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Liebe DHL,

Ihr habt da einen Trend in Deutschland verschlafen, das muss ich Euch leider sagen. Nämlich Hochzeiten. Und Familien. Das gibt es beides inzwischen relativ lange. Schon klar, Euch gibt es auch lange, Ihr könntet das schon gemerkt haben. Habt Ihr offenbar aber nicht. Schaut doch mal, was auf dem Kärtchen stand, das ich heute abzuholen gedachte:

Hübsch, ne? Quelle: Sash

Hübsch, ne? Quelle: Sash

Ganz unter uns: Ich finde „S. Bors“ eine legitime Abkürzung. Der Nachname stimmt und nach mehrfachem Überprüfen scheint mir erwiesen zu sein, dass „Sascha“ – mein Vorname – mit S anfängt und deswegen mit „S.“ abgekürzt werden kann.
Jetzt kommen wir zu der lustigen Sache mit den Hochzeiten. Meine hat dazu geführt, dass in meinem Haushalt zwei Personen mit dem Nachnamen Bors leben, beide Vornamen fangen mit S an. Wie das bei nicht einmal 30 zur Auswahl stehenden Buchstaben durchaus passieren kann. Und nun?

Alles klar, kein Problem. Ist ja egal, oder?

Eben nicht, Ihr Vollpfosten! Die Deppen in Euren Filialen (oder auch so Möchtegern-Paketshops mit Gruselfaktor 30) beschweren sich nämlich und wollen die Pakete nicht rausrücken, wenn der Name mit dem Empfänger nicht übereinstimmt. Und auf den Paketen, die ich erhalte, steht mein kompletter Name. Und wir kriegen hier genug Pakete, um auch mal nicht so genau zu wissen, wer jetzt gerade welche Sendung bekommt, teilweise kommen die sogar unangefordert. Noch besser aber: Wir entscheiden uns auch manchmal noch um, wer denn jetzt zur Post dackelt, um die mysteriösen Päckchen in Empfang zu nehmen, die hier irgendwer unter Zuhilfenahme einer Spezialklingel – die im Gegensatz zu unserer normalen Haustürklingel lautlos sein muss – zustellt.

Künftig machen wir das dann mit der dafür vorgesehenen Vollmacht. Die druckt Ihr ja netterweise hinten auf die Kärtchen mit drauf. Und die füllen wir einfach artig so aus wie Ihr:

Mit den eigenen Waffen … Quelle: Sash

Mit den eigenen Waffen … Quelle: Sash

Das mit dem „S. Bors“ machen wir natürlich nur, um die jeweils 4 Zeichen zu sparen. Wie Ihr. Und wenn sich da irgendwann mal wer aus Eurem Saustall beschwert, dann werden wir da eine lautstarke Diskussion haben, ist das klar? Ich heirate notfalls aus Protest nochmal jemanden wie die Leuthäuser-Schnarrenberger und hole mir jedes von Euch gesparte Zeichen wieder zurück, versprochen!

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Urlaub

Urlaub, wie ich ihn nehme … Quelle: Sash

Urlaub, wie ich ihn nehme … Quelle: Sash

Normale Menschen verstehen unter Urlaub vermutlich die übliche zweiwöchige Reise, gerne in zumindest mal ausländische Gefilde. Ich bin da genügsamer. Nicht etwa, weil ich weniger Freizeit toll finde, sondern weil ich ohnehin so wenig im herkömlichen Sinne arbeite, dass dieses Gefühl der Urlaubsreife, das gestillt werden muss, bei mir nur sehr bedingt und eher phasenweise für ein paar Tage auftritt. Das soll jeder halten, wie er will, aber ich mag mein Konzept.

Und jetzt bin ich tatsächlich mal wieder für ein paar Tage weg. Eigentlich nur drei, den herkömmlichen Urlaubs-Apologeten ist sowas natürlich allenfalls eine Randnotiz wert. Ebenso mein Ziel. Ich fahre nach Cuxhaven, was natürlich alles andere als dem Zufall geschuldet ist. Meine Mutter lebte dort bis zu ihrem Tod, den Rest der dort ansässigen Familie werde ich nun für eine Feierlichkeit besuchen. Und ich freue mich sehr darauf. Die Leute hab ich seit mindestens 2009 nicht mehr gesehen.

Sicher, das klingt schlimm. Ist es aber nicht. Die wirklich guten Freundschaften halten nämlich genau das immer und immer wieder aus. Insofern bin ich guter Dinge, dass das jetzt ein Wochenende wird, das sich so anfühlt, als sei ich vorgestern das letzte Mal dagewesen.

In meinen Blogs herrscht derweil Ruhe, aber mein Handy ist natürlich dabei. Wer also was von mir hören will, muss auf Twitter vorbeischauen. Allen anderen wünsche ich ein schönes Wochenende, gerne wegen – oder was wahrscheinlicher ist: trotz – der Bundestagswahl. Wir hören voneinander. Und das nicht erst in vier Jahren. 🙂

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„Ein bisschen unfair …“

sei mein gestriger Eintrag gewesen, mein kleiner Rant zum 11. September. Das war eine von mehreren nicht offen über die Kommentare kommunizierte Reaktion. Nicht zu Unrecht, das muss ich ja zugeben.

Aber ich glaube, die meisten der Leute, die unbedingt auch hier noch den letzten Senf, den ich von mir zu geben gedenke, lesen wollen, wissen mich ganz gut einzuschätzen. Eine Polemik wie den Text gestern schreibe ich vor allem dann, wenn mir einfach mal wieder zum Kotzen zumute ist. Ich bin so oft und so gerne auf der Suche nach Konsens und Kompromiss im Netz unterwegs, dass schon der ein oder andere Pazifist zum Kotzen den Raum verlassen hat. Aber ja, wenn man tagein, tagaus ständig von Scheiße erdrückt wird, braucht man auch mal ein Ventil.

Im Normalfall tendiere ich dazu, meine politischen Kenntnisse als zu niedrig einzustufen. Da taucht ein Thema auf und ich lese. Diese Meinung, jene Meinung. Dazu Faktenchecks, Metaanalysen, manchmal aber eben auch nur zwei Artikel, die mir gerade in den Feed geflogen sind. Auf der Basis fühle ich mich nicht unbedingt informiert genug, bei irgendwas mitreden zu können.

Und während ich darüber nachdenke, ob ich 200 halbwegs freundlich gesinnten Hardcore-Fans eine unausgegorene Meinung zumuten kann, kommen massenmedial verbreitet eine Horde Flachpfeifen angetanzt, deren Erkenntnisstand scheinbar nicht übers letzte Fix-und-Foxi-Heft raus ist, in dem zufällig auch mal ein ähnliches Wort aufgetaucht ist wie das, über das gerade geredet wird.Das kann einen echt fertig machen.

Und die letzten Wochen und Monate waren da echt kein leichtes Pflaster. Dass ich gestern die CDU-Wählerschaft mit Al-Qaida in einen Topf geworfen hab, ist dreist gewesen. Im Gegensatz zu den meisten CDU-Wählern weiß ich aber eben, dass unsere Regierung derzeit zumindest für uns hier in Deutschland eine weit größere Gefahr darstellt als die paar Bombenbastler mit ihren Wahnideen. Ja, natürlich: Bomben töten Menschen und geben außerdem verdammt gute Bilder ab, die „Gefahr, Gefahr!“ schreien. Da haben sie natürlich einen Vorsprung vor den gefalteten Händen unserer Kanzlerin.
Aber worüber wollen wir reden? Über die Geheimdienste, die längst abgespeichert haben, welche politische Meinung wir haben und welche Pornos wir gerne sehen? Über die Menschen, die vor Europas Grenzen verrecken, weil wir uns für was besseres halten und denen das nicht auch noch gönnen wollen? Wollen wir darüber reden, dass engagierte Dienstleister wie ich einen Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde noch für ein Geschenk halten würden?  Wollen wir mal klären, weswegen ausgerechnet ein ganz bestimmter imaginärer Freund namens Gott uns besser macht als die Freunde des gleichfalls absurd-dämlichen Kumpels Allah? Wollen wir uns auf eine Diskussion einlassen darüber, dass unsere Kanzlerin die Worte „ich tue mich persönlich schwer damit“ für ein Argument hält, gleichgeschlechtlichen Partnern die Adoption eines Kindes zu verweigern?
Vielleicht reden wir aber auch lieber über das Leistungsschutzrecht, das Euch zu Kriminellen macht, wenn Ihr diesen Text weiterverbreitet (das ist seit kurzem ganz von meiner Laune abhängig …).

So leid es mir für die bekloppten Krieger im Namen Allahs tut: All das hat mehr Einfluss auf das Leben hier als deren Bomben. Selbst, wenn sie irgendwann einmal hier explodieren sollten.

Ich weiß, dass unsere Gesellschaft Fortschritte macht. Und ich akzeptiere auch, dass das in einer Demokratie bisweilen langsamer vonstatten geht, als ich mir das wünschen würde. Aber ja: Ebenso wie die ewiggestrigen Taliban kotzen mich die Leute an, die Misstände nicht nur ignorireren, sondern auch legitimieren, indem sie – einfach weil es sich gut anfühlt – wählen, was sie (oder ihre Eltern) schon immer gewählt haben.

PS: Ich habe immer noch nicht einmal daran gedacht, eine Partei zu wählen, nur weil ich mir einen persönlichen Vorteil davon verspreche. Sicher, im ein oder anderen Fall mag das ein Nebeneffekt gewesen sein – aber wenn es nach mir geht, bin ich eigentlich so zufrieden, dass es Euch wehtun müsste. Nur kann ich im Gegensatz zu den Leuten, die Angela Merkel toll finden, immer noch über meinen eigenen Tellerrand hinaussehen.

Aber damit bin ich wohl in der Minderheit.

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Update

Nun ja, den einen oder die andere dürfte es interessieren, wie es mir gerade geht. Immerhin waren die Genesungswünsche in den Kommentaren unter meinem letzten Eintrag – ebenso wie die in den sozialen Netzwerken – zahlreich. Dafür erst einmal ein dickes Danke! Ich fang hier nicht mit Emo-Gesülze an, aber Mitleid kann in manchen Situationen auch helfen, ganz ehrlich.

Nun, ein paar Tage sind ins Land gezogen, und vor allem das wichtigste hat sich geändert: Ich darf sitzen! Es ist nicht das Optimum, das sagt mir mein neuer Arzt auch – aber es ist eben auch kein No-Go mehr. Im Grunde sollte ich vor allem halt nicht zu viel Druck auf die nach wie vor offene Wunde ausüben. Dem kann ich mit Kissen entgegenwirken, insofern ist alles soweit ok. Ich bin überwiegend schmerzfrei.

Nicht sagen kann ich das allerdings über die letzten beiden Arztbesuche. Beim ersten Mal wurde nochmal nachgeschnitten und auch beim zweiten Mal wurde immerhin noch einmal eine Drainage in die Wunde gestopft. Das ist vielleicht sinnvoll, aber es macht keinen Spaß, das kann ich Euch sagen! Ich bin nicht der härteste Typ auf der Welt, manchmal sicher auch ein wenig wehleidig. Aber der Quatsch tut eben richtig weh. Das ist so der Punkt, wo man nicht mehr „aua“ sagen kann, weil man die Zähne zusammenbeißen muss und den ganzen Körper anspannt.

Mit etwas Glück habe ich das jedoch hinter mir. Heute kann ich die letzte Drainage rausnehmen, danach muss ich nur noch ein wenig spülen jeden Tag und natürlich Antibiotika futtern. Letztere sind im Übrigen auch sehr interessant, da wesentliche Bestandteile vom Körper nicht verarbeitet werden und es deswegen jedes Mal beim Pinkeln riecht, als würde ich in einer Pharmafabrik arbeiten. Aber gut, drauf geschissen!

(Was man machen kann, da der Geruch ohne Witz übertönt wird.)

Wenn alles gut geht, heilt das alles jetzt bis Anfang nächster Woche ab, bis dahin werde ich halt noch ein wenig Kompressen, Pflaster und ähnliches verschleißen. Nichts, was meinen Alltag besonders dramatisch einschränkt. Wie ich also versprochen hatte: Alles soweit ok! 🙂

Und auf der anderen Seite habe ich eine neue Ecke meines Stadtteils kennengelernt, einen neuen Arzt, lustiges im Wartezimmer erlebt, jetzt eine Woche frei … es ist ja nicht alles schlecht.

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„Aber wie?“

Aber wie? Diese Frage stellte sich heute morgen ein Arzt. Das mit dem Wie hat sich bald geklärt, das dazugehörige Wann war quasi sofort. Seitdem ist heute der beschissenste Tag dieses Jahres. Mindestens.

Um vorweg mal alle Panik zu beseitigen: Ich bin zwar zwei Wochen krankgeschrieben, ansonsten geht es mir gesundheitlich blendend. Im Grunde hat mir der Doc nur einen zwei Zentimeter langen Schnitt zugefügt und das ist vorerst alles, was bleibt. Ansonsten alles supi. Alles? Leider nein, denn die weitergehende Behandlung verlangt von mir, dass ich so wenig wie möglich sitze, was mir Haupt- und Nebenjob gleichermaßen unmöglich macht. Und den ganzen Tag nur im Bett rumsiffen und sich kaum bewegen können/dürfen ist einfach nur eine beschissene Aussicht, wenn es einem eigentlich gut geht.

Das war der Part für alle die, die wissen wollen, wie es mir geht. Zartbesaitete Seelen hören jetzt auf zu lesen und lassen vielleicht ein paar Wünsche zur schnellen Genesung da. Für den Rest kommt jetzt die etwas fiesere Variante, in der auch Körperteile und Details vorkommen.

Ich meine das ernst.

Weiterscrollen mit Essen im Mund verboten!

Es ist echt, wie oben beschrieben: Ich wurde angeritzt und bin zwei Wochen krankgeschrieben. Keine Lebensgefahr!

Niemand will wissen, was da unten noch steht!

Also gut, wer es nicht anders will:

Es gibt nur wenige Gegenden an seinem Körper, an denen man sich weniger gerne was einfängt als am Vergnügungszentrum. Schon alleine wegen des ganzen Gelächters, wenn man drüber schreibt. Dieses Kunststück hab ich jedoch geschafft. Vor zwei Tagen hab ich einen Abszess festgestellt. Arschlochmäßigerweise ganz hinten am – Ihr wolltet es wissen! – Hodensack. Na klar! Wo auch sonst?

Mein Arbeitsfreitag war dann nicht so dolle, da mir das Aufstehen und Hinsetzen höllisch weh getan hat. Als ich dann aber nach dem Heimgehen festgestellt hab, dass ich – in der schlimmsten aller denkbaren Varianten – „dicke Eier“ hatte, war mir meine Intimsphäre egal genug, um ins Krankenhaus zu fahren. War natürlich supertoll, so völlig übermüdet und breitbeinig da reinzuwatscheln …

Die Wartezeit war vor allem der Langeweile wegen schlimm, und weil mir wegen einer Blutabnahme essen, rauchen und trinken verboten war. Gnaaa! Außerdem hatte ich Angst, denn ich wusste ja, was kommen würde. Der augenscheinlich kompetente und zudem nette Urologe stand dann auch mit fast schon anerkennender Miene vor mir und verkündete oben genanntes:

„Das wir da reinstechen müssen ist klar. Aber wie?“

Um ehrlich zu sein: Niemand will sowas jemals über seinen Genitalbereich hören. NIEMAND!

Machen wir’s kurz: Er hat es getan. Er hat sich für den ambulanten Weg entschieden, was mir recht war. Ihr seid herzlich in euer Kopfkino eingeladen, wenn ich die Worte „Betäubungsspritze“, „Skalpell“ und „ausdrücken“ in den Raum werfe. Nur eines davon hat weniger wehgetan als es sich anhört …

Aber um ehrlich zu sein: Ja, höllische Schmerzen hin oder her – das ist jetzt wohl vorbei. Hoffentlich zumindest. Schlimm ist, dass der Scheiß selber heilen muss, und zwar von innen heraus. Das heißt, ich darf nix machen (Ich schrieb diesen Eintrag in zwei 20-Minuten-PC-Pausen vom Liegen heute) und darf mir jetzt mehrmals täglich eine frische Wunde an ungünstigster Stelle auswaschen, und über dieses Gefühl schweigen wir bitte auch pietätvoll.

Ich hab keine Ahnung, wie ich die nächsten Tage hinkriegen soll. Ich soll alle Anstrengungen und möglichst jedes Sitzen vermeiden. Das mit der Anstrengung ist ok. Wenn’s nur darum ginge, könnte ich sogar Taxi fahren. Aber mir de facto (Ich kann an Handy und Netbook im Liegen nichts längeres schreiben) auch noch meine liebsten Hobbies zu nehmen und mich mit den verstörenden Gedanken, ein offenes Loch im Sack zu haben, zurückzulassen – Das ist mir gerade alles ein bisschen zu viel und lässt mir den Himmel auf den Kopf fallen. 🙁

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Autor, richtiger

Vielleicht bleibt mir nicht mehr viel Zeit, um einen Text „nur“ als Blogger zu schreiben. Ich mag dieses nicht ohne Grund in Anführungszeichen gesetzte „nur“ nicht, aber die gesellschaftliche Wahrnehmung ist halt eine andere als meine eigene. Und „richtiger“ Autor (das sind dieselben Anführungszeichen wie beim „nur“) ist man nach allgemeingültiger Definition irgendwie erst, wenn man für einen Verlag schreibt und tatsächlich Bücher aus Papier veröffentlicht.

Machen wir uns nichts vor: Natürlich wirken sich diese gesellschaftlichen Konventionen auf die Eigenwahrnehmung aus. Selbst ich, nicht wenig stolz auf meine Online-Texte, freue mich darauf, irgendwann mal ein Buch von mir in der Hand zu halten.

Und ja, es geht immer mehr in die Richtung.

Vor mir liegt eine Vereinbarung mit einer Literaturagentur, einer großen. Die ist erstmal nur ausgedruckt, aber ein von der Agentur unterschriebenes Exemplar befindet sich bereits auf dem Weg. Eine Agentur, die derletzt mehrere Projekte bis in die Spiegel-Bestseller-Liste hat bringen können, umwirbt mich seit Wochen, doch mit ihnen zusammen mal ein paar Taxigeschichten als Buch an Verlage zu bringen. Das ist natürlich noch kein Buchvertrag, aber das bedeutet, dass Leute mit Ahnung von der Branche eine Chance für das Buch sehen und bereit sind, da Arbeit rein zu investieren, obwohl sie nur im Erfolgsfall dafür Geld bekommen …

Das ist durchaus was komplett neues für mich. Auch wenn es nach dem ganzen Medieninteresse in den letzten Jahren durchaus absehbar war.

Gerade aufgrund dieses großen Medieninteresses kann man sich natürlich fragen, wozu ich denn auch noch eine Literaturagentur brauchen könnte. Die Frage hab ich mir schon mehrmals selbst gestellt und auch schon die ein oder andere Anfrage abgelehnt. Man gibt damit die Rechte „aus der Hand“ (schwieriges Thema) und einen nicht gerade kleinen Teil seiner Einnahmen. Das kann man schon für bekloppt halten, wo ich doch eh schon das Interesse von Verlagen auf mich ziehe, ich also auch ohne Agentur mein Buch loswerden könnte.

Aber mal im Ernst: Ich bin kein Profi in der Branche, kein Jurist – und vor allem ein beschissener Verkäufer.

Ich schreibe! Das wohl ganz gut, aber was ist denn ein Erstlingswerk eines mittelprächtig bekannten Bloggers wert? Was kann ich denn von einem Verlag als Vorschuss verlangen, welche Klauseln im Vertrag gilt es zu beachten? Es ist eine ziemlich gute Sache, da Experten mit ihm Boot zu haben, deren Erfolg von meinem abhängt. Die werden mir schon deswegen keinen schlechten Buchvertrag unterjubeln, weil sich deren Bezahlung an meinen Einnahmen bemisst. Das ist ein geiles System – vor allem für mich, der ich gerne einfach schreiben würde.

Und ich bin selbst Dienstleister. Dienstleistungen kosten. Amazon kriegt z.B. von dem Geld, das ich bei meinen eBook-Verkäufen verdiene, auch einen Teil ab. Weil sie die „Logistik“ und die Zahlungsabwicklung für mich übernehmen, was mir Zeit und Nerven spart. Im Taxi werde ich auch bezahlt, obwohl ja jeder selbst laufen könnte.

Das ist ein großer Schritt und ich tue mich nicht leicht damit. Die Vereinbarung mit der Agentur ist kurz, verständlich und offensichtlich für die Umstände vorbildlich und absolut fern von jeder fiesen Abzocke oder Gaunerei. Trotzdem liegt das ausgedruckte Werk hier vollgekritzelt mit Fragezeichen und Textmarker-Unterstreichungen vor mir, weil ich bei sowas skeptisch bin. Aber ja, ich werde den Deal wohl eingehen und in Kürze ein „richtiger“ Autor sein.
Eventuell werde ich die nächsten Wochen bereits eine aussagekräftige Textprobe zusammenklöppeln, damit das erst noch auszuarbeitende Buch bereits auf der Frankfurter Buchmesse verschiedenen Verlagen angeboten werden kann. Das könnte also ein Tempo entwickeln, das für meine gechillten Bloggerverhältnisse atemberaubend ist.

Und das fühlt sich gut an. Ehrlich.

Falls wer meine vollständige Abwanderung ins Totholzgewerbe befürchtet: Seid beruhigt! Ich werde weiter bloggen und gedruckte Bücher brauche ich vor allem für die Wikipedia-Relevanzkriterien*. Hat ja jeder seine eigenen Ziele, nicht wahr? 😉

*Zugegeben: Spiegel-Bestsellerliste hat schon auch was …

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Missionare

Missionare. Ih, bäh!

Wir Menschen leben unser Leben so gut es uns eben möglich ist. Dabei machen wir Erfahrungen jeglicher Art. Wenn wir clever sind und/oder Glück haben, dann sind viele dieser Erfahrungen positiv. Und wenn wir positive Erfahrungen haben und wissen – oder zu wissen glauben – was uns das beschert hat, dann sind wir oft sozial und teilen diese Informationen. Und das ist an und für sich toll. Denn es ist eine Win-win-Situation: Der Informierende muss bloß ein paar Worte verlieren und bekommt im Gegenzug soziales Ansehen und der Beratene erweitert seine Kenntnisse quasi zum Nulltarif und muss allenfalls danke sagen.

Dieses Modell ist aber nur der Idealfall. In der Realität kommt es sowohl dazu, dass den Leuten aus teils niedrigsten Motiven ziemlich blöde Ratschläge gegeben werden, auf der anderen Seite glänzen die, die gute Ideen bekommen, oft auch nicht mit den besten Manieren und geben im schlimmsten Fall statt Anerkennung Verachtung zurück.

Mich beschäftigt der erste Fall seit geraumer Zeit – und ich hoffe, damit keinen der zweiten Art zu schaffen.

Als halbwegs umtriebiger Blogger habe ich eine etwas exponierte Stellung in meinem sozialen Umfeld inne, wenn ich meine Netzbekanntschaften zu selbigem zähle. Was ich tue. Auf der einen Seite erreichen meine Vorschläge eine teilweise obszön hohe Zahl an Lesern, zum anderen aber bekomme ich auf viele Fragen wesentlich mehr Feedback als Otto Normalinterakteur in der Kneipe seiner Wahl. Was zu seltsamen Wahrnehmungen führt:

Wann immer ich eine Frage stelle, kann ich darauf wetten, Antworten zu bekommen, die nichts mit der Frage zu tun haben, sondern einzig den missionarischen Eifer meines Gegenüber befriedigen. Ich habe dabei wirklich keine konkreten Beispiele im Sinn, aber wenn ich beispielsweise frage, ob jemand zufällig eine Software kennt, die x, y und z kann, bekomme ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mindestens eine etwa so klingende Antwort:

„Ich nutze die und die Software und bin sehr zufrieden. x, y und z kann sie nicht, aber dafür a und b und das ist sowieso besser.“

Das ist in mindestens 90% der Fälle absolut lieb gemeint und vielleicht wären die Tipps auch prinzipiell brauchbar. Was leider nicht klar ist, ist die bereits zu Beginn bestehende ungleiche Verteilung von Informationen. Ich als Blogger z.B. weiß, dass ich eine komplizierte Diskussion über eine bestimmte Software nicht mit zig Lesern führen kann. Wenn ich frage: „Was ist die beste Bildbearbeitung?“, dann wird das bei 35 Kommentatoren ungefähr 40 verschiedene Antworten zu Tage fördern. Deswegen grenze ich – zum Teil natürlich auch intransparent, weil zu aufwändig zum Beschreiben – die Thematik ein. Ich hab vorher vielleicht eine Diskussion mit Ozie oder ein zwei Vertrauten, an deren Ende klar ist, dass ich z.B. eine Bildbearbeitung unter 50 € suche, die unter Ubuntu läuft, mit der man Objekte freistellen kann und die eine Ebenenverwaltung hat. Das schreibe ich dann. Leider bringt das nur teilweise was.

Ja, die Vorschläge werden detaillierter und es ist damit zu rechnen, dass mir irgendwer tatsächlich etwas passendes empfiehlt. Was ich mich frage, ist:

Was bewegt Menschen dazu, auf diese Frage hin zu sagen:

„Ey, ich kenn nur die Software ‚Ficknbilder‘ für Mac. Ich weiß nicht, was Du mit freistellen meinst, aber die hat freie Farbwahl und alles und kostet auch nur 100 €, passt also sicher.“?

Ey, wir können offen über alles reden. Und unsere Meinungen zu verschiedenen Dingen sind unterschiedlich. Es gibt genügend Punkte, an denen man über Sachen diskutieren kann. Aber o.g. Kommentare sind, so leid mir das tut, Spam. Missionarischer Spam. Irrationaler Blödsinn im Bezug auf die von mir genannte Ausgangslage. Wenn ich zum Mercedes-Händler gehe, will ich keine Fiat-Werbung. Umgekehrt ebensowenig. Und ein Fahrrad ist nicht „fast eine Limousine“, sondern gar kein Auto. Können wir nicht damit aufhören, uns gegenseitig die Zeit zu stehlen, sondern stattdessen zuhören? Und wenn man keine Ahnung hat, Dieter Nuhrs bekannteste Aussage beherzigen? Dann klappt das mit dem fairen Deal „Informationsaustausch“ auch viel besser.

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