Hinter den Kulissen …

Es ist ja immer so: man sieht auf der Bühne irgendwas, das scheinbar reibungs- und mühelos funktioniert, eine perfekte Inszenierung eben. Glaubt mir, ein Buch ist da nix anderes!

Ich hab ja schon lange vorgehabt, ein Buch zu schreiben. Ja, ganz ehrlich: selbst getan habe ich es schon! Ein Buch übers Taxifahren liegt fast fertig bei mir rum, es ist mir aber in Anbetracht von GNIT nicht wichtig genug, um es rauszuhauen. Da die Verlage ohnehin langsam anfangen, sich zu melden, warte ich einfach auf den richtigen, und der kriegt es dann.

Inzwischen hab ich – in meiner Rolle als Autor – mein erstes richtiges Herzenswerk ebenso vollendet. Es ist nicht lang, es wird ein eBook im Format eines halben Taschenbuchs. 100 Seiten etwa, die dafür sind sozusagen handverlesen. Dass ich beim Bloggen gar nicht so professionell bin, wie der ein oder andere glaubt, wissen die ganz treuen Leser natürlich durchaus. Ich hab hier im Blog keine Rechtschreibkontrolle – meist lese ich die Texte nicht einmal wirklich durch, bevor ich sie verögfnertlihce.

(Kleiner Scherz. Sowas würde mir natürlich auffallen 😉 )

Das – mal ganz ehrlich – kann ich nicht bringen, wenn ich meine Texte tatsächlich mal verkaufe. Sicher, fehlerfreie Bücher wird es auch nie geben, aber man macht sich halt doch andere Gedanken, wenn man weiß, dass das Werk über einen (wenn auch vielleicht nur virtuellen) Ladentisch geht.

Abgesehen davon: es ist ja gar nicht das Anpassen des Textes! Womit ich gerade am meisten zu kämpfen habe sind die profanen Dinge, die durch das ganze Drumherum entstehen. Man muss die Texte in neue Formate bringen, plötzlich Kuriositäten wie Titeleien zusammenschustern, Probekapitel zum Download irgendwo und irgendwie ablegen, einen Titel finden, ein Cover gestalten, Klappentexte, Infos, Autorenbeschreibungen, bla Keks Rhabarber …

Ja, es ist verdammt leicht, heute im Internet ein eBook zu veröffentlichen!

Das steht außer Frage und dafür liebe ich das Netz. Das allerdings auch angemessen gut zu machen … dafür ist dann doch noch Arbeit notwendig, die man kaum erahnt.

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Ist Instagram besser als Twitter?

oder: eine kleine Offline-Analogie

Ich bin ja – wie man an der Tatsache, dass ich mich auf mehreren Seiten um Kopf und Kragen blogge, bemerken könnte – ein Freund des Internets. Mit all seinen Macken und Unzulänglichkeiten ist es dennoch ein großer Segen für zahllose Leute gewesen, ist es immer noch und wird es immer mehr sein. Wie wahrscheinlich auch alle von euch nutze ich das Netz längst intuitiv. Das bedeutet natürlich niemals, alles zu kennen, alles zu wissen – aber eben zu wissen, wie man sich verhält, man hat Denk- und Handlungsansätze für so ziemlich alles, was einem im Netz begegnet und passiert.

Nun gehören aber auch zu meinem erweiterten Umfeld Menschen, die nicht online sind. Oder nur rudimentär, um hier und da mal den Email-Account aufzurufen, der seit 2001 von den Kindern eingerichtet brav bei web.de liegt. Und wenn man viel im Netz ist, auf der anderen Seite aber ein paar Offliner kennt, dann kommt sie gelegentlich, die Frage:

„Kannst Du mir das mit dem Internet erklären, also was man da so macht?“

Was dann mit einem durchgeht, das ist in einem wunderbaren Text auf Blogroyal nachzulesen. Darauf aufmerksam geworden bin ich über Maximilian Buddenbohms Link in diesem Artikel.

Es ist sicher nicht sehr befriedigend, aber die Antwort auf die Frage, was das Internet ist/ausmacht, kann allenfalls „probier’s aus!“ lauten. Wir, die wir hier lesen und schreiben (und was weiß ich noch machen!) haben doch längst keine gültige Antwort mehr. Auf der Suche nach Analogien für brauchbare Erklärungsansätze bin ich mit Ozie aufs Essen gekommen. Und das hat es in sich. Es folgt der Teil zum Ausdrucken für die Offliner; ein kleiner Ansatz von mir, bekennendem Onliner; ein Eingeständnis, auf die Frage nach dem Internet nicht antworten zu können, obwohl ich es gerne würde:

Stell Dir vor: Ein Bauer,

ein einsamer Landwirt von einer kleinen Alm, die man nur im Sommer erreicht, steigt von seinem Berg, auf dem er Tiere und Pflanzen züchtet, ohne Radio, Fernsehen und Zeitung als kompletter Selbstversorger lebt und fragt:

„Sag mal, wie ist das eigentlich bei euch mit dem Essen?“

Er fährt fort und meint, er hätte gehört, er müsse gar nicht alles selbst anbauen – und jetzt, wo er eine kleine Erbschaft hätte, könnte er sich auch Essen kaufen. Er hätte es ja gerne etwas einfacher, der Rücken macht nicht mehr so mit und er hätte gehört, es gäbe so genannte Supermärkte, in denen man alles kaufen könnte. Sogar Essen, das schon gekocht ist und gar nicht mehr auf den Herd muss.

Was würde man diesem netten Bauern antworten? Man würde ihm vielleicht den Weg zum nächsten Supermarkt zeigen, dann aber denken:

„Mist, der macht ja heute früher zu.“

„Wieso macht der zu? Gibt es dann hier kein Essen mehr?“

„Nein nein, man hat ja meistens was im Kühlschrank! Und im Notfall kann man sich ja ums Eck eine Pizza holen.“

Kühlschrank klingt interessant. Aber er meint, er brauche vorerst keine neuen Möbel. Das mit der Pizza hätte er aber schon gehört. Was war das nochmal?

„Pizza? Ach, das ist flacher Teig mit Belag drauf.“

„Was für Belag?“

„Unterschiedlich. Je nachdem, was für eine Pizza.“

„Na, eine normale Pizza eben!“

Außerdem wollte er bei Pizza besonders vorsichtig sein – ein Freund von ihm hätte mal Durchfall gehabt, nachdem er eine Pizza gegessen hätte. Dann will er wissen, welche Pizzen schlecht sind.

„Na keine Ahnung! Was für eine Pizza war das denn?“

„Nur so eine normale.“

„Aus einem Restaurant? Von einem Dönerladen? Eine Fertigpizza aus dem Supermarkt? Ein Marken- oder NoName-Produkt? Vielleicht nur so ein Fertigteig oder eine komplett selbstgemachte?“

„Keine Ahnung. Er hat nur Pizza gesagt.“

Und war das nicht auch Pizza mit diesem Dioxin-Zeugs?

„Nein, das waren Eier. Aber das sind sowieso Ausnahmen, man muss halt auch aufpassen!“

„Wie sehen Dioxine auf Eiern denn aus?“

„Nein, soo einfach ist das nicht. Die stehen ja auch nirgends auf der Zutatenliste …“

„Wer schreibt denn Zutatenlisten?“

„Puh, ja, ähm. Also das ist so …“

Und während man dann gerade über Vor- und Nachteile von Bio-Lebensmitteln diskutiert, fällt unvermittelt die Frage, ob also nicht doch diese Tütensuppen besser wären als Bioessen.

„Es gibt aber auch Bio-Tütensuppen. Oder Konserven.“

In dieser völlig ausweglosen Lage kommt es aber noch schlimmer und irgendwer meckert aus dem Hintergrund, dass Konserven verdammt viel Müll machen und selbst die Gläser nicht einmal Mehrweg wären.

„Mehrweg?“

„Ja, das Pfandsystem erkläre ich ein anderes Mal! Wir waren bei Pizza. Willst Du dir vielleicht eine bestellen für den Anfang? Die sind in der Regel auch besser als die fertigen.“

„Also ist Bestellen besser als Fertigessen?“

„Naja, kommt drauf an. Ist halt auch teuer.“

„Und bei Fertigessen hab ich ja auch keinen Aufwand. Da kann ich meinen Ofen ja verkaufen!“

„Na, nicht unbedingt. Gibt ja auch Fertigessen, dass noch gekocht werden muss …“

„Ehrlich? Sowas ist legal? Das ist doch nicht fertig, wenn man es noch kochen muss!“

Irgendwann steht man dann da und findet keinen Lösungsansatz mehr. Empfiehlt man nun schnelles, günstiges, hochwertiges, ethisch vertretbares oder lange haltbares Essen? Oder welche Kombinationen davon? Soll man die Stiftung Warentest und Analogkäse erwähnen oder verschweigen?

Ist es zu erwarten, dass unser Bauer bereits vor dem ersten Einkauf weiß, ob er eine Payback-Karte haben will, eine bestimmte Ernährungsphilosophie verfolgen und seinen Lieblingsladen gefunden haben wird? Natürlich nicht.

Es ist wahr: wir finden nicht mehr viele dieser Bauern in unseren Breitengraden und doch gibt es sie auf anderem Gebiet. Manche von denen werden in höchste Staatsämter gewählt und rühmen sich damit, dass sie jemanden haben, der für sie einkauft und kocht.

Wozu uns die Lebensmittelindustrie beim Essen gemächliche 150 Jahre über mehrere Generationen Zeit gelassen hat, hat das Internet in der Medien- und Kommunikationswelt binnen weniger als 20 Jahren geschafft: dass Außenstehende nicht mal eben an einem Nachmittag gezeigt bekommen können, was „das alles“ ist und nach welchen Mustern und Logiken es funktioniert. Auch wir Nicht-Bauern, die wir hier selbst bloggen und twittern, einkaufen und über Katzenbilder mit falsch geschriebenen englischen Sätzen lachen, haben eine jahrelange Sozialisation mit langem Eingewöhnungsprozess hinter uns. Arbeit, wenn man so will.

Wenn ich den o.g. Bauern treffen würde, würde ich ihm wohl empfehlen, einfach mal was ausprobieren, was lecker aussieht. Mal einen Freund fragen, was er da gerade genau kocht und ob er ihm ein gutes Restaurant nach seinem Geschmack empfehlen könnte. Ein bisschen Mut und Do-it-yourself-Mentalität wird er aber wohl brauchen. Wenn man Essen kaufen will, muss man mal in den Supermarkt, in ein Delikatessengeschäft und eine Dönerbude gehen. Mal was probieren. Es wird einem nicht alles schmecken, was die Freunde, Kinder und Eltern mögen und man wird mal Dinge wegschmeißen und den Laden wechseln, weil einem was anderes besser gefällt. Es gibt Leute, die mit Tiefkühlpizza glücklich sind, andere gehen zum Italiener. Die Menschen mögen Kekse, leben vegan, kaufen nur im Reformhaus ein, nehmen immer das billigste, pflanzen Kräuter selbst an, essen auf dem Weg zur Arbeit, lieben Kreuzkümmel, essen Diätlebensmittel, backen am liebsten Plätzchen, hassen Broccoli und basteln sich Puppen aus Mett.

Und genau so ist das Internet. Nur mit Pixeln statt Kalorien.

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2013

So, das Jahr ist da!

Kann man so sagen, zwei Tage ist es schon alt, die Babyphase wird es wohl nach dem ersten Monat verlassen und überhaupt: es zählt! Es ist 2013, da lässt sich nicht dran rütteln. In Berlin mögen die Bäcker morgens noch etwas betrunken sein, in Schönefeld darf kein Berliner Taxi mehr Fahrgäste aufnehmen, aber das Jahr ist da!

Und ich so?

Nach der wie üblich grandiosen Silvesterschicht sehe ich nunmehr dem harten Januaralltag entgegen, die übliche finanzielle Schieflage will gemeistert werden und vor allem gibt es endlos viel zu schreiben. Drüben bei GNIT werden alleine die Fahrten um Neujahr die ganze Woche füllen, für diesen Blog hier hab ich seit ungefähr 5 Tagen einen Artikel geplant, zu dem ich bislang nicht gekommen bin, der Blog im Taxihaus schreit nach Inhalten und ich hab ausgerechnet jetzt nichts besseres zu tun, als mit dem ersten eBook mal langsam ernst zu machen. Das ist zwar bereits geschrieben, jetzt kommt allerdings der ganze andere Firlefanz, der ja leider nicht wirklich unwichtiger ist.

Und was lernen wir daraus?

2013 rockt!

Das wollte ich nur mal kurz gesagt haben.

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Party in der Unterhose

Ich weiß nicht mehr, wie alt ich genau war, aber es war weiß. Überall! Wenn man meinen Eltern glauben kann, gab es im Jahr meiner Geburt in Stuttgart irgendwas zwischen 20 und 120 cm Schnee auf den Straßen, danach habe ich so etwas nie wieder dort erlebt. Meist war man ja froh, wenn die vielleicht 8 bis 10 cm im Winter nicht binnen einer Stunde grau waren.

Hier war es anders. Ein großes und trotzdem unglaublich friedliches Haus lag mitten im tiefsten Allgäuer Winter. Vielleicht stand es in einem Dorf, aber wenn, dann war dieses zugeschneit. Das grenzenlose Weiß über alle Wege und Wiesen, Bäume und Sträucher war intensiv, brannte in der Mittagssonne geradezu in den Augen. Meine Mutter, mein Bruder und ich waren eingeladen worden von zwei alten Veteranen der oststuttgarter Kneipenszene. Ein kauziger Amerikaner namens Rob und seine geschätzt anderthalb Jahrhunderte jüngere Gemahlin Elvira boten uns an, den Jahreswechsel draußen auf dem beschaulichen Land zu genießen. Ein kleines bisschen langweilig war es da zwar schon – nach drei Stunden vermisst man dann trotz all dem Schnee doch sein ganzes Spielzeug – aber eine nette Abwechslung war es natürlich.

Der gemütliche Fernsehabend gestaltete sich schwieriger als gedacht, da natürlich keine Sau wusste, wann nun ausgerechnet Bayern 3 als letzte der Zivilisation zuzurechnende Fernsehstation, deren Signale auch dort empfangen werden konnten, „Dinner for one“ sendet. Nachdem dieser Punkt aber irgendwann abgehakt war, ging es auf null Uhr zu und das bedeutete in Deutschland nun einmal Feuerwerk. Man mag es nicht glauben, aber auch das Allgäu zählte schon damals dazu.
Mein Bruder und ich waren längst böllerbegabt, mehr noch als im Umgang mit Explosivkörpern waren wir nur darin geübt, selbige in Stuttgarter Supermärkten zu klauen, weil wir sie nicht legal erwerben durften.

Und im Allgäu? Pustekuchen! Familienurlaub mit Mama. Die war schon pingelig mit den dreieinhalb Raketen, die sie gekauft hatte, spätestens aber seit den Bedenken von Rob und Elvira blieb für uns nur das peinliche Kinder-Feuerwerk übrig. Heuler, Feuerkreisel, Tischvulkane und diese komischen Bienen, die sich mit einem bunten Lichtschwall sagenhafte 5 bis 6 Meter in die Luft erhoben – Höhen, in denen Raketen noch gar nicht daran dachten, bunt zu werden. Aber hey: Zisch, heul, blitz! Es war das Allgäu, da tickten die Uhren wohl anders. Abgesehen davon hatten wir damit im Umkreis von rund 5 Kilometern immer noch das imposanteste Feuerwerk. Die restlichen Bewohner der Umgebung, größtenteils Kühe, beteiligten sich nämlich nur wenig.

Bis zum entscheidenden Moment jedenfalls zischte, schwirrte, heulte und leuchtete es vor dem Haus doch recht angemessen und selbst unsere paar Kinderquatsch-Utensilien vermochten durch ihr Feuer und den Rauch den famosen Sternenhimmel verschwinden zu lassen.

Und während ich mich im bunten Treiben so umsah, blieb mein Blick an meiner Mutter hängen, die eine der besagten Bienen sachte niederlegte und anzündete. Ich stand sichere 10 Meter entfernt und wartete auf die imposante Leuchterscheinung (also nach wie vor für Allgäuer Verhältnisse, ist klar, ne?).
Mit einem deutlich vernehmbaren Zischen startete das kleine Teilchen – nur um anschließend, keine 50 Zentimeter über der geschlossenen Schneedecke die Richtung zu wechseln und auf mich zuzuschießen. Dank der unberechenbaren Flugbahn der wilden Biene war mein Ausweichen nutzlos, sie traf mich an der linken Hüfte. Zielsicher schräg von unten unter die Jacke. Diese verhinderte, dass der Feuerwerkskörper einfach abprallte und so surrte, zischte, rauchte und leuchtete es direkt unter meiner Jacke weiter.
Die fröhlichen Festtagsgesichter wichen heller Panik, um mein eigenes, zunächst verwirrtes, war es kein bisschen besser bestellt. Im Bestreben, die Freude möglichst maximal zu halten und sich höher in die Lüfte zu schrauben, bohrte sich die kleine Biene sekundenlang durch meine Kleidung. Die Jogginghose schmolz recht schnell, die darunterliegende Unterhose riss vermutlich direkt danach kokelnd durch. Die Biene, immer noch auf Erfolgskurs, verschmolz nun meine Haut, das darunterliegende Fleisch und die Jogginghose schmerzhaft, bis sie nach rund drei bis sieben Sekunden den Brennstoff verlor und müde glimmend zu Boden fiel, wo sie umgehend im Schnee erlosch.

Anstatt mich über eine Abnahme meines Hüftumfangs um etwa 0,5 cm binnen weniger Sekunden zu freuen, schmiss ich mich ebenfalls heulend in den Schnee.

Was ich damit sagen will?

Bienen sind unter der Jacke gefährlich und Feuer ist auch heiß, wenn es bunt ist!

Passt auf an Silvester!

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Grenzenloses Staunen

Wir sind mal sowas von am Arsch. Dass der neue Pächter auf dem Gartengrundstück meiner Oma eine private Kantine betreibt, ärgert mich. Die Suche nach diesen drei einbetonierten Dingern in dem mindestens hundertstöckigen Hochhaus mit seinen tausend Fallen ist anstrengend. Aber wirklich schlimm ist, dass es wehtut, sich gegenseitig in die Augen zu sehen. Nein, nicht psychisch! Es frisst sich in einen rein, man löst sich langsam auf – wer weiß, was das jetzt soll. Meinen besten Kumpel hat es schon erwischt, der Rest von uns starrt panisch in der Gegend rum, möglichst niemand anders mit seinen Blicken streifend. Eigentlich bin ich bereit aufzugeben und vielleich wäre es ja wirklich das Beste. Ich meine, wie soll man aus dieser Situation auch wieder rauskommen? Ein wenig mitleidig nehme ich den Typen ins Visier, den ich die Tage erst kennengelernt habe, er fängt an zu qualmen. Da – wie aus dem Nichts – durchzuckt mich ein bekanntes Gefühl vom Fuß aus und schlagartig hab ich ein mildtätiges Grinsen im Gesicht. Ich kann es sehen, von außerhalb.

Ich denke mal, ich bin sowas wie ein Radikal-Phlegmatiker. Wenn das Setting stimmt, finde ich auch Alpträume irgendwie ok.

Es ist nicht so, dass ich in Erwartung des sicheren Todes irgendwie ruhig geblieben wäre, aber seit mein Fuß von der Matratze gerutscht ist und mein großer Zeh den Fußboden berührt hat – was mein Bein zum Zucken animierte – ist mir bewusst, dass ich träume. In der Folge kann ich sogar damit leben, dass gute Freunde pulverisiert werden oder ich ungefähr aus einem Kilometer Höhe in den Swimmingpool des Hochhauses springe. Ich kann ja gleich aufwachen, alles kein Thema!

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man im Laufe der Zeit immer weniger träumt. Hmm. Dann vergeht meine Zeit vielleicht nicht ordnungsgemäß. Ich kann mich fast jeden Morgen an irgendwelche Träume erinnern, die meisten sind sogar ein bisschen weniger fies als der heutige. Erst letzte Woche hab ich mich z.B. neu verliebt. Gut, in Anbetracht der Tatsache, dass ich im wirklichen Leben verheiratet bin, könnte man das auch als Alptraum sehen – aber ich kann euch sagen, dass es nur halb so wild ist, als sich im Traum neu zu verlieben und auch dort verheiratet zu sein. 😉

Manche Menschen haben Angst vor ihren Träumen, die Konfrontation mit Unterbewusstem ist natürlich auch nicht immer das Beste, was einem morgens nach dem Weckerklingeln passieren kann. Ich persönlich wache zwar auch das ein oder andere Mal schweißgebadet auf, aber die Zeit kindlicher Naivität ist dann auch vorbei. Wenn ich in meinem Bettchen aufwache, war das mit dem Weltuntergang offensichtlich nur ein Traum. Und wenn nicht: ein Weltuntergang, der mein Bettchen verschont, kann auch auf die leichte Schulter genommen werden. Ausnahmen bestätigen die Regel (ist echt bitter, zu glauben, man hätte letzte Nacht die Freundin betrogen), ansonsten: Radikal-Phlegmatik und grenzenloses Staunen. Das ist das Beste!

Zum Niederschreiben fehlen mir selbst wie den meisten Menschen leider binnen Minuten zu viele Details. Auf der anderen Seite habe ich festgestellt, dass sich selbst die konfusesten Träume recht schnell auf irgendwelche Alltagserlebnisse zurückführen lassen. Und wer sich wundert, was in seinem Alltag angeblich passieren soll, der sollte die scheinbar nur so vor sich hingeschauten Filme, die überflogenen Texte und dergleichen mal in seine Überlegungen miteinbeziehen. Meine im Traum brutzelnden Mitmenschen heute Nacht wiesen eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den Protagonisten des Films „The Way back“ bei ihrer Wanderung durch die Wüste auf, den ich vor zwei Tagen gesehen hatte. Dazu eine Assoziation mit einem flüchtigen Blickkontakt auf der Straße … ich sage ja: grenzenloses Staunen.

Ich habe noch nie gehört, dass Träume etwas schlechtes seien. Also zumindest nicht im Bett. Hinterm Steuer mag das anders aussehen, aber davon bin ich bislang verschont geblieben. Und so lange mir mein Fuß rechtzeitig Rückmeldung gibt, wo die Realität ist (alleine dieses wunderbare Gefühl hat mich dazu veranlasst, jetzt direkt nach dem Aufstehen diesen Text zu schreiben), belasse ich es wohl dabei, mich zu freuen über dieses Phänomen. Oder es in schlimmen Fällen radikal-phlegmatisch hinzunehmen. Und nach intensiven Nächten wie der heutigen gehe ich dann raus, schaue mir die Welt an, die Menschen, die Kunst.

Ich kann gar nicht so viel sehen, wie ich träumen möchte …

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Kleines Weihnachtsalphabet

Aufräumen:
Leider irgendwie unabdinglich, zeitraubend, nervenaufreibend. Am Ende ist wenigstens das Ergebnis cool anzu … WIR HABEN EIN FÜNFTES ZIMMER???

Bett:
Unfassbar fieses Möbelstück, unter dem sich Dinge finden lassen, die wie ein fünftes Zimmer aussehen.

Christkind:
Gibt es bei uns nicht. Hier werden die Geschenke noch nach alter Tradition aus Stein gehauen oder vom Zentralkommitee vorgeschrieben.

Dreißig:
Seit dem gestrigen Abend vielleicht die einzige familienübergreifende Tradition infolge unserer Hochzeit.

Erscheinen:
Mit dem Adjektiv „überpünktlich“ assoziiertes Wort fern jeder Engelsgeschichten.

Fernsehen:
Eine dieses Jahr rund 55 Minuten andauernde Beschäftigung. Zu vernachlässigen.

Großeltern:
Paarweise auftretende gut gelaunte Gäste aus einem Paralleluniversum fern unserer Vorstellungskraft.

Hocker:
Adäquater Stuhlersatz für alle Altersgruppen.

Insiderwitze:
Das wirklich nervenaufreibende an Weihnachten.

Jackpot:
1,37 € – mein Endstand beim Dreißig-Zocken bei einem Einsatz von 50 Cent.

Kronen:
Inoffizielle Zweitwährung der letzten Tage. Zumindest in Gesprächen.

Linsenbraten:
Weihnachtsessen mit höheren Zustimmungsraten als alle Gänse dieser Welt.

Mantra:
„Du sollst nicht … also zumindest nicht ständig.“

Nähen:
Ozies Haupttätigkeit vor den Festtagen.

Ofen:
Wichtigster Verbündeter im Kampf gegen den Diätwahn.

Prost:
Aktueller nachweihnachtlicher Zustand.

Quest:
Manage dieses Durcheinander und verliere nicht den Verstand. Persönlichkeit +1, Bauch + 3, Selbstachtung -1, Kochkunst +2.

Rock:
Unterschätzte Musikrichtung.

Schlafdefizit:
Ernst zu nehmendes ProblCHRCHRCHRCHR

Tischdecken:
Fast pünktlich fertiggestellte Accessoires.

Ultimate Fighting:
Letzte, nie notwendig gewordene Verteidigungsstrategie.

Völlerei:
Eine der zahlreichen praktizierten Todsünden in den letzten Tagen.

Winterjacke:
Offenbar ein wichtiges Gesprächsthema.

Xälz:
Ein Wort für Marmelade, das außer mir hier niemand kennt.

Y:
Ist und bleibt das Arschlochkind unter den Buchstaben.

Zahnschmerzen:
Eine Gemeinheit, die einem das Fest gehörig vermiesen könnte, wenn man nicht so grenzdebil gutläunig wäre wie ich.

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Noch ein Weihnachtswunsch

Jetzt zu Weihnachten melden sich viele Leute, die auf die offenen Geldbeutel während der Festtage hoffen und Geld für dieses oder jenes sammeln wollen. Das ist ein schlechter Zeitpunkt, um auf ein Projekt aufmerksam zu machen. Leider.

Ich möchte es trotzdem tun, einfach um meiner Freunde Willen. Nein, ich hab keine kranken Kinder und hungernde Flüchtlinge auf Lager und ich weiß, dass es eine Menge andere wichtige Dinge auf diesem Planeten gibt. Aber mein guter alter Freund Alex (der sich in den frühen Jahren der WG noch eingebildet hat, er könne unser Pfandflaschenproblem lösen), mit dem ich etliche wunderbare Sessions an dem Schreibtisch hatte, von dem aus ich gerade schreibe, ist in ein Theaterprojekt in Wien involviert, in dem (nicht ganz zufällig) auch zwei jener jungen Schauspielerinnen die Hauptrollen spielen, die vor einiger Zeit auch unsere gar nicht so kleine Berliner Wohnung als Gäste unsicher gemacht haben.

Na gut, letztlich wahrscheinlich eher sicherer, aber darum geht es ja nicht!

Es geht aber um das Theaterprojekt „Zwei Frauen und eine Leiche“ und die Ankündigung inklusive sehr lustigem Trailer auf startnext.at (Schaut es euch wenigstens an. Bis zum Ende!) sollte eigentlich alle Fragen klären. Abgesehen davon, dass ich die Videofertigkeiten meines Freundes Alex zu schätzen weiß und mir die beiden Hauptdarstellerinnen persönlich als sehr sympathisch in Erinnerung sind, sollte man auch mal anmerken, dass ein Budget von 3.800 € für ein Theaterstück (und man bekommt bei einer Spende ja auch ein Dankeschön!) wahrlich nicht zu hoch gegriffen ist. Da versuchen wirklich ein paar engagierte junge Leute ein cooles Projekt zum Laufen zu bringen und ich weiß ja nun aus eigener Erfahrung, dass die Beteiligten nicht gerade auf großem Fuße leben … 😉

Wien mag weit weg sein und Theater nicht eure Passion. Das geht mir im Grunde auch so. Aber glaubt mir: die Truppe hat es verdient und das Stück an sich klingt ja auch ziemlich geil, wenn ihr mich fragt.

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