Sixt im Urlaub, erste Zusammenfassung

Wir sind bei Autovermietungen ja insgesamt relativ erfahren. Weit weg von Hardcore-Nutzern vielleicht, aber bevor wir unsere ersten eigenen Autos hatten und bevor wir Geld hatten, haben wir hier und da Anbieter ausprobiert und unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Nachdem das mit dem Geld besser wurde, sind wir irgendwann bei Sixt hängengeblieben, und zwar weil es unkompliziert war. Wir haben eine WG-Geschichte durch, in der wir wie alle aus Berlin regelmäßig Robben geliehen haben, aber irgendwann haben wir festgestellt, dass 50 € mehr wirklich einen Unterschied machen können, wenn man dafür viel flexibler ist, das Auto wo anders abstellen kann, die Zeit anpassen, upgraden, was einem halt so einfällt. Als die mir damals bei der ersten Miete gesagt haben, dass ich das Auto wirklich nicht aussaugen muss, weil das so schon passt, war das irgendwie ein Gefühl, als wären wir endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mit dem Background muss ich sagen: Ich mag Sixt! Ich mag, wie man da unkompliziert online bestellen und die Kiste dann einfach abgeben kann, ohne noch einen Fragebogen auszufüllen, ohne live dabei zu sein, wie jemand kritisch ums Auto geht.

Und jetzt dann dieser Urlaub, bei dem die Optionen im Gegensatz zu damals in Berlin erstmals wieder ECHT begrenzt waren …

Wir waren liegen geblieben, es war Samstag Nachmittag. Um es kurz zu machen: Wir hatten die Möglichkeit, bei Europcar am nächsten Morgen einen Kombi für 600 € für den ganzen Urlaub zu kriegen. Super Sache, wenn einem das Auto abgeraucht ist und man eh schon ein Hotelzimmer gebucht hat. Aber dann bot Sixt online an, in „nur“ 70 km Entfernung am Flughafen Hannover NOCH HEUTE einen Kombi zu kriegen. Quasi selber Preis, ein paar Euro mehr, aber mit der Option, den Urlaub nicht zu verkürzen. Wir könnten noch abends fahren. Muss man halt prepaid reservieren, denn mit einer Flex-Tarif-Buchung wüsste man nicht ganz so sicher, was man kriegt. Also Kreditkarte, prepaid, Golf oder Octavia Kombi FTW und dann mal schnell für 150 € einen Fahrer organisiert, um hinzufahren um das Auto zu holen …

„Ja, schade, dass die Reservierung so kurzfristig war, denn einen Kombi haben wir jetzt nicht da.“
„Das ist doch nicht Ihr Ernst, oder? Ich hab in Seesen einen vollgepackten Zafira stehen, den ich umladen muss.“
„Hmm, ja das ist ungünstig. Ich könnte ihnen einen BMW 2 Active Tourer als kostenloses Upgrade anbieten …“

Für alle Nicht-Auto-Nerds: Wir reden hier von 400 statt 600 Liter Kofferraumvolumen.

Ich musste dann also ca. 250€ extra zahlen, um einen Passat zu mieten, damit ich überhaupt ein für mich nutzbares Fahrzeug hatte. Schlimm genug. Aber ich hab extra nachgefragt, ob ich Zeit und Rückgabestation noch ändern könnte, weil wir ja noch gar nicht wussten, wie sich das alles entwickeln würde, und: Natürlich! Alles easy per App! Na denn!

Wie gesagt: Weil an besagtem Samstag kaum Anbieter verfügbar waren, hatte es sich nur zufällig ergeben, dass wir jetzt am Flughafen Hannover waren. An sich war das super unpraktisch, da ich ja hin und zurück musste. Bei 955 km fährt es sich echt mit sehr seltsamen Gefühlen knapp 100 km in die Gegenrichtung, aber es hieß, dass wir noch am späten Nachmittag weiter könnten. Das mit dem Aufpreis war zum Kotzen, aber ich stand jetzt in Hannover und ich hätte ohne passendes Auto trotzdem zurück nach Seesen müssen, wir hätten ein zweites Hotelzimmer buchen müssen, wenn man das zeitlich und finanziell gegenrechnet, war das immer noch besser als es zu lassen.

Ab da lief es erstmal. Vielleicht schreibe ich über das Auto nochmal irgendwann, aber es war ein tadelloser fast neuer Mietwagen, der uns dann bis tief in die Nacht schnell und sehr bequem in den Urlaub gebracht hat und uns dort gute Dienste geleistet hat. Schade, dass ein 70.000€-Auto immer noch einen engeren Kofferraum hat, aber wir haben es geschafft.

Dann hab ich nach drei Tagen mal angefangen über die Rückfahrt nachzudenken und hab im Anschluss versucht, die Abgabe auf Goslar zu verlegen. Das liegt fast bei Seesen, da fährt alle Stunde ein Zug in 18 Minuten rüber, alles deutlich besser als Hannover.

Verlegung der Station kostet 31 €, Verlängerung um eine Stunde – zur Sicherheit für uns – auch nochmal 8. Naja. Aber als ob es darauf noch ankommen würde. Und wir hatten sowieso bereits überlegt, wegen der Nichtverfügbarkeit eines Kombis das Upgrade bei Sixt in Frage zu stellen. Aber erst mal alles egal, denn die App brachte mir eine Fehlermeldung, es konnte keine Zahlung veranlasst werden, weil das bei Prepaid-Buchungen nicht geht. Sehr blöd, aber dafür gibt es ja den Support. Der hat mir dann telefonisch mitgeteilt, dass es eigentlich gehen müsste und die Karte wohl nicht gedeckt sei. War sie. Wir wussten das, weil wir das in den Tagen ja auch schon extra regeln mussten, weil wir die Kosten so nicht erwartet hatten. Nach zwei Telefonaten hab ich das Ganze dann mal schriftlich gemacht.

Ich hab ihnen alles beschrieben, welcher Fehler kommt (der kam bei den Mitarbeitern übrigens auch, wenn sie es selbst versucht haben), versichert, dass die Karte gedeckt ist und den Vorschlag gemacht, dass sie das mal ohne Gebühren versuchen mit dezentem Hinweis darauf, dass wir ja ohnehin schon 250 Euro mehr gezahlt haben, weil Sixt das versprochene Auto nicht hatte.

Antwort: Ihre Karte ist nicht gedeckt, melden Sie sich nochmal, wenn sie gedeckt ist.

Ich: Ist gedeckt. Was ist mit meinem Vorschlag?

Antwort: Das geht systemseitig nicht.

Ich: Ja, das ist ja keine Lösung. Was machen wir denn jetzt?

Antwort: Ihre Karte ist nicht gedeckt, melden Sie sich nochmal, wenn sie gedeckt ist.

Ich hab schon Scherze drüber gemacht, dass die ganz schön locker dafür sind, dass ich ihr Auto hab und die nicht an mein Geld kommen. Aber dann kam nochmal eine Mail vom Support.

Antwort: Ihre Karte ist nicht gedeckt, melden Sie sich nochmal, wenn sie gedeckt ist.

Ich weiß nicht, ob ich mit einem Menschen oder eine KI geschrieben habe, aber dass da nichts sinnvolles mehr kommt war eindeutig. Ist auch bis heute nicht. Am Abreisetag um 4 Uhr kam die automatische Mail, dass ich nochmal checken soll, ob meine Daten zur Fahrzeugrückgabe so stimmen würden … das kam von einem anderen Server, schon klar. Aber für den Support war die Sache damit geklärt.

Wir hatten ja noch eine eigene Idee. Wir hatten ja bei der Rückreise auch vor Hannover ein paar hundert Kilometer zu fahren und da waren ein paar Filialen grob in Schussrichtung. Wir haben gleich die erste in Schleswig während einer ersten Frühstückspause pünktlich zum Öffnen aufgesucht und ich weiß jetzt wirklich gar nicht mehr, was ich sagen soll.

Zunächst muss ich festhalten, dass die Mitarbeiterin dort fantastisch war. Sie war – obwohl sie sichtlich im Stress war – nett, professionell, sie hat zugehört, sie hat soweit ich das als Außenstehender beurteilen kann alle Hebel in Bewegung gesetzt, die sie jetzt da setzen konnte, aber alles was sie gemacht hat, war halt wieder systemseitig nicht vorgesehen. Oder lag an meiner Karte, klar. Also sie hat unseren Abgabeort nicht verlegen können, es war technisch nicht möglich. Für uns war das – ich will jetzt nicht alle Pläne A-F auflisten, aber wir haben es durchdacht – nicht nur ein kleines Ärgernis, sondern wieder was, was enormen Zeit- oder Geldaufwand verursacht hätte. Fast 1.000 km mit zwei kleinen Kindern ist echt schon ein Akt, wenn man zwischendrin nicht Autos wechseln und Hin- und Herfahren muss. Deswegen haben wir die einzige verbleibende Lösung angenommen, die natürlich vollkommen bescheuert ist und klingt als hätten wir unser Gehirn durch ungezuckerte Haferflocken ersetzen lassen: Wir haben das Auto nochmal für einen Tag neu gemietet. Natürlich für horrendes Geld. Wobei ich mir mit der Mitarbeiterin einig war, dass wir nicht die Absicht haben, da irgendwas zu zahlen.

Um das nicht unerwähnt zu lassen: Die Mitarbeiterin selbst hat gesagt, wir könnten auch versuchen, das Auto einfach in Goslar statt Hannover abzustellen und dann halt mal gucken, was passiert. Wäre wahrscheinlich billiger gewesen und hätte vielleicht auch geklappt, aber es war uns ehrlich gesagt zu unsicher, weil das keine reguläre Filiale war und wir nicht wussten, was der Tankwart von Aral macht, wenn man ein unangekündigtes Auto bei ihm loswerden will. Er sollte es annehmen müssen, sagte die Mitarbeiterin, aber so wie das bisher alles gelaufen war, wollte ich nicht bei der Abgabe noch anfangen zu diskutieren. So eine Fahrt bietet einem viel Unsicherheit, wir wollten diese eine gerne ausräumen.

So schlecht die Lösung war, so gut hat sie dann natürlich geklappt. Ich hab das Auto extra und mit Ansage mit der vermeintlich nicht gedeckten Karte bezahlt und wir haben unsere Fahrt so wie geplant durchgezogen. Wir waren immer noch von 5.30 Uhr bis 20:30 Uhr unterwegs, aber so war es auch geplant. Bei der Abgabe hab ich dann zwar gar nichts mehr gekriegt und bin mir auch nicht sicher, ob ich dem Tankstellenmitarbeiter nicht auch meinen Briefkastenschlüssel hätte geben können, aber ich kann mich ja nicht alleine um dieses Unternehmen kümmern.

Um ehrlich zu sein, weiß ich noch gar nicht, auf welchem Wege wir da jetzt bei Sixt einreiten. Aber dass aus einer 680€-Miete, mit der alles klappen sollte, am Ende ca. 1.200 € und eine ganze Woche Stress geworden sind, das wird so nicht stehen bleiben. Wenn es was gibt, melde ich mich, versprochen.

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