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Lebensqualität

Hier möchte ich ein Foto posten, dass einen klitzekleinen Ausschnitt aus der WG wiedergibt. Aus Gründen der Privatsphäre will ich nicht schreiben, in wessen Zimmer das Bild entstanden ist. Ich werde also auch alle Kommentare löschen, die – weil die Ersteller es wissen oder ahnen – einen Namen nennen. Glückwünsche sind natürlich dennoch gerne gesehen. Ich nenne dieses Bild: 

Das Ende einer Matratze
(die Seite auf der man schläft)

Schönes Stilleben, Quelle: Sash
Schönes Stilleben, Quelle: Sash

Betrachtet es als eine raffinierte Stilleben-Komposition, bei der viel Liebe ins Detail gesteckt wurde. Zum Beispiel die Zigarettenstummel direkt im Bett oder der graue Asche-Überzug des Frühstück-Brettchens. In der unendlichen Liebe zum Nikotin wurde auch Wert darauf gelegt, den Bierkrug und den darauf liegenden Löffel mit dem geschickten Arrangement einer Vielzahl von verloschenen Zigarettenstummeln zu füllen und zu krönen. Vielleicht eine etwas bedenkenlose Hommage an eines der verbreitetsten Suchtmittel, aber in meinen Augen ein Kunstwerk zeitloser Schönheit und Eleganz.

Es ist ganz klar, dass hier trotz der Abwesenheit von Personen eine deutliche das Leben bejahende Grundstimmung vorherrscht, deren intensivste Verbildlichung in der Existenz von Werkzeugen wie Messer, Schere und Fernbedienung liegt, die die Kreativität (Seht die Papierschnipsel im Vordergrund!) jedes einzelnen Betrachters auf der Stelle beflügeln.

Verzeiht den langen Text, aber ohne Interpretation ist der Sinn dieses Werkes nur unzureichend zu klären.

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Die Welt von Ralf (2)

So, ich wollte ja noch ein bisschen ausführlicher schreiben, was eigentlich mit Ralf so passiert ist. Einige hier scheinen ja gerade darauf zu brennen, was mein „Horror-Mitbewohner“ so macht. Also: Die Theorie, dass er in den Urlaub gefahren ist, scheint sich inzwischen bestätigt zu haben.
Aber fangen wir von „vorne“ an: Am Donnerstag habe ich – wie schon geschrieben – ein bisschen einen über den Durst getrunken. Wenn wir ehrlich sind, dann war das eher am Freitag, da sich das alles bis um 6 Uhr morgens gezogen hat. Noch an diesem Morgen, ich war gerade in volltrunkenstem Zustand unterwegs vom Klo zu meinem Bett, schien Ralf – der schon seit etwa 3 Uhr da war – der geeignete Moment gekommen zu sein, mir alleine im dunklen Flur zu sagen, dass er jetzt erfahren habe, dass er erst am ersten in die neue Wohnung könne. Wortwörtlich kann ich dieses Gespräch auch keinesfalls wiedergeben, dazu war ich zu knülle. Ich hab ihn mehr oder weniger zur Seite gestoßen, und ihm gesagt, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist.
Aufgewacht bin ich nach 15 Uhr. Ralf war längst weg – wie üblich wenn er in den letzten Monaten weggefahren ist ohne Info. Da unbestritten gewisse Differenzen in unserer Beziehung vorherrschen, erwarte ich natürlich auch keine detaillierte Info, aber ein Zettel, dass er am Dienstag – oder wann auch immer – wieder da ist, wäre mitunter hilfreich. Sonst erwischt er uns noch bei einer unserer heimlichen „Ralf ist weg“-Parties 😉
Naja, als ich also gerade am Lernen war, klingelte das Telefon. Dass es bei Ralf im Zimmer liegt, erkenne ich inzwischen auf Anhieb am Ton. Mag daran liegen, dass es eigentlich nie in irgendeinem anderen Zimmer liegt…
Dann habe ich wie bereits erwähnt festgestellt, dass abgeschlossen ist.
Zunächst einmal hab ich das hingenommen. Nicht mit Freuden, aber meine erste Idee (die Türe eintreten) schien mir dann doch ein wenig albern, vor allem, wenn man bedenkt, dass eine eingetretene Tür insbesondere uns verbleibenden Bewohnern Ärger einbringt und Ralf nicht. Aber glücklicherweise sind nicht alle in der WG anwesenden Personen gänzlich ohne erwähnenswerte Fähigkeiten gewesen, sodass wir noch in der selben Nacht das Schloß geknackt hatten, und zwar ohne nennenswerte Beschädigungen.
Davor schon hatten wir festgestellt, das Ralf das Licht ausgemacht hat. Das ist verwunderlich, und es lässt vermuten, dass er einmal eigentlich alles richtig machen wollte, da er das Licht in diesem Jahr bisher ungelogen höchstens einmal ausgemacht hat. Ich denke, dass die zwei Monate, in denen seine Glühbirne durchgebrannt war, und er es nicht auf den Plan gekriegt hat, sie auszuwechseln, in diese Statistik nicht mit reinzählt.
Auch sein PC war aus, zudem sein Monitor. Sowohl das eine als auch das andere kann durchaus auch als interessant bewertet werden, aber da will ich nicht so hart sein, weil mein PC auch meistens grundlos läuft. Selbst die Fenster hat er artig geschlossen, was mich gelegentlich zu dem Gedanken zurückträgt, dass er vielleicht den Blog mal wieder gelesen hat. Auf der anderen Seite: Die Heizung stand auf Stufe 5. Wie immer, wenn es unter 30°C hat.
(Der letzte Satz war in einer zynischen Art übertrieben, in Wirklichkeit sind es eher 15 – 20°C)
So sehr ich gelegentlich ein warmes Zimmer zu schätzen weiss, so sehr muss ich auch ablehnen, ein Zimmer mindestens 3 Tage (schätze ich mal, vielleicht auch 7) auf Stufe 5 zu heizen, wenn Fenster und Tür geschlossen sind und man außer Haus ist.
Naja, heute haben wir dann mal die Waschmaschine angeschlossen (wir haben Ralf den Doppelnippel einfach geklaut, so fies sind wir!) und seine Maschinen platzsparend untergebracht:

Höhepunkt der Eskalation, Quelle: Sash
Höhepunkt der Eskalation, Quelle: Sash

Dabei haben wir noch ein paar von ihm angeschleifte Bananenkisten, die er frecherweise auch noch im Wohnzimmer zwischenlagern wollte, in seinem Bett entsorgt, bzw. behutsam zurechtgestapelt. Will heissen: Wir haben wieder ein benutzbares Wohnzimmer. Juhu!
Was passieren wird, wenn er zurückkommt, kann ich noch nicht sicher sagen, aber es wird sicher noch ein interessanter Monat…

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Überwältigt!

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich meinem Noch-Mitbewohner offenbar unrecht getan habe. Ich habe derletzt angedeutet, dass ich erwarte, dass er unser Geschirr und Besteck nicht aus seinem Zimmer räumen würde. Nun hat er mich aber ernstlich positiv überrascht. Da es sich um geschätzte 18 kg Geschirr handelt, kann er das natürlich nicht auf einmal rausräumen und spülen. Das ist verständlich. Jeder, der schon einmal seine Ess-Utensilien über 3 Monate in seinem Zimmer gelagert hat, wird das nachvollziehen können. Jetzt hat er also begonnen, das Zeug in die Küche zu räumen. Seht selbst:

 

Ralf spült das erste Mal, Quelle: Sash

Ralf spült das erste Mal, Quelle: Sash

 

Man beachte, dass er tatsächlich 2 (in Worten: zwei!) Schüsseln rausgeräumt hat, und dazu einen großen Löffel. Es handelt sich also um einen nicht unbeträchtlichen Teil dessen, was er in seinem Zimmer beherbergt. Ca. 3,5% nach neuesten Schätzungen.

Ebenso bitte ich zu beachten, dass mit dem Befüllen der Schüsseln mit flüssigem H2O bereits eine Spülvorgang-ähnliche Bearbeitung begonnen hat. Dieses Engagement steht natürlich im krassen Kontrast zu meinen bisherigen Anschuldigungen, die ich hiermit noch einmal auf dem Prüfstand wissen will.

Überwältigt ob des emotional aufwühlenden Geschehens endige ich hiermit in tiefster Demut vor der haushaltlichen Kompetenz meines Mitbewohners und überlasse es meinen Lesern, Glückwünsche zu äußern.

Außerdem muss ich noch zwei Schüsseln spülen 🙁

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Werbeprofis

Ja, ich weiss: Ich habe nicht Psychologie studiert, und ich bin nur rudimentär informiert über die Wirkung von Werbebotschaften beim Kunden. Aber mit Verlaub, liebe Leute, die ihr die Werbung für Cortal Consors gemacht habt: Welche Studie hat euch gesagt, dass brüllende Babies das beste Symbol für gut angelegtes Geld sind? Kinder: Meinetwegen. Ja, auch Babies! Aber doch nicht so:

Ja nee, is klar! Screenshot: spiegel.de
Ja nee, is klar! Screenshot: spiegel.de

Ja, ich verstehe den Witz! „…der sie nachts ruhig schlafen lässt“ Aber irgendwie finde ich von allen Symbolen der Schlaf- und Ruhelosigkeit brüllende Babies am wenigsten attraktiv. Zumindest wenn man es so umsetzt.

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Übergeigung auch im Handelsblatt

Kleines Ratespiel:
Stellt euch vor, ein unbedeutendes Medium wie beispielsweise das Handelsblatt hat einen Artikel über die geplante Sanierung des Arcandor-Konzerns im Programm. Darin steht so einiges. Im Kernteil liest sich folgendes:

Arcandor baut keine Stellen ab, Screenshot: handelsblatt.com
Arcandor baut keine Stellen ab, Screenshot: handelsblatt.com

Nun meine Frage: Wie lautet wohl die Überschrift?

Na?

Na?

RICHTIG!!!

Arcandor baut Stellen ab, Screenshot: handelsblatt.com
Arcandor baut Stellen ab, Screenshot: handelsblatt.com

Wer es überprüfen will: Hier ist der Link!

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Dinge, die nicht totzukriegen sind

Ich freue mich immer wieder, wenn diverse Teile tatsächlich nicht einen eingebauten Timer besitzen, der wenige Tage nach Garantieablauf irgendeinen ominösen Mechanismus in Gang setzt, der das betreffende Gerät schnellstmöglich irreparabel schädigt – wie das bei manchen Billig-Produkten der Fall zu sein scheint.

Hier möchte ich ein Gerät vorstellen, mit dem ich insgesamt sehr zufrieden bin: Mein Wecker.

Mein Wecker, Quelle: Sash
Mein Wecker, Quelle: Sash

Hier ist nicht nur das Bild unscharf, nein der Wecker sieht inzwischen tatsächlich etwas mitgenommen aus, aber:

Er ist inzwischen wahrscheinlich rund 10 Jahre alt, so genau weiss ich das nicht mehr. Er hat damals 10 oder 20 Mark gekostet – das müsste ich meinen Vater fragen. Er hat in den vergangenen Jahren desöfteren schon ein bisschen geschwächelt, bis ich ihn vor einem dreiviertel Jahr dann offiziell für tot erklärt habe, weil der Akku in seinem Inneren ausgelaufen ist. Zudem klappert er ziemlich verdächtig, wenn man ihn schüttelt. Fragt mich bitte nicht, wie ich darauf gekommen bin, ihn zu schütteln…

Naja, vorletzte Woche ist dann der ausgelaufene Akku endgültig verreckt und ich habe mich – schon weil ich gerade fast nie einen Wecker brauche – damit abgefunden, dass er demnächst im Müll landet.

Irgendwie bin ich dann gestern aber in einem Anfall wissenschaftlicher Beweiswut auf die Idee gekommen, Ozie gegenüber zu behaupten, dass der schon wieder tun würde, wenn man nur eine neue Batterie einsetzen würde. Gemacht, getan, Wecker geht, Kapitel abgeschlossen…

Was das für eine Müllentlastung wäre, wenn alle Geräte so robust wären…

Ach ja, die Firma scheint „Meister Anker“ zu heißen und eine Produktbezeichnung kann ich – auch aufgrund des natürlichen Oberflächenabriebs – nicht erkennen. Sei es drum. Wahrscheinlich gibt es sogar die Firma nicht mehr…

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Ein weiterer Demo-Bericht

Gestern, am 11.10.2008, war hier in Berlin wie mindestens jedes Wochenende mal wieder eine Demo. Gegen überbordende Überwachung. Ich hab anlässlich des Termins der Demo das Thema vor kurzer Zeit hierschon einmal angesprochen. Inhaltlich muss ich eigentlich nicht mehr viel dazu sagen…Zur Demo selbst: Es waren hammerviele Leute. Natürlich ist in den Augen eines Teilnehmers jeder Nicht-Teilnehmer einer zu viel, aber für ein Thema, das vor 10 Jahren allerhöchstens die militante Linke aus ihren Verstecken gelockt hat, waren es enorm viele.
Wieviele? Hmm… da gehen die Meinungen auseinander. Als ich am Brandenburger Tor stand, erzählten die Veranstalter noch was von 100 000 Menschen. Das war sicher etwas zu hoch gegriffen. „Weniger als 20 000“ hat die Polizei gezählt – was sicher tiefgestapelt ist. Meine wirklich unprofessionelle und dilettantische Einschätzung liegt zwischen 50 000 und 80 000.  Aber selbst wenn es 40 000 gewesen sein sollten, so kann man doch von einer großen Demo sprechen.

—Kurzer Einschub—

An alle Menschen, die „offizielle“ Zahlen rausgeben: Bleibt bei der Wahrheit! Und wenn die lautet „Ich schätze, es waren…“, dann lautet sie eben so. Und wer will denn nachher belächelt werden, wenn die Zahl nachweislich nicht stimmt? Dass die Veranstalter gerne immer 100 000 Teilnehmer hätten, ist ja ok. Aber warum behaupten, dass so viele da waren? Um sich anhören zu müssen, dass man überheblich ist? Und die Herren der Polizei: Welchen Zweck erfüllt es, jede Teilnehmerzahl abzurunden? Ist das ein Teil des Konzeptes, mit dem für Ruhe gesorgt wird? Es geht mir auf den Keks, wenn ich weiss, das irgendwo ziemlich genau 80 Leute waren und dann in der Zeitung lese, die Polizei berichtet von 20 Leuten und die Veranstalter von 200…

Ganz im Ernst: Zahlen erfinden kann ich auch!

—Ende des kurzen Einschubs—

Das Tempo war gemächlich, die Lautstärke abgesehen von Musik und Animateuren eher verhalten. Dennoch denke ich, dass eine derartige Demo ihre Wirkung schon alleine aus der Masse heraus gewinnen kann. Bunt war die Demo definitiv, die Ideen zu Transpis, Kleidung und verschiedenen Aktionsformen waren beachtlich. Zwar hat das Thema auch den ein oder anderen Verschwörungstheoretiker angelockt, die waren allerdings in der Minderheit. Ich kann zwar nicht behaupten, dass mir alle Parolen aus der Seele gesprochen hätten, oder dass ich auch nur verstehen könnte, warum Dr. Motte ein großangekündigter Überraschungsredner war. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich die Geschichte von Love- und Fuckparade und das politische Engagement Dr. Mottes nur schemenhaft kenne.

Die Route der Demo war grundsätzlich nicht sonderlich schlecht. Etwas sonderbar war es halt, dass man – vermutlich aus organisatorischen Gründen zuletzt fast einen Kilometer durch den menschenleeren Tiergarten latschen musste, was nicht gerade motivierend ist.

Die Polizei war grundsätzlich zurückhaltend, was aber nicht heißt, dass sie das illegale durchgängige Filmen der Demonstration unterlassen hat. Ich hab mich zu guter Letzt dann dennoch ziemlich über die Cops geärgert, weil sie aus purer unverfälschter machthaberischer Arroganz allen „ehemaligen Teilnehmer“ der Veranstaltung untersagt haben, den Platz der Republik Richtung Bahnhof zu überqueren.

Der Platz der Republik (in gesperrtem Zustand), Quelle: Sash
Der Platz der Republik (in gesperrtem Zustand), Quelle: Sash

Für alle, die glauben, ich hab denn Sinn des Ganzen vielleicht verkannt: Der Platz war  insgesamt recht gut bevölkert, er war von der anderen Seite aus nicht abgesperrt und es war auch nicht so, dass sie verhindern wollten, dass da 1000 Leute eine unangemeldete Demo veranstalten, sondern es wurden kleine Fünfergrüppchen nach Jackenfarbe und Alter einfach mal gesagt, dass sie nun außenrum gehen müssen. Da war ihnen wohl gerade einfach danach… und sowas kotzt mich an – nicht die 200 Meter Fußweg, sondern die Tatsache, dass mir ein dämlicher Proll grundlos vorschreiben darf, auf welchem Weg ich laufe.

Naja, abgesehen davon war es ein netter Spaziergang mit teilweise ähnlich gesinnten, den ich zwar – ich lebe hier ja  schon seit ein paar Jahren – nicht für den Aufbruch in eine bessere Zeit halte, aber wenigstens für eine moralische Rechtfertigung, es auf legalem Wege versucht zu haben…

So, jetzt werde ich fast schon wieder wütend, was nicht gut ist. Denn für Revolutionen bin ich heute Abend eigentlich zu müde. Ich hab den gestrigen Tag mit 2 Stunden Schlaf überlebt, heute sackviel gelernt und genieße es jetzt ein bisschen, hier am PC Schmand zu bloggen. So denn…

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