12. Oktober 2011 · 18:16
In genau einem Monat werde ich 30 Jahre alt sein.
Manchmal frage ich mich ja schon, was das eigentlich bedeuten soll. Gut, ich bin allgemein ein sentimentaler Zeitgenosse mit einem Hang zu Zahlenspielchen, aber so sehr ich es versuche: Ich kann nichts schlimmes daran finden, 30 zu werden. Dass man nur so alt ist, wie man sich fühlt, ist natürlich DER Spruch schlechthin zum Thema, aber ich bin ehrlich gesagt wirklich noch nicht am Eruieren, wo es überall Ü30-Parties gibt, bloß damit ich mich gesellschaftlich nicht abgehängt fühle.
Soll ich ehrlich sein? Ich merke das Alter selbst in meinen doch noch recht jungen Jahren. Dank offenbar ziemlich ungünstiger genetischer Vorbedingungen wird ein Haar nach dem anderen grau, die Kondition leidet nach nunmehr 12 Jahren Rauchen auch und ich bin sicher noch eine Spur gemütlicher geworden, als vor 10 Jahren. Und meine Freunde fanden mich damals schon ungewöhnlich lethargisch. Ich mache mir erstmals in meinem Leben mal Gedanken über meine Gesundheit, schließlich bleibt auch mir nicht verborgen, dass ich schon aus Altersgründen nie zum Club27 gehören werde – und nicht nur, weil ich nie ein Instrument gelernt habe. Ich habe in den letzten Monaten erstmals in meinem Leben bewusst und erfolgreich ein Bisschen abgenommen, ebenso werde ich mit dem Alkoholkonsum etwas vorsichtiger sein und das alles tue ich beileibe nicht nur (aber auch) um mir wenigstens das Elend Sport vom Leib zu halten.
Aber ansonsten gefällt mir der Gedanke ans Älterwerden auch ein wenig.
Ich habe es geschafft, mir bis 30 nicht meine vernünftige Weltsicht zu zerstören und kann darauf hoffen, selbst als Erwachsener noch halbwegs cool zu sein. Ich freue mich drauf, bei der Arbeit nicht mehr als Student gesehen zu werden, sondern auch von älteren Leuten als gleichberechtigter Gesprächspartner anerkannt zu sein. Außerdem warte ich seit nunmehr 20 Jahren darauf, dass mein Bauch nicht nur als natürliches Verhütungsmittel, sondern auch mal als niedliches Attribut meiner Person gesehen werden kann.
Sicher werde ich mich irgendwann in 5 bis 25 Jahren danach sehnen, nochmal jung zu sein. Da kommt wahrscheinlich niemand dran vorbei, der sich nicht rechtzeitig aus dem Genpool entfernt. Aber diese Panik vor dem 30. Geburtstag? Ich verstehe es echt nicht. Ist ja nicht so, dass man urplötzlich und isoliert von allen anderen mit einem Sprung um 10 Jahre älter und plötzlich zahn-, haar- und hirnlos wird. Der komplette Freundeskreis spielt bei diesem Spiel namens Leben ja mit.
Ich habe mich tatsächlich schon gefragt, wie „die Erwachsenen“ eigentlich damit umgehen können, dass sie den Zenit überschritten, die Hälfte ihres Lebens bereits hinter sich und all die wirklich coolen Dinge bereits mehr oder minder vergessen haben. Vor 15 Jahren schon. Die Antwort: Nun, die kommt mit der Zeit. Man wird nicht nur körperlich reifer, sondern auch geistig. Auch jenseits der „tollen“ Altersgrenzen von 16, 18 und 21 Jahren ergeben sich Neuerungen im Leben.
Ich bin froh, dass ich meine begrenzte Zeit auf diesem Planeten nicht damit verschwende, mich selbst als Mittelpunkt der Welt zu sehen und deshalb statt lustige oder bedenkenswerte Texte zu schreiben die erste Stunde des Tages mit Kosmetik verbringe. Wirklich schwierig wird es für mich wohl erst, wenn der Geist nachlässt.
Aber hey, ich werde bald 30, nicht 90. Mit den Gedanken daran kann ich mir also noch eine Weile Zeit lassen 🙂
