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Die Welt von Ralf (2)

So, ich wollte ja noch ein bisschen ausführlicher schreiben, was eigentlich mit Ralf so passiert ist. Einige hier scheinen ja gerade darauf zu brennen, was mein „Horror-Mitbewohner“ so macht. Also: Die Theorie, dass er in den Urlaub gefahren ist, scheint sich inzwischen bestätigt zu haben.
Aber fangen wir von „vorne“ an: Am Donnerstag habe ich – wie schon geschrieben – ein bisschen einen über den Durst getrunken. Wenn wir ehrlich sind, dann war das eher am Freitag, da sich das alles bis um 6 Uhr morgens gezogen hat. Noch an diesem Morgen, ich war gerade in volltrunkenstem Zustand unterwegs vom Klo zu meinem Bett, schien Ralf – der schon seit etwa 3 Uhr da war – der geeignete Moment gekommen zu sein, mir alleine im dunklen Flur zu sagen, dass er jetzt erfahren habe, dass er erst am ersten in die neue Wohnung könne. Wortwörtlich kann ich dieses Gespräch auch keinesfalls wiedergeben, dazu war ich zu knülle. Ich hab ihn mehr oder weniger zur Seite gestoßen, und ihm gesagt, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist.
Aufgewacht bin ich nach 15 Uhr. Ralf war längst weg – wie üblich wenn er in den letzten Monaten weggefahren ist ohne Info. Da unbestritten gewisse Differenzen in unserer Beziehung vorherrschen, erwarte ich natürlich auch keine detaillierte Info, aber ein Zettel, dass er am Dienstag – oder wann auch immer – wieder da ist, wäre mitunter hilfreich. Sonst erwischt er uns noch bei einer unserer heimlichen „Ralf ist weg“-Parties 😉
Naja, als ich also gerade am Lernen war, klingelte das Telefon. Dass es bei Ralf im Zimmer liegt, erkenne ich inzwischen auf Anhieb am Ton. Mag daran liegen, dass es eigentlich nie in irgendeinem anderen Zimmer liegt…
Dann habe ich wie bereits erwähnt festgestellt, dass abgeschlossen ist.
Zunächst einmal hab ich das hingenommen. Nicht mit Freuden, aber meine erste Idee (die Türe eintreten) schien mir dann doch ein wenig albern, vor allem, wenn man bedenkt, dass eine eingetretene Tür insbesondere uns verbleibenden Bewohnern Ärger einbringt und Ralf nicht. Aber glücklicherweise sind nicht alle in der WG anwesenden Personen gänzlich ohne erwähnenswerte Fähigkeiten gewesen, sodass wir noch in der selben Nacht das Schloß geknackt hatten, und zwar ohne nennenswerte Beschädigungen.
Davor schon hatten wir festgestellt, das Ralf das Licht ausgemacht hat. Das ist verwunderlich, und es lässt vermuten, dass er einmal eigentlich alles richtig machen wollte, da er das Licht in diesem Jahr bisher ungelogen höchstens einmal ausgemacht hat. Ich denke, dass die zwei Monate, in denen seine Glühbirne durchgebrannt war, und er es nicht auf den Plan gekriegt hat, sie auszuwechseln, in diese Statistik nicht mit reinzählt.
Auch sein PC war aus, zudem sein Monitor. Sowohl das eine als auch das andere kann durchaus auch als interessant bewertet werden, aber da will ich nicht so hart sein, weil mein PC auch meistens grundlos läuft. Selbst die Fenster hat er artig geschlossen, was mich gelegentlich zu dem Gedanken zurückträgt, dass er vielleicht den Blog mal wieder gelesen hat. Auf der anderen Seite: Die Heizung stand auf Stufe 5. Wie immer, wenn es unter 30°C hat.
(Der letzte Satz war in einer zynischen Art übertrieben, in Wirklichkeit sind es eher 15 – 20°C)
So sehr ich gelegentlich ein warmes Zimmer zu schätzen weiss, so sehr muss ich auch ablehnen, ein Zimmer mindestens 3 Tage (schätze ich mal, vielleicht auch 7) auf Stufe 5 zu heizen, wenn Fenster und Tür geschlossen sind und man außer Haus ist.
Naja, heute haben wir dann mal die Waschmaschine angeschlossen (wir haben Ralf den Doppelnippel einfach geklaut, so fies sind wir!) und seine Maschinen platzsparend untergebracht:

Höhepunkt der Eskalation, Quelle: Sash
Höhepunkt der Eskalation, Quelle: Sash

Dabei haben wir noch ein paar von ihm angeschleifte Bananenkisten, die er frecherweise auch noch im Wohnzimmer zwischenlagern wollte, in seinem Bett entsorgt, bzw. behutsam zurechtgestapelt. Will heissen: Wir haben wieder ein benutzbares Wohnzimmer. Juhu!
Was passieren wird, wenn er zurückkommt, kann ich noch nicht sicher sagen, aber es wird sicher noch ein interessanter Monat…

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Die Welt von Ralf (1)

Den ganzen Wahnsinn gibt es irgendwann später, jetzt erst mal so viel:

Ralf ist heute morgen aus dem Haus gegangen und ist bisher nicht wieder eingekehrt. Unser Telefon liegt in seinem Zimmer, welches abgeschlossen ist. Wir gehen davon aus, dass er im Urlaub ist – darauf deutet zumindest hin, dass er das Licht ausgemacht hat und seine Waschtasche fehlt. Das ist kein Witz.

Ach ja, scheinbar klappt das mit dem Auszug erst am 1. Dezember.

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Einfach zu viel…

Leute, ich fühl mich wie ein Haufen Elend. Wir haben gestern mal wieder Besuch aus dem Süden gekriegt, was dann letzten Endes damit endete, dass ich im Rahmen einer ewigen und interessanten Diskussion hackevoll in der Küche saß. Ich hab keine Ahnung, wie viel ich bis in den heutigen Morgen gesoffen hab, aber die Mengenangabe in der Überschrift ist definitv richtig.

Ich bin nicht so der Mensch, der gleich einen Kater kriegt, insofern ist mir nicht schlecht. Die Kopfschmerzen habe ich allerdings auch erst nach 2 Ibuprofen wegbekommen – und ich hasse dieses Zeug! Aber aufgrund meiner eisernen Moral (die mal besser „Sauf nicht so viel“ hätte lauten sollen) habe ich mich jetzt bereits durch über 60 Fahrten gekämpft, bevor ich meinen Blog auch nur angesehen habe. Wieso haben eigentlich die schönsten Dinge im Leben immer so ein bitteres Nachspiel?

So, ich glaube, ich brauch jetzt was zu essen…

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Panik?

Hmm, hier parkt gerade ein nettes Dreigespann aus Feuerwehr, Polizei und Rettungswagen vor dem Haus. Ich hab kurz nachgesehen, ob Ralfs Gardinen wegen der auf Stufe fünf gestellten Heizung Feuer gefangen haben. Haben sie nicht. War auch dumm von mir! Das Fenster ist weit genug offen, um das runterzukühlen. Sonst würde Ralf mit seinem beinahe sprichwörtlichen Verantwortungsbewusstsein auch nicht 12 Stunden zum Arbeiten die Wohnung verlassen, ohne diese Einstellung zu korrigieren. Ach, ich Dummerchen!

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Neues aus der Anstalt

Die ganzen Schmäh-Artikel über meinen Mitbewohner sollten eigentlich irgendwann einmal ein Ende haben. Aber wenn es nunmal so viel zu schreiben gibt. Heute habe ich mich in gewisser Weise unanständig verhalten, denn ich habe „Inventur“ gemacht bei ihm im Zimmer. Nur unvollständig, da ich unter gewisse Dinge nicht unbedingt hinuntersehen wollte. Dieser Aktion wegen bin ich mit mir selbst nur bedingt im Reinen. Ich möchte hier unmissverständlich sagen: Ich betrachte die Privatsphäre eines jeden Menschen als heilig. Nun weiss ich aber leider, dass Ralf Unmengen unseres WG-Eigentums hortet, und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass er dies ggf. bei seinem Umzug wieder an seinen Platz zurücklegt.
Ich kann es verstehen, wenn andere jetzt der Meinung sind, das sei nicht rechtens. Da sich meine Lust, das ganze in blümchengetränktem Einvernehmen zu regeln, in Grenzen hält, wäre eine potenzielle Alternative: Die Bullen suchen das Zeug. Ich denke nicht, dass das der nettere Weg wäre. Nico hat gemeint, man solle zu dem stehen, was man getan hat, und so schreibe ich hier ganz klar: Ja, ich war heute Mittag in Ralfs Zimmer und habe (oberflächlich) nach unseren Dingen gesehen. Rein aus Spaß an der Freude habe ich dann mit Nico zusammen die Geschirr-Ansammlung in Zahlen gefasst. Dabei haben wir auch Dinge erfasst, die ihm gehören – die folgende Auflistung ist also nicht identisch mit dem, was er wenigstens zu seinem Auszug rausräumen sollte, sondern eine Liste der Gegenstände, die in der WG bis dato immer gemeinschaftlich genutzt wurden. Oberflächlich sind dies:

  • 18 Teller und Servierplatten (davon einer inzwischen kaputt)
  • 8 Schüsseln (davon eine als Aschenbecher verwendet)
  • 10 Gläser (davon 3 als Aschenbecher verwendet)
  • 2 Töpfe
  • 1 Auflaufform
  • 10 Löffel (davon einer als Aschenbecher verwendet)
  • 9 Gabeln
  • 5 Messer
  • 3 Tassen
  • 2 Frühstücksbretter
  • 1 Messbecher
  • 1 Gewürzglas

Diese Dinge sind alle ungespült, dreckig und verteilen sich von der Bettkante bis aufs Fensterbrett (außen). Zur Menge sei gesagt: Die Rest-WG lebt gerade mit 6 – 8 Tellern…
Allerdings bin ich auch in meinem Hauptanliegen fündig geworden: Das schwarze Telefon ist nun auch wieder unseres, zudem fand ich das Stroboskop der WG. Die Klebepistole habe ich ihm gelassen, obwohl ich auch hier zu 99% sicher bin, dass es unsere ist.
Sein Engagement bezüglich Auszug ist immer noch ungebrochen, d.h. er lässt die leeren Umzugskartons immer noch im Flur stehen und die Maschinen im Wohnzimmer. Hier möchte ich noch einmal die witzige Logik erwähnen, mit der er an die Sache herangeht:

  • Mittwoch: Er schließt Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine ab und stellt 4 Umzugskartons in den Flur
  • Donnerstag: Arbeit
  • Freitag: Arbeit
  • Samstag: Nix
  • Sonntag: Arbeit
  • Montag: Arbeit
  • Dienstag: Arbeit
  • Mittwoch: Arbeit

Dass er, wenn er arbeitet, nicht in der Lage ist, irgendetwas anderes zu machen, hat Tradition. Er ist beispielsweise auch einmal nicht mit einkaufen gegangen, weil er am selben Tag eine (also eine ganze!) Maschine Wäsche waschen musste. Diese Beschränkung ist also nicht neu. Faszinierend ist, dass er an seinem freien Tag – 3 Tage nachdem er die Waschmaschine abgeklemmt hat – nicht einmal einen einzigen Karton gepackt hat.
Ich habe irgendwie das Gefühl, dass hinter seiner Stirn in einem gewaltigen Hohlraum ein kleiner Affe auf einem Hocker sitzt, der hin und wieder in eine Banane beißt, die an einer Schnur hängt, und immer wenn das passiert, geht Ralf arbeiten, und ansonsten herrscht da ewige Finsternis und Leere. Aber das sind unbewiesene Vermutungen…

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Winner of the Day

Der Gewinner des Tages ist ganz eindeutig die VW-Aktie. Jedes Medium hat das wahrscheinlich inzwischen durchgekaut, die Story ist langsam öde, aber mich amüsieren die Krise und die umherwabernden Skurilitäten aus der Finanzwelt nach wie vor. Wenngleich ich durchaus verstehe, was das Problem mit VW gerade ist, so komme ich dennoch nicht umhin, mich schier einzunässen bei der Vorstellung, dass die deutsche Finanzwelt gerade Krisenstimmung verbreitet, weil eine wichtige Aktie im DAX steigt.

Spätestens das müsste den letzten Deppen, die in diesen Geschäften mit drin hängen, zeigen, dass die Finanzmärkte sich endgültig von der Realität abgekoppelt haben, und ihr nettes Spielzeug zur automatischen Geldvermehrung sich ein wenig verselbstständigt hat. Natürlich würde ich mir gerade aus finanziellen Gründen wünschen, zwei drei VW-Aktien zu besitzen, die ich über Nacht verscherbeln könnte, aber ich mache mir nichts vor:

Was derzeit passiert, ist der reinste Irrsinn, und das ist es nicht erst seit der Finanzkrise. Das war es schon davor, und ich wage es zu bezweifeln, dass die großen Kapitalmärkte der Menschheit überwiegend Gutes gebracht haben.

Na, wollen wir wetten, wie hoch die Aktie morgen bei Börsenschluss steht?

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Eine Woche

So, heute wöcht sich (das Wort hat Ozie vorher erfunden oder aus einer der tiefsten Schubladen der deutschen Sprache hervorgeholt) also das Abschließen unserer Waschmaschine und des Trockners. Vor also genau einer Woche hat Ralf ohne ein Wort zu sagen seine Waschmaschine und seinen Trockner vom Anschluss getrennt und inklusive aller Verlängerungen und für ihn unnötigen Adapter ins Wohnzimmer gestellt. Da sie dort immer noch stehen, und auch die vier Umzugskartons, die er zeitgleich anschleppte, ihr Dasein im Flur fristen, scheint es ihm also mit dem Auszug offenbar nicht so eilig zu sein.
Nun stört uns die Abwesenheit einer Waschmaschine nicht so sehr, da wir ja eine zweite (witzigerweise auch im Wohnzimmer) herumstehen haben. Wir haben uns nur bisher aufgrund unserer massiven Überbeschäftigung mit entweder arbeiten oder lernen oder in der Gegend herum siffen nicht in den Baumarkt aufmachen können, um einen Dreiviertelzolldoppelnippel zu kaufen, da Ralf den bisherigen offenbar mitnehmen will. Das ist insofern logisch, als er immerhin ein Drittel von dem Teil (also quasi den Großteil) gezahlt hat. Aber es ist wiederum auch in unbegrenztem Umfang eine Ausgeburt blödester Idiotie, da das Teil nur da ist, um den hier in dieser Wohnung unvollständigen Anschluss im Bad zu ergänzen und somit für unseren etwas einfach strukturierten Freund bei der Installation in seiner zukünftigen Grotte eher ein Hindernis als einen Komfortgewinn darstellt.
Uns dagegen verbietet das ominöse Verschwinden dieses kleinen Gewindes die Installation unserer noch originalverpackten Waschmaschine.
Jetzt ratet mal, wen das gerade stört. Niemanden!
Ralf ist wahrscheinlich der einzige, der noch in dieser Woche eine Waschmaschine brauchen könnte – zumindest wenn er den üblichen Rhytmus bei seiner Arbeitskleidung einhält…
Aber natürlich hat das alles auch negative Auswirkungen auf die WG. Das Wohnzimmer ist dank der Maschinen nur noch eingeschränkt nutzbar. Aber wen interessiert das Wohnzimmer? Ralf hat ja schließlich einen eigenen Fernseher…
Wie ihr also seht, ist hier weiterhin alles offen. In zwei Wochen verstreicht die letzte Frist, und wenn Ralf danach noch die Frechheit besitzt, hier zu „wohnen“, dann wird er wohl herausfinden müssen, welchen Vorteil zwei zusammenarbeitende Gehirnhälften bei lästigen Kleinkriegen bieten.

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