Logistik ist für mich wohl sowas wie Eltern für kleine Kinder: Man versteht sie nicht, aber von da kommt das Geld. Bei mir ist das eine wie das andere Vergangenheit. Ich habe nur mal für einen Ferienjob in einer Logistikabteilung eines Landesamtes gearbeitet – und das war der Job mit dem besten Gehalt und der wenigsten Ahnung auf meiner Seite.
Genau genommen bin ich die meiste Zeit herumgesessen und durfte nichts anfassen. Hier und da fand man dann ein paar Aufgaben, meist tragende Rollen, für mich – oft trug ich pro Tag aber nur zweimal die Hauspost aus, was je etwa 20 Minuten dauerte und so aufregend war wie das Aufmachen einer Packung Nudeln. Dafür bekam ich 8 Stunden täglich bezahlt zu einem Stundensatz, den ich heute auch nur am Wochenende erreiche.
Und jedes Mal, wenn irgendwer mit ernsthafter Arbeit drohte, musste ich sagen, dass die Chefin gleich wieder da ist.
So ähnlich muss der Aufgabenbereich des Menschen aussehen, der alleinverantwortlich ein Unternehmen leitet, bei dem Ozie neulich Stoffe bestellt hat. Da ihr kleiner Online-Shop „Mausgrau Design“ ganz gut läuft, stolpert immer mal wieder ein Briefträger oder Paketlieferant mit Stoffen für sie hier herein.
Diese Lieferung bestand aus einem einzelnen Posten Stoff. Dabei sollten es neun verschiedene sein. Aber auch das passiert häufiger: Andere Ware wird anders verpackt, da werden aus einer Bestellung schon mal drei Lieferungen – auch wenn in den größten Karton alles gepasst hätte.
Nun lag dem einzelnen und verlorenen Stoff allerdings die Rechnung über die komplette Lieferung bei. Die acht anderen Stoffe waren zwar irgendwie gelb angestrichen, mehr aber eben nicht. Wir haben erstmal gewartet. Gekommen ist nichts.
Also hat Ozie angerufen, wobei ein Telefonat mit einem schwer tiefenentspannten Menschen herauskam, der sich entschuldigte, dass der Rest wohl vergessen wurde. Vergessen. Man packt ein Paket mit einem von acht Posten, legt die zugehörige Rechnung bei und vergisst den Rest? Nicht schlecht.
Dass im nun folgenden Paket neun von acht Stoffen kamen – sprich: der schon gesendete noch einmal – hat uns dann kaum mehr verwundert…






