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Die Geschichte von Jan (3)

Jans Hochgefühl ob seiner heldenhaften Zurückweisung des dringenden Bankproblems hielt einige Zeit an. In den letzten anderthalb Tagen hatte er sich mehrmals moralisch hochgezogen an der Tatsache, gerade kein dringendes Problem zu haben. Auf der Suche nach einem Löffel für seinen Joghurt hatte er sogar zwischen zwei Filmen die Zeit gefunden, eine Spülmaschine einzuräumen. Ganz seiner neuen Pragmatik folgend ging er dabei so logisch wie möglich vor. Denn natürlich hätte sein Geschirr allenfalls in Scherben zersplittert komplett in die Maschine gepasst. So sah er sich gezwungen – nein, er erarbeitete aus freien Stücken den Plan! – das Gerät zunächst mit den Sachen zu füllen, die er am dringlichsten benötigte:

Müslischüsseln: Ja.

Gläser: Ja.

Besteck: Ein paar Löffel, ein paar Gabeln.

Tassen: Kaffee war alle, also wozu?

Er arbeitete auf diesem Wege immerhin genügend vom Stapel ab, um den Tisch freizuräumen und den Rest des Zeugs auf die Arbeitsfläche zu verfrachten. Schwer mit Tellern bewaffnet wie höchstens die befähigtsten Kellner ihrer Zunft verlud Jan das Lotterleben der letzten zwei Wochen auf einen fast schon nett anzusehenden Haufen hinten im Eck der Küche. Im Grunde konnte er damit schon relativ zufrieden sein, denn erstens hatte er sein Arbeitspensum rein mathematisch verunendlichfacht, zweitens hatte er jetzt einen Löffel für seinen Joghurt.

Seine Tage verbrachte er weitgehend sinnlos im Internet, wo er sich die Filme runterlud, zwischen denen er gelegentlich an die Hausarbeit dachte. Das Haus hatte er seit dem Bankanruf nicht mehr verlassen, sogar das Duschen hat er aufgeschoben, wenngleich die Spülmaschine inzwischen besser roch als er. Aber Jan wären genügend Gründe dafür eingefallen, notfalls hätte er mit irgendwelchen Umfragen in drittklassigen Blogs zu belegen versucht, dass er am Duschen gehindert wurde.

Am frühen Morgen des 10. Februars weckte ihn ein ausgesprochen ungemütliches Geräusch. Ungemütlich war es deswegen, weil er es selbst so eingestellt hatte. Der Klingelton, der einen Anruf seiner Mitbewohnerin Alexa anzeigte, war mit voller Absicht das nervigste Kreischen, das er jemals als Tondatei auf seinem Handy gespeichert hatte. Das Kreischen von Alexa.
Aufgenommen hatten sie es an einem gemütlichen WG-Abend, bei dem sie sich in volltrunkenem Zustand zu irgendwelchen Widerwärtigkeiten zu überreden versuchten. Soweit er sich erinnern konnte, war es Alexas Reaktion auf die Ankündigung, an Markus Unterhosen riechen zu müssen. So genau hatte er es nicht mehr im Kopf, vielleicht ging es auch um seine Unterwäsche.

Alexa jedenfalls, derzeit beim Snowboarden mit irgendwelchen scharfen Typen in der tiefsten Schweiz, hatte versprochen, den noch unklaren Zeitpunkt ihrer Rückkehr mit einem Telefonat anzukündigen – einfach, weil sie beide um Jans Ordnungssinn Bescheid wussten, jedoch unterschiedliche Einstellungen dazu hatten. Und er wollte keinesfalls unvorbereitet auf Alexa treffen, nur weil er den Anruf verpasste!

Das wilde Schreien holte Jan zwar nicht aus den tiefsten je gehabten Träumen, aber immerhin kamen nackte Menschen drin vor, schade war es also irgendwie trotzdem. Das darauf folgende Telefonat war kürzer als das mit der Bank, insbesondere weil Jan sich nicht gerade aktiv am Verlauf beteiligte. Er beließ es bei einem Grunzen hier und da und verabschiedete sich mit einem halblebigen „Bis dann“ – Alexa kannte seine Morgenlaunen wenigstens und nahm sie ihm nicht übel.

Siedend heiß schoss Jan aber in den Kopf, was sie ihm übel nehmen könnte: Den Zustand der Wohnung. Und zwar trotz seiner bisherigen Bemühungen in so ziemlich allen Details. Und das sollte er dem Haussegen zuliebe bis Sonntag Abend hinkriegen. Jan vergewisserte sich noch einmal, dass es wirklich erst Freitag war und schlief beherzt weiter. Als er erneut erwachte, war die Rückkehr von Alexa nur noch eine diffuse Bedrohung in den hintersten Winkeln seines Gehirns. Und hey: Sonntag! Da ist noch Luft!

Aber, seinen Tatendrang nicht ganz unterdrückend, beschloss er, wenigstens einen Raum noch an diesem Abend für ihre Ankunft – wenigstens oberflächlich! – in Schuss zu bringen.

 

Was sollte Jan jetzt machen?

  • In der Küche loslegen, dann ist das Gröbste schon weg! (50%, 53 Votes)
  • Den Flur fegen und chillen... (19%, 20 Votes)
  • Nicht aufräumen, ihr aber ein Geschenk zum Ausgleich machen. (17%, 18 Votes)
  • Drauf scheißen. Wenn sie es ordentlich haben will, soll sie selbst... (14%, 15 Votes)

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Die Geschichte von Jan (2)

Zunächst einmal musste er sich erinnern, warum er sich den Wecker gestellt hatte. Er überlegte kurz zu duschen, verwarf den Gedanken aber nach einem kurzen aber intensiven Geruchstest unter seinen Achseln. Er stand in der Küche, blickte auf die Spree, die zwischen den gegenüberliegenden Häusern durch die kahlen Bäume gerade so zu erkennen war.

Warum sollte er sich einen Wecker stellen? Es ergab keinen Sinn. Er war heute ganz alleine in seiner Bude, er erwartete keinen Besuch und er hatte keine Termine. Wozu also hätte er sich absichtlich im Ausschlafen seines Rausches sabotieren sollen? Er blickte sich im Raum um, in dem er am vorigen Abend seine geistige Umnachtung zelebriert haben musste. Ein voller Aschenbecher, zwei benutzte Töpfe, das Glas mit dem Killerdrink von vorhin, noch zwei benutzte Töpfe. Eine Pfanne und ein Haufen Kartoffelschalen verzierten den kleinen Tisch, umringt von acht halbleeren oder leeren Gläsern, auf die kunstvoll zwei vollgekrümelte Teller gestapelt waren.
Daneben stand sein eigentlicher Turm aus ungespültem Geschirr.

Im offenen Küchenschrank fand sich neben der ausgelutschten Jacky-Flasche ein bisschen Fertigessen und ein halbes Netz Kartoffeln. Sein trautes Heim hatte ohne jede Frage schon bessere Tage gesehen.

Er konnte später nicht mehr sagen, ob er zuerst das Blatt Papier gesehen und sich dann erinnert hat, oder ob es umgekehrt war. Er zog das mit dem quadratischen Abdruck der Whisky-Flasche verzierte Schriftstück mit dem roten Logo hervor und setzte sich erstmal. Die Bank!

Es musste ungefähr zwei Wochen her sein, da hatte sein Bankberater, Norbert Fritsche, ihm diesen Brief geschrieben, in dem er um eine Terminabsprache bat. Das konnte unmöglich etwas Gutes bedeuten – der Hauptgrund, weswegen Jan sich bisher nicht dort gemeldet hatte. Sein Konto war eigentlich immer komplett leer gewesen, mit Müh und Not hatte er sich vor zwei Jahren von einem Dispo befreit, dessen Ausnutzung ihn jährlich rund 400 € mehr kostete, als er hatte – also ziemlich genau 400 €.
Vor einem Monat ging dann einiges mit ein paar Überweisungen schief, bzw. eigentlich war an der Sache nur eines schief: Die Deckung des Kontos reichte nicht. Somit stand er bei der Bank ein paar Taler in der Kreide, ungewollt und unerlaubt. Kein Zweifel, dass der Fritsche diese Dreizehnzwanzich jetzt von ihm einfordern würde.

In der letzten Nacht hatte Jan die Art Geistesblitz, die nur Betrunkene zustandebringen: Gleichermaßen deprimiert vom Zustand seines Lebens, aber alkoholbedingt in unglaublichem Tatendrang gefangen, hatte er irgendwann gegen 4:30 Uhr beschlossen, sein Leben grundsätzlich zu ändern. Den Brief der Bank hatte er zwischen den Kartoffeln und einer Maggi-Fix-für-irgendwas-Packung gefunden und ob dieses offensichtlichen Missstandes – beinahe hätte er ihn mitgekocht – fiel der Entschluss, mit genau diesem Termin alles zu beginnen. Nachdem er das Schälmesser gerade noch rechtzeitig von seinem Wecker abgesetzt hatte, speicherte er seine Weckzeit am frühen Mittag ein, mit verbissenem Stolz, die Zunge aus dem Mundwinkel drückend.

Mit einer für seinen Zustand beachtlichen Selbstreflexion hatte er die Zeit auf 5 Stunden und 13 Minuten vor das Ende der Banköffnungszeiten gelegt, ausreichend also, um sich auf ein Telefonat vorzubereiten. Jetzt, halbwegs ernüchtert am Küchentisch sitzend, kam ihm das alles gar nicht mehr so großartig vor. Dieser Fritsche war ein Lackaffe, der nervte ihn eigentlich schon immer!
Außerdem: Ein bisschen Geld bekam er zum Fünfzehnten von seinen Eltern geschickt, bis dato würde er die Kohle schuldig bleiben müssen. Und Fritsche würde ihm bestimmt was erzählen von Vorschriften und Abläufen, Protokollen – und dass Ausnahmen „leider“ nicht möglich wären.

Jan überlegte, was er ihm sagen sollte, wie er ihn wenigstens bis nächsten Monat oder so vertrösten könnte. Seine Gedanken kreisten um Drohungen, die Bank zu wechseln und um jämmerliches Flehen. Das Konto sperren dürften sie ihm nicht, er hatte nur das eine. Und wegen Dreizehnzwanzich!

Die Sonne war noch nicht untergegangen, da fühlte er sich bereit. Er schritt mit leicht wackeligen Knieen – er hasste sowas wirklich! – zum Festnetztelefon im engen Flur und hielt sich den Zettel vors Gesicht, um die Nummer zu lesen. Immerhin gleich eine Durchwahl. Tipptipptipp. Tut-tut-tut.

„Berliner Sparkasse Kreuzberg, Sie sprechen mit Norbert Fritsche.“
„Jan Merkel. Sie wollten einen Termin mit mir?“
„Herr Merkel! Sehr schön, dass Sie anrufen. Ich hätte da etwas mit ihnen zu besprechen.“
„Was denn?“
„Herr Merkel, haben Sie sich schon einmal Gedanken um ihre Altersvorsorge gemacht?“
„Äh, nein.“
„Herr Merkel, da muss man sich heute frühzeitig kümmern. Sie können von vielen staatlichen Förderungen profitieren, wenn Sie bereits jetzt beginnen…“

Jan schwankte zwischen Erleichterung und Abscheu. Der ganze Stress für, ganz ehrlich, Werbung? Also eigentlich aber gar kein Stress oder wie?

„Herr Merkel, sind Sie noch dran?“
„Wie? Äh ja. Sie wollen mich bloß wegen der Altersvor…“
„Herr Merkel, es ist nicht bloß EINE Altersvorsorge. Es geht um ihre Zukunft!“
„Vielen Dank Herr Fritsche, aber ich habe kein Interesse.“
„Herr Merkel, bitte denken Sie noch einmal…“
„Nein! Vielen Dank!“

Das Telefonat war schneller beendet als es begonnen hatte und Jan fühlte sich gut. Mit Elan legte er das Telefon zurück in die Ladestation und war überglücklich, dass er doch keine Geldsorgen hatte. Also nicht so direkt, eigentlich ja schon, das versteht ihr nicht! So würde er es jedenfalls seinen Eltern erklären.

Er tänzelte zurück in die Küche und war stolz, den ersten Schritt getan zu haben. In einer Drehbewegung griff er aus dem untersten Regalfach eine frische Cola und rutschte mit seinen Hausschuhen schwungvoll vor den Kühlschrank, wobei ihn die Verletzung von seinem Wecker nur kurz schmerzvoll aufschreien ließ. Er fummelte eine Funghi-Pizza aus dem Eisfach und stellte den Backofen ein. Jetzt würde er es sich erstmal mit einem Filmchen gemütlich machen. Genug gearbeitet für heute!

Welches Ereignis kommt als nächstes auf Jan zu?

  • Seine Mitbewohnerin kommt verfrüht aus dem Urlaub. (39%, 52 Votes)
  • Er bekommt ein Päckchen. (35%, 47 Votes)
  • Er bekommt unangenehme Amtspost. (13%, 18 Votes)
  • Das Essen geht aus und er muss einkaufen gehen. (13%, 18 Votes)

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Die Geschichte von Jan (1)

Als Jan die Augen öffnete, gab sich die Sonne alle Mühe, seine Lebensgeister zu wecken. Keck strahlte sie ihm nach dem ersten Blinzeln seinerseits ins Gesicht. Jan nahm das wahr, dachte sich seinen Teil und artikulierte ihn dann auch:

„Leck mich!“

Dem Sonnenstand nach war es kurz nach Mittag und er wusste, er bräuchte allenfalls noch 3 Stunden warten, bis der dämliche Stern sich wenigstens hinter die Häuser in Berlin-Mitte verzogen hätte. Er zog seine Decke über den Kopf und stellte enttäuscht fest, dass der dünne Stoff nicht nur die Sonne durch ließ, sondern ihn zudem nötigte, dieses hässliche Blumenmuster anzustarren. Sonderangebot bei Ikea, immerhin günstig. Und mit geschlossenen Augen konnte er die Sonne – und das hässliche Blumenmuster – ja durchaus ignorieren.

Es kostete ihn keine zehn Minuten, wieder in einen ausgeprägten Tiefschlaf zu fallen. Gerade rechtzeitig, um auch vom klingelnden Wecker tödlich genervt zu sein, den er sich auf 12:47 Uhr gestellt hatte. Warum hatte er das?

Während er seinen Wecker mit einem seiner tigerpfotenförmigen Hausschuhe gekonnt vom Tisch fegte, überlegte er bereits. Was war heute? Welcher Tag überhaupt? Der 7. Februar 2012, aha. Und?

Kurz darauf stand Jan mit seinen Tigerpantoffeln im Flur vor dem Spiegel und sah sich fragend an. Irgendein abgebrochenes Plastikteil des Weckers hatte ihm beim Anziehen der Schuhe in den Fuß geschnitten. Folglich war sein Gesicht zusätzlich zu den üblichen Attributen komisch, unrasiert, müde und uncool auch noch schmerzverzerrt. Er beschloss, diesen Umstand zu ändern und schnitt eine Grimasse. Wieso bloß hatte er sich den Wecker gestellt?

Auf dem Küchentisch stand ein Glas mit abgestandener Cola, im Schrank daneben fand er eine Aspirin. Er schluckte die Tablette mit einer routinemäßigen Bewegung und verzog keine Miene, als er beim Nachspülen feststellte, dass die Cola nicht nur eklig schmeckte, sondern rund 50% Jack Daniels enthielt. Die dazugehörige Flasche überprüfend stellte er zwar nicht fest, warum er sich den Wecker gestellt hatte, wohl aber, warum er genau das vergessen hatte: Die Flasche war bis auf einen Bodensatz leer.

Während er weiter über den Umstand sinnierte, dass er sich ausgerechnet an einem Dienstag wecken ließ, kochte er sich einen Kaffee und legte sich seinen Bademantel um. Das Thermometer in seiner Küchenfunkuhr zeigte irgendwas zwischen -5 und -8°C, wahrscheinlich wäre es noch tiefer gestanden, wäre es nicht vor ein paar Monaten irreparabel beschädigt worden. Jan sah trotzdem hin und wieder darauf. Zum einen aus Gewohnheit, zum anderen um sich anschließend ärgern zu können, dass er die falschen Klamotten angezogen hatte. Der Februar war der dritte Monat in Folge ohne Arbeit und wenn man seine Freunde fragte, merkte man ihm das an. Glück für Jan, dass er sie sowas nie fragte.

Was zur Hölle sollte er an diesem eisigen Wintertag tun?

Was soll Jan jetzt tun?

  • Nach Anzeichen suchen, warum er den Wecker gestellt hat. (41%, 51 Votes)
  • Duschen! Duschen hilft immer! (36%, 45 Votes)
  • Im Bademantel nach draußen rennen und einen Schneemann bauen. (12%, 15 Votes)
  • Chillen. (11%, 14 Votes)

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Werbung oder so…

Nein, eigentlich will ich keine plumpe Werbung machen. Aber einer der Gründe, weswegen ich in den letzten Tagen nichts gebloggt habe, ist dieses Buch:

John Katzenbach – Der Professor

Ich persönlich bin ja ein großer Fan von Thrillern aller Art und liebe beispielsweise die Werke von Robin Cook, der seine Erfahrungen als Arzt in seine Arbeit mit einfließen lässt.

Inzwischen bin ich selbst fast etwas überkritisch geworden, weil ich mir jedes Mal denke, wie ich das Ganze geschrieben hätte. Nichtsdestotrotz sind die Romane von Katzenbach geil und fesseln immer wieder auf irgendeine Art. Ihr müsst nicht über meinen Amazon-Ref-Link auf die Seite gehen (was mich natürlich freuen würde), aber ich möchte Katzenbach auch einfach so allen empfehlen, die gerne mal was spannendes lesen.

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Mögt ihr Experimente?

Ich hatte vor einiger Zeit schon eine ganz lustige Idee. Also zumindest glaube ich, dass sie lustig werden könnte. Ich könnte im Rahmen meines Blogs eine Fortsetzungsgeschichte schreiben. Das alleine ist irgendwie noch nicht sonderlich spannend, zugegeben. Aber ich dachte darüber nach, am Ende jedes Kapitels, jeder Seite, also nach einem bestimmten Teil der Geschichte mehrere Möglichkeiten vorzugeben, wie es weiter gehen soll, über die ihr als Leser dann abstimmen dürft. Nicht so, dass ich die Handlung schon im Voraus benenne, sondern vielleicht dem Helden der Geschichte eine Entscheidung abverlange. Oder mal übers Wetter oder den Schauplatz des nächsten Kapitels abstimmen lassen.

Die Idee dahinter ist, dass auch ich zu Beginn noch nicht so recht weiß, was am Ende daraus wird. Und je nachdem, wie clever ich die Fragen wähle, euch mit einbeziehe in die Entwicklung des Ganzen.

Ich schreibe gerade recht viel auf unterschiedlichen Plattformen. Ein neues Großprojekt kann ich eigentlich nicht gebrauchen. Aber immer nur kleine aufeinander aufbauende Geschichten sind ja nichts weiter als Blogeinträge, die kann man ja immer mal zwischenschieben. 🙂

Ich würde dann hier eine neue Kategorie anlegen (und den Beginn direkt verlinken), sodass man bei Bedarf die ganze Geschichte ohne den Rest des Blogs mitverfolgen kann. Entweder mir fällt nicht viel ein und es wird am Ende eine dreiteilige Kurzgeschichte – oder aber es läuft richtig gut und am Ende kommt vielleicht ein geiler ellenlanger Roman dabei raus. Wer weiß? Ich wie gesagt noch nicht. Aber ich hätte Lust darauf, es zu versuchen. Wie findet ihr die Idee? Schließlich passt es nicht so wirklich in den bisherigen Blog – NOCH eine neue Seite will ich gerade allerdings nicht wirklich an der Backe haben. Ich vertraue auf eure Weisheit 😉

Sollen wir das mit der Fortsetzungsgeschichte angehen?

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Von Geschäftsverhältnissen

Das Jahr 2012 könnte für mich eine Art Meilenstein werden. Vielleicht wird dies das erste Jahr, in dem ich mehr Geld mit dem Schreiben verdiene als mit meiner regulären Arbeit. Die Entwicklung freut mich, wenngleich ich sie noch vor gar nicht allzu langer Zeit als unmöglich abgetan hätte. Dass ich ein gewisses Talent habe, Buchstaben aneinander zu reihen, ist nichts, was für mich neu wäre. Das hat mir in der Grundschule die erste Eins im Zeugnis gebracht und hat sich fortgesetzt bis in die Überlegungen, was ich studieren könnte.

Ein Studium in Richtung Journalismus habe ich abgelehnt mit der (auch heute noch nicht bedauerten) Begründung, ich könne nicht „auf Kommando“ schreiben, Auftragsarbeiten abliefern, etc.

So blieb Schreiben das schöne Hobby, die Kunst für zwischendurch – und so habe ich es auch zu schätzen gelernt. Immer mehr und immer mehr. Über die Jahre kamen Homepages, ein Blog, noch ein Blog und noch ein Blog. Alles herrlich dilettantisch, anarchisch und zufällig. Aber spätestens seit ich GNIT ausgekoppelt habe, nimmt das Schreiben einen großen Platz in meinem Leben ein. Mit dem wachsenden Publikum kam der Anspruch, es auch gut zu machen, regelmäßig zu schreiben, und – das dürfte den meisten fremd sein – auch die geliebte Lohnarbeit hier und da zugunsten des Schreibens aufzugeben.

Bis jetzt ist das Schreiben immer noch mehr Hobby als Arbeit gewesen, die unzähligen Stunden vor den Monitoren haben sich nach herkömmlicher Rechnungsweise natürlich nicht ernsthaft bezahlt gemacht. Ich habe zwar unglaublich viele Geschenke von euch Lesern erhalten, bin hier und da geflattert worden und selbst im Taxi bekam ich öfters mal ein Trinkgeld als Dank für die Blogs. Alleine eine planbare Sache ist das nie gewesen.

Glücklicherweise – sowohl für mich als auch für die Blogs – werde ich natürlich auch weiterhin Taxi fahren. 2012, 2013 und hoffentlich noch eine ganze Weile lang. Aber abgesehen von meiner Bewerbung für ein (für meine Verhältnisse) verdammt gut dotiertes Literatur-Stipendium bin ich nun so weit, dass ich auch geschäftlich blogge. Nicht hier, nicht bei GNIT, das wäre albern und würde die Intention der Blogs zerstören. Aber ausgerechnet mein Chef im Taxigewerbe hat Interesse an meinen literarischen Ambitionen und erhofft sich, mit einem eigenen Firmenblog unter meiner Regie und mit meinen Texten mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Was mich daran erfreut ist nicht mal unbedingt der (niedrige) dreistellige Betrag, den ich pro Monat dafür bekomme, sondern auch, dass mir ausgerechnet eine neue Aufgabe letztlich mehr Luft zum Schreiben verschafft. Schließlich bedeutet jeder Erlös aus anderen Quellen, dass ich meine Arbeitszeit im Taxi reduzieren und selbige fortan kreativ nutzen kann. Der positivste Nebeneffekt ist aber wahrscheinlich, dass ich meine Chefs auf ganz anderer Basis zu schätzen lerne als bisher ohnehin schon. Denn als linker Kapitalismuskritiker mache ich mir natürlich meine Gedanken über die eigene Käuflichkeit und den moralischen Wert eines „Werbeblogs“.

Nun, die ersten Schritte in dieses mir sehr fremde Metier (schreiben für andere) gestalten sich aufgrund der Besonderheit meines Arbeitsverhältnisses sehr positiv. Ich stehe in regem Mail-Austausch mit meinem Chef und erkenne langsamer als ihm lieb ist, was er darunter versteht, nicht als Chef auftreten zu wollen, sondern als Kollege und Freund. Die einzigen Kritiken seinerseits an meiner bisherigen Arbeit als öffentliches Aushängeschild der Firma waren – vereinfacht gesagt – Kritiken an meinem Konformismus. Er wünschte sich mehr Bissigkeit, weniger Respekt ihm gegenüber und er zeigte sich bestürzt ob der Tatsache, dass ich in einem kleinen Kommentar das Wort „Chefbüro“ gebrauchte, anstatt mich selbst als mitbestimmenden Part der Firma zu sehen.

Ich habe einen sehr kruden Weg eingeschlagen, der mich zwischen prekären Arbeitsverhäktnissen und abgehobenem Künstler-Dasein wechseln lässt und in keine eilig angelegte Schublade passt. Ich schwanke zwischen chronischer monetärer Pleite und kreativem Überfluss – eine absurde Kombination. Aber ich bin froh darum, dass mir das möglich ist und ich weiß, dass ich letzlich auch meinem Chef dafür dankbar sein sollte.

Seit einem netten Gespräch vor einigen Tagen zwischen Rattan-Sessel und Ledercouch im „Chefbüro“ denke ich jedenfalls darüber nach, ob ich nicht seinetwegen tatsächlich einen Roman schreiben sollte, dessen Held ein Berliner Taxifahrer ist, der mit einer „glaubwürdigen“ Zombie-Apokalypse konfrontiert wird. Wenn das nichts aussagt, was dann?

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Rührendes

Hallo, mein Name ist Sash und ich bin süchtig.

So sollte ich wohl das ein oder andere Gespräch in der Küche anfangen, denn ich habe einen für Außenstehende nur schwer zu erfassenden Rühr-Fetisch. Eigentlich ist es ja nur ein gewisser Drang nach Sicherheit, wenn man mich fragt. Aber mich fragt man nicht, mich lacht man eher aus.

Zumindest handhabt das meine bessere Hälfte gelegentlich so.

Eigentlich habe ich mit angebranntem Essen nie sonderlich traumatische Erfahrungen gemacht. Erinnern kann ich mich zwar noch an ein Gulasch meiner Mutter, dass einen penetranten Holzkohle-Geschmack inne hatte, aber wie viele schöne Erfahrungen in meinem Leben war auch das ein Einzelfall.

Dennoch stehe ich neben einem Topf mit kochender Suppe und kann nicht davon ablassen, zu rühren. Vor wenigen Tagen habe ich feststellen müssen, dass ich selbst in purem Wasser kochende Kartoffeln gelegentlich umrühre aus der Sorge heraus, sie könnten ansetzen.

Zu meinen Gunsten könnte ich jetzt anfangen zu berichten, wie wenig mir in meinem Leben jemals an Essen durch Anbrennen verloren ging, diese Statistik allerdings wird aufs Gröbste verfälscht durch all die Kartoffeln, die ich in der alten WG gekillt habe, indem ich betrunken zu Bette ging, während selbige auf dem Herd standen und nach dem Verdampfen des Wassers einen eher knusprigen Aggregatszustand angenommen haben.

Sicher habe auch ich Grenzen. Klare Hühnersuppe rühre ich auch nicht öfter als zwei Mal die Minute für 10 Sekunden um. Bei Rahmspinat habe ich mich durch Ozie inzwischen auch auf drei Mal einigen können. Ansonsten komme ich leider kaum weg von dieser Angewohnheit.

Und jeder, der irgendwann mal Klümpchen in einer Tütensuppe hatte, oder einen Topf länger als die üblichen 20 Sekunden ausspülen musste, wird mich doch verstehen, oder? Nein? Naja…

Glücklicherweise kann ich auch manchmal für mich alleine kochen und die ganze Zeit nur rühren. Und rühren. Und…

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