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Werbung oder Nicht-Werbung?

Dies hier könnte Werbung sein. Oder auch nicht. Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht.

Gestern trudelte hier ein Kommentar von Dominik H. (Link zu seinem Shop entfernt) ein, der mir angeboten hat, für seine Produkte – Abwehrsprays – Werbung zu machen. Also einen Artikel darüber zu schreiben, um dafür etwas gratis zu bekommen – oder umgekehrt. Das ist wohl eine Definitionsgeschichte 😉 Auf der einen Seite lehne ich das in diesem Fall (die Gründe folgen weiter unten) ab, auf der anderen mache ich jetzt ja genau das. Also: Ist das schon die Werbung?

Ob so ein Angebot nun als moralisch verwerflich zu bezeichnen ist, weiss ich gar nicht so recht zu bewerten. Werbung ist für Betriebe notwendig, und die Hoffnung, über Blogs sogar virales Marketing loszutreten, ist ein verlockendes Angebot mit recht wenig Einsatz.

Dominik hat seinen Kommentar im Impressum abgegeben, was ich als Zeichen dafür werte, dass es als „private“ Nachricht gedacht war. Ich hab für solche Fälle nun dennoch meine eMail-Adresse ins Impressum geschrieben, wo ich auch bitten würde, derartige Anfragen in Zukunft zu hinterlassen.

Ozie hat gestern in erster Konsequenz die Signatur aus dem Comment entfernt. Dies ist nicht böse gemeint, es soll lediglich verhindern, dass die Kommentare in meinem Blog unerwünschterweise selbst zu Werbeträgern werden. Ich werde in Zukunft weiterhin von Fall zu Fall darüber entscheiden, ob ich einen Link als Werbung betrachte oder nicht. Seht mir das bitte nach – aber ich bin weder für ein striktes Link-Verbot, und selbst Links zu Shops können manchmal zur Erklärung hilfreich sein. Also werde ich diesen Weg gehen.

Jeder Shop-Inhaber darf aber natürlich weiterhin seine Homepage angeben, dort wo das Eingabeformular es vorsieht (es sei denn, ich finde heraus, dass es eine wirklich unvertretbare Seite ist), und jeder Besucher kann aufgrund der Qualität des Kommentars weiterhin selbst entscheiden, ob er die Seite des Autors besucht oder nicht. Das halte ich für eine faire Geschichte.

Zu diesem speziellen Fall:

Ich bin zwar Taxifahrer, aber ich halte in meinem Beruf nicht sonderlich viel vom Einsatz von Pfefferspray. Es mag sicher irgendwann einmal DIE Situation geben, in der es hilfreich sein kann, aber das trifft wahrscheinlich auch auf die richtige Zigarettenmarke zu.

Überfälle auf Taxifahrer gehören in Deutschland täglich, in Berlin wohl etwa wöchentlich dazu. Ich glaube, die wenigsten lassen sich mit Pfefferspray im Innern eines Autos zufriendenstellend „lösen“. Bei den in Berlin erzielten Einnahmen und der Wahrscheinlichkeit eines Überfalls kann ich getrost eine Tageskasse opfern, wenn ich damit ernste Konsequenzen vermeide. Und den Leuten, die so blöd sind, einen Menschen wie mich zu überfallen ohne sich entsprechend zu bewaffnen, traue ich zu, sich andersweitig außer Gefecht setzen zu lassen. Bei weiterer Einsatzfähigkeit des Taxis wohlbemerkt…

Somit bin ich in diesem Fall nicht wirklich an einem der Produkte interessiert. Der Gedanke, mit Pfefferspray zu trainieren um die Polizei auf Demos zu überraschen (man kann die Toleranz gegenüber Capsaicin auf Dauer erhöhen) ist zwar nach wie vor reizbar, aber zum einen bräuchte man da wohl eine längerfristige Anwendung, und zum anderen ist mir das auch zu nervig – zumal es die Dinger offenbar nichtmal in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt 😉

Ein zusätzliches Problem ergibt sich in diesem speziellen Fall auch in der Art der Produkte und der vorgeschlagenen Verbreitung. Solche Deals mit Bloggern geben in meinen Augen vor allem Sinn, wenn man schreiben kann: „Wow, das is ’ne geile Geschichte! Hat mir gut gefallen!“

Ich sehe mich gerade allerdings nicht einem Umfeld gegenüber, das einen Produkttest von Pfefferspray ernstlich in Frage kommen lässt. Das würde mir bei Fertigsuppen doch leichter fallen 🙂

Insofern: Ich habe Verständnis für solche Anfragen, und die von Dominik war insgesamt auch nicht so, dass ich sie wirklich als Spam abkanzeln möchte. Viele Kollegen schwören offensichtlich darauf, Pfefferspray wenigstens dabeizuhaben, bei denen stößt das Angebot vielleicht auf Gegenliebe.

Dann bleibt noch zu sagen, was eigentlich selbstverständlich sein muss:

Ich nehme solche Angebote vielleicht irgendwann einmal an. Vielleicht ist ja DER Deal mal dabei. Aber ich werde NIE darauf verzichten, zu schreiben, weswegen ich ein Prokukt erwähne, und ebenso werde ich die mir gebotenen Gegenleistungen öffentlich machen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich bezüglich meiner Meinung nicht käuflich bin. Deals, bei denen das eintritt, erkennt der Leser dann daran, dass ich nicht mehr arbeite 😉

Letzte Worte:

Ich bin ein Multiplikator! *freu*

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Pflichturlaub, gerichtlicher

So, einige Spartenleser da draussen warten wahrscheinlich sehnsüchtig auf Neuigkeiten aus der Ex-Vermieter-Ecke. Die gibt es – und zwar nicht zu knapp. Gestern kam ein ordentlich vollgepackter Brief vom Stuttgarter Amtsgericht in unseren Briefkasten geflattert, und der hatte es tatsächlich in sich. Einige Neuigkeiten.

Zunächst scheint Dieter (unser Ex-Vermieter und Beklagter) meine Art von Humor irgendwie gerne zu unterstützen. So hat er über seinen Anwalt beantragt, die Frist zur Klageerwiderung zu verlängern. Klar könnte das eine Art Strategie sein, uns möglichst nicht frühzeitig zu informieren, welche Gesetze sie noch aus dem Hut zu zaubern gedenken, um die Rechtmäßigkeit unserer Forderung in Frage zu stellen. Lesen lässt es sich allerdings wie ein Armutszeugnis, das nur konsequent fortführt, was er immer gemacht hat: „I mach des später mal…“

Sein Anwalt attestiert sich gleich auch noch Überforderung, und das liest sich dann auf Amtsdeutsch wie folgt:

„Wegen Arbeitsüberlastung sowohl des in dieser Sache alleinig sachbearbeitenden Unterzeichners als auch des auf Beklagtenseite bearbeitenden Beklagten, der aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit häufig auswärts sich aufhalten muss, konnte die zur Fertigung der Klageerwiderung notwendige Besprechung noch nicht durchgeführt werden, soll aber so rechtzeitig fertig werden, dass die beantragte verlängerte Frist eingehalten werden kann.“

Man könnte auch schreiben, dass Dieter seine Unterlagen nicht zusammengesucht bekommt und den Anwalt genauso vertröstet wie uns auch…

Sollte dieser Schrieb – wovon man ja besser ausgehen sollte (insbesondere, wenn man das schriftlich in der Öffentlichkeit äußert) – wahrheitsgetreu wiedergeben, was da gerade in Stuttgart abgeht, dann ist das erstklassig, weil das bedeutet, dass selbst der Anwalt der Gegenseite aktuell noch nicht um das Ausmaß der Absurditäten und aber auch der rechtlichen Grundlagen Bescheid weiss.

Sie fordern einen Aufschub bis zum 15. Oktober, und dies hat das Gericht bewilligt. Davor werden wir also leider nichts genaues erfahren, es sei denn, sie schmeissen – was wir immer noch für möglich halten – das Handtuch doch noch, bevor es ernst wird.

Dann aber kommt der Schrieb des Gerichts selber, und der besagt, dass es – was jetzt ja nur folgerichtig war – eine mündliche Verhandlung geben wird.

Ich hab, soweit ich weiss, schon mal irgendwo geschrieben, dass ich eigentlich nicht sonderlich Lust darauf habe. Und irgendwie dann doch…

Mündliche Auftritte sind nicht wirklich mein Ding. Ich rede ungern vor vielen Menschen und ich bin Realist genug, um zu wissen, dass das auch Auswirkungen auf das hat, was ich sage. Ich bin in meinem persönlichen Auftreten ein schüchterner Mensch und eigentlich bin ich überhaupt nicht konflikttauglich.

Auf der anderen Seite bin ich dadurch auch immer in der Lage, Contenance zu wahren und mich recht gut auszudrücken. Das mag jetzt nicht gerade eine atemberaubende Eigenschaft sein, die meine Ernennung zum Bundeskanzler wahrscheinlich macht – zum Alleinstellungsmerkmal in dieser Verhandlung wird es dennoch reichen.

Außerdem bin ich in dieser speziellen Geschichte inzwischen sowas von angepisst, dass ich – ihr als Blogleser habt vielleicht eine leise Ahnung davon – nur darauf brenne, dass irgendjemand meine Ex-Vermieter mal auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Wie üblich spielen bei mir die persönlichen Motive eher eine untergeordnete Rolle. Zu gewinnen habe ich in dem Fall zwar 1000 € plus x, aber wenn ich ehrlich bin, dann geht die Kohle als Schuldenrückzahlung an meinen Vater – bei dem es eigentlich nur eines Anrufes bedürfte, um die Schulden ohne Zahlung zu nullen. Mein Gewinn ist also ein etwas besseres Gefühl…

Ich habe nur so ein unbestimmtes Gerechtigkeitsempfinden, das mich innerlich zerreissen würde, wenn Dieter und Petra mit der Sache durchkommen würden. Dabei geht es nicht ums Geld, denn ob jetzt potenziell von uns verursachte Schäden nicht vielleicht die Kaution wieder aufwiegen würden: Möglich! Dass ich 4 Jahre in einer Bruchbude gelebt habe? Hab ich gerne gemacht! Waren geile Jahre! Das Verhältnis zu Dieter war – wie oft erwähnt – super. Nur bin ich ein bisschen empfindlich, was die Einhaltung von Regeln angeht. Damit meine ich nicht zwingend das deutsche Gesetz, denn auch hier gehen mir einige Regelungen gehörig gegen den Strich. Aber wenn ich mit jemandem ausmache, dass man das alles locker klärt, dann erwarte ich das auch.

Ich halte die Verhandlung jetzt für eine für mich wichtige Sache mit Lerneffekt, und insofern hat die Geschichte ihre guten Seiten, egal wie sie ausgeht. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich gerne vor Gericht gegangen bin, nur um ein paar lächerliche Kröten einzutreiben…

Aber gut, weiter im Text:

Wir haben also einen Verhandlungstermin!

Und der… ja der hat mich einfach nur darin bestätigt, dass die Sache nach meinen Vorstellungen verläuft…

11.11.2009

Nein, ich bin kein Karnevalsfreund, und auch wenn es mich irgendwie freut, dass die Verhandlung mich dazu bringt, meine alte Heimat früher als geplant wiederzusehen, so sehe ich das noch realistisch unter dem Punkt, dass die Urlaubsrücklagen zu dieser Zeit sicher noch weniger gut aussehen als zum Januar, wo ich die Reise sowieso in Betracht gezogen hätte.

Aber auch als Nichtanhänger allen Aberglaubens hat der 11. November für mich doch eine gesonderte Bedeutung. Zum einen bietet sich mir so die Gelegenheit, in Stuttgart – mit einer Menge alter Bekannter und Freunde, wie ich hoffe – in meinen Geburtstag am 12. November reinzufeiern. Das alte Konzept „Entweder Siegesfeier oder Frustbesäufnis“ kommt hier einmal mehr zum tragen – wenngleich ich hoffe, nicht selbst getragen werden zu müssen. Naja, wozu gibt es Taxen? 😉

Und ein bisschen Glückstag ist der 11.11. seit letztem Jahr dann ja doch für mich persönlich… das war nämlich der Tag, an dem ich meine Ortskundeprüfung bestanden habe, und damit den Weg freigemacht habe für meinen derzeitigen Beruf. Und wenn mir der 11.11.08 bisher über 10.000 € eingebracht hat – warum sollte es am 11.11.09 nicht wenigstens für 1.000 € reichen? 😉

Leute, ich freue mich somit auf ein absehbares Ende der ganzen Gerichtsgeschichte und auf eine schöne Reise in meine alte Heimat, verbunden mit Familienwiedersehen und einer hoffentlich fetten Feier in meiner Stammkneipe! Und all das passiert auf jeden Fall, selbst wenn das Gericht nicht zu meinen Gunsten entscheidet…

Win-Win-Situationen sind irgendwie geil!

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Oktober (2)

Der Oktober bringt aber auch noch andere Dinge mit sich. Arbeitslust zum Beispiel. Den September hatte ich früh abgehakt als schlechten Monat, und ich hab viel frei gemacht, und in den letzten Tagen hat sich immer mehr dieses „Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr“-Gefühl breit gemacht. Aber jetzt ist wieder Monatsanfang, die Statistiken sind genullt und es kann wieder losgehen! Juhu!

Und als wäre es ein gutes Zeichen, habe ich heute seit langem mal wieder so geschlafen, wie ich es eigentlich am besten finde: Einfach von morgens bis nachmittags. Nichts mehr mit Mittagsschlaf zwischen 4 und 7 Uhr und dann wieder von 15 Uhr bis abends um neun – was in erheblichem Maße zur Arbeitsunlust beitragen kann.

So, das heisst: Der Monat wird finanziell nicht so dicke, aber Spaß haben werde ich. Ist ja auch was wert 🙂

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Oktober

Schon wieder Oktober?

Es ist wirklich kaum zu glauben, dass die Zeit so schnell vergeht. Wenngleich ich eigentlich gute Laune ob des gerade aufziehenden Herbstes habe, so bin ich dennoch ein wenig erschrocken. Oktober. Im Oktober 2007 bin ich nach Berlin gezogen. Zwei Jahre ist das jetzt her. Wenn ich ehrlich bin, dann ist es gefühlsmäßig sogar schon länger her, aber wenn ich mir dann konkret vor Augen halte, dass die alte WG seit zwei Jahren nicht mehr existiert, dann ist es doch eine erstaunlich lange Zeit. Und bin ich hier nicht dennoch erst irgendwie neu?

Oktober heißt auch, dass ich inzwischen seit 4 Jahren mein Leben mit Ozie teile. Auch hier verschwimmt die Zeit davor in der Wahrnehmung, aber wenn ich so darüber nachdenke, dann ist es doch eine verdammt lange Zeit. So alt bin ich ja schließlich auch noch nicht…

Ich habe eigentlich nicht vor, wie letztes Jahr gleich eine Zusammenfassung deswegen zu schreiben, aber der Herbst ist einfach meine Zeit, um ein Resumée zu ziehen.

Dieser Oktober ist für mich dabei eigentlich sehr angenehm. Ich bin zufrieden, und in vielen kleinen und großen Momenten meines Lebens sogar das, was ich glücklich nennen würde. Vor einem Jahr hatte ich noch keinen Job, ja noch nicht einmal die Ortskundeprüfung bestanden. In der WG hatten wir enormen Stress mit Ralf, und das sind schon Dinge, die das Wohlbefinden eingeschränkt haben. Wenngleich ich mich damals auch nicht nur unwohl gefühlt habe.

Aber ein bisschen ziehen mich die Gedanken im Oktober auch immer wieder mal zur alten WG, die ich bisweilen durchaus vermisse. Ich bin so oft froh, dass ich hier meine Ruhe habe und der Stress sich auf selbst verursachten beschränkt. Auf der anderen Seite fehlt selbst mir – und ich war der, der sich bei Parties immer in sein eigenes Zimmer gesetzt hat, um in Ruhe Musik zu hören – auch manches Mal der Trubel und die verschiedenen Menschen.

Naja, einsam wird der Monat dennoch nicht. Denn zunächst einmal ist Nico ja seit ein paar Tagen wieder im Land – und auch wenn er auf seinen Auszug hinarbeitet, gehe ich stark davon aus, dass er uns den Oktober über noch erhalten bleibt – ob wir wollen oder nicht 😉

Zum anderen stößt morgen für eine bislang undefinierte Übergangszeit A. zu uns, den ich aus alten Zeiten zwar nur vom gelegentlichen Sehen her kenne – aber wozu hat man eine große Wohnung? Also ist mal wieder Vierer-WG angesagt! Finanziell schaden kann es wie immer nicht.

Aber trotz der sentimentalen Grundstimmung dieses Eintrages kann ich nicht sagen, dass ich mich nicht auf den Herbst und Winter freue. Ja, es wird wieder grau und trüb und regnerisch – aber hey, ich sag es immer wieder gerne: Nachts ist die Stadt bunter!

In diesem Sinne: Viel Spaß mit dem Oktober!

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Wollte nur mal hallo sagen…

…denn wer weiss schon, ob Blogs demnächst noch erlaubt sind.

Wenngleich das Wahlergebnis mich nicht ernstlich überrascht: Enttäuscht sein darf man ja wohl, oder? Mir fehlen ehrlich gesagt ein bisschen die Worte. Wenn jetzt Finanzkrisen dazu führen, dass die FDP Wähler gewinnt, dann will ich gar nicht daran denken, was in Zukunft noch so alles möglich ist…

Aber was beschwere ich mich, ich bin ja nur einer aus dem Internet. Das geht mich ja nicht mal was an, oder?

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Klarmachen…

So, das Wochenende war stressig, aber nun ist es – zumindest arbeitsmäßig – vorbei. Es gibt einiges interessantes zu schreiben, aber das muss noch ein wenig warten. Es ist 7 Uhr in der Frühe am 27. September und es ist noch rund eine Stunde, bis die Wahllokale öffnen.

Inzwischen habe ich mich auch entschieden, wie ich wählen werde – und da ich selten einen Hehl aus meiner Meinung mache, kann ich ja auch schreiben, dass die Piraten eine Stimme von mir bekommen.

Ich sag’s ehrlich: Die Entscheidung ist mir verdammt schwer gefallen, und „rundum glücklich“ ist vielleicht auch nicht der Begriff der Wahl, wenn ich diese Stimmabgabe bewerten soll. Dennoch kann ich die Entscheidung vor mir vertreten und sehe keinen Grund, das Ganze zu bereuen.

Mir ist klar, dass die Piraten ein gewissermaßen fragmentiertes Programm haben, und das birgt ebenso wie die Tatsache, dass dort vielerlei verschiedene, zum größten Teil unerfahrene Menschen ihr Unwesen treiben, ein Risiko. Aber um es einmal mehr zu betonen: Wie schief soll es gehen? Ich bin zwar auch der Meinung, dass jetzt nicht unbedingt ein Töffel, der sich nicht einmal erkundigt, welcher Zeitung er ein Interview gibt, Außenminister werden sollte- aber bei aller Hoffnung auf einen Erdrutschsieg einer Protestpartei glaubt sicher auch niemand, dass der Posten frei werden würde.

Protestwahl ist ein bescheidenes Mittel, mit Hilfe der Demokratie eine Regierung abzustrafen – keine Frage. Politik sollte etwas Konstruktives sein, der Meinung bin ich auch. Aber seit ich pünktlich nach der Abwahl der ewigen Bundesbirne 1998 selbst wählen kann, bin ich es leid, mir jedes Mal die Haare zu raufen, wenn ich politische Entscheidungen mitverfolge. Ich bin nicht mehr klein und dumm und ich weiss sehr wohl, dass Politik oftmals auch kleiner Schritte bedarf. Aber die ganzen „etablierten“ Parteien, von denen sowieso höchstens die Grünen (und auch die fast nur noch auf dem Papier) ein paar brauchbare Werte vertreten, ist in den letzten Jahren nichts ausgegangen, was ich gutheißen kann.

Natürlich geht es Deutschland an und für sich gut. Verdammt, diesem Land geht es richtig gut. Dass das ein Großteil der Bevölkerung nicht wahrhaben will, weil die Preise für Mittelklassewagen steigen, sagt doch schon alles!

Aber dennoch fließt das Geld mehr oder minder ununterbrochen von „unten“ nach „oben“ und das was einst Grundrechte waren, wird in verschiedenster Form beschnitten. Wenn ich mir die Entwicklungen in Punkto Sozialgesetzgebung, Asylrecht und Persönlichkeitsrechten ansehe, dann muss ich mich doch fragen, wie weit das noch gehen soll. Ich meine, wie bezeichnend ist es bitte, dass sich die zutreffendste Prognose des heutigen Stands der Persönlichkeitsrechte und des Datenschutzes in den 11 Jahre alten Ausgaben einer linken Untergrundzeitschrift namens radikal finden lassen? Das sollte gerade für die eine Warnung sein, die sonst nichts mit linkem Gedankengut anfangen können.

Aber gut, ich bin ziemlich angepisst davon, dass Banken saniert werden, während die Bild auf HartzIV-Empfänger eindrischt. Das ist nicht außergewöhnlich, und seit dem 15. September 2008 sind wir ja alle ein bisschen kapitalismuskritisch. Blabla…

Was könnte ich denn bitte wählen?

Für den rechten Rand ist mir der Platz für Gegenargumente zu schade, bei der Union kotzt es mich schon an, dass sie weiterhin zwingend am traditionellen Familienbild festhalten und auch noch Realpolitik dran koppeln (an die heile Welt glauben dürfen sie natürlich meinetwegen). Die SPD ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, trauert ihrer Vergangenheit nach und sieht auch noch hilflos zu, wie die CDU mit kleinen Zuckerchen bei ihren Stammkunden wildert. Die Grünen mögen gute Ansätze haben, haben aber letztlich fast überall fast alles abgenickt, was von ihnen gefordert wurde. Bei aller Liebe zu Kompromissen gehen die mir ein paar hundert Lichtjahre zu weit. Die Linke ist niedlich und wenn sie nicht so stur daran glauben würden, dass ihre Forderungen ohne ernstliche Änderungen umzusetzen sind, wären sie vielleicht wählbar. So aber eher nicht. Die FDP habe ich mir schon überlegt zu wählen, weil es die Partei wäre, die am kompromislosesten den Kapitalismus durch Überfütterung zum Einsturz bringen könnte – aber abgesehen davon, dass sie bei den ersten Krisenanzeichen in der Regierungsverantwortung alles unterschreiben würden, was Mama Merkel will: Nach den ersten erfolgreichen 6 Monaten würde ich an Westerwelles Dauergrinsen sterben. Von den Kleinparteien bleiben nicht mehr viele übrig, weil ich weder Kommunist (DKP) bin, noch ein Kommunist ohne eigene Ideen (MLPD) und weder Rentner, noch Tiere, noch Autofahrer für sonderlich amüsante Einzelthemen halte. Die APPD tritt nicht an, obwohl sie mit dem Balkanisierungskonzept wenigstens eine interessante Idee haben, wenn man sie sich mal nüchtern anschaut.

Ergo: Die Piraten…

Und ich bleibe dabei: Ich treffe meine Wahlentscheidung nicht nach persönlichen Vorteilen! Dass ich viel im Netz unterwegs bin, ist bei der Wahl zweitrangig. Wenn ich Wert auf meine Anonymität legen würde, dann könnte das niemand lesen. Ich fall als „guter Deutscher“ zumindest aus dem aktuellen Terroristenraster und bei Pornos bin ich erschreckend konservativ, sodass mich wahrscheinlich auch keine Stoppschilder nerven würden. Selbst Werbung nehme ich eigentlich gelassen hin, und wenn eben mal was wirklich beklopptes kommt, dann blogge ich drüber. Für gute Musik zahle ich gerne was, und ich halte mich für versiert genug, illegal auch woanders welche herzubekommen. Das Urheberrecht finde ich in Teilen gut, in anderen Teilen schlecht – selbst wenn ich mal ein Buch schreiben werde, kann ich mit oder ohne Piraten mit den Konsequenzen leben. Was besseres fällt mir dennoch nicht ein. Nirgendwo sind die Konvergenzen größer, der Ekel kleiner und die Glaubwürdigkeit höher.

Und wenn sich durch die Wahl der Piraten nichts ändert, dann… sieh einer an:

Ist das doch auch nicht schlimmer, als wenn ich eine „vertrauenswürdige“ Partei gewählt hätte.

Auch von mir natürlich der wichtigste Satz zum Abschluss: Wählt, was ihr wollt! Aber überlegt es euch gut!

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Yeaahh!

Vier kleine Worte haben gereicht, um die inländische Medienlandschaft zumindest ansatzweise umzugraben: „Und alle so: Yeaahh“

Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendein Leser meines Blogs noch nicht über diese Worte gestolpert ist in den letzten Tagen, aber das ist wieder mal so ein Thema, von dem ich die Finger nicht lassen kann. Falls der ein oder andere doch noch nicht wissen sollte, worum es geht, fange ich mal ganz von vorne an:

Seit der Geburt des Internets, und mehr noch seit der langsamen Etablierung des sogenannten Web 2.0, sind immer mal wieder Memen aufgetaucht. Memen sind, um den etwas arg theoretischen Wikipedia-Artikel zusammenzufassen  Informationseinheiten, die in einem gewissen Kontext Verbreitung finden. Zumeist handelt es sich hierbei um schlicht witzige Dinge, und wer sich die nicht uninteressante Liste von Internet-Memen (englisch) durchsieht, wird feststellen, dass er das ein oder andere Video oder Bild kennt und vielleicht selber mal kommentiert, beworben oder weitergeschickt hat. Ist ja auch erstmal egal, ob es dazu einen Namen gibt oder nicht.

Naja, die „Yeaahh“-Geschichte:

Es war wohl in Hamburg, als ein Unbekannter (der sich jetzt wahrscheinlich in den Arsch beisst, weil er de facto eine Sachbeschädigung begangen hat und sich damit wohl kaum noch melden können wird) ein CDU-Plakat „verschönerte“, indem er hinter die markigen Worte „DIE KANZLERIN KOMMT“ eben folgendes schrieb:

„Und alle so: Yeaahh“

Das fand ein anderer (nehme ich zumindest mal an) so witzig, dass er es fotografierte und bei Flickr online stellte. Ab da schlug das Web 2.0 zu: Das Bild wurde weiterverbreitet, ging über Nerdcore zu Spreeblick, wo es auch umgehend zu einem eigenen Song verarbeitet wurde. Den Rücksprung in die reale Welt schaffte die Geschichte dann wiederrum in Hamburg, wo bei einer Rede von Angela Merkel während einer Art Flashmob auch zu den unsinnigsten Sätzen wiederholt und laut „Yeaahh“ gerufen wurde. Im Netz selbst bloggte nun auch Lukas von coffeeandtv.de über die Sache und steuerte einen eigenen Song bei, und nun verselbstständigen sich auch die Flashmobs, sodass nach Hamburg Mainz und Wuppertal an der Reihe waren und der Abschluss wohl an diesem Samstag bei der Kundgebung hier in Berlin stattfinden wird. Dass ein Wahlkampfauftritt mal gestört oder kreativ mitgestaltet wird, ist nicht zu selten – wovon insbesondere Kleinparteien schärferen Profils sicher ein Lied singen können. Diese „Yeaahh“-Geschichte aber schaffte es immerhin bis in die Tagesthemen und ist meines Erachtens nach fast schon eine neue Dimension dieser Form der Vernetzung.

Der sicher nicht unkritisch gedachte Kommentar auf dem Wahlplakat führt nun über zig Umwege tatsächlich zu einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne, in die sich noch dazu alles reininterpretieren lässt, außer einer Unterstützung für die Union.

Anhänger der Piratenpartei greifen das Geschehen als Thema für sich auf, und Angela Merkel reagiert (zumindest laut den Tagesthemen) immerhin mit der nötigen Coolness und spricht von „meinen Freunden aus dem Internet“, was aber bei aller verständlichen Klippenumschiffung in diesem Fall nur einmal mehr die Unwählbarkeit dieser Frau zeigt. Jemand, der immer noch glaubt, es gebe „das Internet“, das – trotz dieses eindeutigen Gegenbeweises – scheinbar nichts mit der restlichen Welt zu tun hat, gehört nicht auf irgendeine Bühne der Zeitgeschichte in diesem Jahrzehnt! Und schon gar nicht auf eine des nächsten…

Im Übrigen ein schöner Anlass, hier noch mal eine 28minütige Berg- und Talfahrt in Form eines haarsträubenden und zugleich irre komischen „Gesprächs“ zwischen Schumacher, Tiedje und Lobo zu verlinken, die mich letzte Woche an meinem Verstand zweifeln ließ, weil hier nicht nur das Internet plötzlich eine einzelne Gruppe ist, sondern diese auch noch von Sascha Lobo regiert sein soll, was ich bei allem Respekt für seine sprachlich gewandten Konter in diesem Gespräch und gewissen tragbaren Grundeinstellungen für eine ganz und gar nicht gute Idee halten würde.

Die Diskussion darüber, ob man auch mit ganz offensichtlich (und nicht nur unterschwellig wie immer) sinnlosen Phrasen Wahlkampf betreiben oder mitgestalten sollte, ist sicher schon in vollem Gange, auch wenn ich das nicht sicher sagen kann, da mir die inzwischen 45.600 Google-Ergebnisse zu „und alle so yeaahh“ ein wenig zu viel zum Durchlesen waren.

Und diese Fragen sind natürlich berechtigt, da die Bundestagswahl – bei allen Kritikpunkten an ihrer Praxis oder gar ihres Sinns – zur Zeit zumindest die wichtigste Form der politischen Mitbestimmung in diesem Land ist. Darf man hier einen auf gaga machen?

Meine Meinung dazu ist eindeutig: Ja!

Denn selbst die Kommunikation einer ablehnenden Haltung ist immer noch ein politisches Statement, und dass auch ein gewisser Humor immer seinen Platz in der Politik gehabt hat, ist nicht  zu verleugnen. Klar stösst das dem einen oder anderen bitter auf, aber andere würden sich sonst gar nicht für Politik interessieren, und das einzig traurige ist, dass am Ende dieser erheiternden Episode deutscher Wahlkampfidiotie wahrscheinlich wieder das Internet für die Verflachung des Niveaus herhalten muss, obwohl hier nur Inhalte transportiert werden, die nach wie vor von Menschen aus Fleisch und Blut erschaffen, diskutiert und auch aufgenommen werden.

Und wenn ich so über meinen Artikel zum Brief von Frank-Walter Steinmeier nachdenke:

„Und alle so: Yeaahh“ hätte als Kommentar eigentlich völlig gereicht.

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