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Kleine Buchempfehlung

Wegen gnadenlos guter Rezensionen hat sich vor einiger Zeit „Das viktorianische Internet“ von Tom Standage auf meinen Amazon-Wunschzettel verlaufen. Vor kurzer Zeit hat ein lieber Leser mir dieses Buch dann tatsächlich gekauft und ich hab es trotz vielfältiger anderer Beschäftigungen binnen dreier Tage durchgelesen.

Und ich muss einfach mal sagen: Wow!

Ich bin ein geschichtlich und technisch interessierter Mensch, allerdings mit dem fatalen Hang zu guten Texten. Ich finde Geschichtsbücher unsagbar öde, selbst wenn sie spannende Zeiten beschreiben. Und ich denke, ich bin da nicht alleine. Es ist einfach viel schöner und nachvollziehbarer, wenn Geschichte anhand einzelner Geschichten oder Dinge erzählt wird und nicht als bloße Abhandlung von vermeintlich wichtigen Fakten. So ermüden mich all die Dokus übers dritte Reich trotz enormem Interesse stets, die Tagebücher von Victor Klemperer haben mir den alltäglichen Wahnsinn jedoch nahebringen können.

Nun, worum geht es im „viktorianischen Internet“?

Eigentlich nur um die Geschichte der Telegraphie, bzw. des Telegraphen. Tom Standage nutzt als Aufhänger die Gemeinsamkeiten der damals revolutionären Technologie mit dem heutigen Internet, beschreibt letzten Endes aber einfach sehr packend, was selbige in ihrer Zeit bedeutete. Er erzählt spannend vom technologischen Fortschritt, den damit einhergehenden gesellschaftlichen Entwicklungen und nebenbei auch von den wichtigen Wegbereitern und ihren Intentionen. Mit rund 240 Seiten ist es kein opulentes Werk, sondern eher eine kurze populärwissenschaftliche Lektüre, die man auch mal nebenher lesen kann – und dabei dennoch unglaublich viel lernen.

Ich weiß nicht, wie es euch Lesern geht: Sind da Telegraphie-Experten dabei? Die brauchen das Buch sicher nicht. Aber wer gerne ohne sich zu langweilen interessante Geschichten von vor 200 Jahren liest und sich nebenbei über eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit (das war der Telegraph tatsächlich!) informieren will, der sollte das Buch kaufen. Ehrlich!

Ich jedenfalls hab ein paar kurzweilige Stunden damit verbracht und bin jetzt um einiges klüger. Arg viel mehr kann man von einem Buch nicht erwarten, oder?

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Die meisten Unfälle …

…passieren im Haushalt.

Das ist schon lange keine statistische Erkenntnis mehr, sondern ein geflügeltes Wort. Weiß ja jeder. Überhaupt ist das Leben lebensgefährlich, das halten einem die vielen Bagatellunfälle mit schweren Folgen immer wieder vor Augen. Trotzdem sah ich mich lange Zeit davon verschont. Dass ich mal im Bad ausgerutscht bin und mir ganz klassisch fast das Genick gebrochen hätte, ist über 10 Jahre her, an weitere Dinge kann ich mich kaum erinnern. Klar, ein Wadenbeinbruch beim Spielen mit Kindern kam 2008 noch dazu, aber aus der Berliner Wohnung glaubte ich lange, alle potenziellen Gefahrenquellen verdammt, bzw. mit dem Rest von ihnen eine gewisse Geschicklichkeit erlangt und die Gefahren selbst so minimiert zu haben.

Pustekuchen!

Ich selbst tapse zwar unbeholfen und unbeschädigt wie eh und je durchs Leben, aber Ozie ist von einer absoluten Pechsträhne begleitet seit einer Woche. Alles begann mit dem Zusammenbau ihres neuen PC. Obwohl immer sehr geschickt im Umgang mit Hardware, bekennt Ozie mit all ihren Computern Blutsbrüderschaft geschlossen zu haben. Irgendeine unsauber geschliffene Kante des Mainboards, eine Lamelle des Kühlkörpers oder eine Strebe am Gehäuse sorgte letztlich immer für Blutverlust. Die Computer übrigens haben das alles immer anstandslos überlebt.

Dieses Mal wehrten sich Kühler und Lüfter mehr denn je, aber die Operation gelang. Kaum, dass das erledigt war, eilte Ozie in die Küche, wollte sich Essen zubereiten und schnitt sich beim Reinigen eines Messers einen halben Zentimeter tief in den Daumen. Sie hatte es Stunden zuvor extra geschliffen …

Kaum dass wir diese Wunde mehr oder weniger fachgerecht verarztet hatten und das Schlachthaus die Küche gereinigt, schnitt sie sich erneut – ironischerweise beim Wegpacken ihres alten Mainboards in einen Karton. Der erste Schnitt beschäftigte sie die ganze Woche, ging zweimal wieder auf, zuletzt aber wichen der Verband einem Bärchenpflaster und das Bärchenpflaster durfte dann gestern früh auch ab. Alles gut verheilt, nichts entzündet.

Daraufhin schnitt Ozie sich erneut. Morgens in der Dusche bei einem ungeschickten Griff zu einer nicht ganz vollständigen Armatur – die so seit 5 Jahren in dem Bad hängt. An diesem Punkt hätten wir das mit dem Glauben an den Zufall aufgeben sollen und einfach alle gefährlichen Gegenstände wegschließen. Aber wir sind ja nicht abergläubisch! Es kam, wie es kommen musste:

Beim Kochen gestern Abend verbrühte Ozie sich beim Abgießen der Spaghetti. Nicht übermäßig großflächig, aber dafür schön schmerzhaft. Ich schneide ja gerne die Tomaten für sie, während sie dazu nicht in der Lage ist. Aber ich tue es so langsam mit einer gewissen Angst, sobald ich das Messer sehe …

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Spinner, staatlich begünstigte

Nachdem ich im Briefkasten eben eine Broschüre der vdhs (Verbreitung der heiligen Schrift) gefunden habe, hab ich mich ziemlich aufgeregt. Dass religiöse Menschen nervig sind, wenn sie missionierend unterwegs sind, ist nicht neu. Aber das Heft mit dem schönen Titel „Wie gut ist der Mensch?“ ist wirklich eine Herausforderung für alles, was ein Gehirn hat.

9 von 13 Inhaltsseiten widmen sich der redundant vorgetragenen christlichen Grundüberzeugung, dass wir alle schlecht sind. Und dass es – ungelogen, das steht so da drin – letztlich egal ist, ob man sich redlich bemüht oder seine Kinder verprügelt. Der Rest ist denkbar simpel und vorhersehbar: Auch wenn wir unsere Kinder verprügeln, sollten wir doch einfach daran glauben, dass der Typ vor 2000 Jahren für uns gelitten hat und daraufhin wäre alles ok. Und das – vergessen sie auch nicht zu erwähnen – sogar umsonst!

Na ist das nicht geil?

Hab dem Verein eben eine Mail geschrieben. Mit dem Inhalt der Broschüre wollte ich mich nicht aufhalten, schließlich will ich praktische Tipps:

Mit Erschrecken musste ich feststellen, dass ich offenbar ein schlechter Mensch bin, habe ich doch den „Keine Werbung“-Aufkleber an meinem Briefkasten nicht in einer Sprache angebracht, die missionswilligen Vollzeit-Gurus verständlich ist.

Dies würde ich gerne nachholen und bitte um eine Rückmeldung, wie ich künftig die Zusendung von mich als gebildeten Menschen intellektuell beleidigenden Broschüren der vdhs verhindern kann.

Mit freundlichen Grüßen,

gerne auch an ihren imaginären Freund,

Sascha Bors

PS: Staatlich begünstigt ist natürlich nicht die vdhs, sondern die Kirchen, die den selben Schund ein bisschen erfolgreicher verbreiten. Und die Broschüre wirbt damit, nicht für Sekten oder „christliche Sondergruppen“ zu werben. Insofern fand ich eine Gleichstellung passend. Und ja, ich finde, dass das alles das selbe widerliche Pack ist. Mich kotzt die Religion so langsam wirklich an!

Nachtrag: Vor Ewigkeiten wurde dieser Blogeintrag offenbar in irgendeinem christlichen Forum verlinkt. Seitdem dient das Kommentarfeld darunter dazu, religiöse Spinner anzulocken. Und wer mir den Begriff „Spinner“ übel nimmt, hat die Kommentare offenbar noch nicht gelesen. Eigentlich ist das alles natürlich nicht toll, aber ich hab es mehrmals nicht übers Herz gebracht, dieses wirklich sonderbare Biotop zu schließen. Es ist einfach zu lustig anzusehen. Dennoch musste diese Warnung langsam mal sein: Alles, was ab hier gesagt wird, besser nicht zu ernst nehmen!

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Die Sache mit der Sicherheit

Manche Themen sind so nervig und so ausgelatscht, dass man … ja was?

Immer wieder über sie diskutieren muss!

Und Sicherheit ist leider so eine Sache. Ich vermute, wir sind uns alle einig, dass Sicherheit an und für sich etwas tolles ist. Und auch etwas erstrebenswertes. Es ist ein unglaublich beruhigendes Gefühl, dass ich hier am PC sitzen kann und nicht befürchten muss, dass in den nächsten Minuten eine bewaffnete Horde Menschen die Wohnungstür aufbricht, um mich und Ozie zu lynchen. Hätte ich permanent diese Angst im Nacken, dann wäre mein Leben um einiges unschöner und ich weiß es zu schätzen, dass ich diese Furcht nicht ernstlich haben muss.

Aber: Alles hat Grenzen!

Drüben bei GNIT liege ich gerade mehr oder weniger mit einem Kommentator im Clinch, der mir einzureden versucht, ich solle zum einen wesentlich wählerischer bei meinen Fahrgästen sein, zum anderen auch bitte nicht in meinem Blog erwähnen, dass ich auch mal über 200 € eingenommen hätte, weil derartige Informationen immer auch Räuber anlocken würden. Während ich die grundsätzlichen Überlegungen zu diesen Themen befürworte und durchaus auch bereit bin, hier und da meine Meinung nach entsprechender Sachlage zu ändern, muss ich doch vorerst sagen:

BULLSHIT!

Ich gehöre nun wirklich zu den Menschen, die sich äußerst ungern auch nur streiten, die keinerlei Wert auf Auseinandersetzungen legen, sondern immer nur Diskussion und Kompromiss im Sinn haben. Aber derlei Vorschläge hinterlassen mich gleichermaßen ratlos wie aufgebracht. Vorsichtig zu sein ist eine Sache, aber der Sicherheit überall und scheinbar bedingungslos den Vortritt zu geben, macht das Leben lebensunwert. Mein Chef z.B. rühmt sich damit, niemals einen betrunkenen Menschen gefahren zu haben. Ich zweifele das nicht nur ein wenig an, ich stelle zudem fest, dass es kein Wunder ist, dass ich einen offenbar lesenswerten Blog übers Taxifahren schreibe und nicht er. Aber das ist nicht einmal der Punkt. Denn wenn es mir wirklich um Sicherheit ginge, dürfte ich gar nicht nachts, nein eigentlich nicht einmal Taxi an sich fahren.

Denn Teil des Jobs wie des Lebens ist es, mit Menschen zu kommunizieren. Geschäftlich, privat, mit netten und mit blöden Menschen, immer wieder und wieder. Und Menschen sind in letzter Konsequenz immer unberechenbar. Menschen werden Opfer von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Berufes, ihres Verhaltens, ihres Aussehens, ihres Daseins an sich. Das ist nicht toll und nichts davon ist irgendwie verteidigenswert, aber ebenso ist es nicht grundsätzlich einfach abschaffbar.

Und mehr noch als besagter Kollege und Kommentator bei GNIT wollen uns alle möglichen Menschen immer wieder genau dieses Konzept verkaufen:

„Lass uns dieses oder jenes noch richtigstellen, dann ist das gut so.“

Ich sage es noch einmal: BULLSHIT!

Wir können Risiken vermindern, Grenzen verschieben, Wahrscheinlichkeiten beeinflussen. Das können wir, das können wir sogar in manchen Bereichen sehr effizient. Taxifahren im Panzerwagen wäre ein sehr sicherer Job, aber es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die Taxifahrer anno dazumal in der BRD die gesetzlich vorgeschriebene Trennscheibe abgeschafft haben.

Wir mögen unsere Prioritäten im Einzelfall anders setzen, aber Sicherheit ohne Freiheit ist einen Scheißdreck wert! Würden wir Panzerwagen als Taxen einsetzen, wäre beispielsweie GNIT hinfällig. Sicher für viele ein verkraftbarer Verlust. Für mich nicht! Und wir alle haben unsere Privatsphäre und ein Recht darauf, Dinge zu tun, die fragwürdig sind. Und damit meine ich keine kriminellen Dinge. Aber wer überwacht, ob meine Fahrgäste friedlich sind, bekommt auch mit, ob sie verliebt, betrunken oder dämlich sind. Wer überwacht, ob ich im Internet nach Bombenbauanleitungen suche, wird auch feststellen, welche Pornos ich ansehe und wer Einbrecher vor meiner Tür stoppt, hat auch die Möglichkeit zu beobachten, wie oft und was ich einkaufe.

Ich würde es gerne zu 100% ausschließen, mit meinem Job meine Gesundheit oder mein Leben zu riskieren. Ehrlich. Natürlich! Aber das kann ich nicht. Und das werde ich nicht können, indem ich meine Fahrgäste alle nach dem Ausweis frage, sie nur nackt einsteigen lasse, einen Panzerwagen fahre oder wie jetzt auf meine Menschenkenntnis vertraue. Ich lebe mein Leben und habe meine Arbeit hier und jetzt. In dieser – an vielen Ecken verbesserungswürdigen – Gesellschaft. Und genau hier und jetzt und so mache ich meinen Job gerne. Das bedeutet, ich bringe auch mal Leute ans Ziel, die kurios wirken und es bedeutet, dass ich selbst herausfinden muss, wo meine Grenzen liegen.  Es bedeutet damit natürlich auch, hier und da mal einen Fehler zu machen.

Aber es bedeutet für mich auch, dass ich darüber schreiben kann. Es bedeutet, dass ich eine ausgeglichene Psyche habe und es ermöglicht eine Menge neuer – und manchmal auch grenzwertiger – Erfahrungen. Am Ende, so pathetisch und kitschig das auch klingen mag, ermöglicht es nicht mehr und nicht weniger, als leben an sich. Und was für ein schwacher Trost muss Unsterblichkeit für jene sein, die nie gelebt haben …

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Glückwunsch, Titanic!

Rechtsstreitigkeiten hat sich das Satiremagazin Titanic in den vergangenen Jahrzehnten ja einige eingefangen. Und aus den meisten sind sie siegreich, in der Regel aber wenigstens ein bisschen populärer als zuvor herausgekommen. Das werte ich persönlich als Zeichen dafür, dass man noch nicht alle Hoffnung aufgeben muss in dieser Gesellschaft. Denn – auch wenn es manchmal ausgelutscht wirkt – am Ende halte zumindest ich es immer noch mit den Worten Tucholskys von 1919:

„Was darf die Satire? Alles.“

Gerade in einem Fall wie dem vorliegenden. Die Titanic hat dem Gewand des Papstes einen gelben Fleck verpasst und in Anspielung auf die Vatileaks-Diskussion „Die undichte Stelle ist gefunden!“ darüber getitelt. Gut, das kann man natürlich geschmacklos finden. Aber an und für sich ist es ein so billiger Witz, dass ich mit Sorge auf Papa Ratzi schaue, wenn er sich von so etwas persönlich angegriffen fühlt. Schließlich führt der Mann ein weltweit bekanntes Amt, vertritt Positionen, die von Milliarden Menschen nicht nur geteilt, sondern mindestens genauso oft eben angezweifelt, angegriffen, kritisiert, persifliert, verballhornt und lächerlich gemacht werden. Und seine Person oft genug ebenfalls. Und nun malt ihm ein für Provokationen bekanntes deutsches Käsblatt einen gelben Fleck auf die Hose und alle Würde ist hin?

Das ist – und ich sehe keinen Grund, weswegen mir da nicht sogar Katholiken zustimmen sollten – doch wohl ein schlechterer Scherz als der der Titanic selbst.

Dem Magazin wird es wie immer gut tun, einen Rüffel vom heiligen Vater persönlich fängt sich ja auch nicht jeder ein. Das ist ein PR-Erfolg, ein Ritterschlag sondersgleichen. Die Titanic spielt das Spiel lange genug und die eilige Antwort auf die Unterlassungserklärung, es handele sich bei dem Fleck um Limonade, der Papst sei schließlich bekannt als Freund von Fanta, zeigt wohl auch, dass sie sich nicht ernstlich Sorgen machen. Ich als Laie vermute auch, dass sich der Herr Ratzinger mit dieser Aktion abseits des heiligen Stuhls eher in die Nesseln setzt.

Stände dem alten Herrn gut zu Gesicht, das Diesseits nicht so ernst zu nehmen, sein Spezialgebiet ist ja ohnehin eher die andere Seite. Da darf Satire nicht alles und da wird er sich auch sicher nicht mit Titanic-Redakteuren rumschlagen müssen.

Die allerdings haben jetzt Grund zur Freude und ich persönlich gönne es ihnen. 🙂

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Die immergroße Debatte

Jetzt hab ich bei GNIT schon ganz nebenbei einmal mehr die Büchse der Pandora geöffnet und „Soja“ gesagt. Sogar in einem leicht als negativ misszuverstehenden Kontext. Die große Debatte übers scheinbar so elementare Thema „Fleisch oder nicht Fleisch?“. Je nachdem, wo man sich gerade befindet, triggert man haufenweise Mitmenschen mit an sich harmlosen Vokabeln wie Fleisch, Soja, vegan, Tierprodukte etc.

Und wäre es nicht so traurig, dann müsste man darüber lachen, mit welcher Absurdität die Debatte geführt wird. Man glaubt oft, keinerlei rationale Stimmen würden dabei jemals auftauchen, gefühlt melden sich immer entweder Veganer zu Wort, die der Meinung sind, man sei per se ein schlechter Mensch, sobald man mal versehentlich eine Obstfliege einatmet – oder aber über Nacht zu Grillfleisch-Fetischisten gewordene Spinner, die glauben, „Floisch is goil!“ sei irgendwie ein legitimes Diskussionsargument.

Aus meiner Sicht sind beide Ansatzpunkte ein wenig dämlich, aber ich sage vorweg, dass ich wesentlich mehr mit den Veganern sympathisiere – obwohl ich nicht einmal vegetarisch lebe.
Es gibt eine Menge Gründe, sich vegan zu ernähren. Gesundheitlich wohl eher begrenzt viele, ethisch mehrere und ökologisch einen ganzen Haufen. Dämlich per se ist es jedenfalls kein Bisschen. Für den Fleischkonsum sprechen rein rational betrachtet wesentlich weniger Gründe. Das ist so und das mag uns Fleischessern nicht gefallen, emotional nicht gefallen. Aber es ist so. Punkt! Und man sollte akzeptieren, dass eine typische Gesundheits-Vitamin-B12-Mangel-Anklage auch nur begrenzt glaubhaft ist, wenn man sie mit Kippe im Mund und Bier in der Hand führt.

Und da sind wir beim Thema, das ich diesbezüglich eigentlich ansprechen wollte: Das Schwarz-Weiß-Denken. Das ist das eigentlich gruselige daran. Denn ich hoffe, wir können uns alle darauf einigen, dass wir mehr oder minder vernünftige Menschen sein wollen. Das ist sicher nicht immer gleich stark ausgeprägt und jeder setzt sich andere Ziele, aber ich setze als Diskussionsgrundlage voraus, dass wir alle ein Interesse daran haben, möglichst wenig Schaden anzurichten und den Planeten Erde in möglichst vollumfänglicher Vielfalt noch ein paar Jahre zu erhalten. Schon alleine, weil wir bisher keinen zweiten in Aussicht haben.

Auf der anderen Seite – und diese Kritik geht an viele Veganer raus – haben wir alle auch Interesse an einem menschenwürdigen Leben und, ob uns das ideologisch passt oder nicht, das lässt sich beim derzeitigen Stand der Dinge nur durch gewisse Eingriffe in die Natur durchsetzen. Auch das ist so. Punkt! Denn selbst wenn wir uns entschließen, uns nur noch nackt im Wald von Beeren zu ernähren und versuchen, dabei keine Ameisen kaputtzutreten, wäre das mit der derzeitigen Zahl an Menschen nicht vernünftig umsetzbar – und nicht weniger müssten wir tun, um WIRKLICH und ABSOLUT perfekte Menschen im Einklang mit der Natur zu sein. Und da steht die ethische Frage, was die Beeren dazu sagen würden, noch außen vor …

Rein von der Energiebilanz her ist Tierzucht Wahnsinn. Das ändert sich auch nicht dadurch, dass Soja diesbezüglich nicht perfekt ist. Oder andere Nutzpflanzen. Wir täten in Anbetracht der Tatsache, dass wir ernstliche (und nein, nicht umstrittene!) Probleme mit unserem Heimatplaneten haben, gut daran, nicht ständig Tiere großzuziehen, um sie zu essen.

Andererseits würden wir es auch ohne Tierzucht schaffen, die Erde zugrunde zu richten. Wir Menschen sind ja gut darin, Mehrfrontenkriege zu führen. Wir verschmutzen die Welt durch Müll, verbrauchen ausgerechnet seltene Rohstoffe besonders schnell und verhalten uns alles in allem nicht gerade so, als ob wir an unserer eigenen Zukunft überhaupt ein Interesse hätten.

Aber: Wo liegt letztlich die Grenze? Und wer sagt mir, dass diese Grenze die richtige ist? Je mehr, desto besser! Das will ich festhalten. Und deswegen hege ich Bewunderung für die Menschen, die bei der eigenen Ernährung mehr Kompromisse machen als ich. Aber das heißt nicht, dass sie zwingend bessere Menschen sein müssen. Manch Veganer verbraucht mehr Strom als ich, fährt mehr (hier vor allem: unnötiger!) Auto als ich, fliegt gelegentlich, produziert mehr Müll oder ist ein Arschloch, das gerne Konflikte zwischen den Menschen schürt. Wie viele Portionen Rinderhack sind eine Tonne Erdöl wert? Gibt es da eine ernstliche Kenngröße? Nicht einmal CO2 kann die wirklich bieten! Wir werden allesamt niemals perfekt sein, nicht in dieser Zeit, nicht mit unserer Psyche und unserem Entwicklungsstand!

Und auch wenn derzeit die Streitereien meist zwischen Bienenhonig und Hefe geführt werden – ist es weniger willkürlich, die Grenze zu einem „guten“ Leben zwischen Bakterien und Viren oder doch zwischen Fisch und Ente zu führen?

Da landen wir dann letztlich bei der ethischen Frage, der Frage nach dem Wohl der Tiere. Das bietet natürlich am meisten Konflikte, denn hier werden die Fakten dünner und die Überzeugungen übermächtig. Wir landen hier letztlich immer bei philosophischen Fragen, die nicht ohne Grund nur teilweise überhaupt klärbar sind.

Da ich – wie eingangs erwähnt – auch Fleisch esse, habe ich kein moralisches Problem mit dem Töten von Tieren. Ich weiß, das tut manchen jetzt weh, aber es ist so. Das hat jedoch eher weniger mit Speziesismus zu tun. Ich für meinen Teil erachte einfach einen schnellen Tod als nicht schlimm. Irgendwann stirbt jedes Lebewesen und als Atheist bin ich fest davon überzeugt, dass der Tod an sich einem Individuum selbst nicht in seiner wesentlichen – nämlich geistigen – Existenz stören kann, da diese umgehend beendet ist. Ihr mögt meine Theorie nicht teilen – dann solltet ihr Veganer werden! – aber ich bin davon überzeugt, dass der Tod eher ein soziales Phänomen ist, das in seiner zweifelsohne existenzbedrohenden Fiesheit eigentlich nur die Hinterbliebenen betrifft. Für mich selbst spielte es keine Rolle, würde ich umgehend tot umfallen. Und dann soll man mich meinetwegen auch essen, da bin ich pragmatisch und unterscheide eben nicht zwischen mir und einem Rind. Schwierig wird es erst dadurch, dass damit Zukunftspläne zerrissen werden, Beziehungen zerstört, die psychische Gesundheit anderer beeinträchtigt.
Und ganz ehrlich: Soweit mir bekannt ist, sind solche Phänomene im von uns so bezeichneten Tierreich bisher unbekannt. Ich bin aber auch jederzeit bereit, das Töten dort zu verbieten, wo solch ein Sozialverhalten bekannt wird. Ehrlich!

Mal im Ernst, Leute: Wir sollten ressourcenbewusster leben! Wir alle, und je mehr, desto besser! Insofern ist Veganismus eine verdammt gute Idee! Und sie wird nicht ein Jota schlechter, nur weil Fleisch gut schmeckt. Das finde ich ja auch, aber es ist auch wirklich dumm (und ja, ich meine: abgrundtief dumm!) zu behaupten, es gäbe keine Alternativen! Natürlich ist purer Tofu kein Kobe-Steak vom Geschmack her! Und es ist Blödsinn, dass ein paar wirklich ultrablöde Veganer das behaupten. Aber ebenso ist ungewürztes Hackfleisch kein Vergleich zu Tofu in einer Marinade aus Bier, Sojasauce und Habanero-Chilis. Gewöhnung alleine ist kein Qualitätsmerkmal und das kann ich mit gutem Gewissen behaupten. Ich habe strikte Anti-Vegetarier gesehen, die mich für das vegane Hochzeitsbuffet von Ozie und mir gelobt haben und entgegen aller Vorurteile lebt man als Veganer nicht jenseits von Schokotorte und Spaghetti Bolognese. Man muss bloß seinen Blickwinkel ein wenig weiten und offen sein für Experimente.

Und darin muss keinerlei Einschränkung liegen. Es kann auch einfach eine Bereicherung sein. Ich z.B. habe seit langem Räuchertofu liebegewonnen als leckeren Brotbelag. Der schmeckt anders als Schinkenwurst, keine Frage. Aber ich esse ihn auch sehr gerne und kaufe deswegen trotzdem am Ende weniger Schinkenwurst. Und das ist doch mal ein Anfang, oder?

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Speed zum Chillen

Ich weiß, die Überschrift impliziert üble Dinge. Aber um Drogen soll es gar nicht gehen. Nachdem ich gestern über meine Arbeitszeiten referiert habe und mir nochmal vor Augen gehalten hab, was ich gerade alles so am machen und tun bin, habe ich beschlossen, mal wieder etwas ganz seltsames zu tun: Abschalten!

Jetzt lasse ich mich am PC aber genauso gerne hetzen wie runterbringen. Natürlich lese ich mal in Ruhe ein paar Texte oder sehe mir etwas an. Aber am Ende registriere ich doch jede eingehende Mail, jeden Tweet, Kommentar etc. So ganz links liegen lassen geht nicht. Normalerweise. Aber jetzt am Wochenende hab ich dann einfach mal Windows hochgefahren. Im normalen Leben benutze ich Ubuntu, aber ich hab – nur zum Zocken – noch eine kleine Insel mit Win XP bei mir auf der Platte liegen. Und ein System mit einem so alten und nie gepflegten Betriebssystem lässt gar nicht erst den Wunsch aufkommen, sich ernsthaft ins Internet zu wagen. Auch ohne auf diesem System was zu verlieren zu haben, habe ich besseres zu tun, als mich um Virenbekämpfung zu sorgen. Deswegen nutze ich ja Linux.

Und dann habe ich einfach ein paar Stündchen (nicht am Stück) Trackmania gezockt. Hektisch herumrasend und innerlich entspannt. Keine Nachrichten, keine Anfragen, einfach nix außer bunten Bildchen. Lange her, dass ich das das letzte Mal gemacht habe, zumindest hat es sich so angefühlt. Sollte ich zukünftig vielleicht auch mal wieder anders halten. Aber wie man sieht: neben aller Mühe ist schreiben trotzdem auch notwendig. Das hier ist ja nicht grundlos ein Blogeintrag.

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