18. August 2010 · 21:20
Die Panik um Street View geht mir gewaltig auf den Keks gerade! Ein Haufen unfähiger verblödeter Arschkrampen streitet sich um ein Thema, von dem keiner der Beteiligten auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben scheint.
So wird folgender Quatsch tatsächlich verbreitet:
„Ich werde mein Haus schwärzen lassen. Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen von Street View glücklich wären, dass man ihnen beim Nacktbaden im Garten zuschaut.“
(Jeanette Biedermann)
„Wir wollen unser Haus auf jeden Fall schwärzen lassen. Street View fördert Kriminalität. Und wir möchten nicht, dass jemand unsere Kinder beim Spielen im Garten sieht.“
(Sky Dumont und Miriam)
„Tolle Sache! Wenn ich unterwegs bin, kann ich mich überzeugen, ob meine Häuser in New York, Stockholm und L.A. noch stehen. Eins muss tabu sein – In die Fenster reinzufilmen!“
(Marcus Schenkenberg, Model)
„Ich habe mir bewusst ein Haus gesucht, das nicht von allen Seiten einsehbar ist. Das soll jetzt nicht durch Google auf den Kopf gestellt werden.“
(Martin Wichmann, Bild-Redakteur)
Es gibt auch hyperbekloppte Polizisten, die gleich an ganz andere Dinge denken:
„Es ist rechtlich unklar, ob eine virtuelle Streifenfahrt möglich ist.“
(Rainer Wendt, Deutsche Polizeigewerkschaft)
(Aus der Bild, via bildblog, bzw. FAZ via Lawblog)
Ich meine: Ja, man kann bei Google Street View Häuser sehen. Boah, Bombe! Voll krass!
OK, damit wir uns richtig verstehen: Privatsphäre ist ein schützenswertes Gut, dieser Meinung bin ich immer gewesen. Ganz gleich, ob ich selbst davon viel Gebrauch mache oder nicht. Der Witz an der Geschichte ist: Menschen haben ein Recht auf Privatsphäre, aber doch nicht Häuser! Ob Street View jetzt so ein tolles Projekt ist, oder verschwendetes Geld, das sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass diese blöden Bilder von öffentlich zugänglichen Straßen aus überhaupt nichts aussagen.
Beispiel:

Marzahner Promenade 24 bis 29, Quelle: Sash
So, das ist eine Aufnahme von der Straße aus. Gehen wir mal davon aus, ich als Bewahrer meiner Privatsphäre hätte kein Impressum, in dem meine Postadresse steht, was würde uns dieses Foto sagen: Es sagt uns, dass vor einem Wohnblock in der Marzahner Promenade gelbe Mülltonnen vor dem Haus stehen und dass das untere Stockwerk hässlich orange bemalt ist. Aber selbst das trügt, denn das Foto ist von 2008, genau wie die Google-Bilder bei Street View. Keiner, der hier nie war, weiss, ob diese blöden Tonnen da immer noch stehen! Aus diesem Foto kann man nicht erkennen, dass ich hier wohne, oder was sonst so aktuell passiert. Man weiss nicht, ob hier Kinder auf der Wiese spielen oder ob dieses Haus tatsächlich noch existiert. Und die andere Seite des Hauses, eine Fußgängerzone, wird auch nicht von Google auf den Kopf gestellt, bloß weil ein Bild-Redakteur an digitalen Voodoo glaubt.
Ich habe dieses Foto völlig legal geschossen und völlig legal hier hochgeladen. Sollte jetzt jemand aus meinem Haus (sind um die 15 Parteien pro Hauseingang) die Verpixelung bei Street View beantragen, hab ich dann noch ein Recht dazu? Wollen wir wirklich auch noch das Fotografieren auf der Straße verbieten? Und wer soll das Recht bekommen: Hauseigentümer, Mieter, Obdachlose auf der Durchreise, jeder?
Und die bekloppte Panik wegen der 2,90 m Höhe, aus der die Fotos gemacht werden: Jeder LKW-Fahrer und Reisebus-Fahrgast sitzt über dieser Höhe. Wenn ich mich strecke, kann ich auch googlegleiche Fotos machen. Sind wir ehrlich: Es ist eine löbliche Eigenart von Frau Biedermann, nackt im Garten zu baden, aber Google ist dabei sicher weniger aufdringlich als die meisten Paparazzi. Die retuschieren nämlich nicht das Gesicht weg.
Kritik an Google ist ok, und Vorsicht ist beim Datenschutz durchaus geboten. Aber wenn sich jetzt auch noch Politiker einmischen, denen wir Videoüberwachung in der Fußgängerzone, den großen Lauschangriff und Debatten über Bundestrojaner zu verdanken haben, dann ist das wie das große Jahrestreffen der Vereinigung „Gewaltverbrecher gegen Ohrfeigen“ im Kindergarten an der Ecke: Lächerlich!
PS: Klaus hat sogar eine Geschäftsidee dazu entwickelt, sehr schön.