12. Januar 2012 · 03:50
Der Maskierte hat heute ein leidliches Thema für all die durchs Netz wuselnden Kreativlinge angesprochen: Was, wenn einen die pure unverfälschte Schreibwut packt – noch dazu eine, die so pur und unverfälscht ist, dass sie nur etwas neues hervorbringen kann und nicht etwa alte angefangene vielversprechende Texte vollenden? Und wenn einem dann nix einfällt?
Der erste Kommentator empfahl gleich, mich zu fragen 🙂
Nun ist das ein nicht ganz cleverer Rat, denn meine Online-Zeit ist gepflastert von viel Notstandsgeblogge, das mich selbst nervt, weil es mich drei Jahre später beim Durchblättern meines Blogs am eigenen Verstand zweifeln lässt.
So ziemlich jeder Autor, Blogger, Schriftsteller und sonstwie veröffentlichender Schreiberling hört diese Frage irgendwann und wird meist gleichzeitig gelobt, weil er dieses Problem ja offenbar nicht hat. Das ist Quatsch. Jeder Schreiber kennt solche Tage, je mehr man das Schreiben liebt, desto enervierender der beschriebene Zustand. Und wahrscheinlich ist das auch ganz normal. Vor allem, wenn man viel schreibt…
Von der absurdesten dieser Nächte möchte ich mal kurz erzählen. Es war zu einer Zeit, als ich noch eher tagsüber meiner Arbeit nachging. Nun hatte ich aber Wochenende. Ich lag spät am Abend im Bett und konnte nicht einschlafen. Mich hielten Gedanken wach, die eine Geschichte formten. Ich malte mir diese Geschichte bereits in schönen Worten aus, war begeistert von der ein oder anderen Formulierung und in mir reifte der Gedanke, dass ich das unverzüglich niederschreiben müsste.
Nun kam mir eine gute Idee. Denn für lange Schreibereien schien mir mein Sessel zu unbequem, sodass ich lieber im Bett schreiben wollte. Dass das ein ewiger Trugschluss ist, ist übrigens Tatsache! Es ist niemals auf Dauer bequemer im Bett. Aber ich war jung, doof und tagaktiv. Also musste das Bett näher an den PC. Eigentlich kein Problem, denn das Tastaturkabel war recht lang und ich konnte schon damals recht gut sehen. Um das Bett seitlich vor den Schreibtisch zu kriegen, musste es seinen Platz allerdings mit einem Regal und einer Kommode tauschen. Das wäre nicht weiter dramatisch gewesen, wäre meine Operationsbasis nicht nur 9m² groß gewesen. Niemals konnte ich das Bett einfach so drehen!
Dann befanden sich in der Kommode sämtliche Klamotten meiner Wenigkeit, abgesehen natürlich von dem Teil, den ich ohnehin aufräumen musste, weil er ums Bett herum auf dem Boden verteilt war. Auf der Kommode befand sich meine bescheidene aus etwa 350 Exemplaren bestehende CD-Sammlung und meine Stereoanlage. Diese musste auf den Schreibtisch wechseln, was eine Verrückung des Computers erforderlich machte, da das Monitorkabel leider nicht so lang war wie das Tastaturkabel. Überhaupt musste die Platte vom Schreibtisch gelöst werden, um die nötigen Kabel vernünftig hinter dem Tisch verlegen zu können.
Das Ende des Liedes war, dass ich um 5 Uhr morgens in einem Zimmer eingeschlafen bin, das aussah, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Bis in die Abendstunden konnte ich überhaupt nicht an den Computer und es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass ich nach diesem Tag nicht mal ansatzweise Lust hatte, eine Geschichte zu schreiben.
Ich habe heute keine Ahnung mehr, wovon sie überhaupt handelte. Aber ich habe nun eine andere Geschichte zu erzählen: Die Geschichte davon, wie das Erzählen einer Geschichte mich zu einer der größten Umräumaktionen innerhalb meiner WG gebracht hat. Manchmal offenbaren sich die guten Seiten einer Sache erst spät. Und das ist doch eigentlich ein schönes Fazit in Anbetracht dieses beschissenen Zustandes, dass man unbedingt etwas schreiben möchte, es aber einfach nicht gebacken kriegt… 🙂
Und hey: Ich hatte nicht einmal ein paar verdammte Fußmatten in dem Zimmer damals!
