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Zwischen den Arbeiten

Nicht falsch verstehen: Wir arbeiten hier immer. Heute zum Beispiel haben wir die neuen Küchenschränke aufgehängt und einen Teil davon hat Ozie zuvor erst zusammengeschraubt. Nein, das „zwischen den Arbeiten“ ist natürlich auf die Lohnarbeit bezogen. Ozie hat ihren Shop beendet, ich meine Arbeit bei der Apotheke und auch wenn ich auf dem Papier noch Taxifahrer bin: Ich bin offiziell in Elternzeit und die Kündigung ist bereits abgemacht und muss nur noch geschrieben werden. Tatsächlich muss ich nächste Woche allerdings nochmal mit dem Büro telefonieren, weil immer noch Elterngeld vom letzten Jahr aussteht.

Und ja, das ist so traurig, wie es klingt.

Natürlich war das alles kompliziert mit unseren verschiedenen Jobs, aber dass wir ausgerechnet an Frau Semmelbrösel* geraten sind, ist schon auch etwas abenteuerlich. Denn auch wenn unser Fall etwas außergewöhnlich war, so ist dieser Laden ja nur dafür zuständig, das Elterngeld zu berechnen. Und uns eben gegebenenfalls mitzuteilen, was genau wir einreichen müssen. Wir haben ganz legale Jobs und sonstige Tätigkeiten, dafür muss eine so spezialisierte Behörde halt auch Antworten haben. Ich konnte mich als Taxifahrer bei einer der seltenen Fahrten ins weite Umland ja auch nicht einfach zurücklehnen und sagen:

„Wissen se, Ihr Fall ist ja so schwierig, da muss ich erst einmal gucken, ob ich ein Warndreieck dabei habe, Wissen Sie zufällig, wo das sein könnte?“

So ähnlich aber macht Frau Semmelbrösel das. Die hat trotz noch anstehender Zahlungen einfach mal ein halbes Jahr Pause in unserem Fall gemacht und dann angerufen und uns erklärt, dass sie das ja schon alles sehr schwierig findet.

Ihr beispielloses Engagement war es, das uns scherzen ließ, dass wir uns ja beide im öffentlichen Dienst bewerben könnten, wenn da solche Leute arbeiten können. Und dass wir das ja wohl besser machen könnten. Fazit nach bisherigem Stand: Unser beider jeweils erste Bewerbung wurde angenommen. 😉

Und es soll ja Leute geben, die auf eine rechtzeitige Zahlung angewiesen sind, GERADE WEIL ihre Umstände etwas komplizierter sind.

Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Eigentlich wollte ich auf gar nichts hinaus, denn wären nicht das Spätzle und die Wohnungsoptimierung, dann könnten wir uns gerade jetzt noch etwas zurücklehnen und uns einfach freuen, wie gut es uns gerade geht. Und in gewisser Weise machen wir das sogar. Morgen gehen wir in den Tierpark, was sicher großartig wird, da unser Zwerg gerade seit zwei Wochen frisch festgestellt hat, dass es sowas wie Tiere gibt. Also Dinge, die sich von alleine bewegen. Heute auf dem Weg vom Spielplatz nach Hause hat er das Bellen eines Hundes minutenlang nachgemacht. Der wird sich wundern, wenn er morgen lernt, dass es das ganze auch in groß oder mit Hörnern gibt. 🙂

*Name geändert

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Slapstick-Unterkunft

oder: Das A und O eines Hotelaufenthaltes

Ich muss einfach noch „kurz“ unseren Stuttgart-Aufenthalt von Anfang August aufgreifen. Für alle Interessierten: Wir haben uns mit nur 30% Rückerstattung zufrieden gegeben, weil wir keine Querulanten sind.

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen. Stimmt schon. Aber mach das mal zu zweit mit Baby.
Wir sind bei Hotels nicht anspruchsvoll, also haben wir uns für unseren Stuttgart-Urlaub im unteren Preissegment umgesehen. Und waren im Grunde außerordentlich erfreut, dass sich das Angebot eines ortsansässigen A&O äußerst familienfreundlich gab. Zwei zusammenliegende Zimmer, davon eines mit Babybett, dazu eine Gemeinschaftsküche, ansonsten das übliche Tralala, drei Nächte mit Frühstück, nur knapp über 300 Euro, bitte, danke?

Leider nein.

Wir hatten die Kreditkarte im Vorfeld hinterlegt und schlugen erst spät am Hotel auf. Wir hatten 700 km Fahrt und ein mehrstündiges Treffen mit der Familie hinter uns, jetzt ging es ums Schlafen.

„Ich habe ihre Notiz gesehen, aber nun ist es so: Wir hatten ursprünglich zwei Zimmer nebeneinander für Sie gebucht, aber jetzt mussten wir wegen hoher Nachfrage … naja, sie haben jetzt Zimmer 106 und 270.“

Ja, man würde schon schnell über den Aufzug von einem ins andere …

Wir hatten die Zimmer extra so gebucht und telefonisch noch einmal nachgefragt, weil es uns darum ging, unser normalerweise sehr früh schlafendes Baby ablegen zu können und danach im zweiten Zimmer mit Babyphone noch etwas Zeit zu verbringen. Wenn das Babyphone keine Verbindung ins andere Zimmer hat, hat sich das alles erledigt.

Aber der Angestellte war nett und hat das spontan nochmal umgebucht. Ob es noch irgendwas zu beachten gäbe? Nein. Die Zimmer sind im ersten Stock und ausgeschildert.

Als sich die Fahrstuhltür öffnete, sahen wir in einen von Malervlies bedeckten, nur halb gestrichenen Flur mit herabhängenden Malerfassungen. Keine Schilder, nur an den Türen Notizen der Handwerker, wie welches Zimmer einzurichten ist.

Um diese Stelle abzukürzen: Unser Zimmer lag hinter der nächsten Brandschutztür „versteckt“ im nicht mehr akut zu renovierenden Bereich. Ein Hinweis darauf wäre wenigstens nett gewesen. Aber ich musste ja ohnehin wegen des Babybettes gleich wieder runter zur Rezeption.

Denn das mit dem Babybett war gelinde gesagt eine Doppelkatastrophe. Es empfing uns schon knautschig und offensichtlich nicht korrekt entfaltet. Wir haben ein ähnliches Modell zu Hause, daher haben wir das gleich gesehen und konnten es sogar mit einigem Hin und Her fertig ausklappen. Ist eine Scheißarbeit, hätte in dem Fall aber nicht unsere sein müssen.
Und dann? Überraschung: Es hatte keine Matratze!
Man kann nicht sagen, dass die Hotelangestellten das nicht bemerkt hätten, denn dem krumm dakauernden Bettchen lag eine schwer zu ermittelnde Anzahl weiterer (Erwachsenen-)Bettgarnituren bei.

„Wir dachten uns, Sie könnten vielleicht ein paar Decken reinstopfen …“, erklärte mir der Mann hinterm Tresen. Da hab ich kontern müssen:

„Guter Mann, bei unserem Kleinen mag das grenzwertig sein vom Alter her, aber ich erzähle ihnen jetzt mal was: Babys sind knackedoof. Die drehen sich auf den Bauch, blicken’s einen Nuller und ersticken dann. Einfach so. einen Haufen Decken anstelle von Matratzen in Babybetten stopfen geht gar nicht!“

Er wäre aber schon überall im Haus gewesen und sie hätten halt keine Matratzen mehr. Ich verstand das akute Problem sehr gut, aber wir waren mit dem Auto da und hatten so ein Bett zuhause. Ich hätte unser eigenes mitgebracht, wenn wir uns nicht extra telefonisch hätten versichern lassen, dass das mit dem Bettchen selbstverständlich garantiert wird. Arrrgh!

Ich hab mich hilfsbereit gezeigt, denn ich bin zum einen kein Unmensch, zum anderen wollten wir auch einfach nur endlich schlafen:

„Vorschlag meinerseits: Sie besorgen uns noch eine normale Matratze für Erwachsene. Wir legen die auf den Boden, da kann das Baby dann nicht zu tief fallen, das wird schon gehen für die drei Tage.“

Man kann wirklich nicht sagen, dass die Angestellten dort mies waren. Besagter Rezeptionist hat meine Idee dankbar aufgegriffen, auch mehrfach angemerkt, dass „alles ab jetzt natürlich nur eine kleine Verbesserung und nicht der Optimalzustand“ werden würde und einfach eine Matratze in unser Zimmer geschleift.

Baby konnte schlafen, ist auch wirklich nie aus dem „Bett“ gepurzelt, alles ok. Oder?

Nein.

Wie das denn mit der Gemeinschaftsküche und dem Kühlschrank dort sei, musste ich noch fragen, denn unser Spätzle musste ausgerechnet über den Urlaub hinweg noch zu kühlende Antibiotika nehmen.

Na das sei natürlich wegen der Renovierung gerade schlecht. Die Küche würde so einfach noch nicht existieren.

WHAT. THE. FUCK.

Wie gesagt: An den Mitarbeitern vor Ort lag es nicht. Die haben mir umgehend erlaubt, den Personalkühlschrank mitzubenutzen, wo wir fortan unsere Kühlakkus gekühlt haben. Was bedeutete, dass wir deswegen jeden Morgen und Abend zur Rezeption mussten, um die Dinger abzugeben und abzuholen.

Die Baustelle zeigte sich auch von Tag zu Tag innovativer. Mal mussten wir Leitern der Bauarbeiter aus dem Weg räumen, um die Tür freizumachen, hinter der unser Flur lag und ab Tag zwei war der Boden vor dem Aufzug von doppelseitigem Klebeband bedeckt, was einem leicht versehentlich die Schuhe ausziehen konnte.

Der zugesicherte Hochstuhl im Frühstücksraum war auch so eine Sache, denn auf die geschätzten 300 Sitzplätze kamen drei Hochstühle. Die billigen von Ikea, die keine 20 Euro kosten und von denen sich locker acht übereinander stapeln lassen. Aber nee, so viel wäre wohl zu viel gewesen. Drei. Fertig. Musste man halt mal warten.

Das war nur noch zu toppen durch den Abreisetag, an dem der Fahrstuhl zum Frühstücksraum aus irgendwelchen Gründen nicht dorthin fuhr. Nicht nur versuchten die dieses Mal sehr unmotivierten Mitarbeiter, einem Aufzüge zu empfehlen, die einfach nicht bis ins Untergeschoss führten, nein, sie zeigten auch sichtlich wenig Verständnis dafür, dass das mit Kinderwagen vielleicht ein kleines Problem sein könnte.

Und Tee gab es auch nicht: Weil ist ja Renovierung, deswegen kein heißes Wasser.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass in unserem neu renovierten Flügel zwar beherzt die Zimmer vergeben worden sind, allerdings bevor sie bei den Fernsehern die Sender eingestellt hatten. TV war also auch keine Option, im Übrigen auch das ohne vorherige Information. Wir sind nun wirklich die letzten, die zum Fernsehgucken ins Hotel gehen, aber wie man sieht: Wir haben es bemerkt …

Obwohl wir unseren Urlaub gut um all das herumbiegen konnten: Arg viel desaströser geht es vermutlich wirklich kaum. Und ganz ehrlich: Ohne Renovierung wäre bis auf den Hochstuhlmangel wohl nix von all dem passiert. Aber ja, auch dann darf halt nicht alles auf einmal schief laufen, auch das gehört zu der Organisation, für die man zahlt.

Wie auch immer. Wir haben es überlebt und das Hotel unseren Rabatt sicher auch. Weitermachen!

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Wie es weitergeht

Es ist erstaunlich, wie schnell so ein Blog zum Erliegen kommen kann, wenn man nur genug zu tun hat. Eigentlich wollte ich schon spätestens unseren Kurzurlaub in Stuttgart Anfang August minutiös auseinandernehmen, hatte sogar schon reihenweise Fotos von verschiedenen Wurstsalaten gemacht, die ich dort zu mir genommen hab – aber nicht nur hat es am Ende nicht für einen Wurstsalat pro Tag gereicht, ich bin auch mal wieder nicht zum Schreiben gekommen.

Neben dem täglichen Klein-klein zwischen Kita und Mittagessen hält uns gerade vor allem auf Trab, dass wir entschieden haben, zumindest mal noch ein paar Jahre in Berlin zu bleiben. Was zum Beispiel bedeutet, dass wir uns mal wieder intensiv mit unserer Wohnung beschäftigen, bei der wir zumindest seit 2018 Dinge oft verschoben haben mit dem Wissen, dass das irgendwo anders vielleicht einer anderen Lösung bedarf und wir uns zum Beispiel nicht jetzt einen großen Aufbewahrungsschrank kaufen, denn wer weiß, ob der in der neuen Wohnung noch passen wird …

Aber das hat sich erst einmal erledigt, denn Ozie hat ab nächsten Monat eine neue Arbeit und bei mir sieht es bisher auch gut aus. Das Studium hab ich erst einmal verworfen, auch wenn ich noch keine konkrete Zusage habe, denn zum einen ist der potenzielle Job es wert, darauf zu warten, zum anderen haben wir trotz derzeit gut gefülltem Rücklagenkonto die Entscheidung getroffen, dass eine Tätigkeit, die kein Geld bringt UND nicht mit den Betreuungszeiten des kleinen Spätzles kompatibel ist, vielleicht ein bisschen arg heftig ist. Und so bleibt jetzt nur noch die Entscheidung entweder für eine Arbeit mit gutem Gehalt, mit dem wir uns eine Betreuung leisten können oder gegebenenfalls halt doch einem Nebenjob – vielleicht ja sogar wieder schreiben – bei dem ich mich zusätzlich um den Nachwuchs kümmern kann. Es sieht also immer noch sehr gut aus, egal was passiert. Und die Entscheidung wird in den nächsten Tagen fallen.

Bis dahin sind wir dabei, neue Möbel aufzubauen, was bei einer riesigen Kleiderschrankkombo, neuen Küchenschränken, einem Sofa, diversen Flurschränken und und und nicht unbedingt eine eintägige Arbeit ist. Tatsächlich hat uns alleine die große Speditionslieferung von Ikea mit 380 kg in 100 Einzelteilen mit mehr als 2m³ Volumen zurückgelassen und wir müssen trotzdem (bzw. genau deswegen) derzeit die Töpfe auf der Kommode in Ozies Zimmer lagern.

Hätte man mir vor zwei Jahren gesagt, dass ich mal regelmäßig um 22 Uhr ins Bett fallen würde, ich hätte laut gelacht, aber so ist es derzeit.

Dafür soll heute der große Schrank im Flur fertig werden. Zwischenziele sind wichtig.

Und mit etwas Glück bekomme ich die Tage dann noch die Zusage für meinen Job, allerdings würde das natürlich auch wieder neue Planungen anstoßen, denn wie gesagt: Dann haben wir das Problem, dass wir mit den Kita-Zeiten hier und da in Bedrängnis kämen. Und die Steuererklärung für letztes Jahr ist auch noch nicht gemacht. Damn!

Wenn man mit 37 Jahren eines gelernt haben sollte, dann: Es hört nicht auf! Es kommt nie der Tag, an dem man sich einfach zurücklehnt und die Dinge passieren in festgelegter Reihenfolge und alles ist gut. Also bis auf die allerletzten Tage, aber die will man mit 37 dann auch noch nicht haben. Bis dahin gibt es immer noch was zu tun, zu ändern, zu verbessern. Und eigentlich ist das auch gut, man weiß es halt nur nicht immer zu schätzen.

Hier jedenfalls ist gerade Action angesagt.

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Gut schlafen

Heute wäre eine prima Nacht, um einfach gut zu schlafen. Nach mehreren Fiebertagen ist das Baby wieder fit und in der Kita, damit abends wieder mehr als nur erschlagen im Bett. Dank der Sache mit der VG Wort stimmt die Kohle, wir haben sogar angefangen, auf einen Spontanurlaub zu planen. Ozie hat wieder Erwarten ein Vorstellungsgespräch nach der ersten verschickten Bewerbung und nebenbei hat ihr auch noch die IHK geschrieben, dass sie Geld zurück kriegt.

Ich meine: In welchem Universum bekommt man Geld von der IHK zurück? Wir sollten dringend anfangen, Lotto zu spielen!

Damit nicht genug: Nach all den Jahren, in denen ich das eher ausgeschlossen habe, hab ich ein Studium gefunden, auf das ich mich beworben habe. Der Brief ist vorher raus und ich bin guter Dinge. Nicht weil mein Abi so gut war oder ich glaube, als 37-Jähriger Erststudent sonderlich glaubhaft zu wirken, sondern weil ich mir nicht vorstellen kann, dass Museumskunde überlaufen ist.

Ja, Museumskunde. Das ist so ein Studiengang, wo niemand sagt „Oh ja, das passt zu Dir!“. Und ich hätte das auch nach der Schule nie als Option gesehen, aber wenn ich mir das jetzt gerade durchlese, wirkt es wie das, was ich immer gesucht habe. So weit, so gut.

Und nun hab ich auch noch ein Bewerbungsgespräch. Noch vor Ozie, mitten im angedachten Urlaub.

What the Fuck? Ehrlich jetzt!?

Ich hab die Bewerbung, geplant als eine von vielen, noch vor der VG-Wort-Geschichte rausgehauen. Schnell gut Geld verdienen. Ozie und ich haben die Jobs, die da so zusammengepurzelt sind, Einhornjobs genannt: Jobs, die für meine Verhältnisse sehr gut bezahlt sind und bei denen ich wundersamerweise einen guten Teil der Voraussetzungen erfülle.

Die, die mich die letzten Jahre nicht hauptberuflich gestalkt haben, seien daran erinnert, dass ich formal keinerlei Ausbildung habe.

Und jetzt aber auch keinen Bock mehr auf Fahrer- oder Helferjobs.

Schwierige Lage, weiß ich.

Und trotzdem ein Vorstellungsgespräch. Öffentlicher Dienst btw, nur falls jemand fragt, wo sowas klappen soll.

Und so passiert es dann – once in a lifetime – dass man auf einen Schlag mehr Möglichkeiten, Aussichten, Chancen und einfach nur Glück hat, als es eigentlich pro Dekade angemessen wäre. Mit einer Einschränkung: Wie zur Hölle soll man da gut schlafen und das Ganze nicht dreißig Mal zergrübeln?

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Eingewöhnung geht weiter

Die ersten Tage ist so eine Kita-Eingewöhnung ja eigentlich … Kinderfasching. Ich für meinen Teil stelle mit einigem Erstaunen fest, wie nett es ist, mit einem Haufen Kinder im Raum rumzusitzen und ihnen beim Spielen zuzusehen. Und in Anbetracht der Tatsache, dass die Zwergeulen nur so ein bis anderthalb Jahre alt sind, ist das keine nichtssagende Aussage, da das was dort als Spiel passiert, im Wesentlichen destruktiv ist und meistens nur durch Stürze der Protagonisten aufgelockert wird.

Da Sophie bisher die Krabbelgruppe einmal pro Woche mit dem Kleinen besucht hat, ist das aber wirklich nochmal eine neue Seite, die ich an ihm kennenlerne. Denn in meinem Beisein ist er ja stets der kleine allmächtige Held, der sich in seinem Spielzimmer sicher fühlt, was eben auch bedeuten kann, dass man mal zwei Sekunden nicht aufpasst und das Baby plötzlich aus ungeahnter Richtung auf einen draufklatscht, weil „Papa fängt mich immer!“. Und dann sitzt er jetzt ruhig und vorsichtig da, fast schon besonnen.

Und merkt es auch mal für eine Viertelstunde gar nicht, dass ich mich ein paar Meter weggesetzt habe und gerade keinen direkten Schutz biete. Er duldet sogar hier und da, dass Bauklötzchen-Türme gebaut werden. Etwas, das zu Hause sofort einen sehr niedlichen Killerinstinkt einrasten lässt, wodurch nicht einmal zwei einzelne aufeinandergestapelte Steine eine Chance haben, der totalen Durchpflügung des kompletten Bezugssystems zu entkommen. Besser, die Bauklötze liegen in drei verschiedenen Räumen als übereinander.

Natürlich ist er nicht zu 100% wie ausgewechselt, aber dass es bisher keine Verletzten gab, ist beeindruckend.

Klar, den Raum komplett verlassen darf ich noch nicht, aber es war schon beachtlich, dass mir die Erzieherin heute zu attestieren versuchte, dass er wohl Übung darin hätte und sicher öfter mal bei Oma alleine sei …

Meine ehrliche Antwort lautete wie folgt:

„Überhaupt nicht. In den inzwischen 14 Monaten waren es bisher exakt zwei Stunden, in denen nicht entweder ich oder meine Frau bei ihm waren.“

So ist es halt derzeit bei uns. Fast die komplette Familie wohnt ein paar Stunden Anfahrt entfernt, Großeltern hat er ja fast keine, wenn man das so sagen darf, wenn der einzige Opa 650 km entfernt wohnt.

Einen sehr engagierten Großonkel hat er hier in Berlin, aber der ist auch berufstätig und wenn er zu Besuch ist, sind Sophie und ich bis auf besagte zwei Stunden bisher eben trotzdem auch immer da gewesen.

Obwohl ich natürlich auch diesen Mein-Kind-ist-das-allerbeste-Bias habe: Ich glaube, er macht das wirklich auch objektiv sehr gut gerade. Und mal abgesehen davon, dass ein einziger kompletter Kita-Tag unsere kinderfreie Zeit gerade verdreifachen würde: Darum geht’s ja – dass der Kleine Spaß hat und tollen Input bekommt. Und wenn er das Rüstzeug, das zu genießen, schneller erwirbt, ist das doppelt gut.

PS: Inzwischen hat sich auch eine zweite Kita zurückgemeldet und das macht einen natürlich gleich nervös. Was, wenn die doch besser gewesen wäre, sollen wir nochmal, wollen wir …?
Wir haben beschlossen: Nein! Die hatten alle Vor- und Nachteile und außerdem läuft es bisher gut. Irgendwann muss man sich auch mal zurücklehnen können.

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Der erste Kita-Tag

Die Zeit vergeht und nun war es schon so weit: Der „Fitness-Test“ der Kinderärztin war eingeholt und unser Spätzle war mit mir gestern das erste Mal in der Kita. Ein Tag, bevor er die 14 Monate voll gemacht hat.

Natürlich sind wir erst am Anfang der Eingewöhnung, aber bisher bestätigt sich unser Verdacht, dass der Kleine so langsam reif für den Spaß sein könnte: Denn normalerweise ist der erste Tag so etwa auf eine halbe Stunde ausgelegt, was aber von allen Beteiligten – dem Baby zuvorderst weg – schnell vergessen wurde. Er saß da rum und hat gespielt. Es gab ja auch so viel neues zu entdecken. Steckpuzzle, Instrumente, viele verschiedene Bälle.

Ja, die anderen Kinder hat er erst einmal nur so über sich ergehen lassen. Wobei: Ein, zwei Interaktionen mit sich gegenseitig Spielzeug reichen waren schon auch drin und nix von all dem hat zu Tränen geführt. Viel zu viel zu tun, um zu weinen!

In der komplett neuen Gruppe in der Kita haben gerade alle Eingewöhnung, es waren also mehr Erwachsene als Kinder da. Aber selbst das Fremdeln hat sich am Ende erst einmal auf Desinteresse beschränkt. Wenn die doofe Erzieherin einen doofen Ball geworfen hat, ging’s halt weiter zum nächsten Buch.

Die wirkliche Sternstunde kam dann beim Essen, bei dem wir im Grunde ja nicht einmal eingeplant waren. Es gab Nektarinen und Birnen, das kannte das Spätzle ja. Ich hab das mit dem Platzieren auf dem Stuhl übernommen und mich dann ein Stück weit hinter ihn gesetzt. Und da saß er dann, hat beim Anreichen brav einen Fruchtschnitz genommen und brav vor sich hingemümmelt. Obwohl er der einzige war, der den ersten Tag hatte, haben sich andere weit mehr gesträubt. Vielleicht zahlte sich da aus, dass er so lange schon bei uns am Tisch mitisst, vielleicht war’s nur Glück. Wir werden sehen. Die harten Prüfungen mit der Trennung von Papa kommen ja erst in den folgenden Wochen.

Und egal, ob das jetzt zwei oder sechs Wochen dauert: Das wäre alles in Ordnung. Das werden wir sehen. Tag 1 jedenfalls hat dem Kleinen Spaß gemacht und ist somit optimalstens gelaufen. Wohler kann man sich als Papa mit so einem Ergebnis nicht fühlen. 😀

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Urlaub vorbei

Der letzte Teil meiner Bettwäsche rödelt im Trockner, ich hab das erste der letzten drei Bier aufgemacht und die Wohnung erstrahlt in bestmöglichstem Glanze. Nicht perfekt, aber ich hab schon ein paar Dinge erledigen können, zu denen ich bisher nicht gekommen war.

Vielleicht schaue ich gleich noch das zweite Fußballspiel, vielleicht zocke ich aber auch lieber noch eine Runde Fallout 4. Wobei ich mich da gerade in eine missliche Lage bezüglich der Munition gespielt habe, was das Vergnügen etwas schwerfällig macht. Ich bin ohnehin nur zu sechs Stunden Spiel gekommen. Bzw. hab mich aufraffen können.

Wie ich in den letzten Jahren schon festgestellt habe: Sturmfrei ist nicht mehr das, was es mal war. Natürlich ist eine Auszeit vom Baby mal angezeigt und ich hab auch ausgiebig gut gegessen und ein paar Bier genossen im Laufe der letzten Tage. Es war toll. Aber irgendwie auch extrem langweilig. Ich hatte wenig Bock auf Filmschauen und Zocken und eigentlich hatte ich mich genau darauf gefreut. Manchmal machen Gehirne komische Sachen.

Einmal Ausschlafen hab ich noch. Was voll super ist, allerdings hab ich in den letzten Tagen nie länger als siebeneinhalb Stunden geschlafen. Was zwar etwas länger ist als sonst gerade so, aber es war geprägt von den gleichen nächtlichen Unterbrechungen und das kleine Plus war im Grunde nicht einmal geeignet, das mit dem Bier auszugleichen. Und selbst da hab ich keine Exzesse veranstaltet.

Ich freue mich, meine Familie wiederzusehen – was immerhin mal ein neuer Satz ist. Das Baby natürlich, aber auch Ozie. Im Grunde hätte ich mich gefreut, wäre sie hier gewesen. Wir hatten in den letzten Monaten meist nur kurz Zeit, immer war irgendwas mit dem Nachwuchs und dann waren wir immer beide kurz angebunden und haben uns – gerne auch über den jeweils anderen – geärgert, dass gerade wieder freie Zeit für irgendeinen Nonsense draufgeht. Da gibt es auf jeden Fall Nachholbedarf. Vielleicht ja, wenn das mit der Kita mal angelaufen ist. Es ist zwar beeindruckend, sagen zu können, dass sich jetzt in 14 Monaten nur einmal für zwei Stunden keiner von uns ums Baby gekümmert hat, aber ganz spurlos geht sowas auch nicht an uns vorbei. Fast beängstigend, dass man das erst merkt, wenn man sich mal „ausklinkt“.

Aber genug Trübsal geblasen. Eigentlich ist es immer noch toll und bis morgen Mittag hab ich die plötzlich erschreckend große Bude noch für mich. Und ab übermorgen werde ich mich ins Heute zurückwünschen, ich kenne mich doch: The grass is always greener on the other side. 🙂

Und immerhin fühlt es sich gut an, dass die To-do-Liste gleich komplett leer sein wird. Das erste Mal seit Wochen. Wenn nicht Monaten. Und ja, einer der Punkte war der Eintrag hier.

Leute, genießt Eure Freizeit, wenn Ihr welche habt! Zumindest etwas mehr, als ich es augenscheinlich getan habe.

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