Category Archives: Medien

Mögt ihr Experimente?

Ich hatte vor einiger Zeit schon eine ganz lustige Idee. Also zumindest glaube ich, dass sie lustig werden könnte. Ich könnte im Rahmen meines Blogs eine Fortsetzungsgeschichte schreiben. Das alleine ist irgendwie noch nicht sonderlich spannend, zugegeben. Aber ich dachte darüber nach, am Ende jedes Kapitels, jeder Seite, also nach einem bestimmten Teil der Geschichte mehrere Möglichkeiten vorzugeben, wie es weiter gehen soll, über die ihr als Leser dann abstimmen dürft. Nicht so, dass ich die Handlung schon im Voraus benenne, sondern vielleicht dem Helden der Geschichte eine Entscheidung abverlange. Oder mal übers Wetter oder den Schauplatz des nächsten Kapitels abstimmen lassen.

Die Idee dahinter ist, dass auch ich zu Beginn noch nicht so recht weiß, was am Ende daraus wird. Und je nachdem, wie clever ich die Fragen wähle, euch mit einbeziehe in die Entwicklung des Ganzen.

Ich schreibe gerade recht viel auf unterschiedlichen Plattformen. Ein neues Großprojekt kann ich eigentlich nicht gebrauchen. Aber immer nur kleine aufeinander aufbauende Geschichten sind ja nichts weiter als Blogeinträge, die kann man ja immer mal zwischenschieben. 🙂

Ich würde dann hier eine neue Kategorie anlegen (und den Beginn direkt verlinken), sodass man bei Bedarf die ganze Geschichte ohne den Rest des Blogs mitverfolgen kann. Entweder mir fällt nicht viel ein und es wird am Ende eine dreiteilige Kurzgeschichte – oder aber es läuft richtig gut und am Ende kommt vielleicht ein geiler ellenlanger Roman dabei raus. Wer weiß? Ich wie gesagt noch nicht. Aber ich hätte Lust darauf, es zu versuchen. Wie findet ihr die Idee? Schließlich passt es nicht so wirklich in den bisherigen Blog – NOCH eine neue Seite will ich gerade allerdings nicht wirklich an der Backe haben. Ich vertraue auf eure Weisheit 😉

Sollen wir das mit der Fortsetzungsgeschichte angehen?

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Heveling…

Die Wellen des Netzes haben gestern ja mal wieder etwas höher geschlagen. Ansgar Heveling, CDU-MdB und wie jeder unversierte Netznutzer Mitglied der Enquete-Komission „Internet und digitale Gesellschaft“ hat sich in einem Gastkommentar fürs Handelsblatt auf arg dünnes Eis begeben, indem er „der Netzgemeinde“ zurief: „Ihr werdet verlieren!“
Die ganze Chose ist sicher nicht nur eindimensional zu betrachten, ich empfehle unbedingt auch den Text von Thomas Knüwers, der das Handelsblatt bezichtigt, den Skandal durchaus gewollt zu haben. Nichtsdestotrotz hat Ansgar Heveling einen so saublöden Text verfasst, in dem er mit der Netzgemeinde auch mich als Heavy User des Internets direkt angreift. Grund genug, einen offenen Brief – natürlich nur echt im Internet! – zurückzuschreiben. Zum Thema an sich empfehle ich zudem die Texte auf netzpolitik.org und Spiegel online.

Offener Brief an Ansgar Heveling

Sehr geeh… ach, egal. Wir sind im Netz, ich muss ja per se Böse sein:

Hey, Heveling!

Sagen Sie mal, geht’s noch?

Wenngleich ich gerne lachend über Menschen hinwegsehe, die das Internet immer noch als eine andere Welt und irgendwie als Einheit betrachten, anstatt zu akzeptieren, dass es eine einfache Erweiterung des realen Lebens ist, fällt mir das bei ihnen schwer. Sie sitzen in einer – zumindest verglichen mit mir – machtvollen Position im deutschen Bundestag und was ihnen zum Internet einfällt, ist eine Kampfrede, wie wir sie seit den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr hören mussten?

An der durchaus sinnvollen Debatte über SOPA und PIPA hängen sie sich auf und erkennen einen Kampf:

„Es ist der Kampf zwischen der schönen neuen digitalen Welt und dem realen Leben. Während die „digital natives“ den realen Menschen zum Dinosaurier erklären, vergessen sie dabei, dass es sich bei dieser Lebensform um die große Mehrheit der Menschen handelt.“

Ja, vielleicht halte ich sie für einen Dinosaurier. Denn ganz offensichtlich teilen sie mit diesen bedauernswerten Kreaturen eine gewisse Engstirnigkeit. Ich wage massiv zu bezweifeln, dass es lange dauert, bis die überwiegende Mehrheit der Menschen an der digitalen Welt teilnimmt, und die angesprochenen Gesetzentwürfe betreffen sie alle gleichermaßen. Beachtenswert finde ich, dass sie die Realität so deutlich vom Internet trennen, aber ein enormes Interesse daran zu haben scheinen, dem Internet von außen Vorschriften zu machen. Merken sie was? Wäre das im Netz nicht alles auch irgendwie real, bräuchten sie sich gar nicht vor irgendetwas sorgen!

„Die mediale Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von „Der Herr der digitalen Ringe“ angekommen, und der Endkampf um Mittelerde stehe bevor.“

Bitte was?

Ich erkläre ihnen mal was: Ich bin selbst ein großer Freund von Metaphern aller Art. Aber einfach irgendwo ein dümmliches „digital“ einzuschieben, macht sie nicht originell, sondern, nun ja, dümmlich.

Weiter schreiben sie von „Helden von Bits und Bytes“, von „Kämpfer(n) für 0 und 1“, insgesamt bedient sich ihre Rhetorik reichlich unangemessen am Vokabular aus Kriegstagen und das sollte ihnen, dem geschichtsbewussten Politiker, doch auffallen.

„Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers […]“

Ach nein? Die Gegenbeweise will ich gerne mal sehen. Und sie gehen ja wirklich aufs Ganze:

„Auch wenn das Web 2.0 als imaginäres Lebensgefühl einer verlorenen Generation schon bald Geschichte sein mag, so hat es allemal das Zeug zum Destruktiven. Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der digitalen Horden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen, dann heißt es, jetzt wachsam zu sein.“

Sicher wird sich das Web 2.0 weiterentwickeln und somit quasi verschwinden. Woher sie allerdings ihre apokalyptischen Befürchtungen hernehmen, frage nicht nur ich mich. Sind sie vielleicht einfach angepisst, dass sie jemand Dinosaurier genannt hat? Wie können sie „die Netzgemeinde“ zu einer „digitalen Horde“ machen, vor der man die Kultur schützen muss und im Satz danach forden, „unsere bürgerliche Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen“?

Wirklich geil fand ich allerdings die Herleitung unserer Gesellschaftswerte „Freiheit, Demokratie und Eigentum“ von der französischen Revolution. Chapeau! Wir wissen schließlich alle, dass die größter Errungenschaft dieser Revolution das geistige Eigentum war.

Hier bitte ich übrigens darum, mich nicht falsch zu verstehen. Ich bin sowohl ein Mitglied der Netzgemeinde als auch das, was bei ihnen im Freundeskreis wahrscheinlich „Content-Produzent“ oder so ähnlich heißt. Irgendwie sehe ich trotzdem keinen Grund, die – im übrigen durchaus auch sehr bürgerlichen – Freiheiten von ein paar Gesetzen einschränken zu lassen, die sich mit vier Buchstaben abkürzen lassen. SOPA, PIPA, ACTA. Ein gepflegtes LMAA dazu von meiner Seite!

Selbst Sie scheinen zwischendurch erkannt zu haben, dass es eigentlich nicht ums Netz selbst geht:

„Nicht, weil Bits und Bytes aus sich heraus wie kleine Pacmans an den Ideen und Idealen unserer bürgerlichen Gesellschaft knabbern würden. Nein, es sind die Menschen, die hinter den Maschinen sitzen und eine andere Gesellschaft wollen.“

Nochmal: Merken Sie was?

Was glauben sie, was ich mir für krude Beschreibungen über ihre Partei einfallen lassen müsste, wenn ich ähnlich falsch und bekloppt vorgehen wollte wie Sie? Sie schreiben allen Ernstes folgendes:

„Es ist eine unheilige Allianz aus diesen „digitalen Maoisten“ und kapitalstarken Monopolisten, die hier am Werk ist.“

Jetzt sagen Sie bloß, ihnen ist entgangen, dass es im Netz auch vor Juden nur so wimmelt!

Nur weil Menschen das Internet für ihre Arbeit und ihre Freizeit nutzen, haben sie doch keine bestimmte Gesinnung. Schauen Sie sich mal in den Reihen ihrer Partei um! Wollen sie Angela Merkel demnächst terroristische Tendenzen unterstellen, weil sie einen Podcast unterhält? Und wenn ja: Ist sie jetzt eher Monopolist oder Maoist? Ich bin mir da noch etwas uneins.

Während Sie Google und Wikipedia wegen ihrer verzweifelten Versuche, auf politische Mißstände hinzuweisen, zurufen von welcher Hybris sie geprägt seien, wischen Sie den Fakt beiseite, dass das von ihnen viel gelobte „Wissen und vor allem die Weisheit der Welt“ eben nicht nur in den Köpfen der Menschen liegt, sondern gerade über die genannten Plattformen verbreitet wird, wie niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte.

„Also, Bürger, geht auf die Barrikaden und zitiert Goethe, die Bibel oder auch Marx. Am besten aus einem gebundenen Buch!“

Also geht es doch nur darum, dass Sie lieber Druckerschwärze an den Händen als Pixel vor den Augen zu haben. So viel sie über Wissen schwadronieren, so wenig scheinen Sie zu haben, wenn sie glauben, dass die Texte und Ideen Goethes nur als Buch gut wären. Über den Auftritt von Marx habe ich mich ehrlich gesagt gewundert, aber spätestens an dieser Stelle ihrer Ausführungen befürchtete ich, dass ihnen ohnehin egal ist, was sie lesen. Solange es nur nicht digital ist.

Nachdem die Netzgemeinde in ihrem letzten Abschnitt plötzlich nur noch aus „einzelnen Menschen“ besteht und sie den Piraten Raffgier unterstellen, folgt mein zweitliebstes Kleinod ihrer inzwischen zu Recht oft verballhornten Komödie:

„Natürlich soll niemandem verboten werden, via Twitter seine zweite Pubertät zu durchleben. Nur sollte man das nicht zum politischen Programm erheben.“

Dahinter steckt nämlich, das muss ich ihnen lassen, ein ausgesprochen kluger Ratschlag. Natürlich sollte man aus ein paar dümmlichen und kindischen Tweets kein politisches Programm machen. Genauso wenig sollte man ein politisches Programm daraus machen, sich über dümmliche und kindische Tweets aufzuregen. Und nichts anderes haben Sie gemacht.

Jede Neuerung, jede Errungenschaft, jede neue Technik hatte ihre Feinde. Vom Buchdruck bis zur CD-R, von der Postkarte bis zum Festplattenrecorder. Immer haben Leute wie sie die Apokalypse heraufbeschworen und auf die Nutzer, die Vorreiter und die Erfinder herabgeschaut, sie für blöd verkauft, belächelt und unterdrückt.

Sie alle haben eines gemeinsam: Wir Menschen aus der heutigen Zeit lachen über ihre lustigen Einschätzungen, wundern uns über ihre Engstirnigkeit und bezeichnen sie manchmal als Dinosaurier. Glauben Sie mir, es ist keine Glanzleistung, sich schon zu Lebzeiten in diese Gruppe einzureihen.

Digitale Grüße,

Sash

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Mords-WG

Ich habe einen noch immer signifikanten Teil meines Lebens in einer WG gelebt. Neben all den tierisch lustigen Abenden, den Parties und dem vielen Besuch gab es natürlich auch negative Seiten: Stress mit Mitbewohnern, mit dem Haushalt…

Eines jedoch kann ich sicher sagen: Wären wir ähnlich lösungsorientiert gewesen wie diese beiden Männer in Berlin gestern, dann wäre unsere Küche binnen einer Woche vielleicht grundsätzlich etwas weniger unordentlich gewesen. Dafür hätte man sicher an die 10 Leichen raustragen müssen. Meine inklusive.

Ich dachte, ich hätte mit dem ein oder anderen Mitbewohner bereits einen Blick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Existenz werfen können, für einen Messerangriff hat mich dann letztlich aber doch immer ein bisschen zu viel mit den Leuten verbunden, mit denen ich mal zusammengezogen bin…

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Adressen-Memory

Das Internet ist unser Alltag, bestimmt über Sein oder Nichtsein und voll wichtig ist es auch noch. Wie mit allen Medien gehen die Menschen unterschiedlich damit um. Während manche Politiker sich das Internet „bedienen lassen“, sind andere auf vielfältige Weise selbst im Netz unterwegs.

Dass ich zu letzteren gehöre, ist kein Geheimnis. Schließlich würde ich als Politiker ja viel mehr Werbung für meine Partei machen, nicht wahr? 😉

Allerdings ist mir heute mal wieder aufgefallen, dass ich tatsächlich ein wenig locker bei meinen Umtrieben bin. Gut, mit unterschiedlicher Frequenz bevölkere ich Twitter, Facebook, Google+ und meine zwei Blogs – dass ich noch eine alte WG-Page besitze, wissen immerhin ein paar Eingeweihte. Da ich an selbiger nicht mehr arbeite und sie nur als eine Art nette Erinnerung hüte, braucht man auch nicht groß danach suchen. Es ist eine Visitenkarten-Page, von der alle relevanten Daten gelöscht sind.

Demnächst kommt noch ein dritter Blog hinzu, allerdings rein geschäftlich. Mein Chef bezahlt mich künftig dafür, dass ich mit spitzer Feder Anekdoten aus der und über die Firma schreibe, in der ich arbeite. Wenngleich mich die Erstellung gerade Nerven kostet, ist das aber eine abgeschlossene begrenzte Sache, für die ich mir ja auch Freizeit erkaufen kann.

Soweit, so vielleicht noch normal. Dann gibt es da eine alte Page, die inzwischen wieder gelöscht ist und die Domain auf meinen Namen, die noch unbelegt ist. Heute aber hat der Wahnsinn Ozie und mich dann gestreift, denn sie war ziemlich verzweifelt: Ihre Wunsch-Mailadresse (mit ihrem neuen Namen) ist schon vergeben. Alle Alternativen gingen irgendwie gar nicht. Deswegen haben wir – für eine eMail-Weiterleitung! – eine weitere Domain angemietet, mit der sich eine passable Adresse generieren lässt 😀

Das heißt., unser Zwei-Personen-Haushalt hat nun nicht nur 5 Profile in Social Networks, sondern unterhält auch 6 Domains und bearbeitet eine weitere federführend. Ist das echt noch normal? Wie haltet ihr es so?

Wie handhabt ihr das mit Domains?

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Filed under Medien, Vermischtes

Jetzt schon geil

Nicht, was ihr jetzt wieder denkt!

Ich glaube, ich habe eben – Heiligabend 2011 um 4:44 Uhr – mein erstes Buch fertig geschrieben. Damit ist natürlich erstmal noch gar nichts gewonnen. Es ist noch nicht einmal von irgendwem gegengelesen worden, geschweige denn vernünftig lektoriert. Ich habe noch keinen Verlag und und und…

Will heißen: Der stressige Teil fängt erst an!

Aber irgendwie ist es schonmal ein gutes Gefühl. Ein verdammt gutes! So ziemlich jeder Autor hat irgendwann mal diesen Satz gesagt, dass das erste Mal das eigene Buch in Händen zu halten, besser als Sex ist. Das glaube ich ohne jede Herabwürdigung meines Sexuallebens unbesehen! Aber es ist eben auch jetzt schon geil! Mir ist eben ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, denn dieses Projekt hab ich jetzt seit über einem Jahr irgendwie vor mir als unvollendet herumliegen gehabt. Zwischendrin hab ich dreimal das komplette Konzept verworfen und quasi wieder neu angefangen. Das mal weg zu haben, ist der pure Wahnsinn.

Ansonsten trifft es sich zeitlich ganz gut. Denn erst gestern Abend habe ich mit meinem Chef ein paar Details in Richtung Firmenblog besprochen – und dieses Projekt soll auch schnellstmöglich anlaufen. Schön, wenn das Buch da nicht noch dazwischenhängt, fast fertig, fordernd und Quell meines schlechten Gewissens seiend…

Mir ist klar, dass das jetzt noch Ewigkeiten dauern kann – aber das ist nicht schlimm. Geschrieben ist es erst mal, im Zweifelsfall macht es sich auch in der Schublade ganz gut, bis der geeignete Zeitpunkt da ist.

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Spam…

Ich weiß, ich widme Spam zu viel Aufmerksamkeit. Aber keine Sorge, ich lese nicht wirklich viel davon. Dennoch: Inzwischen werden abartig lange Kommentare hinterlassen, mit hunderten von Links, viele länger als meine Blogeinträge Da kann man sich seine Ausweise verlängern lassen, oder falsche Penisse bestellen, was weiß ich. Ist einfach zu lang zum lesen! Da wird schon das Durchgucken der 10 Comments im Spamordner nervig, was ich täglich mache um die ein oder zwei richtigen Kommentare rauszufischen. Vorher hab ich bei GNIT aber was geradezu niedliches altbackenes und irgendwie fast schon liebenswert naives gefunden:

„Hello we are a snow removal company from poland and this is our website: [Link]“

Das ist sowas von Internet 1.0, so 2001, das hat mich direkt ein bisschen an meine Jugend erinnert 😀

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Wetten was?

Soso, gestern Abend lief also die letzte „Wetten dass?“-Sendung mit Thomas Gottschalk. Und? Irgendwie hat mich das alles einen feuchten Dreck interessiert. Das muss nicht zwingend an „Wetten dass?“ liegen, obwohl ich nach der Beurteilung von Stefan Niggemeier auch nicht das Gefühl habe, etwas epochales verpasst zu haben.

Diese von mir nicht gesehene Sendung zeigt mir einmal mehr ganz deutlich, dass das Fernsehen für mich tot ist. Und zwar richtig tot. Aus Zeiten, zu denen meine Mutter nicht nur noch gelebt hat, sondern sogar noch mit meinem Vater verheiratet war, kenne ich sie durchaus auch: Die langen Abende mit „Wetten dass?“ im Kreise der Familie. Sicher, die große Unterhaltung hat mich in jungen Jahren wenig interessiert. Letztlich ging es immer nur um die Wetten und vielleicht noch darum, wie sehr Gottschalk überzieht und was der Herr Wickert anschließend für einen kessen Spruch auf Lager hatte.

Aber seien wir mal ehrlich: Die Zeiten, in denen ein frei gesprochener Satz in Deutschlands seriösesten Nachrichten irgendwie aufregend und lustig war, sind einfach vorbei. Aber ein großer Freund der Unterhaltungsshows war ich ohnehin nie. Obgleich ich verschiedenste Dinge mag: Von Comedy bis Talk, von Spannung bis Sex – ich habe selektives Sehen stets bevorzugt – und auch die meiner Meinung nach gerade sehenswerteste große Abendshow „Schlag den Raab“ würde ich mir nie geben, ohne wenigstens die Werbung überspulen zu können.

Was mich angeht, hat das Internet das Fernsehen getötet. Aber das war nicht sonderlich schwer. Als das Internet sich viel zu spät in mein Leben geschlichen hat, mit dem Einzug in meine herzlich chaotische WG, da stand der Fernseher ohnehin schon etliche Zeit scheintot in der Gegend rum und hat nur gelegentlich mal ein Video wiedergegeben.

Wenn ich jetzt Texte über Gottschalk, „Wetten dass?“ und das Fernsehprogramm lese, kommt mir das fast schon vor wie ein Text über meine Kindheit, über lange vergangene, fast schon historische Zeiten. Mich befremdet der Gedanke, dass ein Großteil unserer Gesellschaft sich Unterhaltung und Informationen über diesen so einseitigen Kanal besorgt. Sicher, irgendwann wird das vielleicht zur Gewohnheit. Irgendwann kann man nicht mehr aus seiner Haut und nutzt, was man immer schon genutzt hat. Das Traurige ist, dass ich das mit meinen bescheidenen 30 Jahren auch schon feststelle. Ihr lest immerhin gerade den Text von jemandem, der mit 26 Jahren das erste Mal eine SMS geschrieben hat, weil er überzeugt war, er brauche das alles gar nicht.

Aber zurück. Es mag sein, dass Gottschalk ein großer Moderator ist / war. Zudem kann man ihm bescheinigen, dass er sich für sein Alter gut gehalten hat und vielleicht sogar, dass er die Sendung gestern – die ich ja nicht gesehen habe – gut über die Bühne gebracht / bereichert / veredelt / was auch immer hat.

Für mich persönlich wäre selbst die Abschaffung von „Wetten dass?“ oder des Fernsehens selbst nur die Beseitigung eines Anachronismus.

Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: All die meines Erachtens nach wirklich guten Formate und Kunstformen, die das TV uns gebracht hat, funktionieren durchaus auch im Netz, und dann sogar mit multimedialer Erweiterung, so diese sinnvoll ist.

Um der Geschichte doch ein klein wenig Respekt zu zollen, beende ich das Ganze mit einer Wette. Mit einer Wette, die länger läuft, als „Wetten dass?“ es bisher geschafft hat:

Wetten, dass meine Kinder irgendwann mal mit dem Fernsehen nichts elementares emotionales verbinden werden?

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