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Und weg isser…

Wow! Ich bin ernstlich überrascht worden gerade vom Rücktritt des Bundespräsidenten. Ich habe die ganze Chose mit seinen Äußerungen bezüglich deutschen Wirtschaftsinteressen und Krieg auch nur gehört, als es schon ans Dementieren ging. Ich hab den O-Ton im rbb-Inforadio nachts um was weiss ich wieviel Uhr an der Kreuzung Schönhauser/Danziger gehört (Ich schreibe das nur, damit ich es weiss falls es mich selbst irgendwann mal interessieren sollte, wo ich zu diesem Zeitpunkt war) und hab es eigentlich nur halblebig wahrgenommen.

Über die Intentionen des Herrn Köhler bei seiner Antwort im Interview mit dem Deutschlandradio kann ich zwar nichts sagen, aber es ist Tatsache, dass er ziemlichen Bockmist von sich gegeben hat. Ob er – wie später ein Sprecher dementierte – den Afghanistan-Einsatz gemeint hat oder einen fiktiven Krieg der Sterne, spielt dabei keine Rolle, würde ich sagen. Denn man kann unser Grundgesetz ebenso drehen und wenden wie hoffentlich die eigenen moralischen Überzeugungen auch, selbst „im Notfall“ wird dabei keine Möglichkeit herauspurzeln, die einen Krieg seitens Deutschland wegen freien Handelswegen zulassen.

Mag sein, dass hier in eine nebensächliche zerstreute Äußerung zu viel hineininterpretiert wurde, aber den Umgang Köhlers damit, und jetzt der Rücktritt mit der Begründung, er vermisse den Respekt für das Amt… da hat er sich aber ordentlich disqualifiziert.

Und ich möchte mal anmerken, dass Köhler von allen Konservativen da draussen noch einer derjenigen war, die ich in gewisser Weise noch halbwegs ok fand. Der Rücktritt vom Koch beispielsweise war mir echt die fünf Minuten für einen Hinweis nicht wert.

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Nachtsparen

Es kriselt weiter fleissig da draussen im Lande, auf dem Kontinent und sogar weltweit. Auch die Regierung hierzulande sucht gerade krampfhaft nach Möglichkeiten, in Zukunft sparen zu können. In meinen Augen bedenklich oft wird dieser Tage auch darüber nachgedacht, bei Nacht- und Feiertagsarbeit künftig die Steuerfreiheit der entsprechenden Zuschläge zu streichen.

Das ist nun ein Thema, das erste schätze ich, das mich politisch auch meiner eigenen Situation wegen interessiert. Ich bin bisher soweit ich mich erinnern kann, kein einziges Mal auf die Straße oder ins Wahllokal gegangen, um mir selbst das Leben leichter zu machen. Ich persönlich lebe ja in einem erstaunlich konfliktfreien Vakuum innerhalb fast aller politischen Entscheidungen. Ich verdiene zwar wenig Geld, bin aber zufrieden damit. Ich hab passable Arbeitszeiten mit Luft nach oben und unten und entscheide das ohnehin selbst. Ich bevorzuge ein schon ziemlich spießiges Leben ohne teure Hobbies. Ich kann mir vorstellen, weniger zu heizen, langsamer zu fahren und ungesünder zu essen. Ich passe dank meiner Herkunft nicht ins Beuteschema meiner politischen Gegner, habe Spaß an meiner Lohnarbeit und als abschreckend großer weißer Mann muss ich mir fast überall auf dem Planeten keine Sorgen um Ausgrenzung, Rassismus oder Überfälle machen. Von Sexismus würde ich auch noch profitieren. Im Zweifelsfall bin ich mit einem ausreichenden sozialen Netzwerk ausgestattet, dass es mir erlauben würde, eine gewisse Zeit ohne Geld zu überleben, und moralische Skrupel, im Ernstfall kriminell zu werden, traue ich mir zu abzulegen. Ja selbst im Falle einer Hungersnot habe ich mehr Fettreserven als 90% der Menschheit und kann daher mit Fug und Recht behaupten, dass ich einfach keinen Grund habe, mich zu beschweren.

Im Grunde auch nicht über eine Streichung einiger Steuervergünstigungen.

Das heisst aber nicht, dass ich dafür wäre! Aber, und das ist komischerweise wirklich meine ehrliche Meinung, geht es mir auch hier eigentlich nicht um meine paar Euro. Klar, mir würde am Monatsende was im Geldbeutel fehlen. Wenn es ganz dumm läuft, dann bedeutet das, dass ich einen Tag mehr arbeiten muss, oder – um es ein wenig deutlicher zu machen – eine Viertelstunde mehr pro Tag. Das ist nicht wirklich ein Grund zum Jubeln, aber in meinen Augen ein vertretbarer Aufwand. Insbesondere, wenn wir mal so dümmlich und blauäugig wie all die CDU- und FDP-Wähler sind, die glauben, dass die Regierung weiss was sie tut und dieses finanzielle Mehraufkommen in irgendeiner Form tatsächlich sinnvoll verwendet.

Aber ich finde es unfair vielen Menschen gegenüber. Denn auch wenn ich selbst mit meiner Situation grinsend zufrieden bin, ist nicht abzustreiten, dass Nacht- und Feiertagsarbeit eine Mehrbelastung darstellen. Ob die gesundheitlichen Studien haltbar sind, weiss ich nicht. Aber alleine der soziale Faktor. Wie kann ich im selben Land Ladenöffnungszeiten einschränken, um die armen Beschäftigten vor Ausbeutung zu schützen, und andererseits die Arbeit derer, die dennoch Nachts arbeiten müssen, als gleichwertig abstempeln.

Ich hab vor einiger Zeit schon einmal geschrieben, dass es nunmal eine Menge Leute gibt, die Nachts arbeiten müssen. Die Ärzte und die Feuerwehr führe ich gerne an erster Stelle, aber selbst die von mir vielgescholtenen Polizisten widmen sich ja bisweilen Nachts sinnvollen Tätigkeiten, die keiner missen möchte. Was es für unser modernes Leben bedeuten würde, wenn auch Mitarbeiter von E-Werken, Kneipiers, U-Bahn- und Taxifahrer nachts einfach alle frei hätten, das kann man mal versuchen, sich auszumalen. Wir leben zwar inzwischen in einer Welt, in der ich beim Versandhandel nachts um ein Uhr ein Kissen mit Katzenmotiven kaufen kann, aber dennoch sind viele Dinge dieser Welt auf das Leben tagsüber zugeschnitten.

Denn meine Nachbarn bohren ihre Dübellöcher zu meiner Schlafenszeit. Wenn ich am Montag um 3 Uhr von der Arbeit komme, hat kein Laden mehr offen, in dem ich mir schnell was zu essen kaufen kann. Mein Arzt öffnet zu einer Tageszeit, die bei normalen Menschen etwa 1 Uhr Nachts bedeutet und wenn ich wegen irgendwas zu einem Amt muss, dann kann es schon mal sein, dass ich meinen Tagesrhytmus völlig umschmeissen muss. Dazu kommen Vertreter, Werbeanrufe und Nachfragen von Unternehmen, mit denen ich eine Geschäftsbeziehung unterhalte, die sich allesamt melden, wenn ich gerade meine zweite oder dritte Tiefschlafphase habe. Sicher ist auch mein Stromverbrauch höher, da ich zu freien Zeiten nachts das Licht anhaben muss.
Andere haben es noch schlimmer erwischt: Sie haben eine Frau, die einen Job macht, den sie nur tagsüber machen kann/darf oder gar so kleine wuselige Viecher, die tagsüber in die Schule müssen und den Rest der hellen Tageszeit kreischend in der Wohnung verbringen.

Von der seelischen Belastung, die einen befällt, wenn man am Wochenende abends nicht mit den Freunden einen trinken gehen kann, mal ganz abgesehen: Es sind nach wie vor eine Menge Nachteile, die einem die Nachtschicht verleiden können. Ganz im Ernst: Ich schäme mich nicht, dafür irgendwas zwischen 5 und 50 € monatlich an Steuergeschenken zu bekommen. Ich halte das schon in meinem Fall für eine gerechtfertigte Gegenleistung für den Gefallen, den ich betrunkenen Spätheimkehrern damit mache, morgens um 4 Uhr im Auto auf sie zu warten. Und die Bezuschussung für den Arzt, der mich dann um 5 Uhr aufnimmt, wenn der Betrunkene mir ins Lenkrad gefasst und damit einen Unfall provoziert hat, die kann in meinen Augen gar nicht hoch genug sein.

Ich bin grundsätzlich ein Vetreter libertärer Ansätze, und würde mir in erster Linie natürlich eine Angleichung des Nacht- an das Tagleben wünschen. Aber im Wissen darum, dass eine gewisse Ruhe dem Menschen definitiv gut tut (ist ja z.B. schön zu wissen, dass die Anrufe nachts um 4 Uhr wirklich dringend sind) und andererseits auch Party und Bohren in den eigenen vier Wänden wenigstens tagsüber ok sein müssen, bin ich eben dafür, wenigstens einen kleinen finanziellen Ausgleich für uns Nacht- und Feiertagsarbeiter zu erhalten.

Davon, dass die Nacht die schönere Tageszeit ist, können wir leider auch nicht alleine leben 😉

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Blockier‘ se!

Ich möchte hier wegen den immer höher schlagenden Wellen der Kritik gegenüber Wolfgang Thierse als unbedeutender Blogger und ebenfalls Nazi-Aufmarsch-Blockierer sagen, dass ich es sehr sehr lobenswert finde, was Thierse getan hat!

Ich bin nicht in seiner Partei, halte diese sogar für unwählbar, stimme mit ihm grundsätzlich in wahrscheinlich kaum einer Frage überein, aber: Ich bin der Ansicht, dass es völlig in Ordnung war, dass er sich einer Sitzblockade gegen den Neonaziaufmarsch am ersten Mai 2010 in Berlin beteiligt hat.

Sollte ein Gericht feststellen, dass es sich dabei um einen Rechtsbruch gehandelt hat, dann kann ich diese Entscheidung nur verurteilen! Denn ich kann mir kaum schlimmeres vorstellen, als dass die Verbreitung neonazistischer Propaganda mehr dem deutschen Recht entspricht als ein Protest dagegen.

Ja, auch und gerade ich werte die Meinungsfreiheit als eines der höchsten Güter, die uns in dieser Gesellschaft derzeit gegeben sind. Nicht damit vereinbar sehe ich allerdings den Aufruf zur Volksverhetzung, die Verherrlichung des Nationalsozialismus und die Verteidigung der abscheulichen Gedanken, die hinter all dem stehen!

Auch wenn Thierses Aktion vielleicht nur symbolischen Charakter hatte, so bin ich doch froh darum, dass es selbst hier noch hochrangige Politiker gibt, die derart einsatzfreudig zeigen können, was ihre Überzeugung ist!

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Bester Blogeintrag des Tages

Hostblogger zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtes

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Freitag = Polizeitag (3)

Nazidemonstration. In Weinheim. Weinheim?

Muss man nicht kennen, und dank Abwesenheit der Nazis war das eine kurze Gegendemo, die sich bald auflöste und die 200 km Anfahrt nicht wirklich gelohnt hat. Aber gut, ab nach Hause, gemütlicher Abend in der WG. Wir waren zu fünft, und der Rest würde sicher nachkommen.

Wir waren inzwischen fernab jeder größeren Gruppe auf dem Weg zum Auto, als wir merkten, dass uns eine Wanne im Schrittempo folgte. Klar führte das zum ein oder anderen lustigen Kommentar unter uns, aber was wollen sie uns bitte?

Irgendwann haben sie dann aufgeschlossen und fuhren neben uns. Ein neugieriger Beamter fragte aus dem Fenster, wo es denn hingehe.

Ich hab ohne den Blickkontakt zu erwidern den Autoschlüssel aus der Tasche gezogen, hochgehalten und gesagt:

„Zum Auto. Heimfahren.“

Das hat ihnen offenbar als Antwort genügt und sie haben sich zurückfallen lassen. Von uns weichen wollten sie nicht, und wir nahmen es mit einer eigentlich unverständlichen Gelassenheit hin, dass sie offenbar sehen wollten, in welches Auto wir steigen und dabei wahrscheinlich noch kurz das Kennzeichen überprüfen.

Wir hatten keinen Bock auf Stress und sind zügig eingestiegen und haben uns lediglich darüber amüsiert, dass die Überprüfung eigentlich nur ergeben könnte, dass das Auto einem bald 60jährigen gehört, der nur insofern jemals mit der Polizei zu tun hat, als seine Tochter in dem Verein arbeitet…

Also sind wir losgefahren. Aber wohin?

Es war die graue Vorzeit in der Menschheitsgeschichte, in der Navis noch blöd waren wie Nacktmulle im Weltall und zudem unbezahlbar für Proletariervolk wie uns. Also hatten wir einen perfiden Plan: Wir sind immer weiter gefahren, bis eine größere Straße kreuzt. In diese sind wir nach dem Zufallsprinzip eingebogen und haben uns so zu immer größeren Straßen vorgetastet. Irgendwann würde sicher ein Schild Richtung Autobahn kommen…

Das Prinzip ist – wenn man es nicht gerade als Taxifahrer anwendet – sicher nicht blöd und würde auch in Berlin funktionieren. Aber wir hatten ja Geleitschutz. Ganz offensichtlich waren wir ihnen derart suspekt und sie waren unterbeschäftigt genug, uns mit der Wanne zu folgen. Wir sind sicher einen mehr als bekloppten Weg gefahren, aber mit unserem Stuttgarter Kennzeichen hätte unseren Verfolgern auch die Idee kommen können, dass wir nicht zum ausgewählten Personenkreis gehören, die sich in Weinheim – ich wiederhole: IN WEINHEIM! – auskennen.

Wir waren sicher schon fünfmal durchs gesamte Kaff gegurkt, als wir einen relativ komfortablen Vorsprung vor unseren Verfolgern hatten. Ohne die Geschwindigkeitsbegrenzung zu übertreten mehr als 200 Meter. Es folgte eine lang gedehnte Rechtskurve, bei der sie uns aus den Augen verloren.

Es war eine Kurzschlussaktion, dass wir beschlossen haben, wir schütteln sie ab. Wir hatten nun wirklich nichts getan, und es ist einfach wirklich stressig, die ganze Zeit Cops im Nacken zu haben, die einen beobachten…

Also habe ich das Licht ausgemacht und bin in eine recht üppige Parklücke vorwärts eingebogen.

Es hat natürlich nicht geklappt…

Es ist ein ziemlich ungutes Gefühl, wenn man in einem Auto sitzt und neben einem fährt eine Wanne vorbei mit einem kompletten Sixpack schwerbewaffneter Cops darin, von denen jeder die Möglichkeit nutzt, einen hasserfüllt anzusehen. Es kam, wie es kommen musste: Wenige Meter vor uns fuhren sie ebenfalls rechts ran und sprangen aus dem Wagen.

Ich hab die Situation zu entschärfen versucht, bin ausgestiegen, hab die Hände beschwichtigend gehoben und gesagt:

„Ey, keine Panik! War nur ein Scherz…“

Die Antwort folgte prompt. Der Chef erklärte mit einer Hand am Schlagstock übel gelaunt:

„Sie sehen ja: Wir lachen alle!“

Die folgende Dreiviertelstunde standen wir also in Weinheim am Straßenrand und haben uns und unser Auto von den Cops filzen lassen. Dazu kam eine intensive Ausweiskontrolle, und beendet wurde das alles mit einer rechtlich sehr fragwürdigen „Bitte“, die „Stadt“ schnellstmöglich zu verlassen. Das war ja nun wirklich kein Problem.

Etwas Ärger staute sich allerdings in mir auf, als ich linker Hand eine Tanke sah, an der wir dringend unseren Spritbedarf hätten decken sollen. Aber ich bin mir sicher, dass ich heute noch Abdrücke von Schlagstöcken irgendwo im Gesicht hätte, wenn wir an dieser Stelle gewendet hätten. So haben wir uns also bis zur Autobahn eskortieren lassen und das friedliche Weinheim damit verschont, unser gutes schwäbisches Geld dort liegen zu lassen. Der eine Euro mehr beim Tanken auf der Autobahn war dann auch nicht der Rede wert.

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THF/3.400.000

Und einmal mehr bin ich via Aros Blog auf was interessantes gestoßen:

Die von der taz flankierte Forderung, das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof unter allen Berlinern aufzuteilen.

Das Plädoyer in der taz

Erste Reaktionen (auch taz)

Seit einem Jahr ist der ehemalige Flughafen nun Geschichte. Der Volksentscheid brachte den Befürwortern nicht genug Stimmen, sodass seit November letzten Jahres über den Dächern der Anwohner tatsächlich Ruhe eingekehrt ist. Die nun funktionslose Fläche hat ziemlich genau die Ausmaße des Central Park in New York City und stellt die Stadt genau wegen ihrer Einzigartigkeit wieder vor ein Problem:

Was zur Hölle macht man als finanziell klamme Millionenstadt mit plötzlich auftauchenden 340 Hektar Freifläche? Zumal natürlich jeder dahergelaufene Vollspaten irgendwelche Pläne hat.

Die Meinungen über die sinnvollste Nutzung gehen weit auseinander. Vom Senat über Wirtschaftsgrößen bis zu Bürgerinitiativen und Autonomen scheint jeder eine eigene Idealvorstellung vom zukünftigen Treiben dort zu haben. So reichen die Vorschläge auch von Technologieparks über Nobel-Wohn-Viertel bis zu Volksparks und gar der Errichtung eines Berges.

Nun allerdings kam ein nicht uninteressanter Vorschlag zum Thema:

Man teilt das Flughafengelände unter den Berliner Bürgern auf. Durch die zufällige Übereinstimmung zwischen Flugfeldgröße und Einwohnerzahl bliebe für jeden Berliner ein symbolträchtiger Quadratmeter zur persönlichen Gestaltung.

Der Vorschlag versteht sich als radikal- und basisdemokratisches Experiment.

In genau diesem Punkt finde ich die Sache auch interessant. Denn natürlich wäre es beinahe die bekloppteste Idee seit Existenz des Flughafens, das Feld in einen Wald von Schildern zu verwandeln, auf denen jeder – einer pro Quadratmeter – seine Ansprüche kundtut. Aber genau das wäre auch kaum zu erwarten. Der eine Quadratmeter hat für sich genommen keinen sonderlich hohen Nutzwert – da der Raum nicht einmal ausreichend wäre, ein Bett dort unterzubringen. So ist es das wahrscheinlichste, dass sich neben ein paar exzentrischen Eigenbrödlern durchaus Initiativen finden würden, die für größere Projekte Verbündete suchen.

So wäre es durchaus denkbar, dass am Ende von den vielen schon existenten, teilweise halbgaren Vorschlägen einige tatsächlich durchgesetzt werden könnten. Was sind schon 7.500 Leute in Berlin? So viel wären nötig, um beispielsweise einem Fußballplatz seinen Platz zu sichern. Genügend Anhänger für großflächige Grünanlagen, Spielplätze, Wiesen und dergleichen finden sich wahrscheinlich schon unter den Anwohnern.

Natürlich wäre eine derartige Aktion mit der Gefahr verbunden, dass auch selten dämliche Projekte ihren Platz finden würden. Aber wenigstens wäre diese Dämlichkeit ein Abbild der Berliner Bürger, jedes dort entstehende Chaos würde höchstens die Stadt treffend beschreiben und wenn man sich jetzt überlegt, was für ein gewaltiges Potenzial diese Lösung bereithalten könnte, wenn es nicht zum „Worst Case“ kommt… dann kann man fast überwältigt sein.

Ich meine, wir reden hier von Platz für soziale Projekte, von Stadtverschönerung, von Platz für Kunst im öffentlichen Raum. Und vielleicht auch von Schwachsinn, den ich heute nicht einmal abschätzen kann.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Vorschlag gehört wird, ja gar umgesetzt wird, ist natürlich denkbar gering.

Die Stadt hat mit einer verödenden Wiese ja wahrlich viel zu verlieren bei dieser Aktion. Am Geld – so mutmaße ich mal – wird es indes wohl eher nicht scheitern, da ich denke, dass sich die Menschen ihre persönlichen Lieblingsprojekte durchaus was kosten lassen würden.

Wie ihr merkt: Mir gefällt der Gedanke. Wie so oft bei Einzelaktionen wäre das sicher kein Meilenstein in der Weltgeschichte, aber die Vorstellung, etwas völlig unabsehbares anzugehen und etwas derart innovatives zu fördern, finde ich extrem anregend.

Natürlich gäbe es eine Menge Detailfragen zu klären, eine Menge Strukturen zu erschaffen, um das Ganze durchführen zu können und es wäre mit Sicherheit nicht einfach mal kurz in ein paar Wochen erledigt. Aber diese Probleme ergeben sich bei den meisten „konventionellen“ Ideen auch.

Ehrlich gesagt: Ich wüsste gerade auch noch nicht, wofür ich meinen Quadratmeter nutzen oder zur Verfügung stellen würde. Sicher jedoch nicht für neue Bürogebäude oder einen neuen Flughafen…

Und das ausschließen zu können, wäre doch auch schon schön 🙂

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Es ist schwarz und mehr weiss ich nicht…

Keine Sorge, das soll kein Witz über Zeugenaussagen zu einem Verkehrsunfall werden 😉

Ich hab gerade mal wieder meinen Feedreader durchgenuckelt – was ich etwa 6 mal am Tag mache, wenn ich zu Hause bin – und bin dabei – schon wieder via lawblog.de – auf einen Artikel bei welt.de zu den gerade schwer in der Diskussion stehenden „Schwarzlichtblitzern“ gelangt. Soweit nichts aufsehenerregendes.

Ich bin dann aber natürlich ein wenig in die Kommentare abgetaucht und da fand sich natürlich einiges nettes, einiges fragwürdiges und einiges völlig behämmertes. Gut, im schlimmsten Fall kann das bei einem Artikel über Socken auch passieren.

Was mich allerdings wirklich schockiert bei Geschwindigkeitskontrollen an und für sich:

Ich weiss nicht, wie meine Meinung dazu aussieht!

Nix! Ich weiss es nicht!

Ich meine, ich bin hauptberuflicher Fahrer, ich muss doch irgendeine Meinung dazu haben!

Also eine Meinung habe ich irgendwie schon – aber leider führen die Teilaspekte des Themas bei mir zu einem unauflösbaren Widerspruch.

OK, fangen wir mal von vorne an. Wir haben in Deutschland einen verhältnismäßig dichten Verkehr, und der ist geregelt. Es gibt allerlei Vorschriften, wie man sich zu verhalten hat. Verstößt man gegen eine dieser Vorschriften, wird man entweder erwischt oder nicht und davon hängt es bis auf wenige Spezialfälle ab, ob man bestraft wird. Ist ja nicht so sonderlich unlogisch – wenngleich es natürlich immer unfair ist, wenn man selbst erwischt wird. Logisch! 😉

Gut, Geschwindigkeitsmessungen:

Da ist zum einen die erlaubte Geschwindigkeit. Ich weiss eigentlich bis heute nicht, wer sich um diese Geschwindigkeiten kümmert. Im Großen und Ganzen geben die Begrenzungen Sinn, aber die Einzelfälle sind bisweilen derart grotesk, dass wohl jeder Autofahrer schon einmal über eine Regelung verärgert war.

Als Lieblingsbeispiel in die eine Richtung nehme ich z.B. eine der zahllosen Baustellen in Berlin, bei der die Landsberger Allee, auf der normalerweise 50 km/h erlaubt sind (bei 4 Fahrspuren pro Richtung und so gut wie null Fußgängern im Umfeld) einer Baustelle wegen auf 30 km/h zulässige Höchstgeschwindigkeit begrenzt wurde, weil eine Spur wegfiel. Tagsüber ist der Verkehr zu dicht, als dass man ernstlich schneller fahren könnte und nachts ist man alleine auf der Straße, und – ohne Raser zu sein – bediene ich mich immer meines Tachos, um mich überhaupt an die 50 halten zu können. Da ist diese Straße so gefährlich wie eine gesperrte Autobahn bei Sonnenschein. Wozu also 30? Eine Aufhebung dieser Geschwindigkeitsbegrenzung existierte zudem nicht wirklich, bzw. erst nach der nächsten Ampel nach 500 Metern – was (man möge mir meine galoppierende Ungeduld verzeihen, aber meine Kunden laufen Amok, wenn ich die 30 bis dahin durchziehe) bei einer Baustelle von 25 Metern Gesamtlänge reichlich unproportional wirkte…

Als Beispiel für die andere Richtung nehme ich immer gerne eine Landstraße grob in Richtung Mettelberg (keine Sorge, kein Mensch muss wissen, wo Mettelberg liegt!). Es handelt sich um eine langweilige Landstraße mit der üblichen 100 km/h-Begrenzung außerorts. Wegen einer Einmündung ist das Tempo dann für eine Strecke von vielleicht 500 Metern (ja, auch das vielleicht übertrieben) auf 70 km/h begrenzt. Diese Begrenzung wird kurz vor einer Kurve am Waldeingang aufgehoben, die kein Mensch mit einem normalen Auto schneller als 50 km/h unter Benutzung nur einer Spur fahren kann. Hier sind also 100 km/h erlaubt, wo ich gerne für Tempo 50 plädieren würde…

Aber zusammenfassend lässt sich sagen: Geschwindigkeitsbegrenzungen geben natürlich Sinn: Insbesondere ortsunkundige Fahrer erhalten so eine Einschätzungshilfe, überwiegend sogar eine gute, und – das darf man natürlich auch nicht vergessen – im Falle eines Unfalles lässt sich mithilfe fester Grenzwerte bestimmen, wer angemessen gefahren ist und wer nicht. Das Manko ist im wesentlichen, dass man sich als regelmäßiger Fahrer oftmals unsinnig gemaßregelt fühlt. Wobei ich da wirklich kritisch bin, denn natürlich halten wir uns alle für wesentlich krisenfester im Auto als wir es dann in einer Gefahrensituation wirklich sind.

Dann die Kontrollen der Geschwindigkeitsbegrenzungen:

Je nach Vergleichsland haben wir in Deutschland eine mehr oder weniger dichte Verkehrsüberwachung in Form solcher Kontrollen. Ich denke, eher weniger dicht. Es existiert seit Jahrzehnten ein Glaubenskrieg, ob die überwiegende Zahl der Kontrollen nun an den tatsächlichen Unfallschwerpunkten stattfinden oder eher an den Stellen, an denen man schneller fahren könnte als erlaubt, viele es somit machen, und die die Überwachungsgeräte aufstellenden Gemeinden damit eher eine einfache Methode der Geldeintreibung etabliert haben. Meine Meinung liegt irgendwo dazwischen, denn einen Überblick habe ich nicht, und es fällt einem nicht immer leicht, Unfallschwerpunkte als solche zu erkennen. Obwohl ich mir als sehr regelmäßigem Fahrer auf solchen Strecken durchaus auch ein gewisses Einschätzungsvermögen attestieren würde.

Bei den jetzt so neuen Kameras geht es noch zusätzlich um die Frage, ob es legitim ist, eine Messung (ggf. mit Ahndung) vorzunehmen, von der man als Autofahrer erst einmal nichts mitbekommt. Das wesentliche Argument dafür ist das, dass die Fahrer nicht durch den Blitz erschrocken abbremsen und somit den Verkehr erst recht gefährden. Das Gegenargument ist im Wesentlichen, dass es sich um eine verdeckte Überwachung handelt, die es dem ehrlichen Autofahrer, der sich nur mal eben verschätzt hat, erstmal keine Chance auf Einsicht gibt, ja eventuell dazu führt, dass er mehrmals in Folge den selben Fehler begeht.

Natürlich lässt sich das alles kurz zusammenfassen mit dem Satz „Wer sich an die Regeln hält, dem passiert auch nix!“ Dummerweise ist das ein Satz, auf den ich einen Dreck gebe! Denn ich sehe zwar ein, dass ich im Falle eines Unfalls nach der Rechtslage verurteilt werde, wenn ich zu schnell unterwegs bin – auf der anderen Seite weiss ich sehr gut um die unterschiedlichen Fähigkeiten von Fahrern, Autos und sogar die mit dem Wetter wechselnden Komponenten beim Verkehr Bescheid. Ich weiss, dass man sich dabei vielfach verschätzt, aber ich traue mir – und das nicht weil ich so ein lustiges gelbes Papier im Geldbeutel habe – zu, dem Verkehr angepasst zu fahren und keine Gefährdung zu sein, die irgendwie eine Grenze überschreitet. Verdammt, ich bin einer der wenigen Autofahrer, die sich Gedanken über ihre Müdigkeit machen und denen klar ist, dass auch Schrittempo tödlich sein kann, wenn nur die Umstände passen! Insofern lasse ich mir auch ungern was vorschreiben.

Ich mache auch Fehler, genauso wie jeder Autofahrer! Aber ich bin mir der Gefahren und ihrer Folgen stetig bewusst und ich tue mein Bestes, um aus dem Verkehr, zu dem ich meinen Teil beitrage, keinen Kampf ums Überleben, sondern eine friedliche Koexistenz zu machen. Inklusive Rückziehern, Ausweichen, Auf-die-Hupe-verzichten und Gelassenheit. Da tut es einfach weh, auf der Landsberger 30 zu fahren, sich dafür anmaulen zu lassen und dann beim leicht verfrühten Rausbeschleunigen Ärger zu kriegen, der den Lebensunterhalt kosten kann. (Extrem formuliert, ich geb’s zu!)

Und da ist der Widerspruch: Ich sehe tagein, tagaus eine schier unüberschaubare Menge Idioten auf der Straße, für deren Verhalten – und ich meine keine Leichtsinnsfehler – ein Führerscheinentzug nur der Gipfel des Eisbergs sein sollte. Und gewissermaßen liegt mir viel daran, dass das auch mal passiert.

Auf der anderen Seite halte ich gar nichts von präventiver Überwachung, von Generalverdacht und maße mir in manchen Fällen sogar an, die Entscheidungen der Obrigkeit zu kritisieren, weil ich sie für wirklichkeitsfremden Quatsch halte. Und ich somit für einen Verstoß dagegen manches Mal lieber Medaillen verleihen als Fahrverbote verhängen würde, wenn es meine Aufgabe wäre.

Ganz wichtiger Fakt am „Rande“: Auch im Verkehr kann es keine absolute Sicherheit geben! Ich will in keinster Weise das Rasen oder gar irgendwelches total bekloppte Verhalten gutheissen, aber: Es werden immer Menschen im Verkehr sterben! Genauso wie immer Menschen von Leitern fallen werden. Wir snd als Spezies bekloppt genug, der Tatsache zu trotzen, dass wir keine Fressfeinde mehr haben.

Selbst wenn es Zeichen einer gesunden Gesellschaft sein sollte, dass man über diese Thematik ständig streitet: Muss es deswegen normal sein, dass ich mir selbst nicht im Klaren bin, was ich davon zu halten hab?

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