Author Archives: Sash

Frankie schreibt mir!

Ach, Langeweile am frühen Morgen…

Wahrscheinlich hat so ziemlich jeder letzte Woche den Brief „von Frank-Walter Steinmeier“ bekommen. Von dem Mann, bei dem ich immer versucht bin, noch einen Bindestrich vor den Nachnamen zu packen. Das aber nur nebenbei als sinnfreie Zusatzinformation um den Datenmüllgehalt im Netz nicht drastisch zu senken.

Wobei ich mir bei diesem Eintrag keine Sorgen machen muss, denn ich fand den Brief erbärmlich. Ich habe bisher nichts darüber geschrieben, weil ich mir sicher war, dass ich dazu gar nichts schreiben könnte. Kunststück, werden solche Briefe ja auch auf alles abgeklopft, was irgendwo anecken könnte. Weichspüler ist ein verharmlosender Ausdruck für das Verfahren, das die Ursprungsvariante dieses Briefes wahrscheinlich erdulden musste.

Hey ok, ich bin kein SPD-Fan! Das beeinträchtigt meine Meinung sicherlich, aber ich muss zu meiner Schande – und gegen alle politischen Überzeugungen – immerhin gestehen, dass ich den Steinmeier so vom Auftreten teilweise gar nicht so unsympathisch finde. Das trifft aber wie gesagt nicht auf die transportierten Inhalte zu. Und insofern hat mich der Brief auch nicht wirklich überzeugen können.

Da mir – wie eingangs erwähnt – gerade langweilig ist, und ich aus Gemütlichkeitsgründen keine Autos anzünden will, schreibe ich hier nun ein paar unreflektierte Gedanken zu Frankies Brief nieder. Ich hab Verständnis für alle, die keinen Bock drauf haben, und ich kann – ohne dass ich ein Konzept habe – jetzt schon sagen, dass ich keine Antworten finden werde, nicht allzu niveauvoll sein werde und nur ein bisschen genervt sein möchte (was ich gerade trotz bevorstehender Wahl und der Überzeugung, die Intelligenzverweigerer gewinnen einmal mehr gar nicht bin). Also gibt es alles in allem gar keinen Grund, diesen Text zu lesen.

Es sei denn, euch ist auch langweilig…

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Part ist in gedruckter Handschrift gehalten. In einem Blauton, der nicht einmal so wirkt, als wolle er vorgeben, echte Tinte zu sein. Naja, ist inzwischen Usus, und ich kann es auch niemandem verübeln, dass er keine 5 Millionen Briefe unterschreibt. Obwohl das manchen Politiker davon abhalten würde, sich auch noch im Fernsehen zum Löffel zu machen…

danke, dass Sie sich Zeit nehmen für meinen Brief.

Wie gesagt: Mir ist langweilig.

Am 27. September ist Bundestagswahl.

Das wird aber auch jedes Jahr früher! Ganz im Ernst: Wer bis jetzt den Wahltermin noch nicht im Kopf hat, der wird nicht wählen gehen. Vielleicht hat er dafür Gründe, vielleicht ist er bescheuert. Ob diese Kandidaten allerdings die sind, die solche Briefe ernstlich lesen… wer erstellt bei ihnen die Prognosen fürs Wahlverhalten?

Dann werden Sie entscheiden, welcher politischen Kraft Sie in den nächsten vier Jahren den Auftrag zum Regieren geben wollen.

Jaja, ich werd entscheiden, was ich will. Soweit ist mir das klar. Aber um ihrer Bitte vorwegzugreifen: Bekomme ich wieder die Merkel als Kanzlerin, wenn ich SPD wähle?

Bei dieser Wahl geht es um eine Richtungsentscheidung für unser Land.

Komischerweise müsste ihre Richtung dann theoretisch die Beibehaltung des Kurses sein, oder?

Es geht aber auch um Ihre eigene Zukunft.

Ich sag’s ganz frei raus: Ich find egoistisches Wählen asozial!

Darum möchte ich Ihnen einige Gedanken mit auf den Weg geben und beschreiben, worum es an diesem Wahltag nach meiner festen Überzeugung gehen sollte.

Kurzes Lob an die Redenschreiber: Es ist elegant, hier nicht auf die alte Floskel „meiner Meinung nach“ zurückzugreifen. Dennoch: Taschenspielertricks auf Deutsch-LK-Niveau!

Die vergangenen Jahre waren nicht einfach und wir leben auch jetzt nicht in einfachen Zeiten.

Oh!? Mir geht’s eigentlich gut. Soll ich dann nicht kommen?

Die Krise in der Wirtschaft ist noch nicht endgültig überwunden.

Oha! „Die Wirtschaft“! Das klingt erstaunlich distanziert für einen Politiker, der eine Menge Geld in „die Wirtschaft“ pumpt. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Mir sind die Auswirkungen der Wirtschaft aufs Leben bewusst. Aber zu schreiben, dass die Krise nicht nur „die Wirtschaft“ trifft, sondern auch den Rest der Bevölkerung, scheint dann doch ein wenig zu gewagt, nicht wahr?

Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen.

Wieso? Die meisten Banken verdienen wieder gutes Geld, der Aktienmarkt zieht an. „Vorzeigeunternehmen“ werden vom Staat gerettet und ein grundsätzliches Problem haben wir doch gar nicht, es braucht halt etwas Zeit. Das meinen sie doch mit „Lehren“.

Wir brauchen klare Grenzen, mehr Kontrolle und bessere Aufsicht auf den Finanzmärkten.

Kleiner Tipp am Rande: Sie sitzen jetzt seit einem Jahr zusammen mit der Wirtschaftskrise und dieser Schwarzgeld-Partei-Braut in der Regierung!

Es darf keinen Zweifel geben: Die Wirtschaft ist für die Menschen da.

Zweifel darf es immer geben, und das nennt sich dann Demokratie. Aber ich finde es auch ganz dolle böse, dass die niedliche kleine Wirtschaft das alles nicht wahrhaben will…

Wir brauchen auch in Zukunft sozialen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stärke.

Also wenn sie mich fragen: Ich brauch zwar auch ein paar Euro, aber „wirtschaftliche Stärke“? Und was den sozialen Zusammenhalt angeht: Ihre Partei ist jetzt seit 1998, also seit 11 Jahren, an der Regierung beteiligt. Da sie – wie leider die meisten Spitzenpolitiker mit bedrucktem Toilettenpapier wie der Bild kooperieren, sollten sie eigentlich mal gelesen haben, woraus hierzulande bisher der soziale Zusammenhalt besteht. Für die Zukunft würde ich mir einiges mehr davon wünschen, dann kann auch gern die wirtschaftliche Stärke irgendwo in der Ecke hocken bleiben, sich die Eier lecken und lieb gucken.

Das ist Deutschlands Erfolgsrezept.

Na dann Prost Mahlzeit. Das ist so innovativ, dass ich die Befürchtung habe, es könnten einige Beraterverträge über siebenstellige Euro-Beträge nötig gewesen sein, um das herauszufinden.

Gut ausgebildete Arbeitnehmer und verantwortungsbewusste Unternehmer sind auch in Zukunft die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg.

Mal davon abgesehen, dass ich mir vorstellen kann, wie die Schreiber hier geflucht haben, weil „Arbeitnehmer“ und „Unternehmer“ diesen Satz phonetisch zu Quark werden lassen, sie es aber nicht ändern konnten, weil es kaum adäquate Ausweichmöglichkeiten gab: Haben sie jemals einen verantwortungsvollen Unternehmer getroffen? Ich will nicht in Abrede stellen, dass es sie gibt. Ich kenne solche Leute, denn ich hab arbeite gelegentlich in solchen Umfeldern. Traurigerweise sind es nicht gerade diejenigen, die sie hofieren oder denen sie in irgendeiner Form Hilfe zukommen lassen. Der „wirtschaftliche Erfolg“ stellt sich – und das ist ein offenes Geheimnis – doch eher auf anderem Wege ein.

Sie entscheiden darüber, ob diese Grundlage weiter bestehen wird.

Ich fasse mal zusammen: Sie sind in der Regierung, die Zeiten sind hart, die Wirtschaft ist am Ende, und ich soll mich jetzt dafür entscheiden, dass es so weitergeht? Ich denke, da besteht noch Diskussionsbedarf…

Dazu gehören soziale Arbeitnehmerrechte, Mitbestimmung, Kündigungsschutz, Mindestlöhne und eine Steuerpolitik, die dafür sorgt, dass starke Schultern mehr tragen als schwache.

Es ist aber nicht nett, dass das Wörtchen „soziale“ hier nicht mehr zu den fetten gehören darf. Das macht keinen guten Eindruck. Ich will es mir jetzt nicht so einfach machen, aber im Großen und Ganzen plädieren sie wieder dafür, dass alles bleibt wie es ist und stellen in Aussicht, dass ihre Partei diese Grundpfeiler der Gesellschaft (sorry für den überheblichen Ton, mir war gerade nach was monumentalem) nicht weiter einreissen wird?

Der soziale Fortschritt ist nicht selbstverständlich.

Ja, nicht wenn man die ganze Zeit nach der Wirtschaft schielt. Aber es wäre schonmal ein Anfang, das Wort „sozial“ konsequent fett zu drucken!

Ich will ihn bewahren.

Sie wollen was? Fortschritt bewahren? Einen nicht selbstverständlichen dazu. Ich habe die Befürchtung, sie meinen das ernst.

Und Sie können mit Ihrer Stimme mithelfen, dass es in unserem Land sozial und gerecht zugeht.

Puh… ja. Vielleicht. Warum ich das aber ausgerechnet tue, wenn ich ihre Partei wähle, das will mir immer noch nicht so ganz in den Kopf.

Mein wichtigstes Ziel: Ich will mit aller Kraft die Arbeitslosigkeit bekämpfen.

Na das ist ja eine Überraschung! Ich kann mich nun seit meiner Kindheit nicht zurückerinnern, dass das jemals ein Kanzlerkandidat nicht gewollt hätte. Also als Alleinstellungsmerkmal taugt das nun wirklich nicht mehr.

Ohne Arbeit gibt es keinen Wohlstand und keine Sicherheit.

Das behaupten sie jetzt aber auch, ohne das Gegenteil ausprobiert zu haben! Aber wenn wir uns mal an ihr niedliches Weltbild mit Lohnarbeit und Vollbeschäftigung als Ziel halten wollen, dann empfehle ich dringend, ein „gut bezahlte“ vor das Wörtchen Arbeit zu stellen. Sonst ist zumindest nix mit Sicherheit. Und gerade von ihrer Partei erwarte ich noch einige Rezepte, wie z.B. Zeitarbeit mit 7 € Brutto-Stundenlohn bei 35 Wochenstunden das leisten soll.

Aber zukunftsfähige Arbeit braucht gut ausgebildete junge Menschen.

Erlauben sie mir, das umzudrehen, damit es den Kern der Tatsachen noch ein wenig mehr trifft: „Gut ausgebildete junge Menschen brauchen zukunftsfähige Arbeit.“ Und wenn ich mit gutem Gewissen jemanden in dieser Gesellschaft wählen will, dann erwarte ich zumindest ein Nachdenken darüber, was wäre, wenn – welch unglaublich futuristische Idee! – nicht genug Arbeit da ist. Oder um es klarzustellen: Wenn über Nacht alle Leute hier Abitur, Studium, Ausbildung, Berufserfahrung und ein völlig grün-weißes Führungszeugnis vorweisen können, dann haben wir noch keinen Arbeitslosen weniger. Darüber sollte sich mal jemand Gedanken machen!

Wir können gemeinsam erreichen, dass unsere Kinder eine erstklassige Ausbildung bekommen, und zwar unabhängig vom Einkommen der Eltern.

So wie ich sie inzwischen einschätze, denken sie, dass Studiengebühren dieses Ziel vereinfachen…
Und wen interessiert denn das Einkommen, wo doch in SPD-Deutschland alle so sozial und solidarisch sind?

Wir Sozialdemokraten stehen für sichere Renten ein.

Also zumindest für die nächsten vier Jahre.

Und dafür, dass Gesundheit bezahlbar bleibt.

Sagen sie mal, hat ihnen ihre Deutschlehrerin nicht auch noch erzählt, dass es nicht schön ist, einen Satz mit „und“ zu beginnen. Ich mache das auch ständig, aber es interessiert mich einfach, ob diese Regel inzwischen überholt ist. Ich denke, sie als fortschrittlicher Sozialdemokrat wissen das sicherlich.
Und (sic) was den Inhalt angeht: Die Praxisgebühr wird also nicht erhöht? Super! Die Krankenkassen kosten in Zukunft weniger? Super! Wie wollen sie das eigentlich machen?

Die soziale Gerechtigkeit der Menschen braucht Verlässlichkeit und die Solidarität aller.

Meine Kontonummer lautet…

Gehen Sie bitte am 27. September zur Wahl.

Mache ich gerne. Aber es wird sie nicht wirklich erfreuen, was ich wähle…

Überlassen Sie die Zukunft nicht anderen.

Ähm… das war die Sache mit der Demokratie. Seien sie mal ehrlich, Frankie: Wir haben beide verschissen, wenn die Welt wie befürchtet aus Abermillionen Idioten besteht.

Vor allem: Überlassen Sie Ihre Zukunft nicht anderen.

Moooment mal! Wer sülzt mir hier ein unschuldiges Blatt Papier voll, dass ich ihm meine Zukunft anvertrauen soll?

Mit Ihrer Stimme für die SPD helfen Sie ganz persönlich mit, dass wir gemeinsam eine soziale und erfolgreiche Zukunft haben.

So langsam finde ich es im Übrigen unheimlich, dass sie keine Ausrufezeichen verwenden. Und nehmen sie es mir nicht übel, aber über eine gemeinsame Zukunft mit ihnen möchte ich nach dem ersten Brief wirklich noch nicht nachdenken.

Ich verspreche Ihnen, dass ich hart für Sie und unser Land arbeiten werde.

Wissen sie was: Geschenkt! Ich mache meine Arbeit gerne alleine – sie macht mir nämlich Spaß – und die Arbeit für unser Land: Sie hatten ihre Chance!

Es grüßt Sie herzlich Ihr Frank-Walter Steinmeier

Gruß zurück und nichts für ungut!

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Filed under Medien, Politik

Raaaaaalf!

So, ein Dreivierteljahr ohne Ralf haben wir nun hinter uns. Und auch wenn ich damit Ralf, seine Angehörigen sowie eventuelle Anhänger seinerseits ein wenig enttäuschen muss: Es ist mir gut bekommen, der WG geht es blendend, ebenso den Bewohnern und wir wünschen ihn uns nicht zurück.

Die Begründungen, über ihn zu schreiben, werden mit der Zeit immer fadenscheiniger, um so mehr freue ich mich, dass derletzt wieder einmal eine solche ins Haus geflattert kam.

Mit einem letzten Kraftakt haben wir uns inzwischen von Vattenfall als Stromversorger verabschiedet und sind nun bei Naturstrom. Die Gründe für einen Ökostrom-Anbieter liegen auf der Hand und es tut mir im Nachhinein leid, dass wir aus purer Bequemlichkeit so lange mit dieser Entscheidung gewartet haben. Aber gut, nun ist es endlich gemacht!

Infolgedessen flatterte derletzt die Abschlussrechnung von Vattenfall ins Haus, und diese belegte eindrucksvoll, was wir mit unserem Mitbewohner „verloren“ haben:

Stromfresser Soziopath, Quelle: Sash

Stromfresser Soziopath, Quelle: Sash

Nun sollte ich zwar anfügen, dass ins Vorjahr auch eine Übergangsphase mit Nico und Ralf reinspielt, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Ozie seit der Umstellung etwa ihren PC wieder regelmäßig nutzt (auch wenn der recht wenig verbraucht), kann man das wohl beiseite legen.

Klar, wir verbrauchen immer noch viel Strom. Das ist unbestritten, und wenigstens zum Teil durch die WG in ihrer Existenz als solche zu erklären:

  • Wir kochen überwiegend einzeln
  • Es ist fast rund um die Uhr jemand wach (Licht)
  • Irgendein PC läuft immer

Dazu kommt natürlich, dass ich viel wasche, weil ich wenige Klamotten habe, dass wir spülen und trocknen unseren Maschinen überlassen, oder dass wir (Generation Download) den PC auch mal 24/7 laufen lassen, obwohl niemand da ist. Weil wir faul sind, ich gebe es ja zu…

Dennoch hat es keiner von uns geschafft, Ralfs Verbrauchsgewohnheiten zu erreichen. Denn de facto bezieht sich die Rechnung bei beiden Zahlen auf einen 3-Personen-Haushalt. Nur lässt jetzt keiner zusätzlich zum PC auch noch einen Röhrenmonitor 24/7 laufen. Keiner nutzt die Zeit, in der der Backofen vorheizt, um kurz einen Spielfilm zu schauen. Keiner verweigert sich dem Einsatz von Energiesparlampen und lässt das Licht dann dennoch 5 Monate (!) am Stück brennen. Und es würde auch niemand auf die Idee kommen, den Backofen zur Küchenheizung umzufunktionieren, damit der Hefeteig auf dem Fensterbrett besser geht…

Ich vermute, wir zahlen für Strom gerade genauso viel wie Ralf. Zu dritt…

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Filed under Haushalt

Portionierungsprobleme

Nährwerttabellen auf Lebensmitteln sind so eine Sache. Auf den leckeren Sachen verderben sie einem den Appetit, auf den Lebensmitteln, bei denen es einen einfach interessieren würde, sind keine aufgedruckt, und außerdem muss man ja hier und da so oder so rumrechnen, wenn es einem Spaß macht.

Die größte Absurdität sind dabei die Portionsangaben. Bei Müsli beispielsweise ist das beachtenswert. Ich weiss jetzt nicht, ob da draussen wirklich ein statistisch relevanter Bevölkerungsanteil lebt, der sein Müsli mit Teelöffeln in die Schüssel füllt – aber für solche Leute müssen die Angaben gemacht sein, wenn man sich die niedrigen zweistelligen Gramm-Angaben bei den Portionen anschaut.

Bei Schokolade ist das was anderes. Da kann man schon mal eine kleine Portion angeben. Manchmal nascht man ja vielleicht doch nur ein Stückchen zwischendurch.

Heute ist Ozie bei einer Tafel „Choceur Rahm Mandel“ auf eine wirklich abstruse Angabe gestoßen. In meinen Augen zumindest…

Die Nährwertangaben sind schön hinten auf der Verpackung angegeben:

Quelle: Hersteller-Verpackung

Quelle: Hersteller-Verpackung

Die Angaben auf 100 Gramm runterzubrechen ist sinnvoll. Das ist eine Größenordnung zum Vergleich mit anderen Produkten, und ich stelle das nicht in Frage. Wenn mir jetzt aber einer erklären kann, wie zur Hölle diese Genies eine 25g-Portion rechtfertigen wollen – bei einer Tafel zu 200 g, welche in 7 (!) Rippchen unterteilt ist…

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Streckenrandnotizen

So. Fertig. Ich hatte schon geschrieben, dass ich froh sein würde, wenn die Marathon-Guckerei vorbei sein würde – und das bin ich nach wie vor. Aber keine Sorge, schlechte Laune will ich nicht vebreiten! Es war ein schöner, aber anstrengender Tag, und wenn man davon absieht, dass ich Massenveranstaltungen nur bedingt mag, Laufen für einen bekloppten Sport halte, um dabei zuzusehen und es mir im Herzen wehtut, dass fast die ganze City nur schwer zu erreichen ist, dann war es wirklich sehr schön.

Der eingeschränkten S-Bahn-Pläne wegen habe ich tatsächlich das Taxi als Transportmittel verwendet, und ein bisschen deprimierend war es schon, dass ich etliche Winker gehabt hätte, wenn das Auto nicht voll gewesen wäre.

Wie schon geschrieben: Ich war der Familie wegen da, und auch das war immerhin nicht umsonst. Ozies Onkel hat seinen allerersten Marathon mit über 40 Jahren immerhin bis zum Schluss durchgehalten und war mit rund viereinhalb Stunden auch bei weitem nicht der schlechteste – gerade unter den Amateuren.

Nun aber noch ein paar Fotos vom Rand der Veranstaltung:

Rekordversuch: Wie viele Menschen ziehen sich vor dem Kanzleramt um?

Rekordversuch: Wie viele Menschen ziehen sich vor dem Kanzleramt um?

Ja, es war schon ein bisschen was los im Tiergarten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es gerade mal 8 Uhr Morgens an einem Sonntag ist. Mein Schlafbedürfnis fordert Mitleid!

Die Altersgruppen waren bunt gemischt. Ebenso wie Profis und Amateure:

...und der hat ne bessere Kamera!

...und der hat ne bessere Kamera als ich!

Anderswo herrscht dann noch die Ruhe vor dem Sturm:

Urkundendruckstand - oder doch Wahlkampf der Piraten-Partei?

Urkundendruckstand - oder doch Wahlkampf der Piraten-Partei?

Und aus der Reihe: Dinge, die man am Brandenburger Tor nicht auf einer Leinwand zeigen muss:

Redundante Information...

Redundante Information...

Und es waren wirklich viele Menschen…

Ein Ausschnitt aus dem H-Block, nur ein Ausschnitt...

Ein Ausschnitt aus dem H-Block, nur ein Ausschnitt...

…die aber auch viel Müll hinterlassen:

Wo gelaufen wird, fallen Säcke... oder wie war das Sprichwort?

Wo gelaufen wird, fallen Säcke... oder wie war das Sprichwort?

Überall schien es heute ein bisschen lockerer zuzugehen:

Mal spontan in der Mittagspause Zeitung lesen...

Mal spontan in der Mittagspause Zeitung lesen...

Mit Ausnahme diverser Botschaften natürlich:

Und Platz 1 für Partylaune teilen sich....

Und Platz 1 für Partylaune teilen sich....

Und die letzteren wirken durch die Unkenntlichmachung wesentlich freundlicher, ganz im Ernst! Innerer Konflikt! Alarm!

Ach ja: Alle Bilder sind von mir selbst aufgenommen worden.

Letztlich endete der warme und sonnige Tag in kleinem Kreis bei einem leckeren chinesischen Essen und auch  bei den Nicht-Läufern mit ausrangierten Füßen und Mattheit. Ist ja glücklicherweise nicht jede Woche sowas.

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Mal Freitags frei…

Freitags nicht arbeiten ist ganz schön luxuriös als Taxifahrer. Aber die letzten Tage hab ich mich nicht wirklich aufraffen können, und so kam es dann, dass ich gestern Abend um 23 Uhr mit Ozie einkaufen war, und die ganzen Alkoholopfer mal wieder aus einer etwas anderen Perspektive gesehen habe.

Irgendwie angenehmer waren die Marzahner Prolltruppen jetzt nicht, weil sie nicht im Taxi saßen. Aber ich hatte weniger Sorgen. 🙂

Ein junger Mann hat allerdings den Vogel irgendwie abgeschossen. Dass es nicht wenige sind, die ihre Grenzen erst finden müssen, wenn es um Ethanol-Durchsatz geht, ist nicht neu. Die vage Andeutung von Kultiviertheit, während des Einkaufs mal eben kurz den Laden zu verlassen, draussen ins Gebüsch zu reihern und wieder rein zu gehen, hat mir dann dennoch ein Grinsen entlockt. Das macht auch nicht jeder!

Definitiv ein potenzielles KK e.V.-Mitglied!

Meine Aussage zu Ozie war ganz lapidar:

„Auch wenn es in den Fingern juckt, die Kohle für den Einkauf wieder reinzukriegen: Ich werd ihn jetzt nicht fragen, ob er ein Taxi braucht…“

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Stuttgart Foto Reload

Auf den letzten Eintrag hin hat Basti nach der Außenansicht des Hauses gefragt. Nun gut, ein Bild gibt es hier zwar schon im Blog – aber ich füge es gerne noch mal ein. Dann hab ich mir gedacht: Mache ich doch einen kurzen Rückgriff auf den Zustand der Bude. Gleich vorneweg:

Ich hab viel mehr Bilder, die zeigen, was wir alles unmögliches gemacht haben. Unordentliche Zimmer, Siff und Saufgelage. Von der sauberen Wohnung haben wir leider keine Bilder gemacht – sonst würde ich sie gerne anfügen. Hier sind ein paar Bilder und Bildausschnitte, die sich wirklich nur mit der Wohnung und dem Haus als solches beschäftigen, ohne dass wir als WG dabei irgendwas verbrochen haben. Insofern einseitig – aber deswegen nicht unrealistisch.

Von den ganz harten Sachen wie den offen in der Küche endenden stromführenden Kabeln habe ich gerade keine Bilder gefunden. Aber irgendwo gibt es welche…

Und noch was: Wie im letzten Eintrag schon angesprochen: Wir (und das trifft auf die meisten WG-Bewohner zu) haben die Bude irgendwie trotzdem und dennoch geliebt. Nicht vergessen, auch wenn’s schwerfällt! 😉

Zunächst einmal das Haus von außen:

2009-09-20-wg-hausaussen

Das Haus in der Teichstr. 2007, Quelle: Sash

Der WG gehörte übrigens alles ab da, wo es schräg wird. Wenn man nicht das ganze Haus schräg findet… Man beachte den abgeblätterten Putz und insbesondere die Verkleidung des kleinen Lochs direkt unterm Giebel. Da kam man zwar von der Wohnung aus nicht direkt ran, aber es handelt sich hier auch um Styropor. Von der Rückseite (mit meinem Fenster) gibt es leider keine Fotos.

Als Detail kann ich noch den Eingangsbereich anbieten:

Näheres zum Zustand der Fassade 2007, Quelle: Sash

Näheres zum Zustand der Fassade 2007, Quelle: Sash

Dazu gibt es eigentlich gar nichts zu sagen. Wenn man allerdings die Dachkonstruktion noch näher unter die Lupe nimmt…

Bitte:

Interessante Stützkonstruktion, Quelle: Sash

Interessante Stützkonstruktion, Quelle: Sash

Das wird übrigens sicher bis heute so sein… das ist NICHT temporär! Aber gut, gehen wir doch ins Haus…

Das Treppenhaus:

Modernes Ambiente - ansprechend restauriert, Quelle: Sash

Modernes Ambiente - ansprechend restauriert, Quelle: Sash

Zu beachten sind hier die im Hintergrund gelagerten Rigipsplatten und Türen – auch hier kann man bei 4 Jahren nicht von einer temporären Lagerung sprechen. Aber das Treppenhaus war so oder so famos.

Nun folgt hier ein Detail, dass ich unserem Vermieter nicht wirklich anlasten kann, geht es doch um den Bau des Hauses. Selbiges existierte offenbar schon eine Weile, als das Treppenhaus eingebaut wurde. Warum?

Seht selbst:

2009-09-20-wg-treppenhausfenster

Decke/Boden meets Fenster, Quelle: Sash

Das ist kein Scherz. Die Treppenhausfenster begannen beim ersten Treppenaufgang, wurden dann von einer Decke verdeckt und erstreckten sich bis zur nächsten Etage…

Aber das hat bei der gefühlten Sicherheit im Treppenhaus auch keinen negativen Eindruck mehr hinterlassen:

Die Wand im Treppenhaus 2007, Quelle: Sash

Die Wand im Treppenhaus 2007, Quelle: Sash

Aber gut, altes Gemäuer eben. Was will man machen? Ich bedauere es zwar, dass es kein Foto von der einen Metallstange im Keller gibt, die das ganze Haus zu stützen scheint (es sieht bedenklicherweise wirklich so aus!), aber eigentlich geht es bei all dem ja mehr um die Wohnung. Das Ambiente ist feinstens, das haben jetzt alle sehen können. Kommen wir also zu den wenigen inner-wg-lichen Fotos:

Wo war das nochmal? Quelle: Sash

Wo war das nochmal? Quelle: Sash

Bei diesem schönen Bild weiss ich leider wirklich nicht mehr, wo es aufgenommen wurde. Ich vermute, es war noch im Treppenhaus, aber alleine die Tatsache, dass ich das nicht sicher sagen kann, sollte zu denken geben.

Aber es gab auch noch schöne Beispiele im Flur:

Über meinem alten Zimmer im Flur, Quelle: Sash

Über meinem alten Zimmer im Flur, Quelle: Sash

Abdeckungen für elektrische Verwurstungen waren zumeist Fehlanzeige in der Wohnung. Bei einzelnen Steckdosen in der Küche übrigens auch. Das Bild hab ich mir allerdings erspart…

Zu guter Letzt kommen wir noch kurz zum Küchenboden:

Der Küchenboden in seiner ganzen Pracht 2007, Quelle: Sash

Der Küchenboden in seiner ganzen Pracht 2007, Quelle: Sash

So sah es an vereinzelten Stellen in der Küche aus. Die Splitter flogen dann lose in der Küche rum, Leute die barfuß liefen, bla keks. Man könnte es als nervig empfinden. Im Übrigen: Ja, dieser Boden ist dreckig! Man darf allerdings nicht vergessen, dass natürlich niemand auf die Idee gekommen ist, den Boden in irgendeiner Art zu versiegeln. In den kleinen Unebenheiten setzte sich also permanent Dreck fest. Glaubt mir, das ist beim besten Willen nicht ewig sauberzuhalten…

Tja, ich hoffe, euch hat der Ausflug in die großzügig ausgestattete Wg gefallen, in der wir 9,00 € / m² Miete gezahlt haben…

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Kaution reloaded

Das Gerichtsverfahren um die Kaution der alten Wohnung schlägt so langsam Wellen hier im Blog und es beschäftigt mich gerade ziemlich. Ich habe mir die alten Einträge zum Thema eben noch einmal durchgelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese ein nur sehr unvollständiges Bild auf die ganze Geschichte werfen. In manchen Ecken fehlen Begründungen, Erklärungen und der Blick aufs große Ganze – und natürlich ist das Ganze ein wenig einseitig, weil ich eigentlich immer nur geschrieben habe, wenn mich die Sache gerade genervt hat.

Ich möchte hier versuchen, das komplette Mietverhältnis mit all seinen Kuriositäten auseinanderzunehmen, sodass abschließend eine Meinungsbildung darüber möglich wird – auch wenn sie vielleicht zu meinen Ungunsten ausfällt. Was ich allerdings nicht erwarte.

Für die Erklärung des Mietverhältnisses meiner Wenigkeit muss ich auch das der WG noch einmal aufrollen. Das heisst: Der Part, der derzeit vor Gericht verhandelt wird, beschreibt den Zeitraum vom 1.1.2007 bis zum 15.10.2007. Alles davor dient dem besseren Verständnis dieses besonderen – und nicht immer nur schlechten – Verhältnisses.

Begonnen hat alles im Herbst 2002. Damals sind Jörg und Sven, zwei enge Freunde meinerseits, über persönliche Kontakte zu einer Wohnung gekommen. Die Wohnung lag im obersten Stockwerk eines 200 Jahre alten Hauses im Stuttgarter Osten. Sie kannten René, den Sohn des Vermieter-Ehepaars, und so ergab es sich, dass sie in diese Wohnung einziehen konnten. Die Wohnung hatte 34 m², 2 Zimmer plus Küche und Dusche und war in einem fragwürdigen Zustand – aber hey! – erste Wohnung nicht mehr bei Mami! Die Miete betrug 340 € warm.

Im Herbst 2003 kam erstmals ich mit ins Gespräch. In der Wohnung neben den beiden wohnte „der Alte“ – der Vater des Vermieters. Aus Altersgründen zog er ins Erdgeschoss des selben Hauses. Sven und Jörg haben mit dem Vermieter geredet und beschlossen, mit Steffi, einer Bekannten, in diese – wesentlich größere Wohnung umzuziehen. Nun boten sie mir und Felix – einem Freund von Sven – die kleine Wohnung an. So sollte es dann kommen. Die neue Wohnung kostete bei unklarer Größe (etliches war baulich verändert, überall Schrägen, kein Grundriss) 720 € warm.

Nun bewohnten ab Herbst Felix und ich die kleine Wohnung im 2. OG, Sven Jörg und Steffi die große (die sich sogar noch aufs Dachgeschoss darüber erstreckte). Unter uns wohnten die Söhne des Vermieters und im Erdgeschoss der Vater. Der Vermieter selbst bewohnte mit seiner Frau das Nachbarhaus.

Interessant an dieser „Gründung der großen WG“ war vor allem, dass die große Wohnung komplett zu renovieren war. Und komplett bedeutet komplett. Die Küche – der mit Abstand größte Raum in der Wohnung (Küche, Esszimmer, Wohnzimmer und Flur in einem) hatte noch keinen Boden, es musste hier und da gestrichen und tapeziert werden, etc. pp. Insbesondere beim Einbau des Küchenbodens halfen Jörg und Sven etliche Wochen mit und wurden damit belohnt, dass sie nur eine geringere Kaution zu bezahlen hatten. Zudem wurde im Mietvertrag natürlich angemerkt, dass die Wohnung unrenoviert übergeben wurde, und so auch wieder abzugeben sei. Desweiteren kündigte Dieter für die nächsten Monate bauliche Veränderungen an, insbesondere den Einbau dreier Dachfenster im obersten Geschoss.

Im Laufe der Zeit wuchsen die beiden Wohnungen zu einer WG zusammen, was aber im Mietvertrag nicht berücksichtigt war. Lange Zeit gab es zwei Mietverträge, und alle Bewohner hatten den jeweiligen unterzeichnet.

Bereits im ersten Jahr ging der in Eigenarbeit verlegte Küchenboden zu Bruch. Der Untergrund war uneben, weswegen die uneingelassenen Terracotta-Fliesen wackelten und an den Rändern splitterten. Unser Ansprechpartner in Wohnungsdingen war Dieter – seine Frau Petra hatte mit den Reparaturen nie was am Hut und Dieter war öfter da. Er wurde darüber informiert, er ärgerte sich auch, erkannte aber, dass es sicher am Verlegen des Bodens lag und die Worte „Scheiße, i hen dengt, des hält“ gingen in die WG-Geschichte ein. Die weiteren gravierenden Mängel der Wohnung kamen auch zur Sprache, letztlich wurde das aber mit einem „I mach des, wenn i mit meine Modore ferdig ben!“ seitens Dieter geklärt. Also so in etwa. Er hatte nie Zeit, aber auch unser Interesse war eher unzureichend. Die Bude bezog auch ihren Charme aus der Verratztheit.

Im Winter 2004/2005 kam dann ein wichtiger Schritt. Die WG war menschlich zusammengewachsen, aber baulich trennten uns zwei Wohnungstüren. Da wir den obersten Stock bewohnten – also außer uns niemand dort vorbeikam – fragten wir bei Dieter ein wenig unschuldig an, ob wir eine Wand ins Treppenhaus ziehen könnten, um die Wohnungen zu verbinden. Es folgte der Satz von Dieter, für den ich ihm bis heute sehr dankbar bin:

„Machte, was’r wollet, i stell euch’s Maddrial!“

Das beschreibt das Mieter/Vermieter-Verhältnis ganz gut. Wenn es irgendwas gab, dann fragte man nach, man klärte Dinge per verbalem Handschlag und mit Materialunterstützung eines Werkstattinhabers. Ebenso locker ging es eigentlich bei der Miete zu. Natürlich verzichtete Dieter nicht auf sein Geld, aber wenn es mal knapp war, dann kam die Miete mit 2 Wochen Verspätung bar gegen Quittung. Eigentlich ein sehr wünschenswerter Zustand.

Uns war klar, dass die Wohnung über dem Stuttgarter Mietspiegel liegt – und das bei miserabler Ausstattung – aber es war WG-Konsens, dass wir 100 bis 200 € im Monat dafür zahlten, alle Freiheiten der Welt zu haben. Dies wurde insbesondere dadurch begünstigt, dass die Söhne unter uns im gleichen Alter waren, der „Alte“ schwerhörig und unser Vermieter-Ehepaar nicht ohne Stolz verkündet hat, sie hätten ihr Schlafzimmer nicht ohne Grund nicht zu unserem Haus hin ausgerichtet…

Die Schäden in unserer Wohnung wurden eigentlich nie behoben. Für Kleinigkeiten erhielten wir Unterstützung in Form von Werkzeugen, aber eigentlich war es das schon. Wenn mal eine Heizung leckte, wurde der Alte hochgeschickt, der dann ein bisschen gewerkelt hat, aber die großen Dinge blieben ungeklärt. Z.B. der Küchenboden. Aber wir waren jung und bescheuert und für uns war es damals noch ein Grund für eine Party, als wir festgestellt haben, dass die Kabel, die in der Küche aus der Wand hingen, tatsächlich Strom führten. Wir haben zur Warnung einen Lampion hingehängt und Dieter Bescheid gesagt. Und der… der wollte das „demmnächscht amol“ machen.

Im Sommer 2005 gab es einen neuen Mietvertrag. Die Fluktuation in der WG war so hoch, dass es einfach nervig wurde, neue Mitbewohner immer wieder bei Dieter vorzustellen und auf einen Termin zu hoffen. Zumal bei Vertragsunterzeichnungen ja auch Petra dabei sein musste. Sven übernahm die Wohnung als Hauptmieter und bei Bedarf stellte er Untermietverträge aus. Wir durften nun also auch noch ein- und ausziehen lassen, wen wir wollten, alles war perfekt.

Es gab einmal Ärger wegen Beamtenbesuch bei einer Party, was allerdings eher so eine Kleinstadtgeschichte war. Dieter, Petra, die Söhne und der Alte haben gar nix ernstlich mitbekommen. Aber Petra hatte Angst um ihr Ansehen in der Nachbarschaft, sodass es tatsächlich zu sowas wie einer Abmahnung gegen Sven kam, was allerdings ein bedauerlicher Einzelfall bleiben sollte.

Im Oktober 2005 kam es zu einem Zwischenfall, der das Verhältnis sogar zwischen uns und Dieter nachhaltig schädigte. Bei einer (fantastischen 😉 ) Party wurde die Haustür mitsamt Scharnieren aus der Wand gebrochen. Die Schuldigen wurden nie zweifelsfrei benannt, aber wir gehen immer noch davon aus, dass es die Freunde von Freunden von unseren Freunden waren – kein Stammbesucher der WG hat jemals derartigen Mist gebaut. Dieter stellte uns eine recht saftige Rechnung aus. De facto haben er und sein Sohn in einer halben Stunde das Scharnier ausgetauscht, auf unserer Rechnung fanden wir nachher 4 Meister- und 2 Lehrlings-Stunden, was uns zuzüglich Material fast 200 € kosten sollte, obwohl nie zur Debatte stand, dass wir als Mieter ernstlich was mit dem Schaden zu tun hatten.

Bei der Gelegenheit bekamen wir auch eine neue Haustüre – was seit Monaten schon im Gespräch war – wobei es sich allerdings um die alte von Dieters Haus nebenan gehandelt hat, der sich eine – hübsche, wohlgemerkt – neue hat einbauen lassen. Dass die Tür nicht passte, und in der Hauswand von da an ein Loch von vielleicht 80 x 30 cm geklafft hat, das erst Monate später geschlossen wurde… das war irgendwie schon normal.

Als Sven dann im Juli 2006 seinen Auszug verkündete, war das Verhältnis auf der einen Seite zwar schon wieder in Ordnung, auf der anderen Seite waren die beiden Vermieter froh darum, dass ich den Part des Hauptmieters zu übernehmen gedachte. Ich habe bis dahin schon meist die Gespräche mit Dieter übernommen und zudem mochte Petra – die immer nur als aufbrausender Part bei Problemen in Erscheinung trat – mich offensichtlich mehr als Sven. Das war jedenfalls kein schlechter Schritt. Wenngleich es sicher auch daran lag, dass die beide nicht so recht dran glaubten, dass wir als WG immer gemeinschaftlich entschieden haben.

Als Svens Auszug im Raum stand, erwähnte Dieter, dass er vorhat, die Heizkosten wegen der Energiepreise anzupassen, was ernstlich unseren Widerstand auf den Plan rief. In der Erwartung, dass er dies im neuen Mietvertrag mit mir umsetzen wolle, haben wir uns erstmals kundig gemacht, einen Mietspiegel besorgt und uns vorbereitet. Dieter behauptete zwar nach wie vor, dass die Wohnung „eher zu billig“ sei, aber unsere Vermutungen bestätigten sich. Was gar nicht verwunderlich war, da Dieter ja zum Beispiel – und das ist kein Witz – wirklich nicht wusste, wie groß die große Wohnung eigentlich ist.

Bei unseren Berechnungen haben wir die Wohnungsgröße sowie die Ausstattung zu Dieters Gunsten aufgerundet und kamen auf das Ergebnis, dass die Wohnung mit ihren 860 € Kaltmiete exakt 50% über dem Stuttgarter Mietspiegel lag. Das ist exakt die Grenze zwischen Mietpreisüberhöhung und Mietwucher, die Grenze zwischen (eventuell) Ordnungswidrigkeit und Straftat. Diesen Mietpreis haben wir immer akzeptiert, gedachten auch nicht, daran was zu ändern – aber der geneigte Leser versteht vielleicht, weswegen wir als finanziell ständig klamme WG Einwände gegen eine Erhöhung unter den gegebenen Umständen hatten.

Derart bewaffnet haben wir dem neuen Mietvertrag aber gelassen entgegengesehen.

Sven zog bereits im August aus, der Vertrag lief allerdings noch bis Dezember 2006 auf ihn. Das stellte kein Problem für uns dar, da Sven zum einen in der Nachbarschaft eine neue Bleibe hatte, zum anderen auch nicht zu befürchten war, dass wir in seinem Namen irgendwelchen Mist bauen. Im Laufe der Monate kam es dann zur ersten Wohnungsbesichtigung seitens Dieter und Petra. Die beiden führten sich auf wie Feuer und Wasser, und es war geradezu niedlich, wie sie sich wiedersprachen. So zeigten wir den beiden beispielsweise den demolierten Küchenboden (ja, der war da immer noch kaputt!) und Petra fing an zu fauchen, dass das ja nicht verwunderlich sei, so oft wie wir hier Party gefeiert hätten etc. Dann kam Dieter und meinte lapidar: „Naja, aber laut’m Herschdeller solltet da LKW drüber fahre könne…“ Kurzum: Während uns ein zwei kleinere Mängel angelastet wurden, ging Dieter mit einer dicken Liste nach Hause, auf der stand, was er alles in den nächsten Monaten in den Wohnungen zu beheben hatte. Zum Beispiel den Austausch eines Küchenbodens, das Fliesen eines Klos, die Befreiung einer Dusche von Schimmel, Feuchtigkeit im Dach etc.

Kurios war, dass wir hier das erste Mal erfahren haben, warum in einem der drei Klos die Heizung nicht funktioniert:

„Die hen i amol abklemmt, weil d’r Druck net g’reicht hat…“

Von seit 3 Jahren versprochenen Dachfenstern war da schon nicht mehr die Rede…

So langsam kommen wir also an den Punkt, an dem ich die Wohnung übernommen habe. Es gab eines der berüchtigten Treffen im Nachbarhaus unter einem kleinen angebauten Dach, das den örtlichen Behörden wegen schon lange abgerissen hätte werden müssen. Petra palaverte locker über die Schulden ihrer Söhne und den aktuellen Fuhrpark (diese Familie besitzt ja 54 motorisierte Sitzplätze für höchstens 8 Leute) und so wurde bei Kerzenschein Svens Mietvertrag gekündigt und geklärt, dass die Kaution auf mich überschrieben wird.

Der Mietvertrag für mich kam damals noch nicht zustande, weil – soweit ich mich erinnere – gerade keine Vordrucke zur Hand waren. Das war nicht weiter schlimm, schließlich war es bis zum Jahreswechsel noch zwei oder drei Monate hin, und bis dahin würde man das schon klären. Alles war wieder wie früher! Planlosigkeit, Freundlichkeit und keine überbordende Genauigkeit. Eigentlich nicht schlecht.

Dann aber kam die Terminnot. Dieter und Petra schafften es trotz mehrmaliger Anfrage nach einem Termin nicht, sich mal für eine halbe Stunde mit mir zusammenzusetzen, um den Vertrag klarzumachen. Zum einen waren wir froh darum, weil sich damit natürlich auch die Frage nach der Erhöhung der Nebenkosten aufschob und keiner von uns Bock hatte, gleich zum wiederholten Einstand einen Streit vom Zaun zu brechen. Zum anderen waren wir vielleicht ein wenig naiv und zu gut für diese Welt – aber dass eine rechtliche Handhabe nie schlecht ist, war uns ja durchaus auch bewusst.

Und es wurde 2007…

Während alle WG-Bewohner sich irgendwo ins neue Jahr soffen, erlosch quasi der Mietvertrag für unsere Wohnung. Unter den gegebenen Umständen fürchteten wir zwar nicht gerade eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch oder etwas ähnlich fieses, aber natürlich hatten wir Bedenken. In der Folgezeit (unter mehrmaligem Nachfragen nach einem Termin für die Vertragsunterzeichnung) haben wir durchaus recht genau darauf geachtet, dass die Miete pünktlich war und die Parties nicht allzu sehr aus dem Ruder liefen. Mit Erfolg.

Nebenbei muss ich aber anmerken, dass wir die Situation aufgrund ihrer Absurdität durchaus als tierisch komisch empfanden. Witze darüber waren an der Tagesordnung.

Bereits im Frühjahr standen dann alle Zeichen auf Auszug. Während davor noch die Option bestanden hätte, dass nur ich mit Ozie nach Berlin ziehe, zeichnete sich schnell ab, dass alle bisherigen Bewohner die WG verlassen würden. Irgendwann gegen Semesterende bei Ozie. Wir haben Dieter vielleicht 5 Monate vorher informiert, und obwohl wir von ihm die Zusage hatten, dass das so in Ordnung wäre, haben wir das Mietverhältnis ordnungsgemäß mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten schriftlich gekündigt. Der Mietvertrag war damit mehr oder minder in Übereinkunft mit beiden Seiten gestorben. Für die paar Wochen noch?

Unsererseits begann jetzt das große Betteln. Da es dieses Mal einen endgültigen Auszug geben sollte – zudem einen, bei dem man nur schwerlich im Nachhinein noch mal kurz zum Renovieren vorbeikommen kann, beharrte ich auf einer erneuten Wohnungsbesichtigung, um zu wissen, um was wir uns noch kümmern müssten. Auch dies geschah sicher 5 Monate vor dem Auszug. Dazu dauerte es Wochen, bis er uns für unsere neue Wohnungsbaugesellschaft eine Mietschuldenfreiheit mit einer Unterschrift bestätigte. Und ja: Ich meine wirklich Wochen! Und dennoch ist die Unterschrift seitens Petra ausgeblieben – ohne übrigens dass es Fragen zur Tatsache der Mietschuldenfreiheit gegeben hätte. Es war eine Formalie, mehr nicht.

Ebenso wie zuvor die Vertragsunterzeichnung gestaltete sich nun die Wohnungsbegehung als schwierig – nein, als unmöglich. Wir haben mehrmals erwähnt, dass wir weit weg ziehen, und eventuelle Renovierungsarbeiten zwingend vorher erledigen müssten. Irgendwann (wahrscheinlich von meinen Anfragen genervt) meinte Dieter:

„Alles, was ihr heh g’macht hen, müsset’r richde!“

Danke! Naja, immerhin hatten wir ein Jahr zuvor eine Wohnungsbesichtigung, also ließen sich einige der zweifelsohne zahlreichen Schäden ausschließen. Das bitterste war, die ins Treppenhaus eingezogene Wand wieder einzureissen. Ein paar Tage später kam dann von Dieters Seite (offenbar auf Petras Anweisung hin) noch der Wunsch dazu, die Wohnung sei besenrein zu übergeben, Bad und Klo geputzt. Wow! Überraschung!

Im Gegenzug sei erwähnt, dass Dieter von den sicher 7 oder 8 Mängeln, die er beheben sollte und wollte, keinen behoben hatte. Einmal kam sein Sohn zu uns hoch und hat angefangen, die Dusche vom Schimmel zu befreien. Wohlgemerkt: Angefangen. Die Situation blieb offen mit einem „Haltet die Dusche frei, ich mach des demnächst!“, was wir zwei Monate später übergingen und dort unser Pfand einlagerten.

Der Umzug gestaltete sich schwer, da wir letztlich  zu dritt eine vollgestellte Wohnung mit 120 m² Bodenfläche auflösen mussten. Die Anzahl der Helfer war überschaubar, wenn auch deren Engagement groß! Unsere Zeitpläne gerieten täglich durcheinander, und dennoch schafften wir es am Ende. Selbst ein paar Kleinigkeiten richteten wir, und seit der Alte die Bude bewohnt hatte, war sie nie so sauber.

Die Schlüsselübergabe war natürlich für den allerletzten Nachmittag geplant. Das war eigentlich nicht nötig, da es sich sowieso nur um eine symbolische Geschichte handelte, da ich die Nacht danach noch alleine in der Wohnung verbracht habe. Aber damit enden die Kuriositäten natürlich nicht. Im Laufe des Nachmittags – den wir noch schwer am Putzen waren – erfuhren wir dann, dass Petra einen Autounfall hatte. Nicht, dass ich ihr da eine Absicht unterstelle, aber es war bezeichnend, dass sie – die sich nur einmal pro Schaltjahr mit der Wohnung beschäftigt, nun der Grund war, dass die Übergabe/Besichtigung nach hinten verschoben werden musste.

Dies ist keine lächerliche Nebensächlichkeit, da uns in der Wohnung selbst die Malerfassungen gehörten, und wir die artig verpackt und im Bus verstaut hatten. Der Abend bot einfach recht wenig Licht für eine Besichtigung…

Es kam zunächst wie es kommen musste. Petra hatte noch beschissenere Laune als sonst und tobte sich von einem Zimmer ins nächste und bemängelte, dass wir nicht gestrichen hätten, die Dübellöcher müssten wir auch noch zuspachteln etc. Die Krönung des ganzen war ein kurzer Dialog von solch primitiver Einfachheit, dass ich ihn bis heute nur schwer vergessen kann:

Sash: „Sorry Petra, aber dass wir das machen, war nicht ausgemacht.“
Petra: „Ach, des steht alles im Mietvertrag!!!“
Sash: „Wir haben keinen…“

Danach war es ruhig, bald ist Petra auch verschwunden, und wir haben mit Dieter alles weitere in Ruhe bequatschen können. Zwei Dinge hatte er zu bemängeln, und zwar ein Spiegel an einer Tür – der wirklich nicht mehr abging. Da müsste er das Türblatt ersetzen – aber das würde 50 € kosten. Dann fehlte an der wegen des Schimmels nicht mehr genutzten Dusche eine Plastikklinke – wahrscheinlich nicht mal im zweistelligen Bereich.

Dieter bekam Adresse, Kontonummer, bla keks. Alles nett und friedlich. Die Zählerstände wurden für Unklarheiten notiert und nach ein paar schweren Stunden des Abschieds, ein paar Bierchen in meiner Stammkneipe, einmal Verschlafen, einem Verspäteten Auftauchen des Fahrers und vielen vielen Gedanken, die alle nichts mit einer Kaution zu tun hatten, bin ich nach Berlin aufgebrochen.

7 Tage später sind die Nachmieter in die kleine Wohnung eingezogen.

Ja, und dann folgten 5 und 6 Monate später unsere Anfragen per Brief. Beantwortet wurde nur die zweite, wesentlich aggressivere mit der Bitte um „ca. 4 Wochen“ Geduld, bis dahin hätten sie die Endabrechnung – die wegen der „doch zahlreichen Schäden und Hinterlassenschaft“ so lange angedauert hat.

Ziemlich exakt ein Jahr nach diesem Brief haben wir den Mahnbescheid beantragt. Mehr Geduld ist nicht.

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