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Deutscher Online-Journalismus

Ach, n-tv.de! Wenn du schon wie alle anderen eine dpa-Meldung raushaust, dann doch nicht erst so spät. Inzwischen geht mir die Verkündung der Konkurrenz für MyTaxi, taxi.eu echt auf den Keks. Auszüge aus meinem Google Reader:

  • Verkehr: Taxi-Gewerbe kontert Herausforderung durch MyTaxi – n-tv.de – vor 7 Minuten
  • Computer: Taxifahrer holen Kunden im mobilen Internet ab – Focus Online – vor 14 Stunden
  • Computer: Taxi-Gewerbe kontert Herausforderung durch MyTaxi – Zeit online – vor 3 Tagen
  • Taxifahrer holen Kunden im mobilen Internet ab – Landeszeitung für die Lüneburger Heide – vor 4 Tagen
  • Computer: Taxifahrer holen Kunden im mobilen Internet ab – Zeit online – vor 4 Tagen
  • Taxi-Gewerbe kontert Herausforderung durch MyTaxi – Osterländer Volkszeitung – vor 4 Tagen
  • Taxi-Gewerbe kontert Herausforderung durch MyTaxi – Weser-Kurier online – vor 4 Tagen
  • Taxifahrer holen Kunden im mobilen Internet ab – Augsburger Allgemeine – vor 5 Tagen
  • Taxi-Gewerbe kontert Herausforderung durch MyTaxi -Berliner Morgenpost – vor 5 Tagen
  • Taxi-Gewerbe kontert Herausforderung durch MyTaxi -Welt online – vor 5 Tagen
  • Taxi-Gewerbe kontert Herausforderung durch MyTaxi -Weser-Kurier inline – vor 5 Tagen
  • Taxifahrer holen Kunden im mobilen Internet ab -Augsburger Allgemeine – vor 5 Tagen
  • Taxi-Gewerbe kontert Herausforderung durch MyTaxi – sueddeutsche.de – vor 6 Tagen
  • Dienstleistungen: Taxi-Gewerbe kontert Herausforderung durch MyTaxi – Stuttgarter Nachrichten – vor 6 Tagen

Hat das eigentlich noch irgendwas mit Journalismus zu tun oder soll sich das nur so anfühlen?

 

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Was mit Medien

Ja, irgendwie mache ich wohl „was mit Medien“. Der Erfolg meines zweiten Blogs, GNIT, sorgt einmal mehr dafür, dass sich Journalisten bei mir melden. Genau genommen war es Konstantin Zurawski – und der hat mich angefragt, ob ich für eine Talksendung von DRadio Wissen zur Verfügung stehen würde.

Klar doch! 🙂

DRadio Wissen ist eine Art Spartenkanal des Deutschlandradios, allerdings nur digital zu empfangen. Obwohl ich nicht wirklich zu den Hörern gehöre, finde ich das Konzept sehr interessant und natürlich freue ich mich auch, mal als kleiner Taxifahrer mit überdurchschnittlicher Schreiblust ein anderes Publikum zu erreichen.

Allerdings ist genau das auch wieder sehr seltsam: „Was mit Medien“ zu machen.

Ich bin mir sicher, dass da draußen ein Haufen Leute rumrennt, der sich insgeheim – oder sogar unterbewusst – freuen würde, wenn Journalisten von der eigenen Meinung und dem eigenen Leben mal berichten würden. Ich selbst bin ja bei der ersten Anfrage nach einem telefonischen Interview fast umgekippt vor Durchdreheritis. Die Tatsache ist aber: Selbst daran gewöhnt man sich.

Als Blogger rutscht man in sowas ja irgendwie rein. Natürlich ist einem bewusst, dass theoretisch die ganze Welt lesen kann, was man schreibt – ein gelegentlicher Blick auf die Statistiken  zeigt einem mit der Zeit dann aber doch, dass es letztlich auch „nur“ ein paar Leute aus der Nachbarschaft, ein erweiterter Freundeskreis und ein paar hartgesottene Fans sind, die einem komischerweise selbst dann nicht die Folgschaft verweigern, wenn man ihre Meinung nicht teilt.

Dass sich tatsächlich mal „die Medien“, also die richtigen, echten, melden – das bleibt für die meisten eine unerfüllte Hoffnung. Ich selbst stehe da ja an einer Grenze: Über mich und GNIT wurde schon bundesweit berichtet, andererseits ist es immer noch ein seltenes Vergnügen, mal auf Kosten einer Presseagentur Pizza zu essen.
Und ich stehe der Sache auch ambivalent gegenüber: Zum einen mag ich natürlich die Aufmerksamkeit für mein Schreiben und natürlich auch meine sonst gerne belächelte Arbeit. Zum anderen bin ich nicht ohne Grund die Mehrheit der Tage alleine mit mir und Ozie. Permanent auf der Straße erkannt zu werden wäre nicht wirklich etwas schönes für mich.

Aber so wie es gerade läuft ist es super und ich freue mich natürlich, wenn sich durch das ein oder andere Interview noch ein paar Leser mehr finden.

Solltet ihr Interesse haben, mich live im Radio quatschen zu hören, dann freut euch auf Samstag, den 14. April, 11 Uhr. Eine ganze Stunde lang werde ich live Gast bei DRadio Wissen sein, wahrscheinlich völlig übermüdet nach einer Freitagsschicht im Taxi. Ob sich das lohnt, kann ich jetzt natürlich noch nicht sagen, aber hey: Ich opfere meinen Wochenendschlaf für die Aktion. Natürlich werde ich auch über diese Sache bloggen und – sobald erhältlich – den Podcast-Download verlinken. Aber was wären Live-Sendungen, wenn niemand zuhört?

Und ja, ich habe Lampenfieber! Vor allem, weil ich da alleine in einer Sprecherkabine sitzen werde, während mein Gesprächspartner in Köln weilt.

Vielleicht ist es ja doch ein bisschen spannend, „was mit Medien“ zu machen 😀

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Wissen schafft einen…

Und das meine ich ernst. In den letzten Monaten bin ich so oft am Rande der Verzweiflung gewesen und es ist ausgerechnet ein Comic, der mich davon abhält, dieser Verzweiflung in Form eines Amoklaufs oder desgleichen gebührend Ausdruck zu verleihen:

xkcd – Duty calls

Je weiter man sich herauswagt in die Tiefen des Netzes, desto mehr Idiotie prallt einem an den widerlichsten Ecken entgegen. Gerade hab ich beispielsweise bei Facebook einen lustigen Comic gesehen, der zeigt, wie eine Arche mittels Kanone eine zweite – die mit den Dinosauriern – versenkt. Als Überschrift steht dort: „Nur eine weitere Theorie…“
Und in den Kommentaren proletet irgendein Idiot gleich heraus, dass es nur ein wenig Intelligenz bräuchte um zu erkennen, dass es die Sintflut gab und die Menschen parallel mit den Dinosauriern gelebt hätten, die Atheisten also mal schön die Klappe halten sollten.

Gut, das ist vielleicht ein besonders blödes Exemplar unserer Spezies gewesen, aber in oftmals auch wesentlich subtilerer Form kommt die Idiotie auf der weiten Wiese Internet oftmals wie ein Hase dahergehoppelt und kackt einem auf die Picknickdecke. Wir halten uns alle soweit für intelligent und wir haben alle unsere liebgewonnenen Meinungen und Vorstellungen. Und wir hassen es natürlich, Unrecht zu haben. Da schließe ich mich mit ein, wahrscheinlich würden mich all die Idioten auf diesem Planeten auch gar nicht stören, wenn ich bezüglich der Frage „Recht oder Unrecht?“ völlig emotionslos wäre.

Das Schlimme ist, dass sich die Diskussion ohnehin nicht lohnt. Man kann sich zum Beispiel einmal die hervorragende Fehlschlüsse-Reihe aus dem Ratioblog durchlesen. Und dann startet man irgendeine Diskussion. Am Besten funktioniert das natürlich bei einschlägigen Themen wie Religion, Alternativmedizin oder Verschwörungstheorien. Da kann man die Links auf die Fehlschlüsse gar nicht so schnell setzen, wie entsprechende Argumente vorgebracht werden…

Dass das Internet stellenweise ein Hort der Dummheit geworden ist, finde ich persönlich einfach deprimierend. Wir hatten nie bessere Möglichkeiten, unsere Überzeugungen und Theorien auf den Prüfstand zu stellen, in gar nicht allzu ferner Zukunft ist es vielleicht nicht einmal mehr abwegig, Blödheit als selbstverschuldet zu betrachten. Die meisten den Alltag betreffenden Dinge sind bestens erklärbar und bei schwammigen Gebieten hilft einem wenigstens noch Ockhams Rasiermesser, um die eigenen Ideen auf ihre Plausibilität zu überprüfen.

Warum schreibe ich das eigentlich? Ist es nicht eigentlich egal, was man glaubt oder welchen Fantasien man nachhängt?

Teilweise sicher. Auch ich zitiere gern den Mark Twain zugeschriebenen Satz, dass das Recht auf freie Meinung auch das Recht auf Dummheit einschließt. Nur kann, bzw. darf das nicht überall gelten. Die Probleme dieser Welt – und man kann sich sicher darauf einigen, dass es derer ein paar gibt – verlangen nach Lösungen. Diese Lösungen sollten realistisch sein. Wenn ich mit meinem Taxi von der Straße abkomme, dann hat der verdammte Konstrukteur hoffentlich nicht einer alten Weisheit vertraut, die besagt dass Stahl kein gutes Karma hat und mein Auto deswegen mit einem Rahmen aus Gänseblümchen gebaut. Ganz egal, ob er privat daran glauben mag. Vielleicht ist es noch nicht schlimm, dass aus den USA kaum Nachwuchs von archäologischem Fachpersonal kommt, weil dort weiterhin ein kreationistisches Weltbild vermittelt wird. Wenn allerdings die Umweltpolitik von Klimawandel-Leugnern betrieben wird und Homöopathen nach Afrika fliegen, um die Menschen dort davon zu überzeugen, dass Malaria und AIDS auch mit Zuckerkügelchen behandelbar sind, dann sind das in meinen Augen ernste Probleme, die leider viel zu selten thematisiert werden.

Ich schreibe diesen Text nicht, weil ich irgendeiner Ideologie folge oder irgendwer mich dazu zwingt. Alles was ich möchte, ist Denken! Eigenverantwortliches Denken der Menschen. Vom Hafenarbeiter bis zur Bundeskanzlerin! Und dass man, wenn man auf eine Lösung stößt, diese Lösung ebenfalls kritisch überprüft. Ich möchte ganz ehrlich auch daran glauben, dass die Amis nie auf dem Mond waren. Würde mir prima in mein politisches Weltbild passen, ist aber dummer Unfug. Ich würde mich verdammt nochmal freuen, wenn die Homöopathie wirken würde. Wäre ja quasi eine Revolution in der Medizin! Da bin ich doch nicht dagegen! Alleine: Ihre Wirksamkeit wurde zigfach widerlegt, ebenso die vermeintlich positiven Resultate. Und einen Gott könnte ich akzeptieren (gut, muss nicht so ein Stinkstiefel wie der christliche sein!), aber es gibt keinerlei haltbare Hinweise auf eine solche Existenz.

Ich könnte damit enden, auf die vielen vielen schlimmen Auswirkungen von Dummheit und Ignoranz hinzuweisen. Das macht sich gut und wirkt manchmal tatsächlich so, als hätte uns Skeptikern irgendwer diktiert, wie wir solche Texte zu schreiben hätten. Folglich versuche ich einmal mehr, meine Unabhängigkeit zu beweisen, indem ich einen eher unorthodoxen Schluss wähle:

Schaltet euer Gehirn ein! Mir zuliebe!
Es macht mich irre, euch dabei zuzusehen, wie ihr geistigen Dünnpfiff verbreitet und dabei damit prahlt, intelligenter zu sein. Ihr verletzt mich und Millionen Menschen intellektuell aufs Schärfste und wir werden geschüttelt von Fremdscham biblischen Ausmaßes! Habt ein bisschen Mitleid und versucht, dieser Welt mit etwas Logik zu begegnen! Nur ein bisschen, die Ergebnisse werden auch euch überraschen und sind ähnlich cool wie Alien-Raumschiffe und Chemtrails, versprochen!

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Mal was älteres

Ich bin ein bisschen verzweifelt, das Bloggen hier angeht. Mir will nichts vernünftiges einfallen. Gestern wollte ich schon einen Artikel schreiben über ein Kind, das an einem Geländer heruntergerutscht ist. Naja, ich bin gerade beim Durchstöbern von Facebook mal wieder auf was gestoßen, was mich früher total fanziniert hat – und was ich nach abermaliger Betrachtung immer noch immens geil finde. Und da das Internet ja auch ein bisschen zum teilen da ist, wollte ich mal den bekanntesten Teil aus dem alten Animusic-Video hier zeigen. Keine Ahnung, ob ihr das kennt oder vielleicht auch nicht so geil findet, mich fasziniert es immer noch:

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Unsichtbares schriftliches

Man kann es so einfach machen, wie nur irgendwie denkbar. Zum Beispiel erstellt man einen persönlichen Blog und bringt dort alles unter, was einem so einfällt. Was man der Welt eben mitteilen will. Bilder der Zimmerpflanzen, Politisches, Geschichten über die eigene Ehe, Rezensionen für Bücher – und nebenbei noch der ganze Mist, der einem täglich im Internet vor die Füße fällt. Abgesehen von einem Facebook-Profil gibt es wirklich nichts im Netz, was noch einfacher zu füllen wäre.

Manchmal klappt es dennoch nicht so ganz.

Jeden trifft irgendwann mal die Ideenlosigkeit. So auch mich in der letzten Woche. Das einzige, was ausnahmsweise im Überfluss herumliegt, sind Taxi-Geschichten. Und das, obwohl ich so selten arbeite wie noch nie zuvor, seit ich das Bloggen darüber angefangen habe. Ihr glaubt gar nicht, wie wenig erwähnenswertes in einem Haushalt oder einem Leben passieren kann!

Allerdings ist natürlich so ein Blog – insbesondere wenn es nicht der einzige ist – ein schlechtes Indiz dafür, was und wieviel jemand wie ich tatsächlich schreibt. Denn natürlich schreibe ich nach wie vor. Meist bei GNIT drüben, aber durchaus auch noch andere Dinge, die irgendwann mal in Büchern landen sollen.

Und an dieser Stelle muss ich einmal einen „Kollegen“ verlinken, der mich jetzt die letzte Hälfte der Woche nicht nur ein wenig Zeit gekostet, sondern um so mehr inspiriert hat: Maximilian Buddenbohm.

Seinen wunderschönen Blog Herzdamengeschichten lese ich bereits seit geraumer Zeit, Mitte der Woche nutzte ich ein Zeitfenster von 24 Stunden, um mir das – in der Chronologie der Geschichten – erste Buch mal eben schnell einzuverleiben: Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein: Eine Strandjugend

„Schnell einverleiben ist hier allerdings der falsche Begriff. Es liest sich eben schnell und gut. Ähnlich seinen Blogeinträgen gelingt es Buddenbohm in seinen kurzen Erzählungen einfach unglaublich gut, die Ereignisse zu beschreiben, die gemeinhin am Ende des Lebens die eigenen Erinnerungen ausmachen. Und wie wir alle wissen, misst sich deren Wert nicht zwingend an der Wichtigkeit des Inhaltes. Der erste Kuss mit der großen Liebe landet eben manchmal fast gleichrangig im Gedächtnis mit der undefinierbar guten Stimmung an einem gemütlichen Abend, den man mit ein paar langjährigen Freunden verbrachte und dabei ein neues Spiel erfunden hat.

Wie man als lediglich passiver Leser solche Geschichten aufnimmt, weiß ich gar nicht mehr. Mich sprang beim Lesen von Buddenbohms Buch in jeder Geschichte mindestens zweimal intensivst mein eigenes Leben in Form eigener – natürlich völlig anderer – Anekdoten an, weil ich diese Form des Erzählens bis dato so schön noch nie zwischen zwei Buchdeckel gepresst gesehen habe. Erkenntnisse, Vergleiche, Mitgefühl, Freude, Trauer, Schreiblust und Inspiration: Ich habe selbst Ozie kaum im Kern begreiflich machen können, was mich bei der Lektüre alles überrollt hat.

Wer abseits der großen Heldengeschichten gerne im Leben von ganz normalen Menschen stöbert, sollte bei Maximilian Buddenbohm seine Freude haben, im Blog wie in den Büchern.

Glaubt mir, das ist ein mehr als genügender Ausgleich, bis ich hier mal wieder einen roten Faden finde.

Indirekt habt ihr auch als Leser meiner Texte schon dem einen Buch Buddenbohms viel zu verdanken – dieses Versprechen sei hier gemacht. Ich kann es kaum erwarten, die anderen zu lesen.

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Leistungsschutzrecht, na klar…

Das Netz schläft nicht, und so gelangt so manche Information nach langen anstrengenden Wochenenden wie jetzt auch mal Nachts bei mir. So das von der Koalition angekündigte Leistungsschutzrecht. Ich empfehle als zwar kritische, dennoch sachlich fundiertere Quellen zu diesem Thema die aktuellen Artikel bei netzpolitik.org und bei Stefan Niggemeier. Gerade in letzterem ist eigentlich alles gesagt worden, was es (derzeit, so lange noch keine Details klar sind) zu sagen gibt.

Aber im Wissen, dass dieser Blog nicht der Links alleine wegen gelesen wird, sondern auch meiner gelegentlich spitzen Feder wegen:

Wer hat den Internetausdruckern eigentlich damals erlaubt, von den Schreibmaschinen runterzukommen?

Ich würde gerne mit eigenen Ideen glänzen, aber ich möchte das selbe Zitat aus dem Beschluss des Ausschusses verwenden wie Herr Niggemeier:

Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren, sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet ein Entgelt an die Verlage zahlen.

Und ja, man sollte sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Ein Mensch, der nur den Hauch einer Ahnung hat, wie das Internet funktioniert, muss diesen Vorschlag grotesk finden. Auch wenn ich mir bei meinem bescheidenen Verdienst die schlechten Bedingungen im (Online)Journalismus bildhaft vorstellen kann, fehlt mir mindestens eine wöchentliche Lobotomie, um mit derartigen Vorschlägen geistig Schritt zu halten.

Die gewaltige Datenflut im Netz ist ja von normalen Menschen nicht zu bewältigen. Kein Wunder also, dass wir unnormalen immer ganz vorne mit dabei sind 😉
Tatsache ist: Will ich im Netz Informationen bekommen, muss ich mich entweder im Auswendiglernen der 500 Millionen besten Websites üben oder wie der Rest der digitalen Horden (Ansgar Heveling, CDU) Suchmaschinen, News-Aggregatoren, Feedreader etc. verwenden.

Es ist wahr, dass rein technisch über diese Seiten auch die quasi fremden Inhalte von Zeitungen und anderen Presseerzeugnissen weiterverbreitet werden. Fakt ist aber auch, dass schon vor der Existenz von Google jeder einzelne Admin von Internetseiten versucht hat, möglichst von vielen Leuten über Suchmaschinen gefunden zu werden. Gerade für Seiten, die irgendwie refinanziert werden müssen, ist das Publikum, das über Suchmaschinen kommt, unabdingbar – und nicht einmal himmelschreiende Blödheit (siehe bild.de) ist ein so guter Garant für Minusgeschäfte wie ein Nicht-Auftauchen in irgendwelchen Suchergebnissen.

Gewiss: Viele Leser nehmen die Seite so nur über einen Reader wahr, bringen vielleicht keine Klicks auf Werbebannern. Die Alternative im Netz ist schlicht – und das scheint tatsächlich niemand außer den armen Kerlen in den entsprechenden Technikabteilungen geblickt zu haben – all diese Besucher gar nicht zu haben. Also erreicht man so direkt viel weniger Leute, man wird weniger verlinkt und sorgt zu guter Letzt bei all den Feedreader-Lesern dafür, dass sie das eigene Angebot nie kennenlernen und folglich auch nie auf die Werbung klicken.

Wenn es den Verlagen darum gehen würde, dass Google ihnen die Inhalte klaut, dann würden sie sich eine robots.txt auf die Seite packen, die zwei einzelne Textzeilen enthält:

User agent: *
Disallow: /

Bei Bedarf erstelle ich diese Datei für die gesamte deutsche Presselandschaft für niedrige 4-stellige Beträge pro Seite mit dem Versprechen, dass sie ihren Ärger mit den Suchmaschinen – zumindest den großen, die so verdammt viel „klauen“ – damit endgültig los sind.

Leider vermute ich, dass die meisten das durchaus könnten (z.B. indem sie googeln und copy & paste verwenden). In Wahrheit geht es aber natürlich nicht um Urheberrechte oder die Gemeinheit von Suchmaschinen. Quatsch! Sie brauchen die Suchmaschinen, um überhaupt Geld zu verdienen. Die Verlage ärgert lediglich, dass die Suchmaschinen an der Geschichte noch mehr verdienen. Und das ist nichts weiter als Neid und der Versuch, sich einzureden, sie wären unersetzbar. Ein trauriger Trugschluss.

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2012 – Das Ende ist nah!

Und damit meine ich vor allem das Ende jeglicher Vernunft. Auch wenn die Vorboten des angeblichen Weltuntergangs sich derzeit hauptsächlich darauf beschränken, dass Axe ein Deo damit vermarktet (riecht man dann wie eine jahrtausendalte Kultur und ist das nicht eher ein wenig… muffig?), sehe ich ein bisschen bang auf den weiteren Verlauf des Jahres. Aber wie gesagt: Nicht, weil ich glaube, dass die Welt am 21. Dezember untergeht. Sondern weil ich mir wahrscheinlich bis zu besagtem Termin eine Menge geistigen Dünnpfiff in sämtlichen Medien reinziehen muss, der versucht, das Ende der Welt zu verkünden, oder schlimmer noch: es zu erklären.

Dabei ist die Sache selbstverständlich wie bei den letzten grob geschätzten 20 vorhergesagten Weltuntergängen während meiner Verweildauer auf diesem Planeten eindeutig:

Nichts spricht dafür, dass die Welt untergeht. Nichts!

Ich hoffe zwar stark, dass sich unter meinen Lesern keine Hohlbirnen und Dünnbrettbohrer befinden, aber vorsorglich (schon alleine, damit ich später wieder drauf verlinken kann) möchte ich doch frühzeitig klarstellen, dass alle Geschichten um einen Weltuntergang völlig inhaltsleeres Geschwafel von Idioten sind. Das zeigt sich auch ganz gut daran, dass sich scheinbar unter den Verschwörungstheoretikern, Esoterikern und Vorgarten-Gurus ein Wettbewerb entwickelt hat, wer das Ende der Welt am 21.12.2012 bekloppter herbeifaselt:

Der Ausbruch des Yellowstone-Supervulkans erfreut sich schon des 2012-Filmes wegen großer Begeisterung, der zweitliebste Kandidat für den Untergang ist der geheimnisvolle Planet X oder Nibiru. Aber schon bei diesem Planeten ist unklar, was er mit uns anstellen wird: Mal knallt er auf die Erde, mal bringt er bloß die Umlaufbahn durcheinander und mal zieht er gleich noch ein paar Außerirdische hinter sich her, die dann die Menschen versklaven, erlösen oder vielleicht auch auf ihnen reiten – was weiß ich!
Aber das ist natürlich nicht alles. Anderen Spinnern scheint es realistischer, dass unsere niedliche Galaxis, durch die wir seit rund 5 Milliarden Jahren eiern, plötzlich geheimisvolle Strahlen aussendet, die uns – was auch sonst – umgehend terminieren. Wem das zu abgespaced ist, der kann sich auch an die Theorie hängen, dass eine besonders lineare Planetenkonstellation Unheil bringt oder wir beim „Durchqueren der Ebene der Milchstraße“ irgendwie Schaden nehmen. Desweiteren droht die Sonne mit einem Maximum an Aktivität und das Magnetfeld der Erde wird sich spontan umpolen. Aufhören, sich zu drehen wird die Erde natürlich auch. Und all das lässt sich natürlich völlig logisch begründen: Der Kalender der Maya hört auf.

Mal ganz im Ernst: Da finde ich stichhaltigere Begründungen, um am 21.12.2012 morgens nackt mit einem Eisklotz an einer Goldkette über die Schulter gehängt auf dem Dach des Empire-State-Buildings Cornflakes zu essen und dabei Jesus zu zitieren!

Und ebenso wie ich es ausschließe, das zu tun, kann man auch den Weltuntergang an diesem Tag ausschließen.

Zunächst einmal ist ein Kalenderende nichts schlimmes. Wir hatten das das letzte Mal vor 2 Monaten. Oder vor 12 Jahren – völlig egal. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich die Maya mehr beim Schreiben ihrer Kalender gedacht haben als wir heute. Würde es sie noch geben, gäbe es sicher auch einen Kalender für den nächsten Zyklus. Wenn unsere Kultur jetzt plötzlich erlischt, gäbe es auch wenig Sinn, einen Weltuntergang am 31.12.9999 vorherzusagen, weil man leider keine schriftlichen Aufzeichnungen für eine Zeit danach gefunden hat, oder?

Und ähnlich lächerlich wie die Grundthese sind auch alle daraus abgeleiteten oder daran angelehnten oben erwähnten (und wirklich geglaubten!) Geschehnisse:

Der Yellowstone-Vulkan ist gefährlich und wird irgendwann Ärger machen. Die aktuellen Messungen zeigen aber eher einen Rückgang der Aktivität.

Planet X / Nibiru müsste (egal bei welcher Theorie, egal ob mit oder ohne Aliens) bereits jetzt am Himmel sichtbar sein. Und nach oben zu sehen kann uns auch die NASA nicht verbieten. Und falls man den Profis unter den Astronomen doch vertraut: Die hätten schon seit Ewigkeiten Bahnänderungen der anderen Planeten bemerken müssen. Dass sich ein Planet hinter der Sonne versteckt oder nur vom Südpol aus zu sehen ist, ist allenfalls in der Fantasie von Leuten möglich, die mit Panikmache Bücher verkaufen wollen und zeugt von einem astronomischen Weltbild, gegen das das der Kirche schon vor 1000 Jahren modern erschienen wäre.

Es wird keine sonderlich außergewöhnliche Planetenkonstellation im kompletten Jahr 2012 geben, und selbst wenn, dann ist das so harmlos wie der Ausfall des Zigarettenanzünders in meinem Taxi, weil die gravitativen Auswirkungen lächerlich gering sind, eine andere Wechselwirkung nicht existiert und die Planeten sowas außerdem ständig tun. Diese Schlingel!

Synchronisationsstrahlen gibt es schlicht nicht und alle anderen plötzlich auftretenden Ereignisse im All lassen sich schlecht vorhersagen. Schon gar nicht von einer Kultur, die es nicht einmal geschafft hat, bis heute bestehen zu bleiben und daher meines Erachtens nach ein bisschen die Glaubwürdigkeit bezüglich hilfreicher Vorhersagen eingebüßt hat.

Die Ebene der Milchstraße durchquert die Erde alle 30 bis 45 Millionen Jahre. Da das letzte Mal erst 1,5 Millionen Jahre her ist, stellt sich sowohl die Frage, warum das Leben hier noch existiert als auch warum es bis zum 21. Dezember noch mehrere Millionen Jahre dauert. Aber dazu braucht man wohl eine Ausbildung als Glaskugel.

Ein Maximum an Sonnenaktivität gibt es rund alle 11 Jahre und nach der Logik müsste ich zumindest schon zweimal in meinem Leben einen Weltuntergang erlebt haben. Abgesehen davon wird das Maximum dieses Mal 2013 erst sein und aller wissenschaftlichen Voraussicht nach sogar unter dem Durchschnitt der letzten Maxima liegen. Boah, voll tragisch also das Ganze!

Den Polsprung hingegen gibt es mehr oder minder wirklich, allerdings ist der leider ungefährlich und dauert außerdem ein paar tausend Jahre an. Daraus einen Weltuntergang für einen bestimmten Tag zu machen, ist genau so stichhaltig wie der ganze oben genannte Rest:

Es ist Quatsch, Müll, dummes Zeug, das auf bewussten Lügen, Dummheit oder gefährlichem Halbwissen beruht!

Mit den tatsächlichen Anhängern erübrigen sich allerdings stichhaltige Diskussionen meist, sodass ich in dem Fall einfach darum bitte, mich vor dem Suizid im Testament zu erwähnen. Oder schickt das Geld mit der Post, ist ja eh egal, nicht wahr?

Für Interessierte: Die wahrscheinlich umfangreichste wissenschaftliche Faktensammlung zum Mumpitz ums Weltende 2012 hat der Astronom Florian Freistetter in seinem Blog Astrodicticum simplex angehäuft und gleich noch ein eBook (2012 – Keine Panik) daraus gemacht.

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