Ich hatte mich ja ein bisschen aufgeregt über den Umgang der Bild mit Homosexualität – am Beispiel des Badehosi eines Ramazotti-Freundes. Jetzt erscheint heute nach zwei Tagen schmerzvoller Pause endlich wieder mal eine Kolumne von Wagner, und ich bin erschüttert. Wagner erhebt das Schwulsein im Gegensatz zu seiner Kollegin (und zu alten Beiträgen von ihm) zur tollsten Eigenschaft überhaupt. Das ist zwar ein bisschen langweilig, aber immerhin kurios.
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Systemcheck
bild.de hat schon manches Mal zu unpassenden Worten gegriffen. Das ist nicht zwingend ein Verbrechen, es ist allerdings das ein oder andere Mal eine heikle Frage, ob es sich schon um tendenziöse Berichterstattung handelt.
Dann hat bild.de natürlich ein Problem, wenn es um die „Sensation“ des voraussichtlichen Papst-Besuchs 2009 in Deutschland geht. Angeblich soll Papa Ratzi nämlich den Domberg in Erfurt besuchen, und der gilt – erklärt bild.de – „als mächtiges Symbol des katholischen Selbstbewusstseins im Eichsfeld“. Dort, so unser Lieblingsmedium weiter, leisteten die Katholiken Widerstand. Nun haben sie das wohl im Dritten Reich gemacht und während der DDR-Zeit auch. Nun haben die Schreiberlinge ein Problem. Zwei schlechte Systeme, aber es sieht einfach scheiße aus, wenn man im selben Satz zweimal Diktatur schreibt. Was machen wir denn da? Wir müssen doch darauf hinweisen, dass die DDR auch ein Unrechtsstaat war…
Die Lösung:
Finde die Diktatur, Quelle: bild.de
Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt, die DDR war harmlos.
Im Ernst, das ist natürlich Wortklauberei! Aber es ist schon ein wenig erschreckend. Bei diesen beiden Auswahlmöglichkeiten eher die DDR als Diktatur zu bezeichnen (die sie ja meiner Meinung nach auch war), ist schon ein wenig… tendenziös.
Die Firma Coldiretti

Berslusconi bei Codiretti, Quelle: bild.de
Ich bin kein besonderer Recherche-Freak, aber irgendwie schien das nicht zu passen. Trotz miserablem Italienisch glaube ich nun, sagen zu können: NEIN VERDAMMT!!! „Coldiretti“ ist leider keine Firma, die Mozzarella herstellt, sondern eine landwirtschaftliche Vereinigung, die die Kleinbauern vertritt, insgesamt ca. 1 Mio. Betriebe (laut dem Buch „Italien“ von Helmut Drüke, 2000). Sehr wahrscheinlich produzieren einige der Unternehmen Mozzarella, aber wer hat bei uns schon mal ein Auto der Firma IG Metall gekauft? Eben.
Voyeurismus die zweite
Kann man diese Frechheit eigentlich noch in Worte fassen? Hey, man muss nicht mal Porno-Gegner sein, um es scheiße zu finden, Frauen (Männer sind ja scheinbar nicht so interessant) heimlich zu fotografieren. Und zumindest einige der Bildunterschriften suggerieren das.
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Kurz nach dem Aufstehen…
Dann meldeten dieselben Vertreter des homo spammailis: „Ihr Schwanz wird riesig. Ihr Leben auch!“. Ich warte noch darauf 🙂
Wagner versucht heute, ein bisschen mitfühlend zu schreiben, was ihm nur partiell gelingt. Er schreibt heute an Inge Jens, Frau des demenzkranken Professors Walter Jens, die in einem Stern-Interview wohl gesagt hat, dass es den Mann, den sie liebte, nicht mehr gibt.
Einfühlsam wie jener Holzklotz, der neulich eine Frau in den Tod gerissen hat, fabuliert Wagner folgendes:
„Doch, Frau Jens, den Mann, den Sie lieben, gibt es noch. Es gibt ihn nur nicht mehr mit seinen Fähigkeiten. Ihr Mann hat sich verwandelt vom klügsten Kopf Deutschlands zum leersten Kopf.“
Das nenn ich Journalismus. Bewegender Alltag! Mitgefühl!Also, lassen wir den Schwanz nicht hängen!
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Voyeurismus endlich erlaubt!

Juhu, spannen!, Quelle: bild.de
Post an Wagner
Lieber Franz Josef Wagner,
herzlichen Glückwunsch zu ihrer neuen Kolumne „Lieber Udo Lindenberg“. Samstag hatten sie frei, heute sind sie in meinem Blog. Sie sind hier, weil sie ein Nationalrätsel sind. Sie sind für mich nach ihrem Chefredakteur der zweite Erfinder einer sinnlosen Sprache, dem „Bild-Deutsch“.
Als sie irgendwann das „Bild-Deutsch“ erfanden (spätestens um den Jahrtausendwechsel) veränderte sich die bundesrepublikanische Welt. Ihre Worte legten die Beine auf den Tisch.
Sie, Franz Josef Wagner, und ich sind nicht gleich alt, ich bin kein Trümmerkind der 40er. Sie sind 43 geboren, ich 81. Ihre Kindheit kenne ich jetzt, meine war wohl besser. Kein nahtloser Aufbau nach den Nazis, aber auch kein Rasenmähen, kein Wirtschaftswunder. Heute gibt es Leute wie Kai Diekmann, die „langweilig wie ein Kirchentag“ sind. Manche Jusos tragen aber noch immer Rollkragenpullover.
Und dann kamen sie. Sie kamen mit einer neuen „Sprache“. Ihnen verdanke ich, dass ich schreibe, was ich heute schreibe. Ich lege meine Worte wie meine Füße auf den Tisch.
Das haben sie bewirkt.
Sie haben Deutsch zu „Bild-Deutsch“ gemacht. Vergleiche erübrigen sich.
Nein, keinen Dank dafür,
Sash
Ich verstehe, wenn sich jetzt Leute fragen, was ich da für einen Scheiß geschrieben habe. Ist wirklich kein toller Text geworden. Lesen wir doch lieber, was Wagner heute schreibt:
„Lieber Udo Lindenberg,
herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen CD „Stark wie 2“. Samstag waren Sie bei „Wetten, dass ..?“, heute sind Sie in meiner Kolumne, weil Sie ein Nationalschatz Deutschlands sind. Sie sind für mich nach den Gebrüdern Grimm der zweite Erfinder der deutschen Sprache, des „Easy-Deutsch“.
Als Sie in den 70er-Jahren das „Easy-Deutsch“ erfanden („alles klar auf der Andrea Doria“), veränderte sich die bundesrepublikanische Welt. Ihre Worte legten die Beine auf den Tisch.
Sie, Udo Lindenberg, und ich sind gleich alt, wir sind Trümmerkinder der 40er. Sie sind 46 geboren, ich 43. Unsere Kindheit waren Neusiedlungen mit Rasenmähern, nahtloser Aufbau nach den Nazis, das Wirtschaftswunder. Es gab Menschen wie Heinrich Böll, aufregend wie ein Kirchentag. Die Jusos trugen Rollkragenpullover.
Und dann kamen Sie. Sie kamen mit einer neuen Sprache. Ihnen verdanke ich, dass ich schreibe, wie ich heute schreibe. Ich lege meine Worte wie meine Füße auf den Tisch.
Das haben Sie bewirkt.
Sie haben den Rock ’n’ Roll ins Deutsche übersetzt – wie Luther die Bibel.
Herzlichen Dank dafür
Ihr F. J. Wagner„
Was soll ich dazu sagen?
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