Neuer PC (3)

Kreatives Chaos. Quelle: Sash

Kreatives Chaos. Quelle: Sash

Tja, nun ist es also soweit: Die Bastelspiele haben begonnen. Oder sie sind – wie man oben sieht – bereits weit fortgeschritten. Eigentlich hätten wir das Teil um die nullte Stunde auch noch schnell fertig zuschrauben können, aber ganz so einfach war es natürlich dann doch nicht. Während Ozie und ich die üblichen Stolpersteine wie eine vernünftige Reihenfolge beim Reinbauen der Komponenten, das Verkabeln oder den jedes Mal barbarischen Akt des Prozessorlüfter-Aufdrückens gut hinter uns gebracht haben, scheiterte es am Ende an einem Stecker.

Meine neue Grafikkarte muss mit zwei 6-Pin-Anschlüssen dem Strom zugeführt werden, allerdings ist nur einer vorhanden. Was kein Problem hätte sein sollen, da – wie man im Internet allerorten hört – „diese Adapter den Grafikkarten eigentlich immer beiliegen“. Tja, eigentlich immer bedeutete in diesem Fall: Hier nicht. Das Drama hält sich in Grenzen, da sowieso erst heute mittag das Windows ankommt, das als erstes OS auf den Rechner muss – und den Adapter gab’s gegen geringe Mehrkosten bei Amazon auch mit Lieferung am heutigen Abend.

Beim Verschrauben haben Ozie – die das meiste Schrauben übernommen hat – und ich schnell festgestellt, dass das wie Fahrradfahren ist: Wenn man PCs mal zusammengebaut hat, dann schafft man’s auch nach Jahren wieder stressfrei, obwohl einige Komponenten inzwischen etwas futuristischer aussehen.

Als nach wie vor Zugereister in diese PC-Dimension muss ich aber noch kurz etwas anderes anmerken: Das Gehäuse!

Nicht, dass Ihr denkt, ich hätte mir irgendein Design-Killer-Gehäuse geholt. Im Gegenteil. Es landete am Ende noch zusätzlich mit auf der Liste, damit ich mir nicht die Mühe machen muss, den alten PC auszuschlachten. Entsprechend hab ich das billigste Teil mehr oder minder unbesehen mit in den Korb geschmissen. Eines von Sharkoon, diesem hier (Amazon-Link) nicht unähnlich. Für 27 €. Und das ist Lichtjahre entfernt von dem, was ich als Billig-Gehäuse-Käufer bisher gewohnt war! Es hat ja schon damit angefangen, dass die eigentlich scharfen Kanten sauber entgratet sind. Dann aber sind die Festplattenslots anstöpselfreundlich um 90 Grad gedreht, es gibt Schnellverschlüsse, die ein Verschrauben unnötig machen, unzählige Möglichkeiten für Lüfteranschlüsse. Alles in allem sauber durchdacht, benutzerfreundlich und noch nicht einmal so hässlich, wie es zum Ausgleich für 27 € einfach mal hätte sein dürfen.

Natürlich hab ich Selten-Gehäuse-Käufer jetzt keine Ahnung, ob ich da mit der Marke einen Glücksgriff gelandet habe oder ob das Niveau inzwischen eigentlich noch viel viel höher liegt. Aber mich hat’s regelrecht begeistert. Und das finde ich, kann man bei so einem Projekt wie einem neuen PC ja auch mal anmerken.

Aber gut. Mit viel Daumendrücken kann ich das Teil ab heute Abend/morgen dann sogar einrichten. Einziger kleiner Wermutstropfen: Ich hab dann einen „superschnellen“ Rechner mit 6Core-Prozessor, 16 GB RAM, System-SSD plus einem Terrabyte Speicher auf HDD und eine 4GB-Grafikkarte – aber ratet mal, was ich nicht habe: ein einziges halbwegs aktuelles PC-Spiel, mit dem ich die Kiste testen kann. Aber irgendwas ist ja immer …

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Neuer PC (2)

Am gestrigen Morgen sind dann die (bis auf die Tastatur) letzten Teile des neuen Rechners angekommen. Anstatt jetzt hier zu schreiben, könnte ich eigentlich … nee, das mache ich in Ruhe, wenn ich Zeit hab.

Naja, als die Teile so eingetrudelt sind, ist dann auch wirklich mein 20-jähriges Ich erwacht und hat sich über so viel Technik-Spielzeug gefreut. Und so ein bisschen WTF-Feeling hat sich auch eingestellt. Spätestens bei der Grafikkarte. Ich meine, ich hab mir schon die Bilder angeschaut von dem Teil, das ich da erworben habe. Wäre ja auch irgendwie doof, keine Grafik von der Grafikkar … ok, ich werde albern.

Nein, dass die Dinger größer und immer aufwändiger gekühlt werden … ist ja klar. Und dass so eine semiaktuelle Grafikkarte mehr Rechenpower hat als meine ersten drei PCs zusammen, weiß ich auch. Und die von mir preis-leistungsmäßig favorisierte R9 380 von Sapphire (Amazon-Link) prahlt ja sogar damit, so gut gekühlt zu werden, dass die Lüfter nur bei Bedarf sehr langsam anlaufen. Aber wenn man Grafikkarten von vor 5 bis 10 Jahren im Kopf hat und dann dieses Monster in der Hand hält: Holy Shit! Das Ding hat die Ausmaße eines halben Ziegelsteins und wiegt auch ein knappes Kilogramm!

Fürs Foto hab ich mal eine alte zum Vergleich daneben gelegt. Ja, meine aktuelle wirkt auch schon opulenter, aber die rechts liegende Karte (eine ATI Radeon X1650 Pro) war vor 10 Jahren gehobener Standard, somit für damals fast vergleichbar mit der jetzt gekauften für heute. Und … nun ja, seht selbst:

"Hey Kleine!" "Mimimi!" Quelle: Sash

„Hey Kleine!“ „Mimimi!“ Quelle: Sash

Tja, Miniaturisierung ist eben auch nur ein Trend von vielen. 😀

Bis ich wirklich mal testen kann, was dieser Koloss so leistet, werden noch ein paar Tage vergehen. Aber bis dahin ist es für mich Zurückgebliebenen auch einfach ein erhabenes Gefühl, ihn in der Hand zu halten und mal wieder etwas neuere Technik zu bewundern. Ich freu mich!

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Neuer PC! \o/

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich hier die Hardware aufgerüstet habe. Wie lange? Da müsste ich nachschlagen. Aber man kann es bequem in Jahren messen. Ich möchte meinem kleinen Rechnerchen kein Unrecht tun, denn es läuft weitestegehend wie es als Office-PC soll, und Spiele wie das nunmehr siebeneinhalb Jahre alte GTA 4 lassen sich damit immerhin noch mit etwa 25 FPS zocken.

Aber realistisch betrachtet wird das alles nicht besser, die Teile werden älter und klingen teils bedenklich und die aktuelle Smartphone-Generation hat mehr Prozessorleistung als mein minibargroßes Monstrum unterm Schreibtisch. Und da das Teil nunmal wichtig für mich ist, wird es demnächst ausgetauscht. Genau genommen habe ich heute die Bestellungen abgeschickt. Yeah! \o/

Bei dem Thema bin ich ja ehrlich gesagt altmodisch. Einen PC stelle ich wie Anno 2000 immer noch aus ausgewählten Einzelkomponenten zusammen und verschraube das Ganze hier zu Hause. Das gehört irgendwie dazu. Der Unterschied zum Jahr 2000 ist, dass es heute nicht mehr die absolut topaktuellen Teile sind, sondern ausgewählte der letzten und vorletzten Generation. Dieses Mal gehe ich sogar soweit runter, dass das Ding explizit nicht zum Aufrüsten gedacht ist – worauf ich bisher immer größten Wert gelegt hatte. Mit Superlativen protzen kann ich so gesehen kein Bisschen, ich könnte eher Mitleid erregen mit dem, was bisher hier so unter der Haube werkelt. Ich sage nur Dual-Core und 4 GB RAM.

Eigentlich wollte ich sogar ein paar Teile des alten Rechners behalten, aber als ich dann festgestellt habe, dass es im Grunde (abgesehen von den Monitoren, die ich übernehmen werde) nur um ein neues Gehäuse geht und ich an ein solches so viele Anforderungen stelle wie an die Lautstärke der Singvögel in einer mir fremden Stadt, habe ich nun extra eines geordert und werde die neue Kiste unabhängig von der montieren, auf der ich hier derzeit noch schreibe. Luxus! \o/

Das Traurige ist: Ich war die letzten Jahre soweit weg vom aktuellen Stand der Technik, dass ein komplett neues Einarbeiten notwendig war. Und dann liest man Testartikel über Grafikkarten, versteht nur die Hälfte, weiß aber:

„Verdammt, so hab ich vor 15 Jahren auch rumgelabert!“

Der Graben war sogar so tief, dass ich die Anschaffung um runde 5 Monate rausgezögert habe, weil es mir trotz der Verheißung eines neuen Rechners zu nervig war, mich mit den Details zu beschäftigen. Dieses Altwerden hat mich wohl inzwischen voll im Griff.

Aber gut: Im Laufe der kommenden Woche treffen hier ein paar PC-Teile ein und jetzt bin ich tatsächlich wieder ein bisschen erfasst vom verloren geglaubten Kribbeln, das einen überkommt, bevor man neue Hardware in Augenschein nimmt und mit ein wenig Bastlerstolz die Komponenten zusammensetzt. Hach! 😀

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Der eintausendste Senf zu Böhmermann

Die Berichterstattung über die „Causa Böhmermann“ gehört irgendwie zu den ernüchterndsten Dingen der letzten Wochen. Also mal abgesehen davon, dass die Existenz des ausgegrabenen Paragraphen 103 StGB auf mich als Laien etwas verstörend wirkt – was da landauf und landab betont wird, wie schlimm doch diese oder jene Passage von Böhmermanns Gedicht sei … ich kann nur hoffen, er hat da eine gehörige Freude dran. Ob nun wirklich ein Verfahren ins Haus steht und ob eine Strafe verhängt wird, sei mal dahingestellt. Was ich so verstörend finde, ist dieses Aufzählen von Schimpfwörtern mit dem Hinweis, dass das ja so nun wirklich ein bisschen zu weit geht.

Ähm.

Ich habe bei ganz ganz vielen Artikeln und Anmerkungen zu dem Thema das Gefühl, die entsprechenden Oberempörer haben bis auf eine ausgedruckte Version des Gedichtes keine Ahnung, worüber sie da berichten. Dass das Gedicht in dieser Form nicht zulässig ist, hat nämlich zuallererst einer festgestellt: Jan Böhmermann. Während man vielfach liest, er habe einfach der Extra3-Satire der Vorwoche nochmal in eklig gemacht und billig mit Obszönitäten übertrumpfen wollen,  verkennt das den Kern der Sache doch ziemlich.

Denn was Böhmermann in erster Linie gemacht hat, war den Kollegen von Extra3 den Rücken zu stärken. Er hat sich hingestellt und Erdogan erklärt, dass er sowas auszuhalten habe und dass der Eingriff in Kunst- und Meinungsfreiheit erst wesentlich weiter weg denkbar wird. Und beispielhaft hat er seine Schmähkritik vorgetragen. Schon alleine der Name Schmähkritik ist doch Programm: Das ist vereinfacht gesagt genau der Ausnahmefall, in dem Satire nicht mehr als Satire durchgeht, sondern als Beleidigung strafbar wird.

Das Witzige ist: Genau damit hat Böhmermann erschreckend gute Satire gemacht. Also nicht mit ein paar Worten über sexuelle Vorlieben von Erdogan – sondern damit, dass er den Fall von Extra3 genommen hat, dessen Harmlosigkeit durch seine eigene Schmähkritik ins Absurde geführt hat – und auf der anderen Seite auch durch die völlig zweckentleerten Beleidigungen sehr ironisch damit gespielt, dass Erdogan ihn mal am Arsch lecken kann.

Der jetztige Prozess kommt sicher nicht komplett unerwartet. Es war ja schon Teil der Sendung, dass er sich die Problematik seiner Aussagen hat bestätigen lassen.

Darüber, ob es jetzt wirklich nötig war, derart viele Register zu ziehen, und eine so offensichtlich dumme Nicht-Satire wie jene „Schmähkritik“ aufzuführen, lässt sich natürlich streiten. Aber zunächst gilt es mal festzustellen, dass Jan Böhmermann nicht einfach hingegangen ist und gesagt hat:

„Ey hört mal zu, der Erdogan fickt Ziegen!“,

sondern eher:

„Natürlich darf man Erdogan seinen protzigen Palast vorwerfen, strafbar wird’s erst, wenn man folgendes sagt: Erdogan fickt Ziegen!“

Und auch wenn er den letzten Teil in Form eines längeren Gedichts getan hat: Ich finde, diese beiden Aussagen sind grundverschieden. Dass Böhmermann auch durch die extrem drastischen Worte provozieren wollte, ist sicher Teil des ganzen Spiels, schon klar. Anstatt aber jetzt wie Grundschüler über blöde Witzchen zu lachen oder wie deren Eltern besorgt zu sein, könnte man auch mal bewundernd zur Kenntnis nehmen, dass Böhmermann mit der Aktion EXAKT gehalten hat, was er so ziemlich von Anfang an versprochen hat: Er hat uns die Grenzen der Satire aufgezeigt.

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Der ganz normale Einkauf

Einkaufen kann ein Quell der Freude sein. Man muss dabei nicht mal so weit gehen wie Jürgen von der Lippe und aktiv den Laden umgestalten. Ich bin zum Beispiel ein großer Anhänger des Spiels, aus den Einkäufen anderer Leute zu schließen, was sie am Abend kochen werden. Aber es gibt natürlich auch ganz andere Glanzmomente. Wenn Leute panisch von der Kasse wegrennen, weil sie was vergessen haben – und dann mit irgendeinem Bullshit wiederkommen. Einer Packung Bonbons. Oder einer Klatschzeitschrift.

Ich weiß, das klingt sehr gehässig. Isses vielleicht auch. Aber im Vergleich zu sonst allerorten gepflegten Vorurteilen weiß ich wenigstens, dass es irre ist, von einem kleinen Einkauf auf das Leben von Menschen zu schließen. Außerdem: Manche machen es einem wirklich schwer!

Heute zum Beispiel war da ein eifrig turtelndes Pärchen vor mir an der Kasse. Sie haben getrennt bezahlt, beide mit EC-Karte. Sie hatte eine Dose Chili-con-Carne und zwei Dosen NoName-Energydrink. Und sein Einkauf? Eine Dose Chili-con-Carne und vier Dosen NoName-Energydrink. Da wellt sich jedes Bettlaken vor knisternder Erotik und es wäre an dieser Stelle zu meiner Heiterkeit gar nicht mehr notwendig gewesen, dass ein Supermarktbediensteter auf dem Tresen der Nachbarkasse lautstark eine Nacktschnecke gefunden hat – oder dass der Kunde hinter mir beeindruckt darauf hinwies, dass selbige „schon ganz ordentlich kacka gemacht“ hätte.

Da kommt man trotz schwerer Taschen relativ mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause. 🙂

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Schlimme Flüchtlinge!!1!!einself!

Ja, ich würde das ewige Vergleichen in der Debatte über Asylsuchende auch gerne meiden. Ich würde auch gerne einfach ganz vernünftig sagen:

„Hey, die Welt ist offenbar scheiße. Zu den einen mehr, zu den anderen weniger. Und von ersteren suchen derzeit viele Hilfe in Deutschland – und lasst uns doch mal drüber nachdenken, wie wir als eher vom Glück Begünstigte da sinnvoll mit umgehen können.“

Und ich würde gerne das ganze Begleitprogramm fahren und auf regenbogenpupsende Einhörner auf grünen Wiesen setzen und hoffen, dass das auch die letzten Schreihälse friedlich stimmt. Stattdessen kommt als Antwort außerhalb der eigenen Filterbubble natürlich immer nur Hass. Und untermauert wird der mit (ohnehin meist erfundenen) Geschichten darüber, wie schlecht all die Flüchtlinge für Deutschland sind, wie schlimm die Menschen sind, weil sie nicht von hier kommen, wie schlimm das ist, weil es doch ach so schlimm ist. Diese Geschichten halt. Jede Schlägerei in einer Flüchtlingsunterkunft wird als Beweis hergezogen, dass (zum Beispiel) Muslime einfach unzivilisiert sind. Und, seien wir ehrlich: Egal, wie linksversifft oder rechtsaußen wir sind: Das ist doch plausibel! Man selbst würde sich ja niemals grundlos prügeln. Prügeln vielleicht ja, aber grundlos? Das liegt natürlich an der „südländischen Mentalität“ und sowas.

Klar, mit etwas mehr Interesse am Lesen der Buchstaben neben den Bildern von verwüsteten Zelten könnten wir alle auf die Idee kommen, dass Menschen vielleicht ähnlich wie Hühnchen nicht sonderlich gemacht sind für perspektivlose Massenunterbringung. Aber wer hat jemals schon irgendwas gelesen, was einem nicht in den Kram passt?

Liebe „Besorgte“: Ich hab als Gutmensch in letzter Zeit eine Menge gelesen, was mir nicht in den Kram passt. Jede Menge rechte Seiten, auf denen o.g. gepostet wurde. MIR wäre das nicht eingefallen, glaubt mir bitte!

Und da der Holzhammer gerade angesagtes Kommunikationsmittel der Wahl ist, hab ich mich ernstlich über einen Tweet von Jan Böhmermann gefreut, der gestern wie folgt aussah:

Und er hat Recht: Das sollte man sich mal durchlesen!

Der dort verlinkte Artikel aus dem Spiegel von 1990 liest sich wie eine Blaupause der derzeitigen Probleme: Deutschland kann das alles nicht verkraften, sollte die Grenzen schließen, bricht zusammen. All die Flüchtlinge bedrohen den Wohlstand, finden keine Bleibe, nutzen das Sozialsystem aus. Noch schlimmer: Sie sind undankbar, prügeln sich in den Unterkünften, belästigen Frauen, werden sonstwie gewalttätig.

Nur, Kenner der Geschichte werden es anhand des Datums erahnt haben: Es ging hier beileibe nicht um Muslime oder „Nordafrikaner“. Es ging hier um Ostdeutsche. Teilweise also sogar um Sachsen. So wie heute Teile der Sachsen den selben Scheiß verbreiten. Ironie der Geschichte, was?

Ebenso wie Syrern unterstelle ich selbstverständlich auch den Sachsen nicht aufgrund ihrer Abstammung irgendwas schlimmes. Dieses Messen mit zweierlei Maß überlasse ich immer noch den Rechten. Der Punkt ist: Dieser Bericht von 1990 zeigt recht eindrucksvoll, dass man immer, wenn man Menschen in Extremsituationen verblendet unter die Lupe nimmt, die wundersamsten und abscheulichsten Dinge beobachten kann. Analog zu Flüchtlingsgeschichten könnte man auch psychologische Experimente anschauen: Das Stanford-Prison-Experiment z.B., um nur das bekannteste zu nennen.

Und wenn wir das dann alles durchgelesen haben: Liegt es jetzt wirklich in der (ost-?)deutschen Natur, sich gegenseitig zu verprügeln oder besoffen auf die Bettlaken anderer Leute zu pinkeln?

Ich habe die Vermutung, selbst der ein oder andere überzeugte Nazi hätte plötzlich ein Problem mit dieser Theorie. Was schwierig für ihn werden dürfte, denn wie ich bereits oben umrissen habe: Der Spiegel-Artikel (Und ja, liebe Nazis: 1990 hatte der Spiegel noch eine deutschlandweit anerkannte Qualität!) ist für diese Theorie der selbe „Beweis“ wie die derzeit diskutierten Postings über syrische Geflüchtete auf Facebook.

Und damit zu einem gleichermaßen erwartbaren wie dennoch eindeutigen Fazit: Nazis sind mitnichten Scheiße, weil sie eine andere Meinung als ich haben. Das dürfen sie gerne weiterhin. Nazis sind Scheiße, weil ihr Ziel darin liegt, bar jeder Faktenlage andere Menschen für minderwertig zu erklären, nur weil sie nicht wahrhaben wollen, dass sie nicht besser sind als wir anderen auch. Und weil sie wider besserem Wissen darauf beharren. Und das ist nun mal die weltweit anerkannte Defintion von Arschlöchern, was soll man da machen?

PS: Dagegenhalten! Immer wieder!
Ich will nicht nur über diese Scheiße bloggen, die so offensichtlich ist. Aber in Zeiten, in denen rechte Gewalt alltäglich ist, in der am Ende dann doch auch die Regierung das Asylrecht erkennbar unnötig verschärft: Wir dürfen diesen Arschlöchern nicht die Diskurshoheit überlassen, nur weil Facebook sich noch zu fein ist, alle Nazikommentare zu löschen! Diese peinlichen Jammerlappen und unzufriedenen Rechercheunfähigen sind NICHT „das Volk“!

NAZIS FUCK OFF!

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Gesehen: #OperationNaked

Sie ist schon ein paar Tage durchs Netz gegeistert: Die Schein-Dokumentation (Mockumentary) „Operation Naked“ von Mario Sixtus. Ich hab ein bisschen mit mir gerungen, ob ich mir wirklich ansehen will, was passieren würde, würden plötzlich Datenbrillen im deutschen Alltag auftauchen. Ich fand Sixtus bisher immer spannend, aber am Ende stand da dann doch immer der Vorbehalt: Ein deutscher Film über Zukunftstechnik – nee, ist klar!

Aber das war unbegründet. Dabei ist Operation Naked vermutlich der deutscheste Film, den ich in den letzten 10 Jahren gesehen hab. Er besteht im Wesentlichen aus einem Zusammenschnitt deutscher Talk- und Nachrichtensendungen, anhand derer man die fiktive Einführung dieser Technik mitverfolgen kann. Alleine die geballte Fernsehprominenz ist selbst für Nichtgucker wie mich überwältigend gewesen, und das nicht grundlos oder zum Selbstzweck: Das verleiht dem Ganzen neben einigen, teils skurrilen, neuen, Ideen eine unfassbare Glaubwürdigkeit.

Noch wichtiger allerdings: Der Film schwingt keine Pro- oder Contra-Keule, sondern zeigt (in extremer Form) sowohl Potenzial als auch Gefahr des total gläsernen Bürgers und ist zeitgleich auch eine ironietriefende Satire auf den gesellschaftlichen Umgang mit dem eigentlich wichtigen Thema. Alleine die Rolle der Politik in Operation Naked bringt einen abwechselnd zum lachen und heulen, je nach Standpunkt. Und trotzdem wirkt es bis auf ein paar wenige Punkte kein bisschen weit hergeholt.

Ich fand’s jedenfalls gleichermaßen spannend wie unterhaltsam. Der Film ist in der ZDF-Mediathek zu finden.

Und Datenbrillen? Ja oder nein? No oder go? Ich kann’s immer noch nicht sagen, ganz ehrlich. Aber vielleicht sollte man diese Entscheidung auch keiner fiktiven Doku überlassen. 😉

 

 

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