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Wie das so ist mit dem eBook

Ich bin in den letzten Wochen hier nicht so recht zum Schreiben gekommen. Das hat zwar viel mehr mit der Arbeit im Taxi zu tun als mit dem eBook, aber zum Taxifahren schreibe ich ja schon einen eigenen Blog … 😉

Wie ist es also, jetzt seit ein paar Wochen ein eigenes Buch draußen zu haben?

Gleich vorweg: Geil!

Es ist ein schönes Gefühl, ein Buch veröffentlicht zu haben und ich verwehre mich auch dagegen, das nicht ernst zu nehmen, weil es „nur“ ein selbst verlegtes eBook ist. Ich mag Papierbücher auch sehr, hab noch nicht mal selbst einen eBook-Reader – aber mein „Papa, ich geh zum Zirkus!“ ist genau da wo es ist, richtig! Ein Buch mit rund 100 Seiten zu drucken lohnt nicht und kein Verlag hätte auch nur annähernd einen vernünftigen Preis für das Buch realisieren können. Und das natürlich, weil ich große Teile der eigentlichen Arbeit eines Verlags mit Ozie zusammen selbst übernommen habe – das ist mir schon klar und wirklich kein blödes Rumgehacke auf Verlagen. So sehr sie es sonst wegen LSR und co. aktuell verdient hätten.

Wie fühlt man sich so als Autor?

Nicht anders als vorher, aber das liegt bei mir auch daran, dass ich das mit dem Schreiben nun schon lange mehr oder weniger bewusst als Arbeit sehe. Sehr schöne Arbeit, aber Arbeit. So gesehen war das mit dem Buch kein in dem Sinne großer Sprung, es war halt ein aufwändigerer Text, das Schreiben selbst lief neben meinen Blogs einfach als fortlaufendes Projekt. Das ist im Übrigen mit dem nachfolgenden Buch nicht anders – ich habe natürlich längst damit angefangen, genau genommen schon vor der Veröffentlichung des ersten.

Lohnt sich der Spaß?

Ich kann da bislang ganz klar sagen: Nein, finanziell (noch) nicht. Ich werde für den Februar zwar in zwei Monaten rund 400 € Tantiemen von Amazon bekommen und das ist eine schöne Stange Geld. Aber natürlich ist jetzt der große Boom erst einmal vorbei, die interessierten Blogleser haben zugeschlagen, nun folgen eher noch vereinzelte Käufe, hoffentlich auch langfristig. Meine Hoffnung ist, dass es immer mal wieder (wenn mein Blog prominent verlinkt wird, wenn ich das zweite Buch veröffentliche usw.) ein paar Exemplare mehr werden, so dass es sich irgendwann einmal tatsächlich gelohnt haben wird. Als groben Wert für diesen Punkt hab ich 1000 verkaufte Exemplare im Kopf, das könnte aber durchaus noch Jahre dauern.

Was ist dann so toll daran?

Das Schöne ist, mal was anderes gemacht zu haben. Sagen zu können:

„Ja, ich hab ein Buch geschrieben!“

Blogs und Bücher sind wirklich zwei Welten und es ist einfach ein Unterschied, ob man zehn nette Kommentare unter einem Artikel stehen hat oder ob 10 Leute eine Amazon-Rezension schreiben. Darüber hinaus werden Bücher auch ernster genommen – aus Gründen. Und das sage ich als überzeugter Blogger keineswegs, um auf Blogs rumzuhacken. Auch wenn ich z.B. keinen Verlag finden musste, so steckt in dem Buch doch weit mehr Arbeit, als man es rein vom Umfang erahnen kann. Pi mal Daumen ein kompletter Arbeitsmonat von Ozie und mir, dazu noch ein sehr gewissenhaftes Lektorat – was uns glücklicherweise innerhalb der Familie zu finden vergönnt war. Gerade bei unterhaltsamen Texten, deren Hauptaufgabe nicht unbedingt in der Recherche liegt, ist es wohl doch eher so, dass eine ewig redigierte und kontrollierte Arbeit wie ein Buch erst zeigt, was alles möglich ist. Auch – da liegt einer der größten Clous drin – wenn ihn mehrere Leute in den Fingern hatten. Blogeinträge sind auf der anderen Seite perfekt, weil sie schneller, persönlicher, direkter sein können. Vergleiche erübrigen sich, aber es erklärt vielleicht ganz gut, weswegen ein Buch auch für mich als Autor ewig ein ganz anderer Anreiz ist als Bloggen.

Was lernt man daraus?

Zum einen, dass es mühselig ist mit dem Schreiben. Muss man nicht überraschend finden, ist es aber durchaus – gerade, wenn man wie ich sowieso täglich schreibt und auch der Meinung ist, das mache man gar nicht schlecht. Die Überarbeitung von Texten ist viel stressiger als das Schreiben selbst, dafür haut es einen dann auch echt aus den Socken, wenn in einer Rezension geschrieben wird, dass das Buch die Blogs noch einmal um Längen übertrifft. Man verliert als Schreiber selbst – gerade, wenn man sich lange mit einem einzelnen Text befasst – schnell den Überblick, ob diese oder jene Verbesserung jetzt auch wirklich ankommt, ob das überhaupt noch jemand merkt. Aber ja, ich hab keine kaplanesken Bewertungen gekriegt, sondern verdammt gute:

Rezension bei Opa Hans

Rezension bei Jo

Rezension bei Jörn Schaar

Rezension bei Dr. Bahnfahrer

Von den vielen lieben Worten bei Amazon direkt mal ganz zu schweigen …

Im Übrigen ist mir nicht entgangen, dass einstimmiger Tenor war, das Buch wäre zu kurz. Ich lese in gewissem Maße zwar durchaus auch raus, dass das ein positives qualitatives Feedback war (gute Bücher sind ja immer zu kurz!), aber mir ist ja auch bekannt, dass knapp 100 Seiten nur ein Anfang sind. Das nächste wird länger – so viel kann ich wohl versprechen. 🙂

Wobei ich durchaus auch noch etwas kürzere Sachen in Zukunft plane …

Fazit?

Ich würde sagen: Jeder, der gern schreibt, sollte es mal versuchen. Aber richtig. Nicht einfach den Blog nachträglich als Buch binden lassen. Das kann auch toll sein – und ist bei entsprechendem Talent auch sicher gut und recht einfach verdientes Geld. Ich bin mir sicher, dass ein „Best of GNIT“ wirtschaftlich auf Dauer ein größerer Erfolg wäre, aber der Reiz lag zumindest für mich in was neuem und diese Erfahrung ist echt das Beste. Nur auf’s Geld zu schielen rate ich wie beim Bloggen niemandem. Da wird man sonst enttäuscht.

Aber genau das – enttäuscht – bin ich derzeit nicht. Nein, ganz und gar nicht. Denn ich hab ein verdammtes Buch geschrieben! 🙂

Und ich freue mich nach wie vor über jeden einzelnen Verkauf von Papa, ich geh zum Zirkus!, is ja klar …

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Äh … wow?

Ich wollte auf jeden Fall schon einmal ein dickes Danke an all die aussprechen, die sich mein eBook gekauft haben. Das ist Wahnsinn und wird einzig dadurch getoppt, dass ich bislang keine einzige negative Rückmeldung erhalten habe. Im Gegensatz zu positiven …

Ich habe keine Ahnung, was da draußen so für Gerüchte kursieren, aber Bücher verticken ist nicht ohne Grund etwas, das man nicht sofort mit großer Fanbase und lukrativem Einkommen verbindet. Ich hätte beispielsweise folgenden – auch für mich noch völlig beeindruckenden – Screenshot zu bieten, der gestern Abend aufgenommen wurde:

Holy Shit! Milliardär oder was? Quelle: amazon.de

Rang 80 unter allen Amazon-eBooks, die nicht umsonst sind. Rang 80! Rang 12 unter humorvollen Büchern! Das ist toll und natürlich auch jenseits der nackten Zahlen einfach geil. Nichtsdestotrotz hatte ich zu diesem Zeit – Trommelwirbel! – „erst“ ungefähr 80 Bücher verkauft. Also ruhig Blut, ich bin jetzt nicht mit einem Schlag abgehobener Bestseller-Autor, sondern bleibe euch als Blogger erhalten! 😉

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eBooks und so …

Nicht mehr lange, dann hab ich mein erstes eBook veröffentlicht. Ui. Wie immer, wenn man was neues macht, macht man sich Gedanken darüber. Also ich zumindest. Ich finde mein Buch toll, es ist genau so geworden, wie ich es haben wollte – auf der anderen Seite bleibt ein bisschen Unsicherheit, ob es auch die Erwartungen der Leser erfüllt, ob es gefällt. Wahrscheinlich mache ich mir zu viele Gedanken, die ersten Käufer werden Blogleser sein und die kennen meinen Schreibstil.

Aber ich hab mich umgesehen, mal andere im Eigenverlag erschienene eBooks zumindest angelesen, verglichen, nachgedacht, etc. pp.

Natürlich nicht, ohne auf Kurioses zu stoßen. Gestern bin ich bei den „Büchern“ von Simone Kaplan gelandet und das gibt mir, auch wenn ich mich eigentlich nie am Elend anderer aufgeile und es hier zudem pathologische Ursachen haben könnte, irgendwie gewissen Auftrieb, gute Laune, was weiß ich. Vor allem aber muss ich das als Netzfundstück teilen, es ist diese Geschichte mit Autounfällen und Katzenvideos: man kommt daran nicht vorbei.

Ich jedenfalls hab jede einzelne Kundenrezension mit Tränen in den Augen gelesen, die Anfänge der Bücher erst recht. Wie mein Buch dereinst bewertet wird, weiß ich nicht – wie es niemals werden wird, weiß ich allerdings sicher.

Man braucht Kraft, um diesem Link zu folgen, für mich war es aber die beste Unterhaltung des noch jungen Jahres bisher. Ich heiße euch willkommen im Gruselkabinett sich selbst überschätzender Autoren und verlinke die Rezensionen zum neuesten Buch „Horrortrip“ – die auch für mich der Beginn eines solchen waren. Und bitte bitte, lasst mich wissen, wie es euch dort erging …

*japswimmeraufdembodenkugel*

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Es geht voran …

Das Cover fürs eBook ist fertig!

Wow.

Das ist (leider) nicht alles, was noch ansteht – aber es sind schon einige Kämpfe gefochten, die vor diesem Wochenende noch ferne Zukunft zu sein schienen. Es ist aller Voraussicht nach eine Sache von Tagen, bis das Buch draußen ist. Das Cover kann ich euch – hier ganz privat unter uns – ja schon einmal zeigen. Ich selbst hab bei der Erstellung eigentlich nie direkt am PC gesessen, ich hatte da eher so eine Art beraterische Tätigkeit inne. Ozie hingegen hat jetzt eckige Augen vom Popcorn-Freistellen …

Also seid wenigstens lieb, wenn ihr Kritik anzubringen habt 😉

OK, machen wir’s kurz:

Mein eBook – sieht fast aus wie ein echtes! Quelle: Ozie/Sash

Hach.

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Backflash

Es gibt so Momente in meinem Leben, in denen ich irgendetwas in der Presse lese, im Radio höre, in Filmen sehe, das mir bekannt vorkommt – und das dann ein flaues Gefühl im Magen hinterlässt, weil es mich erinnert an eigene Erlebnisse. Ein gutes Beispiel war der 11. September 2001. Als mein Vater mit den unvergessenen Worten „In Amerika isch Halligalli, ein Anschlag jagt den nächsten!“ in mein Zimmer kam und ich anschließend den Fernseher anschaltete, stockte mir der Atem. Katastrophenmeldungen hatte ich schon zur Genüge gesehen, aber beim Anblick der brennenden Twin-Tower dachte ich zunächst an die Aussage unseres Reiseführers Glenn ein Jahr zuvor, dass in den Gebäuden 50.000 Menschen arbeiten; danach daran, wie ich zwischen Nord- und Südturm stand und dachte, dass ich nicht hier sein möchte, wenn die Dinger mal einstürzen. Freilich ohne den Hauch einer Ahnung, dass das zu meinen Lebzeiten passieren könnte.

Nun, Ereignisse wie den 11. September gibt es glücklicherweise zumindest nicht monatlich. Das war ein eigentlich unglücklicher Vergleich zur Einleitung des Textes, da sich selbstverständlich eine Gleichsetzung verbietet. Aber das selbe Gefühl wie damals streifte mich nun, da ich las, dass die Wohnungen einiger Pressefotografen wegen einer Demonstration durchsucht worden sind, auf der sie – eventuell – auch Bilder gemacht haben könnten, die gewalttätige Leute zu identifizieren helfen könnten. Die Problematik daran ist natürlich politischer Natur. Es geht um Verhältnismäßigkeiten, Pressefreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung. Um Schlagworte, wenn man ehrlich ist. Wenn auch Schlagworte mit Verfassungsrang.

Das zugegebenermaßen sind nicht meine Gedanken, zumindest nicht vorrangig. Ich empfinde eher eine Art diffuses Mitgefühl, schließlich habe ich mehr oder minder haargenau das auch schon hinter mir. Am 20. oder 21. Oktober 2006 war eine große Demo in Stuttgart, ich war dabei und habe fotografiert. Nicht offiziell, allenfalls für die eigene Website. An diesem Tag sind zwei oder drei eher halblebige Brandsätze an der Fassade der Commerzbank gelandet, sicher kein Kavaliersdelikt, am Ende jedoch mit dem Ergebnis eines angekokelten Fensterrahmens. Die Polizei wurde auf meine Kamera aufmerksam gemacht und ich hatte kein gesteigertes Interessa daran, sie ihnen auszuhändigen. Und hab außerdem klargemacht, dass ich zum fraglichen Zeitpunkt allenfalls in der Nähe war und keine relevanten Aufnahmen gemacht hätte. Der gar nicht einmal unfreundliche Cop nahm das zur Kenntnis, forderte aber meine Papiere ein und damit war es für diesen Tag gut. Das hätte eine Randnotiz bleiben können, allerdings kamen sie bei der Aufklärung nicht so recht voran, so dass – als es nun wirklich niemand mehr erwartet hatte – am 27. Oktober die Durchsuchung erfolgte. Die unterbleibende abermalige Nachfrage bei mir nach dem Bildmaterial wurde dem Richter gegenüber als untauglich dargestellt, da mich das ja hätte alarmieren und zur Vernichtung der Bilder inspirieren können. Eine Idee, die mir in den 6 Tagen natürlich nie einfach so hätte kommen können …

Als ich den sturmklingelnden Beamten an jenem Tag um 6.25 Uhr die Tür öffnete, war die Kamera mitsamt lauter verwackelten Bildern fernab des Tatgeschehens nicht einmal in Stuttgart und kurz davor, eine Freundin auf ihrer Reise nach Mexiko zu begleiten. Das änderte freilich nichts.

Gegen das, was ich allenthalben gehört hatte, war die Durchsuchung Kinderfasching. Ich war (wie die Fotografen jetzt auch) nur als Zeuge Ziel der Aktion. Wahrscheinlich war das für die Polizei ein Grund, sich aufs Wühlen zu beschränken und keine ungeahndete Sachbeschädigung zu begehen, für die sich natürlich im Nachhinein jede Menge Gründe finden lassen. So gesehen war das damals eine skurrile Aktion, bei der der Chef des Stuttgarter Staatsschutzes mich persönlich ungeachtet seiner Befugnisse nett fragte, ob er hier und da in irgendwelche Kartons schauen dürfe, die ich damals auch entsprechend humorvoll und mit dem Verweis auf allerlei Verfehlungen verbloggt habe.

Aber auch wenn es so harmlos war, auch wenn es keine rechtlichen Folgen hatte: was bei all dem Gerede über Hausdurchsuchungen oft auf der Strecke bleibt, ist das Eindringen in die Privatsphäre und das Ohnmachtsgefühl, das zurück bleibt.

Ich hab damals, 5 Minuten bevor mein Wecker geklingelt hätte, nur mit Boxershorts bekleidet die Tür geöffnet. Über die Treppe verteilt standen Polizisten, teils in Zivil, teils uniformiert, teils gepanzert in voller Montur, die Hand griffbereit an den Schlagstöcken. Während mir der Gerichtsbeschluss unter die Nase gehalten wurde und ich mich ein wenig nackt fühlte, wurde mir ein Typ mit Hornbrille vor die Nase gesetzt, den sie gleich mal als „unabhängigen Zeugen“ mitgebracht hatten. Ich bat darum, wenigstens meiner Freundin sagen zu können, sie solle sich was anziehen, da stand trotz Zustimmung gleich ein Beamter mit im Türrahmen und jubilierte:

„Ach, Sie haben ja schon ein T-Shirt an!“

Na dann.

Mein Zimmer war damals wie heute nicht wirklich angefüllt mit hochgeheimen Sachen, aber wie in jeder Wohnung gab es Dinge, die man ja ungern in einem Bericht über sich stehen haben wollte. Zwei gepanzerte Bullen hielten Wache im Flur auf einem Berg Handtücher, die das Wasser aufgesogen hatten, nachdem unsere Waschmaschine am Abend zuvor ausgelaufen war. Der größte Teil vergnügte sich derweil in der Küche und redete abfällig darüber, dass vom Vorabend noch Fischstäbchen übrig waren. Und ich selbst stand in Unterwäsche dazwischen und fragte mich, was diesen Arschlöchern eigentlich einfällt, sich über meinen Lebensstil ein Urteil zu bilden, nur weil sie gerne Fotos hätten, die nicht einmal existierten.

Natürlich wurde es bald mehr oder weniger hektisch in der WG und ich bin meinen Mitbewohnern bis heute dankbar, dass sie die ganze Aktion mit stoischer Gelassenheit hingenommen und hier und da mal einen Cop verscheucht haben, wenn sie zur Kaffeemaschine wollten.

Ein besonders weises Exemplar Polizist, von den Kollegen H.-P. genannt, setzte sich an meinen heiligen Computer und fing an, ihn nach Bildern zu durchsuchen. Ausgerechnet meine Homepage vermieste ihm das, weil diese einen virtuellen WG-Rundgang mit zerschnippelten Bildern enthielt und mal schnell dafür sorgte, dass sich über 50.000 Bilder auf meinem Rechner befanden. Nichtsdestotrotz lässt sich die Erniedrigung kaum in Worte fassen, die es bedeutet, wenn ein fünfzigjähriger dickbäuchiger Möchtegern-Profiler auf den eigenen Pornoordner stößt und dabei ganz süffisant möglichst laut durch die Wohnung flötet:

„Ha mei, Sie hen‘ da ja naggiche Bilder druff!“

Und ich war schon froh, eine Beziehung zu führen, in der das nicht das nicht das Aus bedeutete. Die gespielte Entrüstung, die nicht so recht fruchten wollte, wurde umgehend durch grenzdebile Häme ersetzt, bei der sich das vorhandene Personal darüber ausließ, dass man das ja „bei jedem“ finden würde, „au bei de radikale Islamischde“.

„Woisch no, der neulich? Zigdausende, ond elle ’sen ’se blond g’wä!“

Bei mir dauerte das Irrlichtern durch Fotos von privaten Parties, Freunden und Unterwäsche nur eine halbe Stunde. Ich kam fast noch pünktlich zur Arbeit und erhielt am Ende außerdem ein gekünsteltes Grinsen mit der Aussage, sie hätten „ja immerhin nix kaputt gemacht.“

Ach?

Nein, so einfach ist das nicht! Das macht was kaputt! Und zwar ziemlich dauerhaft. Das Vertrauen in den Rechtsstaat, den Wert der Unschuldsvermutung, das Sicherheitsempfinden in der eigenen Wohnung, die Meinung von der Polizei.

Ich bin mir sicher: in den meisten Fällen bleibt es nicht bei einem verächtlichen Spruch wegen eines „naggichen“ Bildchens oder einem Lachen über Fischstäbchen. Aber schon das reicht aus. Hausdurchsuchungen sind nicht ohne Grund eigentlich ein Mittel, das nur in besonderen Fällen eingesetzt werden sollte, das Recht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung ist nicht ohne Grund verfassungsrechtlich garantiert. Eine Hausdurchsuchung ist – zumal wenn so harmlos wie bei mir – natürlich nichts, über das man nicht hinwegkommen kann. Dennoch: hat man es einmal hinter sich, überliest man so manche Pressemeldung nicht mehr so einfach.

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Herausraabend

OK, jetzt wird’s peinlich und persönlich: ich hab gestern „Schlag den Raab“ gesehen. Pah, gestern! Ich war noch heute früh dabei, als dann letztlich die Entscheidung für Stefan fiel.

Da ich ja wirklich nur sehr sehr wenig überhaupt fernsehe und mich stattdessen lieber im Internet herumtreibe, ist mir natürlich nicht entgangen, dass die Sendung und insbesondere Stefan Raab auch immer wieder mal angegangen werden. Das ist klar, und spätestens bei der Frage, ob Raab sympathisch ist, muss man ohnehin polarisieren. Kann ja auch nicht jedem jede Fresse gefallen, das ist klar und auch gut so.

Aber wenn man mich fragt, dann ist „Schlag den Raab“ gerade unangefochten die Nummer eins unter den Abendunterhaltungsshows. Natürlich ist das alles durch Werbung erkauft, profitorientiert und im Grunde natürlich einzuteilen in die Kategorie „Brot und Spiele fürs Volk“. Nur, und das ist mein persönlicher Ansatz: das ist Fernsehen doch ohnehin! Ein One-Way-Kommunikationskanal, an dem sich immer noch Gott und die Welt dumm und dämlich verdienen. Eine erschreckend einfallslose Welt mit erschreckend einfallslosen Formaten, die erschreckend einfallslose Leute tagelang beschäftigt. Im Grunde stimme ich also allen Kritikern zu, nur würde ich weniger Raab und seine Sendungen, als viel mehr das Medium und seine Strukturen an sich dafür verantwortlich machen.

Gegen „das Internet“ stinkt Raab zweifelsohne ab. Google trackt mich gut genug, um mir auch auf Youtube sechs Stunden Unterhaltung anzubieten, die wesentlich weniger Werbung, Leerlaufzeiten und blödsinnige Kommentare zu bieten hat. Fürs Fernsehen aber – und das ist, auch wenn wir es gerne im Netz vergessen, immer noch ein wichtiges Medium in Deutschland – ist Raab derzeit wohl das Maß der Dinge.

Dank Unterbrechungen und Geschwurbel zieht sich zwar auch „Schlag den Raab“ in die Länge, langweiliger als „Wetten, dass …?“ und Konsorten ist die Sendung aber nie gewesen. Selbst wenn man Raab nicht als Superstar oder Sympathieträger sieht, hat man für die Show doch einen offenbar würdigen Gegner für die Kandidaten gefunden und die Spiele, die dort alle paar Monate ausgetragen werden, lassen weder an Einfallsreichtum, noch an der Umsetzung arg viel zu wünschen übrig.

Ich muss gestehen, dass ich Stefan Raab irgendwie mag. Vielleicht nicht menschlich – ich kenne ihn schließlich nicht persönlich – aber ich habe wirklich Respekt vor ihm. Ich mag seine musikalischen Ergüsse nicht unbedingt, dennoch ist er da offenbar genauso in der Lage, die Menschen zu begeistern, wie mit seinen Sendeformaten. Auch wenn man vielleicht die Masse der Menschen für blöd halten mag, man könnte Raab immerhin zu Gute halten, dass er das einzubeziehen weiß. Und nach wie vor würde ich sagen, dass „Schlag den Raab“ immer noch mehr Wissen vermittelt als „Wetten, dass …?“

Was natürlich nichts aussagt.

Es ist Unterhaltung, Fernsehunterhaltung. Der kann man kritisch gegenüberstehen und das zu Recht!

Aber wenn man davon ausgeht, dass Fernsehunterhaltung eine Daseinsberechtigung hat, dann sollte man es doch wenigstens machen wie der Raab.

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Pädagogisch wertvoll

Zweifelsohne hatte ich in den letzten Tagen und Wochen viel Spaß. Zunächst mit Weihnachten, dann mit der besoffenen Kundschaft an Silvester und jetzt dabei, herauszufinden, was die Psyche so macht, wenn man nur 4,50 € pro Stunde verdient. Alles toll und unterschätzt, keine Frage!

Aber das ist NICHTS gegen den Spaß bei „Nicht nachmachen!“, einer Sendung bei ZDFneo, die so grenzdebil ist, dass sie sogar die neue GEZ-Regelung übertrifft.

Worum geht es?

Es ist eine Pseudo-Dokumentation, in der gezeigt wird, wie Bernhard Hoëcker und Wigald Boning mit allerlei in der Tat nicht nachzumachenden „Experimenten“ ein Haus völlig auseinandergestalten. Ob sie Rotwein in der Mikrowelle „temperieren“, einen Grill mit Haarspray betreiben, Böller in der Wohnung zünden oder Kartoffelkanonen ausprobieren: die Sendung ist schon wegen der Begeisterungsfähigkeit der beiden Moderatoren fantastisch!

Sicher, in der Sendung wird hauptsächlich zerstört, verschwendet oder … nein, eigentlich war es das. Das kann man ankreiden, keine Frage. Aber ich glaube tatsächlich, dass diese letztlich doch professionelle Show mit guten Kameraleuten und extremen Slow-Motion-Aufnahmen vielleicht das ein oder andere Youtube-Video-Experiment von minderbegabten Vollhonks verhindert, weil diese es niemals so schön auf Video bannen könnten.

Deswegen:

Nicht nachmachen! Aber anschauen!

Folge 1
(alles weitere findet sich so …)

Das Ganze hab ich übrigens auch nur via Herms Farm mitgekriegt …

PS: Ich weiß, dass ich in diesem Fall sowohl kindisch als auch spät dran bin. Aber so ist das halt manchmal 😉

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