Stadtmöblierung

Vor einiger Zeit in einem kleinen Büro:

„Na Müller, haben Sie die Mülleimer in Marzahn alle aufgestellt?“

„Jepp.“

„Und Frank die Bänke?“

„Nee, Frank war krank.“

Laden zum Verweilen ein: Marzahns Parkanlagen. Quelle: Sash

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Julius Duttlinger

Drei Monate hatte ich nun mein Taxi vor der Türe, inzwischen fahre ich wieder Bahn. Ich habe wieder das, was gemeinhin Arbeitsweg genannt wird. Und das ist toll. Dabei gehöre ich ja noch zu den Leuten, die im Rahmen ihrer Arbeit ganz schön rumkommen – der Mangel an Aussicht ist es also nicht, der dafür sorgt, dass ich mich heimlich freue. Der Arbeitsweg hat für mich immer schon eine gesonderte Bedeutung gehabt: er vermittelt den Abstand zur Arbeit und ist zugleich Zeit, sich vorzubereiten, bzw. runterzukommen.

So gesehen fand ich schon in der Schule den Witz gar nicht so komisch, in dem ein kleiner Junge ein leeres Blatt abgibt, als er seinen Schulweg beschreiben soll – weil er der Sohn des Hausmeisters ist.
Während der Schule war der Weg sowieso noch einmal wichtiger. Da ist man ohnehin nicht immer auf den selben Pfaden gewandelt – auf den Umwegen gab es ja so viel zu entdecken und auch Blödsinn zu machen. Aus den Details, die mir von den dann irgendwann doch vertrauten Wegen noch im Kopf sind, ziehe ich heute noch Sätze für Geschichten. Auch Julius Duttlinger, Namenspatron dieses Eintrags ist so ein Detail. Sein sehr schöner schlichter schwarzer Grabstein hat mit jahrelang verkündet, dass ich den Großteil der Steigung des Gablenberger Friedhofs hinter mir habe. Wer weiß, woran ich heute bei meinem Schulweg denken würde, wäre Julius Duttlinger nicht zwei Jahre vor meiner Geburt gestorben.

An den täglichen Wegen treffen einen die Jahreszeiten intensiver und doch überschaubarer als sonst: Kann ich durch die kahlen Bäume im Herbst bereits ums Eck sehen, ob der Bus kommt? Verdeckt der Schnee tatsächlich schon die Inschrift auf der Friedhofsmauer und ist die Pfütze an der schmalen Stelle des Gehwegs tatsächlich so breit, dass man nasse Füße bekommt?
Man lernt seinen kleinen Teil der Stadt bis auf’s letzte Fitzelchen kennen. Hier ein neues Haus, dort haben sie jetzt ein Stopschild aufgestellt und – Wahnsinn! – die Leute in der Nummer 53 haben inzwischen ihre Fensterläden gestrichen.

Und dennoch ist dabei manchmal viel wohltuende Monotonie. Die Reihenfolge der Haltestellen wechselt nur selten, selbst die meisten Neubauten stehen irgendwann einfach da und am Ende ist das wohl auch gut so.

Sicher, für manchen ist das nur die öde Fortsetzung des öden Tages – und auch ich hätte gerne hier und da mal den Weg übersprungen, um die Verspätung aufzuholen oder gleich ins Bett zu kommen. Am Ende hab ich es dann doch immer geschafft. Inzwischen schlafe ich notfalls in der Bahn schon ein Stückchen vor. Und das geht. Ich erkenne selbst im Schlaf die Kurve, nach der ich aussteigen muss.

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Marzahn lebt!

Als erstes erfuhr ich es von einem Kollegen:

„In de‘ Havemannstraße is‘ einer mit’n Panzer über de Schilder jebrettert!“

WTF?

So ganz falsch lag der Kollege damit nicht, wie mir am Tag darauf die Pressemeldung der Berliner Polizei mitteilte. OK, ein Panzer war es nicht! Aber ein besoffener Held mit einem Hummer ist diese Woche wohl in Marzahn sowas wie „behutsam Amok gefahren“. So zumindest meine Einschätzung. Wie es bisher aussieht, ist er hauptsächlich über die Mittelstreifenbeschilderung der hier recht breiten Straßen hinweggepflügt – immerhin ohne Privat-PKW zu beschädigen!

Für diese Aktion – wie auch für den offensichtlichen Versuch, in einen Laden zu fahren – kann ich dem Typen natürlich nur die Klatsche des Monats übergeben und keinerlei Sympathie entgegenbringen. Für Leben gesorgt hat er in der Umgebung offenbar genug. Immerhin gingen gleich mehrere Meldungen bei der Polizei ein …

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Verlorene Tage?

Schon klar, jeder Tag ist anders. Abgesehen von einigen Wiederholungen – die ich jedoch sehr schätze – ist das ja auch bei mir so. Die vergangenen 24 Stunden passen für mich aber irgendwie nur als abschreckendes Beispiel ins Raster, dagegen ist Prokrastination noch zukunftsorientiert …

Als ich schon vor ein Uhr zu Hause war, hab ich mich schnell versucht, davon abzulenken, dass mein Verdienst an diesem Abend allenfalls für einen Kasten Bier gereicht hätte – und selbst dazu hätte ich mal besser vorsichtshalber noch Pfand mitnehmen sollen, um sicherzugehen. Aber gut, ich wollte mir kein Bier kaufen, deswegen steht hier auch noch so viel Pfand rum.
Todmüde wie ich war, hab ich mir die Zeit mit ein paar halblebigen Sätzen im Internet vertrieben, ein schauriges Mahnmal der Kreativlosigkeit. Neben ein bisschen futtern hab ich mich um 4 Uhr ins Bett geschmissen. Gut 3 Stunden vor meiner Zeit. Aber ich konnte mich nicht mehr dazu aufraffen, die Augen offen zu halten.

Das änderte sich schlagartig um 5 Uhr. Als ich aufstand, um noch eine Kleinigkeit zu essen, wusste ich nicht, dass es noch so früh war, ich fühlte mich fit. Nach einem Blick auf die Uhr bin ich futternderweise ins Bett verschwunden. Und hab gelesen. Recht schnell hatte ich die (nicht wirklich spektakulären) letzten Kapitel von Hackerbrause durch, dann hab ich mich dem eben angefangenen Die Wissenschaft bei Douglas Adams gewidmet. Das hab ich dann auch kurz durchgelesen, was etwas länger gedauert hat, da ich da mindestens 200 Seiten offen hatte. Aber es war leider spannend.

Dann war bereits Nachmittag, ich hätte also aufstehen können. Wäre ich nicht verständlicherweise ein wenig müde gewesen. Die bis dato etwa 9 Stunden im Bett waren nicht wirklich erholsam. Ich hab mich dennoch hingelegt und zu schlafen versucht. Dabei kam mir eine tolle Idee zu einer Geschichte, die ich unbedingt kurz niederschreiben musste. Irgendwann hab ich wahrscheinlich auch ein oder zwei Stunden geschlafen. Völlig gerädert bin ich um 18.24 Uhr zum Handy gerannt, als es klingelte.

Anruf vom Chef: Autochen ist kaputt. Ich könne natürlich einen Ersatzwagen haben, der sei aber leider an der Firma …

Ich betrachtete es als großen Segen, dass es dieses Mal nicht wirklich meine Faulheit war, die mich am Arbeiten hinderte. Also hab ich gemütlich so getan, als würde ich aufwachen, versucht, die Rückenschmerzen loszuwerden (ich nehme an, ich bin 11 Stunden im Bett nicht so wirklich gewohnt), um dann bei Kippe und Cola erneut ein Telefonat entgegenzunehmen. Die Entwarnung meines Tagfahrers: das Auto hätte wohl doch nur mal kurz gemuckt – alles ok, ich könnte los!

Ich hab’s ernstlich versucht zu versuchen. Aber als es nach dem Duschen schon 20 Uhr war und ich noch nicht einmal mental in der Lage, mir den Stress zu geben, hab ich lieber davon abgesehen und mache mir seitdem ein schlechtes Gewissen, weil das finanziell natürlich scheiße ist, heute nicht zu arbeiten.

Naja, wenigstens das mit dem Schreiben klappt noch so halbwegs …

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Herausraabend

OK, jetzt wird’s peinlich und persönlich: ich hab gestern „Schlag den Raab“ gesehen. Pah, gestern! Ich war noch heute früh dabei, als dann letztlich die Entscheidung für Stefan fiel.

Da ich ja wirklich nur sehr sehr wenig überhaupt fernsehe und mich stattdessen lieber im Internet herumtreibe, ist mir natürlich nicht entgangen, dass die Sendung und insbesondere Stefan Raab auch immer wieder mal angegangen werden. Das ist klar, und spätestens bei der Frage, ob Raab sympathisch ist, muss man ohnehin polarisieren. Kann ja auch nicht jedem jede Fresse gefallen, das ist klar und auch gut so.

Aber wenn man mich fragt, dann ist „Schlag den Raab“ gerade unangefochten die Nummer eins unter den Abendunterhaltungsshows. Natürlich ist das alles durch Werbung erkauft, profitorientiert und im Grunde natürlich einzuteilen in die Kategorie „Brot und Spiele fürs Volk“. Nur, und das ist mein persönlicher Ansatz: das ist Fernsehen doch ohnehin! Ein One-Way-Kommunikationskanal, an dem sich immer noch Gott und die Welt dumm und dämlich verdienen. Eine erschreckend einfallslose Welt mit erschreckend einfallslosen Formaten, die erschreckend einfallslose Leute tagelang beschäftigt. Im Grunde stimme ich also allen Kritikern zu, nur würde ich weniger Raab und seine Sendungen, als viel mehr das Medium und seine Strukturen an sich dafür verantwortlich machen.

Gegen „das Internet“ stinkt Raab zweifelsohne ab. Google trackt mich gut genug, um mir auch auf Youtube sechs Stunden Unterhaltung anzubieten, die wesentlich weniger Werbung, Leerlaufzeiten und blödsinnige Kommentare zu bieten hat. Fürs Fernsehen aber – und das ist, auch wenn wir es gerne im Netz vergessen, immer noch ein wichtiges Medium in Deutschland – ist Raab derzeit wohl das Maß der Dinge.

Dank Unterbrechungen und Geschwurbel zieht sich zwar auch „Schlag den Raab“ in die Länge, langweiliger als „Wetten, dass …?“ und Konsorten ist die Sendung aber nie gewesen. Selbst wenn man Raab nicht als Superstar oder Sympathieträger sieht, hat man für die Show doch einen offenbar würdigen Gegner für die Kandidaten gefunden und die Spiele, die dort alle paar Monate ausgetragen werden, lassen weder an Einfallsreichtum, noch an der Umsetzung arg viel zu wünschen übrig.

Ich muss gestehen, dass ich Stefan Raab irgendwie mag. Vielleicht nicht menschlich – ich kenne ihn schließlich nicht persönlich – aber ich habe wirklich Respekt vor ihm. Ich mag seine musikalischen Ergüsse nicht unbedingt, dennoch ist er da offenbar genauso in der Lage, die Menschen zu begeistern, wie mit seinen Sendeformaten. Auch wenn man vielleicht die Masse der Menschen für blöd halten mag, man könnte Raab immerhin zu Gute halten, dass er das einzubeziehen weiß. Und nach wie vor würde ich sagen, dass „Schlag den Raab“ immer noch mehr Wissen vermittelt als „Wetten, dass …?“

Was natürlich nichts aussagt.

Es ist Unterhaltung, Fernsehunterhaltung. Der kann man kritisch gegenüberstehen und das zu Recht!

Aber wenn man davon ausgeht, dass Fernsehunterhaltung eine Daseinsberechtigung hat, dann sollte man es doch wenigstens machen wie der Raab.

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grau

Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass Berlin im Winter hässlich sei. Mal abgesehen davon, dass der Satz schon mehr Wahrheit enthalten würde, wenn man Berlin durch beispielsweise Frankfurt am Main austauscht, so trifft das doch vor allem auf Winter wie den diesjährigen zu: auf warme Winter, den Herbst bisweilen.

Eine seltsame Anomalie in meinem Schlafrhythmus hat heute dafür gesorgt, dass ich um 9.00 Uhr schon erwacht bin und so eine der wenigen Möglichkeiten in den letzten Monaten hatte, dieses Tageslicht-Gedöns, von dem immer alle so schwärmen, aus der Nähe und mit eigenen Augen zu sehen. Der Blick aus dem zu einem kleinen Teil aufgezogenen Vorhang wirft ein milchig-graues Bild auf meine Netzhaut. Der eigentlich leicht lila-stichige Plattenbau gegenüber zeichnet sich kaum vom Himmel ab, aus Mangel an Nadelbäumen dominiert selbst bei der üppigen Vegetation ein hässlicher Trend zu kackbraun.

Auf dem Weg zur Post schlingere ich um Pfützen unterschiedlichster Größe, lausche dem an- und wieder abschwellenden Plätschern jedes vorbeifahrenden Autos. Ein leichter Nieselregen benetzt alles in der Umgebung, die erst eben angezogene Hose fühlt sich klamm an, bevor sie endlich warm wird. Auf dem Rasen pflanzen sich hässliche, braune, kahle Flecken fort, die einzigen Farbtupfer weggeschmissene Pfandflaschen in dunklem Blau.
Die Gesichter der Menschen auf der Straße sehen aus wie das Wetter, sofern man sie überhaupt erkennt zwischen aschfahlem Anorak und Kunstfellkragen.

Gut, dass es im Winter wenigstens zeitig wieder dunkel wird.

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Pädagogisch wertvoll

Zweifelsohne hatte ich in den letzten Tagen und Wochen viel Spaß. Zunächst mit Weihnachten, dann mit der besoffenen Kundschaft an Silvester und jetzt dabei, herauszufinden, was die Psyche so macht, wenn man nur 4,50 € pro Stunde verdient. Alles toll und unterschätzt, keine Frage!

Aber das ist NICHTS gegen den Spaß bei „Nicht nachmachen!“, einer Sendung bei ZDFneo, die so grenzdebil ist, dass sie sogar die neue GEZ-Regelung übertrifft.

Worum geht es?

Es ist eine Pseudo-Dokumentation, in der gezeigt wird, wie Bernhard Hoëcker und Wigald Boning mit allerlei in der Tat nicht nachzumachenden „Experimenten“ ein Haus völlig auseinandergestalten. Ob sie Rotwein in der Mikrowelle „temperieren“, einen Grill mit Haarspray betreiben, Böller in der Wohnung zünden oder Kartoffelkanonen ausprobieren: die Sendung ist schon wegen der Begeisterungsfähigkeit der beiden Moderatoren fantastisch!

Sicher, in der Sendung wird hauptsächlich zerstört, verschwendet oder … nein, eigentlich war es das. Das kann man ankreiden, keine Frage. Aber ich glaube tatsächlich, dass diese letztlich doch professionelle Show mit guten Kameraleuten und extremen Slow-Motion-Aufnahmen vielleicht das ein oder andere Youtube-Video-Experiment von minderbegabten Vollhonks verhindert, weil diese es niemals so schön auf Video bannen könnten.

Deswegen:

Nicht nachmachen! Aber anschauen!

Folge 1
(alles weitere findet sich so …)

Das Ganze hab ich übrigens auch nur via Herms Farm mitgekriegt …

PS: Ich weiß, dass ich in diesem Fall sowohl kindisch als auch spät dran bin. Aber so ist das halt manchmal 😉

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