Spätzle 2-3-4

Manchmal fühlt man sich schon ein bisschen hin- und hergeworfen im Leben und und ich habe die Befürchtung, dass es neben uns Erwachsenen dem Spätzle jetzt auch so gehen wird.

Es geht gerade um die Frage, ob er die dritte Klasse nächstes Jahr überspringen soll. Das ist natürlich keine Frage, die grundsätzlich aus dem Nichts kommt, denn wenn es um seine intellektuellen Fähigkeiten geht, dann spricht da wenig dagegen. Obwohl er mit dem Lesen nicht früh angefangen hat, hat er die meisten Gleichaltrigen in den knapp zwei Jahren Schule überholt und liest vielleicht nicht immer fehlerfrei, aber extrem verständig. In Mathe ist er rein vom Verständnis irgendwo in der gymnasialen Mittelstufe angekommen.

Auch wenn das Überspringen uns als Option bekannt war, war das aber bisher aus sozialen Gründen nie was, was wir bis zum Ende durchdacht hatten. Mit der Entdeckertagsschule einmal die Woche und zusätzlich dem Kinder-College am Wochenende haben wir ihm Zusatzoptionen angeboten, aber seine Neurodivergenz macht ihm halt in vielen anderen Punkten zu schaffen, er traut sich halt vieles noch nicht, kann sich vielfach nicht Gehör verschaffen und ist halt insgesamt mit dem Leben ganz schön überfordert. An den Schulweg alleine ist nicht zu denken und er hat es zum Beispiel nicht geschafft, bei den Bundesjugendspielen seinen Pullover von morgens auszuziehen. Er ist halt in vielen Punkten eher hinterher als voraus. Aber alle Versuche, in der Grundschule selbst mehr anzustoßen, sind ehrlich gesagt gescheitert. Er hat ein paar Extra-Aufgaben in Mathe bekommen, die haben ihn noch mehr frustriert als das andere zu leichte Zeug ohnehin schon und nicht mal die Option, für einzelne Fächer in höhere Klassen reinzuschnuppern, hat sich ergeben. Das können die anderen Klassen nicht leisten

Nach einem Erstgespräch mit der neuen Sozialarbeiterin kam dann wie immer wenn neue Leute erfahren, wie es um ihn steht, Aktionismus auf. Klassenlehrerin und Schulleiterin wurden befragt, was man mit dem Kind denn machen könne und naja, Überspringen ist „die einzige Option“. Natürlich. Es gibt nie zwei Optionen, immer nur eine. Und da jetzt der Wechsel in Klasse 3 unmittelbar bevorsteht, muss es jetzt halt echt schnell gehen. Letzte Woche das Gespräch, morgen muss er dann mal in der höheren Klasse schnuppern. Für zwei Tage. Und sich dann entscheiden. Man hätte das ganze ein Jahr lang planen und vorbereiten und insbesondere mit dem Spätzle selbst besprechen können, jetzt muss es aber hektisch, sofort und auch ganz genau so sein, denn es ist ja die einzige Option!!!

Ich will niemandem Böses unterstellen, aber so wie sich das die letzten zwei Jahre gestaltete, hab ich das Gefühl, dass die Grundschule eigentlich ganz froh ist, wenn er früher geht. Ich weiß, dass die mangelnde Zeit für seine Probleme natürlich nicht an ihm liegen – und ich finde es auch gut, dass sich viel Engagement auf die Kinder konzentriert, die mit dem Stoff Probleme haben. Das sei denen auch alles gegönnt. Leider geht dabei halt echt unter, dass das Spätzle zwar was die Leistung angeht performt, aber sonst halt auch alles andere als problemfrei ist. Und das ist echt schade.

Leave a Comment

Filed under Familie, Vermischtes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert