Das Sozialarbeiter-Gen

Ich kann ja nicht anders. Und abgesehen davon, dass meine Geduld manchmal nervig ist, brauche ich sie ja auch. Gerade meine Arbeit besteht letzten Endes nicht daraus, Auto zu fahren, sondern mich mit Menschen zu unterhalten, eventuell nur zu kommunizieren, sie wenigstens aber zu ertragen. Aber man trifft eben immer wieder auf Leute, die einem alles davon schwierig machen. Oder unerträglich.

Aber man ist ja kein Arsch, man haut ja nicht ab …

Auftritt Manfred.

Ungeführ um 4 Uhr heute morgen wollte ich mir eine Cola und eine Schachtel Zigaretten beim Döner holen. Hab ich getan, auf dem Weg nach draußen quatschte mich Manfred vom einzig besetzten Stuhl im Außenbereich an:

„Sag mal, ich will auch nicht unhöflich sein oder so, aber haste mir vielleicht ein paar Kippen zu verkaufen. Wenn ich jetz‘ 5 Euro für eine Schachtel zahle, kann ick mir kein Bier mehr kaufen.“

Verständliches Ansinnen – und ich bin da auch nicht so. Hatte mir selbst zwar gerade genug Kippen zum Eigenbedarf geholt – aber was soll’s? Anderen Menschen geht es dreckiger als mir. Ich bin kurz rein, hab einen Fünfer in Kleingeld zusammengesucht, mir noch eine Schachtel gekauft und ihm rund die Hälfte auf den Tisch gelegt.

„Wat krisse?“

„Passt schon, freu Dich drüber!“

Manfred ist rund 32 Jahre alt, unweit meines Alters also, kahlrasiert von oben bis wahrscheinlich auch unten, trägt Brille und ist jetzt, da ich diesesn Text schreibe, ziemlich besoffen und hat Stress mit seiner Freundin – die ein Kind von ihm erwartet. So wie wir laut Medien alle in Marzahn leben.

Im Grunde ist Manfred aber ein netter Mensch und so reichte er mir auch gleich die Hand und stellte sich vor:

„Hi. Ich bin Manfred und ich hab echt’n schweres Schicksal!“

Bei mir ist das wie bei Gaffern an Unfallorte: ich kann nicht weghören. Also hab ich ein Bier geordert und mich zu Manfred gesetzt.

Und wie zu erwarten palaverte er munter drauf los, seine Beziehungskrise kannte ich, bevor er sich meinen Namen merken konnte. Leitplankenbau hätte er jemacht, und ihm käme es hierauf an – und zeigte auf Bizeps und schweißnasse Stirn. Mit dem Kopf arbeiten also, aha. Prima! Gemeinsames Thema! Hab kurz angerissen, dass ich schreibe und Taxi fahre – folglich hab ich jetzt seine Nummer. Um ihn anzurufen, damit er auch mal ein Buch schreiben kann. Klar, ich kenne diese besoffenen Fantastereien.

Aber: Boxen! Ob ich das kenne? Also Boxen wäre so total sein Ding. Dafür lebt Manfred. Sein fast 80-jähriger Trainer sei auch voll die harte Sau, die gerne mal Anfängern wie ihm Nägel in die Sandsäcke packt, um zu testen, wie „hart“ der Nachwuchs ist. Voll geil jedenfalls! Köpfchen eben, sagt er ja. Also Manfred. Und wie er als Security mal jemanden verdroschen hätte. Klar, der hatte es verdient, Messerangriff und so. Aber hey, noch 46 €, dann ist Manfred die Geldstrafe endgültig los und wert war es das – na klar – der hatte schließlich provoziert!

Während ich dann nach einer Stunde und drei Bier langsam versuche, mich loszureissen, muss er mir unbedingt noch die Geschichte seines Vaters erzählen, der Polizist ist, war und ist. Eigentlich sei er ja in Rente, höre aber immer noch den Polizeifunk ab, um zu den Einsätzen zu fahren. Konsequenzen hin oder her. Um seinem Vater zu gefallen, boxt Manfred ja auch.

„Mach meinem Körper Ehre!“

sagt Papa nämlich. Und immer nur trinken … da braucht es eben einen Ausgleich!

Ich hab nicht mal den Hauch einer Ahnung, in wievielen Punkten mir das alles widerlich und erbärmlich vorkam. Dabei war Manfred eigentlich trotz allem ein netter Kerl. Ich denke, ich werde ihn aber dennoch nicht anrufen. Mein Sozialarbeiter-Gen macht manchmal eben auch sehr lange Pause …

9 Comments

Filed under Vermischtes

Jährliches

Anbei ein kurzer Dialog von heute:

„…wegen unseres Jahrestags?“

„Jahrestag? Ist der heute?“

„Nein, der war gestern.“

„Ach, heute ist dann der Tag, von dem ich immer denke, es sei der Jahrestag?“

„Nein, der war vorgestern. Hallo, ich hab da doch drüber geschrieben!“

„Echt? Hab ich nicht gesehen, nur so überflogen …“

So viel zum Klischee mit den Männern, die immer ihre Hochzeitstage vergessen …

6 Comments

Filed under Haushalt

9. Oktober – hach!

Den gestrigen Tag sollte man sich im Kalender anstreichen, denn das ist der Tag, an dem hier bei mir zuhause von Ozie die erste Bhut Jolokia gepflanzt wurde. Hach! Zugegeben: Unter all den Chilis, die hier gepflanzt und hochgezogen wurden, geht das gerne unter – zu Recht auch – aber irgendwie ist da doch so ein Kribbeln in mir …

Ich gestehe es gerne ein: Dass man eine leichte Sucht nach Capsaicin entwickelt, entspricht der Realität. Irgendwo in diesem Blog habe ich aber schon mal geschrieben, dass das noch weit hinter Kaffee die wahrscheinlich harmloseste Droge ever ist. Und bei den Jolokias geht es auch weniger um den tatsächlichen Gebrauch (Hallo, man muss dazu Handschuhe anziehen!), sondern mehr um das gute Gefühl, „es“ auch mal gemacht zu haben, einmal den heiligen Gral mit den eigenen fettigen Fingern betatscht zu haben.

Die Früchte gelten (je nachdem, ob man den nachfolgenden Rekord anerkennt) immerhin als Nummer 1 unter den Chilis, als schärfstes Gewürz aller Zeiten. Gewiss, die Anbaubedingungen in Marzahn geben ohnehin keine rekordverdächtige Frucht mit Millionen-Score auf der Scoville-Skala her, aber derbe brezeln werden die Teile wahrscheinlich dennoch … 🙂

Und auch wenn ich in fast allen Bereichen dem Pathos gerne fern bleibe, so reizt es eben doch, sagen zu können, man habe die schärfste Chili der Welt zu Hause großgezogen. Also hoffen wir mal, dass es eine der vier ausgesäten Pflanzen auch schafft!

Und ganz nebenbei war gestern – von uns beiden verpennt – auch der siebte Jahrestag von Ozie und mir. Sicher, ein belangloser Video-Abend mit Pizza vom Lieferdienst wird sicher nicht in die Annalen unserer Beziehung eingehen, aber vielleicht ist es ja auch besser, wenn man gar nicht mehr mitzählen muss, wie viele Jahre man schafft. Und wenn wir den Tag nur der Jolokias wegen als „scharf“ in Erinnerung behalten, dann ist das doch wenigstens etwas … 😉

Leave a Comment

Filed under Vermischtes

Passend

Aus der Serie: Passend zum Betriebssystem saufen 😉

Und der Rest wartet lieber aufs Jägermeister 3.1-Betriebssystem. Quelle: Sash

 

9 Comments

Filed under Bilder

Schuld beglichen

Letzte Woche hab ich nach einem abendlichen Einkauf mal wieder meinen russischen „Freund“ getroffen. Wie eigentlich zu jeder Tageszeit war er mäßig bis übermäßig alkoholisiert und furchtbar begeistert, mich zu sehen.

Das hat noch nie auf Gegenseitigkeit beruht. Zugegeben, dank meines Schlafrhythmus bin ich hier auch schon um 7 Uhr betrunken einkaufen gegangen, aber jedes Treffen mit ihm stellt mich vor Probleme. Sprachprobleme. Der Kerl kann quasi kein Deutsch und kein Englisch. Und es interessiert ihn auch nicht, er spricht dann halt russisch – ganz gleich, ob es wer versteht.

Aber gut, ich kam schwer bepackt mit 2 Tüten und einem Kasten Bier aus dem Kaiser’s und er kam zufällig vorbei, fragte mich irgendwas und schielte so auffällig unauffällig auf meinen Kasten Bier. Ich hab eine der Flaschen gepackt, sie ihm in die Hand gedrückt, ihm auf die Schulter geklopft und ihm einen schönen Abend gewünscht. Keine Ahnung was er eigentlich von mir wollte – aber das Ergebnis fand er wohl ok.

Und er ist gegangen.

Hey, 80 Cent für ein Lächeln! Das ist ein guter Tarif. Außerdem hat er mir ja damals auch ein Bier ausgegeben. Vielleicht sind wir jetzt quit, vielleicht hab ich jetzt auch bei irgendeiner Mafia was gut. Keine Ahnung, ich versteh den Kerl ja nicht. Aber wie dem auch sei: Hat sich gut angefühlt, war also in Ordnung so 🙂

2 Comments

Filed under Vermischtes

Leider kein Feingefühl

Jetzt hab ich mich erst über eine Medienanfrage ausgelassen, dann kommt alles noch dicker und dusseliger. Zunächst eine Anfrage von der BZ. Schön nett formuliert und alles ganz schnuffig – ändert aber nix dran, dass ich mit dem Springer-Verlag niemals zusammenarbeiten werde. Und schon dreimal nicht für eine Boulevardzeitung. Aber vielleicht findet die Redakteurin beim weiteren Recherchieren meinen Text für interessierte Journalisten ja selbst … 😉

Ein richtiges Schmankerl hab ich aber heute bekommen:

Hey,
Ich arbeite im Auftrag vom XY Theater Berlin und zur Zeit verlosen wir Tickets für die Show A und B.
Pro Gewinnspiel werden jeweils 2 Tickets verlost. Das Stück können Sie sich aussuchen. Content sowie auch Bilder werden von meiner Seite aus zur Verfügung gestellt.
Falls Sie interessiert sind oder noch weitere Fragen haben, stehe ich Ihnen selbst verstündlich zur Verfügung.
MFG

Ich finde die Idee, Freikarten zu verlosen ja eine nette Idee, wo interessierte Leser auch noch was davon haben.

ABER: Wie wäre es mal mit einer Anfrage? Oder einer Erklärung, was genau ich jetzt damit zu tun habe? Es gab nicht einmal einen Link zu der Seite. Aber klar, ich hab nix besseres zu tun, als mal eben schnell irgendwas in irgendeinem meiner Blogs zu machen, weil mir jemand was von Freikarten schreibt. Das ist hiermit dann irgendwie auch geschehen – ich vermute aber, aus den Karten wird so nix … aber das ist ja selbst verstündlich.

8 Comments

Filed under Medien

Von verfatzten Stühlen

Ich finde es nicht schön, aber lustig. Sprache ist was wunderbares, Dialekte sind es erst recht. Auch für Beleidigungen:

Verfatz Da Du Klappstuhl an einem Fahrplan

Ohne (weitere) Worte. Quelle: Sash

13 Comments

Filed under Bilder