So. Wir haben es geschafft. 2023 ist vorbei. Ich will nicht zu genervt klingen, aber auch dieses Jahr bin ich froh, dass es so ist. Ich bin zwar eigentlich nicht so der Gute-Vorsätze-Typ, aber ich hab auch nicht viel Bock, dass sich alles so weiter zieht und ich schöpfe gerade schon ganz ordentlich Kraft aus so einer Alles-auf-neu-Situation. Das kenne ich von früher im Kleinen schon auch, aber es war auch selten so deutlich, dass es mir nicht gut geht.
Was wirklich vernichtend war, war die ganze Müdigkeit die letzten zwei Jahre. Ich hab jetzt mit Schlafapnoe eine offensichtlich gute Diagnose bekommen, aber ich merke selbst nach drei Monaten besserem Schlaf, dass da noch viel im Argen liegt. Ich hab so lang nur das allernötigste hinbekommen, und „allernötigst“ beschreibt nicht mal ansatzweise, wie schlimm das alles war. Haushalt, Kinder, Beziehung … ich kann bei allem froh sein, dass es überhaupt noch existiert. Im Grunde ist die Tatsache, dass ich dabei auch noch Gewicht angesammelt habe, das allerkleinste Problem. Und das muss man mit über 50 kg Übergewicht VOR besagtem Zeitraum auch erst einmal zu sagen wagen.
Dennoch: Das war so, ist noch in Teilen der Status Quo, aber ich bin gerade echt gewillt, mal wieder ein bisschen alles auf links zu drehen. Die Segel sind ja eigentlich gesetzt. Neuer Ort, neue Arbeit und bald auch wieder mehr Gesundheit. Man muss mit 42 ja noch nicht aufgeben. 🙂
Und das hier ist auch ein Teil davon.
Für alle, die das interessiert: Ich bin jetzt mit 163 kg in dieses Jahr gestartet und allerwenigstens auf das Vor-Hochzeits-Niveau von 2011 will ich wieder runter. Das wären dann 142.
Ich hoffe ehrlich gesagt, dass mir in nächster Zeit wieder ein bisschen mehr konkretere Sachen zu bloggen unterkommen anstelle dieser Allgemeinplätze, aber auch da gilt: Ich bin sehr guter Dinge!
Einen Termin hatten wir zwischen den Jahren noch. Einen richtig guten. Schlaf-EEG beim Spätzle. Heute Vormittag. So unspektakulär am Ende ein Großteil des Termins selbst war: Das Schlimme ist ja, dass man da ein müdes Kind vorbeibringen muss.
Wirklich beschweren kann ich mich gar nicht, unsere Planung war einfach zu gut. Wir hatten seine maximal 5 Stunden Schlaf in der Nacht so abgemessen, dass ich ihn bis nach 0 Uhr wach halte und Sophie ihn um 5 Uhr weckt. Ich hatte so gesehen sogar den viel besseren Part, denn ich hab ihn um 20 Uhr einfach nochmal nach draußen geschleift, was seinerseits überhaupt nicht unfreiwillig war. Er hat von mir übernommen, dass es schön ist, nachts rauszugehen, also war er Feuer und Flamme für einen Nachtspaziergang. Dann hatten wir den Hunger so gut getimed, dass wir noch beim Grill-„Restaurant“ am Marktplatz einfallen konnten, wo es sogar Currywurst gab, was er aus irgendwelchen Gründen als Auswärts-Lieblingsessen auserkoren hat. Nebenbei konnten wir viel über die Ausstattung des Restaurants und die Spiegelungen in den Scheiben reden … so ein wunderbarer Moment mit einem gut gelaunten wissbegierigen Kind! Ich wünschte, der Alltag würde uns das öfter bescheren.
(Ich greife hier mal den Kommentaren vor: Ja klar könnten wir das öfter machen. So jeden dritten Tag ungefähr. Das Problem ist, dass es nur einmal neu ist und ab dem dritten Mal ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er die Dunkelheit doof, Currywurst langweilig und den Ausflug gemein findet. Es ist einfach immer so.)
Für zuhause hatte ich mir dann noch das Weihnachtsgeschenk seines Onkels aufgehoben, ein großes Legoset. Damit war der Rest dann geklärt, ohne dass wir die Switch oder den Fernseher noch bemühen mussten.
Das Schlafen verzögerte sich dann aber doch nochmal, weil just um 0.30 Uhr das Knöpfle beschlossen hat, ins Bett zu kotzen. Nachdem seine Krankheit drei Tage vergangen schien. Morgens war mir dann auch erst einmal flau im Magen … der Scheiß dürfte echt mal vorbei sein.
Aber der Termin ist abgehakt, jetzt hoffen wir mal, dass das Ergebnis in irgendeiner Form aufschlussreich ist. Doch dann ist ja eh schon 2024. 🙂
Also gut, ein paar Fragen sind – nicht wirklich überraschend – dann ja doch gleich zusammengekommen.
Das Offensichtliche gleich vorweg: Ich arbeite nicht bei der BVG, hab ich aber auch nie gemacht. 🙂 Nach dem Taxi hat es mich aufgrund einer sehr launischen Idee von Sophie zur Verkehrsregelungszentrale verschlagen. Launisch, weil im Grunde waren wir nur genervt von der Elterngeldstelle in Berlin, die uns eigentlich bis heute Geld schuldet. Und die Idee war: Wenn sie im öffentlichen Dienst jeden Vollidioten einstellen, dann stellen sie auch uns ein. Und siehe da: Uns beide hat es nur genau eine Bewerbung und ein Vorstellungsgespräch gekostet. Was mindestens genauso lustig wie traurig ist.
Der Job in der VKRZ war geil, trotz oder auch gerade wegen des Schichtdienstes. Während das Taxigewerbe zusammengebrochen ist, hat Corona für mich bedeutet, dass ich 50% Homeoffice hatte bei einem Job, in dem man nicht von zuhause aus arbeiten kann. Bereitschaftsdienst mit fast 0%iger Ausrückquote und voller Bezahlung. Kann man sich nicht ausdenken. Aber auch ansonsten spannend und unterhaltsam. Bald kam dann das Knöpfle und damit Elternzeit. Im Wesentlichen toll im öffentlichen Dienst, aber als ich dann in Teilzeit wieder eingestiegen bin, war irgendwie vieles nur nervig. Nicht die Kollegen im Schichtdienst, sondern die Ebene drüber. Ich hab keinen vernünftigen Dienstplan bekommen und war damit viel unsicherer dran als alle anderen und mein direkter Vorgesetzter war einfach ein Vollpfosten, über dessen Antworten auf Anfragen gesagt wurde: „Sie kommen nur wenn sie unvermeidbar sind und sind dann maximal unhilfreich.“ Das wurde ziemlich schnell nervig, weil Corona mit jetzt zwei Kindern endgültig schwierig wurde.
Wir wollten mittelfristig eh weg aus der Großstadt, also hat Sophie sich beworben, wurde in Wiesbaden angenommen und dann ging im Sommer ’22 alles SEHR schnell. Von Bewerbungsgespräch bis Umzug waren es 12 Wochen oder so.
Mit meiner Arbeit hatte ich wegen des oben genannten Vorgesetzten lange zu tun, weil ich natürlich auch noch Ärger mit dem Arbeitszeugnis hatte. Und versteht das nicht falsch, es hätte nicht weniger an mir liegen können: Der gute Mann hat ganz offen quasi allen Kollegen gleiche Zeugnisse ausgestellt und ging nach der Logik vor, dass man bei beanstandungsfreier Arbeit halt ein „befriedigend“ erhält. Kann ich formallogisch nachvollziehen, aber halt nicht bei Arbeitszeugnissen. Und das Wort stand so im ersten Satz des Bewertungsteils, das konnte ich so nicht stehen lassen.
(Zumal Corona dort meine „Ausbildung“ einfach beendet hat und sämtliche weitergehenden Engagements einfach unmöglich gemacht hat)
Naja, der Anwalt war nicht billig, aber es war schön zu sehen, dass im Laufe der Auseinandersetzung der Name des werten Vorgesetzten aus dem Organigramm der Senatsverwaltung verschwunden ist. Zumindest an dieser Stelle.
Naja, Wohnungssuche ging nur ein paar Wochen, nur drei haben wir besichtigt, in drei Städten und zwei Bundesländern. Riesige Touren von Berlin ins Rheinland mit zwei Kindern! Gelandet sind wir im wirklich schönen und sehr kleinen Bingen am Rhein in einer riesigen Altbauwohnung mit großem Garten vor der Tür und einem ganzen Tunnel als Garage unterm Haus. Dazu ein sehr netter Nachbar über uns. Die Kids müssen wir zwar mit dem Auto zur Kita bringen, aber da steht ja eben gerade jetzt auch ein neues ins Haus.
Ich hab seit August auch eine neue Arbeit, davor hatte ich natürlich mal wieder Spaß mit dem Amt, aber wer bin ich, mich zu beschweren. Meine Sachbearbeiterin sah mich als hoffnungslosen Fall, hat mich überredet, ALG zu beantragen, dann leidlich erfolglos versucht, Druck zu machen. Ich weiß, dass das dumm klingt. Aber ich wollte mich wirklich nur wegen Weiterbildungen informieren und sie hat mich bekniet, ich solle doch das Geld nicht liegen lassen. Eine IT-Weiterbildung wollte sie mir wegen schlechter Jobprognosen nicht zahlen, also hab ich einfach einen Monat vor Ablauf meines ALGs selbständig eine Arbeit in der IT gefunden. Schlechte Aussichten und hoffnungslos … nun ja.
OK, was die Arbeit angeht, kann und will ich nicht viel schreiben. Es ist nicht öffentlicher Dienst, aber sehr nah dran. Ich muss dazu nach Mainz – mit Auto oder Zug, je nach Laune und Streiklust – mache aber auch viel Homeoffice. Alles in Teilzeit, 25 Stunden die Woche. Noch bin ich vor allem am Lernen, aber das Umfeld ist super, die Kollegen sehr nett und dabei will ich es auch erst einmal belassen, denn die Trennung kommt mir sehr gelegen. So klein das hier ist, so auffindbar bin ich dann am Ende ja doch und es ist halt was anderes als Taxifahren.
Es ist aber auch nicht alles Gold und Einhörner. Das Leben mit zwei Jobs und zwei Kindern ist anstrengend. Unser großes Spätzle kommt nächstes Jahr in die Schule, steht aber auch ziemlich sicher vor einer ernstzunehmenden ADHS-Diagnose. Wenn’s denn so einfach ist. Aber ich kann euch geneigte Langeitleser daran erinnern, dass wir als er zwei Jahre alt war ein Klettergerüst ins Wohnzimmer gestellt haben, damit er Fernsehen kann. Das hat sich nicht gebessert und ist (inklusive dem diagnostischen Spießrutenlauf) enorm anstrengend. Und das Knöpfle ist gerade zwei. Für Eltern muss ich nichts weiteres zum Stresslevel schreiben. Zumal ich die letzten zwei Jahre auch alles andere als fit war. Ich war permanent müde. Richtig RICHTIG müde! Was glücklicherweise aber wohl „nur“ Schlafapnoe waren. Ich hatte dank des Timings mit irgendeinem Long-Covid-Scheiß gerechnet. Trotzdem wirklich unfassbar furchtbar. Ich war Anfang ’23 binnen 21 Tagen zweimal im Krankenhaus. Zweimal Kleinscheiß mit OP, alles gut vernarbt inzwischen. Aber ich war dort vor allem froh, schlafen zu können.
Jetzt mit so einem Nachtelefanten-Starterkit hab ich seit zwei Monaten endlich mal wieder etwas Energie übrig. Und die ist auch der Grund, warum das hier gerade alles passiert. Ihr seid Teil meiner guten Vorsätze für 2024. In erster Linie will ich mal wieder abnehmen, aber ein bisschen mehr Soziales und vielleicht sogar Kreatives darf ruhig auch sein. 30 Kilo weniger, 300 Blogeinträge mehr. Oder so. 🙂
Was mich letztes Jahr gerettet hat, war zocken. Klingt blöd, aber es war so. Ich hab endlich mal viel neues ausprobiert und meine kleine übermüdete Freizeit damit nicht komplett verschwendet, sondern halt virtuell ein bisschen was erlebt. Ein bisschen … *hüstel*
Und trotz allem, was ich in Sachen echter Aktivität noch aufzuholen hab: Auch das soll 2024 weiter einen Platz haben: Einen neuen PC habe ich längst eingeplant.
Tja nun, das war es dann so in aller Kürze. Die kleinen und feinen Sachen werden jetzt hoffentlich bald zeitnah und detailliert hier landen. Vielleicht ändert sich hier noch ein bisschen was, aber gerade hab ich eigentlich null Bock auf die Technik und all das. Ihr könnt froh sein, dass das kein Google-Doc ist. 😀
War gestern echt ein guter Tag zum Wiedereinstieg. Während ich dachte, ich könne vielleicht ein wenig davon zehren, dass wir ein neues Auto gefunden haben (ein Zafira!) oder beim Arzt alles paletti war, gab es wohl so eine kleine Truppe tapferer Noroviren, die zum Angriff auf einen Zweijährigen bliesen. Unseren Zweijährigen, das Knöpfle.
So wie es aussieht, haben wir jetzt drei Tage früher Weihnachtsferien mit zwei völlig aufgedrehten, aber ansteckenden Kids zu bewältigen. Ich kann heute im Homeoffice immerhin mal gelegentlich ein bisschen mit eingreifen, hab die Hälfte der Mittagspause damit verbracht, mit dem Spätzle ein wenig Lego zu bauen – aber meine Güte, sind das keine guten Aussichten.
Glücklicherweise ist der einzige Verwandtschaftsbesuch am 26. Dezember geplant und bei Noroviren könnten wir das Glück haben, dass wir bis dahin entweder alle durch oder schon wieder nur so mittel gefährlich für den Rest sind. Das wird sicher spannend.
Was mir gerade auffällt: Ich hab mich ja zumindest hier lange nicht gemeldet und hätte zur Übung auch nichts dagegen, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern, da ja offenbar noch ein paar Leute mitlesen. Also: Habt ihr Fragen?
(Ich beantworte also nicht alles in den Kommentaren, sondern schreibe extra Artikel – ich muss echt mal wieder ins Tippen reinkommen, es schneckt sehr hier an der Tastatur …)
Ich dachte, ich schreibe hier mal wieder was rein. Wird vermutlich nicht sehr interessant, dafür aber auch von niemandem gelesen – das passt schon. Vielleicht mache ich das nur, weil ich gerade nicht dazu komme, mich mit jemandem über die Spiele zu unterhalten die ich spiele oder weil niemand hört, wenn ich übers Arbeitsamt schimpfe. Vielleicht bleibt das auch alles ab Januar wieder liegen. Wer weiß es schon? Eine neue Blogger-Karriere aufzubauen ist jedenfalls gerade nicht mein Wunsch, eher ein bisschen rumtippen, um wieder in Übung zu kommen.
Und falls das wirklich jemand liest: Holla die Waldfee! Euer Durchhaltevermögen solltet ihr in Bewerbungen erwähnen! 🙂
Im Grunde bin ich, sind wir, keine Kämpfer. Kein Krieg, keine Armut und eine doch recht priviligierte Stellung in der Gesellschaft; es hätte uns um vieles schlimmer treffen können. Das wissen wir, das weiß ich und das muss ich voranstellen, wenn ich übers „Kämpfen“ reden will.
Aber der Umzug gerade nervt so unendlich und es fühlt sich an wie ein Kampf.
Natürlich: Das kam alles recht plötzlich und ein Umzug in eine andere, 600 km entfernte Stadt hat natürlich nochmal einen eigenen Schwierigkeitsgrad. Das wussten und wissen wir und sind auch entsprechend darauf eingestellt und motiviert. Man muss arbeiten ohne Ende und tausend Dinge im Kopf behalten, bla bla, wir sind ja nicht die ersten, die das machen. Noch dazu innerhalb Deutschlands, innerhalb der Komfortzone, möchte man meinen.
Was aber nervt: Gefühlt NIEMAND will einem helfen. Und mit helfen ist nicht gemeint, dass irgendwer uns das zahlt und gleichzeitig die Koffer trägt. Sondern dass alle, mit denen man zwangsläufig zu tun hat, gefühlt gegen einen arbeiten. Ohne Not.
Das fängt damit an, dass mein Arbeitgeber mich ungerne gehen lassen will und mir gleichzeitig ein Zeugnis ausstellt, das von einem Clown geschrieben sein muss, weil mein Anwalt deswegen lachen musste. Und mir zudem bis zuletzt verweigert wurde, ein Datum zu nennen, zu dem ich wirklich aufhören kann zu arbeiten.
Natürlich hat die derzeitige Kita vom Spätzle genau jetzt Sommerferien.
Dann meckert die Arbeitsagentur, dass ich mich ZU FRÜH melde.
Dass sich am künftigen Wohnort keine Kita finden lässt, wird zwar nett kommentiert, führt aber zu Behörden-Ping-Pong.
Unsere bisherige Vermieterin stellt natürlich auch Maximalforderungen und muss an die (seit Jahren) neue Regelung bezüglich unrenoviert übernommenen Wohnungen behutsam herangeführt werden.
Unser Internetanbieter schickt den neuen Router trotz gegenteiliger Absprache zu früh an die noch nicht bezogene Wohnung und der Vermieter dort will Schäden auch erst beheben, wenn wir da sind, weil es sich ja nicht gehört, nach der Übergabe noch einmal reinzuschneien.
Bei Ozie zieht sich das mit dem notwendigen Aufhebungsvertrag, weil alle im Urlaub sind und Ärzte, die das Knöpfle impfen würden, haben natürlich auch keine passenden Termine.
Der Baumarkt hat entgegen der Behauptungen auf der Website kein Same-Day-Delivery und zudem erst eine Woche später überhaupt mal einen anmietbaren Transporter für den neuen Bodenbelag, der potenzielle Verkäufer von Standherden am anvisierten Samstag zu.
Alles davon ist für sich nicht schlimm und/oder erklärbar. Aber es fühlt sich einfach an, als müsse man mit jeder Mail, mit jedem Telefonat gegen irgendwen ankämpfen anstatt einfach Dinge zu besprechen und zu regeln.
Für die meisten oben genannten Leute und Institutionen ist das ein Standardfall oder eine Alltäglichkeit. Menschen ziehen um, zack, Schublade 47/3. Trotzdem treten wir immer als Bittsteller auf, müssen uns rechtfertigen, entschuldigen, erklären.
Ich hab in den letzten Jahren vielfach meinen Frieden gemacht mit der Bürokratie, aber wenn ich jetzt noch einmal hören muss, dies oder das sieht „das System“ nicht vor, dann überdenke ich die radikalen Optionen noch mal, echt jetzt!
Wie gesagt: Uns geht es eigentlich gut und Unterdrückung sieht anders aus. Aber auch das jetzt kann auf Dauer zermürben. Gerade mit Kindern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir da alleine sind. Dass wir alleine gelassen werden, das wissen wir seit Corona ja aber sowieso.
Ich hibbele wirklich ein bisschen auf den 7. Oktober hin, weil ich endlich Far Cry 6 spielen möchte. Ich bin so oft in so vielen Dingen immer kritischer Beobachter und versuche, Marktmechanismen zu durchschauen, nicht der blödeste Teil der angesprochenen Leute zu sein, aber ich mag es gerade sehr, mich auch ein bisschen auf die Werbung einzulassen. Ich bin deswegen sicher immer noch nicht der klassische Gamer, aber bei meiner absurden Anspruchshaltung kommt es halt auch nur alle zwei bis drei Jahre mal vor, dass ich mich wirklich auf ein Spiel freue oder vor allem: freuen will.
Und FC6 ist jetzt halt so ein Fall. Ich will mit einem AAA-Spiel für einen Hunni in ein neues Universum eintauchen, ein bisschen Eskapismus betreiben und mich darauf einlassen. Und ein bisschen Hype gehört da halt dazu. So funktioniert Unterhaltung eben. Ich kann das nicht überall. Fernsehsendungen, Zirkus oder dergleichen zerlegt mein Gehirn gerne gleich in realistische Häppchen und ich denke immer darüber nach, wie dieses oder jenes Detail nun genau nur so dahingeworfen wurde, um Reflexe X oder Y bei mir als Rezipient abzuholen.
Das ist bei Games natürlich nicht hinfällig, aber wenn ich in ein Unterhaltungsuniversum 50 bis 1000 Stunden investieren will, dann ist das halt was anderes als bei einer Show, die nach 90 Minuten vorbei ist.
Ich bin ja nach wie vor kein Gaming-Experte und lege nur meine eigene Lust als Kriterium meiner Meinung zugrunde, aber gerade bei Far Cry bin ich überrascht, wie polarisiert die mir ohnehin insgesamt erstaunlich verhasste Gamer-Szene reagiert.
Far Cry ist eine seltsame Serie in einer für Triple-A-Spiele erstaunlich einsamen Lücke. Ein Shooter, der einerseits das AAA-Open-World-Gaming fast revolutioniert hat, dann aber gleichermaßen für seine Kontinuität wie auch seine Änderungen gehasst wird.
Teil 1 war überraschend gigantisch erfolgreich, Teil 2 hat die Szene gespalten. Teil 3 wird von den meisten verehrt, außer denen, die Teil 2 gut fanden. Dann 4: Schlecht, weil er angeblich genau wie Teil 3 war, aber als Teil 5 das modernisiert hat, fanden plötzlich alle nur noch Nummer 3 gut. WTF? Könnten wir von dem Entpörungsgeblubber mal bitte runterkommen?
Ich freue mich gerade auf Far Cry 6. Ich weiß, dass das eher ein Revival von 5 (oder New Dawn) werden wird und spiele aus Langeweile den vierten Teil gerade nochmal. Und ich merke sehr sehr deutlich, dass FC4 ein Spiel aus dem letzten Jahrzehnt ist. Ein geliebtes, aber eben ein altes, eine oder sogar zwei Generationen vor dem, was jetzt kommen wird. Far Cry 4 ist für ein Open-World-Spiel ein simples Game, in gewisser Weise zu vorhersehbar, zu linear. Aber genau darin auch sehr gut. Ein zu Unrecht ausgestorbenes Genre vielleicht.
Parallel hab ich Red Dead Redemption 2 auch offen, ein natürlich „besseres“ Open-World-Game, aber eben auch eines, bei dem es mehr Überwindung kostet, es einfach nochmal neu zu starten. Ich liebe die Deepness bei Rockstar, die mich nach drei Jahren noch antreibt, mir Youtube-Videos über Hidden Secrets anzuschauen, um im dritten Replay nochmal mehr aus der Story rauszuholen, als ich in den ersten 400 Stunden bereits erlebt hatte. Aber bei Far Cry 3 oder 4 einfach nur die Ingame-Map abzuarbeiten ist für mich halt auch eine einfach verlockende Experience, die ich mit meiner wenigen Freizeit besser verbinden kann. Ich wiederhole es hier gerne: Ich hab in meiner Jugend Dart gespielt und meine Ergebnisse auf Milimeterpapier eingetragen, ich bin der Freak, der da drauf abgeht!
Ich hab bereits einige Hater-Videos zu FC6 gesehen. Die schreien im Wesentlichen, dass FarCry seit 2012 immer noch das gleiche ist und dass das scheiße ist, weil es nicht mehr wie 2010 ist.
Und das meinen die ernst.
Ich persönlich bewerte Spiele gerne danach, ob sie mir Spaß machen, nicht ob sie Konventionen erfüllen. FarCry-Spiele sind für mich – bei aller Weiterentwicklung – bisher Spiele gewesen, die mir viel Spaß dadurch bereitet haben, dass sie an sich vorhersehbar und sandboxartig, dafür aber technisch ausgereift und zumindest mal nicht ganz ohne Storytelling daherkamen. Andere Gamer können mich dafür gerne hassen, aber im Grunde ist das doch vergleichbar mit diesen ganzen Superhelden-Movies, die ja auch eine gewisse Beliebtheit – sogar unter Nerds – haben, die sich mir wiederum nicht erschließt, weil ich sie zu aufgeblasen pompös, baukastenartig und wenig originell finde. Aber als Spiel fände ich das jetzt in Ordnung. Also nur her mit Far Cry 6!