich ich klarstellen möchte, dass ich keinerlei Verständnis – oder noch absurder: Sympathie – für den Täter habe, so frage ich mich dennoch, was die breit mobilisierte Öffentlichkeit jetzt davon hat. „Besser einmal zu viel als einmal zu wenig eine Meldung machen“ wird da im Fernsehen empfohlen. Und das, wenn „Abweichungen vom Normalen“ erkenntlich sind. Geht’s eigentlich noch?
Stehen in den nächsten Monaten wieder irgendwann mal die Cops in meinem Zimmer, nur weil ich öfter auf der Straße stehe und eine rauche (statt es in meinem Zimmer zu tun), und wir als drei erwachsene Menschen zusammen wohnen? Ich meine, das ist auch eine „Abweichung vom Normalen“.
Wann wird die Welt endlich verstehen, dass es eine absolute Sicherheit nicht gibt? Jedes noch so perfide Überwachungssystem hat bisher versagt, wenn es darum ging, alles zu verhindern, was ihm nicht gepasst hat. Menschen sind nun einmal intelligent und finden Lösungen, Restriktionen zu umgehen. Und sollten wir je in einem Staat leben, der selbst derart perfide organisierte Grausamkeiten wie die hier vorliegende verhindern kann, dann glaube ich, dass das  so sehr in die Privatsphäre aller Menschen eingreifen müsste, dass ich da ums Verrecken nicht leben wollte.
Ich denke, ich kann es nicht einmal in Worte fassen, was ich den Opfern dieser Tragödie alles gutes wünsche, damit sie mit dem Erlebten wenigstens klarkommen. Dass Berichte mit Klarnamen und Belagerungen des Hauses von der Presse wenig dazu beitragen, das kann ich aber mit Sicherheit sagen!

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Nachtrag zum ICE

Zum Artikel über Wagner gerade eben:
Was ich gerade noch gar nicht gesehen hatte, das ist die tolle Fotomontage, die Bild zum Artikel über das Unglück verwendet. Meisterhaft. Man kann es sich richtig gut vorstellen:

Quelle: bild.de

Quelle: bild.de

Besonders bitte ich zu beachten, wie mehrmals dasselbe Schaf fliegen lernt, wie hoch der Triebwagen fliegt und dennoch Funken sprüht, und natürlich die gewaltige elektrische Entladung, die zwischen Stromabnehmer und Tunneldecke vonstatten geht. Es ist davon auszugehen, dass sie entsteht, weil die Schafe an der Tunnelwand reiben 🙂

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Es wagnert im Tunnel von Fulda

Nach einiger Zeit relativer Langeweile hat sich Franz Josef Wagner mal wieder zu einer journalistischen Meisterleistung durchgerungen. Diese kann und will ich nicht unkommentiert lassen:

Lieber ICE,

Ah! Endlich keine Rentner mehr!

eine kleine Schafherde soll Dich zum Entgleisen gebracht haben.

Ja, davon habe ich gehört. Absurd, aber warten wir mal ab, was sie dazu schreiben wollen.

Tage wird es brauchen, Dich aus dem Tunnel zu bergen. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert als ein paar Knochenbrüche von Fahrgästen und ein paar tote Schafe.

Also irgendwie finde ich Knochenbrüche nicht soo unbewegend. Haben sie mit den Verletzten gesprochen? Sehen die das ähnlich? Und die Schafe sind immerhin tot. Wollte ich nur mal anmerken…

Das wirklich schlimme Opfer bist Du. Du, ICE, bist ein zerstörter Gegenstand, Du bist ein Ding, das sich nicht mehr bewegen kann. Auf grauenvolle Weise bist Du tot.

Also quasi wie die Schafe, nur schlimmer!? Im Gegensatz zu den Schafen wird es ein leichtes sein, den ICE wieder dazu zu bewegen, sich zu bewegen. Wetten?

Wenn ich in einen ICE stieg, dann bedeutete es für mich Schnelligkeit, Pünktlichkeit, modern.

Wie nennt man eigentlich dieses grammatikalische Verbrechen? Ich weiss es ernstlich nicht, aber ich finde, dass es sich grausam anhört.

Mit 200, 250 km/h hast Du Deutschland durchrast und, das darf ich nicht verschweigen, Du bist das schönste Fahrzeug Deutschlands – Du bist ein Pfeil.

Er hat es durchrast und ist ein Pfeil. Harrrr! Warum dürfen sie das nicht verschweigen? Hat Onkel Mehdorn irgendwelche Zahlungen in Aussicht gestellt, oder wie soll ich mir das vorstellen?

Und dann kommt der Tunnel von Fulda.

Kurz rekapituliert: Du hast das Land durchrast, du bist ein schöner Pfeil, und dann kommt der Tunnel… Wenn ich in meiner Kindheit einen solchen Aufsatz geschrieben hätte, wären meine Lehrer mit eben jenem Aufsatz zum Bildungsminister gerannt, um höhere Bildungsausgaben durchzuboxen.

Mit gebrochenen Augen, sterbend, guckst Du uns an. Du kannst nicht mehr fahren.

Wenn sie sich umschauen würden, lieber Franz Josef Wagner, dann würden sie einige sterbende Schafe mit gebrochenen Augen und Knochen sehen, die nicht mehr laufen können.

Du bist für mich nicht mehr der ICE, der mich durch Nacht und Wind zu meinen Terminen, Rendezvous, nach Hause bringt. Ich habe Angst, mich auf Dich zu verlassen.

Sie sollten aber auch darauf verzichten, auf Schafen zu ihrem nächsten Rendevouz zu reiten, die lassen sich nämlich manchmal von unzuverlässigen Zügen überfahren. Verdammt, jetzt haben sie mich dazu verführt, einen ähnlich bescheuerten Quatsch zu schreiben. Wo soll das hinführen? Was wollen sie? Ein ICE-Denkmal in Fulda. Oder vielleicht auf dem Tempelhofer Feld? Um zu betrauern, dass die Mobilität im Lande sinkt? Wollen sie Schafe verbieten?

Herzlichst

Ihr F. J. Wagner

Naja, das musste ja noch sein. Und warum wird der ICE wie alle anderen nach ihrer Kolumne gesiezt?
OK, beenden wir das Ganze und verbleiben mit dem obligatorischen Gedanken nach einer Wagner-Kolumne: „Was war das denn eben?“

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Deutschland lügt!

Ja, da hab ich mir doch gerade tatsächlich meine wöchentlichen achteinhalb Minuten Fernsehen gegönnt. Ok, es war bestimmt eine Viertelstunde, aber ich schaue diese und nächste Woche sicher nichts mehr 🙂
Ich hab ein Bisschen mit reingeschaut in „Power of 10“ mit Dirk Bach. Ich fand es eigentlich gar nicht die schlechteste Sendung, muss ich gestehen. Wenigstens mal ein anderes Quiz-Format. OK, ich bin eigentlich schon eher ein Faktenfreund, aber man ist umso erstaunter bei den Antworten. Und dazu wollte ich eigentlich was schreiben. Eben war enscheidende Frage etwa: „Wieviel Prozent der Deutschen haben schon einmal heimlich die SMS ihres Partners gelesen?“
Der Kandidat ist klugerweise ausgestiegen, hat zum Spaß auf 17 – 27% getippt, und hätte damit auch verloren, da es 16% waren.
16%.
Ich weiss, dass mein Misstrauen gegenüber meinen Mitmenschen bisweilen etwas hoch ist, aber ich bin fest davon überzeugt, dass ein Gutteil der Leute gelogen hat. Nun weiss ich nicht, wie die Befragungen stattfinden, ich hoffe mal nicht, dass die Menschen vor der Kamera antworten müssen. Ich hätte auf 50 bis 60% getippt, und ich glaube es immer noch.
Hallo, wir leben in einer Welt, in der Senderformate und Berufszweige allein vom Misstrauen in Partnerschaften überleben können. Und dann sollen das 16% sein. Ich werde es nicht glauben. Ehrlich nicht!

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Drogen bei Bild extra gefährlich!

GHB, oft „Liquid Extasy“ genannt, ist eine nicht ungefährliche Sache. Das Gegenteil will ich nicht behaupten. Macht Bild natürlich erst recht nicht. Ist ja klar, ist ja eine Droge! Nun sind angeblich ein paar Jugendliche in einen Tiefschlaf gefallen (das Zeug wird auch als Narkotikum verwendet) und Bild fabuliert daraus eine neue „Killer-Droge“ zusammen.
Ich glaube, von dieser wahnsinnig neuen Droge habe ich vor fünf oder sechs Jahren das erste Mal gehört. Aber was soll’s? Damals habe ich nicht in Berlin gewohnt, vielleicht war Stuttgart da weiter. Ich hab einfach gedacht, ich schau mich mal ein bisschen bei wikipedia nach dem Zeug um.
Nun entdeckt man natürlich, dass das Zeug nicht sonderlich schlimm ist. Also ja, gesundheitsschädlich, aber immerhin kann man es als Medikament schwangeren Frauen nach dem Stand der Forschungen zumuten. Nun stand bei Bild aber: „Doch schon ein Fingerhut davon kann tödlich sein!“ Ist da was dran?
Klar! Bild verwendet einfach sehr große Fingerhüte!
Im Ernst: Der LD50-Wert (das ist die Menge, die man einnehmen muss, damit man mit 50%iger Sicherheit draufgeht) dieses Zeugs liegt bei 4,8 g / kg Körpergewicht (bei Mäusen). Das heisst, um halbwegs sicher über den Jordan zu kommen, braucht man den Wunderfingerhut von Bild, in den 360 Gramm dieser schlimmen Droge hineinpassen. Wenn man 75 kg wiegt. Alkohol ist rund halb so gefährlich, und wie ein Großteil der Bevölkerung immer wieder beweist, verträgt der Mensch etwas mehr als zwei Fingerhüte davon.

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Bild und die Unkenntlichkeit

Manchmal fragt man sich wirklich, wie Bild-Mitarbeiter eigentlich ihre Arbeit bewerten. Schaut irgendjemand sich veröffentlichtes Material noch einmal an? Letzte Woche generierte Bild schöne Schlagzeilen mit dem Outing, einer der „Superstars“ von RTL sei schwul und lebe in einer homosexuellen Lebenspartnerschaft. Dann verkündete „Bild am Sonntag“, der arme Kerl müsse nach seinem Outing jetzt mit Angriffen auf sich und seine Familie rechnen, da er aus dem nicht gerade homophilen Libanon stammt. Das ist widerlich. Kann man nicht anders sagen. Danach kommt wieder Bild an die Reihe und veröffentlicht munter die „Eheverträge“ und dergleichen.
Sollte der Mann in Gefahr sein, ist das mehr als nur fahrlässig. Zugegeben, er steht so oder so im Lichte der Medien – selbstgewählt. Aber wer bitte plant bei seiner Karriere die Unverschämtheit von Bild mit ein.
Gerade habe ich dann etwas anderes entdeckt: Sensationsnachricht: Eine 8jährige im Jemen lässt sich von ihrem nicht ganz freiwillg erworbenen Ehemann scheiden. Der soll sie misshandelt haben, was man sich so unter einer Zwangsehe vorstellt. Nun kann man sich vorstellen, dass bei einer Scheidung in einem Land (Jemen), in dem Zwangsheirat legal ist, nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden kann, ob das negative Folgen haben könnte.
Was an der Geschichte wahr ist, weiss ich nicht. Was an der Geschichte löblich ist, ist dass das Video auf bild.de das Mädchen anonymisiert. Was allerdings die letzte Frechheit ist, ist dass das selbe Mädchen über der Titelschlagzeile traurig und unverpixelt in die Kamera sieht, ihr Name (Bild schreibt nicht, dass er geändert wurde) und der des Ehemanns einfach mal so dastehen (siehe Bild unten).

"Balken" natürlich von mir, Quelle: bild.de

„Balken“ natürlich von mir, Quelle: bild.de

Da kann doch kein normal denkender Mensch an der Erstellung beteiligt gewesen sein. Wie ist das abgelaufen? Hat da ein Mitarbeiter gemeint: „Hey, is ja scheiße, auf dem Video erkennt man ja gar nicht wie traurig die Kleine ist, da mach ich doch lieber gleich das Foto rüber…“
So ein Scheiß erreicht Millionen, das ist so traurig. Aber sollte die Kleine umgebracht werden, dann hat man ja wenigstens wieder was, worüber man so richtig toll schreiben kann: Böse Islamisten! Gell, Herr Diekmann?

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