Insbesondere mein alter Freund Daniel hat angefragt, ob ich nicht mal wieder was zu aktuellen Vorkommnissen, z.B. der Freilassung von Christian Klar, schreiben könnte. Heute kann ich mal, denn ich habe anderthalb Tage frei 🙂
Den meisten Lesern wird bekannt sein, dass ich mich selbst als radikalen Linken betrachte, und insofern wird meine Meinung dazu nicht überraschend ausfallen. Irgendwie sehe ich da aber keinen Zusammenhang. Ja, wenn ich in den 70er Jahren gelebt hätte, dann wäre wohl auch ich einer derjenigen gewesen, der der RAF heimlich Sympathie entgegengebracht hätte. Habe ich aber nicht.
Die aktuelle Debatte, die einmal mehr vom von mir ausgiebig gehassten Springer-Blatt Bild ständig neu entfacht wird, hat auch eigentlich nichts damit zu tun. Scheiß auf die RAF, auf alle Erklärungen, politischen Instrumentalisierungen oder dergleichen! Selbst wenn ich behaupte: Klar ist ein Mörder, dessen Motive mal völlig egal sind, dann kann ich die Freilassung nicht verurteilen! Ich kann es einfach nicht. Ich weiss über Klar nicht viel, aber ich kann verraten, dass er mir so aus der Ferne nicht unbedingt sonderlich sympathisch ist. Dabei sollten in meinem Fall all die negativ ausgelegten Dinge, wie z.B. dass er seine kapitalismuskritische Meinung nicht abgelegt hat, eher das Gegenteil bewirken. Aber wie eingangs erwähnt: Es spielt zur aktuellen Thematik keine Rolle!
Christian Klar hat mehr Zeit hinter Gittern verbracht, als ich mir vorstellen kann. Meine bisherige Zeit auf diesem Planeten deckt sich etwa mit der Haftzeit Klars. Bei allem Verständnis für die Gefühle der Opfer kann ich mir kaum ein Verbrechen vorstellen, das eine derartige Bestrafung als zu gering erscheinen lässt. Die Frage nach der verbleibenden Gefährlichkeit Klars wurde offenbar mehrfach „eindeutig“ beantwortet, immerhin muss selbst Bild schreiben, dass die Gutachter davon ausgehen, dass er keine „Senioren-RAF“ gründen wird. Mal ganz davon abgesehen, dass die RAF bei der heutigen Technik des – Achtung: Böses Wort! – Überwachungsstaates keine Chance mehr hätte – und sich Klars Wissen diesbezüglich dank seiner Haft als rudimentär, oder zumindest defizitär erweisen dürfte, solle er eine derartige Aktion tatsächlich in Betracht ziehen.
All die tapferen Bild-Leser, die ausgerechnet mit der Freilassung Klars „das Ende des Rechtsstaats“ herbeischwadronieren, oder auch nur „Zweifel“ an ihm aussprechen, würde ich gerne einmal nach 26 Jahren Haft zum selben Thema befragen.
Im Falle Klar wird hier oftmals ein primitives, zumindest bei uns längst überwundenes Prinzip der Justitz ausgegraben, das der „spiegelnden Strafe“. Während dahergeredet wird, dass Klar noch viel zu gut wegkommt bei der Geschichte, weil seine Opfer immerhin tot sind, so wird doch gegeißelt, wenn in einigen arabischen Ländern Dieben die Hand abgehackt wird. Aber in Wahrheit ist es genau das, was viele der oft lautstarken Fraktion doch gerne fordern würden: „Todesstrafe für Kinderschänder!“, „Mindestens lebenslang (und zwar wörtlich) für Klar“ und zumindest „Arsch versohlen“ hat so mancher „Krawallo“ auch verdient.
Wie so oft in der radikalen Linken, spaltet hier die Gewaltfrage die gesamte Gesellschaft, und ich bin schockiert darüber, wie manch Muttchen, das noch einen Krieg zu erleiden hatte, bereits wieder für die Gewalt plädiert. Vielleicht ist Christian Klar ein Irrläufer. Vielleicht hat er eine bekloppte politische Meinung. Das kann alles sein. Aber wenn man schon der Meinung ist, man solle seine Morde nicht mit Politik rechtfertigen, dann sollte man auch akzeptieren, dass er immer noch eine subversive Meinung hat, und dennoch mit weit über 20 Jahren Knast für seine Verbrechen ausreichend bestraft worden ist.
Die Justiz in Deutschland hat nicht das Ziel zu bestrafen – das sollten sich einige Leute mal vor Augen halten – sondern die Straftäter in die Gesellschaft wieder einzugliedern. Und ich hoffe, ich bin nicht der einzige, der sich fragt, wie das mit mehreren Jahrzehnten Freiheitsentzug funktionieren soll. Was soll das Geunke darüber, dass Klar einen Praktikumsplatz im Berliner Ensemble angeboten bekommen hat – noch dazu mit der Berufung auf irgendein ominöses Recht, dass offenbar Menschen, die eine falsche Entscheidung getroffen haben, zu verbannen hat?
Es ist in meinen Augen extrem asozial, einem wie Klar jetzt auch noch die zweite Chance vermauern zu wollen. Ich möchte ihn nicht bedingungslos als Opfer darstellen, aber wenn ich lese, wie viele Jahre er im Knast saß, dann schiele ich nicht nur auf eine ominöse Zahl. Dann denke ich auch darüber nach, was das bedeutet. 26 Jahre kein Abend mit Kumpels in der Kneipe, keine vernünftige Beziehung, keine Chance sich auszusuchen, wo man neue Freunde kennenlernt. 26 Jahre lang Überwachung bei jedem Schritt, Einschränkungen des Briefgeheimnisses, Ausschluss von allem kulturellen Leben. 26 Jahre lang kein Essen nach eigenem Wunsch, keine Chance sich selbst in irgendeiner Form selbst zu verwirklichen. Ohne selbst einschlägige Erfahrungen gemacht zu haben, ist mir bewusst, dass Gefängnis nicht nur bedeutet, mal auswärts schlafen zu können. Wieviel Hass – und ich erinner daran, dass man genau das Christian Klar vorwirft – muss man besitzen, um zu behaupten, dass so eine Strafe noch zu gut ist?
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Na denn: Meine Meinung zu Klar
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Die GEZ mal wieder…
Aber gehen wir diesen Brief doch mal Zeile für Zeile durch und ich kommentiere das ein wenig. Zur Erinnerung: Sie haben bis dato einen einzigen Brief geschickt, der leider – Post geht verloren, man hat wichtigeres zu tun, Oma ist tot und jemand hat das Auto verkratzt – unbeantwortet blieb. Dann kommt das:
Sehr geehrter [Sash],
Vielen Dank für die Höflichkeitsform dieses unterschriftenfreien Schriebes!
mit unserem Schreiben vom 29.10.2008
das in meinem Mülleimer trotz hässlicher Farbe recht kleidsam wirkt…
baten wir Sie zu prüfen, ob Sie alle Rundfunkgeräte angemeldet haben, die angemeldet werden müssen (Informationen siehe Rückseite).
Und wenn ich das habe, kann ich mich zurücklehnen und muss einen Scheiss tun!
Bislang liegt uns von Ihnen noch keine Antwort vor.
Informationen siehe Rückseite oben.
Wir bitten Sie erneut, uns den Antwortbogen ausgefüllt zurückzusenden. Alles andere kostet nur zusätzlich Zeit, Geld und Mühe.
Es ist nett, dass sie diesen Satz fett drucken. Es geht mir dennoch am Arsch vorbei, da es weder mein Geld, noch meine Zeit, noch meine Mühe ist. Im Gegenteil: Schicke ich ihnen den Bogen zu, dann berappe ich 55 ct für etwas, das ich mit gutem Gewissen nach aktueller Rechtslage bleiben lassen kann.
Teilen Sie uns bitte mit, unter welcher Rundfunkteilnehmernummer Sie Ihr Radio und/oder Fernsehgerät oder neuartiges Rundfunkgerät angemeldet haben.
Ach nee, jetzt soll ich also auch noch bei eurer Bürokratie helfen? Is klar, ich hab ja sonst nichts zu tun! Wenn ihr mir eine Nummer zuteilt, dann speichert die doch selber ab!
Diese neunstellige Nummer finden Sie auf dem Kontoauszug oder auf unserer Rechnung. Als Rundfunkteilnehmer sind Sie zu dieser Auskunft gesetzlich verpflichtet.
Tja, und da ich kein Rundfunkteilnehmer bin, habe ich weder Rechnung, noch Kontoauszug, noch eine gesetzliche Verpflichtung. Irre, nicht?
Für Anmeldungen, Änderungen und Ergänzungen verwenden sie bitte den Antwortbogen.
Eine Option „für Abmeldungen“ sollte es auch noch geben, ihr halbseidenen Bauernfänger!
Sollten Sie jedoch weder Radios, Fernsehgeräte, noch neuartige Rundfunkgeräte bereithalten bzw. nutzen, bitten wir Sie, uns auch dies mitzuteilen, damit wir von weiteren Maßnahmen absehen können.
Ich erteile ihnen hiermit die Erlaubnis, von Maßnahmen abzusehen. Ganz im Ernst, das erinnert mich ein bisschen an den Virus, der damals mein System gesmasht hat: Der hat auch verlangt, dass man sich seine Vollversion kauft, um ihn loszuwerden.
Antworten Sie uns bitte in jedem Falle bis zum 19.12.2008, auch wenn Sie meinen, nicht dazu verpflichtet zu sein.
Ich WEISS, dass ich zu nichts verpflichtet bin. Damit hat sich das für mich. Ende.
Mit freundlichen Grüßen
Gebühreneinzugszentrale
Wollen sie nicht gleich das „herzlichst“ von Franz Josef Wagner übernehmen?
Dann wissen wir alle, dass der „Bildungsauftrag“ der öffentlich-rechtlichen Sender definitiv nur ein Teil des eigenen Programms erreicht hat. Sollte eine Verweigerung, Gebühren zu zahlen, die einzige Möglichkeit sein, widerliche Sendungen wie Musikantenstadl oder Brisant abzusägen, dann ist das wohl nötig. Gegen eine Spende für die Tagesschau hätte ich ja gar nichts, wenn ich sie sehen würde – aber zweckgebunden sollten die Mittel in dem Fall sein. Wohin das sonst führt, kann man sich ja eindrucksvoll bei Marienhof und co. ansehen.
Nun wäre da aber auch die GEZ selber. Die Briefe sind schlicht und ergreifend eine Frechheit, die lediglich der Einschüchterung dienen. Schlicht und ergreifend unterstellen sie einem spätestens mit dem oben zitierten Brief, dass man schon irgendwas zu verbergen hat, und sie dem Ganzen schon noch auf die Schliche kommen würden. Gerade wenn man keine Geräte unterhält, sollte man das kritisieren.
A prospos: Die Regelung mit den Geräten ist ebenso pervers wie dumm: Wer ein „Empfangsgerät“ bereithält, muss Gebühren zahlen – nicht etwa, wer das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender nutzt. Es ist also de facto nicht möglich, sich z.B. einen Kabelanschluss zuzulegen, um gelegentlich TV total zu sehen, ohne dafür die Gebühr für die ÖR-Sender zu zahlen. Es sei denn, man „sieht schwarz“, und begeht damit eine Ordnungswidrigkeit. In meinen Augen nicht tragbar!
Ja, die GEZ mahnt gerne ab, wenn sie sich in falsches Licht gerückt sieht, deswegen stehen hier auch keine Berichte über „GEZ-Fahnder“, weil es solche natürlich nicht gibt. Diese Leute sind lediglich freie Mitarbeiter der Landesrundfunkanstalten, die (zumindest zum Teil) auf Provisionsbasis arbeiten, und so ein reges Interesse daran zeigen, einem nachzuweisen, dass man irgendwas besitzt, was einen technisch befähigt, Karl Moik zu empfangen – ganz gleich, ob man auch die psychischen Fähigkeiten dazu mitbringt. Diese Leute dürfen grundsätzlich gar nix – schon gar nicht in eine Wohnung rein. Deswegen geben sie sich oft als Beamte aus und drohen Strafen an – im Gegensatz zum Schwarzsehen eine Straftat – aber damit hat die liebe gute GEZ mit dem verteidigenswerten Image natürlich nix am Hut.
So, genug gekotzt!
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Attvend!
Erster Advent ist nun also. Juhu!? Ich weiss nicht. Das Beste an Adventssonntagen ist für mich die erhöhte Versorgungsbereitschaft unserer ortsansässigen Supermärkte. Nach einem TV-Beitrag auf Phoenix heute habe ich allerdings eher mal wieder Lust auf ordentliches Containern. Bei unseren Märkten um die Ecke ist das allerdings nicht drin, da der Müll dort soweit ich weiss gut weggeschlossen ist.
Jetzt werden die ganzen Leser von Overblog wahrscheinlich wirklich aus den Latschen kippen, und fragen, ob der Sash sich wirklich gerne Essen aus dem Müll holen will. Ja! Und ich hab es auch schon gemacht! Containern ist in der Tat eine hervorragende Art, an Lebensmittel zu kommen. Die Tatsache, dass es umsonst ist, heisst noch lange nicht, dass man zwingend am Hungertuch nagen muss, um es zu tun. In erster Linie sehe auch ich das als politische Aktion, da es natürlich Ausgaben verhindert, und damit die Einnahmen von den Supermärkten, die sich das Wegwerfen von Lebensmitteln erlauben. Wer jetzt glaubt, dass ich davon rede, verschimmeltes Obst aus Müllcontainern zu fischen, der irrt. Supermärkte schmeißen in der heutigen Zeit so sinnlos viel Zeug raus, dass einem eigentlich die Augen tränen müssen, wenn man daran denkt, wie absurd das ist, und wo das Essen, oder vielleicht auch das Geld zum kaufen desselben fehlt. Wie die Märkte das genau im Einzelnen halten, das weiss ich auch nicht zu sagen, aber manchmal scheint als Grund wirklich ausreichend zu sein, dass das Haltbarkeitsdatum in einem oder zwei Monaten (!) abläuft. Bei den im Winter mitunter vorherrschenden Temperaturen kommt es noch dazu zu keiner Unterbrechung der Kühlkette, was bedeutet, dass insbesondere gut verpackte Tiefkühlwaren fabrikfrisch auch aus ansonsten unwirtlichen Containern gezogen werden können. So haben wir in der alten WG an einem Abend mal Shrimps im Einkaufswert von über 40 € essen können, einfach weil sie ein paar Wochen später schlecht hätten werden können.
Ich kann hier schlecht zum Containern aufrufen, da es sich rechtlich – so absurd das sein mag – um Diebstahl handelt. Moralisch verwerflich sollte es aber eigentlich niemand finden, da wir hier definitiv von Müll reden. Das heisst: Mit diesem „Diebstahl“ entlastet man nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern auch noch die Umwelt, weil das Zeug nicht unsinnig verbrannt wird. Wer schon einmal containert hat, der weiss es – aber auch für die Skeptiker: Man kann zwar Pech haben, aber es gibt Container, bei denen man nicht im Verdorbenen fischen muss. Mitunter sind ganze Müllcontainer fast ausnahmslos mit noch zum Verzehr geeigneten Waren gefüllt. Original verpackte, das Haltbarkeitsdatum noch lange nicht überschrittene Lebensmittel. In Mengen, die man als Einzelperson nicht zu tragen vermag!
Wenn jemandem die Gefahr zu hoch ist – ok! Aber bei der Frage, ob man sich dafür nicht zu fein ist, sollte man sich echt nicht aufhalten. Denn oftmals ist der Müll auch noch gut sortiert, und man braucht die Tiefkühlware auch nicht unter den Fischen vom Vortag hervorkramen, sondern kann sich aus einem Arrangement von normalen Verpackungen das raussuchen, was einem gerade beliebt.
Ich hab nur das Gefühl, dass wir hier einen schlechten Ort zum Containern haben. Naja, ich werde es noch rausfinden.
Nochmal knackig zusammengefasst: Ich bin ein ausgesprochener Freund des Containerns, wenngleich ich lange nicht dazu gekommen bin. Ich betrachte das nicht als abzuwertendes Verhalten, sondern als eine gezielte, Ressourcen schonende politische Aktion, die netterweise dem Geldbeutel einiges ersparen kann.
Ich wäre natürlich interessiert an Meinungen, auch wenn ich vermute, hier mal wieder ein Tabu gebrochen zu haben!
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Rien, rien…
Ich möchte trotz sicher gewaltiger grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten die Autoren des dieswöchigen Spiegel-Titel-Artikels (Nr. 47/2008) loben. Über die Finanzkrise ist viel geschrieben worden, und zu meiner Überraschung hat es die Kapitalismuskritik zu diesem Anlass immerhin mal aus den dunklen Kammern der radikalen Linken ans Licht der Weltöffentlichkeit geschafft. Ändern wird sich wahrscheinlich wenig, aber das will ich nicht in diesem Eintrag breit treten. Ich möchte den Artikel wirklich ernstlich loben, weil er selbst für einen Spiegel-Titel lang ist (Seite 44 bis Seite 80), und anhand vieler kleiner Beispiele und einer langen Zeitspanne anschaulich bis bedrückend erklärt, was genau sich eigentlich zugetragen hat. Zwar findet sich nicht viel der meiner Meinung nach angebrachten grundsätzlichen Kritik im Verlauf des Artikels, aber die Schlußsätze haben das Zeug dazu, Geschichte zu schreiben, wenn die Voraussagen eintreffen… Also wenn mir bei einem Artikel über die Wirtschaft ein Schauer über den Rücken läuft. 🙂
Der allerletzte Absatz, den ich meine (Vorkenntnis wäre hilfreich):
„Und wie so oft in einer Krise wehren sich Notenbanken und Regierungen mit immer neuer Geldzufuhr, immer neuen Staatsgarantien, immer neuen Milliarden, mit Billionen gegen das Platzen der finanziellen Superblase. Als wäre es eine letzte Wette auf den Erhalt und gegen den Untergang der bestehenden Weltordnung.
Alles auf schwarz.
Rien ne va plus.“
(Quelle: Spiegel, Nr 47/2008, S.80)
Alles auf schwarz.
Rien ne va plus.
Rien …
Der Heil-Wikipedia-Mann
So, nachdem die Sache im Laufe des heutigen Tages wohl ausgestanden sein dürfte, meldet auch der Sash sich zur Heil-wikipedia-Mann-Geschichte (oder so ähnlich) zu Wort.
Für alle, die dieses Abenteuer verpasst haben: Am 13. November hat Lutz Heilmann, Abgeordneter der Linken, mit einer einstweiligen Verfügung dafür gesorgt, dass die Seite www.wikipedia.de nicht mehr auf die Inhalte von de.wikipedia.org verlinken darf. Die Begründung ist, dass in seinem Lebenslauf einige Details nicht stimmen, oder er sie nicht gerne dort lesen will. Was genau der Fall ist, weiss ich nicht, die Medien meiner Wahl schweigen aus rechtlichen Gründen beharrlich über die genauen Textpassagen. Ob es jetzt um die Stasi-Vergangenheit Heilmanns oder einem (angeblichen?) Mitwirken an einem Sexshop geht, weiss ich also nicht sicher zu sagen, im Grunde ist mir das auch egal. Die Sexshop-Geschichte finde ich persönlich weniger spannend als die Stasi-Stationen Heilmanns, aber aus der linken Ecke dürfte dem Mann selbst diesbezüglich manchmal ein eisiger Wind umwehen.
Viel interessanter an dieser Geschichte ist, dass Heilmann sich in einen Kampf geschmissen hat, der gleichermaßen wenig nachvollziehbar, als auch hochgradig bekloppt war.
Wenig nachvollziehbar ist er in meinen Augen, weil wikipedia ein grundsätzlich demokratisches Medium ist, bei dem man es sicher bisweilen als einzelner schwer hat, falsche Aussagen zu ändern, ich aber vermute, dass Heilmann als Betroffener selbst mit entsprechenden Gegenbeweisen ein leichtes Spiel gehabt hätte, unwahre Sachverhalte endgültig zu klären.
Hochgradig bekloppt war es zudem, weil eine Sperre der wikipedia.de-Adresse etwa so viele praktische Auswirkungen hat, wie wenn man in Künzelsau ein Tempo-100-Schild aufstellt, um das Rasen auf deutschen Autobahnen zu verhindern. Wie erwähnt: Die Inhalte, an denen sich Heilmann (ich hab mich gerade vertippt, und Heulmann geschrieben) stört, liegen unter de.wikipedia.org. Nicht nur, dass das die meisten Nutzer von wikipedia wissen – nein, es stand auch auf der zum Zeitpunkt der Sperre vorgeschalteten Seite bei wikipedia.de. Natürlich ohne Link 😉
Über Suchmaschinen wie google konnte der entsprechende Eintrag also jederzeit aufgerufen werden, ebenso wie durch die Eingabe de.wikipedia.org statt der .de-Adresse.
Inzwischen sind wohl Passagen aus dem Artikel gelöscht worden, Heilmann bedauert inzwischen seine Verfügung, weil sich die Dinge (Oh Wunder!) zu seinen Ungunsten entwickelten. Die Internet-Welt schrie auf: „Zensur!“ Mit diesem Vorwurf kann man sich als Ex-Stasi-Angehöriger sicher auch im politisch eher lethargischen Deutschland schnell selbst von der Tagesordnung streichen. Dazu überrollte den wikimedia e.V., der die technisch gesehen völlig unbedeutende gesperrte Seite betreibt, eine massive Spendenflut (laut spiegel.de stieg das Aufkommen von ca. 3500€/d auf 16000€/d), teilweise mit der Begründung seitens der Spender , Heilmanns Attacke für ungerecht zu halten.
Da die geschäftliche Weisheit „Any promotion is good promotion“ nur eingeschränkt auf das politische Tagesgeschehen zu übertragen ist, wird Heilmann es inzwischen wohl bedauern, plötzlich einer der bekanntesten Politiker Deutschlands zu sein.
Der Fairness wegen muss man sich natürlich ungeachtet der vielleicht nicht sympathischen Gestalt Heilmanns fragen, inwiefern sein Anliegen („Wahre Tatsachendarstellung“) gerechtfertigt war. Selbstverständlich ist es nicht in Ordnung, wenn Lügen über Menschen verbreitet werden – insbesondere bei einem Portal wie wikipedia, das eine hohe Popularität und auch Glaubwürdigkeit genießt. Genau genommen ist dies für beide Seiten eher schädlich. Die Keule mit der Staatsanwaltschaft muss meines Erachtens nach dennoch nicht gleich als Begrüßungswerkzeug ausgepackt werden. Zumal im Falle der Richtigkeit der Daten der Versuch einer forcierten Manipulation durchaus als Zensur gewertet werden kann.
Ich gewichte den Schutz der Privatsphäre hoch – auch wenn das nicht immer erkennbar ist. Dass aber bei Politikern – ob zu Recht oder zu Unrecht, das sei mal dahingestellt – auch der persönliche Werdegang in eine Wahlentscheidung einfließt, das ist so neu nun auch nicht. Insofern kann man schlecht argumentieren, dass diese Infos irrelevant sind.
Der Ausgang der Geschichte scheint klar zu sein. Im Laufe dieses Tages werden die Anwälte Heilmanns wohl ihre Maßnahmen zurückziehen, alles wird wieder wie früher. Ich könnte mir zudem vorstellen, dass ich dieses Wochenende gleichermaßen das erste, wie auch das letzte Mal von einem gewissen Lutz Heilmann gehört haben werde, einem Politiker der Linken, der einst bei der Stasi war und vielleicht sogar mit Sexspielzeug Geschäfte gemacht hat. Würde mir nichts ausmachen!
This is not a Change!
Barack Obama ist also der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn man die Auswahl McCain contra Obama als gegeben sieht, dann bin ich natürlich froh, dass es so gekommen ist. Und natürlich ist es bisher einmalig, dass ein Schwarzer Präsident in den USA geworden ist. Juhu!
Ich gönne Obama den Wahlsieg, und wenn man ihn so sieht, dann scheint er ja auch ein sympathisches Kerlchen zu sein. Aber ich muss doch – hierauf haben wieder alle meine Leser gewartet – ein bisschen gegen diese „Obamania“ anzukämpfen versuchen. Dieser Mensch hat es nun geschafft, Präsident zu werden. Dafür hat er x Millionen US-Dollar aufbringen müssen, und sich geistig herablassen müssen auf die Ebene, die das amerikanische Wahlvolk haben möchte. Von nun an ist er „der mächtigste Mann der Welt“, gewissermaßen das Leitbild (ich wollte nicht Führer schreiben) der westlichen Welt.
Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht der Meinung bin, dass irgendeine einzelne Person überhaupt einen derart wichtigen Posten besetzen sollte, möchte ich doch auch einmal daran erinnern, dass der amerikanische Präsident zwar viel zu viele Freiheiten besitzt, dass dieses Amt aber auch aus Obama – selbst wenn er ein netter Kerl sein sollte – einen von Lobbyisten getriebenen Irgendwer machen wird.
Obama mag die bessere Wahl gewesen sein in einem System, das nur zwei Alternativen vorsieht. Das will ich nicht bestreiten. Aber ob es wirklich etwas aussagt, dass Barack Obama nun gewählt wurde, dass wage ich zu bezweifeln.
Natürlich liegt das einfach nur in meinem sehr linken Naturell, dass ich auch im Erlöser selbst wieder das Böse sehe, aber man darf ja gespannt sein, wie sich das alles entwickeln wird.
Ganz im Ernst: Die Welt wird keine andere werden, nur weil Obama nicht so blöd ist, jedes mit den Geheimdiensten zu findende Fettnäpfchen mit einem Tritt hinein zu beehren. Dass mit Bush ein wirklich exorbitant blöder Präsident nun 8 Jahre das Land regiert hat, spielt sicher eine Rolle im Bezug auf die Frage, wie positiv Obama bewertet wird.
Aber: Reicht das aus für dieses Amt in diesen Zeiten?
Ich bin gespannt darauf, in vier Jahren einmal zu sehen, wie es mit dem Klimaschutz, der Armutsbekämpfung und dem Rassismus in den USA aussieht. Weltweit natürlich auch.
Aber ich glaube, dass all das „Yes, we can!“, all der „Change“ nicht so kommen wird, wie viele glauben. Obama ist ein neuer Präsident. Er wird hoffentlich vieles besser machen als sein recht stupider Vorgänger, aber ich glaube nicht daran, dass er ernstlich was ändert. Ehrlich gesagt wäre ich hier froh über einen Gegenbeweis…
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Winner of the Day
Der Gewinner des Tages ist ganz eindeutig die VW-Aktie. Jedes Medium hat das wahrscheinlich inzwischen durchgekaut, die Story ist langsam öde, aber mich amüsieren die Krise und die umherwabernden Skurilitäten aus der Finanzwelt nach wie vor. Wenngleich ich durchaus verstehe, was das Problem mit VW gerade ist, so komme ich dennoch nicht umhin, mich schier einzunässen bei der Vorstellung, dass die deutsche Finanzwelt gerade Krisenstimmung verbreitet, weil eine wichtige Aktie im DAX steigt.
Spätestens das müsste den letzten Deppen, die in diesen Geschäften mit drin hängen, zeigen, dass die Finanzmärkte sich endgültig von der Realität abgekoppelt haben, und ihr nettes Spielzeug zur automatischen Geldvermehrung sich ein wenig verselbstständigt hat. Natürlich würde ich mir gerade aus finanziellen Gründen wünschen, zwei drei VW-Aktien zu besitzen, die ich über Nacht verscherbeln könnte, aber ich mache mir nichts vor:
Was derzeit passiert, ist der reinste Irrsinn, und das ist es nicht erst seit der Finanzkrise. Das war es schon davor, und ich wage es zu bezweifeln, dass die großen Kapitalmärkte der Menschheit überwiegend Gutes gebracht haben.
Na, wollen wir wetten, wie hoch die Aktie morgen bei Börsenschluss steht?
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