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NICHTLUSTIG-Serie

Uiuiui!

NICHTLUSTIG als Trickfilmserie!

Angekündigt hat Joscha Sauer es schon lange, jetzt wird langsam Ernst daraus: auf nichtlustig.tv hat er nun bereits eine halbe Folge online gestellt und bittet zeitgleich darum, ihn zu unterstützen. Ein gewagtes Ziel von 100.000 € hat er sich gesetzt, das er via Crowdfunding für die Vollendung der ersten Folge einsammeln möchte. Und darauf wollte ich in aller Nettigkeit hinweisen.

Gerade weil ihm hier und da Gegenwind in Form ziemlich überflüssiger Debatten entgegenschlägt. 100.000 € sind ein Haufen Holz, aber ich finde, Sauer erklärt schlüssig, wieso das Geld benötigt wird – am Ende des Videos und im Blogeintrag darunter noch einmal. Ein paar Euro haben auch wir dazu beigetragen und ich empfinde es keinesfalls als geldgierig, wenn jemand versucht, sich einen Traum zu erfüllen und hier und da an finanzielle Grenzen stößt.

NICHTLUSTIG ist ja inzwischen keine Unbekannte mehr – gerade im Internet. Ich selbst hab die Cartoons abonniert und verfolge das Ganze seit zig Jahren. Ach, was heißt verfolgen! Etliche Auszüge aus den Dialogen sind bei uns zu festen Bestandteilen der Unterhaltungen geworden. „Besser als Gold.“ sage ich einmal die Woche, über „Ja, ja … der Neid frisst mich innerlich auf …“ lache ich heute noch wie am ersten Tag und wie oft stand ich schon mit dem Rasierer vor dem Spiegel und dachte vor mich hin: „Yetis sollten nicht Cosmopolitan lesen.

Richtig: entweder man mag die Cartoons oder eben nicht. Der Humor ist wirklich ein spezieller und ich kenne einen Haufen Leute, die damit nichts anfangen können. Befremdlicher finde ich indes, wenn Leute das alles immer super lustig fanden und es jetzt nicht mehr mögen, weil Joscha Sauer damit Geld verdient. Nach wie vor kann man fast alle Cartoons für umme im Netz anschauen und die paar Bücher und Kalender, die hier in der Wohnung liegen, stehen und hängen, haben indes wahrscheinlich gerade mal einen oder zwei Stifte zum Zeichnen refinanziert. Ich gönne dem Mann mit dem offensichtlich genialen Sinn für Humor, dass er von seiner Kunst leben kann und mir isr bewusst, dass man auch nach einem Merchandising-Deal mit Thalia nicht mal eben 250.000 € aus dem Ärmel schütteln kann, um einen Trickfilm zu machen.

Im Laufe der Zeit hat Sauer mit seinen Figuren ein zwar sehr absurdes, dafür aber wunderbar stimmiges und liebevolles Universum geschaffen, das mich in meinem Leben etliche Stunden bei Laune ge- und insgesamt unterhalten hat. Überraschenderweise hat er es sogar geschafft, aus den stets nur in einem Panel daherkommenden Cartoons mit der Zeit lustige Geschichten zu machen und das merkt man auch dem Trickfilm jetzt an. Das ist eben keine lieblose „Wir machen jetzt auch noch einen Film fürs Geld“-Aktion, sondern da stecken abermals neue (und eben auch wunderbare lieb gewonnene alte) Ideen drin. Ich nehme Joscha Sauer jedenfalls ab, dass er da einen Traum umsetzen will und es erst mal nicht anders kann. Und viel wichtiger:

Ich freue mich auf das Ergebnis.

Ich hoffe, der ein oder andere sieht das ähnlich und hält es vielleicht sogar für eine gute Idee, das Projekt zu unterstützen.

nichtlustig.tv

PS: Dieser Cartoon ließ sich irgendwie nicht im Text unterbringen.

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Andere Länder …

Ich habe heute die US-Wahl verfolgt. Das muss sich vielleicht bei einigen erst setzen, ich bin selbst noch am Überlegen, weswegen. Nein, Gründe gibt es natürlich. Dagegen, den Ausgang dieser Wahl überhaupt zu beachten, spricht natürlich vor allem einmal das Wahlsystem selbst. Ein System, das kleinere Parteien schlicht unterdrückt, eines bei dem 1.000 Stimmen in Florida mehr zählen können als 1.000.000 in New York, das ist eigentlich zu blöd zum Ernstnehmen. Und da die Wahl grundsätzlich zwischen zwei stinkreichen Patrioten mit guten Beziehungen zur Wirtschaft gefällt wird, die nicht einmal nein zu Schußwaffen sagen dürfen, könnte man sagen, dass auch die personelle Ebene höchstens zum Sackkratzen animieren sollte.

Aber das ist halt nicht alles.

Immer noch ist der US-Präsident einer der mächtigsten Männer auf diesem Planeten. So traurig es sein mag, dass das System an dieser Stelle nie einen vernünftigen Menschen zulassen wird, kann es doch ein paar Millionen Menschenleben kosten, die Stelle mit einem bildungsresistenten Vollhonk wie dem letzten Bush-Sprößling zu besetzen. Gewiss wird Amerika nicht durch die Wiederwahl von Obama zu dem Vorreiter in der Welt, den das Land in sich selbst immer sieht – aber vielleicht wurden dadurch ein paar Kriege vermieden. Und den Gerüchten nach ist Krieg ja auch selten so toll, wie er im Fernsehen immer rüberkommt.

Was aber viel beeindruckender war als der Verlauf an sich (ich habe nicht lange gezweifelt, dass Obama es packt), das war das Fernsehen. Und – jetzt mal frei raus und ohne Recherche, was die vielleicht sonst so verbrechen – fette Props an CNN!

Diese Nacht habe ich die Hoffnung in den Fernsehjournalismus wiederentdeckt – mit dem traurigen Nebeneffekt, dass die in den deutschen jetzt wohl endgültig hinüber ist. Wunderbar, dass im ZDF zu diesem Anlass ein Bildschirm mit Twitter gezeigt wurde, die obskuren Versammlungs- und Talkrunden waren bei gelegentlichem Umschalten so doof wie eh und je. Und CNN?

Fakten, Fakten, Fakten. Stundenlang geballte Infos über die Wahl, permanenter Informationsfluss – überraschend pragmatisch und erfrischend kenntnisreich rübergebracht. Alleine die Arbeit des Moderators an der interaktiven Tafel, auf der er in Sekundenschnelle mehrere Zahlen aus Staaten und Countys gut informiert und mit technischer Brillianz rausgeholt hat. In dieser Nacht war CNN sicher besser als jeder Newsticker im Netz, jede Übersichtsseite. Gleichzeitig aktuell, gut aufbereitet, durchaus unterhaltsam und mit enormem Aufwand haben die da einfach locker mindestens 6 Stunden Live-Fernsehen gemacht, das man sich ansehen konnte. Man ist immer über Hochrechnungen, Ergebnisse und alles was eigentlich ging, auf dem Laufenden gehalten worden, während in Deutschland irgendwelche Ex-Politiker darüber getalkt haben, wie sie damals Obama kennengelernt haben. Wenn man nicht gerade deutsche Fußballspieler in den USA nach der eigenen Karriere befragt hat …

Vor allem ein Gefühl blieb: Während dieser für eine Sendung unglaublich langen Zeit fielen die deutschen Sender immer dadurch auf, dass sie die Zeit rumkriegen wollten – bei CNN wurde extra schnell geredet, um so schnell wie möglich alle Informationen loszuwerden. Und wenn ich zu so einer Veranstaltung eines wissen will, dann sind es Fakten aus den Wahllokalen und nicht, was Frank-Walter Steinmeier irgendwelchen Kandidaten so alles knuffiges wünscht, wenn sie es nicht schaffen sollten.

Es gibt vielleicht wenige Punkte, auf die mein Ergebnis heute Nacht zutrifft, auf den Fernsehjournalismus zur Wahl jedoch sicher:

USA – Deutschland

1 – 0

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Scheiß Piraten!?

Ich habe sehr großen Respekt vor der Piratenpartei. Das muss ich einfach mal wieder – und zwar jetzt mehr denn je – erwähnen.

Gerade dass sie so vielen Angriffen von allen Seiten ausgesetzt sind, amüsiert mich eher. Ich würde nie behaupten, dass ich restlos alles toll finden würde, was in den Reihen der Piraten so passiert – viel bedenklicher finde ich jedoch, dass man viel von der hochgewirbelten Scheiße in anderen Parteien gar nicht erst mitkriegt. Da poltert in irgendeiner Piraten-Ortsgruppe ein neu beigetretener Neonazi bei einem Treffen rum und schon vergessen die Medien, dass in anderen Parteien teilweise Altnazis auf mehrere Jahrzehnte Karriere zurückgucken konnten, bis sie – wenn überhaupt – mal ausgeschlossen wurden. Mit anderen Worten: Man zeige mir mal eine Partei, mit der man sich zu hundert Prozent identifizieren kann! Das ist ja noch nicht einmal Zweck einer Partei!

Ein besonders schönes Beispiel für so aufgebauschte Kleinigkeiten ist z.B. das gerade in Berlin stattfindende Refugee-Camp am Brandenburger Tor. Einige Flüchtlinge weisen mit einem Hungerstreik an zentraler Stelle darauf hin, dass der Umgang mit Asylsuchenden in Deutschland menschenunwürdig ist. Vor einiger Zeit hab ich vor dem Hintergrund eines Gerichtsurteils bereits etwas über die grundsätzlichen Probleme geschrieben. Traurig und beschämend, dass es in diesem Land heutzutage noch notwendig ist, zu solchen Mitteln zu greifen. 🙁

Nun aber – glaubt man den vielen Stimmen in Netz und Presse – ist etwas ganz schlimmes passiert: ausgerechnet die Piraten nehmen sich als Unterstützer der Flüchtlinge an. Mehrere teils prominente Parteimitglieder sind unter vielen anderen vor Ort, versorgen die Leute mit Getränken und helfen ihnen beim Umgang mit der Polizei, die die genehmigte Demonstration zwar prinzipiell gewähren lässt, dennoch aber die Situation ständig verschärft, indem sie beispielsweise trotz klirrender Kälte den Leuten Klamotten, Planen und Pappe wegnimmt, damit sie nicht trocken sitzen können. Alles rechtlich irgendwie machbar, da ja nur eine Demonstration, nicht aber ein Campieren erlaubt ist. Trotzdem unverantwortlich und scheiße!

Aber gut. Gegen die Solidarisierung mit den Flüchtlingen will keiner ernsthaft was gesagt haben, aber das mit den Piraten sei schon eher nicht so gut. Warum? Na, weil sie die armen Leute ausnutzen, um sich zu profilieren. Damit aber nicht genug. Es geht auch genau andersrum: Während sich die Linke und die Grünen gerade mal zu kurzen Anstandsbesuchen am Camp für freudiges Posieren vor der Kamera herablassen konnten, finden es so manche Journalisten plötzlich schlimm, dass der politische Geschäftsführer der Piraten, Johannes Ponander, nicht selbst vor Ort sei. Und nicht zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass der medienkritische Schachzug „tits4humanrights“ (über die hervorragende Aktion mehr hier.) jetzt auch in der Kritik steht, weil Medienkritik nunmal nichts mit der Sache zu tun hätte und den armen Menschen, die da frieren, nur schaden würde.

Mal ganz ehrlich: Geht’s noch?

Ich mache hiermit im Grunde gerade auch den Fehler, eher über die Aktion der Piraten und die Kritik daran als über die Flüchtlinge selbst zu schreiben. Vielleicht sollte ich das nicht tun. Im Grunde ist es lächerlich, über die Berichterstattung pro/contra einer Partei zu schreiben, wo doch dahinter viel größeres Unrecht zu finden ist.

Aber das ist nicht richtig. Zum einen lenkt das Interesse an den Piraten ja tatsächlich die Augen der Öffentlichkeit auch auf das Problem der Demonstranten – und ich finde es eigentlich umso bewundernswerter, dass sich Parteipolitiker ungeachtet eventuell negativer Kritik an so einer Aktion beteiligen.
Zum anderen gibt es immer wichtigere Dinge. Immer. Und ebenso wie der Lokalteil einer Zeitung eine Daseinsberechtigung hat, kann man auch mal über die Berichterstattung zu den Piraten was schreiben, obwohl einen im Grunde das dahinterliegende Problem der Flüchtlinge noch mehr aufregt.

Während ich das veröffentliche, „genießen“ die hungerstreikenden Flüchtlinge eine von der Polizei genehmigte Ruhepause von nicht ganz vier Stunden. Weiterhin ohne Decken, Schlafsäcke, Regenschutz oder dergleichen. Anbei ein paar Unterstützer, die aufpassen, sich um alles mögliche kümmern und für Öffentlichkeit sorgen. Was schlecht gefunden wird, weil ein paar davon Piraten sind. So ist das hier im weltoffenen Deutschland.

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Rettungsanker VG Wort

Die VG Wort lässt sich dieses Jahr Zeit. Wegen eines Rechtsstreits, bei dem es um die Tantiemenaufteilung zwischen Verlagen und Autoren geht – was mich nicht betrifft – ist die Auszahlung dieses Jahr irgendwie auf der Kippe gestanden, verschoben worden – man weiß es nicht so genau. Die Transparenz der Verwertungsgesellschaft ist nach wie vor in etwa mit der von Atombunkern zu vergleichen. Nur nicht verraten, wann warum und wie viel man zahlt oder was man sonst so macht!

Ich melde als einer von zigtausenden Autoren meine Texte dort, deren Zweitverwertung ist mir nämlich im Grunde schnuppe. Und wenn da ein Topf rumsteht, aus dem man als Autor öffentlich verfügbarer Texte pauschal Geld kriegen kann, dann nehme ich das gerne an – wenngleich ich es nach wie vor für eine gewagte These halte, dass man als Blogger tatsächlich eine Entschädigung in diesem Ausmaß bräuchte. Ich habe zumindest noch nicht wirklich gehört, dass jemand meine Texte weiterkopiert und an Bedürftige verteilt.

Aber ich muss ehrlich sein: Es ist verdammt schwer, sich das Schreiben zu finanzieren. Es ist zwar billig von den Materialkosten, es leidet aber enorm die Zeit darunter. Und zwar so viel, dass man sie ungern von seiner Freizeit abknappen will. So handhabe ich es auch, ich fahre seit GNIT erfolgreich ist wesentlich weniger Taxi. Ich würde gerne mehr arbeiten, aber was würde dann aus Blogs und Büchern?

Und da trotz allen Erfolgs Flattr, ein paar Ref-Links auf Amazon und ein bisschen Werbung bei Google eben auch höchstens ein Taschengeld abwerfen – bei GNIT und Sashs Blog zusammen etwas über 50 € pro Monat – bin ich doch recht froh, dass es die VG Wort gibt.

Die hat sich dieses Jahr wieder das große Sparen auf die Fahnen geschrieben und an allen Ecken gekürzt. Für die 1.500 Zugriffe auf einen Text gab es letztes Jahr noch 15 €, dieses Jahr einen Zehner. Bei der zweiten Stufe wurde nicht nur der Betrag auf 15 € gekürzt (von 20), sondern auch die Mindestzugriffszahl von 3.000 auf 6.000 erhöht. Und wie immer hat man das erst nach Ablauf des Jahres (die Zahlung jetzt ist für 2011!) erfahren und eine Aufstellung welche Texte nun welche Stufe erreicht haben, gibt es immer noch nicht.

Da ich über das Jahr hinweg hier und da wieder ein paar Euro leihweise aus meiner Kasse, aus der Haushaltskasse und vom Dispo in Anspruch nehmen musste, wartete ich also schon ein wenig wie auf glühenden Kohlen sitzend auf die Überweisung, bzw. den Brief, in dem steht, wie viel Geld es jetzt eigentlich ist. Und da war ich sicher nicht alleine.

Ziemlich einsam bin ich aber wahrscheinlich bei der Summe. Ich falle nach wie vor in eine goldene Lücke des Systems: viele Leser bei vielen langen Texten. So viel Glück haben die wenigsten Blogger. Und heute Nacht dann – ausgerechnet nachdem mein Wochenende so mies lief wie sonstnochwas – lag endlich der Brief im Briefkasten. Ich denke, die Blogger unter euch sollten sich jetzt besser festhalten:

Wow! Quelle: VG Wort

Ein paar Altlasten bin ich damit los, nächstes Jahr kommen dann die schwarzen Zahlen auch auf dem Konto … 😀

Das Geld hätte ich in der entsprechenden Zeit natürlich auch locker im Taxi machen können, aber so gefällt es mir doch besser. Und hey, deswegen muss ich auch mal ganz deutlich sagen: Danke, dass ihr alle meine Texte lest! Denn genau deswegen bekomme ich dieses Geld!

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Leider kein Feingefühl

Jetzt hab ich mich erst über eine Medienanfrage ausgelassen, dann kommt alles noch dicker und dusseliger. Zunächst eine Anfrage von der BZ. Schön nett formuliert und alles ganz schnuffig – ändert aber nix dran, dass ich mit dem Springer-Verlag niemals zusammenarbeiten werde. Und schon dreimal nicht für eine Boulevardzeitung. Aber vielleicht findet die Redakteurin beim weiteren Recherchieren meinen Text für interessierte Journalisten ja selbst … 😉

Ein richtiges Schmankerl hab ich aber heute bekommen:

Hey,
Ich arbeite im Auftrag vom XY Theater Berlin und zur Zeit verlosen wir Tickets für die Show A und B.
Pro Gewinnspiel werden jeweils 2 Tickets verlost. Das Stück können Sie sich aussuchen. Content sowie auch Bilder werden von meiner Seite aus zur Verfügung gestellt.
Falls Sie interessiert sind oder noch weitere Fragen haben, stehe ich Ihnen selbst verstündlich zur Verfügung.
MFG

Ich finde die Idee, Freikarten zu verlosen ja eine nette Idee, wo interessierte Leser auch noch was davon haben.

ABER: Wie wäre es mal mit einer Anfrage? Oder einer Erklärung, was genau ich jetzt damit zu tun habe? Es gab nicht einmal einen Link zu der Seite. Aber klar, ich hab nix besseres zu tun, als mal eben schnell irgendwas in irgendeinem meiner Blogs zu machen, weil mir jemand was von Freikarten schreibt. Das ist hiermit dann irgendwie auch geschehen – ich vermute aber, aus den Karten wird so nix … aber das ist ja selbst verstündlich.

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Leider kein Budget

Was man mit der Zeit so erlebt beim Bloggen …

GNIT ist relativ erfolgreich, zumindest wenn man in den Maßstäben von Jobblogs rechnet. Und so melden sich irgendwann die „klassischen“ Medien.

„Mensch, da ist ein Taxifahrer, der gut schreiben kann – lass uns mit dem oder über den mal was machen!“

Das ist toll und es ehrt natürlich immer auch ein bisschen. Offenbar ist es also gut genug für die große Öffentlichkeit, nicht nur für einen kleinen Haufen eingeschworener Fans. Und im Ergebnis kann es wirklich angenehm sein. Mit einem Journalisten ein paar Cola zu trinken, eine Pizza zu essen und über das eigene Leben und die Arbeit zu reden. Zum Radio hat es mich auch schon verschlagen, dafür bin ich dann sogar länger wachgeblieben, weil die Sendung live war. Und auch das war eine angenehme Erfahrung.

Nun bringt es das Leben aber so mit sich, dass nicht immer alles bestens klappt. So hatte ich nun eine Anfrage einer Produktionsfirma, die für den RBB eine Show produziert. Es wäre schön, wenn ich als Taxifahrer mit den beiden Moderatoren so etwa zwei Stunden durch Berlin gondeln könnte. Der Termin wäre Montag um die Mittagszeit gewesen. Puh …

Nicht nur, dass ich da für gewöhnlich frei habe und schlafe – nein, das hätte auch bedeutet, eigens ein Auto zu holen (so überhaupt eines frei gewesen wäre), eine ganze Menge Umhergegurke und Anstrengungen. Schon ohne die Sendung an sich. Und im Mittagsverkehr mit zwei Profis für eine Sendung zu quatschen ist bei aller schönen Erfahrung immer noch Arbeit. Ein Honorar wäre natürlich nicht vorgesehen. OK, das hatte ich auch nicht erwartet und ohnehin noch nie eines bekommen. Aber eine Frage stellte ich dann doch: Kein Honorar wäre schon ok, aber die Kosten für die Fahrt würden sie doch sicher übernehmen, oder?

Die wirklich sehr nette Ansprechpartnerin versprach, nachzufragen und meldete sich ein paar Tage später wie eigentlich zu erwarten war mit der Info, es gäbe leider „absolut kein Budget“ für die Sendung, aber sie könnten gerne mal bei meinen Chefs nachfragen, ob die mir für die Sendung ein Auto zur Verfügung stellen würden. Aha.

Damit war die Sache für mich gestorben. Endgültig. Und ein bisschen genervt bin ich auch. Kostendruck ist zweifelsohne ein Problem, dem man irgendwie entgegentreten muss – aber „absolut kein Budget“? Kann es sein, dass die Medienmacher da draussen ein bisschen vergessen, dass auch den Gästen Unkosten entstehen? Und dass man vielleicht sogar als Taxifahrer oder Taxiunternehmer nicht mal eben alles stehen und liegen lassen kann, bloß um mal ins Radio zu kommen? Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass da jene pissige Arroganz der alteingesessenen Medien dahintersteht, die ihnen einredet, sie wären ja so toll, dass alleine eine Meldung vom Radio oder Fernsehen jeden Normalbürger begeistert aufspringen lässt und der für seine große Chance alles mitmacht. Wir wollen ja alle mal ins Radio und die tollen Leute da kennenlernen!

Teil der Anfrage war, ob wir „am besten irgendwo in Kreuzberg“ mit der Fahrt anfangen könnten, dort würden die Moderatoren nämlich wohnen. Ist schon praktisch, wenn man einen Taxifahrer kostenlos an Land zieht, denn dann muss man einem Herrn Joko Winterscheidt einmal weniger die Anfahrt bezahlen, nicht wahr?

Ich kann bloß allen raten, sich genau zu informieren, wenn die Medien wegen irgendwas anfragen. Manchmal sind da wirklich tolle Erlebnisse dabei und es macht viel Spaß. Manchmal allerdings ist es wohl eher so, dass sie irgendwelche Dummen suchen, die ihnen kostenlos Content liefern. Und das macht man als Blogger ohnehin ständig – und gerne. Aber zu eigenen Konditionen.

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Memory 2.0

Irgendwo habe ich derletzt mal wieder gelesen, dass die arme Jugend von heute es doch so bitter haben wird, da sie später keine schönen Erinnerungen an die Natur, Ausflüge etc. haben wird – weil sie ja immer nur vor dem Rechner hängt. Aha.

Also mal abgesehen davon, dass das immer nur einen Teil der Leute betreffen wird – ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass das völlig egal ist. OK, ich mag nicht ausschließen, dass dereinst Hirnforscher dem widersprechen werden, aber vorerst würde ich mal die These aufstellen, dass es nix gibt, was mehr egal sein könnte.

Dazu ziehe ich einfach mal – so ist das bei unserösen Behauptungen Usus! – eine subjektive Testperson heran. Der Einfachheit halber – auch das macht man so! – bin das ich. Ich bin im Großen und Ganzen ein Couchpatatoe wie aus dem Lehrbuch. Ich bin zwar nicht wirklich aufgewachsen mit Computern, aber es ist nicht so, dass ich nicht auch viele Erinnerungen daran hätte. Vor dem Internet sehe ich mich mit dem Schwob in der kleinen Wohnung unseres zukünftigen Stiefvaters das Spiel Digger zocken. Ich sehe Tekken2-Fights um die ersten Bier im Keller beim Sohn eines ehemaligen Vermieters. Dann wiederum erinnere ich mich an schweißnasse Hände beim einstündigen Rennen an der Playstation in GT2, fühle mich bei Liedern vom zweiten H-Blockx-Album Discover my Soul an den Pentium 1 erinnert, auf dem ich Geheimverstecke in Wolfenstein 3D gesucht habe und denke an die vielen Achterbahnen bei Rollercoaster Tycoon mit sachma im Wintergarten meines Vaters. Unvergessen ebenfalls die LAN-Sessions mit dem Hub neben dem Katzenklo und den Headshots im Crane-Level von Unreal Tournament.
Später saß ich mit einem Bier in der Hand neben meinem Mitbewohner, während wir emule beim Saugen zugesehen haben, ich sehe mich Briefkunstwerke, Websites und Blogs erstellen. Ja, an manche Einträge, an manche Kommentare und Tage des Schreibens erinnere ich mich sehr genau. Ebenso an Chats, an tolle Texte, Bilder, Videos.

Alles was dabei auf dem Monitor erschien, war nicht real im eigentlichen Sinne. Jetzt, da es nur noch Erinnerungen sind, spielt das kaum mehr eine Rolle. Als ob Erinnerungen in diesem speziellen Sinne real wären. Die Hacker haben es anno dazumal als erste erkannt: Computer und insbesondere Netzwerke eröffnen neue Welten. Im Übrigen ebenso wie jede Form von Kunst es immer getan hat.

Meine Eltern saßen noch bekiifft auf Konzerten rum. Das hab ich auch getan, aber darüber hinaus denke ich eben auch manchmal wehmütig an stundenlanges Auskundschaften irgendwelcher Level zurück.

Die Computer, das Internet, ja sogar Computerspiele sind mittlerweile glücklicherweise weitgehend als kulturelle Bereicherung akzeptiert. Dennoch müssen sie hier wieder mal als das Böse herhalten. Wieso?

Je nachdem, auf welches Zeitalter und welche vorherrschende Meinung oder Kunstform ich mich zurückbesinnen soll, müsste ich eine ganze Menge Quatsch erlebt haben. Jahrhundertelang galt es als Königsdisziplin, in Frauen aus höheren Ständen verliebt zu sein und sie nie zu bekommen. Von Weltreisen bis zu Gruppensexorgien gibt es wahrscheinlich immer irgendwelche Dinge, die man selbst einfach nie erlebt und die einem irgendwer als unverzichtbar einreden will. Kaum jemand jedoch kann jemals alles erlebt und gesehen haben. Wir wissen nicht einmal, ob Goethe es z.B. nicht auch völlig geil gefunden hätte, sich bei WoW Level um Level nach oben zu kämpfen.

Natürlich sollte jeder irgendwann mal auf einen Baum geklettert sein. Auf der anderen Seite ist meine prägendste Wald-Erfahrung schmerzlicher gewesen als jeder Headshot bei TacticalOps – ich hab meinen geliebten Teddy im Alter von 7 Jahren im Eutiner Staatsforst zugunsten eines Stockes liegen lassen. Und ich bin verdammt froh, dass es nur ein Teddy und kein Computerspiel war!

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