Dumm flattert gut.

Falter. Eine Krankheit. Zumindest, wenn man Ozie glauben darf. Während ich wenigstens gelegentlich ein wenig kindliche Faszination ob der größten regelmäßig in unserem Haushalt anzutreffenden Insekten entwickele, kann sie diese Tiere nicht ausstehen. Bei der Begründung kann ich sogar mitgehen, denn tatsächlich fallen die Viecher ja nicht nur durch ihre schiere Größe auf, sondern auch durch ihre Dämlichkeit auf. Ohne Rücksicht auf Verluste erkunden sie ihre Umgebung durch direktes dagegenprallen. Die unzähligen Tock-Tocks in einem befalterten Raum können nervig sein. Und dass einem selbst von so einem scheinsuizidalen Insekt eine Kopfnuss verpasst wird, ist auch recht wahrscheinlich.

Dennoch haben wir keine Ahnung, wo die Dose herkommt.

Eine Dose Insektenspray steht in unserer Haushaltswarenecke namens Saarland und beschäftigt uns hin und wieder. Bei einer bewegten WG-Vergangenheit wie der unseren reizt es einen hin und wieder, sich zu überlegen, wer denn wohl ein „Insektenspray-Typ“ gewesen sein könnte: Unsere Bio-Essen konsumierende und Capoeira-praktizierende Frohnatur? Wohl eher nicht. Der grummelige Pädagoge oder vielleicht doch der faule kommunistische Mechatroniker?

Wahrscheinlich aber war es Ralf.

Ozie und ich sind es jedenfalls nicht gewesen, denn bei aller Liebe zur gepflegten Selbstzerstörung käme es uns beiden komisch vor, Gift in Dosen zu kaufen und das dann in der Gegend rumzusprühen. Ozie geht seit jeher mit Gläsern und Postkarten auf Falterjagd, ich selbst komme nur selten auf die Idee, so ein Tierchen überhaupt zu vertreiben.

Die Geschichte mit den Faltern und dem Insektenspray freilich kulminierten zu einem gemeinsamen Höhepunkt gestern früh – so ganz grundlos erzähle ich diesen Schwenk aus unserem Alltag dann ja auch nicht:

Ozies Zimmer war wieder mal von einem riesigen Falter besetzt (nach Zeugenberichten war er ungefähr zwei bis drei Meter groß), Ozie selbst trotzte der Gefahr so cool es ging unter ihrer Bettdecke. Es tock-tockte am Fenster, draußen war es bereits hell. Als das Geräusch dann verstummte, war die Gefahr jedoch noch nicht gebannt. Der Falter hatte es leider nicht geschafft, herauszugelangen, sondern flatterte nun im Inneren des Heizkörpers unter dem Fenster und irgendwann schlief selbst Ozie ein.
Doch der Alptraum war nach dem Aufwachen nicht etwa vorüber, nein: Immer mal wieder meldete sich das Viech, stundenlang, immer von der selben Stelle aus, es hing dort offensichtlich fest. Tolle Wurst!

Da ganz offensichtlich keine Möglichkeit bestand, der Situation irgendeine positive Wendung zu verpassen, fiel der Entschluss, das arme Tier zu erlösen. Insektenspray sollte wenigstens schneller gehen als verhungern.

Wie grenzenlos doof man sein muss, um sich als Insekt irgendwo einzuklemmen? Nun, da sollte man besser Insekten befragen. Was meine Frage ist: Ist das Vorhandensein toter Tiere in Heizkörpern bereits ein Fall für die Wohnungsbaugesellschaft? Ich hab den leisen Verdacht, dass davon nix im Mietvertrag steht …

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Verschiebungen des Lebens

Ich habe die Befürchtung, mein 16-jähriges Ich würde mich hassen.

Nicht unbedingt vollständig. Ich denke sicher, der 16-jährige Sash würde sich erstaunt fragen, wo ich bitteschön eine Frau fürs Leben herbekommen habe – und anerkennend nicken, wenn ich ihm die Geschichte mit der WG, der Party und dem vielen Alkohol erzählen würde, die nun einmal die Grundlage für die nunmehr über 7 Jahre andauernde Geschichte war.

Beim Thema Ehe wiederum …

Aber darum geht es mir gar nicht. Es geht tatsächlich um die Kunst.

„Ich hoffe, dass ich niemals zu den langweiligen Erwachsenen gehören werde, die nur noch ihre alte Musik hören, oder noch schlimmer: Die ganze Scheiße, die im Radio läuft!“

(meine Worte, ca. 1997)

Ganz so schlimm ist es natürlich nicht gekommen. Zwar höre ich tatsächlich nicht mehr so intensiv und bewusst Musik wie früher, das Radioprogramm jagt mir aber immer noch einen Schauer über den Rücken. Und bei aller Vorliebe für altes gruseln mich die ganzen Ü30-Parties, bei denen Steinzeit-Dancefloristen auftreten, die ich schon kurz nach der Veröffentlichung ihrer zwei einzigen Hits in die Tonne treten wollte, aus der sie herkamen. Ebenso finde ich – zwar wesentlich seltener als früher, aber eben immerhin manchmal – noch neue Musik, die ich nicht ablehne. So lange es mir gefällt oder objektiv betrachtet neu und/oder mutig ist, hat es meinen Respekt. Und nur weil ich sowas seltener finde, stimme ich keinen Abgesang auf dieses Jahrzehnt an. Die 80er waren schließlich auch gruselig und haben doch eine Reihe meiner Lieblingsinterpreten großgemacht oder zumindest mal sozialisiert.

Nein, das Schlimme mit der Musik ist – und das würde der 16-jährige Möchtegern-Punk nicht verstehen – dass sie mir nicht mehr so wichtig ist. Dass ich sie seltener bewusst höre, dass sie nicht mehr die Wahl Nummer 1 unter den Kunstrichtungen ist.

Ich hab mir diese Gedanken gemacht, als ich heute im Taxi durch Berlin gecruist bin und die Anlage auf „Ohrenputzen“ gestellt hatte. Im CD-Player die Discover my Soul von H-Blockx, meiner Meinung nach im Übrigen eine zu Unrecht verurteilte Band, auch wenn die Songs nicht gerade ein Aushängeschild der Komplexität sind.

„Wann hat sich das das letzte Mal so gut angefühlt, den Song voll aufzudrehen?“

hab ich mich bei „Life is feeling dizzy“ gefragt.

Lange nicht mehr, zugegeben.

Und ich musste mir von dem neugierigen Naseweis aus dem Jahre 1997 die Frage vorhalten lassen, weswegen ich nicht öfter mal die Stereoanlage auf Durchzug stelle.

Mit den Nachbarn brauche ich mich nicht verteidigen. Die hätten eine Abreibung verdient – auch für den ganzen Ehekrach, den ich mir ungefragt anhören muss – und nach all den Jahren in der WG weiß ich auch, dass der erste Besuch der Cops wegen Ruhestörung völlig lächerlich und kostenlos ist.

Des Rätsels Lösung ist viel einfacher: Es stört mich selbst. Musik ist eine erstklassige Geschichte, um sich – wenn möglich unter dem Einfluss diverser Drogen – zurückzulehnen und sich ganz und gar seinen Gefühlen zu überlassen. Diese Momente waren zahlreich in meinem Leben und ich habe sie nicht gänzlich abgehakt. Aber darüber hinaus hab ich so viel mehr gefunden im Lesen und Schreiben.
Ich bin nicht multitaskingfähig. Zumindest nicht grenzenlos. Einen Zeitungsartikel überfliege ich auch mal kurz bei Musik im Hintergrund. Volle Power gute Musik und gleichzeitig gute Texte lesen oder schreiben ist aber nicht drin. Und deswegen trat die Musik zurück. 1997 hatte ich nach der Ausgabe des Spiegels jede Woche und ein paar Kleinigkeiten den Kopf frei für Musik. So schön das war, so wenig betrübt mich die Tatsache, dass mich heute rund um die Uhr das Internet mit seinen zahlreichen kreativen Schreibern umwirbt und mir zudem die Möglichkeit gibt, meine eigenen Worte hundert-, ja, tausendfach unter die Leute zu bringen. Musik lenkt mich da oft ab, Musik unterfordert mich. Immer möchte ich nebenher etwas anderes machen. Lesen oder schreiben z.B., doch ich kann es nicht.

Musikern wird es umgekehrt ähnlich mit der Literatur ergehen.

Und auch wenn die Musik zunächst näher am Herzen scheint, ist es kein schlechter Tausch für mich gewesen. Immerhin setzt die Fokussierung auf das geschriebene Wort bei mir ungleich mehr kreatives Potenzial frei – etwas, das bei meiner Begabung im musikalischen Bereich nur sehr schlecht aufgehoben wäre …

Und weniger Freude an der Kunst kann ich mir nicht vorwerfen lassen. Liebenswerterweise wurde mir z.B. das Buch zur „Make good Art“-Rede von Neil Gaiman als Geschenk von meiner Wunschliste zugesandt, ein in meinen Augen wortgewaltiges Meisterwerk (hier als Video eingebettet), das mich jetzt umso mehr erfreut, wo ich es – neben dem Bett liegend – immer wieder hervorkramen und darin stöbern kann (Obwohl ich so langsam auf das Level komme, den Text auswendig zu können).
Neben so vielem anderen ebenfalls empfehlen könnte ich die zwar in die Jahre gekommenen, deswegen aber fast noch überraschenderen „Sterntagebücher“ von Stanislaw Lem, ein Buch, das die faszinierende Eigenschaft hat, umso witziger zu werden, je intelligenter und belesener man ist. Mir selbst – bislang allenfalls im Mittelfeld der Skala angeordnet – hat es mehr Spaß gemacht als das ein oder andere Konzert, das mein 16-jähriges Ich nicht missen wollen würde.

So gesehen lächele ich heute ein wenig über mein altes (junges) Ich – wie so ein drecksreaktionäres Arschloch damals.

Der Unterschied ist: Ich tue das nicht aus Gehässigkeit oder weil ich mich jetzt für einen besseren Menschen halte. Ich habe inzwischen, anderthalb Jahrzehnte später, andere Interessen. Und das ist wohl völlig normal. Ich möchte ebensowenig wieder 16 sein wie der Typ damals gerne 31 gewesen wäre. So ist das Leben.

Mein heutiges Ich hat dann aber doch einen Vorteil: Es hat sowohl auf Konzerten Stiefel in die Fresse bekommen, als auch ehrfürchtig vor schönen Worten geweint. Das betrachtend bin ich gespannt, was mein 46-jähriges Ich dereinst übers Bloggen und meine aktuellen Bücher denken wird.

Aber bevor ich mich da hineinsteigere, höre ich ein wenig Musik. Die H-Blockx-CD müsste hier irgendwo liegen …

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Wasser marsch!

Da habe ich ja nicht schlecht gestaunt am Morgen des vergangenen Montages:

Neue Zimmerverzierung. Quelle: Nachbar

Neue Zimmerverzierung. Quelle: Nachbar

Gut, da kam also Wasser auf zwei Metern Breite durch Decke, Wand, wie auch immer. Das ist nicht unbedingt schön (sieht man ja am Bild), aber auch nicht lebensbedrohend. Zumal die Wände in den Plattenbauten hier ja im Grunde aus genau zwei Bestandteilen bestehen: Beton und Tapete. Da sind die schädlichen Auswirkungen von Wasser schon einmal ziemlich begrenzt auf das, was man hier sieht: Die Tapete.

Und, mal ganz ehrlich: Das Zimmer hier wurde zuletzt vor mehr als 5 Jahren gestrichen. In einem Raucherhaushalt. Dafür ist es zwar noch erschreckend weiß, aber man sollte das trotzdem mit ein wenig Vernunft betrachten: Alles halb so wild!

Zu Beginn hab ich das natürlich anders gesehen. Ich hatte keine Ahnung, wie frisch das ist und zudem die Befürchtung, dass da eventuell noch mehr nachkommen könnte. Was weiß ich schon, was die Nachbarn über uns in ihrer Wohnung anstellen. Den Geräuschen nach finden da auch täglich Elefantenrennen statt und für den Fall, dass einer der Elefanten dort gerade ins Eck pinkelte, wollte ich doch mal besser Bescheid sagen, um das zu unterbinden.

Gepasst hat mir das nicht. Eas war 8 Uhr morgens und ich wollte ohnehin lange schlafen. Um 14.45 Uhr hatte ich einen Arzttermin, danach war Stammtisch bei meinen Chefs angesagt. Ich konnte mir also zweifelsohne besseres vorstellen, als jetzt noch ein paar Stunden rastlos wie eine angefixte Meersau durch die Wohnung zu rennen. Vor allem, weil mein Zimmer aussah, als hätte dort eine angesoffene Horde Zyklopen die letzten Jahrzehnte Party gefeiert.
Was zunächst unwichtig erscheint, gewinnt seine Brisanz dadurch, dass der ein oder andere im Falle eines Wasserschadens vielleicht gerne mal das Zimmer betreten würde, um das Ausmaß zu erfassen.

Also bin ich zunächst zum Nachbarn emporgestiegen und traf dort auf einen mir unbekannt vorkommenden Mittdreißiger in himmelblauem Sweatshirt. War wohl Tag der kosmischen Prüfungen oder so. Dieser an sich nette Herr zeigte sich für mein Verständnis ein wenig zu desinteressiert – wobei ich auch niemals Anstalten unternommen hätte, selbst in die Wohnung zu gelangen, um nachzusehen. Dazu ist mir diese Privatsphäre viel zu heilig.
Sein offenbar vorgeschobenes Interesse an meinen Ausführungen reichte mir, mir ging es ja nur darum, ggf. den Elefanten ins nächste Zimmer zu schieben. Er versprach, sich wieder zu melden.

(„Wir melden uns“ … haha, den Witz hätte ich als Twitterer verstehen müssen!)

Zwei Stunden später hab ich den Hausmeister angerufen. Der versprach – sehr sympathisch – sich umgehend aufs Fahrrad zu schwingen, um sich die Sache mal anzusehen. Bis dahin hatte ich die Partyüberreste nebst den verendeten Zyklopen auch beseitigt und war am Ende wenig überrascht von der Tatsache, dass er sich das alles nicht erklären konnte, weil in dem Bereich der Wohnung keinerlei Leitungen entlang liefen. (Ich sag ja: Beton und Tapete!)

Der Hausmeister traf den Nachbarn allerdings nicht mehr an, die Wohnung blieb stumm. Tolle Wurst! Gut, immerhin schien kein Wasser mehr nachzufließen, der Schaden blieb konstant. Aber mal ehrlich: Da fließt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Wasser aus der eigenen Wohnung in die des Nachbarn. Und die sagen: „Wir melden uns!“ und gehen dann arbeiten, spazieren, grillen oder was weiß ich? Ohne irgendeine Rückmeldung?

Nee, also vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus!

Das mit dem Wasser ist wirklich nur eine kosmetische Sache. Wenn es geht, überreden wir die Wohungsbaugesellschaft, das selbst zu überstreichen. Aber was die Nachbarn angeht, überlege ich mir dann doch, ob die nicht vielleicht hier und da Lust auf Polizeiunterstützung bei ihren Ehestreitigkeiten haben …

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Drossel komm raus!

Auch wenn die Spatzen die Geschichte der Drossel schon von allen Dächern pfeifen: Der Vollständigkeit halber sei auch hier noch einmal erwähnt, dass man sich an der Petition für die Einführung eines Gesetzes zur Netzneutralität beteiligen sollte.

Das kann man hier auf der Seite des Bundestages tun.

Allen nicht so ganz mit der Netzpolitik vertrauten Lesern sei insbesondere dieser Artikel von Thomas Knüwer auf seinem stets lesenswerten Blog „Indiskretion Ehrensache“ empfohlen. Selbstverständlich arbeitet sich auch netzpolitik.org immer wieder ausführlich am Thema ab und auch einige andere Blogger (stellvertretend verlinke ich hier gerne Jörn) haben ihren Senf dazu ins Netz geschrieben.

Warum ich jetzt auch noch? Weil es wichtig ist!

Sicher, vordergründig geht es erst einmal nur um ein neues Tarifmodell der Telekom. Darüber kann man sich als Kunde vielleicht ärgern – schließlich wird’s eher teurer als billiger – aber gesellschaftlich gesehen könnte es doch kaum etwas irrelevanteres geben, oder?
Stimmt. Oben genannte Petition richtet sich entsprechend auch nicht gegen eine wie bekloppt auch immer daherkommende Preispolitik eines einzelnen Providers. Die sollen schön ihre Kunden mit dummen Tarifen vertreiben dürfen, alles kein Problem!

Wichtiger als die Abschaffung der Flatrate und eventuelle Mehrkosten für Vielnutzer ist bei den Telekom-Plänen nämlich das, was unter dem schönen Namen Netzneutralität jetzt ebenfalls der Abschaffung harrt. Bei der Telekom soll sich das zunächst so zeigen, dass man seine 75 bis ein paar hundert Gigabyte Datentransfer frei hat, spezielle telekom-eigene Dienste (z.B. im Rahmen ihrer T-Entertain-Pakete) nicht darauf angerechnet werden. Das aber ist nicht mal eben ein lustiger kleiner Marketinggag fürs eigene Programm, sondern bedeutet zum einen natürlich, dass fleißig geschnüffelt werden muss, woher die Daten kommen. Darüber hinaus kann sich die Telekom, so sie das Modell erst einmal eingeführt hat, natürlich von anderen Anbietern (z.B. Youtube) gut dafür bezahlen lassen, dass deren Webangebote auch weiterhin genutzt werden können. Das klingt so lange noch immer nach einem harmlosen Scherz, bis man sich mal vorstellt, dass kleinere Unternehmen keine Chance hätten, so einen Deal auszuhandeln. Oder Konkurrenzangebote zur Telekom, die selbige vielleicht überhaupt nicht haben will – ungeachtet des Preises.

In letzter Zeit wird die Netzneutralität immer öfter verletzt. Verschiedene Anbieter bremsen z.B. Filesharing-Angebote massiv aus und im mobilen Internet ist schon heute nicht mehr alles möglich. Anbieter wie Vodafone verbieten beispielsweise die Nutzung von Skype und Chats, so dass man gefälligst für Telefongespräche und SMS zahlt, die man sonst nicht bräuchte.

Die Einzelfälle sind aus rein wirtschaftlicher Sicht teilweise verständlich. Alles in allem gefährdet diese Verletzung der Netzneutralität jedoch das Internet als freies Medium insgesamt. Deswegen ist wirklich wichtig, dass diesem Treiben ein Riegel vorgeschoben wird. Deshalb ist es wichtig, die Online-Petition mitzuzeichnen und darauf zu hoffen, dass die Garantie der Netzneutralität alsbald Gesetzescharakter bekommt.

Auch wenn man sich vielleicht zunächst nicht betroffen fühlt: Fällt die Netzneutralität flächendeckend, könnte das bedeuten, dass unser Anbieter uns irgendwann e-Mails blockt, weil er ein Agreement mit der deutschen Post hat. Wir könnten vielleicht nur noch gegen Aufpreis zu Twitter, weil Facebook den Deal mit Vodafone hat – und unseren Freunden Links zu schicken, kann man sich auch sparen, weil man nicht sicher wüsste, ob die gerade noch die technische Möglichkeit haben, sich diese Seite anzuschauen. Es steht wirklich das Internet, wie wir es kennen, wie es uns hilft, wie es wichtig geworden ist, auf dem Spiel. Nicht bloß der Geldbeutel von Telekom-Kunden.

Deswegen: Mitzeichnen!

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Überraschungen

Man wird im Leben oft genug überrascht, viel zu selten natürlich positiv. Das aber kann ich für meinen Teil nun mal ausnahmsweise verkünden. Nachdem meine Oma vor einem Monat gestorben ist, war die Zeit lange von Beerdigung und diesen und jenen Kleinigkeiten bestimmt. Ich würde gerne schreiben, dass die Trauer einen wichtigen Raum eingenommen hat – aber im Gegenzug zum Tod meiner Mutter vor dreieinhalb Jahren kann ich das nicht wirklich behaupten. Die Trauer um den Verlust meiner Oma hat sich in den letzten Jahren hier und da eingeschlichen, in denen sie immer mehr und mehr ihres Lebens an die Demenz verlor, zusätzlich gebeutelt durch Krebs und das ein oder andere Altersleiden kleineren Ausmaßes.
Ich war mir bei dieser Behauptung immer unsicher, aber jetzt, da es soweit war, konnte ich tatsächlich sagen, dass in diesem Fall der Tod die vielbeschworene Erlösung war und ich zumindest versucht habe, ihr das zu gönnen. Gerade weil sie in ihrem Leben viel für mich und andere getan hat, war es schön zu wissen, dass ihr zunehmendes Leiden nun ein Ende gefunden hat. Und ich hoffe sehr, dass es bei mir dereinst schneller gehen wird.

Aber selbstverständlich war der Tod meiner Oma nicht wirklich eine positive Überraschung. Ich mag ja bisweilen überpragmatisch sein, aber ganz so schlimm ist es um mich dann doch nicht bestellt. Ein Tod ist aufgrund seiner Endgültigkeit natürlich immer irgendwie tragisch.

Da ich die ganzem Ereignisse von Berlin aus mit einer gewissen Distanz betrachten muss, war ich nun aber tatsächlich dahingehend überrascht, dass wohl tatsächlich noch ein Erbe anfällt. Dass ein gewisses Vermögen vorhanden war, war mir zwar bekannt – allerdings haben Heim und sonstige Kosten im Laufe der Jahre dann doch an all dem genagt, so dass ich fast schon erwartet hatte, am Ende sogar noch die ein oder andere Rechnung zu begleichen, bzw. dass allenfalls ein Taschengeld übrig bleiben würde. Das allerdings scheint nicht zu stimmen.

Nachdem ich nun den Abschlussbericht ihrer Betreuerin gelesen – und dabei zufrieden festgestellt habe, dass offenbar wirklich allen Aufgaben Sorge getragen wurde – scheint doch selbst nach Begleichung der Beerdigungskosten und der Grabpflege für die nächsten Jahre ein in meinen Augen stattlicher Betrag übrig zu bleiben. Zwar ist bis jetzt vieles bezüglich weiterer Kosten und der Verteilung des Erbes noch unklar, aber rein nach den gesetzlichen Regelungen könnte es sein, dass ich demnächst einen Betrag erhalte, der immerhin mehrere Monatslöhne umfasst. Nichts, was einen große Sprünge machen lässt, doch aber eine erhebliche Erleichterung für jemanden wie mich, der nach wie vor ein festes monatliches Budget für Schuldenrückzahlungen hat (die sich dadurch aber vermutlich wirklich mal erledigt hätten).

In Anbetracht der Umstände kann ich mich darüber wirklich sehr freuen. Neben der traurigen Tatsache, dass ich meiner Oma dafür nicht mehr danken kann, bedauere ich vor allem die Pfleger und Zivis bei ihr im Heim. Denn so wie ich sie gekannt habe, wäre das Geld sonst im Laufe der Zeit bei ihnen gelandet – und das nicht zu unrecht.

Deswegen ist das gerade alles nur unverhofftes Glück für mich. Aber diesbezüglich hat meine Oma es schon früher immer voll rausgehabt, ich war ein Narr zu glauben, dass sich das mit ihrem Tod ändern würde.

Bleibt nur noch das eine – wie bei allen Verstorbenen zu selten gesagte – Wort übrig:

Danke!

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Eingetütet

Ich weiß, ich schreibe ein bisschen viel über Zahnarztbesuche im letzten halben Jahr. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, schließlich habe ich ein bis zwei davon monatlich. Wem das trotzdem auf den Keks geht, der kann sich jetzt ein wenig freuen – obwohl es schon wieder darum geht. Denn: Ein großer Teil davon ist abgeschlossen.

Gestern morgen war mein letzter Besuch auf hoffentlich lange Zeit beim Kieferchirurgen. Nach der Aktion letzte Woche stand nun noch das Ziehen der Fäden an und das war mit grob geschätzten 40 Sekunden im Behandlungszimmer der wohl kürzeste Zahnarzt-Besuch aller Zeiten. Was das angeht, setzt der sehr sympathische junge Mann dort wirklich Maßstäbe. Egal, was gerade ansteht: Sobald er im Raum ist, erfolgt keine halbe Minute später die Behandlung. Ob es nun nur ums Fädenziehen geht, das Setzen von Betäubungsspritzen oder gar die Extraktion von – wie bei mir zuletzt – sechs Zähnen. Chef ist da da – es geht los!

Ich glaube, vielen Leuten würde das nicht behagen – ich als Schisser und Weichei finde es klasse. Bevor man auch nur auf die Idee kommt, Panik zu schieben, ist man schon mittendrin. Im heutigen Fall war es so schnell vorbei, wie es angefangen hat:

„Setzen Sie sich doch hin und Mund auf, aha, sieht gut aus, Achtung, dass zieht jetzt kurz, aha, aha, oh, aha, so, das war es schon. Das war dann wahrscheinlich der letzte Termin hier, warten Sie bitte draußen noch kurz, wir geben ihnen noch einen Brief mit.“

Bei den „aha“ hat er Luft geholt, glaube ich.

Das Ganze wäre keine absurde Posse meines Alltags, wenn es das gewesen wäre. Denn ich, treudoof und wie jedes Mal angenehm beeindruckt – setze mich und warte. Auch am Tresen sind sie in dieser Praxis regelmäßig schnell. Doch Patient um Patient wird vor mir reingewunken.
Nach vielleicht 25 Minuten gehe ich mal zu den Herlfern und frage nach, ob sie meinen Brief vielleicht vergessen haben. Ist nicht böse gemeint, nur weil sie sonst doch so schnell sind …

„Der Brief? Ach. Den hab ich doch schon eingetütet. Den schicken wir doch …“

„Aber es hieß, ich solle warten.“

„Oh. Hmm. Blöd. Wollen Sie ihn gleich mitnehmen?“

„Nö, schicken Sie ihn ruhig wie geplant. Dann vergess‘ ich das schon nicht.“ 🙂

Zugegeben: Wenn der Termin schon nur 40 Sekunden (mit Wartezeit viereinhalb Minuten) dauert, wartet man ungern eine halbe Stunde umsonst. Bei meinem Zahnarzt in Stuttgart waren jedoch trotz Termin anderthalb Stunden Vorlauf keine Seltenheit. Und Fehler passieren sowieso immer mal wieder. So gesehen hab ich mich da trotzdem sehr gut aufgehoben gefühlt und bereue es auf eine sehr komische Art und Weise sogar, dass ich nun das letzte Mal da war.

Im Nachhinein bleibt also nur zu sagen, dass es echt eine gute Praxis ist, auch wenn ich froh bin, es hinter mir zu haben. Ehrlich.

Praxis Dr. Fischer und Dr. Schüler
Mehrower Allee 34
12687 Berlin

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Echt jetzt, liebe Polizei?

Ich hab es in den Social Networks schon weitgehend geteilt. Aber auch hier nochmal:

Es geht um den Text hinter diesem Link: Durchsuchungsmaßnahmen bei Rechtsextremisten

Um es von vornherein klarzustellen: Ich wünsche mir kaum etwas mehr als das Verschwinden von Nazis und ich bedauere es sehr, dass deren Weltbild gemeinhin keinen Anlass zu einem Massensuizid beinhaltet.
Aber ich finde es eine arg fragwürdige Auslegung des Rechtsstaates, wegen ein paar geklebten Spuckis eine Hausdurchsuchung inkl. Beschlagnahmung von Computern vorzunehmen.
Sicher, ich finde es irgendwie lustig, dass es Nazis passiert. Aber die Vorstellung, dass das gängige Praxis bei der Ermittlung von Leuten wird, die Aufkleber (!) auf der Straße anbringen, lässt mich mehr vor dem Staat erschaudern als vor ein paar rechten Dumpfbacken. 🙁

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