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Dreist Digga, dreist Digga…*

Da jetzt seit 24 Stunden Kommentarflaute herrscht, hab ich das Gefühl, die Gerichtsgeschichte ist nicht mehr so interessant für die meisten hier. Falls es so sein sollte: Sorry, aber das Verfahren steht in zweieinhalb Wochen an und gerade weil ich noch krank bin, steht das derzeit weit oben auf meiner Agenda. Außerdem ist es ja auch mein erstes Mal…

Ozie ist in den letzten Tagen seit der Klageerwiderung wirklich verstärkt am Recherchieren bezüglich der vorgelegten Kostenvoranschläge.

Denn die angeblich von mir verursachten Schäden in der Wohnung haben uns zunächst ja mal auf ein Abstellgleis geführt. Natürlich war die Bude – mal objektiv und gemessen am deutschen Durchschnitt  betrachtet – ein Drecksloch. Dass die Schäden jetzt mit 4300 € + x angegeben werden, hat uns zunächst einmal nicht sonderlich überrascht. Im Gegenteil. Die Kosten für die tatsächliche Instandsetzung der Wohnung in einen angemessenen Zustand (zum Beispiel in einen Zustand, in dem man auch Mieter mit Kindern einziehen lassen könnte) liegen wahrscheinlich weit im 5-stelligen Bereich.

Insofern haben auch wir zunächst einmal versucht, bei den uns vorgeworfenen Schäden zu recherchieren, inwieweit uns Beweise vorliegen, dass wir sie nicht verursacht haben. Das ist nur bedingt erfolgreich gewesen, aber es ist – wie erwähnt – das hinterste von 6 Ventilen, das gerade leicht leckt…

Seit wir uns die Kostenvoranschläge näher angesehen haben, beschleicht uns ja zudem das Gefühl, dass da noch einiges andere im Argen liegt und die Beweise für die Schäden vielleicht eher zu unserem siebten Sicherheitsventil werden. Ich kann noch lange nicht davon sprechen, dass da irgendwas gefälscht ist, aber mit den uns verbleibenden Mitteln versuchen wir durchaus, Nachforschungen in diese Richtung anzustrengen. Denn ich glaube, einen besseren Sieg als einen mit gefälschten Beweisen der Gegenseite kann man nicht davontragen.

Die Namen der Firmen nenne ich hier verfremdet (bis auf die Firma Konold, die aber ohne jeden Zweifel hervorragende Türen herstellt und keinen Anteil an seltsamen Kostenvoranschlägen hat) – da noch absolut nichts sicher ist, und ich – abgesehen von potenziellen juristischen Folgen – auch kein Interesse daran habe, im Falle einer Falschheit meiner Vermutungen irgendwem Schaden zuzufügen.

Angehängt in der Klageerwiderung sind 3 Angebote.

Anlage 1 ist ein Angebot der Firma Freude aus Am Arsch der Welt für die Instandsetzung der Balkontüre über 499,80 €. Insgesamt sieht das Angebot seriös aus, es existieren Telefon-, Konto- und Umsatzsteuernummern. Es scheint ein Familienbetrieb zu sein, da der Geschäftsführer Herr Lübeck in diesem Angebot auf den Außendienstmitarbeiter Herr Lübeck verweist, was irgendwie kurios wirkt. Wirklich fraglich indes ist, warum die Firma weder im Handelsregister, noch in den gelben Seiten existiert.
Auch sonst ist trotz professionellem Briefkopf im Internet nichts über die Firma zu finden, außer dass sie vor einiger Zeit bei myhammer.de einen Auftrag zur Renovierung von Geschäftsräumen vergeben haben. Einen Auszug aus dem Gewerberegister werden wir beantragen.
Warum uns dieses Angebot überhaupt stutzig macht: Nun, es ist auf Januar 2008 datiert, und da unser Vermieter uns 4 Monate später noch erklärte, er hätte die Schäden noch nicht erfasst – eingedenk der Tatsache, dass er die Reparatur unter Garantie selbst vornehmen wird – gehen wir von einer Vordatierung aus. Schließlich arbeitet unser Prozessgegner im Bau-Gewerbe und hat sicher so seine Kontakte.

Anlage 2 ist ein Angebot der Firma Thomas Bommelmann aus Stuttgart. Dieses Angebot für die Reparatur des Holzbodens ist – um es mal klar zu sagen – eine Karikatur seinerselbst. Es existiert kein Firmenbriefkopf, es gibt keine Angaben außer der Adresse. Also keine Steuernummern, nur eine Handynummer und das Schreiben ist ein Standard-Word-Brief, bei dem nicht einmal die Schriftart von Times New Roman auf was vernünftiges geändert wurde. Der Betrag wird vor Steuern auf angenehm runde und der Kaution entsprechende 1000 € taxiert.
In Firmenverzeichnissen im Netz ist von der Firma nur ein Eintrag zu finden, und laut diesem handelt es sich um einen Versicherungshändler oder dergleichen – was etwas vom im Angebot angegebenen Geschäftsfeld „Raumausstattung“ abweicht. Zumal Raumausstattung sich in meinen Augen schon nur bedingt mit der Sanierung eines Bodens befasst.
Zudem ist unter dem Namen des Geschäftsführers Thomas Bommelmann niemand in Stuttgart gemeldet, und schon gar nicht an der angegebenen Adresse. Diese Adresse scheint zudem ein normales Wohnhaus zu sein.
Dieses Angebot ist auf den 4. Februar datiert, was uns ebenso fragwürdig erscheint wie beim ersten Angebot, zudem fehlt hier selbst eine Auftragsnummer oder dergleichen.

Anlage 3 ist ein Angebot des offensichtlich seriösen Fachhändlers Holz-Heinz für ein „Türblatt Eiche“. Dieses Angebot ist als einziges der drei offensichtlich von einer professionellen, renommierten Firma angefertigt. Um so mehr verwundert es, dass ausgerechnet bei diesem Angebot das Datum gestrichen wurde.
Hier bleibt nur noch zu erwähnen, dass ich meine Zweifel habe, ob es rechtmäßig ist, sich als Ersatz für eine billige Baumarkt-Tür für 50 € (wie Dieter selbst gesagt hat) eine Tür von Konold herauszupicken – eine Firma, die es sich erlauben kann, einen 187 Seiten starken Prospekt für Türen zu drucken, ohne darin einen Preis zu nennen. Kostenpunkt für das sicher sehr schöne Exemplar, das Dieter wohl so vorschwebt: 221,16 € inkl. Mehrwertsteuer. Nur das Blatt, wohlbemerkt!

Auch hier wird noch ein Anruf nötig sein. Alles in allem bin ich guter Dinge, selbst auf diesem Level noch die Verhandlung im Griff zu haben…

*Dank an Samy Deluxe für die Inspiration zur Überschrift

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Verfluchte Schweine!

Keine Panik. Eigentlich schreibe ich diesen Blog ja nicht, um eure Laune negativ zu beeinflussen. Insofern würde ich mich auch hüten, hier nur zu jammern. Das würde keinem Zweck dienen und nervt nur. Deswegen verfasse ich jetzt auch keinen Jammereintrag, sondern ein Anschauungsmodell des Selbstmitleids in schriftlicher Form. Ist also quasi lehrreich!

Es ist zum Kotzen! Ich bin immer noch krank! Ernsthaft! Gestern bin ich frohen Mutes außer Haus gezogen und hab eine gemütliche Donnerstagsschicht hinter mich gebracht. Der Umsatz war nicht der beste, aber mit 114 € in 8 Stunden will ich mich auch nicht weinend in die Ecke stellen. Dass ich heute allerdings wieder ziemlich flachliege (besser: sitze), ist einfach scheiße!

Das Wochenende bringt doppelt so viel Umsatz, und das könnte gerade echt nicht schaden. Klar würde ich auch so einfach gerne arbeiten, denn meine Arbeit macht mir nach wie vor verdammt viel Spaß. Aber die Finanzen werden so langsam unlecker. Letzten Monat hab ich absichtlich wenig gearbeitet – und das ist ja ok. War allerdings verbunden mit der Hoffnung, diesen Monat vom Trinkgeld leben zu können – das ich natürlich nicht habe, wenn ich krank bin. Und ganz nebenbei berechnen sich Urlaubs- und Krankengeld nach dem Durchschnittsverdienst der letzten 3 Monate. Will heißen, dass mich das Geld, das ich als Kranker bekomme, auch nicht gerade froh stimmt. Um es zu verdeutlichen: Wir reden hier von 35 € brutto / Tag…

Mal ganz abgesehen davon: Krank sein ist scheiße! Wenn ich diese Schweine mit der Grippe erwische, dann können die was erleben, echt jetzt, Junge!

So, nun habt ihr also mal gehört, wie man rumjammern kann – was ich hier natürlich nie auf eure Kosten tun würde. In diesem Sinne: Schönen Abend noch. Abtreten!

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Das fängt ja gut an…

Immerhin bin ich halbwegs rechtzeitg aufgewacht…

Der erste Arbeitstag nach 12 Tagen Krankheit hat begonnen. Ich bin ausgeschlafen und hab noch ein bisschen Zeit. Gar nicht schlecht, kann ich so doch noch meine in den letzten 2 Wochen unangetastete Gesichtsbehaarung angehen. Zudem habe ich mal ein paar Minuten gehabt, meine desaströsen Finanzen nach der unfreiwilligen Freizeit anzugehen und so weiter…

Natürlich fühle ich mich heute im Gegensatz zu gestern eher ein bisschen weniger fit, aber das muss wohl so sein. Wieso sollte man am ersten Arbeitstag auch gesund sein. Aber so langsam wird es echt blöd mit dem Zuhausebleiben, schon weil mein Doc die Woche jetzt zu hat und es finanziell wirklich nicht vertretbar ist. Klar, wenn es nicht gehen würde, dann wäre das halt so – aber eigentlich bin ich fit genug. Und im Zweifelsfall besser eine halbe Schicht als gar keine.

Dann klingelte es auch noch an der Tür und dieses Mal waren es nicht lästige Vertreter, sondern noch lästiger: Die GEZ. Wirklich Pech, dass ich für die gerade wirklich keine 5 Minuten einräumen kann. Aber gut, Zeit zu sagen, dass ich nichts besitze und leider gerade alleine bin – weil natürlich kein Mitbewohner auffindbar ist, wenn es um nervige Dinge an der Tür geht – hatte ich dann doch noch. Ich hoffe mal, die Sache hat sich nun für eine Weile erledigt.

Immerhin war er artig, hat sich nicht aufgedrängt oder mir irgendwelche kuriosen Lügen erzählt. Also denn.

So, nun heisst es duschen und vorbereiten!

Und ab morgen gibt es sicher wieder Taxi-Geschichten. Ich freu mich ja schon selbst drauf 😉

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Kennt ihr den schon?

Kommt ein Mann mit einem Anwalt zu einem kleinen Sash und sagt: „Sie haben mir an meiner formschönen Geröllansammlung einen Wasserschaden verursacht und das kostet 2200 €!“

?

Ich find den gut! 😀

OK, eingefleischte Leser haben sicher schon drauf gewartet: Es ist Dieter-Time!

Die Klageerwiderung meines Ex-Vermieters ist da, und ehrlich gesagt: Lame, aber kurios! Es ist, wie ich erwartet habe: Er führt die Schäden der Wohnung an und versucht es nun mit einer Aufrechnung.

Ich kann das ja mal wieder Satz für Satz durchgehen. Zunächst beantragt der Anwalt also die Abweisung der Klage und dass ich die Gerichtskosten zu tragen habe. Über die Halbsätze brauch ich nichts schreiben – wenn es die nicht gäbe, dann wäre der Brief inhaltslos. Dann folgt der spannende Teil: Die Begründung.

1. Richtig ist, dass der Kläger von den Beklagten die beiden Wohnungen im 2. Obergeschoss des Gebäudes Teichstr. 6, 70186 Stuttgart, angemietet hatte. Das Mietverhältnis wurde zwischenzeitlich beendet.

Richtig ist auch, dass der Kläger an die Beklagten eine Mietkaution in Höhe von 1060,0 € bezahlt hat.

OK, das ist schon mal ein Gewinn. Dank der mündlichen Form der Verträge wäre es eine arge Fitzelarbeit, alles rauszusuchen. Für die Zahlung der Kaution gibt es null Belege – sollte alles mal in den Mietvertrag, den es dann nie gab. Insofern war das Poker mit Bluffen auf meiner Seite, und ich scheine gewonnen zu haben 😉 Diesem Teil der Begründung stimme ich ohne weiteres zu.

2. Die Klage ist jedoch unbegründet, da dem Kläger ein Anspruch auf Rückerstattung der gezahlten Kaution nicht zusteht.

Da kommen wir an den Punkt, an dem sich meine Meinung nicht mehr so ganz mit der von Dieter und seinem Anwalt deckt.

Der Kläger hat in den geräumten Wohnungen nämlich Schäden verursacht, deren Beseitigungskosten die zur Verfügung gestellte Mietkaution betragsmäßig übersteigen.

Dumm nur, dass die Schäden allesamt von meinen Vormietern stammen, und die Ansprüche auf Schadenersatz in den lächerlichen 2 Jahren schon alleine nach meinem Auszug leider verjährt sind.

Wie der Kläger in seiner Anspruchsbegründung selbst einräumt, wurde er von den Beklagten mehrfach bei Mietende aufgefordert, die Schäden zu beseitigen, was er jedoch unterlassen hat.

Ähm, das ist etwas kurios formuliert. Ich würde es so erklären: Keiner wollte eine Wohnungsbesichtigung mit mir machen. Auf stetes Betteln wurde mir gesagt: „Alles, was ihr heh g’macht hen, müsset ihr richde…“ Dieser Aufforderung bin ich in vollem Umfang nachgekommen. Nicht beseitigt habe ich lediglich die Schäden, die bei der Wohnungsbesichtigung vor meiner Übernahme bereits als von Dieter zu richten eingeordnet wurden. Dass die noch existierten, ist nun nicht gerade etwas, was gegen mich spricht, denke ich… Zudem bin ich mit ihm übereingekommen, zwei kleine Schäden zu richten, und das sollte es dann gewesen sein.

Die Beklagten waren unter der Berücksichtigung der ihnen zustehenden Schadensersatzansprüche daher berechtigt, die Mietkaution des Klägers einzubehalten.

Nein.

Namens und in Vollmacht der Beklagten wird hiermit ausdrücklich die Aufrechnung mit den nachstehend näher bezeichneten Schadensersatzansprüchen gegen den Kautionserstattungsanspruch erklärt.

Im Grunde ist die Idee des Herren Anwalt ja nicht blöd. Kaution, Schäden, Aufrechnung! Klingt logisch. Hätte Dieter fristgerecht eine Forderung geltend gemacht, dann wäre dies ein legitimer Weg und ich hätte jetzt einiges an Ärger. Eine Forderung seitens Dieter ist aber bis zum heutigen Tag ausgeblieben. Und nicht nur das. Während des Schriftwechsels habe ich bereits sehr deutlich eine Einrede gegen etwaige Forderungen artikuliert. Zumal die Schadensersatzansprüche recht fragwürdig sind, da sie die Kaution bei weitem übersteigen. Er erbat sich im Mai 2008 4 Wochen Zeit für die Endabrechnung. Ein Jahr später habe ich den Mahnbescheid veranlasst. Also bitte! Aber jetzt kommt der witzige Part:

3. Im Einzelnen hat der Kläger in den angemieteten Wohnung folgende Schäden verursacht:

Jaja, Deutsch ist schwer. Aber einen Tag vor Ablauf der Frist hat man es halt ein bisschen eilig, nicht wahr? Jetzt aber folgt die Auflistung. Ich bitte auch zu beachten, welche Schäden in je einem Absatz zusammengefasst worden sind. Wenn ihr das System findet, erklärt es mir mal.

a) Die Balkontüre wurde mutwillig aus den Angeln gehoben. Sie weist beschädigte Teile wie Bänder- und Scherenbeschläge, ausgerissene Bandaufnahmen und beschädigte Holzelemente auf.

Puh! Das ist happig! Aber Moment, da war doch was… Bevor ich die Wohnung übernommen hatte, gab es eine Wohnungsbesichtigung. Die Türe (die im übrigen keinen Balkon dahinter hat, sondern nur ein Gitter) war damals ein Thema. Richtig! Sie war… kaputt! Ob die folgende Beschädigung mutwillig war, lassen wir mal offen: Es nahm ein freundlicher Mensch – ich nenne ihn mal Dieter – sich einen Hammer und hat auf die Beschläge geschlagen, damit die Tür ordentlich schließt. Seine weisen Worte waren „Vorerscht hält des, hoff i. I komm dann demnäscht amol und richt‘ des!“ Aber das ist inzwischen 3 Jahre her, wer sollte sowas noch wissen…

b) Der Holzdielenboden wies massive Kratzer und Löcher auf, die bei Einzug nicht vorhanden waren.

Hihi. Problem: Mein Einzug war 2003. Da war der Boden soweit halbwegs ok. Punkt für euch! Aaaber wieso habt ihr mit meinem Vormieter über die Reparatur des Bodens geredet bei der Wohnungsbesichtigung? Vielleicht, weil der Boden da schon kaputt war? Sicher nicht, oder?

c) Die Zimmertür war eingeschlagen und muss ausgetauscht werden. In den oberen beiden Räumen sowie im Flur war Graffiti aufgesprüht worden, die Rigipswand in der Dachschräge war eingeschlagen und wies ein 20 x 20 cm großes Loch auf. Die Laibung im Badfensterbereich war beschädigt.

OK, das klingt nun wirklich nach Vandalismus. Gehen wir das mal durch: Was mit der Tür passiert ist, weiss ich nicht. Kaputt war sie vor der Übernahme der Wohnung durch mich. Soweit ich weiss, haben wir das aber bei der Übergabe nicht angesprochen. Aber wo liegt das Problem: Den Austausch eines Türblattes habe ich mit Dieter vereinbart – eigentlich zwar ein anderes, aber da das nicht in der Liste aufgetaucht ist, wird es dieses sein.

Die Graffiti waren gemalte Wandbilder. Diese sind so weit überstrichen worden, dass ein einmaliger Anstrich die Wohnung in ordnungsgemäßen Zustand versetzen würde. Da das streichen nicht ausgemacht war, betrachte ich dies als nichtig!

Die eingeschlagene Rigipswand hat auch einen ulkigen Hintergrund, denn es handelt sich eigentlich um eine nicht befestigte Platte in der Dachschräge. Im Laufe der Zeit hat mein Vormieter schon durch das Anstoßen mit dem Kopf (er hatte sein Bett unter jener Schräge) die Platte und die notdürftig verklebte Tapete beschädigt. Nicht nur, dass es damit vor meiner Übernahme schon kaputt war: Diese Platte war so dämlich angebracht, weil ein gewisser Vermieter dort seit 2003 ein Dachfenster einbauen wollte und es nicht auf den Plan gekriegt hat.

Was das Badezimmerfenster (immerhin ein Stock tiefer) hier verloren hat, weiss ich nicht – und ich weiss auch nicht, um was für einen Schaden es geht.

d) Im Bad war die Duschabtrennung aus den Angeln gehoben. Das Badfenster, ein Dachfenster, wies erhebliche Wasserschäden auf, was daraus resultierte, dass bei Regen dieses Fenster offensichtlich meistens geöffnet war.

Die Duschkabine! Herrje! Die eine blöde Schraube hat seit mindestens 2005 gefehlt. Ehrlich gesagt habe ich das einfach vergessen. Aber auch hier: Es war beim „Einzug“ kaputt!

Dass der Wasserschaden im Bad durch ein „offensichtlich“ ständig geöffnetes Fenster verursacht wurde, klingt irgendwie ärmlich. Zum einen ist kein anderes der 4 Dachfenster geschädigt und die Tatsache, dass es sich 80 cm über der Wanne befunden hat, mag sicher auch eine Rolle gespielt haben. An dieser Stelle bestand die Wand im Übrigen auch aus Rigips. Also hat eine ungeflieste Wand direkt über der Wanne einen Wasserschaden… zumal das irgendwie Thema bei der Wohnungsübergabe ein Jahr zuvor war. Komisch. Damals kam auch das Fensterargument und seitdem war es fast immer zu…

e) PC-, Telefon-, Strom-, und Kabelkanalverkabelungen sowie Steckdosen und 220-Volt-Kabel waren völlig unfachmännisch in bedenklicher Art und Weise installiert, jedoch nicht wieder entfernt bzw. in ursprünglichen Zustand zurückversetzt worden.

Wow! Das klingt ja gefährlich. Ihr habt die Bilder hier im Blog ja gesehen. Die stammen aus den Jahren 2005 und 2006. War also ganz sicher meine Schuld… Im Übrigen hab ich Dieter zur Übernahme noch um ein paar Abdeckungen für offene Steckdosen und Kabel gebeten. Aber das nur nebenbei.
Die Kabelkanäle habe ich zu meinem Einzug 2003 übernommen…

Jetzt kommen wir aber zur Königsdisziplin. Der Witz zu Beginn dieses Eintrags war kein Witz. Was jetzt kommt, ist so unglaublich dreist, dass wir uns noch weitere Nettigkeiten überlegen werden:

f) 18 Badfließen waren mit Window-Colors beklebt. 21,5 qm der Terrakotta-Fliesen im Ess-Küchenbereich wiesen irreparable Wasserschäden auf.

Scheiß auf die Window-Colors. Aber dass er uns einen Wasserschaden beim Küchenboden anhängen will, ist einfach die Krönung der Unverschämtheit. Jener Küchenboden, der unter seiner Führung unprofessionell 2003 verlegt worden ist. Jener Boden, der seit spätestens Anfang 2005 zu bröckeln begann, weil der Untergrund uneben ist. Der Boden, bei dem wir seit vier Jahren auf eine Reparatur warteten und bei dem er eingestanden hat, dass er seinetwegen zersplittert. An diesem Geröllhaufen sollen wir einen Wasserschaden verursacht haben? Einzelne Fliesen ließen sich mit der Hand vom Boden wegnehmen! Das ist als ob man an einem ausgebrannten Auto einen Lackschaden diagnostiziert!

Ich meine, ich hab hier jetzt gegen all die Schäden angeredet. Nochmal ganz kurz: Darum wird es nicht gehen. Die Aufrechnung ist nach unserem Verständnis der Gesetze nicht möglich. Bevor es wirklich darum geht, greifen drei oder vier andere Gründe, die für uns sprechen. Ich wollte nur mal die Frechheit verdeutlichen – und auch die Verzweiflung.

Dann folgt die Beweisliste. Sie besteht aus einer Aufrechnung der Schäden, die ich hier gerne mal angebe:

Balkontüre: 499,80 €
Holzdielenboden: 1190,00 €
Zimmertüre: 221,16 €
Duschabtrennung: 76,16 €
Verkabelungen: 228,48 €
Küchenboden: 2182,00 €

Macht in der Summe 4397,60 €. Nicht schlecht. Ich wusste ja, wir haben in einer Bruchbude gelebt.

Und da ist das Überstreichen der Graffiti noch gar nicht mit drin.

Gut, ich will mal nicht so sein. Habt ein Herz für Vermieter. Da hat er so ewig eine fragwürdige WG ertragen und dann muss er so viel Geld ausgeben. Das ist wirklich verdammt ärgerlich. Der hat es ja echt nicht leicht gehabt. Kein Wunder, dass er das Geld nicht zahlen kann, wenn er so viel in die Reparatur gesteckt hat…

Zunächst: Hat er nicht!

Es existiert für 3 Posten ein Kostenvoranschlag. Und jetzt wird es mysteriös: 2 der Kostenvoranschläge sind auf Februar und Januar 2008 datiert. Monate bevor er uns geschrieben hat, er könne noch nicht abrechnen. Ein weiteres Angebot einer Firma (das einzige, das nicht nach Hinterhofklitsche aussieht) liegt vor, bei selbigem ist allerdings das Datum absichtlich überdeckt. Man sollte dazu wissen, dass die Kostenvoranschläge zur Aufrechnung nur dienlich sind, wenn sie innerhalb der Verjährungsfrist (bis April 2008) vorlagen. Die Angebote für die weiteren Posten will er erst nachreichen – beziffert die Kosten allerdings schon centgenau.

Ich will hier bestimmt nichts unterstellen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass das Datum des einen Kostenvoranschlags geschwärzt ist, die anderen bis jetzt – Ende 2009 – nicht vorliegen, die Beträge allerdings bekannt sind – und bei den verbleibenden beiden Firmen nach einer kurzen Internetrecherche fraglich ist, ob sie in den genannten Geschäftsbereichen arbeiten…

…habe ich die Befürchtung, dass sich da was anbahnt, was nicht ganz koscher ist.

Allerdings sieht es gerade aus, als sei das hinterste von 6 in Reihe geschalteten redundanten Sicherheitsventilen etwas leck. Da läuft immer noch nichts aus.

5. Im Ergebnis ist festzustellen, dass der Kläger in großem Umfange Schäden in den von den Beklagten angemieteten Wohnungen hinterlassen hat. Nachdem er erfolglos aufgefordert worden ist, die Schäden zu beseitigen, waren bzw. sind die Beklagten berechtigt, die Schäden auf Kosten des Klägers selbst zu beseitigen, weshalb sie mit den genannten Schadensbeseitigungskosten wirksam gegen den Kautionserstattungsanspruch aufrechnen können.

Die Klage ist daher abzuweisen.

Dass sie eine Abweisung der Klage beantragen ist klar, das nehme ich auch wirklich nicht die Bohne persönlich. Wir sind Gegner vor Gericht, mein Gott!

Aber ich kriege wirklich innerlich einen Schreikrampfanfall, wenn ich lesen muss, dass ich nach mehrfacher Aufforderung irgendwas nicht nachgegangen bin. Ein halbes Jahr lang habe ich den beiden jeden Satz aus der Nase ziehen müssen, der mit der Wohnung zu tun hatte. Ich hätte alle Möglichkeiten gehabt, an dieser Wohnung irgendwas zu richten – und auf Nachfrage wäre ich auch bereit gewesen, den ein oder anderen Schaden zu beheben, der nicht auf mein Konto geht. Aber erst kein Interesse haben, bei der Abgabe sagen, es ist alles in Ordnung, sich dann 2 Jahre nicht melden und wenn ich dann die Schnauze voll hab Vorwürfe auszusprechen… nee, die feine englische Art ist das nicht.

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Zeit für Drogen!

Wow! Ich bin wirklich von ganzem Herzen sarkastischer Pessimist, was die Gesellschaft und die Menschen auf dieser Welt angeht. Da fühle ich mich ja fast schon persönlich getroffen, wenn jetzt bei der „Zeit“ ein Text zur Legalisierung von Drogen erscheint. Es ist unschwer zu erahnen, dass der Autor meinen Nerv trifft – wenngleich ich seiner Argumentation teilweise nicht viel abgewinnen kann. Denn das Hochrechnen von Leid gegen Leid ist eine zumindest fragwürdige Geschichte.

Aber es ist ein Thema, über das ich hier im Blog – soweit ich mich erinnern kann – noch nicht wirklich viel geschrieben habe, also greife ich es doch gerne mal auf, wenn lawblog.de es mir im Feedreader doch so schön auf dem Silbertablett serviert.

John Gray betrachtet in seinem Artikel den „Krieg gegen die Drogen“ als gescheitert an und verweist auf zigtausend Tote in den Kämpfen rund um die ein oder anderen Suchtmittel. Er verweist insbesondere auf die durch die Illegalität entstehenden hohen Preise für Drogen, den Zwang zur Beschaffungskriminalität und auch darauf, dass die Drogenszene einen vermeintlich einfachen Weg des sozialen Aufstiegs in manchen Kreisen verheisst, der allerdings mit einer Sozialisierung in eine gewalttätige Bandenkultur einhergeht. Desweiteren schneidet er an, dass derzeit die Gewinne der Drogenkartelle oftmals eine Unterstützung des Terrorismus sind.

Die Gegenargumente auf moralischer Seite – das Leid der Betroffenen – wischt er mit der Behauptung beiseite, den Menschen selbst gehe es bei staatlich kontrollierter Drogenabgabe immer noch besser. Zudem fügt er an, dass die Prohibition bei Drogen ein eigentlich junges Phänomen ist, was sicher auch als Seitenhieb gegenüber den Konservativen Vertretern einer harten Drogenbekämpfung verstanden werden kann, da es die Normalität von Drogen in der Gesellschaft unterstreicht.

Ich gebe dem Autor mit ein paar Abstrichen Recht.

Nun wisst ihr: Ich arbeite in einem Job, der sich nur mit zwei legalen Drogen (Nikotin und Koffein) verträgt, und es sollte klar sein, dass ich nicht meinetwegen für eine Freigabe der anderen Drogen plädiere. Zugegeben, ich würde durchaus gerne mal wieder während des Urlaubs einen Joint rauchen können – ein Vergnügen, auf das ich seit nunmehr mehreren Jahren verzichte, da die Abbauprodukte von THC zu lange nachweisbar sind, als dass ich da meines Jobs noch sicher sein könnte. Aber sonst?

Es fängt ja eigentlich schon mit der schwierigen Frage an, was Drogen sind, wer sie wie verwendet und ob sie dementsprechend überhaupt nötig sind. In letzter Konsequenz wage ich zu behaupten, dass Drogen an und für sich als Produkte nötig sind (Schmerzmittel), als Genussmittel eigentlich verzichtbar, aufgrund unserer Menschlichkeit allerdings nicht zu beseitigen sind.

Sind wir mal ehrlich: Ein drogenfreies Leben ist eine wunderbare Vorstellung, und es gibt auch einige Menschen da draussen, die das in Bezug auf das, was gemeinhin Droge genannt wird, auch ganz gut schaffen und sehr zufrieden damit sind. Die meisten allerdings nicht. Ich möchte hier gar nicht aus meiner Position als Alkoholtrinker und Nikotinabhängiger gegen ein drogenfreies Leben anschreiben, aber schon unser verhältnismäßig zivilisiertes Land besteht zu einem Gutteil aus Leuten, die ihren normalen Lebensrhytmus nicht einhalten könnten, wenn sie der Kaffee morgens nicht aufputschen würde. Dazu kommen sicher noch ein paar Millionen, die die körperlich positiven Wirkungen eines eiligst verschlungenen Schokoladenstückchens erliegen, wenn ein seelischer Tiefpunkt erreicht ist. Man braucht also eigentlich beim Thema Drogen noch gar nicht bis zu den „harten“ legalen oder gar den illegalen Drogen gehen, wenn man argumentiert.

Aber spätestens beim Feierabendbier und der Zigarette danach wird offensichtlich, dass die meisten Menschen zumindest gelegentlich Mittel zu sich nehmen, die ihre körperliche und / oder psychische Verfassung in irgendeiner Art und Weise angenehmer machen.

Dass die Grenze zwischen Legalität nun ausgerechnet zwischen Alkohol und THC angesiedelt ist, lässt ja bekanntermaßen nicht nur die ganzen Hardcore-Kiffer, sondern auch anerkannte Drogenexperten ratlos zurück.

Nicht, dass ihr mich falsch versteht: Drogenkonsum hat in jeglicher Form Folgen für die Gesundheit und verursacht damit natürlich auch gesellschaftliche Kosten. Da sind wir uns einig. Aber wir sollten uns der Logik wegen durchaus auch die Frage stellen, welche anderen Auswirkungen sie haben. Selbst zu den illegalen Drogen zählen etliche Aufputschmittel, und es gibt noch nicht einmal Zahlen darüber, wieviele Milliarden Euro jedes Jahr zusätzlich erwirtschaftet werden, weil Menschen unter ihrer Zuhilfenahme in der Lage sind, 18 Stunden wertschöpferischer Arbeit nachzugehen. Und ohne meine Koffeintabletten hätte ich auch schon ein paarmal früher Feierabend gemacht…

Zunächst aber ist festzuhalten, dass Drogenkonsum ein gesellschaftlich altes Ritual ist. In jeder Kultur sind zumindest einige (gesellschaftlich nicht unwichtige) Leute immer befugt gewesen, sich das Gehirn zuzunebeln, um dem Pöbel zu erklären, dass es Götter gibt, dass das Leben mehr bietet als das, was man sieht. Und wer Geld hatte, hat sich auch zu fast jeder Zeit mit irgendwelchen berauschenden Mitteln der Kunst oder der Liebe hingegeben. So schlecht das für den einzelnen gewesen sein mag, so wenig ist auch nur abzuschätzen, was unsere Kultur ohne Drogen überhaupt wäre.

Aber bleiben wir in der heutigen Zeit:

Die Drogen, von denen wir eigentlich sprechen wollen, sind heutzutage mit wenigen Ausnahmen Probleme der unteren sozialen Schichten. Zwar denke ich, dass der brave CDU-Wähler erschrecken würde, wenn er wüsste, wie viele Politiker und Manager gelegentlich Koks konsumieren, aber was man in der Gesellschaft neben den legalen Drogen mitbekommt, sind doch eigentlich die Nachrichten über Drogentote auf der Straße, über Kämpfe in irgendwelchen Ländern, die wir nur schwer auf einer Landkarte finden, über planlose Jugendliche, die unser Bildungssystem in Frage stellen und nebenbei noch ein paar Bodybuilder mit verkümmerten Genitalien.

Also hey, alles nix was uns als normale Menschen was angeht, oder?

Aber natürlich tut es das! Denn unsere Gesellschaft ist lange nicht mehr auf dem Stand, dass Einzelereignisse keine Auswirkungen auf den Rest mehr haben. Es war sicher ein grundsätzlich gut gemeinter Ansatz, die Menge an gefährlichen Drogen in der Gesellschaft zu dezimieren und sie für Idioten unzugänglich zu machen. Leider ist das sogar für den Fall, dass Wolfgang Schäuble irgendwann Alleinherrscher wird, nicht machbar. Genausowenig wie es absolute Sicherheit in Punkto Gewalt gibt, gibt es sie im Bezug auf Drogen.

Ganz von der Hand zu weisen ist die Argumentation, dass eine Illegalisierung eine gewisse Abschreckung bewirkt, zwar nicht – im Falle von schwer süchtigmachenden Substanzen liegt hier allerdings auch eine besondere Perfidie gegenüber den Menschen vor, die vielleicht aus Dummheit mal einen Fehler gemacht haben. Denn letztlich treibt man diese Menschen nun dazu, sich auf einem unübersichtlichen Markt zu versorgen, der weder Qualitätskontrollen kennt, noch in irgendeiner Form Sicherheiten kennt. Da sich jeder dort agierende Mensch immer mit einem Fuß im Gefängnis befindet, ist es nur logisch, dass sich so ein Milieu bildet, dass im Großen und Ganzen durch Gewalt und Einschüchterung zusammenhält. Sobald man illegale Drogen erwirbt, verwirkt man jegliche rechtliche Sicherheit. Klar kann ich meinen Dealer nicht verklagen! Also auf’s Maul!

Insofern ist die Aussage von Gray, dass die Betroffenen im Falle einer Freigabe von Drogen gesünder leben würden, kein lahmes Umherlabern, sondern ein handfestes Argument. Denn im Falle einer Legalisierung könnte man natürlich eine Art Qualitätssicherung einführen. Man könnte juristische Rahmen für die Geschäfte entwerfen – und das ist ja nicht alles.

Wenn das Ganze in den anerkannten Wirtschaftskreislauf überführt wird, sinken die Preise für den Endverbraucher, und das obwohl eine ganze Multi-Milliarden-Industrie aus der Illegalität in die Öffentlichkeit wandern könnte. Es bestünde die Möglichkeit, aus den Millionen Händlern und Zulieferern legal arbeitende Menschen mit sozialer Absicherung zu machen. Zum einen würden die weiterhin nach alten Mustern operierenden Kartelle langsam bedeutungsloser werden – was den bisherigen Protagonisten bei der Herstellung und im Verkauf unglaublich helfen würde. Zum anderen gäbe es Chancen auf staatlicher Seite, auch auf die Drogen selbst Steuern zu erheben, was zusammen mit der Entlastung von Judikative und Exekutive die gesellschaftlichen Kosten des Drogenkonsums wahrscheinlich über Nacht in eine dicke Einnahmequelle verwandeln würde.

Bei allem Verständnis für die Angst vor mehr Drogensüchtigen darf man nicht vergessen, dass man zur selben Zeit Millionen Menschen ein vernünftiges Leben erst ermöglicht. Und ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass wir eine Menge Leute entlasten, die wirklich nie irgendwas schlimmes gemacht haben, außer etwas zu konsumieren.

In dem Punkt sehe ich mich wieder selbst als gutes Beispiel. Vor Jahren habe ich hier und da gelegentlich etwas Gras geraucht. Das mache ich seit Ewigkeiten nicht mehr, aber es hätte sein können, dass ich deswegen meinen Job heute nicht machen könnte oder nie die Chance hätte, gewisse andere Berufe zu ergreifen. Weil ich ein paar Mal einen Abend lang Spaß hatte, ohne dass irgendwer dabei zu Schaden gekommen ist…

Sind wir doch mal ehrlich: Was maßt sich unser Staat eigentlich an, derart über unsere Freizeit zu bestimmen?

Natürlich bin ich nicht dafür, dass noch mehr Drogen konsumiert werden. Es sind tausende, die durch Drogenkonsum auch ohne ihre Kriminalisierung gestorben wären. Ebenso ist Verelendung nichts, was den Abhängigen von hochpreisigen Drogen vorbehalten ist. Einen Ausblick auf dieses Leben geben ja die vielen Alkoholabhängigen unter den Geringverdienern und Arbeitslosen. Das wichtigste ist aber Prävention in Form von Aufklärung! Und wenn wir ehrlich sind: Die wird momentan einfach nicht zufriedenstellend geleistet. Wer hat denn in der Schule ernsthaft was über Drogen gelernt? Mit viel Glück hat man ein paar Horrorbilder von fast toten Junkies gesehen, und irgendwann war ein Polizist zu Besuch, der einem erklärt hat, dass man sterben kann und keinen Führerschein bekommt, wenn man Drogen nimmt. Vielleicht bin ich ob dieser Methoden etwas zu pessimistisch, aber wenn man nach solchen Erläuterungen dann irgendwann vielleicht doch mal Drogen nimmt, stellt man plötzlich fest, dass man danach immer noch lebt und es niemand mitbekommen hat, man also auch seinen Führerschein behalten darf. Das animiert nicht gerade dazu, es bei einer einmaligen Erfahrung zu belassen, wenn es ansonsten doch lustig war.

Es müsste Platz gemacht werden für ernstliche wissenschaftliche Aufklärung ohne das Damoklesschwert mit den eingravierten Buchstaben „Und ausserdem isses eh verboten, also Finger weg!“

Dass ich nicht dafür bin, Heroin an Kleinkinder abzugeben, schreibe ich mal vorsichtshalber hier hin. Ich hoffe, auf die Idee ist jetzt niemand gekommen… gegen eine wie auch immer geartete Zugangskontrolle habe ich nichts einzuwenden.

Ich bin mir sicher, dass es andere Möglichkeiten als die jetztigen gibt. Aber wie bei so vielen Themen müsste man dazu ohne parteipolitische Scheuklappen sachlich an ein Thema rangehen. Wieso widerlegen Politiker diese Theorien immer mit Drogenstatistiken rund ums Kottbusser Tor? Wieso hackt die Bild-Zeitung auf Jugendlichen aus dem Drogenmilieu rum, die sich eine Handtasche klauen, ohne mal wenigstens bis zur Frage nach dem Preis für Drogen zu recherchieren? Bzw. zu denken…

Und da sind wir wieder an dem Punkt, der mich am politisch konservativen Geschehen so ankotzt: Man versucht ungeachtet der enormen Möglichkeiten am Status Quo festzuhalten. Denn von da aus, wo die Entscheidungen getroffen werden, sieht es ja immer so schön aus, als würde alles funktionieren. Dass Bayern Solarzellen nach Honduras exportiert ist eine schöne Geschichte, dass Horst Seehofer aber über genauso viele oder wenige Umwege mit einem erschossenen 14jährigen in Mexico-City in Verbindung gebracht werden könnte… wie kann ich es nur wagen, sowas auszusprechen?

Aber vielleicht flammt die Debatte ja mal wieder auf…

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Die Bekloppten in der Heimat

Am heutigen Tag fand in Stuttgart ja eine scheinbar wirklich innovative und intelligente Aktion gegen Gewalt statt. Das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ stellte vor der Stuttgarter Oper Container auf, in die man seine „Killerspiele“ werfen konnte.

Ehrlich gesagt bewirkt diese Lernresistenz der natürlich moralisch über alles erhabenen Opfern der Tragödie bei mir ziemlich dringlichst das Bedürfnis, mich an irgendwas abzureagieren. Wie praktisch, dass ich gerade FarCry installiert habe… 😉

So leid es mir für die Betroffenen tut, aber mehr als Fremdscham, Wut und Verzweiflung wird diese Aktion bei mir nicht hervorrufen. Und ehrlich gesagt: Ich halte mich nicht einmal für den unsensibelsten Menschen.

„Spiele, die das Töten von Menschen simulieren“ konnten dort also in einen Container geworfen werden. Das ist so unglaublich neu – das wird die Bedeutung von Containern revolutionieren. Es ist ja nicht so, dass verantwortungsvolle Eltern nicht bisher auch gewisse Möglichkeiten gehabt hätten, in irgendeiner Form mit dem Medienkonsum ihrer grenzdebilen Sprößlinge umzugehen.

Die Tatsache, dass einige der nun vernichteten Spiele sicher irgendwann nachgekauft werden, und somit dieser total verantwortungslosen Industrie, die quasi mit Mord ihre Umsätze macht, einen weiteren Gewinnzuwachs bescheren wird, fasse ich mal als witzigen Nebeneffekt auf.

Ich meine, es gibt viele politische Aktionen, die auf kurze Aufmerksamkeit setzen, und das ist nicht per se schlecht. Ein paar Leute beschäftigen sich ja durchaus erstmals bei solchen Gegebenheiten mit Politik. Das Anliegen in diesem Fall ist aber eine so lächerliche Form von Selbstgerechtigkeit, dass es nicht mehr feierlich ist. Ich bin wirklich so dreist, und sage einfach mal, dass jeder verdammte Idiot auf diesem Planeten, der Computerspiele dafür verantwortlich macht, dass Menschen getötet werden, zu dumm oder zu faul ist, sich mit den wirklichen Problemen vertraut zu machen. Und nicht nur das: Wenn sie selbst Kinder haben, dann ist als besonders eklatanter Vorgang der Verblödung festzustellen, dass sie von ihren Kindern und ihrer Welt keinen Plan haben. Punkt.

Da braucht mir keiner daherkommen mit „Sie können das nicht beurteilen, wenn sie selbst kein Kind verloren haben“. Denn es ist integraler Bestandteil dieser Debatte, dass keiner der Akteure wirklich informiert über irgendwas ist.

Ich hab die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen, und all die psychologischen Gutachten, die regelmäßigen Spielern eine höhere Gewalttoleranz oder eine niedrigere Hemmschwelle attestieren, will ich nicht mal ansatzweise angreifen. Aber ich werde niemals von der Behauptung abrücken, dass man für das letztliche Umsetzen eines Blutbades ganz gehörig einen an der Murmel haben muss – und das ist bei aller Angst vor „neuen“ Technologien noch keinem Medium alleine gelungen.

Ich meine, es ist doch sehr bezeichnend, dass die ganzen Horror-Videos, die in den Achziger Jahren all die Gewalt verursacht haben sollen, weiterhin existieren und heute scheinbar nicht mehr so schlimm sind. Also, dann warten wir doch noch 10 Jahre, dann legt sich die Gefährlichkeit der Killerspiele sicher auch wieder…

Und zum Abschluss ganz ruhig ausformuliert:

Liebe besorgte Eltern im Ländle. Ich weiss ihr Bemühen um eine sicherere Welt zu schätzen. Zur Wirksamkeit ihrer Kampagne möchte ich – ohne dass dies überspitzt gemeint ist! – anmerken, dass ich als Sash wahrscheinlich Amok laufen würde, wenn Menschen wie sie das Geschehen in diesem Land über ein erträgliches Maß hinaus bestimmen. Denken sie darüber nach, ob das ein Fortschritt wäre…

Nachtrag:

Die „sehr erfolgreiche Aktion“ fand im übrigen enorme Resonanz:

(via lawblog.de und jensscholz.com)

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Sash wird Profi-Blogger

Keine Sorge, ich verdiene nach wie vor kein nennenswertes Geld mit der Geschichte hier 🙂

Aber es gibt jetzt was, was meinem Blog einen hochprofessionellen Anstrich geben wird: Eine Krankheitsvertretung! Ich meine, ihr seht ja, dass ich nach wie vor zu den unmöglichsten Zeiten an der Tastatur hänge – aber die Taxiartikel werden noch ein paar Tage fehlen.

Vor einiger Zeit hatte ich ein paar Gespräche mit Kalle Zentrum über seine Arbeit im Callcenter (Ozie hat sowas ja auch mal gemacht) und sind übereingekommen, dass sich seine Geschichten auch prima in meinem Blog machen würden. Denn ich denke, dass die meisten unter euch Lesern sich auch für andere Kundengeschichten interessieren – nicht nur fürs Taxifahren alleine.

Und nun hat Kalle wegen meines gestrigen Artikels angefragt, ob er nicht die paar Tage ohne Taxieinträge überbrücken solle. Naja, und wie so langsam klar ist: Ich hab in etwa folgendes gesagt:

„Ja, ja. Ja! Jaja! Ja! Ja, ja und ja! JAA!“

Aber nur so ungefähr 😉

Also: Bis es wieder was aus dem Taxi gibt, gibt es was aus dem Callcenter.  Ist doch auch mal nett.

A prospos nett: Seid nett zu Kalle, ich hab ihm erzählt, ich hätte die besten Leser in diesem Internet! 😉

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