Gipfeltreffen

„Österreich? Nee, is‘ klar!“

Als ich von meinem Ex-Mitbewohner die Einladung zu seinem Geburtstag erhalten habe, dachte ich auch umgehend, er hätte wohl einen an der Klatsche. Wohl wahr, im Laufe der Jahre hat sich der Freundeskreis über verschiedene Städte, Länder, mitunter über Kontinente verteilt. Aber Österreich?

Und wäre es wenigstens Wien gewesen! Dort hätte ich zumindest endlich mal meinen guten Freund Alex besuchen können.

Aber es musste ja eine Berghütte sein. Im Zillertal, na klar! Ich bin ja sparsam mit Reisen. Das liegt in meiner Sparsamkeit bei der Arbeit begründet, die wiederum zu einer Sparsamkeit beim Geld führt. Aber auch zu einer Sparsamkeit an Urlaub – den braucht man schließlich nur, wenn man sich überarbeitet.

Da ich aber in unregelmäßigen Abständen durchaus Lust verspüre, mein Einsiedlerleben zu verlassen, hatte ich das mit der Fahrt in den hohen Süden schnell mal geplant. Bei der Bahn völlig unkompliziert ein paar günstige Tickets ergattert, mit dem Schwob ein Unterwegs-Treff-System aufgebaut, das ziemlich optimistisch war – und dann gewartet.

Es war ja nun nicht irgendwer und irgendwas. Ausgerechnet Felix, seines Zeichens Mitinhaber der „besseren Hälfte“ der WG, mit mir vor neuneinhalb Jahren zusammen in eine 34m²-Bude geworfen ohne dass wir uns kannten, feierte seinen dreißigsten. Schon schlimm, insbesondere eingedenk der Tatsache, dass ich selbst ja noch älter bin. Sicher mit dabei waren von Beginn an einige mir bekannte Leute, darunter auch ein paar, die ihren Namen hier nicht lesen wollen.

Das Wochenende gliederte sich in drei Hauptbausteine: ein Drittel Zugfahrt, ein Drittel Essenszubereitung und ein Drittel Feiern. Der Schlaf ging überwiegend von der Zugfahrt ab. Am Freitag startete ich ohne Nachtschlaf und frohen Mutes mit überfüllter Reisetasche um 5:50 Uhr mit der S-Bahn von Marzahn aus. Keine 10 Stunden später traf ich im tiefsten Bayern auf den Schwob samt besserer Hälfte. Die im Großen und Ganzen problemlose Anreise endete irgendwann am späten Nachmittag nach einem Einkauf mit der Erkenntnis, dass es zumindest mal schon Zeit für ein Radler wäre.
Die Hütte, Baujahr 1830, wies hier und da erkennbare Anzeichen der Neuzeit auf (Strom, Stereoanlage, Sauna, Dusche), das Essen jedoch wurde z.B. noch mit echtem Feuer zubereitet. Ansonsten war es nach den neuesten Erkenntnissen der Medizin eingerichtet – so waren die Betten beispielsweise länger als die Türen hoch – man weiß ja, dass der Mensch im Laufe des Tages in sich zusammensackt.

A prospos zusammensacken: Einer noch einzuführenden Norm nach waren auch unter fast jedem niedrigen Balken Betten installiert, so dass unvermeidliche Stürze nach Kopfstößen in den meisten Fällen sanft aufgefangen wurden.

Im Ernst: Was für eine geile Hütte! Locker die Hälfte der Bodenfläche war mit Schlafplätzen ausgestattet, selbst über der Küchenzeile waren Betten eingelassen. Auf sehr optimistisch geschätzten 100m² Wohnfläche fanden sich um die 25 bis 30 Schlafplätze und ebenso viele Sitzgelegenheiten. Das ganze zu einem Preis, den man anderswo für ein Hotelzimmer für zwei Personen mit Dusche auf dem Gang bezahlt. Wir jedenfalls waren zufrieden. Ich selbst habe mir im Übrigen nur einmal den Kopf gestoßen, was vermutlich am Training liegt. Schließlich ducke ich mich auch, wenn ich mein eigenes Zimmer zu Hause verlasse.

An einer angemessenen Partybeschreibung sind meines Wissens nach noch alle Autoren gescheitert, auch ich habe das erst für ein sehr spätes Werk meiner schriftstellerischen Laufbahn geplant, so gesehen unterlasse ich das hier. Es mangelte jedenfalls nicht an gutem Essen, alkoholischen Getränken, Kampfkuscheln, ernsten und nicht ganz so ernsten Diskussionen, lauter Musik und verschiedenen Tanzstilen. Da die Protaginisten unseres gruppendynamischen Stelldicheins überwiegend jenseits der mittleren Zwanziger war, konnten sogar alle Anwesenden sang- und klanglos akzeptieren und mitfeiern, wenn mal die Musikrichtung wechselte. Und so ein Electropunkhiphopraggapop-Wochenende hat durchaus seinen ganz eigenen Charme.

Sicher, die Hütte hielt nur, weil in den ersten 140 Jahren seit Einbau der Deckenbalken das Pogotanzen noch nicht erfunden war, aber ganz durch haben auch wir sie nicht gekriegt. Mein erster Abend endete irgendwo bei 30 bis 35 Stunden nach dem Aufstehen, die Helligkeit kroch bereits langsam die nebligen Bergrücken hoch, im Mund hatte ich irgendwas zu essen, das an eine Schuhsohle erinnerte, wahrscheinlich aber auch nicht mehr zum essen gedacht war.

Trotz nicht abschließbarer Klotüren hielten nicht etwa Sittenverrohung und Exhibitionismus Einzug, auch als offenbar einziger Verheirateter in dem irren Haufen fürchte ich jedenfalls keine Skandalenthüllungen in den nächsten Tagen, wenn so langsam die Fotos online sein werden. Im Gegenteil: Der Samstag begann mit dem jeweiligen Anti-Kater-Ritual aller Beteiligten, egal ob es sich dabei um Bergwanderungen, Kopfschmerztabletten, Konterbiertrinken oder kalt duschen handelte. Zu guter Letzt wuselten die meisten fleißig – oder zumindest gefräßig – durch die hervorragend bestückte Küche, das Ganze gipfelte in etwas, das friedlicher war als das, was ich gemeinhin als Familienfrühstück kenne.

Während die nicht völlig zerstörte Fraktion den Samstag weitgehend mit der bergauf führenden Suche nach der Schneegrenze verbrachte, stand an der Hütte alles im Zeichen der Pizza. Der besonders engagierte und kreative Teil unserer Gruppe startete mehr oder minder spontan den Bau eines Steinofens, was nicht nur im handwerklichen Bereich Folgen hatte. Schließlich hatten wir auch noch grob geschätzte zwei bis drei Kilo Grillfleisch, eine runde Tonne Salat und einiges an Beiwerk zu verzehren. Dennoch wurde der Bau und Betrieb des Ofens – der clevererweise direkt unter dem Abfluss der Regenrinne platziert wurde – in den Einkaufsplan mit einbezogen.
Mit Mitteln zweiter Wahl („Das ist kein Qualitäts-Schlamm hier!“) wurde umherliegendes Material (Grenzsteine von einer nahegelegenen Straße z.B.) verarbeitet und keine sechs Stunden nach Baubeginn wurde die erste Pizza gemeinsam mit dem ersten Radler des Tages verspeist.

Wirkte die Runde in Anbetracht der kulinarischen Herausforderungen noch etwas müde, wendete sich das Blatt im Laufe der späten Abendstunden spürbar. Zwar lag ausgerechnet das Geburtstagskind in diesen Stunden eine Weile flach („Ich hab noch nie so oft hintereinander gekotzt!“), aber nach der an eine Totenmesse erinnernden Geschenkübergabe am Bett wurde fleißig weiter Pegelsport betrieben, was nicht zuletzt unserem argentinischen Barkeeper zu verdanken war, der auch gerne mal Hand an den Lichtschalter legte, um als Low-Budget-Strobo das letzte aus der Location rauszuholen. Die Balken bogen sich im wahrsten Sinne des Wortes, ein Ende war kaum abzusehen und der Übergang in den Abreisemorgen war fließend.

Zwischendurch tauchte noch der Vermieter der Hütte auf, ein Mann in den frühen Fünfzigern, der zunächst nicht so recht begeistert ob der Tatsache erschien, dass vor seiner Hütte nun ein Pizzaofen stand. In Anbetracht dessen, dass wir im Grunde aber den Feuerschutz mehr als nur ausreichend beachteten, drückte er demonstrativ zwei Augen zu und gestand, dass das in einer „etwas professionelleren Form“ durchaus eine Aufwertung der Hütte wäre. Aus der kurzen Einholung von Unterschriften wurde dann ein halbstündiges angenehmes Gespräch („Oha, eine sehr nette Gruppe!“), das uns letztmalig bestätigte, dass wir dort genau richtig waren.

Der Aufbruch am Morgen war wie immer bei solchen Parties zu hektisch, zu nervig, in Anbetracht des Erlebten zu traurig, ganz ehrlich. Aber manche Dinge lassen sich nicht vermeiden oder aufschieben – und so war um 13 Uhr Schluss mit Lustig. Die Autos wurden beladen, der Müll eingesammelt, größer kann eine Ernüchterung nicht sein.

Der Schwob, seine Begleitung und ich mussten uns noch ein paar Stunden bis zur Zugabfahrt in Jenbach die Zeit vertreiben – was uns in einer netten Pizzeria mit angeschlossener Konditorei bei einem opulentem Mahl inklusive selbstgemachtem Eis recht leicht fiel. Dass ich an diesem Wochenende dennoch rund zwei Kilogramm Gewicht verloren hab, lässt mich über mein restliches Leben nachdenkend zurück.

Meine Heimfahrt war – dem Gelbeutel geschuldet – ein bisschen langwierig. Direktverbindung konnte man das kaum nennen, auch wenn es mit dreimaligem Umsteigen eigentlich einer der besten Wege hätte sein müssen. Selbst von Jenbach aus waren es noch zwölf Stunden, davon nur anderthalb zum Umsteigen. Wenngleich ich trotz des heftigen Samstags keinen Kater vermelden konnte, mag der ein oder andere mich bemitleiden ob des Zustands, den ich hatte, als ich am Montagmorgen um 7.45 Uhr die Tür hinter mir wieder schloss und die Welt erst einmal Welt sein ließ. Aber wenn es ein Fazit gäbe, dann würde es lauten:

Es hat gerockt! Jederzeit wieder!

4 Comments

Filed under Bilder, Vermischtes

Die erste Durchsuchung

„Aha!“

rief der Beamte in bestimmendem Tonfall. Das war der Zeitpunkt, an dem ich bereit war, von allen irdischen Qualen erlöst zu werden. Ganz gleich, ob ich nun erst 14 Jahre auf diesem Planeten verbracht hatte.

Ich drücke mich gerade ein wenig vor dem Weiterschreiben am Buch und hab beim Durchsehen älterer Blogeinträge bemerkt, dass ich euch noch eine Anekdote aus meiner Vergangenheit schuldig bin: Die Geschichte meiner ersten Durchsuchung durch die Polizei. Vorhang auf!

Es war ein mittelprächtiger Tag mit mittelprächtigem Wetter. Die Wolken über Stuttgart wirkten auf den ersten Blick finster, aber es regnete nicht. Der Unterricht endete für mich bereits nach der fünften Stunde – leider war nachmittags noch Sport angesetzt. Immerhin hatten wir dieses Jahr Sport beim Kolb, der gab auch fürs Bemühen ansehnliche Noten.
Wie so oft in der Mittagspause trieb es mich und einen meiner besten Freunde zum Gül. Der Laden war es gewesen, der uns damals in das Geheimnis des Döners eingewiesen hat, hier haben wir gelernt, was „mit Scharf“ bedeutet. Döner war damals wirklich noch sowas wie das nächste große Ding, und wir waren voll dabei. Natürlich MIT Pepperoni und MIT „Scharf“, wir waren ja keine Kinder mehr!

Den Fladen haben wir gleich vor Ort verzehrt, wichtiger war uns an diesem Tag eigentlich vor allem die zweite Station während unserer Mittagspause.

„Schweinkram!“

sagte der Beamte und tastete mich weiter ab. Natürlich haben sie nichts gefunden. Von Drogen waren wir beide mehr als nur weit genug entfernt. Wir hatten ja nicht einmal den Hauch einer Ahnung, dass hier am Olgaeck gedealt wurde. Wir hatten ein paar Wochen zuvor mal ein bisschen Schnaps aus dem elterlichen Geheimversteck meines Kumpels probiert, das war alles.
Aber wegen Drogen filzten uns die beiden nun und das war definitiv das letzte, was wir erwartet hatten.

Unsere zweite Station war der Zeitungskiosk gewesen, wo ich unter Zuhilfenahme größtmöglichen Mutes eine Pornozeitschrift für uns Naseweise erworben hatte. Man konnte mit 14 ja einiges tun, bei den Kenntnissen um den weiblichen Körperbau ins Hintertreffen zu geraten, ging natürlich nicht. So peinlich es auch war, so sehr hatte es dann doch irgendwie mit Bildung zu tun. Und mit Spannung, also zumindest im Schrittbereich.

Aber kaum, dass wir uns ein paar Treppenstufen hochgeschlichen und unseren Kauf so vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen hatten, trat die Staatsmacht auf und forderte von uns, die Taschen zu entleeren. Nach der zögerlichen Preisgabe des Heftes wünschte ich mich umgehend an einen schöneren Ort, vielleicht in eine Matheklausur?

Natürlich war das Ganze recht schnell überstanden, aber wer mit 14 von der Polizei ob seiner Lesegewohnheiten getadelt wird, muss wahrscheinlich eine kritische Haltung zu diesem Staat entwickeln. Ziehe ich jedenfalls neben der Theorie mit dem gesunden Menschenverstand bis heute als Erklärungsansatz in Betracht.

6 Comments

Filed under Vermischtes

Freiheiten

Sturmfrei!

Wieder einmal stelle ich fest, dass dieses grundsätzliche „Boah, geil!“-Gefühl nicht weichen will, wenn ich mal alleine bin. Inzwischen liegt das wohl vor allem daran, dass es selten geworden ist. Das heißt: Alleine bin ich sehr oft. Schließlich teile ich mit Ozie nur selten einen Schlafrhythmus und so wie ich jetzt am Schreibtisch zum Bloggen sitze, hätte ich das auch jeden zweiten x-beliebigen Tag des vergangenen Jahres tun können – nein, ich hab es sogar getan. Und das umfasst noch nicht einmal den kompletten Zeitraum, seit wir verheiratet sind.

Ja, im Gegensatz zum elterlichen Haushalt hat man halt im eigenen ohnehin ein paar Freiheiten mehr, auch wenn ein Partner anwesend ist. In meinem Fall: alle! Ich kann in meinem Alltag, wenngleich verheiratet, essen wann ich will, schlafen wann ich will, arbeiten wann ich will. Ich kenne nicht das dem ein oder anderen Kollegen verordnete Alkoholverbot, ich sitze am PC, wenn es mir passt … und Ozie umgekehrt natürlich auch. Zugegeben, vielleicht bleibt bei uns im Haushalt öfter mal was liegen als anderswo. Dafür schiebe ich nicht mismutig 12-Stunden-Schichten wie ein Kollege, „weil auf der Straße is‘ immer noch besser als zu Hause.“

Ich weiß, dass ich Glück habe. Die Welt ist voll von selbsternannten Propheten, die Weisheiten über Beziehungen kundtun, bei denen ich umgehend kotzen könnte. Soso, Eifersucht ist was normales, Streiten gehört dazu, die Einschränkungen einer Beziehung tun nunmal weh …
Ich hab längst beschlossen, irgendwann mal einen Ratgeber zu schreiben, in dem derartiges Geplärre nicht vorkommt, weil es Bullshit ist. Es dürfen sich meinetwegen da draußen alle knechten und ärgern wie sie wollen. Ich frage mich nur desöfteren, warum SM als Sexpraktik immer noch ein Nischendasein führt, wo es als Beziehungspraxis doch offenbar Alltag ist in diesem ach so konservativen Land.

Aber wir waren beim Glück, dass ich das nicht kenne und beim sturmfreie Bude haben.

Warum?

Warum freue ich mich immer noch so über ein sturmfreies Wochenende, wo doch der Alltag schon so ganz ohne Gewitter abgeht? Ich bin da auch ein wenig im Dunkeln getappt, hab nun aber eine – wirklich nur für meine Situation gültige – Erklärung gefunden: Musik! Ich kann nachts ohne Kopfhörer beruhigt Musik hören! 🙂

Das liegt natürlich nicht am unterschiedlichen Geschmack – da sind wir uns auch ähnlich, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten – nein, Ozie hat offensichtlich nicht genügend Chaoze-WG-Lautstärken-Sozialisation hinter sich, um zu wissen, dass auch nachts um 3 Uhr gewisse Lautstärken ok sein können. Zumal in einem Haus, in dem ich demnächst einfach mal irgendwelche Leute anquatschen könnte, was sie denn zum Vorwurf ihres Partners sagen, den der gestern, vorgestern, letzte Woche und alleine dreimal im April 2012 formuliert hat.

Ich bin ein wirklich humaner Nachbar geworden und höre kaum laut Musik. Zweimal im Jahr so richtig vielleicht. Ozie hingegen traut sich nachts oft nicht einmal, ihre Nähmaschine anzuschmeißen, was nun wirklich definitiv keiner außerhalb ihres Ateliers mitbekommt. Und da nun der Sound von Wasauchimmer natürlich dennoch zuerst unsere dünnen Holztüren – und dann erst den Beton zu den ständig streitenden Nachbarn mit den offenbar teilweise unehelichen und hyperaktiven Kindern – überwindet, fällt an diesem klitzekleinen Punkt meines Lebens tatsächlich ein bisschen Last von meinen Schultern, wenn Ozie wie jetzt im Urlaub ist.

Darauf genehmige ich mir jetzt erst einmal die Echoes von Pink Floyd. Um 3 Uhr morgens …

PS: Dieser Text wird um einiges amüsanter, wenn man statt „Musik“ die Worte „die Tonspur von Pornos“ einsetzt. Das wäre dann Punkt zwei auf der Liste.

12 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes

Meine Worte

(nur mit zu vielen Ausrufezeichen)

Ich hab den Psiram-Beitrag zur Homöopathie wirklich sehr geschätzt. Ein fantastischer Text, der eigentlich alles sowas von unglaublich haargenau auf den Punkt bringt. Und am Ende fand ich ihn irgendwie unverlinkbar, weil der Autor offenbar eine Schwäche für Ausrufezeichen hatte. Komisch vielleicht, aber so ist das eben, wenn man selbst schreibt und sich die Wahrnehmung dadurch ändert.

Aber ich will mich darüber hinwegsetzen. Der Text ist – Ausrufezeichen hin oder her – einfach nur fantastisch und erklärt bei diesem heute (leider) komplizierten Thema ALLES. Und deswegen bin ich jetzt so frei, den Text doch zu verlinken, auch wenn er mich interpunktionsmäßig irgendwie triggert:

Homöopathie ist Irrtum!

Ich weiß vom ein oder anderen Leser, dass er der Homöopathie nicht grundsätzlich abgeneigt ist. Das ist ok. Ich find’s nicht toll, aber da sind wir wieder mal bei der Sache mit der Toleranz. Ich möchte explizit diese Leser bitten, den Text einfach nur zu lesen. Und mehr noch möchte ich darum bitten, im Anschluss einen Kommentar zu hinterlassen – ABER: Einen Kommentar, der auch nach dem Lesen des Textes noch in irgendeiner Form Sinn gibt – unter Einbeziehung der dort genannten Fakten.

Wer das schafft, der hat meinen Respekt. Alles andere läuft dann wohl unter Idiotie.

12 Comments

Filed under Vermischtes

What’s goin‘ on in there?

Dachte, ich kann doch mal ein kleines Status-Update abliefern. In den letzten Tagen sieht es ja mal wieder ein bisschen so aus, als sei ich extrem schreibfaul geworden. Das ist – natürlich! – nicht der Fall. Aber selbst wenn das so wäre, dann sollte sich niemand Sorgen machen. Jetzt, wo ich das Schreiben langsam aber sicher an einem Punkt praktiziere, an dem es (langsam aber sicher) anfängt, sich zu lohnen, wird mir nämlich auch immer wieder bewusst, dass ich sowas wie freie Tage an und für sich kaum noch kenne. Glücklicherweise deckt sich das damit, dass ich so ganz ohne Schreiben halt auch nicht klarkommen würde. Dadurch, dass das Schreiben sowohl aufwändigste Arbeit als auch liebste Entspannungsmethode geworden ist, befinde ich mich dann doch mehr oder minder in einer, wenn auch kuriosen, Win-Win-Situation. OK, was geht also gerade so?

Gestern war ich zur Abwechslung mal wieder beim Radio. War leider nicht ganz so eindrucksvoll und toll wie das erste Mal, aber es war ok. Nachlesen kann man das drüben bei GNIT, der Link zum Anhören findet sich dort natürlich auch.

Ich kämpfe nebenbei freiwillig – glücklicherweise aber nicht gänzlich unbezahlt – gegen ein für mich als Laien recht aufwändiges Computerproblem bei meinen Chefs. Aber wie immer, wenn ich dort mal etwas mehr zu tun habe, weiß ich sie hinterher mehr zu schätzen als vorher. Arg viel mehr Komplimente kriegen Chefs selten, ohne das dafür Geld geflossen ist, oder? 😉

Ich schreibe am nächsten Buch. Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, nun doch mal „DAS große Projekt“ anzugehen: Die Geschichten aus der WG. Dadurch, dass dieses Mal eine Menge Menschen eine Rolle spielen, die ich ungern so verunglimpfe wie ehemalige Chefs in meinem ersten Buch, schreibe ich das wesentlich freier und mit deutlich fiktionaleren Zügen. Ich bin da bislang nicht sonderlich geübt, aber es wird. Sehr rapide sogar, der erste Entwurf hat bereits jetzt zwei Drittel der Länge von „Papa, ich geh‘ zum Zirkus!“. Das Buch soll allerdings mehr als doppelt so lang werden, es ist also letztlich doch nur ein Anfang. Bei dem Buch weiß ich dann auch noch gar nicht, was daraus werden soll. Vielleicht wieder ein eBook, vielleicht suche ich einen Verlag … selbst BoD würde ich nicht grundsätzlich ausschließen dieses Mal. Aber das werde ich vermutlich erst entscheiden, wenn das Werk halbwegs fertig ist …

Das erste Buch verkauft sich glücklicherweise auch noch – obwohl natürlich auf niedrigem Niveau. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass mich die Zahlen weder enttäuschen, sie aber auch nicht etwa meine kühnsten Erwartungen übertreffen, bleibt wohl zu sagen, dass wir das alles ganz gut eingeschätzt haben und es ok ist soweit. Vielleicht lande ich damit ja wirklich noch in der Gewinnzone. Das wäre für ein Erstlingswerk ohne Verlag doch mal ein Achtungserfolg.

Nebenbei warte ich – dieses Jahr allerdings wesentlich entspannter als letztes – darauf, ob ich eventuell das Arbeitsstipendium der Stadt Berlin kriege. Sollte das tatsächlich klappen (was nach wie vor eher unwahrscheinlich als wahrscheinlich ist), dann könnte ich von heute auf morgen zumindest vorübergehend meinen Traum leben: Taxifahren nur noch am Wochenende, bzw. „wenn ich Lust habe“ und den Rest der Zeit fürs Schreiben aufwenden. So weit weg davon bin ich schon derzeit nicht wirklich, aber mein Finanzstatus beim Online-Banking zeigt immer noch leuchtendes Rot. Es wird weniger, aber von Reichtum brauchen wir die nächsten paar Jahre gewiss nicht reden …

Und wenn mir das alles zu nervig ist, dann nehme ich mir einfach eine Auszeit und spamme Twitter und Facebook voll.

Ansonsten bin ich immer noch glücklich verheiratet und dank Ozies Bemühungen im heimatlichen Floralabor hab ich bereits die ersten Chilis des Jahres verspeist. Zugegeben, das waren unbedeutende Frühstarter der überwinterten Pflanzen, aber in Anbetracht der schlechten Wetterlage sind wir wirklich sehr sehr froh darüber, dass wir überhaupt so viele Chilis retten konnten. Die alten blühen also schon fleißig, zudem wächst aber auch eine schöne Generation neuer Pflanzen und neuer Sorten heran. Überraschenderweise machen sich ausgerechnet die als schwierig geltenden Bhut Jolokia bislang sehr gut. Für diesen Bereich meines Lebens kann ich also nur Bestnoten vergeben. 😀

Ansonsten hoffe ich sehr darauf, dass in den nächsten paar Monaten die Finanzen halbwegs ins Lot kommen, so dass ich mir endlich mal ein neues Handy kaufen kann. Ich mag meines ja, aber inzwischen eiert es doch ziemlich rum. Gerade für myTaxi zum Beispiel ist es nur selten zu gebrauchen. Jetzt wo das Samsung Galaxy S4 rausgekommen ist, hoffe ich auf ein baldiges Schnäppchen beim S3. Aber wie gesagt: Dafür sollte erst einmal das Konto entsprechend vorbereitet sein. Im Gegensatz zu hier kann ich die Zahlen dort leider nicht direkt eintippen – was irgendwie schade ist …

Wenn sich jetzt noch meine ein wenig verschleppte Erkältung endgültig verpisst, dann steht einem guten Start in die warme Jahreszeit aber dennoch nichts so wirklich entgegen. Weiterhin gilt:

„I’m happy I did it like this!“

6 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes

Ostern, ehrlich jetzt?

Ich gebe zu, dass ich ein wenig betrübt bin, weil die Taxi-Umsätze zu Ostern schlimmer sind als im Januar. Aber darüber hinaus waren die letzten Tage einfach auch so mal wieder schwer zu ertragen. Der Tatsache geschuldet, dass die Katholiken derzeit einen neuen und in ihrem Sinne verhaltensauffälligen Papst haben und es zudem mancherorten schneit, schwirren die Nachrichtenmeldungen über das wichtig(st)e Fest der Christen nur so um einen herum.

Und, ganz ehrlich, das stimmt mich traurig.

Wir schreiben das Jahr 2013, idiotischerweise auch noch den Bibelgeschichten wegen. Wir sind ein paar Jahrhunderte über die schlimmsten Verfehlungen der meisten Religionen hinweg, nutzen das Internet – sogar unterwegs – und nehmen gegen die in dieser Jahreszeit grassierende Erkältung wie völlig logisch erklärbar Medikamente unserer Wahl ein. Wir bezeichnen uns als aufgeklärte Menschen, behaupten zumindest aber mal, wenigstens ethisch und moralisch besser zu sein als die Generationen vor uns.

Und feiern Ostern.

Ich hab wirklich nichts gegen lustiges Eiersuchen im Garten für die Kinder und kann auch verstehen, dass man an Feiertagen mal seine Familie sehen will. Und den meisten ist das Osterfest eine nur allzu weltliche Begebenheit ohne tieferen Sinn. Aber noch immer ist es in diesem Land Gesetz, an Karfreitag keine Tanzveranstaltungen zu erlauben.

Weil eine beschissen irrationale Sekte um den Tod eines angeblich übernatürlichen Wesens trauert.

Ich bin für Religionsfreiheit. Ehrlich. Und das zu schreiben, verlangt mir einiges ab – nämlich die Dummheit der Menschen zu akzeptieren. Aber ja, ich gestehe es jedem zu, an Dinge und Personen zu glauben, die objektiv betrachtet Humbug sind. Ich finde das peinlich, lächerlich, traurig und teilweise verachtenswert, aber die Freiheit der Menschen ist mir wichtiger als mein persönliches Empfinden. So gesehen: Viel Spaß mit Ostern!

Im Gegenzug werde ich aber nie akzeptieren können, dass mein Leben beeinflusst werden soll von irgendwelchen Riten, die geistgläubige Irre dummerweise vor ein paar Jahrhunderten als vermeintliche Wahrheit in den unaufgeklärten Köpfen irgendwelcher Idioten platzieren konnten. Dass nach wie vor Gesetze – die zum Wohl aller gemacht sein sollten – einen Unfug stützen, der beloppter ist, als ich es mir je ausmalen könnte. Wir reden hier von Toten, die wieder zum Leben erwachen; von Schwangerschaften ohne Sex; von Geistern und einer Fülle an Dingen, die heute wahrscheinlich heilbar sind …

Versaue ich mit diesem Eintrag jetzt die Stimmung? Oh, Entschuldigung!

Nee, im Ernst: Es rennen eine Menge Bekloppte durch die Welt, aber wenn es um den Glauben geht, dann soll man gefälligst die „Gefühle“ der Gläubigen nicht verletzen. Na Prost Mahlzeit! Hat mich mal wer gefragt, ob ich als Kind mit unwahrer Scheiße vollgesülzt werden wollte? Natürlich nicht. Meine Eltern – obwohl keinen Fatz gläubig – haben mich trotzdem mal besser taufen lassen, damit ich mir nicht versehentlich irgendwelche Jobchancen verbaue. Und ich bin nicht Fünfzehnhunderthastenichtgesehen geboren.

Eine Gruppe psychisch nur begrenzt für zurechnungsfähig zu erklärender Leute verbietet mir und dem Rest der Nation das Tanzen und Feiern. Und unsere Kanzlerin reiht sich ein und findet das alles völlig normal. Nee, is‘ klar!

@FreXxX hat es bei Twitter auf den Punkt gebracht:

„ich frage mich, was an ‚trennung von staat und kirche‘ so schwer zu verstehen ist,“

14 Comments

Filed under Politik, Vermischtes

RSS-Gedöns

Es ist nun schon ein paar Tage her., dass Google verkündet hat, den Reader einzustellen. Eine Entscheidung, bei der ich mich immer noch frage, was der Grund dafür war. Klar, kein Profit, meinetwegen. Andererseits hat Google auch nicht wirklich versucht, dort mit Werbung Profit zu generieren. Eine vorschnelle Für-tot-Erklärung von Feeds? Ehrlich? Ich hab die Tage irgendwo gelesen, dass es immerhin 100 Millionen Nutzer gegeben haben soll – das wären dann 10% von dem, was Facebook hat. Wenn an der Zahl was dran ist, dann müsste das Einstellen des Dienstes ungefähr die größte Kapitulation der Wirtschaftsgeschichte sein.

Aber egal. Wie man an meinen Kontoauszügen schwer ablesen kann, bin ich nicht Google. Irgendeinen Grund werden sie dafür schon haben. Für mich und eine Menge andere Leute ist damit die Frage nach einem brauchbaren Nachfolger aufgeworfen worden. So ein Feed-Reader ist eine verdammt praktische Sache, erlauben diese Dienste es doch, über alles auf dem Laufenden gehalten zu werden, was einem in den Sinn kommt. Allem voran Blogs, aber natürlich auch den Nachrichten und im Falle von Google sogar themenspezifischen Informationen.

Inzwischen ist das Netz voll mit tollen Vorschlägen zu Alternativen. Das Problem ist nur: ich finde keine.

Abgesehen davon, dass ich natürlich ein Gewohnheitstier bin, scheint unter den bekannten Diensten auch einfach nix so super zu sein. Man mag Google ja hassen, aber wie in so vielen Punkten hatten sie es auch mit dem Reader einfach raus. Die meistgenannte Alternative Feedly hab ich jetzt eine Weile lang getestet. Ergebnis: Fucking fancy Bullshit!
Ja, Wahnsinn: Feedly bietet ja so viel mehr als der Reader – alleine das, was die eigentliche Stärke desselben war, kann es nicht: übersichtlich, chronologisch sortiert und ohne dabei an übertriebener Optik bei schmaler Bandbreite einzuknicken Informationen vermitteln. Feedly mag toll sein für designverliebte Leute, die sich gerne Favoriten anlegen, Übersichtsseiten mögen und sich Rosinen aus den Feeds zu picken – ich möchte einfach nur schnell und ohne Firefox-Absturz durch die Texte scrollen können, ohne das dabei irgendwas ausgespart wird. Und hey, bitte: ganz so altmodisch ist das nun auch nicht! Viele Leute nutzen noch nicht einmal überhaupt einen Reader und im digitalen Entwicklungsland Deutschland bin ich mit DSL 2000 (leider) auch keine Randgruppe.

Momentan bin ich dabei, the old reader zu testen, ein Projekt von Leuten, denen schon das letzten Google-Reader-update zu futuristisch war. Nicht unbedingt toll, sich einer Gruppe rückständiger Typen anzuschließen. Unter all den eingesehenen Möglichkeiten leider derzeit meine erste Wahl, denn Darstellung und Bedienbarkeit sind immerhin vertraut.  Leider kriegt man es dort dank dem nunmehr unglaublichen Ansturm durch die Kapitulation des Marktführers nicht hin, die Feeds halbwegs zeitnah auszuliefern. Verdammte Axt!

Der vermutlich naheliegendste Kandidat wäre ansonsten Newsblur, die bieten aber keine vollumfänglichen Gratisaccounts. Ich wäre ja sogar bereit, nach einem Test die paar Dollar für den Dienst zu berappen – will aber weder erst einmal auf News verzichten (bis zu 64 Feeds kann man probeweise umsonst abonnieren), noch völlig unbesehen und ungetestet für etwas zahlen, das andere theoretisch kostenlos anbieten.

Bei Google hab ich mit meinen Daten bezahlt, das ist inzwischen wohl eine gängige Währung im Internet. Und für mich als Post-Privacy-Menschen ein fairer Deal. Gegen (angemessen dosierte) Werbung im Reader hab ich also nix, ehrlich. Gibt es da draußen keinen, dem das reicht?

Ich kann kaum noch aufzählen, was ich in den letzten Tagen alles an Readern angesehen habe. Aber ich wäre froh um einen Tipp von euch. Meine Prioritäten kennt ihr jetzt. Schnell, nicht unnötig fancy und am Besten einfach wäre super. Scheiß auf Vorschaubildchen und blöden App-Kachel-Look! Und bei Desktop-Lösungen hab ich die Einschränkung, dass ich Linux (Ubuntu) nutze. Ideen? Anyone?

18 Comments

Filed under Medien