So, da bin ich wieder!
Bislang scheint sich zu bestätigen, was ich im letzten Eintrag schon irgendwie vermutet hatte: So eine Zehenamputation ist machbar.
Nein, versteht mich nicht falsch: Das war ja kein Wunsch von mir, sondern eine pragmatische weil sinnvolle Entscheidung. Zumindest laut den Ärzten. Und ich weiß, dass das gerade psychisch einige andere Menschen nicht so leicht wegstecken würden, da hab ich sicher auch einen kleinen Bonus. Tatsächlich hat mir ausgerechnet die Anästhesistin auf dem Weg in den OP-Saal gesagt, dass sie persönlich es damals schon als traumatisch empfunden hätte, als ihr der Blinddarm entfernt worden war, weil das für sie irgendwie die Komplettheit oder Unversehrtheit ihres Körpers auf einen Schlag beendet, bzw. in Frage gestellt hätte. Ich kann das an sich ganz gut nachvollziehen, aber das ist sowas, das auf dem Weg mit chronischen Krankheiten irgendwie verloren geht. Oder zumindest bei mir verloren gegangen ist.
Ja, gerade sieht das total furchtbar aus mit der fetten Naht auf der Oberseite meines Fußes und dann die unnatürliche Lücke, die da auch bleiben wird … aber tatsächlich hat der Zeh zuvor schon immer an den Schuh gedrückt und war gebogen und mit viel Hornhaut versehen, ich war ohnehin in podologischer Behandlung. Ich hab da jetzt keinen normschönen Fuß eingebüßt und jeder, der sich im Schwimmbad vor meinem Körper ekeln will, kann das seit 4 Jahrzehnten an überdurchschnittlich viel Fett oder irgendwelchen Pickeln tun. Ich glaube, ich werde da einfach nicht viel fühlen, wenn es mal soweit ist, dass ich den Nicht-Zeh unfreiwillig anderen Menschen zeigen muss. Und es wird auch nie mehr so schlimm aussehen wie jetzt, wo die Fäden noch drin sind.
Spannend ist, dass es trotzdem erstmal eine Heilung wie aus dem Bilderbuch ist: Am Mittwoch Mittag die OP, am Donnerstag Nachmittag (nachdem das fast 26 Stunden wirkende Betäubungsmittel abgeklungen war) bin ich bereits alleine aufs Klo, am Folgetag für eine kalte Cola runter zum Kiosk gelaufen. Ohne Hilfsmittel. Da war es dann eigentlich gar nicht so überraschend, dass ich doch noch jetzt am Ende der Woche, am Sonntag Mittag rausgekommen bin aus dem Krankenhaus. Was sehr schön ist, denn wenn man mal die ganzen kleinen Verpeilungen dort hochaddiert, war es eigentlich ein veritables Desaster. Hat sich nicht so angefühlt, aber ich hab die ersten 20 Stunden aus Verpeilung keine Medis gekriegt, ich bin in nur 5 Tagen mindestens sechsmal mit falschem Essen beliefert oder vergessen worden. Da hat die linke Hand nicht gewusst, was die rechte tut und wie gesagt: hat sich insgesamt eher wie mein bester KH-Aufenthalt angefühlt, aber war grotesk.
Ganz gut geht’s mir aber noch nicht, muss ich ehrlich sagen. Ich weiß nicht, ob es die Infektion ist, die mir nachhängt, das einwöchige Rumliegen oder die Kombination aus beidem – ich bin jedenfalls brotfertig, ohne irgendwie viel gemacht zu haben. Selbst die Hand auf der Tastatur fühlt sich enorm schwer an. Morgen muss ich dann eine AU holen, sehen ob ich schon wieder Autofahren kann, und dann darf der Tag meinetwegen schon wieder enden. Allerdings freuen sich die Kids sehr, dass ich wieder da bin und das ist ganz ehrlich einfach total toll, so sehr es mich gerade noch anstrengt.


